Sarandina! Komm endlich! Wir wollen noch spazieren gehen, bevor es dunkel ist! , riefen Cythera und Liara. Ich beeilte mich so gut es ging, aber ich konnte ja nicht einfach so auf die Straße gehen. Wer weiß, wer mir über den Weg lief. Ich zog mir meine edlen hellbraunen Ballerinas und meinen beigen Frühlingsmantel an. Ich wollte schon zu meiner Cousine Cythera und meiner kleinen Schwester Liara, die schon warteten, hinaus laufen, als mir klar wurde, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Meine silberne Uhr, die mir meine Oma und mein Opa vor vier Jahren zur Firmung geschenkt hatten, und den wunderschön geblümten Schal. Hektisch rannte ich ins Wohnzimmer, wo meine Großeltern saßen und mich erstaunt anblickten. Wolltet ihr nicht schon längst im Wald sein? fragten sie mich. Ja, aber ich finde meinen Schal nicht! Ich habe ihn dort neben dem Kamin zum Trocknen gelegt Sarandina Tatsächlich, dort lag er zusammen mit meiner Uhr. Schnell streifte ich sie mir über und platzierte meinen Schal so gut es ging um meinen Hals, ohne meine Locken zu berühren. Ich hatte einen ganz schönen Wuschelkopf, den ich von meiner Mama geerbt hatte. Ich war ganz schön stolz darauf, dass ich nicht so glattes fades Haar hatte wie andere Mädchen. Danke Oma! rief ich während ich auch schon davon brauste. Ein letzter Blick in den Spiegel, wo mir ein noch 16 jähriges Mädchen mit hellblauen Augen, die nur so funkelten wenn ich lachte, und ich lachte ziemlich oft, entgegenblickte. Ich fand mich ganz schön und ich war auch nicht dick, sondern eher normal gebaut und normal groß, ich wünschte mir manchmal, dass ich noch mehr gewachsen wäre, aber ich war trotzdem zufrieden. Meine große Nase und vollen Lippen passten perfekt in mein Gesicht. Ich wappnete mich gegen die kühlere und ungewohnte Luft Ende Juli. Ja, es hatte nur 19 Grad draußen, was aber auch damit zusammen hängen könnte, dass meine Großeltern auf den Bergen wohnten.
Liara blickte mir schon finster entgegen, als ich hinaus gestürmt kam. Meine kleine Schwester hatte braunes langes Haar, das ihr in Wellen über die Schulter fiel. Sie hatte etwas dunklere blaue Augen als ich und feinere Gesichtszüge. Außerdem war Liara kleiner als normale 15 Jährige, da sie die Körpergröße sowie die Körperform und auch das Temperament von unseren Papa geerbt hatte. Ich hatte dafür ganz schön viel von meiner Mama, was nicht nur gut war. Liara konnte auch schnell jähzornig werden, was ich gerade am eigenen Leib zu spüren bekam. Immer brauchst du so lange! Wir wollten schon vor einer viertel Stunde los gehen, aber du trödelst immer! , schrie sie mich zusammen. Eigentlich war ja ich die Ältere, aber ich konnte so wie immer nur lachen. Ich und meine Schwester stritten ganz schön oft, im Gegensatz zu unserer ruhigeren Cousine. Cythera, von uns Cythera genannt, die im Mai auch schon 16 Jahre alt geworden ist, (ich werde im September 17) ist ein bisschen schüchterner, redet aber mit uns sehr viel. Sie hat dunkelblondes etwas voluminöses mittellanges Haar, schöne hellblaue Augen und fast genauso buschige Augenbrauen wie ich. Cythera ist ein bisschen schlanker als ich, dafür habe ich aber „schöne weiblich Kurven". ;-) Jedenfalls schien Cythera nicht angefressen auf mich zu sein und so gingen wir los. Wir drei sind in den Sommerferien zu meinen Großeltern gefahren, um uns ein bisschen von zu Hause erholen zu können. Außerdem habe ich Oma und Opa schon länger nicht mehr gesehen. Eigentlich wollte Opa mit uns mitgehen, entschied sich dann aber doch um, da er die Nachrichten sehen wollte. Uns war das Recht, da wir hier schon so oft spazieren gegangen sind, dass wir hier alle Wege ungefähr kannten. Da es erst sechs Uhr war und ich unbedingt zum Billa wollte um Backsachen zu kaufen und das Geschäft erst in einer halben Stunde schloss, machten wir uns auch sogleich auf den Weg. Wir tratschten über meine bevorstehende Matura und wie dann meine Zukunft aussehen sollte. Ich wollte unbedingt Psychologie in Oxford in England studieren und deswegen war dieses Thema jetzt Gesprächspunkt Nummer eins in meiner Familie. Ich musste nur noch ein Jahr in die Schule gehen und dann war es endlich so weit. Natürlich fürchtete ich mich auch davor, selbstständig sein zu müssen und das meine Eltern nicht mehr alles für mich tun werden können, aber ich war zuversichtlich dass ich es schaffen würde. Ich las sehr gerne und schaute mir deswegen auch schon einige Psychologiebücher an um vorbereitet zu sein. Da Cythera noch zwei Jahre Zeit hatte, unterhielten wir uns zuerst ausschließlich über mich und kurz bevor wir im inneren des Dorfes, wo der Billa stand, waren, begann auch Cythera über ihre Entscheidungen zu erzählen. Sie wusste noch nicht genau was sie machen könnte, aber Liara und ich trösteten sie damit, dass sie noch ein bisschen Zeit hätte. Endlich im Billa angekommen, kauften wir uns jeweils eine Flasche zu trinken, eine Wurstsemmel und ich noch zwei Packungen Vanillepulver und drei Backpulver. Während wir gingen aßen wir alles auf und tratschten ununterbrochen über die Schule und den Ernst des Lebens. Die kleinen Päckchen hatte ich in meine Hosentasche gesteckt.
Als wir bei der Hälfte des Weges am Wald vorbeigingen, sagte ich: Komm, gehen wir in den Wald. Da waren wir schon länger nicht mehr und es ist ja noch hell! Ich weiß nicht so richtig. , meinte Cythera, aber Liara war begeistert und so gingen wir durch einen durch Büsche verdeckten Weg in den großen Wald hinein. Da es Sommer war und die Sonne daher erst später unterging, ließen wir uns beim Gehen Zeit und machten einen größeren Umweg. Am Anfang standen die Bäume ganz schön dicht zusammen, doch mit der Zeit, war immer mehr Platz und die Sonne schien auf den Boden. Komisch, irgendwie sieht es hier anders aus als sonst, erwähnte Liara so nebenbei, doch wir dachten uns nicht viel dabei. Plötzlich hörten wir jemanden aus kurzer Entfernung reden. Anscheinend waren wir nicht die einzigen die einen schönen Spaziergang machten. Die Stimmen kamen immer näher und als wir bemerkten, dass die Stimmen Männlich und die Sprache in der sie sprachen nicht Deutsch, sonder Englisch war, war es auch schon zu spät.
