Lebenslinien
Autor: Ari (feedbackcesari.ch)
Rating: FSK 16 - 18
Pairing: Claire/Alex Tess/Nick
Inhalt:
Die Kinder und- Jugendjahre von Alex. Claire, Nick und Tess.
Claire die mit den Ryan Brüder aufwuchs und wie sie mit Alex immer in Konkurrenzkampf stand.
Als junge Erwachsen werden sie die besten Freunde und meistern gemeinsam manch harte Schicksalsschläge, während Tess als kleines Kind Drovers verließ und früh lernte auf eigenen Beinen zustehen.
Ihr Weg führt sie erst als Erwachsene wieder zur väterlichen Farm und zur gleichen Zeit lüftet Jack ein Familiengeheimnis.
Nach seinem Tod erfahren alle Beteiligten, dass er eine irrsinnige Bedingung ans Erbe gebunden hat, die vor allem das Leben von Claire und Alex beeinflusst.
Um die Farm zu behalten, müssen die Beiden heiraten und eine Familie gründen, damit Drovers Run nicht in fremde Hände gerät.
Werden die Freunde es schaffen diese Hürde zu nehmen, ohne, dass ihre Freundschaft darunter leidet?
Schafft es Tess sich in das Farmleben einzugewöhnen und ihre Ängste vor einer festen Beziehung zu überwinden?
Oder fällt die Farm in die gierigen Hände von Harry Ryan der alles daran setzt, dass Jacks Bedingungen nicht erfüllt werden
Anmerkung:
1.)Die Geschichte ist zeitlich gegliedert und stimmt NICHT mit den Serienstaffeln überein. Die Alter der Protagonisten habe ich versucht zu lassen wie wir sie aus der Serie her kannten. Da es aber sehr unterschiedliche und vor allem widersprüchliche Angaben diesbezüglich gibt habe ich mich entschlossen das Alter von den Figuren meiner Storyline anzupassen.
2.)Einige Ereignisse habe ich aus der Serie übernommen, andere abgeändert oder erfunden.
3.) Danke an MTL Fan und Elaline die meine Geschichte Beta lesen und an Jayna und Mimmi die vorneweg alle Kapitel bereits bekommen haben. Beide haben mich immer wieder ermutigt an der Story dran zubleiben und ja weiter zuschreiben.
4.)Auch wen es bist zu den FSK Kapitel dauert, bitte ich euch daran zuhalten!!! Die Wortwahl ist nicht immer die feinste und ich will niemanden schaden zuführen und auch nicht verderben;-)
Disclaimer:
Alle MLT Charaktere sind Eigentum von Nine Network, The South Australian Film Corporation and Millenium Television. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden und Toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Einige Charaktere sind von mir erfunden und somit Eigentum des Autors.
Kapitel: 65
Archiviert: 27.7.06 -18.11.06
1.Kapitel
23.April 1973, Drovers Run
„Oh Liz, dein Junge ist so ein süßer Bengel! Wenn der mal groß ist wird er den Mädchen Reihenweise das Herz brechen!" Prudence McLeod saß am Wochenbett von ihrer Nachbarin Liz Ryan. Eigentlich waren sie keine Freundinnen, aber in den letzten vier Monaten waren sie sich etwas näher gekommen. Nun so eine Schwangerschaft verbindet eben und Prudence bekäme in acht Wochen ebenfalls ihr erstes Kind.
„Ist auch alles in Ordnung mit ihm? Ich meine immerhin ist er vier Wochen zu früh gekommen!" fragte sie besorgt weiter. Liz lächelte sie milde an
„Ja er ist vollkommen gesund! Es ist ein Wunder! Harry ist ganz schön stolz einen kleinen Stammhalter zu haben." In ihren Augen konnte man den Stolz sehen, dass sie einen Jungen geboren hatte. Nicht auszudenken wenn ihr Kind ein Mädchen geworden wäre, Harry war so erpicht auf einen Sohn gewesen!
Nur ein Sohn konnte seine über alles geliebte Farm Killarney weiter führen.
Prudence dachte in dem Moment an das Gleiche. Sie betete dafür, dass ihr Kind, das sie unter ihrem Herzen trug, ebenfalls ein Junge war.
Ihr Mann Jack wünschte sich ebenfalls so sehr einen Sohn, der Drovers Run später einmal erben würde.
„Es wird Zeit für mich zu gehen Liz. Ich komme dich dann zu Hause besuchen, wenn du und klein Alex da seid. Nochmals meinen Glückwunsch!" Herzlich verabschiedeten sich die zwei Frauen voneinander und Prudence fuhr zurück auf ihre Farm.
Zwei Monate Später war es dann bei ihr soweit. Im Gegensatz zu Liz gebar sie ihr Kind zu Hause. Es war eine schwierige und sehr lange Geburt und nach 14 Stunden hielt sie erschöpft ihrer kleine Tochter Claire Louise in den Armen.
Sie freute sich, dass alles gut gegangen war und doch war sie nicht glücklich.
Sie hatte in Jacks Augen die Enttäuschung gesehen, als die Hebamme ihm mitgeteilt hatte, dass er nun stolzer Vater einer kleinen Tochter sei.
Er hatte es nickend zur Kenntnis genommen und war dann sofort wieder an seine Arbeit gegangen.
Traurig saß Pru in ihrem Bett und betrachtete ihre Tochter.
Sie hatte die gleichen blauen Auen wie sie selber und das energische Kinn ihres Vaters.
„Oh meine süße Claire, nimm es deinem Vater nicht übel. Ich weiß er liebt dich, aber er hatte sich so auf einen Sohn gefreut." Murmelte Pru und zärtlich fuhr ihrem Kind über das flaumige Haar.
Jack arbeitete an dem Zaun und rüttelte wütend daran rum, als er hörte, dass sich ein Pferd näherte.
Er sah auf und erkannte Harry Ryan, seinen Nachbar. Murrend nahm er wieder seine Arbeit auf.
Dass Harry gerade jetzt auftauchte passte ihm gar nicht. Zu groß war seine Wut darüber, dass Pru einem Mädchen das Leben geschenkt hatte.
Was sollte er denn mit einem Gör? Ein Junge, ja das wäre ein Grund zu Freude gewesen, aber ein Mädchen das irgendwann heiratet und dann wegzieht.
Oh nein, so hatte er sich das nicht vorgestellt.
„Hallo Jack, wie ich gehört habe sind Glückwünsche angebracht! Ein Mädchen nicht war?" Harry begrüßte Jack und versuchte gar nicht den Spott aus seiner Stimme zu nehmen.
Sie waren zwar Freunde und Nachbarn, aber in erster Linie waren sie Rivalen! Und dass Jack nun eine Tochter hatte, statt wie er einen Sohn, hatte er mit großer Genugtuung vernommen.
„Danke!" murmelte Jack bissig. Ihm war der Ton nicht entgangen und es ärgerte ihn nun noch mehr.
„Mach dir nichts daraus Jack. Ich finde es sogar sehr gut! So kann deine Tochter meinen Jungen heiraten und dann gehört uns die größte Farm Australiens!" bemerkte Harry hinterlistig.
Jacks Kopf fuhr hoch. „Das könnte dir so passen! Ich kann mit Pru immer noch weiter Kinder zeugen und das nächste wird sicher ein Junge!"
Harry lachte „Gut, dann sorge ich dafür, dass mein nächstes Kind ein Mädchen wird und dann können ja die über Kreuz heiraten!"
Wütend funkelte Jack ihn an „Hast du nichts Besseres zu tun, als mich bei der Arbeit zu stören? Ich denke dein Betrieb ist groß genug, da findet sich bestimmt auch eine Tätigkeit für so einen Holzkopf wie dich!" fuhr er ihn an.
Harry tippte sich lachend an seine Hutkrempe und ritt wortlos davon.
Die Monate vergingen und Jack hatte sich damit abgefunden, dass er nun eine Tochter hatte. Er hatte sie inzwischen sehr lieb gewonnen und an ihrem Dickkopf erkannte er, dass sie seine Sturheit geerbt hatte!
18. Juni 1975, Drovers Run
Liz und Alex waren zur Geburtstagsfeier von Claire eingeladen und nun sahen die schwangeren Freundinnen ihren Kindern beim Spielen zu.
Bei Pru war es in wenigen Wochen soweit und Liz sollte ihr zweites Kind im Oktober bekommen.
Ihre zwei erstgeborenen hatten die Sturköpfe ihrer Väter geerbt und den Beiden beim Spielen zuzusehen kam einer Gefängnissaufsicht gleich.
Egal um was es ging, die beiden Zweijährigen stritten sich mehr um die Spielsachen als damit zu spielen.
Einmal hatte Claire Alex die Sandschaufel an den Kopf geschlagen, so dass dieser sie wütend mit Sand überhäuft hatte. Doch statt, wie von einem Mädchen zu erwarten wäre, sie weinend zu ihrer Mutter rannte, boxte und biss sie Alex bis die Mütter dazwischen gehen mussten, um die zwei Streithähne auseinander zu bringen.
Claire genoss es, wenn ihre Muter sie auf den Armen trug und Pru ihr dann immer erzählte, dass sie bald eine große Schwester sei und dass sie dann auf ihr kleines Brüderchen oder Schwesterchen aufpassen dürfte.
Jedes Mal wenn ihre Mutter von einem Jungen sprach verzog sie eine Schnute und meinte nimmer „Kei Junge, die blöd, Alex doof!" murmelte sie dann immer und Pru musste jedes Mal aufs Neue lachen.
Ein paar Wochen später war es soweit. Mitten in der Nacht bekam Prudence Wehen und wieder wurde es eine schwere Geburt, so dass die Hebamme sich entschloss einen Arzt zu rufen.
Doch die Geburt zog sich hin und als der Arzt dann endlich eintraf, hatte Pru bereit soviel Blut verloren, dass er für die Mutter nichts mehr tun konnte. Er kämpfte um das Leben des Ungeborenen und als der Morgen anbrach hatte er auch den Kampf um den kleinen Jungen verloren.
Mit versteinertem Gesicht vernahm Jack die Nachricht, dass seine Frau im Kindsbett verstorben war und dass sein Sohn es ebenfalls nicht geschafft hatte. Claire zupfte ihm am Hosenbein und sah ihn mit großen Augen an. „Mama? Baby?" fragte sie gespannt.
Jack hob seine Kleine hoch und drückte sie an sich „Nein mein Spatz, deine Mom ist zu den Engeln geflogen und hat deinen Bruder mitgenommen!"
Claire verstand nicht was ihr Vater damit sagen wollte und meinte nur „Alex blöd! Kei Junge!"
Jacks Herz zerbrach fast, als er ihre Worte vernahm. Versteinert ließ er Claire wieder hinunter.
Er musste raus hier! Raus aus diesem Haus, in dem der Tod Einzug gehalten hatte.
Claire versuchte ihrem Vater hinterher zu tapsen, aber er war einfach zu schnell. Traurig setzte sie sich hin und begann zu weinen. Die Hebamme kam zu ihr hin und tröstete die Keine.
Geschockt hatte Liz vom Tod ihrer Freundin gehört und bat Harry sie unverzüglich nach Drovers zu fahren.
Dort angekommen sah sie, dass Jack nicht da war und kümmerte sich nun liebevoll um Claire.
Als Jack betrunken am Abend nach Hause kam, fand er eine immer noch wartende Liz vor.
„Jack es tut mir ja so leid!" sagte sie unendlich traurig. Jack sah sie mit einem leeren Blick an und nickte.
„Kann ich dir irgendwie helfen?" fragte sie besorgt weiter.
„Ja nimm die Kleine mit nach Killarney. Ich kann sie im Moment nicht um mich haben." bat er sie hölzern.
Liz verstand und tat ihm den Gefallen.
Zwei Tage später war dann die Beerdigung von Prudence und dem Jungen. Jack hatte ihm den Namen Adam gegeben.
Er schien ein gebrochener Mann zu sein und als er Liz fragte, ob Claire noch länger bei ihnen bleiben könnte, brachte Liz es nicht übers Herz ihm diesen Wunsch abzuschlagen.
So kam es, dass Claire die nächsten drei Monate auf Killarney verbrachte. Als Liz dann ins Spital musste, um ihr zweites Kind zubekommen, hatte sich Claire verstört in ihrem Zimmer verkrochen und lange geweint.
Alex war ihr gefolgt und sehr verwundert, das die sonst doofe Claire nun in ihrem Bettchen lag und weinte.
Er krabbelte zu ihr aufs Bett und legte ihr seine Patschehändchen aufs Gesicht, so als wollte er verhindern, dass sie weiter weinte.
Zusammen blieben sie so liegen und als am Abend ein glücklicher Harry nach Hause kam fand er die zwei Kinder schlafend in einem Bettchen.
Liz kehrte wenige Tage später wieder nach Hause und hatte ihren zweiten Sohn, Nick, dabei.
Alex war glücklich dass seine Mutter ihm einen Bruder zum spielen geschenkt hatte.
Er war ja noch zu klein um zu verstehen, dass Nick nicht sein Eigentum war. Doch die Freude über das neue Spielzeug verschwand bald, als Alex merkte, dass der ja nur am schlafen und schreien war.
So spielte er wieder vermehrt mit Claire, wobei diese Spiele eher darin bestanden sie zu foppen und ihr immer Streiche zu spielen.
Liz hatte Claire sehr in ihr Herz geschlossen und genoss es neben ihren Jungs ein Mädchen zu haben. Sie verwöhnte Claire und zog ihr andauernd Röckchen an und machte ihr immer süße Zöpfchen.
Das Claire diese Aufmachung nicht passte und bei jeder Gelegenheit ihre Kleider einsaute überging Liz dabei fliesend.
Auch Alex mochte es nicht wie sehr sich seine Mutter um Claire bemühte.
Als sie an einem Nachmittag zusammen bastelten und Liz einen Moment das Zimmer verließ schnappte sich Alex die Bastelschere und schnitt Claire einen ihre Zöpfe ab.
Frech grinsend hielt er seine Trophäe in den Händen und wedelte damit herum!
Claire war darüber so böse, dass sie darauf hin den Bastelkleber über seinem Kopf ausleerte.
Als Liz mit Nick auf dem Arm zurück kam und sah, was die beiden Streithähne veranstaltet hatten, beschloss sie, dass es nun doch an der Zeit wäre, dass Jack sich wieder um seine Tochter kümmern sollte.
In einem Telefongespräch erklärte sie ihm was sich zugetragen hatte und dass es auch in seinem Interesse wäre, wenn er seine Tochter abholen würde.
Sie versprach ihm eine geeignete Haushälterin zu suchen und dass sie auch in Zukunft immer für ihn da wäre.
So kam es das sich wenige Tage später eine junge hübsche Frau sich bei Liz vorstellte und sich um den Job bei Jack bewarb. Liz war sehr angetan von der jungen Frau und stellte Meg ein.
2. Kapitel
April 1976, Drovers Run
Etwas mehr als ein dreiviertel Jahr war vergangen und Jack hatte sich mit seinem Schicksal als Witwer abgefunden.
Claire war inzwischen fast drei Jahre alt und Meg hatte alle Hände voll zu tun, diesen Wirbelwind zu bändigen.
Liz
war ihm am Anfang eine große Hilfe gewesen und so lernte er
nach und nach wie er sich mit seiner Tochter arrangieren musste.
Claire
war ihrer Mutter so ähnlich und jedes Mal wenn Jack in die
blauen Augen seiner Tochter sah, zerriss es ihm das Herz.
Er wusste, dass er sein Lebensglück an dem Tag als er Pru und Adam beerdigt hatte verloren hatte.
Einzig Claire gab ihm etwas Halt! Er liebte seine Tochter und trotzdem fragte er sich, ob er Claire nicht mehr lieben würde, wenn sie ein Junge wäre.
So einer wie Alex Ryan. Der war mit seinen drei Jahren ein kleiner Teufel und so Stur, wie es eben nur ein Ryan sein konnte.
Zwischen ihm und Claire war so eine komische Verbindung entstanden.
Zwar mochten sich die Beiden nicht sonderlich und jedes Mal wenn sie zusammen trafen stritten sie und doch... sie suchten die Nähe des Anderen und wenn ein anderes Kind einen der Beiden ärgerte, standen sie sich gegenseitig bei.
Jack begleitete Harry nach Melbourne, da sie wegen des örtlichen Farmerrates einige Dinge mit dem Dachverband zu klären hatten.
Bei dieser Gelegenheit lernte er eine sympathische Kellnerin kennen.
Die junge Frau hatte so ein sprudelndes und fröhliches Wesen, dass Jacks Widerstand zu bröckeln begann.
Am letzten Tag den er in Melbourne verbrachte, nahm er Ruth mit in sein Zimmer und verbrachte eine wunderschöne Nacht mit ihr.
Der Abschied am nächsten Tag fiel beiden sichtlich schwer, denn Ruth hatte sich Hals über Kopf in den stattlichen und gut aussehenden Farmer verliebt.
Sie tauschten ihre Telefonnummern aus und blieben dadurch im engen Kontakt, bis es Ruth nach drei Wochen nicht mehr aushielt, ihre sieben Sachen packte und nach Drovers fuhr.
Sie brauchte lange, bis sie den richtigen Weg zu Jacks Farm fand und verfuhr sich einige Male. Sie wusste zwar, dass Jack ein Farmer war, aber dass er so ländlich Leben würde hatte sie schon erschreckt.
Als sie an der Eingangstür von Drovers klopfte, bereute sich inzwischen ihren spontanen Einfall und wandte sich zum Gehen ab.
In diesem Augenblick kam Jack über die Veranda und blieb erstaunt stehen als er die zierliche Frau erkannte.
Sein Herz machte einen erfreuten Satz.
„Ruth? Bist du das?" rief er sanft.
Sie drehte sich um und als sie ihn wieder sah waren all ihre Zweifel vergessen, sie rannte auf ihn zu und Jack nahm sie lachend ihn die Arme.
„Oh du sturer Farmersmann ich habe dich so vermisst. Ich musste dich einfach sehen!" sagte sie überschwänglich und überhäufte ihn mit tausend Küssen.
Jack
lachte verschmitzt. Ruth war so anders als Prudence.
Während
seine erste Frau ein sehr schüchterner Mensch und sparsam mit
öffentlichen Zuneigungsbekundungen war, genoss Jack nun das
Gefühl wie Ruth ihn stürmisch umarmte. Ihm war nicht
bewusst gewesen, wie sehr ihm die Nähe einer Frau gefehlt hatte.
"Daddy wer sein Tante?" fragte auf einmal eine zarte Stimme und beide Erwachsene sahen hinunter.
Claire stand einfach nur da und sah die hübsche Frau mit großen und erwartungsvollen Augen an.
Ruth ließ Jack augenblicklich los und sah Jack erstaunt an.
„Jack du hast mir nicht erzählt, dass du ein Kind hast! Sag bloß du bist verheiratet!" in ihrer Stimme schwang ein hauch von Wut mit.
Besänftigend Blickte der harte Farmer in die hellen graublauen Augen die ihn wütend anfunkelten.
„Ruth ich war verheiratet, Claires Mutter ist vor nicht ganz einem Jahr gestorben." erklärte er ruhig.
Ruth Wut verrauchte sofort und nun blickte sie wieder zu dem kleinen Mädchen hinunter, dass sie forschend ansah. Sie kniete zu ihr hinunter und gab ihr die Hand.
„Hi Claire, ich bin Ruth und eine Freundin von deinem Daddy. Na sag mal, wo bist du denn gewesen, du bist ja ganz dreckig im Gesicht! Hast wohl einen Kampf mit einem Misthaufen gehabt. Und hast du gewonnen?" verschwörerisch sah sie die Kleine an.
Claire lächelte breit und verlegen kicherte sie „Kein Misthaufen ich nur Kommher gelaufen. Ich ihn baden, er aber nicht!" sagte Claire altklug.
Ruth lachte leise „Komm her? Wer ist das?"
„Mein Hund, ist so alt, nur auf Kommher hören!" Claire sah Ruth an, irgendwie mochte sie diese schöne und liebe Frau.
„Essen? Hier? Meg kochen viel und sooooooo gut!" lud sie die fremde Frau spontan ein.
Ruth richtete sich wieder auf und sah Jack an.
Er hatte die ganze Szene verfolgt und war erstaunt wie zutraulich Claire war. Normalerweise verhielt sie sich Fremden sehr zurückhaltend, besonders Frauen gegenüber war sie manchmal sogar richtig pappig.
Langsam nickte er mit dem Kopf und Ruth schaute ihn überglücklich an.
„Na mein Mäuschen, wie findest du es, wenn wir zwei Ladys uns vor dem Essen etwas hübsch machen?" erwartungsvoll sah Ruth zu der Kleinen runter.
Claire lachte nun laut los „Meg auch immer will mich Baden! Baden blöd! Muss ich?" bettelnd und mit einem herzzugehenden Blick sah Claire Ruth an.
Ruth nahm Claire an die Hand „Nun Mäuschen, Baden kann ziemlich viel Spaß machen. Ich hab da so ein Schaumbad dabei, danach duftest du wie ein ganzer Jasmin Strauch!"
Claire sah sie neugierig an und auf einmal hatte sie es sehr eilig Ruth das Badezimmer zu zeigen. Schaumbad! Das hörte sich lustig an und sie wollte sehen was die Frau damit gemeint hatte!
Lachend ließ sich Ruth von dem kleinen Wirbelwind mitziehen und Jack brachte während dessen ihr Gepäck ins Haus. Unschlüssig blieb er vor seinem Schlafzimmer stehen.
Einen Momentlang überlegte er ihren Koffer in sein Zimmer zu bringen, entschied sich aber dagegen und brachte ihn in das Zimmer nebenan.
Aus dem Badezimmer hörte er wie seine Tochter vergnügt quietschte. Er klopfte an und steckte dann seinen Kopf durch die Tür.
„Ruth, ich muss noch schnell ein paar Arbeiten erledigen, ist das ok für dich, wenn ich dich allein lasse?" fragte er.
Ruth blinzelte ihn an und wischte sich den Schaum aus dem Gesicht, den Claire ihr angeworfen hatte.
„Geh ruhig, ich denke Claire und ich wissen uns auch ohne dich zu amüsieren, nicht wahr Mäuschen?" ein heftiges Kopfnicken des Mädchens bestätigte ihre Aussage.
Beruhigt ging Jack hinunter und sagte noch Meg schnell bescheid, dass sie Besuch hatten.
Nachdem Ruth und Claire zusammen gebadet hatten (Ruth hatte sich dafür entschlossen, nachdem Claire ein paar Male angespritzt hatte) trocknete sie sie sorgfältig ab und Claire zeigte ihr nun ihr Zimmer. Auf dem Nachtisch stand ein Foto von einer wunderschönen Frau, die aber einen seltsamen traurigen Blick hatte.
„Meine Mami. Sie und Adam Engel! Das von Mami, mein Schatz!" Als sie das sagte öffnete sie ihre Nachttischschublade und holte ein kleines Parfumfläschchen heraus „Riech mal!" forderte sie Ruth auf.
Gerührt roch Ruth daran und ihre Augen schimmerten feucht.
„Du vermisst deine Mami sicher sehr?"
Claire sah sie an und zuckte mit den Schultern. Dann ging sie hinüber zu ihrem Kleiderschrank und sah Ruth auffordernd an.
Ruth hatte zwar keine großen Erfahrungen mit Kindern, aber sie verstand sofort, was Claire von ihr wollte. Sie ging zu ihr hin und als sie den Inhalt des Schrankes sah, musste sie sich ein lautes Lachen verkneifen.
An deren Inhalt konnte man eindeutig erkennen, dass ein Mann die Kleider ausgesucht hatte. Kein einziges Kleidungsstück passte so richtig zusammen.
„Oh Claire, ich denke ich bin wirklich zum richtigen Zeitpunkt gekommen!" sagte sie und fuhr ihr zärtlich über den Kopf.
Und tatsächlich bereits wenige Tage später konnte sich niemand mehr vorstellen wie das Leben ohne Ruth auf der Farm aussehen konnte.
Claire
hatte einen solchen Narren an ihr gefressen und Ruth erging es nicht
anders.
Das
kleine Mädchen hatte sich unbemerkt in ihr Herz geschlichen und
hatte es komplett ausgefüllt.
Als Ruth am ersten Abend bemerkt hatte, dass Jack sie im Nebenzimmer einquartiert hatte, war sie zwar etwas enttäuscht gewesen, aber sie hatte es verstanden. Auch Meg schloss mit Ruth schnell Freundschaft und je länger Ruth blieb umso mehr verliebten sich Claire und Jack in sie.
So kam es das wenige Wochen nach ihrem Einzug, Ruth Sachen in Jacks Schlafzimmer standen. Die wenigsten überraschte es, dass Jack drei Monate später diese quirlige und stets gutgelaunte Frau heiratete.
Doch am glücklichsten war Claire, durch Ruth Anwesenheit hatte sich das kleine Mädchen sehr verändert und blühte nun richtig auf.
Hin und wieder kam es sogar vor, dass die Kleine Mama zu ihr sagte.
Die einzige, die die neuen Verhältnisse in Drovers Run nicht guthieß war Liz.
Ihr kam es wie ein Verrat an Prudence vor, dass Jack geheiratet hatte und Claire in Ruth eine Art Mutter sah.
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit ließ Liz Ruth spüren, dass sie nicht dazugehörte und dass sie sie niemals akzeptieren würde.
3. Kapitel
Juli 1977, Drovers Run
Ruth saß auf der Veranda von Drovers und genoss den kühlenden Abendwind.
Die anhaltende Dürre ließ das Thermometer unerbittlich über die 40 Grad klettern. Zu ihren Füßen saß die Vierjährige Claire und badete Ruths geschwollene Füße im kühlem Wasser.
Unermüdlich strich Claire mit dem Schwamm über die Unterschenkel ihrer Stiefmutter und betrachtete deren runden Bauch.
Ruth sah auf das weite Land vor ihr und dachte versonnen an das vergangene Jahr. Dass ihr dieses harte und manchmal ein wenig karge Land dermaßen ans Herz wachsen würde, damit hatte sie nie gerechnet.
Zwar war das Leben auf einer Farm nicht immer einfach und irgendwo brannte immer ein neues Problem unter den Nägeln, aber um nichts in der Welt wollte sie hier weg.
Auch wenn Jack ein paar Mal im Jahr auf Viehtrieb war und sie sich dann in diesen Tagen nach ihrem altem Leben in der Stadt sehnte.
Doch da war ja noch dieses kleine, wunderhübsche und so liebeswürdige Mädchen.
Nie hätte sich Ruth vorstellen können ein fremdes Kind so zu lieben, wie sie Claire liebte.
An dem Tag als sie entdeckt hatte, dass sie Schwanger war hatte sie behutsam ihrer Stieftochter erklärt, dass sie in wenigen Monaten eine große Schwester wäre.
Von dem Tag an war Claire ihr nicht mehr von der Seite gewichen.
Am Anfang amüsierte sich Ruth über ihre Fürsorge, doch in den letzten Wochen beunruhigte sie Claires Verhalten zunehmend.
Ruth hatte sie mehrfach ertappt, wie sie nachts in ihr Zimmer geschlichen kam und sanft ihre kleine Hände auf ihren gewölbten Bauch legte.
Ruth war froh darüber, dass Jack die nächsten zwei Tage auf Viehtrieb war.
Er wollte sie eigentlich in ihrem jetzigen Zustand nicht alleine lassen, doch Ruth hatte ihn vom Gegenteil überzeugt. Denn auch er machte sich Sorgen um Claire und hoffte nun, dass Ruth Claire etwas aushorchen zu können.
Als es Zeit fürs Bett war, erlaubte Ruth Claire in ihrem Bett zu schlafen.
Die kleine Maus lag nun zusammen gerollt auf der Seite und ließ Ruth nicht aus den Augen.
„Claire willst du mir nicht erzählen, was dich so traurig macht?" bat Ruth sie unvermittelt.
Mit großen Augen sah Claire sie an und auf einmal kullerten ihr riesige Tränen die Wangen hinunter.
Erschrocken umarmte Ruth ihre Stieftochter und wiegte sie sanft in ihren Armen.
Claire brauchte eine Weile, um sich zu beruhigen und als Ruth gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet hatte, brach ihr kleines Mäuschen ihr Schweigen.
„Wirst du auch zu den Engeln fliegen?"
Geschockt sah Ruth das Mädchen an. Das war es also, was Claire beschäftigt hatte. Sie war damals so klein gewesen als ihre Mutter starb und niemand hatte daran gedacht wie die Schwangerschaft auf ihre kleine Welt wirken würde.
„Nein Mäuschen, ich will nicht zu den Engeln fliegen. Ich werde hier bei dir und Daddy bleiben!" sagte Ruth mit erstickter Stimme.
„Und das Baby?" fragte Claire weiter.
„Nein das Baby auch nicht" versicherte ihr Ruth. „Claire ich habe dich so lieb, ich werde dich nicht verlassen."
„Dann hatte mich meine richtige Mami nicht so lieb? Sie ist nämlich gegangen und hat meinen Bruder mitgenommen. Sie hatte ihn wohl lieber als mich." mit ganz leiser Stimme hatte Claire ihr innerstes offenbart.
„Claire deine Mami hat dich so sehr geliebt. Bis zu den Sternen und wieder zurück, so groß war ihre Liebe zu dir.
Doch ihr kleiner Körper war zu schwach und konnte nicht hier bei dir bleiben. Aber sie wollte nicht alleine gehen und nahm das zweitliebste mit, deinen Bruder Adam. Weißt du ich denke sie hatte Angst alleine zu gehen und hat ihn deshalb mitgenommen.
Doch dich hat sie bei Daddy gelassen, so dass er nicht allein bleiben musste. Und dein Daddy war so froh darüber, dass du geblieben bist, denn dadurch ist ein Teil von deiner Mami bei ihm geblieben. Verstehst du das?" sanft sah Ruth auf das traurige Kind hinunter
Claire schniefte und blickte sie unsicher an „Aber dein Baby ist nicht von meiner Mami. Hast du mich denn noch lieb, wenn es da ist?"
„Oh Claire, nichts und niemand wird meine Liebe zu dir wegnehmen. Du musst wissen mein Herz ist so groß wie der Himmel. Der ist so unendlich groß, dass so viele Sterne platz haben und sie niemals Angst haben müssen, das der Platz nicht reicht. Und so ist es bei mir. In meinem Herzen ist genug Platz für dich, Daddy und fürs Baby. Glaubst du mir das?"
Claire legte ihren Kopf etwas schräg und betrachtete Ruth Brustkorb.
„Das sieht aber eng aus, ich werde mich lieber etwas klein machen, dann mach ich dem Baby nicht weh und wenn du weg gehst, hab ich diesmal Platz." meinte Claire, nachdem sie Ruth lange angesehen hat.
Ruth musste über Claires kindliche Logik lachen. „Das brauchst du nicht, mein Schatz. Ich werde dich nie verlassen, großes Indianer Ehrenwort."
Beruhigt legte sich nun Claire hin, schloss ihre Augen und schlief endlich ein.
Ruth sah ihr beim Schlafen zu und machte sich Vorwürfe, dass sie nicht bemerkt hatte, was ihr kleines Mäuschen beschäftigte.
Als Jack zurückkam, erzählte Ruth ihm von Claires Ängsten.
Doch Jack verstand nicht wie Claire auf so eine absurde Idee gekommen war. Frustriert wiegelte er die Sorgen seiner Tochter ab und ließ es auf sich beruhen.
Ruth begriff durch sein Handeln, dass er ebenfalls nicht mit Prus Tod fertig wurde und durch sein raues Verhalten wollte er es überspielen.
Sie beschloss dieses Thema nicht mehr anzusprechen und wollte alles dafür tun, dass diese Familie nie mehr dunkle Tage erleben musste.
Einige Wochen später brachte Ruth ihre Tochter Theresa Charlotte zur Welt. Ruth wollte, dass Claire die ganze Zeit bei ihr blieb und sie durfte der Hebamme helfen ihre Schwester zu waschen.
Sie machte dies mit so viel Stolz und hatte dabei so ein konzentriertes Gesicht, dass Ruth und Jack darüber schmunzeln mussten.
Diesmal war er nicht enttäuscht, dass es ein Mädchen war.
Die Erfahrung hatte ihn gelernt das anzunehmen was ihm das Schicksal gegeben hatte.
Juli 1979, Drovers Run
Mit der Geburt von Baby Tess begannen aber auch die Schwierigkeiten zwischen Jack und Ruth. Sie bekam immer mehr Probleme damit, dass Jack sich immer mehr vor ihr verschloss und sich nur noch für die Arbeit interessierte.
Auch erleichterte Liz Ryan die ganze Sache nicht. Sie hatte dafür gesorgt, dass Ruth nie richtig akzeptiert wurde und sich auch nach fast drei Jahren wie ein Gast vorkam.
Aber auch dafür hatte Jack kein offenes Ohr.
Ruth verstand, dass ihn die Sorgen um die Farm beschäftigten, aber dass er nie Zeit für ihre Probleme hatte verletzte sie.
Einzig ihre Kinder erheiterten ihre dunklen Gedanken. Claire war inzwischen sechs Jahre alt und umgluckte ihre kleine Schwester. Die zwei waren ein Herz und eine Seele und Tess vergötterte ihre große Schwester gerade zu.
Die Beiden unternahmen so viel miteinander und Ruth musste sich nie Sorgen um Claire und Tess machen. Claire war sehr vorsichtig, wenn es um ihre fast Zweijährige Schwester ging.
Sie nahm es mit jedem auf, der Tess zu nahe kam und ihr übel mitspielen wollte.
Was besonders Alex Ryan im Moment sehr gefiel. Bei sich jeder bietenden Gelegenheit schuppste und triezte er die kleine blonde Tess. Aber nicht um sie damit zu ärgern, oh nein seine Streiche galten einzig und allein Claire!
Die wiederum revanchierte sich und stellte Alex damit bloß, dass sie beim hiesigen Ponyrennen ihn um Längen schlug.
Zwischen Claire und Alex war ein ungesunder Konkurrenzkampf entstanden, der den Eltern der Beiden manche schlaflose Nächte bereitete.
Egal um was es ging, die Beiden forderten das Letzte aus sich heraus und riskierten nicht wenig.
So musste schon mal Alex´ Bein herhalten, als er Claire unbedingt beweisen wollte, dass er bereits schon über Hindernisse springen konnte.
Das ging natürlich schief und das Ergebnis war ein gebrochenes Bein.
Aber Claire stand ihm in nichts nach. Bei einem anderen Rennen hatte sich Claire ziemlich verschätzt und war schlimm vom Pony gefallen, wobei sie sich das Handgelenk brach.
Aber das schreckte die zwei Sechsjährigen nicht ab, sich immer gegenseitig zu messen.
Einzig Nick hatte Gefallen an diesen Zusammentreffen, denn nur dann ließ Claire ihre Schwester aus den Augen und so konnte der beinahe Vierjährige Nick mit der kleinen Tess spielen.
Er war zwar ein Junge, aber das völlige Gegenteil von Alex. So Wild, Ungestüm, Frech und Risikofreudig Alex war, stach Nick ihn mit Ruhe, Vorsicht, Anstand und Besonnenheit aus.
Tess spielte sehr gerne mit dem kleinen blonden Nachbarsjungen und mochte ihn, doch wenn Alex auftauchte versteckte sie sich immer hinter Claire, Nick oder ihrer Mom
Was natürlich Ruth nicht entging.
Sie wusste, dass das Leben hier nicht einfach war und das auch in der Stadt sich Kinder nicht immer nur friedlich miteinander spielten doch dass ihre kleine Prinzessin Angst vor Alex hatte macht ihre große Sorge. Doch wie immer konnte sie mit Jack nicht darüber reden.
Überhaupt war ihre Beziehung auf den Nullpunkt gelangt.
Seit Monaten hatte Jack sie nicht mehr berührt und langsam vermutete Ruth, dass er eine Andere hätte.
Doch wie immer fraß sie ihren Kummer in sich hinein und schwieg. Meg hatte Mitleid mit ihr und hatte besorgt ihre Verwandlung von einer glücklichen und lebenslustigen Frau in eine melancholische und depressive Ruth mitbekommen.
Sie wollte ihr so gerne helfen, aber Meg hatte den Kopf dafür nicht frei. In der kommenden Woche wollte sie heiraten und Mrs. Kevin Fountain werden.
An Megs Hochzeitstag eskalierte die Situation von Jack und Ruth und nach der Feier kam es zu einem sehr hässlichen Streit.
Ruth
hatte das Gefühl, dass Jack mit jeder Frau auf Megs Hochzeit
geflirtet hätte. Dazu hatte Liz so versteckte Andeutungen
gemacht, das zwischen Meg und Jack was lief.
Das verletzte Ruth
nur noch mehr und in der besagten Nacht warf sie Jack alles Mögliche
an den Kopf.
Jack verstand nicht warum seine Frau so ausgerastet war und stellte sie als nervöses und hysterische Stadtpflanze hin!
Das war für Ruth zuviel, sie schnappte sich einen Koffer und warf all ihre Kleider hinein. Dann ging sie in das Zimmer von Tess und holte deren Kleider heraus.
Als sie auch Claires Sachen packen wollte, hielt Jack sie auf.
„Was hast du vor?" fragte er wütend.
„Ich verlasse dich und ich nehme die Mädchen mit, das hab ich vor!" sagte sie kalt.
„Tu was du nicht lassen kannst, aber meine Töchter bleiben hier!"
„Du glaubst doch nicht im ernst dass ich meine Töchtern hier bei dir lasse!"
„Darf ich dich erinnern, dass du nur eine Tochter hast! Claire ist mein Kind!"
Ruth fühlte sich, als wenn eine eiskalte Faust ihr Herz umklammerte. Nie hatte Jack so mit ihr gesprochen!
„Du verlangst von mir, dass ich Claire verlasse? Ich liebe sie ebenso wie ich Tess liebe! Was für eine Zukunft hat sie denn hier bei dir? Du wolltest doch nie eine Tochter haben. Ich sehe doch wie du Alex ansiehst und dass du dir wünscht, dass er dein Sohn wäre! Also was hindert dich daran mir Claire mitzugeben?"
„Es ändert nichts an der Tatsache, dass sie meine Tochter ist! Wenn du gehen willst dann geh! Aber Claire bleibt hier!" Kalt sah er sie an.
Ruths Schultern sackten zusammen, damit hatte sie nicht gerechnet.
Sie wollte weg von hier, aber Claire zurücklassen? Nein das konnte sie ihr nicht antun! Nicht nachdem sie so lange gebraucht hatte ihr verständlich zu machen, dass sie sie ebenso liebte wie Tess!
Jack sah, dass er gewonnen hatte und ließ Ruth einfach stehen.
Diese sank an der Zimmertür von Claire hinunter und begann verzweifelt zu weinen.
Als der Morgen anbrach, hatte Ruth schweren Herzens eine Endscheidung getroffen.
Sie brachte die Koffer die sie in der Nacht gepackt hatte in ihr Auto und setzte sich an den Frühstückstisch. Jack sah sie herausfordernd an, doch sie ignorierte ihn.
Claire kam mit Tess angezogen hinunter und beide setzen sich an den Tisch. Jack stand auf und verließ die Küche.
Claire spürte, dass sich zwischen ihren Eltern etwas geändert hatte und sah Ruth erwartungsvoll an.
„Claire du weißt doch wie lieb ich dich habe!" Claire nickte
„Und du weißt, dass ich dich niemals freiwillig verlassen würde!" wieder nickte die Kleine. „Aber ich kann nicht mehr hier bleiben! Dein Daddy und ich wir haben uns nicht mehr lieb und ich werde weggehen!"
Geschockt sah Claire sie an und dann rannte sie in ihr Zimmer. Dort nahm sie ihren kleinen Koffer begann ihn mit ihren Kleidern zu füllen.
Ruth war ihr gefolgt und sanft unterbrach sie Claires Bemühung.
„Claire du kannst nicht mit mir kommen!" flüsterte Ruth bedrückt.
„DU HAST ES VERSPROCEHN!!!!!DU HAST ES MIR VERPROCHEN! DU HAST GESAGT, DASS DU MICH NIE VERLASSEN WIRST UND DASS DU MICH GENAU SO LIEBST WIE TESS! WAS HAB ICH GETAN, DASS DU MICH NICHT MEHR MAGST!" schrie das verzweifelte Kind.
Ruth begann zu weinen „Oh Claire, ich würde dich so gern mitnehmen und mein Versprechen halten, aber dein Dad lässt mich nicht! Ich darf nur Tess mitnehmen!"
Augenblicklich wurde Claire ruhig und sie verstand „Ich wusste es, du liebst Tess mehr! Ich bin nicht deine richtige Tochter, nur deshalb nimmst du sie mit! DU HAST ES VERSPOCHEN UND NUN BRICHST DU ES. DU BIST EINE LÜGNERIN! IHR ALLE HABT MICH BELOGEN! ICH HASSE EUCH ALLE! ICH WILL DICH NIE WIEDER SEHEN!" zu tief verletzt rannte Claire aus ihrem Zimmer und aus dem Haus. Ruth wollte ihr nachgehen und ihr alles erklären, aber Tess hatte den Streit gehört und weinte nun bitterlich.
Ruth hob sie hoch und ging zu ihrem Wagen. Dort schnallte sie ihre Tochter an und sah sich um. Sie hoffte, dass Claire zu ihr kam und rief nach ihr.
Doch sie kam nicht. Ruth hatte gedacht, dass wenn Claire käme sie sie einfach in den Wagen stecken könnte und mit beiden Kindern verschwinden würde. Doch ihr blieb keine Zeit, denn Jack kam von den Stallungen und sah, dass sie am Wagen stand.
Er blieb stehen und betrachtet sie lange.
Ruth letzte Hoffnung starb, als sie den kalten und gleichgültigen Blick von Jack sah.
Sie stieg in den Wagen und sah sich um. Doch Claire erschien nicht. Schweren Herzens fuhr Ruth davon und sah sich nicht mehr um.
Claire hatte sich in den Büschen versteck und beobachtet wie Ruth einfach so verschwand „Ich werde nie wieder jemandem vertrauen! Alle belügen mich und lassen mich alleine." sagte sie trotzig zu sich selbst.
Sie blieb den Ganzen Tag in ihrem Versteck und erst als es dunkel wurde schlich sie ins Haus, wo sie auf ihren Vater traf.
Er sah sie an und meinte nur „Nun sind wir wieder allein. Nur du und ich." und dann ging er schlafen.
4.Kapitel
Mai 1980, Drovers Run
Fast ein Jahr war inzwischen vergangen. Ein Jahr in dem sich Claire zurückgezogen hatte und der Welt der Erwachsenen nicht mehr vertraute.
Ein Jahr ohne ihre kleine Schwester Tess.
Claire hatte sich sehr verändert. Alles was im Entferntesten an ein Mädchen erinnerte hatte sie weit von sich geschoben.
Sie benahm sich nun wie ein Junge. Sie prügelte sich im Kindergarten, war faul und ließ sich nichts mehr sagen.
Jack hatte anfangs ihre Mätzchen geduldet, doch als sie anfing die Arbeit auf der Farm zu vernachlässigen reichte es ihm und er zog die Zügel an.
Er begann Claire zu maßregeln und nahm ihr sogar ihr geliebtes Pferd weg. Doch all das nützte nichts, Claire wurde dadurch nur noch rebellischer und unvernünftiger.
Besonders mit Alex ging sie hart um. Was früher so spielerische Keilereien waren, artete heute zum Teil in wüste Schlägereien aus, in denen meistens Alex mit Schrammen und Bisswunden nach Hause ging.
Egal um was es ging. Ob im Kindergarten der größte Störenfried zu sein, den Leiterinnen pappige Antworten zu geben oder bei den einzelnen Kinderwettbewerben, sobald Alex auf der Bildfläche erschien, brodelte es in Claire und sie wollte sich mit ihm messen.
Ihre Motivation war ganz einfach: Sie war eifersüchtig!
Manchmal kam Alex zu ihnen nach Drovers hinüber und unterhielt sich mit Jack und auf diese Gespräche war sie neidisch. Ihr Vater sprach nur sehr wenig mit Claire und wenn überhaupt, dann nur wenn sie etwas angestellt hatte. Besonders dann, wenn sie sich mit Alex stritt.
Jack mochte den Jungen und ihm passte es überhaupt nicht wie Claire sich ihm gegenüber benahm. Dass er mit seiner Haltung Schuld an dieser Misere hatte kam ihm nie in den Sinn.
Doch eines Tages trieb es Claire auf die Spitze.
Es war der erste Kinderfarmer Wettbewerb an denen sie beide mit Pferden und nicht mit Ponys mitmachen durften. Eigentlich durften nur Kinder ab sieben Jahren mitmachen, aber man hatte Claire eine Ausnahmebewilligung erteilt da sie in wenigen Wochen Geburtstag hatte.
Es war ein einfaches Hindernis- und Geschicklichkeitsrennen. Claire hatte mit ihrem Pferd lange dafür trainiert und als sie sah, dass Alex mit einem neuen Pferd startete, wurde sie wütend.
Alex neues Pferd war viel besser, als ihr alter Klapper und sie hätte keine Chance gegen ihn. Sie hatte keine Lust auf das blöde Gesicht von einem siegenden Alex und schon gar nicht von ihrem Vater wie er Alex gratulieren würde.
So beschloss sie ihrem Glück etwas nachzuhelfen.
Als Alex sein Pferd gesattelt hatte schlich sie in dessen Box und versteckte eine Nadel in der Unterdecke des Sattels.
Es war eine feine Nadel und würde dem Tier nicht sonderlich wehtun, aber es würde genügen, damit es bockig wurde und somit Alex keine Chance auf den Sieg hatte.
Nie hätte sie gedacht, dass es so ausgehen würde.
Als beide am Start waren, war Alex´ Pferd bereits sehr gereizt und nervös.
Beim Startschuss spornte Alex sein Tier noch unnötig an und als es über die ersten Hindernisse sprang, musste sich die Nadel ziemlich tief in das Fleisch des Pferdes gebohrt haben. Auf einmal stieg es hoch und bockte.
Alex hatte nicht genügend Kraft, um sich oben zu halten und fiel ihm hohen Bogen hinunter. Als er hart auf den Boden aufschlug blieb er bewusstlos liegen.
Geschockt blieb Claire stehen, stieg ab und rannte schnell zu ihm hinüber.
Als er mit geschlossenen Augen so da lag, machte sich ihr schlechtes Gewissen bemerkbar und sie begann zu weinen.
Schnell kamen die Sanitäter und ihre Väter angerannt.
Jack nahm seine Tochter zur Seite und sah sie streng an. An ihrer Reaktion konnte er sich ausrechnen, dass seine Tochter die Hände im Spiel hatte.
„Was hast du getan?" fragte er deshalb böse.
Claire schniefte und sah ihn an „Ich hab das nicht gewollt. Ich hab doch nur eine kleine Nadel in die Unterdecke getan!" gab sie zu.
Wütens sah er sie an und dann blickte er zu dem bewusstlosen Jungen hinüber, der nun in einen Krankenwagen geschoben wurde.
„Es reicht! Wir gehen sofort nach Hause!" bellte Jack und Claire wusste, dass sie nun lieber nichts mehr sagen sollte.
Schweigend fuhren sie nach Hause und ihr Vater verschanzte sich in sein Büro.
Nach über einer Stunde kam er hinaus.
„Alex geht es soweit gut. Falls es dich interessiert! Dein kleiner Scherz hat ihm eine Gehirnerschütterung und ein gebrochenes Schlüsselbein eingebracht!
Ich weiß nicht was mit dir los ist Claire, aber ich habe genug! Wenn du noch länger hier bleibst bringst du den Jungen noch um!" donnerte er.
Trotzig sah Claire ihren Dad an „Und was heißt das?" fragte sie in einem ziemlich schnippischen Ton.
Jack lächelte, aber es war kein freundliches Lächeln, sondern eher ein beunruhigendes, sogar bedrohendes Grinsen.
„Nun mein Fräulein, ich habe nicht die Nerven und Geduld dich zu einem ehrbaren Menschen zu erziehen. Du kommst in ein katholisches Mädcheninternat! Ich hoffe doch, dass sie es dort schaffen dir etwas Anstand und Moral beizubringen!" eröffnete er ihr.
Geschockt sah sie ihn an „Das ist nicht dein Ernst? Du schickst mich fort! Zu den Nonnen! Was soll ich bei denen? Wir sind ja nicht einmal katholisch!"
Jack lächelte kalt „Stimmt, aber dieses Internat ist berühmt für seine Strenge! Ich weiß ja nicht, was ich bei dir falsch gemacht habe, aber die werden es schon richten!" sagte er und ließ sie einfach stehen. Doch bevor er die Tür erreicht hatte drehte er sich um.
„Und denk ja nicht daran wegzulaufen Claire. Solltest du das versuchen dann Gnade dir Gott! Ich hab keine Zeit mich mit deinen Mätzchen rum zu ärgern! Morgen kommt der Wagen und holt dich ab!" damit drehte er sich um und verließ endgültig das Zimmer.
Claire konnte nicht fassen, was soeben geschehen war.
Klar,
das mit der Nadel war eine saublöde Idee gewesen, aber dass er
sie deshalb wegschickte.
Warum überraschte sie das so? Sie
wusste ja, dass ihr Vater sie nicht wirklich liebte, sondern nur noch
hier duldete.
Sie wusste, dass sie niemandem vertrauen konnte.
Alle hatten sie bisher belogen und verraten, warum sollte der große Jack McLeod eine Ausnahme sein.
Erschöpft rutschte sie an der Wand hinunter. Sie hatte nun wirklich alles verloren, nicht nur ihre Mutter, Ruth und Tess, selbst ihren Vater hatte sie schon länger verloren, aber eins war ihr in der Zeit immer geblieben und das war Drovers.
Ihr Zuhause, ihre Festung und nun hatte ihr Vater ihr dies auch genommen.
Claire schlang ihre Arme um ihre Kniee und legte ihren Kopf darauf. Sie konnte nicht mehr und begann zu weinen.
Sie weinte um sich selbst, ihrer Mutter, um Ruth, die sie bei ihrem Dad gelassen hatte und um Tess. Sie wusste, sie würde ihre kleine Schwester nie wieder sehen.
Claire erwog es einen Moment lang wirklich abzuhauen. Aber wo sollte sie mit ihren fast sieben Jahren hin? Niemand würde ihr Helfen und jeder würde die Polizei informieren und dann... Jack würde sie umbringen wenn sie das täte!
Jack! Nicht mehr Dad oder Vater, nein nur noch Jack. Das was sie für ihn empfand, gehörte nun der Vergangenheit an.
Sein Entscheidung sie fortzuschicken hatte ihr weniges Vertrauen, das sie in die Erwachsenen hatte, zerstört.
Jack!
Nun bin ich wirklich alleine! dachte Claire traurig als sie aufstand und in ihr Zimmer ging.
Dort
begann sie ihre Sachen zu packen.
Nicht viel, ein paar Kleider
und ihre Schatzkiste! Die hatte Ruth ihr geschenkt als Tess geboren
wurde.
Damals sagte sie ihr, dass sie all ihre Schätze, Träume, Wünsche und Hoffnungen darin aufbewahren sollte!
Nachdenklich sah sie nun die an. Langsam öffnete sie diese.
Darin befanden sich verschiedene Fotos. Eins von ihrer Mutter wie sie milde in die Kamera lächelte, eins wo ihre Mom sie in die Luft warf und wieder auffing.
Eins von ihr wie sie den dicken Bauch von Ruth umarmte, eins von Baby Tess und ihr, und eins das kurz vor ihrer Trennung entstanden war.
Claire und Tess standen mit dem Rücken zur Kamera auf der Veranda und sahen aufs Land hinaus. Sie beiden hielten sich an den Händen und sahen dem Sonnenuntergang zu.
Neben den Fotos lag noch das Parumfläschchen ihrer Mutter.
Nachdenklich schloss Claire die Schatulle. Sie ging zu ihrer Fensterbank und hob ein loses Brett das genügend Raum für ihre Schatztruhe hatte.
„Ich brauch dich nicht mehr!" flüsterte sie dabei.
Dann warf sie sich aufs Bett und starrte die ganze Nacht die Decke an.
Als
die Sonne aufging stand Claire auf und machte sich bereit. Stumm ging
sie in die Küche und setzte sich hin.
Meg sah sie verwundert
an und noch überraschter war sie den Koffer hinter ihr zu sehen.
Sie wollte sie gerade fragen was los sei, als Jack ebenfalls die
Küche betrat.
„Oh gut, du bist wach! Dein Wagen kommt in dreißig Minuten Claire, sei bis dahin fertig mit dem Frühstück!
Meg, ich bin dann weg. Ich muss die Zäune reparieren und komme erst abends zurück. Bye Claire und versuch bitte niemanden umzubringen. Ich werde mich in ein paar Tagen bei dir melden." sagte er als wäre es nicht besonderes, dass er seine Tochter weg schickte.
Meg sah ihm überrascht hinterhe.! Sie verstand nicht was hier gespielt wurde. Sie kannte Jack lange genug und wusste, dass er manchmal ein ungehobelter Kerl war, aber das……..es hörte sich so endgültig an. Sie wandte sich an Claire
„Was soll das heißen?! Wo gehst du hin!?" wollte sie von ihr wissen.
Claire schluckte den dicken Kloß in ihrem Hals hinunter.
„Jack schickt mich fort, zu den Nonnen und ich weiß nicht wann, oder ob ich jemals wieder zurückkomme!" erklärte sie knapp.
„Was? Ist er komplett verrückt geworden? Claire, das lass ich nicht zu! Hörst du, ich werde mit ihm reden!" aufgebracht drehte sich Meg in Richtung Tür, doch Claire hielt sie zurück.
„Lass es Meg! Ich bin es nicht wert. Er will mich hier nicht und wollte es auch nie! Ist ok, ich hab es begriffen! Danke für alles Meg! Ich warte draußen auf das Auto!" Ein tief gekränktes und unendliches trauriges Mädchen stand nun auf und schnappte sich ihren Koffer.
Meg brauchte einen Moment, um das Gehörte zu verstehen und vor allem zu begreifen. Als sie endlich verstand worum es sich handelte, rannte sie besorgt hinter Claire her. Doch zu spät der Wagen der Klosterschule hatte sie bereits abgeholt und fuhr mit ihr in eine ungewisse Zukunft.
Als Jack am Abend zurückkam, wartete Meg ziemlich wütend am Küchentisch auf ihn. Sobald er sich gesetzt hatte, beschimpfte sie ihn aufs übelste!
Sie war ohnehin sauer auf alle Männer, denn ihr Angetrauter hatte sich am Tag zuvor aus dem Staub gemacht und sie nicht einmal informiert wohin er ging.
Jack
ließ sie sich austoben, doch dann platzte ihm der Kragen.
„Es
reicht Meg! Stell mich nicht als herzloses Monster hin! Ich habe das
getan weil ich sie liebe! Gott verdammt, du hast doch gesehen was aus
ihr geworden ist! Sie ist schlimmer als jeder Junge in der Umgebung
und gestern hätte sie beinahe Alex Ryan umgebracht!
Claire braucht eine strenge Hand die sie führt und Verständnis für sie hat!
Die kann ich ihr nicht geben! Oh Got,t manchmal wünsche ich mir, ich hätte Claire Ruth mit gegeben! Sie hätte verhindert, dass Claire so austicken würde!"
Geschockt von seinem Geständnis schwieg Meg einen Moment lang „Aber warum..."
„Ich so hart war, heute Morgen?
Meg weißt du, wo ich den ganzen Tag war? Ich war zuerst bei Pru! Ich hab sie um Verzeihung gebeten, dass ich bei unserer Tochter versagt habe.
Danach bin ich Claire bis nach Adelaide gefolgt!" sagte er mit erstickter Stimme.
Meg zwang ihn sie anzusehen „Jack, das was du getan hast ist falsch! Claire denkt, dass du sie nicht liebst. Bring das in Ordnung, sonst hast du dein Kind für immer verloren!
Geh zu ihr und hol sie nach Hause! Rede mit ihr und dann wirst du sehen, dass Claire sich einfügen wird.
Ihr fehlt nicht die Strenge und Härte, was Claire fehlt bist du! Deine Anerkennung und das Gefühl von dir geliebt zu werden, reicht diesem Mädchen!
Himmel Jack sie ist doch erst sechs Jahre alt! Gib ihr eine Chance und vor allem gib sie dir!" Meg flehte ihn an und Jack sah ihr in die Augen.
Auf einmal küsste er sie und nach einem kleinen Moment der Überraschung ließ Meg es geschehen.
Sein Kuss wurde immer fordernder und Meg wusste worauf es hinauslaufen würde. Ohne ein Wort zu sagen stand sie auf und zog Jack mit hoch, dann ging sie in Richtung Treppe, hinauf in sein Schlafzimmer.
Meg hatte gehofft, dass sie Jack umstimmen könnte, doch in diesem Punkt ließ er nicht mit sich reden. Er wusste, dass Claire seinen Dickkopf geerbt hatte und dass er sie für eine Weile in Ruhe lassen musste.
Als Meg ihn zwei Monate später gestand, dass sie Schwanger war, traf ihn das ziemlich unerwartet. Nachdem sie ihm versichert hatte, dass nur er als Vater in Frage käme, bat er um ihre Hand.
Zu seinem Erstaunen lehnte sie seinen Antrag ab.
„Jack du bist ein guter Boss und ein toller Farmer, doch als Ehemann taugst du nichts.
Ich hab gesehen was aus Ruth geworden ist und so will ich nicht enden. Es reicht mir, dass du es weißt und ich verlange auch nichts von dir. Ich werde allen erzählen, dass es von Kevin ist. Damit bist du aus dem Schneider."
„In Ordnung Meg, aber ich bezahle für mein Kind. Ich lass dich nicht im Stich!" Nur mit Mühe konnte er seine Erleichterung verbergen. Er mochte Meg, aber ihre damalige Nacht war ein Ausrutscher gewesen und hatte sich nicht wiederholt.
Neun Monate später, am 1. April 1981, erblickte Jodi Fountain das Licht der Welt. Und anders als bei Claire und Tess fühlte sich Jack sofort zu diesem kleinen Schreihals hingezogen.
Keine Frage, er liebte seine Töchter, aber Jodi hatte ihn mit einem einzigen Blick erobert.
Vielleicht lag es daran, dass Claire ihn nicht sehen wollte und er sich schuldig fühlte.
Jack war sechs Monate nach ihrem Fortgang ins Internat gefahren und wollte seine älteste Tochter besuchen, doch Claire hatte sich versteckt und die Nonnen machten ihm klar, dass seine Tochter keinen Kontakt zu ihm wünschte.
Claire war so voller Wut auf alle Erwachsenen und deshalb legten sie ihm nahe keinen weiteren Versuch eines Treffens zu erzwingen.
Was Claire brauchte war Ruhe und Stabilität. Dies sei der einzige Weg, dass Claire wieder vertrauen in die Erwachsenen bekäme. Solange Jack sich um sie bemühe, würde sie nie in der Lage sein den Erwachsenen wieder zu vertrauen. In Claires Augen war ihr Vater ein Verräter und alle Erwachsenen seien wie er.
Geschockt hatte Jack die Worte der Nonnen vernommen und erst jetzt wurde ihm klar wie groß der Schaden war, den er Claires kleiner Seele zugefügt hatte.
Die Schulleiterin versprach Jack auf dem laufenden zu halten und dass er sich jederzeit bei ihr melden könnte.
Nach diesem Gespräch beschloss Jack, sein nächstes Kind mit Liebe und Aufmerksamkeit nur so zu überschütten, was er nach Jodis Geburt auch tat.
Bei ihr holte er das nach was er die Claire und Tess versäumt hatte.
Er war zum ersten Mal in seinem Leben ein richtiger Vater!
5. Kapitel
18. Juni 1989, Die Klosterschule , Adelaide
Acht Jahre waren inzwischen vergangen und Claire hatte sich dem Leben in der Klosterschule untergeordnet.
Sie war zwar keine überragende Schülerin, aber sie fiel nicht mehr sonderlich auf.
Zu Anfang war sie sehr rebellisch und gab sich keine Mühe, sich in den Alltag einzufügen.
Doch von dem Zeitpunkt als sie die Pferde entdeckt hatte änderte sich das und sie wurde ruhiger.
Das einzige was den Schwestern Sorgen machte, war Claire McLeods soziales Verhalten.
Sie war zwar höflich, doch sie ließ niemanden an sich heran.
Sie blieb eine Einzelgängerin, die die Gegenwart der Tiere,den der Menschen vorzog.
Auch hatte sie in dieser Zeit keine engeren Kontakte zu Mitschülern oder Betreuern entwickelt
Nie hätten sie gedacht, dass ein so junges Kind so Stur und Trotzig sein konnte.
Alle hatten gehofft das die Zeit Claires Wunden heilen würde, aber sie bewies ihnen allen wie unerbittlich sie ihren Vater hasste.
Jack hatte nach einem Jahr angefangen ihr Briefe und an ihrem Geburtstag und an den Feiertagen Pakete zu schicken. Doch Claire bat immer höfflich, aber unmissverständlich die Nonnen, diese ungeöffnet an den Absender zurück zu schicken.
Erstaunlicherweise ließ ihr Vater sich davon nicht abschrecken und versuchte es unermüdlich weiter.
Doch Claire blieb hart und seit dem Tag ihrer Abreise war sie nicht wieder auf Drovers Run gewesen und hatte zu keinen der Bewohner Kontakt.
An Claires sechzehnten Geburtstag wollten die Schwestern sie überraschen und schenkten ihr etwas, von dem alle wussten, dass es Claire gefallen würde.
Eine Eintrittskarte zu einer Rodeoshow, die am kommenden Samstag bei ihnen in der Stadt zu Gast war.
Claire hatte sich artig bedankt und nahezu emotionslos das Ticket entgegengenommen. Erst nachdem sie Ausreiten durfte, konnte sie sich über das Geschenk freuen.
Sie fieberte der Rodeoshow regelrecht entgegen, denn die Schwestern hatten ihr erlaubt alleine hinzugehen. Einen ganzen Tag weg von der Schule und von den heimlichen Blicken, die sie nie aus den Augen verloren.
Einen Tag frei sein!
Als der Samstag kam machte sie sich zeitig zur Show auf, um auch ja nichts bei den Vorbereitungen zu verpassen.
Sie beobachtete alles ganz genau und bemerkte nicht, dass sie selber auch beobachtet wurde.
Ein Mädchen in ihrem Alter mit roten Haaren hatte Claire schnell entdeckt und erkannt, dass dieses braunhaarige Mädchen ein gutes Gespür für Pferde hatte.
Sie ging auf sie zu und grinste sie an. „Hi, ungewöhnlich hier ein Mädchen anzutreffen. Normalerweise lungern hier nur Jungs rum, die auf möchtegern Cowboy machen. Aber du, du hast wirklich Ahnung von Pferden. Ich bin übrigens Stevie."
Claire sah das fremde Mädchen an.
Gegen ihre Gewohnheit alles und jeden zu ignorieren reichte Claire ihr die Hand.
„Hi ich bin Claire. Arbeitest du hier?"
„Ohja, seit ungefähr drei Monaten." antwortete Stevie lachend.
„Und deine Eltern erlauben dir das? Einfach so?" fragte Claire nach.
Stevies Gesicht verdunkelte sich. „Meinen Eltern ist es egal, wo ich bin. Sie haben mich rausgeschmissen."
Claire sah Stevie geschockt an. „Was? Warum?"
„Sorry, aber das geht dich nichts an." antwortete Stevie steif.
„Entschuldige, du hast Recht, es geht mich nichts an." sagte Claire sofort.
„Komm, ich zeig dir die Pferde für die Show." meinte Stevie unvermittelt und zog sie mit sich fort.
Claire hatte jede Menge Spaß an diesem Nachmittag und Stevie zeigte ihr wirklich alles, was irgendwie zu der Rodeoshow gehörte.
Als diese dann begann, erklärte Stevie Claire die Stärken und Schwächen der einzelnen Reiter.
Claire fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit dazugehörig und Stevie brachte sie mit ihrer unkonventionellen Art immer wieder zum lachen.
Gegen Abend wurde Claire immer stiller und Stevie bemerkte es.
"Hey, Claire was ist los? An was denkst du?"
Claire sah sie traurig an „Kennst du das Gefühl nirgends zu Hause zu sein und dass dich niemand will?" fragte sie schüchtern.
Stevie nickte. „Und wie ich das kenne. Du hast mich vorhin gefragt warum ich hier bin, nun Claire ich bin schwanger geworden." Gab das rothaarige Mädchen zu.
Geschockt sah Claire ihre neugewonnene Freundin an. „Oh und wo ist das Baby jetzt?"
Stevies Miene verdunkelte sich. „Kein Baby, meine Eltern haben mich zu einer Abtreibung gezwungen. Ich bin 15 und sie haben die Entscheidungsgewalt! Was ich wollte war meinen Eltern und den Ärzten egal.
Der Schein musste gewahrt werden, das war das Einzige das zählte. Aber sobald ich wieder fit war bin ich abgehauen!"
„Und deine Eltern? Haben sie dich nicht zurück geholt?" Wollte Claire wissen.
„Ich habe ihnen sogar einen Gefallen getan. Dad wollte mich eh an meinem sechzehnten Geburtstag rausschmeißen. Ich bin ihm nur zuvorgekommen." sagte Stevie traurig.
„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht aushorchen. Aber ich weiß nicht wohin ich gehöre." Gab Claire gepresst zu.
Stevie sah ihre Leidensgenossin an „Claire, warum bleibst du nicht hier? Nigel, der Boss, sucht immer Leute, die ihm zur Hand gehen. Solange du gute Arbeit leistest stellt er keine Fragen." sagte Stevie.
Das erste Mal seit langer Zeit keimte in Claire so etwas wie Hoffnung auf.
Stevie sah es und nahm sie an die Hand „Komm, lass uns zu ihm gehen und ihn fragen. Was hast du schon zu verlieren?"
Lachend ließ Claire sich mitziehen und als Stevie diesen Nigel fand, trug sie ihm ihr Anliegen vor.
„Okay Claire, du willst also hier bleiben? Was kannst du denn?" fragte Nigel und sah sie aufmerksam an.
„Ich kenne mich mit Pferden aus und kann alles was damit zu hat, den Rest werde ich lernen." antwortete Claire und sah ihm direkt in die Augen.
Nigel imponierte diese selbstbewusste und fast arrogante Haltung.
„Okay Kleine, lass es uns versuchen, ich brauche dann nur noch die Erlaubnis deiner Eltern, dass es für sie in Ordnung geht.
Bei Stevie habe ich wegen den Umständen eine Ausnahme gemacht."
Claires Schultern sackten zusammen. „Ich denke nicht, dass Jack es erlaubt." flüsterte sie kaum hörbar.
Nigel sah sie aufmerksam an. „Hey, lass den Kopf nicht hängen. Ich werde es deinem Vater schon schmackhaft machen. Wie lautet dein voller Name?"
„Claire McLeod." antwortete sie.
Nigel, der bereits auf den Weg ins Büro war blieb stehen und drehte sich um.
Forschend sah er sie an. „Jack McLeods Tochter?" fragte er entgeistert.
Bekümmert nickte Claire mit dem Kopf.
„Okay Claire, du bist eingestellt! Ohne wenn und aber." Verkündete er zu ihrem Erstaunen.
„Einfach so? Ohne Erlaubnis?" hakte Claire nach.
Nigel grinste fies. „Claire, ich will ehrlich sein. Ich stelle dich nur ein, um deinem altem Herrn eins auszuwischen.
Dein Vater und ich haben noch eine Rechnung offen. Und wenn er erfährt, das ausgerechnet ich dir Arbeit gegeben habe, trifft ihn der Schlag. Aber du musst dich trotzdem anstrengen, ich verschenke nichts! Verstanden?"
Claire sah ihn an und begann langsam zu lächeln. „Okay, es soll mir recht sein, solange sie ihn nicht informieren!" antwortet Claire glücklich.
Stevie klatschte begeistert in die Hände.
„So Stevie, du weißt, dass wir Morgen früh aufbrechen und du weißt was das heißt. Zeig Claire was zu tun ist, du bist für sie verantwortlich." ordnete Nigel an und die Mädchen rannten los, um ihre Aufgaben zu erledigen.
Spät Nachts waren sie mit Abräumen und mit der Unterbringung der Tiere fertig. Geschafft gingen sie zu dem Wohnwagen, den sie mit Mirical, der Hellseherin, teilten und fielen todmüde in ihre Kojen.
Dass sie am nächsten Morgen losfuhren, bemerkten sie gar nicht und schliefen selig weiter.
Ganz anders sah es im Kloster aus. Als die Nonnen Claires fernbleiben bemerkten, hatten sie Jack sofort informiert. Trotz der sofort eingeleiten Suche, blieb Claire verschwunden.
1989 Sydney
Auch bei Ruth und Tess war die Zeit nicht stehen geblieben.
Ruth war zurück in die Stadt gezogen und hatte ein kleines Café eröffnet.
Oft sehnte sie sich nach den Sonnenaufgängen von Drovers und nach der wilden Natur, die fast drei Jahre lang ihre Heimat war.
Insgeheim hatte sie gehofft, dass Jack sie suchen und bitten würde zu ihm zurück zu kehren, doch er tat es nicht und hatte nie versucht sie oder Tess zu sehen. Einzig, als sie die Scheidung beantragt hatte und er beim Gerichtstermin erschien, sah sie ihn wieder.
Natürlich fragte sie nach ihrem Mäuschen Claire, und ob sie und Tess sie besuchen durften. Emotionslos erzählte Jack ihr, dass er Claire ins Internat gesteckt hatte und sie seitdem keinen Kontakt mehr hatten.
Ruth war von Jacks Kälte schockiert und wollte wissen wo er Claire untergebracht hatte.
Spöttisch rieb Jack Ruth ihr fortgehen unter die Nase, dass sie ihre Entscheidung getroffen hätte und nun mit den Folgen leben müsste.
Lange Zeit hatte sie versucht Claire ausfindig zu machen, doch ohne Erfolg.
Für Tess brach eine Welt zusammen, als Ruth ihr behutsam erklärte, dass sie vermutlich ihre große Schwester niemals wieder sehen würde.
Für den Schmerz den Jack seinen Kindern unbewusst zugefügt hatte, begann Ruth ihn zu hassen.
Sie sprach nie mehr über Drovers und deren Bewohner. Langsam verblasste Tess Erinnerung an sie und dass sie eine ältere Schwester hatte.
Vier Jahre waren seit damals vergangen und Ruth war mit ihrem Leben zufrieden. Tess war zu einem hübschen Mädchen herangewachsen, das mit ihren langen blond gewuschelten Haaren und ihren blau-grünen Augen Jedermann verzauberte. Sie half nach der Schule immer im Café ihrer Mutter und mit fast zwölf Jahren, erlaubte Ruth Tess sogar gelegentlich Kaffee zu trinken.
Tess hatte ein Fable für dieses braune Getränk entwickelt, allein der Duft von den gerösteten Bohnen und den verschiedenen Aromarichtungen faszinierten sie. Sie hatte sogar einen Vortrag in der Schule darüber gehalten und hatte eine unendlich lange Laier der verschiedenen Kaffeearten aufgezählt.
Für die Lehrerschaft war es ein interessantes Thema gewesen, doch ihre Schulkameraden hatten sich zu Tode gelangweilt.
Ihre Mitschüler hatten ihr daraufhin den Spitznamen Kaffeebohne verpasst. Doch Tess´ fröhliches und spritziges Naturell steckte dieser spöttisch gemeiner Scherzname weg, kürzte ihn auf Bohne ab und das hatte sich durchgesetzt.
Gelegentlich flammte in Tess das Gefühl eines Verlustes auf, den sie sich nicht richtig erklären konnte.
Ruth hingegen grämte sich und ihr unterdrückte Sorge für Claire ließ sie nicht zur Ruhe kommen.
In diesem Sommer brach sie das erste Mal in ihrem Cafe zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht.
Ruth hatte unendlich viele Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen und nun wartete sie im Büro ihres Arztes.
Dieser schwang die Tür auf und trat ein.
Er las seine Unterlagen und begrüßte Ruth knapp.
Als er aufsah, hatte er das typische unbeteiligte Gesicht eines viel beschäftigten und gestressten Arztes.
„Nun Mrs. Silverman die Untersuchung hat ergeben, dass ihre Blutwerte in einem miserablen Zustand sind und das gibt uns gewisse Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung. Den Unterlagen konnte ich entnehmen, dass in ihrer Familie die Krebserkrankung ungewohnt oft vorkommt.
Es überrascht mich, dass sie die Signale ignoriert haben." sagte er ernst und etwas herablassend.
Ruth sah ihn alarmiert an. „Was soll das heißen?" fragte sie.
„Nun Mrs. Silverman sie haben Brustkrebs. Er befindet sich zwar im Anfangsstadium und mit der geeigneten, raschen Behandlung haben sie eine gute Chance." Erklärte er ihr nüchtern.
Geschockt blickte Ruth den Mediziner an.
„Ich bin 42 Jahre alt und habe eine beinahe Zwölfjährige Tochter, für die ich Sorgen muss. Wie stehen meine Chancen?"
Zum ersten Mal sah der Arzt sie direkt an. „Wenn wir gleich beginnen, 50 Prozent!" antwortete er ehrlich.
6. Kapitel
Oktober 1989, Drovers Run
Vier Monate war schon Claire verschwunden und niemand hatte etwas von ihr gehört. Täglich nahm die Sorge von Claires Verbleib auch bei Jack zu.
Zwar hatte sich seine Tochter, in der Zeit als sie im Internat war, standhaft geweigert mit ihm zu sprechen, aber immerhin wusste er immer wo sie war und wie es ihr ging.
Doch diese Ungewissheit machte ihn wahnsinnig. Nicht zu wissen wie es Claire ging oder ob sie überhaupt noch am Leben war, machte ihn regelrecht krank.
Auch seine Launen waren mittlerweile kaum auszuhalten.
Einzig Alex und sein kleines Prinzesschen Jodi vermochten seine Launen zu verbessern. Alex verbrachte überhaupt viel Zeit bei Jack.
Bei ihm konnte Alex wenigstens er selbst sein, während er auf Killarney immer den Erben spielen und knallhart nach Harry Ryans Pfeife tanzen musste.
Alex hatte die Schule vor zwei Monaten hingeschmissen, da er weit hinter den Erwartungen seines Vaters lag und er wusste, dass er machen konnte was er wollte, er würde nie Harrys Ansprüchen genügen.
Er hatte sich damit abgefunden und war froh in Jack McLeod einen väterlichen Freund gefunden zu haben.
Jack brachte Alex alles bei, was er über das Leben auf einer Farm wissen musste.
Egal ob es dabei um das Eintreiben der Tiere, das Zureiten der Pferde, das Drenschen der Schafe oder den geregelten Ablauf eines Arbeitstages zu organisieren ging, Jack stand Alex mit Rat und Tat zur Seite und ließ ihm die Gelegenheit Fehler zu machen.
Das wiederum schürrte das Konkurrenzdenken von Harry.
Das ausgerechtet der Versager Jack McLeod seinen Sohn unter seinen Fittiche genommen hatte, konnte er kaum verwinden.
Liz bemühte sich unermüdlich zwischen Vater und Sohn zu vermitteln, aber je mehr sie es versuchte umso schlimmer wurde es.
Harry ging sogar soweit Alex gegen seinen jüngeren Bruder auszuspielen.
Nick war der ruhigere und besonnere. In der Schule war er immer unter den Besten und bei den Lehrern sehr beliebt, während Alex das pure Gegenteil war, streitlustig, rechthaberisch und verdammt gut aussehend.
Alex wusste um seine Wirkung und vor einem halben Jahr hatte er seine Unschuld verloren.
Die zwei Jahre ältere Jennifer ONeill hatte ihn gekonnt in die Kunst der Liebe eingeführt und nun ließ er keine Gelegenheit aus, diese ausgiebig zu praktizieren.
Und Nick, der bewunderte seinen Bruder für seine Willenskraft und dass er ihrem Vater immer mehr Kontra gab.
Oktober 1989, Irgendwo in Australien
Auch bei Claire hatte sich so manches verändert. Das Leben auf Tournee gefiel ihr sehr und die Cowboys hatten ihr eine Menge beigebracht.
Claire war bereits vorher eine gute Reiterin, doch hier lernte sie soviel und in kürzester Zeit hatte sie alle wichtigsten Tricks erlernt, um beim Rodeo selber zu starten.
Big Jim, ein Mitte dreißig Jahre alter Cowboy, hatte sich Claire angenommen und war für sie zu einer Art Mentor geworden.
Das hatte auch sein Gutes, denn durch Big Jims Schutz hielten sich die Jungs bei der Rodeoshow zurück.
Er trug nicht umsonst seinen Namen, denn Big Jim war ein muskelbepackter Ureinwohner und beinahe zwei Meter groß.
Zudem war er Miricals Freund und fühlte sich für Stevie und Claire verantwortlich.
Claire hatte etwas von ihrer schroffen und verschlossenen Art abgelegt und war inzwischen bei Allen in der Truppe sehr beliebt.
Sie bewunderten Claires eisernen Willen, ihren unheimlichen Ehrgeiz und trotzdem war Claire immer hilfsbereit und überaus sozial veranlagt.
Sie war immer zurückhaltend und hielt sich vermehrt im Hintergrund.
Einzig wenn es zu Unfairness gegenüber Mensch und Tier kam oder man ihr körperlich zu nahe kam, wurde Claire zur Furie und sie konnte sowohl verbal wie mit den Fäusten gezielt austeilen.
Das brachte ihr den Spitzname St. Claire ein.
Aber ihr war es egal, hier war sie zu Hause und vor allem wurde sie akzeptiert.
Dass die nächste Show in der Nähe von Fisher stattfand und sie ausgerechnet dann ihr Debüt im Ring hatte, beunruhigte und erfreute sie gleichermaßen.
Nigel hatte sie aufmerksam beobachtet und wohlwollend festgestellt, dass Claire das Talent ihres Vaters geerbt hatte.
Mittlerweile war ihm klar geworden, dass böses Blut zwischen den Beiden geflossen war und dass sie es überhaupt nicht mochte auf Jack McLeod angesprochen zu werden.
Nigel war sehr gespannt wie der alte Haudegen darauf reagieren würde, dass sein Mädchen bei ihm unter Vertrag stand und so einiges auf den Kasten hatte.
Natürlich hatte Jack davon gehört, dass in der Nähe eine Rodeo Show zu Gast war und wollte hingehen. Aber als er sah, dass Nigel Finnigen der Betreiber war, verzichtete er auf die Show.
Diesem Gauner und Halsabscheider wollte Jack keinen Penny nachwerfen und verzichtete auf das Rodeo.
Dafür gingen die Ryans zur Show. Getrennt von Harry schlenderte Alex und Nick über das Gelände, als der ältere Ryan von weiten zwei Mädchen entdeckte.
Neugierig beobachtete er die Hochgewachsene Brünette und ihre rothaarige Freundin.
Irgendetwas an der Braunhaarigen erweckte sein Interesse, sie war zwar nicht sein Typ und doch war da etwas, was ihm bekannt vorkam.
Doch bevor er sich ihnen nähern konnte, verschwanden die Beiden in der Zone die nur den Mitarbeitern vorbehalten war.
Nick drängte ihn in Richtung des Rings zu gehen, denn die Show würde gleich beginnen.
Zusammen gingen sie hinüber und Alex blieb in der Nähe der Banden stehen.
Von da aus hatte er einen guten Blick auf die Arena und auf die Boxen wo die Cowboys auf die Tiere geschnallt wurden.
Die ersten Runden waren immer das gleiche, gekonnt fingen die Profis die Kälber ein, ritten Bullen und Wildpferde ein, doch das spezielle an dieser Show waren die Newcomer die zum Schluss auftraten.
Alex war sehr gespannt auf diesen Teil, denn er hatte vor sich für die nächste Show anzumelden und nun wollte er die Konkurrenz abchecken.
Erstaunt beobachtete er das Mädchen von vorhin, die sich nun souverän auf ein ziemlich nervöses und bockiges Wildpferd schwang.
Gespannt verfolgte er jede ihrer Bewegungen und sah fasziniert zu, wie die schlanken Hände gekonnt und sicher sich die Zügel um ihre Hand band.
Der Lautsprecher knackte und er hörte wie der Sprecher die nächste Teilnehmerin vorstellte.
„MEINE DAMEN UND HERREN BEGRÜSSEN SIE EINS UNSER JÜNGSTES MITGLIED IN DER RODEOFAMILIE! SIE HAT HEUTE IHREN ALLERERSTEN AUFTRITT UND ICH VERSPRECHE IHNEN SIE WERDEN IHRE FREUDE AN IHR HABEN!
SIE IST SECHZEHN JAHRE JUNG UND STAMMT AUS DIESER HERRLICHEN GEGEND! BEGRÜSSEN SIE MIT EINEM TOSENDEN APLAUSS... CLAAAAAAIRE MCLEEEEEOOOOD!!!!"
Als Alex den Namen hörte sah er schockiert in den Ring. Tatsächlich dieses Mädchen, das sich so selbstverständlich und bravourös auf diesem Gaul hielt, war Claire, das Gör, dass ihm ihn seinen Jugendjahren so machen Streich gespielt hatte.
Bewundernd sah er, dass Claire ihre Sache verdammt gut machte und als der Signalton für die erreichten 8 Sekunden erklang, ließ sie sich gekonnt vom Pferd fallen und winkte dem Publikum zum Dank zu, dann verschwand sie hinter die Bande, wo sie ein ziemlich großer Kerl hochhob und im Kreis drehte.
Alex ging auf die kleine Gruppe zu und lehnte sich lässig an die Bande.
„Sieh an, sieh an, die kleine Claire ist groß geworden." begrüßte er sie spöttisch.
Claire drehte sich um und sah den Jungen, der sie angesprochen hatte,verwirrt an..
„Du erkennst mich wohl nicht! Nun das letzte Mal, als du mich gesehen hast, hatte ich ein gebrochenes Schlüsselbein und eine Platzwunde über der Stirn. Die Narbe ist immer noch sichtbar." Half Alex ihr auf die Sprünge.
Claires Augen blitzten auf. „Alex Ryan! War ja klar, dass du hier auftauchst!
Aber mir scheint, dass diese kleine Narbe deiner Popolarität nicht schadet!" Grinsend zeigte sie auf eine beträchtliche Menge junger Mädchen, die hinter Alex standen und ihn anhimmelten.
„Das ist ja beinahe ein Harem! Ich hoffe für die Mädchen, dass du ihnen gerecht wirst!" Schelmisch sah sie ihn an.
Alex musste über ihre Worte herzhaft lachen.
„Bissig und biestig, genau so wie ich dich in Erinnerung hatte. Hey, lass uns was trinken gehen. Ich bin neugierig, wie es dich hierher verschlagen hat." Lud er sie spontan ein.
Big Jim hatte Claire keinen Moment aus Augen gelassen und hatte Alex letzte Worte gehört.
„Claire will das Würstchen etwas von dir? Hey Jungs, da baggert jemand St.Claire an!" rief er ihr besorgt zu.
Die gerufenen Jungs umringten die Beiden und alle sahen Alex drohend an.
Dem war das Grinsen vergangen und sah den riesigen Kollos beunruhigt an.
„Jim ist gut, ruf deine Hunde zurück! Ich kenne diesen Holzkopf." Entschärfte Claire die Situation.
„Also Ryan, lass uns gehen!" fuhr sie fort.
Alex grinste nun und folgte Claire.
Beim Erfrischungsstand genehmigten sie sich Getränk und schlenderten weiter zu einer kleinen Anhöhe, wo sie sich setzten.
„Also du bist von der Klosterschule abgehauen, aber wie bist du hier gelandet?" fragte Alex neugierig.
Erstaunt sah Claire ihn an. „Woher weißt du wo ich war?"
„Jack, wir haben öfters über dich gesprochen."erklärte er ihr.
"Pfff... sicher doch!" Murmelte sie ungläubig.
Alex sah sie missbilligend an. „Ich weiß zwar nicht was zwischen dir und Jack geschehen ist, aber das hat er nicht verdient. Er hat sich immer Sorgen um dich gemacht und es hat ihn verletzt, dass du ihn abgelehnt hast.
Er würde es nie zugeben, aber es ist so. Vor allem seit du verschwunden bist, ist er unausstehlich zu seinen Leuten, arbeitet zuviel und schläft kaum noch.
Wenn er so weiter macht bringt er sich um.
Also lass diesen sarkastischen Ton!" fuhr er sie an.
Überrascht sah Claire ihn an. „Oh!" sagte sie nur.
„Ja, oh! Hättest du nur einmal einen seiner Briefe gelesen. wüsstest du es.
Aber lassen wir das, erzähl mir lieber wie du hier gelandet bist." bat er sie in einem versöhnlicheren Ton.
Claire gab sich einen Ruck und erzählte ihm, was sie alles erlebt hatte.
Alex hatte ihr aufmerksam zugehört und ihre Worte trieften nur so von stillen Vorwürfen und Zurückweisung.
Alex begriff, dass Claire von Jacks Benehmen tief verletzt wurde und nun niemandem mehr vertraute.
Zu seinem großen Erstaunen hatten sie beide vieles gemeinsam, nur dass Alex ausgerechnet mit Jack über seine Probleme sprechen konnte.
Um Claire von ihrem verzerrten Bild ihres Vaters zu überzeugen, erzählte Alex was ihm so widerfahren war und dass Jack ihm immer eine große Hilfe dabei war.
Claire sah Alex an. Seine Worte hatten sie sehr verletzt und machten sie wütend.
„Hör auf Alex, ich hab's begriffen! Jack hat nun endlich seinen heiß ersehnten Sohn, na vielen Dank für diese Information! Ich muss zurück zur Arbeit." Wütend stand sie auf und ließ ihn ohne Wort des Abschieds sitzen.
Alex kratzte sich irritiert am Kopf und verstand nicht, was soeben geschehen war.
Big Jim hatte die Beiden nicht aus den Augen gelassen und ging nun zu dem ratlosen Jungen rüber.
„Claire ist sehr kompliziert und vertraut niemandem. Wenn du ihr Freund sein willst musst du viel Geduld mit ihr haben. Lass ihr Zeit und setze sie nicht unter Druck. Claire hat ein Herz aus Gold und wenn sie dir vertraut, hast du ein Freund fürs Leben." sagte Jim und setzte sich zu Alex.
Ratlos sah der ihn an. „Und was soll ich damit anfangen? Sie war schon immer so... so... stur und unberechenbar!
Sie ist ihrem Vater so ähnlich, mit beiden kann man nicht vernünftig reden.
Was soll ich nur machen? Erzähle ich Jack wo sie ist, killt mich Claire. Verschweige ich es und Jack findet es heraus hängt der mich am nächsten Baum auf.
Also, was soll ich machen?" fragte Alex verärgert.
Jim grinste. „Das musst du selber herausfinden Keiner kann dir die richtigen Entscheidungen abnehmen, aber du wirst das Richtige machen. Viel Glück Alex"
Big Jim stand auf und machte sich auf die Suche nach Claire.
Er fand sie wie immer bei den Pferden, „Claire, ich möchte mit dir sprechen und ich möchte, dass du mir zuhörst, bis ich geendet habe.
Erwachsene machen Fehler und sind nicht unfehlbar! Aber du musst lernen ihnen zu verzeihen und es hinter dir lassen. Sonst kommst du in deinem Leben nicht weiter, wenn du ständig den ganzen alten Mist mit dir herum schleppst!
So das wars, ich habe dir meine Meinung gesagt und was du daraus machst ist deine Entscheidung!" Kaum hatte er geendet, ließ er sie wieder allein.
Claire sah ihm nachdenklich hinterher.
Ihre Gedanken wirbelten wild umher und ihr schwirrte der Kopf.
Sie streichelte ein letztes Mal das Pferd und ging zu Nigel.
„Sorry das ich störe Nigel, aber könnte ich mal telefonieren?" fragte sie schüchtern.
Nigel nickte und verließ den Wohnwagen, so das sein Schützling ungestört ihren Anruf erledigen konnte.
Claire wählte mit feuchten und zittrigen Fingern die Nummer und es klingelte.
„Dorvers Run, Jack McLeod."
„Hi Jack, ich bins, Claire" sagte sie mit schwacher Stimme und klopfenden Herzen.
Jack setze sich überrascht hin.
„Claire? Oh mein Gott, wie geht's dir? Wo bist du? Brauchst du Hilfe? Kann ich dir helfen? Brauchst du Geld?" fragte Jack schnell und hoffte das seine Tochter nicht gleich auflegen würde.
„Jack mir geht es gut und ich verdiene mein eigenes Geld. Ich...ich... bin...ich arbeite bei Nigel Finnigen in seiner Show." sagte sie mit einer erstickten Stimme.
Jack holte tief Luft. „Claire…. ähm ich möchte... ich mein... darf ich dich besuchen kommen?"
Claire war überrascht über seine Bitte, damit hatte sie nicht gerechnet.
„Du willst mich sehen? Bist du den nicht sauer?" hakte sie nach.
"Oh Claire, natürlich will ich dich sehen. Wenn du willst fahre ich gleich los, ich könnte in drei Stunden bei dir sein."
„Jack, dann ist es fast zwanzig Uhr und du musst morgen arbeiten!" erinnerte ihn Claire vorsichtig.
„Das ist mir egal, aber wenn du nicht willst..." Claire konnte die Entäuschung in Jacks Stimme hören.
„Mir wäre es lieber wenn du morgen kommst, wir... nun... wir hätten mehr Zeit." stotterte Claire.
Erleichtert atmete Jack die angehaltene Luft aus.
„In Ordnung, wie du willst! Ich komme morgen, versprochen! Und Claire, verschwinde bitte nicht über Nacht."
Claire lachte leise. „Nein werde ich nicht, ich habe ja schließlich angerufen. Also bis morgen Da.. Jack." Sie beendete das Gespräch und trat hinaus.
Nigel sah sie neugierig an, „Und wann kommt er?" fragte er, was Claire überraschte.
„Sieh mich nicht so an Claire. Ich habe eine dreizehnjährige Tochter, die ich kaum sehe. Wenn sie mich anrufen würde, würde ich alles stehen und liegen lassen und sofort zu ihr fahren." sagte Nigel trocken.
„Er wollte gleich kommen, aber ich habe ihn gebeten erst morgen zu kommen. Ist es für dich okay? Ich mein du und Jack..." Claire ließ bewusst den Satz unbeendet.
Ihr Boss grinste sie schief an. „Es ist okay Claire, dein Vater und ich, nun sagen wir mal so, wir hatten unsere Differenzen, aber es geht um dich und das ist alles was zählt.
Nun geh und erledige deine Arbeit." Nigel sah Claire nachdenklich hinterher.
Er hoffte sehr, dass Jack es nicht vermasseln würde.
Dass Stevie ihr zu Hause verloren hatte, machte ihm bereits zu schaffen, sollte es Claire ebenso ergehen, würde er mit Jack ein ernsthaftes Gespräch führen.
7. Kapitel
Oktober 1989, Fisher
Claire erledigte ihre Arbeit und als sie damit fertig war, suchte sie Stevie, um ihr die Neuigkeiten zu erzählen. Sie freute sich für Claire und doch hatte sie Angst diese zu verlieren.
Spät abends ging Claire noch etwas spazieren, sie war sehr nervös und machte sich Gedanken über das Treffen von Morgen.
Als sie Schritte hörte drehte sie sich um. Es war Alex.
„Darf ich dich ein Stück begleiten?" fragte er.
Claire nickte. Eine Zeit lang gingen sie schweigend nebeneinander, bis Claire die Stille nicht mehr aushielt.
„Was machst du noch hier? Müsstet ihr nicht auf dem Nachhauseweg sein?"
„Harry möchte sich morgen mit ein paar Händlern treffen und deshalb übernachten wir in Fisher." gab er bereitwillig Auskunft.
„Ich habe Jack angerufen und er will morgen kommen!" sagte Claire, neugierig wie Alex reagieren würde..
Alex sah gerade aus. „Gut." War sein einziger Kommentar.
„Gut? Mehr hast du nicht zu sagen!" brauste Claire auf.
„Claire es ist dein Leben, ich habe kein Recht dich zu verurteilen."
„Verurteilen? Mich? Was ist mit Jack?" Warf sie ihm empört vor.
„Das musst du mit Jack klären, aber überleg dir was du willst! Ich meine, was willst du in Zukunft machen? Hier bleiben und ein gefeierter Rodeostar werden? Oder möchtest du zurück nach Hause kommen, wo du dich um Drovers kümmern kannst?
Du entscheidest und ich möchte nicht mit dir tauschen." meinte er ehrlich.
Claire sah ihn überrascht an.„Wo ist dieser nervtötende Junge geblieben, der mir immer wieder Streiche spielte? Du machst mir beinahe Angst, Alex Ryan, mit deinen altklugen Ratschlägen." spottete Claire.
„Ob du es glaubst oder nicht, aber ich kann dich verstehen.
Mein Vater ist nicht ohne! Seine ständigen Manipulationsversuche und das ewige Genörgel. Jack hört mir zu und lässt mich ausreden, ohne mich zu verurteilen. Gib ihm eine Chance, er hat sich geändert." antwortete Alex.
„Sorry, das wusste ich nicht." entschuldigte sich Claire.
„Woher auch, du warst ja seit acht Jahren nicht mehr zu Hause." Alex konnte nicht verhindern, dass seine Stimme vorwurfsvoll klang.
Claire blieb stehen und sah ihn überrascht an.
„Du hast wohl die Tage gezählt, Ryan?"
„Wenn dein Lieblingsfeind auf einmal weg ist und ich mich nicht einmal für die bleibende Narbe rächen konnte, ja, da zählt man mit." erwiderte er trocken.
„Alex, es tut mir wirklich leid wie ich mich verhalten habe. Es war so blöd." gestand Claire. "Und ist alles gut verheilt?"
„Nun ich werde einen Buckel bekommen und mir werden die Harre ausfallen." erwiderte er und als er den erschrockenen Blick von Claire, musste er grinsen.
„Aber das war schon vor dem Unfall so. Harry hat eine Glatze und bei der Prügel, die ich verbal einstecke, ist der Buckel vorprogrammiert! Also mach dir keine Gedanken."
Claire schlug ihn auf die Schulter. „Oh du..du.." drohte sie ihm lachend.
Alex sah sie an und bemerkte wie sich Claire durch ihr Lachen verändert hatte. Sie strahlte gerade zu und ihr Augen funkelten. Ein Klumpen bildete sich in seinen Magen.
„Was wirst du tun?" fragte er, um seinem seltsamen Bauchgefühl auszuweichen.
Claire verstummte und sah ihn ernst an. „Ich weiß es nicht." sagte sie ehrlich.
Dann gingen sie schweigend weiter.
Am nächsten Morgen wurde Claire zeitig wach und ihre Nervosität stieg.
Sie tigerte in dem kleinen Wohnwagen auf und ab. Damit vertrieb sie eine genervte Stevie und eine wütende Mirical, die sich über die frühe Störung aufgeregt hatte.
Um 9 Uhr klopfte es an der Tür.
Claire öffnete und ein sichtlich nervöser Jack stand vor der Tür.
Erstaunt sah er sein Kind an. Claire sah so anders aus, sie war ihrer Mutter so ähnlich und doch ihre ganze Haltung und wie sie vor ihm stand, erinnerte an ihn selber.
„Hallo Claire." sagte er aufgeregt.
„Jack!" begrüßte ihn Claire ebenso nervös.
Jack schluckte, nun er wusste, dass es schwer werden würde und dass er keine offenen Türen einrannte.
"Wollen wir etwas Spazieren gehen?" fragte er sie.
Claire zuckte mit den Schultern und trat hinaus.
Nachdem sie einige Schritte gegangen waren, brach Jack die unheimliche Stille.
„Claire, es tut mir leid." begann er zögernd.
Claire blieb stehen, damit hatte sie nicht gerechnet.
Eine Entschuldigung von Jack McLeod! Das war so selten, wie Schnee im Sommer.
„Was?" hakte sie nach.
„Oh Claire, du hast schon richtig gehört. Mein Gott, du weißt gar nicht wie oft ich mir gewünscht habe, das dieser verdammte Tag von damals nie existiert hätte.
Ich habe mich völlig falsch verhalten! Ich wusste, dass du auf Alex eifersüchtig warst und statt dich ernst zu nehmen, hatte ich es ignoriert.
Du bist eben mein Kind und hast meinen Sturkopf geerbt. Kein Wunder, dass du so reagiert hast. Es erinnert so sehr an mich selber.
Ich denke, deshalb war ich so wütend. Du bist ein Mädchen und ich hatte dich nicht als solches behandelt. Statt mit dir zu reden und mir deine Seite anzuhören habe ich dich fort geschickt.
Ich kann mir nur Ansatzweise vorstellen, wie du dich damals gefühlt hast.
Ich an deiner Stelle hätte mich verraten, unverstanden, ungerecht behandelt und vor allem wütend gefühlt! Gott, ich war wie mein Vater!"
Geschockt sah Claire ihren Vater an. Er redete zwar etwas wirr, aber sie hatte ihn verstanden
„Und warum hast du mich dann fortgeschickt?"
"Ich hatte Angst! Schlicht und ergreifend Angst! Du warst so außer Kontrolle geraten und ich wusste mir nicht zu helfen.
Ein Mädchen auf einer Farm, ohne Mutter, nur von Männern umgeben. Was für eine Zukunft hätte ich dir geben können?
Keiner heiratet so eine selbstbewusste und starrsinnige Frau. Wir Männer wollen anschmiegsame und hilflose Frauen und ich dachte wirklich, dass du das bei den Nonnen lernen würdest.
Claire das Leben da draußen ist hart, verdammt hart sogar.
Ich kenne Frauen die das Gleiche erreicht haben wie ich, doch sie alle zahlten einen hohen Preis dafür. Einsamkeit ist ein schlechter Begleiter Claire, das wollte ich dir ersparen.
Doch ich habe mich geirrt und die Zeiten haben sich geändert. Frauen können, ohne sich selber untreu zu werden, erfolgreich sein." Jack holte tief Luft. Noch nie in seinem Leben war er so offen gewesen.
„Es hat mich sehr verletzt. Ich dachte, dass du mich nicht mehr wolltest.
Alle haben mich ja immer verlassen und ich wusste es nicht besser.
Du hattest mich ja immer nur beachtet, wenn ich etwas angestellt hatte.
Nur einmal wollte ich deine Aufmerksamkeit wegen etwas Guten, wie der Sieg von diesem verfluchten Rennen." gestand Claire.
Sie hatte ihren Schutzwall etwas hinunter gefahren und zeigte ihrem Vater einen kleinen Einblick in ihre verletzte Seele.
Traurig sah Jack, was er seiner Tochter angetan hatte.
„Claire, ich weiß nicht, ob es noch wichtig für dich ist und ob du es überhaupt hören willst, aber ich liebe dich!
Du bist meine Tochter und egal was du in Zukunft tust, daran wird sich niemals etwas ändern!" Jacks Stimme zitterte ein wenig.
Claires Augen füllten sich mit Tränen und einzelne lösten sich von ihren Wimpern. Wütend wischte sie diese weg.
Jack beobachtete sie und sanft berührte er ihre Hand, die wieder eine Träne wegwischte.
„Schhhh... es ist gut! Weißt du, manchmal hilft es zu weinen.
Meine Mutter sagte immer, weinen ist wie ein Gewitter.
Der Regen spült den Donner, Blitz und die dreckige Luft fort.
Tränen bewirken dasselbe, sie spülen Trauer, Wut und manchmal sogar Hass weg." sagte er leise.
Claire legte ihre Hand auf die seinige und immer mehr Tränen flossen ihre Wangen runter.
„Claire, darf ich dich in den Arm nehmen?" fragte Jack schüchtern.
Unfähig in diesem Moment zu sprechen, nickte sie.
Jack umarmte seine Tochter und genoss es, sie endlich in seinen Armen halten. Er ließ Claire genügend Zeit ihren Frust und Enttäuschungen freien Lauf zu lassen.
Es dauerte bis Claire aufhörte zu weinen, dann hob sie den Kopf. „Danke ...Dad!" murmelte sie verlegen.
Jack nickte und er freute sich, dass sie ihn Dad und nicht wieder Jack nannte.
„Dafür bin ich da mein Kind." flüsterte er an ihren Haaren.
Claire umarmte ihren Vater wie eine Ertrinkende. Zum ersten Mal fühlte sie, wie er ihr Halt und Geborgenheit vermittelte.
„Damit habe ich nicht gerechnet." gestand sie ihm schniefend.
Jack zeigte auf die gleiche Anhöhe, wo sie gestern Nacht mit Alex gesessen hatte. Sie gingen darauf zu und setzten sich.
„Claire, bitte erzähl mir von dir." bat er sie.
Claire sah zu Boden und ganz langsam, begann sie zu erzählen.
Sie redete lange und sie gestand ihm, wie sehr es ihr hier gefiel und die Arbeit liebte.
Jack musste sich einige sehr unangenehme Dinge über sich anhören und trotzdem war er glücklich zu hören, dass Claire etwas gefunden hatte, dass ihr sichtlich Spaß machte.
„Du kommst nicht zurück, nicht wahr!" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
Beschämt bohrte Claire mit ihren Fingern Löcher in die Erde, aber sie nickte.
„Ist das für dich in Ordnung?" fragte sie leise.
„Nein ist es nicht, aber ich verstehe dich. Du brauchst Zeit und ich sehe doch, dass es dir hier gefällt. Ich habe kein Recht von dir zu verlangen zurückzukommen." sagte er gepresst.
Überrascht sah Claire ihn an.
„Weißt du, ich hatte schreckliche Angst vor diesem Zusammentreffen. Ich dachte, du würdest mich zwingen zurück ins Internat zu gehen. Nie hätte ich gedacht, dass du so verständnisvoll bist."
„Claire, ich habe in den vergangenen acht Jahres einiges dazugelernt. Ich weiß, ich kann dich nicht zwingen, denn du bist mir in dieser Hinsicht sehr ähnlich." meinte Jack grinsend.
„Schätzte, dass ich Glück habe." murmelte sie nachdenklich.
„Wie meinst du das?" wollte Jack wissen.
„Da ist dieses Mädchen, Stevie. Sie kann nicht zurück." antwortete sie wage.
Neugierig sah ihr Vater sie an.
„Warum, was ist denn geschehen?" hakte er nach.
Claire erzählte ihm in wenigen Worten was Stevie zugestoßen war.
Sichtlich geschockt sah Jack seine Tochter an.
„Vielleicht bin ich nicht die geeignete Person das zu beurteilen, aber bei solchen Eltern ist sie allein wohl besser aufgehoben!" meinte er mitfühlend.
Claire musste lauthals loslachen.
Erstaunt sah Jack sie an und verstand wie widersprüchlich seine Aussage war.
„Vielleicht bin ich doch besser geeignet als ich dachte, das zu beurteilen. Ist sie der Grund, warum du hier bleibst?"
„Zum Teil, aber es tut gut zu wissen, dass ich immer nach Hause kommen kann. Das ist mehr, als Stevie von sich behaupten kann!" sagte Claire ruhig.
Jack verstand was Claire damit meinte und er traf eine ungewöhnliche Entscheidung.
„Hör zu Claire, das was ich dir jetzt sage, ist ehrlich gemeint und verpflichtet dich zu nichts. Sag deiner Freundin, das auf Drovers immer ein Zimmer auf sie wartet und sie willkommen ist, egal wie es zwischen uns weiter geht." sagte er ernst.
„Wer bist du? Wo ist der echte Jack McLeod?" fragte Claire völlig überrascht.
Jack grinste und kratzte sich verlegen das Kinn. „Nun Meg hat mir hier und da ziemlich den Kopf gewaschen und mit ihrer Tochter Jodi verbringe ich viel Zeit. Zeit, die ich mir bei dir nie genommen habe. Ich habe wirklich dazu gelernt, Claire."
„Wie geht es Meg? Und sie hat ein Kind? Kevin ist sicher begeistert." Claire erinnerte sich noch sehr gut an die Beiden und war neugierig zu erfahren, wie es ihnen ging.
„An dem Abend wo das Drama begann, verließ Kevin Meg, kurz darauf stellte Meg fest, dass sie schwanger war.
Jodi ist acht einhalb Jahre alt und eine kleine Prinzessin." erzählte er, ohne den Stolz in seiner Stimme richtig zu verstecken.
Claire legte den Kopf auf ihre Schulter und sah ihren Vater aufmerksam an „Hattest du etwas mit Meg?" fragte sie gerade heraus.
Jack wollte das Neugewonnene Vertrauen nicht mit einer Lüge beginnen und sagte ihr die Wahrheit
„Ja Claire, an dem Abend als ich dich Fort geschickt hatte." Er erzählte ihr was sich an diesem Tag zugetragen hatte.
„Ist Jodi deine Tochter?" wollte nun Claire wissen.
Betreten sah er sie an.
„Es Ist okay, es geht mich nichts an." lenkte Claire gleich ein. Sie wollte die Wahrheit nicht wissen, noch nicht.
Dankbar sah ihr Vater sie an.
Sie blieben noch eine Weile schweigend sitzen und hingen ihren Gedanken nach. Am frühen Nachmittag verabschiedete sich Jack und Claire versprach ihm nun regelmäßig anzurufen.
Sie winkte ihrem Vater zum Abschied hinterher und drehte sich um.
Alex Ryan stand mit einem breiten Grinsen vor ihr.
„Du bleibst also hier! Gut, dann habe ich etwas worauf ich mich freuen kann, McLeod.
Bei der nächsten Show bin ich dabei! Wir können unsere alten Wettkämpfe wieder aufnehmen! Man sicht sich Claire!" Lachend entfernte er sich.
Belustigt sah sie ihm hinterher und machte sich auf die Suche nach Stevie.
Glücklich berichtete sie ihr von ihrem Treffen mit Jack. Stevie war überglücklich, dass Claire trotz der Versöhnung sich dazu entschlossen hatte zu bleiben.
„Ich werde an Weihnachten zum ersten Mal wieder nach Hause fahren. Und weißt du was, du kommst mit!
Jack weiß, was dir deine Eltern angetan haben und lässt dir ausrichten, das auf Drovers immer ein Zimmer für dich frei ist. Egal wie es zwischen ihm und mir läuft." eröffnete Claire und zum ersten Mal sah sie eine völlig überraschte und tief bewegte Stevie. Jacks Großzügigkeit trieb ihr die Tränen in die Augen.
Sie hatte nun auch einen Ort wo sie Willkommen war, das war mehr als sie erhofft hatte.
Glücklich fielen sich die zwei Mädchen in die Arme.
8. Kapitel
August 1991, Dorvers Run
Zwei Jahre waren ins Land gezogen und Claire hatte ihr Versprechen gehalten. Regelmäßig telefonierte sie mit Jack und an den Feiertagen besuchte sie ihn.
Stevie hatte auf Drovers ebenfalls eine Art zu Hause gefunden, denn Jack hatte sein Wort gehalten und hatte ihr das obere Gästezimmer überlassen.
Claire zog in ihr altes Zimmer. Einzig Tess altes Kinderzimmer blieb für sie tabu.
Zwar stand es leer, aber Jack wollte das kleine Zimmer keinen Anderen überlassen.
Bei ihren Besuchen hatten sie auch die kleine Jodi kennengelernt und dieser kleine Wirbelwind hatte sich gleich in ihre Herz geschlichen.
Claire erinnerte sich immer wieder gerne an ihr erstes Kennen lernen.
Jodi, die damals acht Jahre alt war, saß hoheitsvoll auf Jacks Lesestuhl und hatte ein rosarotes Prinzessinnenkleid an.
Jack hatte ihr eine kleine Krone aus Pappe und Nudeln gebastelt, die das kleine Blondgelockte Mädchen für Edelsteine hielt.
Stevie und Claire mussten sich zusammenreißen, um nicht lauthals loszulachen, als die Kleine ihnen gnädig eine Audienz gewährte.
Mit einer schier nicht durch haltbare Ernsthaftigkeit hatten Claire und Stevie diese Zeremonie über sich ergehen lassen und hatten sich so in Jodis Herz breit gemacht.
Von dem Tag an erzählte sie Allen die es hören oder auch nicht hören wollten, dass Claire ihre Heldin sei und Stevie alle Männer locker schlagen könnte.
Inzwischen war sie zehn Jahre alt und Claire und Stevie Achtzehn.
Claires Verhältnis zu Jack hatte sich zu einer guten Vater Tochter Beziehung entwickelt.
Er hatte sich abgefunden, dass Claire das Rodeoleben dem der Farm vorzog. Sie und Stevie waren die erfolgreichsten Frauen beim australischen Rodeo und sogar der amerikanische Rodeozirkus war auf die Beiden aufmerksam geworden.
Die Zwei erwogen ein Angebot von denen anzunehmen und für längere Zeit in die USA zu gehen.
Jack war stolz, dass Claire so eine einmalige Chance erhalten hatte und doch hoffte er, dass sie es ausschlagen würde.
Beide waren für zwei Wochen nach Drovers gekommen, um sich von der letzten Show zu erholen und wollten sich in der Zeit das Angebot durch den Kopf gehen lassen.
Sie hatten noch vier Wochen Zeit um den Amerikanern eine Antwort zu geben. Wenn sie zusagen würden, müssten sie in sechs Wochen bereits in Wyoming sein.
Claire war sich nicht sicher, ob sie das wirklich durchziehen wollte. Zuviel hielt sie inzwischen auf Drovers. Stevie hingegen konnte es kaum erwarten, das Angebot anzunehmen.
Doch heute wollten sie nicht darüber nachdenken.
In Gungellan fand ein großes Volksfest statt und Alle wollten dahin gehen und sich amüsieren. Stevie und Claire wollten sich mit Alex und Nick treffen, um dann gemeinsam loszuziehen.
Kaum zu glauben, aber Claire und Alex waren inzwischen sehr gute Freunde geworden.
Alex trat regelmäßig bei den kleineren Rodeowettkämpfen auf und mit Claires Hilfe wurde er zu einer lokalen Größe.
Claire und Stevie war die Teilnahme an diesen Regionalen Wettkämpfen nicht gestattet. Beide hatten mehrere wichtige nationale Meisterschaftstitel gewonnen und galten daher als Profis.
Claire genoss es Alex perfekt auf diese vorzubereiten und aus der anfänglichen Konkurrenz wurde eine außergewöhnliche Freundschaft, die kein Außenstehender richtig verstand.
Aber das war den Beiden egal. Sie wussten, dass sie sich inzwischen blind aufeinander verlassen konnten.
Einzig Alexs Frauenverschleiß trübte gelegentlich ihre Freundschaft.
Claires Meinung nach benutze Alex die Mädchen und ließ sich auf keine feste Beziehung ein.
Claire hatte noch einen weiteren Grund sich auf den heutigen Abend zu freuen. Sie hatte sich zum ersten Mal verliebt und ihre Mauer hatte inzwischen beachtlich Löcher aufzuweisen.
Das sich überhaupt Jemand in Claires Nähe wagte, war nicht so selbstverständlich. Es lag nicht direkt an ihr, sondern eher an der Tatsache, dass sie Jack McLeods Tochter war.
Niemand wagte es so Recht sich mit ihm anzulegen oder es sich mit ihm zu verscherzen.
Doch Einer hatte es gewagt und ganz langsam Claires Herz erobert.
Als
sie gegen Abend endlich in Gungellan ankamen, sah sie sich suchend
um.
Von Alex und Nick war nichts zusehen, dafür sah sie ihn
und zielstrebig ging sie auf ihn zu.
Er stand mit dem Rücken zu ihr und beobachte die Menge.
Als Claire bei ihm ankam, legte sie ihre Hände auf seine Augen.
„Na, wer bin ich?" fragte sie belustigt.
„Hey geh weg, ich habe eine Freundin. Wenn sie mich mit fremden Mädchen schäkern sieht, bist du geliefert. Sie ist die schönste und warmherzigste Frau die ich kenne und legt sich mit Jedem an. Also, es ist besser du verschwindest." antwortete er ihr und lachte.
Claire ließ ihn los und grinste. Er drehte sich um und hob Claire hoch.
Mit einem zärtlichen Kuss begrüßte er sie und Claire schmiegte sich glücklich an ihn an.
Alex kam ebenfalls an und das Erste was er sah, war wie Claire mit Jemanden rumknutschte. Überrascht blieb er stehen.
Claire und Gary West. Das war ihm neu. Dass Claire sich ausgerechnet in diesen Frauenheld verliebt haben sollte, beunruhigte ihn.
Gary war zwei Jahre älter als sie und arbeitete als Zeitarbeiter auf den umliegenden Farmen.
Er war zwar ein hervorragender Arbeiter, aber vertrauenswürdig war er nicht.
Aus diesem Grund hatte ihn Niemand fest eingestellt. Irgendetwas war an ihm dran, das den Leuten unheimlich war.
Und nun das! Er sah, dass Stevie die Beiden ebenfalls misstrauisch beobachtete. Er ging auf sie zu und als Stevie ihn erkannte lächelte sie ihm zu.
Auch sie war inzwischen eine gute Freundin von ihm geworden und sah ihm an, dass er ebenso wenig begeistert war, von dieser neuen Situation wie sie.
„Na, du machst ja auch keine Luftsprünge, wenn du die Beiden siehst!" begrüßte sie ihn.
„Wusstest du davon?" fragte er und Stevie schüttelte den Kopf.
„Ich weiß nicht, aber ich trau dem Kerl nicht." gestand Stevie.
„Dann sind wir schon zu zweit!" antwortete Alex.
„Okay, dann lassen wir die Beiden nicht aus den Augen. Mal sehen, was noch geschieht." meinte Stevie.
Zustimmend nickte Alex und gemeinsam hefteten sie sich auf deren Fersen.
Doch Gary benahm sie wie ein Gentleman und verwöhnte Claire über alle maßen.
Als dann Alex mal dringend für Champions musste überließ er Stevie das Beobachten der Beiden.
Auf dem Weg dahin traf er auf eine Gruppe junger Männer, die alles Freunde von Gary waren.
„Und wie hoch stehen die Chancen, dass er heute die Jungfrau knackt?"
„Oh, ich denke gut. Die Kleine ist ja überreif!"
„Gary hat sich ja nur deswegen an Claire gehängt. Er liebt es der Erste zu sein! Wenn er erst Mal mit der durch ist wird Claire die Beine nicht wieder zusammen bekommen!"
„Ja und so kann er sich auch bei Jack rächen! So einen Aufstand zu machen, nur weil Gary etwas Benzin mitgehen lassen hat! Geschieht Jack Recht, wenn nun sein Püppchen dran glauben muss!"
Hämisches Grinsen ertönte.
Alex erbleichte, als er die Jungs gehört hatte. Das war also Garys Plan.
Er wollte Claire nur fürs Bett und sich damit an Jack rächen. Er hatte genug gehört und suchte Stevie.
Er erzählte ihr was Gary plante und diese war geschockt als sie begriff, worauf sich Claire eingelassen hatte.
„Alex wir müssen das verhindern! Ich hab die Beiden soeben weggehen sehen und Claire sah nicht mehr ganz nüchtern aus! Dabei trinkt sie ja nicht so viel!" besorgt sah Alex sie an.
Alex blickte Stevie zweifelnd an. „Stevie ist dir klar, dass Claire mich dafür killt!
Was soll ich ihr denn sagen? Die Wahrheit wird sie nicht hören wollen! Und dass ich der Trottel sein soll der vielleicht da mittendrin rein platzt.
Ne Stevie, darauf hab ich keinen Bock!" widersprach er.
Wütend funkelte Stevie ihn an. „Na, du bist vielleicht ein toller Freund Alex! Du hast doch selber gehört was der Arsch mit Claire vor hat. Willst du wirklich, dass ihr das Herz gebrochen wird? Ich für meinen Teil nehme gerne Claires Gezeter in Kauf, wenn ich sie vor so einer Erfahrung bewahren kann! Wenn sie im Nachhinein erfährt, dass du Bescheid wusstest und sie nicht gewarnt hast, na dann gute Nacht. Claire wird dir das nie verzeihen und Jack auch nicht!" fuhr sie ihn an.
Alex runzelte die Stirn. Eigentlich wollte er nicht, dass Claire verletzt wurde
„Okay wir teilen uns auf. Ich übernehme die linke Seite und du die Rechte! Los!"
Sie trennten sich und suchten nach Claire, doch sie fanden sie nicht! Am Ende des Rummelplatzes trafen sie sich wieder. Stevie war inzwischen völlig aufgelöst. Ihre Sorge, dass Claire in Gefahr war wurde von Minute von Minute größer.
„Was sollen wir jetzt tun?" fragte sie verzweifelt.
„Ich sage es Jack! Er muss es erfahren!" meinte Alex und Stevie nickte zustimmend.
Sie gingen zum Festzelt, wo sie vorhin Jack gesehen hatten und winkten ihm zu.
Jack erhob sich und ging auf die Beiden zu. An ihren Gesichtern konnte er sehen, das etwas vorgefallen war!
„Was ist geschehen? Wo ist Claire?" fragte er knapp.
Alex erzählte ihm, was er vorhin belauscht hatte und dass er und Stevie sich Sorgen machten.
„Ich bring den Kerl um!" brauste Jack auf.
Terry der neuer Arbeiter von Killarney trat zu ihnen.
„Ähm Jack, ich weiß nicht .. aber ich habe gerade etwas gesehen.. und nun... ich ... ähm..." stotterte er.
„Was!" schrie Jack ihn an.
„Ich habe vorhin Claire gesehen, mit Gary. Sie sieht nicht gut aus, gar nicht gut! Irgendwie wie weggetreten. Ich dachte, du solltest es wissen!" antwortete Terry eingeschüchtert.
„Wo hast du sie gesehen?" fuhr in nun Alex an.
„Sie sind zu dem kleinen Bach gegangen!" Kaum hatte Terry das gesagt, rannten die Drei bereits los. Terry folgte ihnen.
Gary hatte Claire zum Bach geführt und küsste sie wild und stürmisch.
Claire fühlte sich so benommen und ihr schwirrte der Kopf.
Als Gary an ihrer Bluse rumfingerte, schob sie seine Hände weg.
„Nein Gary, ich will das nicht!" flüsterte sie.
„Ach komm Claire, du liebst mich doch! Also beweis es mir!" raunte er ihr zu.
„Nein Gary, ich will nicht!" wiederholte sie ihre Worte. „Ich bin noch nicht so weit!"
„Komm
schon Claire, ich weiß, dass du es auch willst. Lüg mich
nicht an!" sagte Gary und öffnete ihre Bluse.
Claire
versuchte ihn daran zu hindern, aber sie hatte Mühe ihre Hände
richtig zu koordinieren. Ihr war inzwischen schlecht und sie wunderte
sich darüber, sie hatte ja nur ein Bier getrunken, dass ihr Gary
geben hatte. Sie hatte sich etwas über den bitteren Geschmack
gewundert, aber nichts gesagt. Nun verstand sie, er musste ihr
irgendetwas ins Bier geschüttet haben.
"Was hast du mir gegeben?" flüsterte sie nun panisch.
Ein fieses Lächeln umspielte seine Lippen „Oh nichts, nur etwas, dass dich entspannen lässt. Komm Claire, es wird dir gefallen! Bist du es nicht Leid, dass dich alle St. Claire nennen? Ich würde dir so gerne zeigen wie viel Spaß Sex macht. Komm Claire, lass mich ran!"
Claire versuchte sich aufzurichten. Sie hatte Angst, denn das hübsche Gesicht von Gary, hatte sich zu einer hässlichen Fratze verzogen.
Als er sah, dass Claire nicht freiwillig mitmachen wollte, riss er ihr die Bluse hinunter, so das diese nur noch in Fetzten an ihr runter hing. Anschließend machte er sich an ihren Jeans zu schaffen.
Mit wenigen Handgriffen hatte er ihr diese über die Knie gezogen, damit Claire ihn nicht treten konnte.
Grob zerriss er ihr das Höschen.
Claire wollte schreien, doch er hielt ihr mit seiner Hand den Mund zu.
„Nun mach schon du Schlampe! Wenn du ganz still hältst, tut es auch nicht weh und ist ganz schnell vorbei!" sagte er zähneknirschend.
Doch Claire dachte nicht daran. So weit sie sich bewegen konnte, wandte sie sich unter ihm.
Gary hatte bereits seine Hose geöffnet und platziere sich zwischen ihren Beinen, die er nun auseinanderpressen wollte.
Da sich Claire immer noch wehrte, schlug er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht! Der Schlag ließ ihre Gegenwehr sofort zusammenfallen.
„Das hast du nun davon! Ich nehme mir nun, was mir zu steht!"
Claire begriff benommen, dass sie im völlig ausgeliefert war und verzweifelt schloss sie ihre Augen.
Einen Augenblick später spürte sie wie sein Gewicht von ihr hinunter gezerrt wurde.
Sie öffnete die Augen und sah erleichtert, dass ihr Vater und Terry Gary gepackt und weggezogen hatten.
Geschockt
sah Alex sie an. Ihre Bluse hing in Fetzen hinunter und der BH war
einfach so zur Seite geschoben worden. Ihre Jeans waren hinunter
gezogen und daneben lag das zerrissene Höschen. Auf ihrer Wange
konnte man deutlich Garys Handabdruck sehen. Tränen von Wut und
Scham lagen in ihren Augen.
Claire wurde sich ihre Nacktheit
bewusst und versuchte sich so gut es ging zu bedecken. Alex zog sein
Hemd aus und reichte es ihr.
Weinend nahm sie dies entgegen und Stevie half ihr es anzuziehen.
Eine kleine Truppe Männer hatte inzwischen ebenfalls mitbekommen was geschehen war und mussten Jack davon abhalten Gary zu schlagen.
„Du verdammter Mistkerl! Du wolltest sie vergewaltigen! Du Schwein! Dafür bring ich dich um!" schrie er wie von Sinnen.
Claire saß immer noch da und zitterte am ganzen Körper. Sie schämte sich so sehr und sie kam sich so blöd vor! Sie hätte es wissen müssen, dass Gary nur auf das Eine aus war! Und nun hatten sie Jack, Terry und Alex nackt gesehen. Lautlos begann sie zu weinen
Stevie hatte Mühe Claire zu beruhigen und Meg kam bereits angelaufen.
Sanft nahm sie Claire in ihre Arme. Sie bat Alex den Wagen zu holen und direkt hierher zu fahren. Sie wollte Claire den Spiesrutenlauf durch die Zuschauer, die sich inzwischen versammelt hatten, ersparen.
Auch Harry war unter ihnen und sah fragend zu Terry. Der erklärte ihm knapp was geschehen war.
Wütend ging nun Harry zu Gary der immernoch genügend Abstand von Jack hatte und sah ihn an!
„Du
bekommst in der Gegend keinen Job mehr, das verspreche ich dir!"
sagte er kalt und drehte sich um.
Er sah in Jacks Gesicht, der
immer noch von zwei Männern festgehalten wurde.
„Ach
Scheiß drauf." murmelte Harry drehte sich erneut um und
verpasste Gary einen Linken Haken.
Benommen taumelte der zu
Boden.
Jack sah Harry erstaunt an. Der sah, die beiden Anderen an und augenblicklich ließen die Jack los.
„Komm, deine Tochter braucht dich jetzt!" sagte Harry und Jack sah zum ersten Mal zu seiner Tochter hinüber, die immer noch weinend in Megs Armen lag.
Stevie hatte ihr die Jeans hoch gezogen und Claire hielt krampfhaft Alex Hemd über ihrer Brust zusammen.
Dieses Bild brannte sich tief in Jacks Seele. Das ausgerechnet Claire so etwas widerfahren musste.
Jetzt da es ihr so gut ging und sie sich zu Hause wohlfühlte.
Traurig schüttelte er den Kopf und ging zu ihr hinüber.
„Claire!"
flüsterte er.
Claire sah hoch und konnte in seinem Gesicht
sein Mitgefühl lesen.
Schluchzend löste sie sich von Meg und umarmte ihren Vater. Der hielt sie wiegend in seinen Armen, bis Alex endlich mit dem Auto eintraf.
Jack
half Claire beim Einsteigen und Stevie setzte sich zu ihr.
Meg
holte Jodi und dann fuhr Jack sie alle nach Hause.
Harry, Nick und Alex sahen dem Wagen hinterher!
„Ich sage euch eins Jungs! Wenn eine Frau nein sagt, solltet ihr das respektieren! Denkt immer daran wie Claire ausgesehen hat! Ihr dürft niemals eine Frau so behandelt. Keine Frau hat das verdient! Keine!" eindringlich sah Harry seine Söhne an.
Beide
nickten verschüchtert.
Den Anblick von Claire und ihre
Verzweiflung würde keiner der Brüder je wieder vergessen!
