Damals

„Wir sind uns also einig", sprach Albus Dumbledore. „Wir verzichten ab sofort darauf, Muggelstämmigen Hogwarts-Einladungen zu schicken."

Der Krieg zog sich immer weiter hin und somit musste eine Entscheidung getroffen werden. Sie würden sich doch nur zur Zielscheibe machen, sagten die Leute – einige bedauernd und andere mit verhohlener Freude. Es wäre ja auch den Muggelstämmigen gegenüber nicht fair. Am Ende sei es besser, in Unwissenheit ihres magischen Geburtsrechts zu leben, als deswegen das Leben zu verlieren. Bedenken über zufällige Zauberei und die Gefahr unausgebildeter Magier und Magierinnen wurden zur Seite gewischt. Wie viele Kinder zeigten schon Zeichen versehentlicher Magie, nachdem sie ihre Kindheit – und damit die Zeit unkontrollierter emotionaler Intensität – hinter sich gelassen hatten? Und hatte jemals jemand – abgesehen natürlich von Du-weißt-schon-wem – die Entschlossenheit und Klugheit besessen, sich selbst einen Lehrplan zu setzen und ganz ohne Zauberstab zu lernen, diese mysteriösen, unerklärlichen Kräfte zu kontrollieren? Alle waren sich darüber einig, dass das noch niemand zu Stande gebracht hatte. Es bedeutete keine Gefahr für die Zauberwelt, diesen Kindern die Ausbildung vorzuenthalten. Und wie sie einander immer wieder versicherten, war das die richtige Entscheidung. Besser dumm als tot.

Und somit erhielt Hermine Granger keinen Brief von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei.


Jetzt

Narzissa Malfoy hob mit kalkulierter Verachtung die Augenbrauen als der Fast-Mann zu Boden fiel. Sie warf einen Blick auf das sich ausbreitende Blut, das in den uralten Hartholz-Parkettboden sickerte, und murmelte mit einem leisen Seufzer, dass die Elfen das jetzt saubermachen müssten. Sie ignorierte die sterbenden Worte über Blutreinheit und sonstigen Unsinn; Worte, die dazu gedacht waren, die schwarz-gewandeten Figuren, die ihm in aller Stille beim Sterben zusahen, zum Helfen zu bewegen. Worte, die ihr Ziel verfehlten.

Blut war bloß Blut. Macht war alles. Macht und der Wille, nach ihr zu greifen.


Damals

Sie war ein seltsames Kind. Ein unglückseliges Kind. In Hermines Nähe stürzten Menschen die Treppe hinunter. In ihrem Klassenzimmer war ein Fenster zersprungen. Das war schon an sich merkwürdig genug, dass aber die anderen Fenster des Zimmers in regelmäßigen Fünfminutenabständen ebenfalls explodierten, bis sie alle ersetzt werden mussten, war schlicht so sonderbar, dass es jede Erklärung schuldig blieb. Ein Junge, der ihre Einladung zu einem Tanz ausgeschlagen hatte, wurde anschließend von Krähen angegriffen.

Es war alles ganz unerklärlich. Nicht ihre Schuld, sondern einfach ... Pech. Eigenartiges Pech.


Jetzt

„Auf nach Hogwarts?"

Draco Malfoy reichte seiner Braut die Hand. Sie würdigte den Körper, den sie leblos auf dem Boden zurückließ, keines Blickes. Sie klang erwartungsvoll, sogar begierig aufs nächste Gefecht, und er ließ ein kleines Lächeln seine Lippen umspielen.

„Dein Wunsch …", murmelte er.


Damals

Draco Malfoy, bekannter Todesser, frischer Hogwartsabsolvent und Mitglied einer Elite, so anspruchsvoll, dass es schier unglaublich schien, dass er in der gehobenen Gesellschaft, in der er lebte, überhaupt atmen konnte, hatte einen völlig beschissenen Tag. Seine Eltern hatten erneut das Thema aufgebracht, wie wünschenswert eine Verbindung zur Greengrass-Familie wäre. Sie waren so weit gegangen, die jüngere Tochter zum Tee einzuladen und hatten es versäumt, ihm von diesem kleinen Detail Mitteilung zu machen. Er hatte das pickelige und reizlose Mädchen in der Eingangshalle gesehen und war durch die Hintertür entkommen, bevor ihn noch jemand in Verpflichtungen und Höflichkeiten verwickeln konnte, an denen er keinerlei Interesse hatte. Jetzt pirschte er durchs Muggel-London, wo sich einmischende Eltern, übereifrige Lakaien und Speichellecker ihn nicht finden konnten. Dieses lächerliche Mädchen war höchstens 15 Jahre alt, fast noch ein Kind. Die Idee, sie zu küssen, war abscheulich genug; beim Gedanken an Ehe und Hochzeitsnacht wollte er sich übergeben.

Er kickte gegen ein paar Schmutzklumpen am Eingang eines armseligen Spielplatzes und seine Augen verengten sich, als die sich Klumpen in einem Mini-Wirbelwind in die Luft erhoben. Er blickte auf, um zu sehen, wer ihn gefunden hatte, doch die einzige anwesende Person war ein braunhäutiges Mädchen mit den wildesten Locken, die er je gesehen hatte. Sie stand in Klamotten, die in der Muggelwelt wohl als Kleidung durchgingen, auf einer Schaukel und hatte den Kopf gegen die Kette gelehnt, während sie den Staubwirbel betrachtete, der im Licht des späten Nachmittags tanzte.

„Wenn das jemand sieht", sagte er, „kommst du ganz schön in Schwierigkeiten."

Sie sah ihn größtenteils desinteressiert an, zu höflich, ihn komplett zu ignorieren. „Warum?"

Er verdrehte die Augen. „Geheimhaltungsabkommen natürlich", sagte er.

Sie zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder ihrem Staub zu. Draco konnte ihren Zauberstab nicht sehen. Merkwürdig. „Wie versteckst du deinen Zauberstab?", fragte er sie.

„Meinen was?" Sie sah ihn wieder an.

„Zauberstab", wiederholte er. Er zog seinen eigenen hervor und wedelte ihn zur visuellen Untermalung des Offensichtlichen hin und her.

„Ich bin nicht mehr fünf", sagte sie. „Ich brauch solche Spielsachen nicht." Sie grinste. „Nichts für ungut."

Draco steckte seinen Zauberstab zurück ins Holster. „Klar", sagte er. „Wir spielen also bloß. Okay. Ich schätze, diese Ausrede ist so gut wie jede andere, wenn dich jemand sieht." Er betrachtete sie eingehend. „Ich kenn dich nicht. Wo bist du zur Schule gegangen? Beauxbatons?"

„Ist das so ne Art noble Privatschule?", fragte sie lachend. „Nein." Sie ließ ihren Staub-Zyklon fallen, sprang zu Boden und trat an ihn heran. Sie streckte ihre Hand aus. „Hermine."

„Malfoy", sagte er und wartete darauf, dass in ihren Augen ein Licht aufging. Nichts leuchtete auf. „Draco Malfoy."

„Wie das Sternbild?", fragte sie.

Draco nickte, doch er war gefangen in der scheinbaren Unmöglichkeit, dass eine Hexe nicht wusste, wer er war. „Wer bist du?", fragte er und fügte die Tatsache, dass sie ihn nicht kannte, ihrem Muggeloutfit und mangelndem Zauberstab hinzu. Die Summe dieser Tatsachen war ungeheuerlich, aber wundervoll. „Du bist nicht möglich", sagte er.

„Bist du verrückt?", fragte sie.

„Du bist eine Hexe", sagte er.

„Ja, definitiv verrückt", kommentierte sie. „Oder einfach bloß fies."

Draco schüttelte den Kopf. Aus Furcht, dass sie weglaufen würde, bevor er sie verstehen konnte, zog er seinen Zauberstab hervor, um damit den Schmutz tanzen zu lassen, wie sie es zuvor getan hatte. „Ich kann das auch", sagte er. Sie blickte vom Schmutz zu ihm und wieder zurück, und wich langsam von ihm zurück bis die Schaukel hinten gegen ihre Beine stieß. Sie setzte sich, ihre Augen verließen nie die Windhose.

„Mach was anderes", befahl sie flüsternd. „Ich dachte, ich bin die einzige! Mach noch was anderes!"

Als sie ihn endlich gehen ließ, war es dunkel geworden. Er hatte ihr versprechen müssen, dass er zurückkehren würde. Er hatte ihr Zauber und Verwandlungen gezeigt und sogar den ein oder anderen schwarzen Fluch riskiert. Sie hatte auf die nach wie vor illegalen Flüche nicht anders reagiert als auf den Anblick eines schwebenden Blatts. Er hatte sie überredet, ihm ein wenig ihrer zauberstablosen Magie zu zeigen, die sie sich selbst beigebracht hatte. Sie wusste nichts von Zauberstäben. Sie wusste nichts von Zauberkunst. Sie wusste nur, dass sie anders war, dass sie besondere Dinge tun konnte. Und sie konnte eine Menge.

„Du darfst Muggeln nichts davon erzählen!", befahl er. „Niemand, der nicht zaubern kann, darf von uns wissen."

Sie reagierte verärgert auf seinen Tonfall, aber dann sank sie in sich zusammen. „Ich weiß."

„Was ist passiert?", fragte er. Sie hatten sich in den Schutz einiger verkümmerter Bäume am Rand des Spielplatzes zurückgezogen und standen gegen einen Baumstamm gelehnt, ihre Schultern berührten sich. Offensichtlich war ihr etwas zugestoßen.

„Sie haben mich unter Drogen gesetzt", antwortete sie, „mich als psychotisch bezeichnet. Wahnhaft. Ich dachte, meine Spielzeuge könnten fliegen. Ich sah Dinge, die niemand sonst sehen konnte." Sie lächelte bitter. „Verrückt."

Draco fühlte einen Sturm der Wut über sich hereinbrechen im Angesicht der Tatsache, dass schmutzige, widerwärtige Muggel sich angemaßt hatten, diesem Mädchen etwas anzutun. Sie war eine Hexe! Auch wenn sie keine Malfoy war (‚zum Glück!', flüsterte eine Stimme in seinem Hinterkopf, denn das wäre sogar noch abscheulicher, als das kleine Mädel zu heiraten, das er in der Obhut seiner Mutter zurückgelassen hatte), sie war doch immer noch eine Hexe!

„Ich komme wieder", versprach er.

„Morgen!", gab sie im quasi-Befehlston zurück.

„Morgen", willigte er ein.


Intermezzo

Du gehst nach Hause, der blasse Junge mit seinem absurden Zauberstab in dein Hirn gebrannt. Du schaltest den Computer an, doch dann schiebst du mit einem Stirnrunzeln ungeduldig die Tastatur zur Seite. Egal, was du weißt oder nicht weißt, du könntest wetten, dass Draco Malfoy in keiner Datenbank auftauchen wird, zu der du Zugang hast. Er gehört zu einer Art Parallelwelt, wo das, was du tun kannst, normal ist, eine Welt, die für dich und deinen Computer nicht existiert.

Geheimhaltungsabkommen, hatte er gesagt. Es gab Gesetze! Gesetze, die dazu gedacht waren, Menschen ohne Magie – Muggel – davon abzuhalten, etwas über diese Magier mit ihren Zauberstäben und ihren Abkommen herauszufinden. Und Schulen! Er hat dich gefragt, in welche Schule du gegangen bist, und das heißt, dass es Schulen geben muss. Mehr als eine, denn er wusste ja, dass du nicht in seiner gewesen bist. Das heißt auch, dass es genug von diesen Leuten, dass es genug Hexen gibt, um mehrere Schulen mit ihnen zu füllen.

Du fühlst eine Wut in dir wachsen. Wut darüber, dass diese Welt existiert, dass du hättest normal sein können. Dass du etwas anderes hättest sein können als die Außenseiterin, die nicht einmal von den Lehrern und Lehrerinnen gemocht wurde, trotz ihrer emporgestreckten Hand und ihres brillanten Verstands. Du bist keine Spinnerin, denkst du. Nein, du bist keine Spinnerin, du bist nur einfach nicht ein wertloser, dreckiger Muggel. Du bist besser als alle diese Leute, die dir gesagt haben, dass du Dinge siehst, die gar nicht passieren. Besser als die Ärzte, die dich unter Drogen gesetzt haben. Besser als die Lehrer und Lehrerinnen, die dich abgeschrieben haben. Besser als die Kinder, die nichts mit dir zu tun haben wollten, weil du zu anders und zu seltsam warst.

Du denkst, wenn dieser Draco Malfoy morgen nicht zurückkommt, wirst du deine eigene Welt in Schutt und Asche legen, um ihn und all das Wissen zu finden, dass so normal für ihn ist.


Jetzt

Sie hatten sich für die Schlacht in der Großen Halle versammelt und staunten angemessen darüber, dass ihre Feinde einfach durch ihre Schutzzauber gelaufen waren. Die junge Frau Malfoy hatte sie ohne jegliche dramatische Zauberstab-Geste aufgelöst, und die Anhänger und Anhängerinnen, gekauft mit dem Blut eines Monsters, folgten ihr hinein.

Macht war alles.

„Ich sollte euch dankbar sein", sagte sie mit tragender Stimme. „Die Zerstörung der Horkruxe kam mir sehr gelegen. Das macht es fast wieder gut, dass ihr mich und alle wie mich ausgeschlossen habt. Das macht es fast wieder gut, dass ich als Paria aufwachsen musste." Sie blickte in die fahlen Gesichter. „Ich bin die geschmähte Frau", sagte sie, „die zurückgekehrt ist, um sich zu rächen."


Damals

Als er zurückkehrte, wartete Dracos Mutter schon auf ihn. Sie hatte sich auf der Chaiselongue in der Bibliothek niedergelassen, ein Buch in der einen, ein Weinglas in der anderen Hand. Narzissa Malfoy beherrschte jeden Raum, wenn sie wollte. Ihre blonde Schönheit und trügerische Zerbrechlichkeit hatten Lucius Malfoy vor vielen Jahren gefesselt; und obwohl Draco wusste, dass allgemein getuschelt wurde, dass es sich in diesem Fall weniger um eine Liebesheirat als eine Zweckehe mit dem Ziel der Verschmelzung zweier Dynastien handelte, wusste er doch, dass seine Eltern einander verehrten. Narzissas elegante Hand führte das Weinglas an ihre Lippen und sie betrachtete ihn so eindringlich, dass es den meisten Menschen unbehaglich zumute geworden wäre. Dann sprach sie: „Ich habe dich bei der kleinen Miss Astoria entschuldigt. Ich vermute, du musstest dringend ..."

„Ich werde dieses Kind nicht heiraten", unterbrach Draco sie. „Sie schläft wahrscheinlich immer noch mit einem Kuscheltier von Salazars Schlange."

„Natürlich gäbe es eine lange ..."

„Nein."

Mutter und Sohn bedachten einander mit gleichermaßen ausdruckslosen Lächeln bis Narzissa mit der Hand wedelte. „Du bist noch jung", sagte sie, als würde sie ihr Missfallen an der Verbindung mit Astoria Greengrass zum Ausdruck bringen anstatt ein Zugeständnis machen. „Ich bin mir sicher, dass die richtige junge Dame schon noch vorstellig werden wird."

„Hmm." Draco setzte sich auf einen Stuhl, der bequem neben seiner Mutter platziert war. „Ich habe heute eine getroffen."

„Ist das so?" Narzissa nippte an ihrem Weinglas. „Eine, die du noch nicht kanntest?"

„Viel interessanter", sagte er, „sie kannte mich nicht." Er legte die Fingerkuppen aneinander, presste sie gegen seine Lippen und sah seine Mutter an.

„Du siehst deinem Vater jeden Tag ähnlicher."

„Hättest du etwas dagegen, mir zu erklären, wie eine Hexe nicht wissen kann, was ein Zauberstab ist?" Draco stellte seine Frage beiläufig, aber seine Augen ließen nie vom Gesicht seiner Mutter ab. „Ich vermute, dass ist eine dieser Lücken in meiner Hogwarts-Bildung."

„Dein Lehrplan in Hogwarts weist gravierende Mängel in einigen Gebieten auf", stimmte Narzissa zu. Sie trank ein weiteres Schlückchen Wein, bevor sie hinzufügte: „Ganz besonders in Geschichte. Es ist doch offensichtlich: Sie ist muggelstämmig."

„Wie bitte?"

Narzissa legte den Kopf zur Seite und begann zu lächeln. „Oh ja, Muggel bringen ständig Hexen zur Welt. In meiner Jugend wurden diese Kinder gemeinsam mit reinblütigen Hexen und Zauberern ausgebildet, sehr zum Verdruss meiner Familie."

„Muggel sind Dreck", wiederholte Draco gedankenlos die Propaganda, mit der er aufgewachsen war. „Dieses Mädchen war ... Sie war brillant!"

„Wir haben sie seinerzeit Schlammblüter genannt", sagte Narzissa nachdenklich. „Der Begriff ist heutzutage aus der Mode gekommen: zu derb, um von Erwachsenen benutzt zu werden und, nun ja, ihr Kinder hattet alle keinen Grund, ihn in den Mund zu nehme, da keine von ihnen mehr die Hallen von Hogwarts mit ihren Muggelideen und Muggeleltern beschmutzen." Sie blickte durchs Fenster hinaus in die dunkle Nacht. „Wenn meine Mutter wüsste, dass du einem Mädchen aus gutem Hause einen Korb gegeben hast ..."

„Nein."

„... um mit einer schmutzigen Muggel zu flirten, würde sie mich anweisen, deinen Zauberstab zu konfiszieren und dir ..."

„Sie konnte zauberstablose Magie wirken."

Daraufhin hielt Narzissa in ihrer Rede inne und blickte zurück auf ihren Sohn. „Unmöglich."

„Außer, dass ich sie dabei gesehen habe. Sie hat einen nahezu perfekten Imperius an einem Vogel ausgeübt: hat ihn auf Befehl singen und auf ihrem Finger sitzen lassen, und alles ohne Zauberstab oder jegliches Zauberwissen."

„Dieser Krieg zieht sich hin", sprach Narzissa nachdenklich. Sie ließ ihren Kopf zurück gegen die Seitenlehne der Chaiselongue sinken und schloss die Augen. Sie schien über alle Maßen erschöpft vom Krieg und ihres Sohnes Wahl an Nachmittagsgesellschaft. „Viele glauben, es ginge um so lächerliche Dinge wie die Vorherrschaft der Reinblüter und Traditionalismus." Sie seufzte. „Manchmal glaub ich, dieser alte Narr Dumbledore glaubt tatsächlich, dass er für Freiheit und wasnichtalles kämpft."

„Dumbledore", erwiderte Draco, „ist ein Idiot."

„Nein, mein Lieber", entgegnete Narzissa, ohne die Augen zu öffnen, „er ist ein Genie, das nach Absolution sucht." Sie seufzte erneut. „Wir müssen wirklich deine Wissenslücken in Geschichte schließen."

„Bitte?" Draco war zu sehr an den Kommunikationsstil seiner Mutter gewöhnt, um mehr zu tun, als sie zum Weiterreden zu ermutigen.

„Ich frage mich", fuhr sie fort, „ob das der Grund ist, warum er immer noch Binns anstellt. Viel sicherer, alle Kinder mit Geschichten über Goblinkriegstruppen von vor tausend Jahren zu langweilen, als zu erörtern, warum wir uns heute von allen Dingen ausgerechnet über Muggel streiten." Sie öffnete eines ihrer blassen Augen und beobachtete Draco, als sie hinzufügte: „Obwohl es natürlich eigentlich um Macht geht." Sie schloss ihr Auge wieder. „Sag deiner kleinen Freundin, dass es Dumbledores Entscheidung war, Leute wie sie aus Hogwarts auszuschließen."

„Und wenn sie fragt, wieso?", hakte Draco nach.

„Um sie vor Leuten wie dir zu beschützen, natürlich."

„Ich würde ihr nie etwas antun!", widersprach Draco und Narzissas Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.

„Auch wenn sie nur eine vom schmutzigen Gesinde gewesen wäre?", fragte sie sanft. Dracos Körper versteifte sich, aber er antwortete nicht. „Eine mächtige und, wie ich annehme, schöne junge Frau, der ihr Erbe vorenthalten wurde, ist eine schreckliche Waffe", erklärte Narzissa. Sie erhob und dehnte sich und Draco stand ebenfalls auf. „Ich hoffe, sie ist vorzeigbar?"

Draco zuckte mit den Schultern. „Schwer zu sagen in diesem lotterigen Muggelaufzug, den sie anhatte." Als seine Mutter ihn erwartungsvoll ansah, fügte er hinzu: „Aber anständig gekleidet würde sie ... Du müsstest dich ihrer nicht schämen." Seine Augen funkelten förmlich, als er an das Mädchen im Park dachte. „Ihr Haar ist ein wenig wie Tante Bellas", sagte er. „Mehr braun als schwarz, aber ziemlich spektakulär."

Narzissa nickte. Sie neigte den Kopf in Richtung Bibliothekstür und Draco begleitete sie gehorsam aus dem Zimmer und den Flur entlang zur Treppe, die nach oben zu ihrem Schlafzimmer führte, wo sie mit Sicherheit Lucius von diesem Gespräch Bericht erstatten würde. „Lehre deine kleine Freundin, Draco", sagte sie. „Besorg ihr einen Zauberstab und finde heraus wie mächtig sie wirklich ist." Sie hielt inne und streichelte seine Wange. „Behandle sie wie die unantastbarste aller Reinblüterinnen", wies sie ihn an, „wie Miss Greengrass." Beim Gedanken an seine Nachlässigkeit in sozialen Pflichten am Vortag, verzog sie das Gesicht. „Oder doch lieber noch besser. Bring sie dazu, dir über allen anderen zu vertrauen."

Falls Draco irgendwelche Zweifel ob ihrer Intensität hatte, zeigte er sie nicht. Er beugte sich nur über die Hand seiner Mutter und sagte: „Wenn du mir befiehlst, genau das zu tun, was ich sowieso vorhatte, wie könnte ich dir widerstehen oder zugegen handeln?"

„Sieh zu, dass du das nicht tust", war ihre einzige Antwort, als sie ihn am Fuß der Treppe stehen ließ.


Jetzt

„Ich will einfach nur die Entscheidungsträger", sprach sie. „Ich bin nicht hier, um einen Krieg mit Kindern auszufechten." Am anderen Ende der Halle trafen ihre Augen auf die der ehrwürdigen Mitglieder des Ordens des Phönix und sie sprach: „Ab jetzt machen wir es auf meine Art."


Anmerkung:

Erstes von drei Kaptiteln.

Eine Übersetzung aus dem Englischen. Verfasst von: Colubrina. Übertragen ins Deutsche von: Meta Morphos.

Danke an meine Beta-Leserin Profimacher2! Thanks to Colubrina for letting me translate her beautiful stories! Hugs and kisses all around :)