JENSEITS DER GRENZE

Teil I Gefangen

KAPITEL 1 Der Fall

Gerade eben hatte er noch gelacht, hatte seine Cousine verspottet, da traf ihn der Zauberbann. Der Fluch prallte gegen seine Brust, warf ihn zurück. Erschrocken riss er die Augen auf. Er wusste, was da hinter ihm lag. Jeder Zauberer wusste von dem düsteren Geheimnis des Bogens - oder glaubte davon zu wissen. Kein Zauberer, keine Hexe, die hindurchfielen, kamen je wieder zurück. Das folgende Geschehen schien Stunden zu dauern, nahm in Wirklichkeit jedoch nur Sekunden in Anspruch.

Er spürte, wie er jegliches Gleichgewicht verlor. Er sah Tonks, die sich wieder aufgerappelt hatte und ihn anstarrte. Er sah, dass Remus Harry um die Taille packte und ihn zurückhielt. Er hörte Harry schreien: „SIRIUS!"

Und dann fiel er. Er durchbrach den Vorhang, überquerte die Grenze. Sirius fiel, fiel ins Bodenlose, wie es schien.

Als er wieder zu sich kam, lag er auf feuchtem, kaltem Boden. Er hielt die Augen geschlossen und fragte sich, was er zu erwarten hatte. Welche unbekannten Wesen würden ihm begegnen? - Er stöhnte, sein Kopf schmerzte. „Wo bin ich hier nur hingeraten? Was-" Er stockte. Eine düstere, alles andere zurückdrängende Kälte überkam ihn. Er kannte dieses Gefühl. Vor seinen geschlossenen Augen entstand ein Bild - ein zerstörtes Haus, zwei leblose Körper. Er hörte ein Baby schreien. Er öffnete die Augen. Verschwommene Gestalten bewegten sich auf ihn zu. Leider waren sie ihm nur allzu bekannt. „DEMENTOREN!"

Sirius sprang trotz seiner Kopfschmerzen auf. Er wollte seinen Zauberstab aus der Tasche ziehen - und griff ins Leere. Er erschrak. Der Zauberstab war die einzige wirksame Waffe gegen Dementoren. Als er gefallen war, hatte er ihn doch noch in der Hand! Aber wo war er jetzt?

Währenddessen kamen die dunklen Gestalten immer näher. Sie beeilten sich nicht, als ob sie sich sicher wären, dass ihnen ihr Opfer nicht mehr entkommen könne.

Sirius suchte noch immer seinen Zauberstab. Bilder stiegen in seinem Kopf auf, Bilder von einem zerstörten Haus, zwei Leichen und einem hilflosen schreienden Baby. Er versuchte sie zurückzudrängen - doch ohne Erfolg.

Während er verzweifelt und halb bewusstlos nach seinem Zauberstab tastete, kamen die Dementoren immer näher. Sie schienen sich in Zeitlupe zu bewegen, aber auch für Sirius verstrich die Zeit langsamer - so kam es ihm zumindest vor.

Doch dann hatten die finsteren Gestalten ihn fast erreicht. Sirius wusste, dass er jetzt verloren war. Ohne Zauberstab konnte er nicht kämpfen. Die Bilder in seinem Kopf blendeten ihn. Er brach zusammen, wissend, dass er jetzt seine Seele verlieren würde. Kurz bevor das Bewusstsein verlor, hörte er noch eine Stimme, die ihm merkwürdig bekannt vorkam: „EXPECTO PATRONUM!" Er sah noch ein helles, sanftes Licht, dann wurde es dunkel um ihn.