Prolog

Nein. Schluss, Aus ,Ende. Das war untragbar. Er konnte einfach nicht mehr. Allen guten Absichten zum Trotz reizte sein Onkel ihn immer wieder bis aufs Blut. Er hatte dank seines Trainings zwar jede Menge Selbstbeherrschung aber jetzt platzte ihm bald der Kragen. Vorsichtig richtete er sich, er spürte jeden der unzähligen blauen Flecken die seinen Körper zierten. Er wusste dass es gefährlich war und er wusste dass es verboten war. Aber was sollte er sonst tun? Und noch wichtiger- wer sollte ihn aufhalten?

Er war beinahe 17, dank seines Kampftrainings durchtrainiert und entgegen der öffentlichen Meinung war er weder verrückt noch dumm oder ignorant. Es war nur viel einfacher wenn man unterschätzt wurde. Mal ehrlich, „leichte O´s" wie langweilig. Arithmantik und Runen hatte er genauso wie Zaubertränke schnell verinnerlicht, nachdem er die Grundlagen verstanden hatte und Etikette, Manieren, Geschichte und Purblutverhalten war in seinen Kopf quasi eingraviert.

Seine Verletzungen begutachtend entschied er sie nicht zu heilen, so gravierend waren sie nicht und sie würden seine Geschichte nur unterstützen. Lautlos schlich er zu seinem Bett und holte darunter seine Schätze hervor. Sein Fotoalbum, sein Tarnumhang und das wichtigste. Seine Fahrkarte in eine nettere Zukunft.

Mit dem Gedanken daran spielte er schon länger. Jedes Mal wenn Hermine ihn ausschimpfte weil er die Hausaufgaben nicht machte oder sich ihn Gefahr begab, jedes Mal wenn Ron wieder nur Geld von ihm wollte und jedes Mal wenn ein Mädchen ihn anhimmelte weil er der Junge-der-lebt war. Also eigentlich jeden Tag. Und jetzt wo sich sein Verdacht bestätigt hatte, hielt ihn nichts mehr hier. Alle wollten etwas von ihm. Er sollte gewisse Erwartungen erfüllen, sollte ein kleiner Held, ein guter Junge, ein Scherzkeks oder ein Hausboy sein und das alles nur weil ein Mann alles kontrollieren wollte. Hier konnte er ihm nicht entkommen, hier würde er gejagt werden wie ein Hase, natürlich nur zu seinem Schutz. Also musste er dorthin wo ihn niemand kannte. Und wo war man unbekannter als dann wenn man nicht existiert?

Kapitel 1

Eigentlich okay...eigentlich

Zwei Wochen zuvor.

Es war mitten in der Nacht. Alles schlief in der Straße, nur in einem Fenster brannte noch Licht. Ein junger Mann bewegte sich in geschmeidigen, fremdartig anmutenden Mustern über den kargen Boden seines Zimmers. Das System hinter den Bewegungen blieb einem jeden Betrachter verborgen, aber nach einer gewissen Zeit entdeckte man eine Abfolge in den Figuren. Nach mehrfacher Wiederholung glitt der junge Mann in eine Verneigung und löschte schließlich das Licht. Alles war dunkel...

Am nächsten Morgen wirkte die Straße wie immer. Niemand ahnte etwas von den Übungen in der Nacht. Aber schon bald würde sie jemand zu spüren bekommen.

„Piep,Piep,Piiep,Piiiep,Pii..". Ein zielgerichteter Schlag machte dem nervtötenden Geräusch ein Ende. Ein müder Blick auf den Wecker..."Verdammt" fluchend sprang Harry auf. „verdammt, verflixt und zugehext! Ich komm zu spät." Er sprang gerade zu in seine Jeans und hetzte die Treppe herunter. „Guten Morgen Tante Petunia. Morgen Rest", ein Küsschen auf die Wange , ein rascher Griff zur Tasche und schon rannte Harry los in Richtung seiner Schule. Noch im Laufen warf er einen Blick auf seinen Stundenplan. "Mathe, Chemie, Physik, Latein und dann Sport. Na das geht ja, " dachte er während er auf die Schultür zuhetzte.

Kaum zu glauben, dass ich freiwillig lerne, grinste er innerlich. Aber ich kann mich nicht immer auf mein Glück verlassen und Dumbledore ist mir zu undurchsichtig. Also muss ich selbst lernen. Für die Zauberfächer hatte er seine Aufsätze tatsächlich schon fertig und als ihm aufgefallen war, das Chemie ihm Zaubertränke echt ähnlich war, entschied er sich gleich dafür seine Muggelschulausbildung nach zuholen. Seitdem begleitete er Dudley in die Sommerschule. Nach 2 Tagen hatte er Dudley bereits bei seinen Aufgaben helfen können und das erleichterte ihm plötzlich vieles. Denn auch sein Onkel und seine Tante waren netter zu ihm seit er so „normal" war. Er hatte sein eigenes Zimmer, ein vernünftiges Bett und die Erlaubnis die Nachmittage selbst zu füllen. Und das Beste...Niemand kontrollierte ihn. Er ging seit 2 Jahren in einen Club zur Selbstverteidigung und erlernte dort die Kampfkunst, das brauchte er endlich nicht mehr zu verstecken. Seinem Selbstwertgefühl tat das enorm gut.

Gelassen schlendert Harry die Straße hinunter. Die schule war vorbei und es war etwa 16 Uhr. Während er so die Strasse entlang flanierte schweiften seine Gedanken zu seiner momentanen Situation. Sein Kampfsporttraining hatte ihn stärker und selbstsicherer gemacht und er genoss es in vollen Zügen. Sein Leben war beinahe erträglich, seine Wut reagierte er beim Training ab und Dudley war so froh übers eine Hilfe ihm Unterricht, dass der seine Gang zurück hielt Obwohl er immer noch nur knapp 1,80 m groß war, zeigte doch sein ganzer Körper den Erfolg seiner Bemühungen.. Er war immer noch klein und würde es wohl auch bleiben aber seine Muskeln waren stärker definiert, seine Haltung war gerade und selbstbewusst. Seine schwarzen Haare standen in alle Richtungen ab und bildeten einen Kontrast zu seinen grünen Augen. Seit er keine Brille mehr trug, war das sogar noch deutlicher. Das waren alles Veränderungen, die weder seine Freunde noch Dumbledore gut heißen würden, aber gerade jetzt vereinfachte sie sein Leben enorm. Er hatte sich Zeit seines Lebens zurück gehalten um Ron nicht eifersüchtig zu machen, um Hermine nicht zu kränken oder um Liebe oder wenigstens Zuneigung zu bekommen. Jetzt bekam er das, zumindest teilweise bei seinen Verwandten und das für seine Leistungen und nicht weil er sie verbarg.

Er bog in den Ligusterweg ein und sah seine Tante gerade aus dem Haus kommen. „Junge, hilf deiner Tante und hol die Sachen vom Supermarkt!" grölte sein Onkel los. Harry hatte damit kein Problem, er wusste sein Onkel konnte einfach nicht anders. seine Tante schenkte ihm einen mitfühlenden Blick worauf er verschmitzt grinste. „Wo soll ich den einkaufen gehen?" fragte er ruhig, „Bei Barneys bitte, Und bring dir auch was mit." Den letzten Teil flüsterte seine Tante nur noch, denn auch wenn sein Onkel netter war hieß das nicht dass er gerne Geld für ihn ausgab. Harry nickte und lief los. Ja sein Leben war in Ordnung.

Als er wieder kam spürte er dass irgendetwas nicht stimmte. Irgendwas war anders. Er betrat das Haus und fing sich eine Maulschelle: „Wo kommst du jetzt erst her?" brüllte sein Onkel und schlug ihn noch mal, seine Tante stand nur daneben und ließ es zu. Sie lächelte kalt. Was war hier passiert?