Titel: Kälte
Rating: Ich versuche mal T und hoffe das Beste…
Pairing: Edmund/Caspian
Genre: Drama, Romance, Angst
Disclaimer: Nischte an dem Narniaverse und seinen Charakteren gehört mir.

Erklärung/Spoiler: Geplant war das ganze im Bookverse zu halten, was irgendwie nicht geklappt hat, es empfehlt sich also, dass man evtl. „Die Morgenröte" gesehen hat bzw. zumindest das Buch kennt, um den Teil der Handlung, der NICHT beschrieben ist, auch nachvollziehen zu können. Dazu habe ich mir ein paar künstlerische Freiheiten erlaubt, um das ganze, so wie es ist, funktionieren lassen zu können (z.B. teilen nur Edmund und Caspian eine Kabine auf der Morgenröte etc.).


Nacht 1 - Edmund

Edmund war müde und erschöpft. Er war wieder zu hause. Wieder in Narnia. Wieder bei ihm. Trotz all der Freude darüber, war der Tag anstrengend gewesen. Er hatte wieder lernen müssen ein König zu sein. Es schien fast so, als hätte er es in seinen Tagen in London verlernt. Gott, wie er sein Leben dort hasste. Jede einzelne Sekunde davon. Aber jetzt, jetzt war London weit weg. Er war in einem Raum mit ihm. Hörte seinen Atem und war nur wenige Meter von ihm entfernt. Er hatte nicht im Traum zu hoffen gewagt, dass das irgendwann passieren würde. Vielmehr hatte er Angst, dass Jahrhunderte in Narnia vergehen würden, bevor er seinen Weg zurückfinden würde und das Caspian dann schon lange tot war. Gestorben, ohne, dass Edmund ihn noch einmal sehen konnte. Weg, weg für immer. Diese Angst hatte ihn in London täglich begleitet und er hatte jede Nacht wachgelegen und gehofft, dass er ihn wieder sehen würde.
Er fühlte, wie das Schiff sich langsam hin und herneigte und genauso tat es auch seine Hängematte. Langsam entspannte er sich.
„Edmund?"
Er schreckte leicht hoch, als er Caspians Stimme hörte, die er sich in der Zeit, die er von ihm getrennt gewesen war, so oft vorgestellt hatte, aber die in seiner Erinnerung nie so klang, wie jetzt.
„Hm", entgegnete er. Er war zu müde für ganze Sätze.
„Kann ich dich was fragen?"
Er spürte, obwohl er seine Augen nach wie vor geschlossen hatte, dass Caspian seinen Kopf zu ihm gedreht hatte. Er war müde, er war erschöpft, aber er antwortete doch mit einem „Klar" und öffnete die Augen. Jede Nacht in seiner Welt hatte er sich vorgestellt, wie es war, wenn er ihn wieder sehen würde. Er musste diesen Moment in sich aufnehmen. Ihn aufsparen für die Ewigkeit.
„Wie ist es in deiner Welt?"
Ed drehte seinen Kopf in Caspians Richtung und versuchte ihn in der Dunkelheit zu fixieren.
„Das willst du wissen?" Er war erstaunt über die Frage, versuchte dann aber sie so gut es geht zu beantworten: „Weißt du, eigentlich habe ich mehr meiner Zeit in Narnia verbracht, als dort. Es ist…" Er überlegte kurz, „anders. Alles ist anders. Es ist lauter, schneller. Der Krieg hat meine Welt verändert. Und das nicht gerade zum Guten. Es ist…ist eben einfach anders. Es ist nicht wie hier."
„Wie meinst du das?"
„Ich habe ein ganzes Leben in Narnia verbracht und dann, dann wurde ich zurückgeworfen in meine Welt. In dem Köper eines Kindes. Aber ich hatte eine alte Seele, verstehst du? Alle sehen in mir das Kind, die ungestüme Jugend, dabei habe ich schon mehr erlebt, als sie alle zusammen. Aber das sieht niemand. In meiner Welt sieht das niemand. Für die anderen war es immer einfacher zurückzukommen. Sie waren schnell wieder das, was sie vorher waren, aber für mich..." Er suchte nach den richtigen Worten, verhaspelte sich zweimal, bevor er mit klarer Stimme weiterreden konnte: „Du weißt davon sicher nicht, da die Geschichtsschreibung netter zu mir war, als ich es verdient habe, aber ich bin ein Verräter. Ich war derjenige, der der weißen Hexe geholfen hat und nur dank Aslan bin ich heute hier und wurde später ein König. Auch wenn mir alle verziehen haben, was damals passiert ist, ich habe es mir nie verziehen. Weder in meiner Zeit hier, noch in meiner Zeit in meiner Welt. Sie war immer ein Teil von mir und wahrscheinlich wird sie das auch immer sein. Sie hat den düstersten Teil von mir gesehen und das kann man nicht so einfach ablegen. Ich habe es fast ein ganzes Leben lang in Narnia versucht und sie ist nie weggegangen. Sie hat sich in meine Seele gebrannt. Und meine Seele habe ich überall mit hingenommen." Er schwieg für einen kurzen Moment, da er nach den richtigen Worten suchte, um sich zu erklären und sprach dann weiter: „Peter, Peter hat nur gute Erinnerungen an Narnia, er war hier ein hochgeschätzter und verehrter König und er ist es in meiner Welt, auch wenn er dort keine Krone trägt. Seine Seele ist rein und frei von Schuld. Er weiß nicht, wie es ist, wenn man diese Kälte in sich spürt, die sich um dein Herz und deine Seele legt, dass du glaubst nicht mehr atmen zu können. Ebenso Susan. Sie beide haben Narnia verlassen und konnten genauso in unserer Welt weitermachen. Und Lu, du kennst sie, sie kann alles schaffen, was sie will. Sie ist der einzige helle Teil meiner Welt. Sie ist diejenige, die mir in meiner Welt immer geholfen hat die Kälte zu vergessen." Er brach wieder ab, er war sich nicht sicher, ob Caspian verstand, was er ihm sagen wollte. Ob er verstand, was er fühlte.
„Aber ich, ich trage diese Erinnerung mit mir herum und in meiner Welt kann das niemand verstehen. Niemand kann in meine Seele schauen und den zerstörten Teil sehen. Niemand kann ihn heilen. Sie sehen mich und sehen nur, dass ich anders bin. Sie nennen mich ‚merkwürdig' und ‚komisch' und das nur, weil sie nicht verstehen, wie es ist mit so etwas schrecklichem wie Verrat leben zu müssen." Er schwieg, er fühlte sich dumm, weil er soviel gesagt hatte. Er hätte eine unverfängliche Antwort geben sollen, aber er schleppte diese Gefühle nun schon so lange mit sich herum, er hatte geahnt, dass es irgendwann heraus musste.
„Seit Susan und Peter weg sind, ist es schlimmer geworden. Peter ahnte, wie es für mich war, auch wenn er es nie verstehen konnte. Er war einfach anders. Ihn sahen die Leute nie mit diesem Blick an. Aber dennoch hat er versucht mich zu beschützen, so gut er konnte, aber jetzt, jetzt ist er weg. Alle sind weg. Ich war noch nie so alleine, wie im Moment. Meine Welt ist kalt geworden. Und manchmal, manchmal denke ich, die weiße Hexe gewinnt letztendlich doch. Und ich kann nichts dagegen tun. In meiner Welt bin ich ein Niemand. Und manchmal denke ich, dass ist die Strafe für das, was ich hier falsch gemacht habe."
„Du bist kein niemand, Edmund. Weder dort, noch hier."
Ed lächelte. Es war schön, das zu hören, auch wenn er wusste, dass es nicht stimmte.
„Es ist nett, dass du das sagst, Caspian, aber…"
Er wurde unterbrochen: „Ich kenne dich Edmund und du bist jemand. Du hast Herz und selbst wenn ein Teil deiner Seele beschädigt ist, du hast mehr als diesen Teil. Du hast viel mehr." Ed konnte hören und fühlen, dass Caspian zunächst zögerte, dann aber schließlich doch hinzufügte: „Für mich, für mich bist du jemand."
Nun hatte er ein fettes Grinsen in seinem Gesicht. Er entgegnete nichts, ließ es einfach zu, dass sich dieses weiche, warme Gefühl in seinem Körper ausbreitete. Er hörte die Wellen, die gegen das Schiff schlugen und ließ sich von ihnen in den Schlaf schaukeln. Und für diesen einen Moment hatte er das Gefühl, dass die weiße Hexe weg war, dass sein Geist und seine Seele nur ihm allein gehörten.