Vorwort:
Eine Fanfiction über Desperate Housewives zu schreiben hatte ich schon lange vor. Hier nun mein erste, noch unfertiger Versuch. Die Handlung spielt kurz nach der Episode "Peng" in der dritten Staffel und ist von mir frei erfunden. Ich versuche damit kein Geld zu verdienen und verlange auch keinerlei Anspruch oder irgendwelchen anderen rechtlichen Kram. Also dann kann es ja los gehen...viel Spaß beim Lesen. Würde mich riesig über Reviews freuen, wie euch die Story gefällt...(ihr müsst euch dafür auch nicht mal anmelden).
DESPERATE
HOUSEWIVES
DIE UNVOLLENDETE GESCHICHTE
PROLOG
Seit meinem Tod vor einigen Jahren hatte sich vieles getan in der Nachbarschaft. Die Welt hatte sich auf eine unentwegte Reise begeben. Neue Nachbarn waren hinzu gezogen, alte Freunde von uns gegangen. Es ist immer wieder eine Freude sich die neue Wisteria Lane anzusehen und diese dann mit der Wisteria Lane aus meinen Tagen zu vergleichen. Nicht selten erwische ich mich selbst dabei, wie ich mir die Zeiten von damals zurück sehne. Auch an die Zeit, bevor meine Freundinnen in die Wisteria Lane einzogen erinnere ich mich gerne. Es war eine fröhliche Zeit, voller Glücksseligkeit und Spaß.
Nicht, dass man mich hier falsch versteht. Auch nach dem Einzug von Susan, Bree, Lynette und Gabrielle hatten wir reichlich Spaß. Es sind sehr liebe Menschen, mit sehr lieben Familien, die ich alle in mein Herz geschlossen hatte. Doch nun, da ich verschieden war, hatte ich eine Chance hinter die Kulissen zu blicken und da musste ich erkennen, über welchen Abgründen meine Freundinnen schwebten und das hatte mir die Augen für einiges geöffnet.
Ich sah die Welt, die ich verlassen hatte, nun mit anderen Augen. Ich erkannte das Dunkel hinter all dem Licht, welches sich langsam heran pirschte und am Schluss nichts als Überreste zurück ließ. Ich erkannte auch, zu was die Menschen fähig sind, um das Geliebte zu bewahren.
Während ich so auf die Welt blickte, musste ich wieder an eine alte Freundin von mir denken. Eine ehemalige Bewohnerin der Wisteria Lane, noch bevor Susan Mayer damals als Erste dahin zog und so den Stein ins Rollen brachte. Ich erinnerte mich an Gwendolyn Bohmer, eine wundervolle Frau, und an ihren plötzlichen Auszug aus der Straße. Ohne ein Wort des Abschieds, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Nach außen hin hatte Gwendolyn den Anschein der perfekten Frau gemacht, eine fürsorgliche Mutter, eine liebende Ehefrau. Doch schon immer hatte um ihre Person eine gewisse...Aura bestanden. Zu Lebzeiten habe ich so etwas nie für möglich gehalten, aber es gibt Personen, die scheinen von Grund auf Böse, ja fast schon Seelenlos zu sein. Zu meinem Erschrecken, schien ich mit Gwendolyn eine solche Frau gefunden zu haben. Bis ich erkennen musste, weshalb sie getan hatte, was sie getan hatte. Um dies zu verstehen, muss man aber die ganze Geschichte kennen, mit jeder noch so schrecklichen Einzelheit.
Jetzt, wo ich Gegenwärtiges, Vergangenes und Zukünftiges erblicken konnte, wurde es mir auch ermöglicht mich noch mal in die Geschichte Gwendolyns zu begeben und mir den Grund für ihr Verhalten vor Augen zu führen.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich es vermutlich besser nicht getan. So einiges, makaberes hatte den Schein der Wisteria Lane zum Bröckeln gebracht, doch Gwendolyns Geheimnis stellte sie alle in den Schatten. Das sie die Wisteria Lane schon bald mit ihrer Geschichte aufmischen würde, konnte aber an diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen. So weit ich zurücksehen konnte, begann ihre Geschichte vor knapp zehn Jahren. In einer erstaunlich kalten Dezembernacht.
Was hast du nur getan, Gwen...
Vor zehn Jahren...
Ein eisiger Wind pfiff um die Häuser und trieb nach Einbruch der Dunkelheit alle von der Straße. Niemand genoss die Zeit in der Kälte und alle kuschelten sich in ihr warmes Bett. Vor dem Haus in der Wisteria Lane hielt ein schicker, schwarzer Land Rover und ein junge Frau mit braunen Haaren, begleitet von einem etwas älteren Mann, der ohne weiteres der Vater sein konnte, gingen auf das Haus zu.
„Und sie ist echt nicht daheim?", kicherte das junge Mädchen und schmiegte sich an die starken Arme des Mannes, der schweigend und mit angespannter Miene durch die Finsternis schritt, immer darauf bedacht, dass kein Nachbar sie sehen würde. Penelope war der Name des jungen Mädchens und sie hatte keine Ahnung von den Dingen, die sich gleich ereignen würden und von den Dingen, die er getan hatte.
Vorsichtig schloss er die Tür auf und trat ein, ließ Penelope ebenfalls hinein. Sie kicherte noch immer. Dann schloss sich die Haustür. Einen Augenblick geschah nichts, dann konnte man einen gedämpften Mädchenschrei hören und das kurze Aufblitzen gefolgt von dem dumpfen Geräusch der Pistolenschüsse.
Am nächsten morgen mussten die Bewohner der Wisteria Lane zwei neue Änderungen feststellen. Vor dem Haus der Familie Bohmer hing ein „Zu Verkaufen" Schild und das Fundament des Nachbarhauses, dass ebenfalls die Familie Bohmer baute, war über Nacht gegossen worden. Was keiner ahnen konnte war, dass der Bauauftrag dennoch bis zum Schluss gezahlt worden war, obwohl seit dem niemand jemals was von der Familie Bohmer gehört hatte.
Eins
Heute...
Als der Lieferwagen vorfuhr, waren die Bewohnerinnen und Hauptakteurinnen dieser Geschichte gerade mit den alltäglichen Dingen beschäftigt. Auf der Veranda vor ihrer Haustür saß Gabrielle Marquez, ehemals Solis, und genehmigte sich eine warme Tasse Tee nach der Yoga-Einheit. Die Turnmatte war immer noch ausgerollt und ihr perfekter Modelkörper steckte in sportlicher Kleidung.
Bree Hodge verließ, mit einem Sonnenhut auf dem Kopf, gerade die Haustür und winkte zu ihrer Freundin herüber, während sie ihren eigenen Vorgarten ansteuerte, um nach dem harten Winter die Azaleen wieder auf Vordermann zu bringen. Mit dem Sack Blumenerde, den die zierliche Frau mit aller Gewalt über die Steinfliesen zog, würde sie ihre Arbeit beginnen.
Susan Mayer trank gerade ihren morgendlichen Kaffee, als sich ihre Tochter in Richtung Schule verabschiedete. Durch die Scheibe winkte sie ihr noch hinterher, dann verschwand Julie hinter der nächsten Baumgruppe. Da Susan von zu Hause aus arbeitete, begann ihr Morgen immer später, als für die normalen Bewohner dieser Straße.
Edie Britt joggte an diesem morgen die Straße entlang und grüßte den heranfahrenden Möbelpackerwagen. Die häufigen Bewohnerwechsel in der Straße hatten sie damals auf die Idee gebracht die Wisteria Lane zu ihrem Einflussgebiet als Maklerin hinzu zu nehmen. Außerdem hatte es ihr zu der ein oder anderen feurigen Affäre mit einigen der starken Möbelpacker verholfen.
Schließlich war da noch Lynette Scavo, die gerade ein Auto voller lärmender Kinder belud und den gesamten Haufen auf die Schulen verteilte. In ihrem Leben als Karrierefrau hatte sie einiges auf sich genommen. Als ihr Ehemann Tom sie dann dazu überredet hatte zu Hause zu bleiben und die Kinder zu hüten, hatte sie noch nicht gewusst, worauf sie sich da eingelassen hatte.
Jetzt wusste sie es und jetzt war sie auch froh, dass sie wenigstens wieder zur Arbeit gehen konnte und die Kinder alt genug waren auch mal einige Stunden mit sich selbst zu verbringen oder unter der Beaufsichtigung von Karen McClusky. So jedenfalls begann an diesem Morgen der Tag für fünf Frauen aus der Wisteria Lane. Als der Lieferwagen vor dem ehemaligen Haus der Martha Huber hielt, blickten Gabrielle, Lynette, Bree und Susan mit einer Mischung aus Argwohn und Nervosität auf die Neuankömmlinge.
Keine von ihnen hatte jemanden in das Haus hineingehen sehen und keine von ihnen würde das am heutigen Tag noch tun. Die beiden Möbelpacker jedenfalls störten sich nicht an den Blicken der Frauen und begannen damit die wichtigsten Dinge aus ihrem Lieferwagen zu räumen und in das Haus zu tragen.
Einer von ihnen schien jedenfalls einen Schlüssel zu besitzen. Die Ankunft ohne Hausbesitzer lockte Gabrielle hinab von ihrer Veranda und barfuss hinüber zu Bree Hodge, die sie in diesem Augenblick die Gartenhandschuhe abstreifte und sich darauf gefasst machte einen neuen Nachbarn kennen zu lernen, ehe sie erkennen musste, dass sie heute leider enttäuscht werden würde.
Was Bree nicht wusste war, dass sie an diesem Tag nur vertröstet werden würde. Es würde sich noch reichlich Gelegenheiten bieten die neue Familie kennen zu lernen.
„Guten Morgen.", grüßte Gabrielle ihre Freundin und stemmte die Fäuste in die Hüfte. Gabrielle, früher einmal Modell auf den Mailänder Laufstegen, war keine besonders große Frau, aber mit ihrer Art schaffte sie es auch so sich die Aufmerksamkeit aller zu besorgen.
„Guten Morgen Gabi.", erwiderte Bree ihren Gruß. Wie immer war sie das Abbild einer Vorstadt Hausfrau. Ihr rotes Haar war zu einem kurzen Zopf geflochten, so dass es sie bei der Arbeit nicht behindern würde. Die Azaleen waren bereits im Boden ihrer Beete versunken und warteten nur noch darauf, das lebensspendende Wasser zu empfangen.
„Sieht so aus, als würden wir demnächst wieder neue Nachbarn bekommen.", kommentierte Bree ohne auf eine weitere Frage ihrer Freundin zu warten. Sie ahnte bereits, wieso Gabi sich auf den Weg gemacht hatte.
„Ja. Wahrscheinlich, aber ich sehe hier niemanden, der da einziehen könnte.", Gabrielle neigte ihren Kopf und kniff fragend die Augen zusammen. Erneut wusste Bree bereits, was ihre Freundin dachte ohne das diese es aussprach.
„Gabi.", Bree verpasste Gabrielle einen leichten Klaps auf den Oberarm: „Nur, weil du hier niemanden siehst, heißt das noch lange nicht, dass wir hier wieder vor einem großen Familiengeheimnis stehen."
„Nein.", gab Gabrielle geistesabwesend zurück: „Das nicht. Aber die Tatsache, dass sie in die Wisteria Lane ziehen sagt doch schon einiges. Mittlerweile dürfte unser Ruf doch weit über die Tore dieser Stadt hinaus bekannt sein."
„Vermutlich.", beide sahen den Möbelpackern schweigend bei der Arbeit zu, während sich nun auch Susan Mayer über die Straße begab, um sich dem Kreis ihrer Freundinnen anschließen zu können.
„Hey, Ladies. Was gibt's?", fragte die braunhaarige Frau ihre beiden Freundinnen, während sie –noch im Morgenmantel bekleidet- zu ihnen aufschloss.
„Gabi verdächtigt unsere neuen Nachbarn.", fasste Bree für den Neuankömmling alles kurz zusammen: „Und das ohne vorher einen Blick auf die Bewohner dieses Hauses zu werfen."
„Das ist doch Misses Hubers Haus, oder?", fragte Susan schließlich und traf somit den Nagel auf den Kopf.
Die bisherigen Bewohner dieses Hauses hatten allesamt etwas zu verbergen gehabt. Angefangen bei Misses Huber, die Mary Alice in den Selbstmord getrieben hatte, und aufgehört bei dem neusten Nachbarn Art Washburn, der sich als Pädophilier entpuppt hatte. Jede dieser drei Frauen hegte da so seine Zweifel, ob die neuen Nachbarn nicht eventuell auch...einwenig merkwürdig sein könnten.
„Da.", unterbrach Bree schließlich den Gedankengang und deutete auf das große Gemälde, dass die Möbelpacker in diesem Moment ausluden. Es zeigte den gekreuzigten Heiland mit der Dornkrone und geschlossenen Augen, wie man ihn oft abgebildet sah. Der einzige Unterschied war, dass dieses Gemälde riesig war und sehr düster wirkte.
„Das Ding ist ja scheußlich. Also, so was würde mir nicht ins Haus kommen.", Gabi verzog beim Anblick des Gemäldes das Gesicht und ging gar nicht auf Brees Ausruf ein.
„Was?", fasste Susan ihre Frage in Worte.
„Sie sind gläubig, das heißt es sind wohl gute Menschen.", gab die Rothaarige ihre Antwort nach wenigen Augenblicken, als die Möbelpacker außerhalb der Hörweite waren. Darauf konnte Susan nur noch mit einem Nicken antworten und ihr Blick fiel unbewusst auf ihre Armbanduhr.
Kurz nach zehn.
„Oh.", sie hatte vollkommen vergessen, dass in der Mikrowelle noch eine Portion Nudeln mit Tomatensoße aufgewärmt wurden. Mit Susans Kochkünsten war es nicht besonders weit her, weshalb sie oft den Lieferservice, oder das reichhaltige Angebot an Tiefkühlfertiggerichten nutzte, um sich und ihrer Tochter das Essen auf den Tisch zu zaubern: „Ich muss los.", vollendete sie ihren angefangenen Satz und hastete über die Straße, begleitet von dem Hupen eines Autofahrers, der in diesem Moment um die Kurve fuhr.
Gabi und Bree beobachteten das Ereignis Kommentarlos und dann verabschiedeten sie sich schließlich voneinander und Jede ging wieder ihrem gewohnten Alltag nach. Bree goss ihre Pflanzen noch schnell und begann dann mit den Aufräumarbeiten, während Gabi –die Yogamatte ignorierend- in ihrem Haus verschwand.
Um kurz nach zwölf hatte sie einen Termin mit ihrem Modeberater. Es war an der Zeit für ein neues Kleid.
Als Susan Mayer ihr Haus betrat, hörte sie nur noch das dumpfe Geräusch der platzenden Nudeln. Sie kam zu spät und würde den heutigen Morgen nicht etwa damit verbringen können ihr Kinderbuch weiter zu colorieren, sondern damit die Mikrowelle wieder von den verbrannten Überresten zu befreien.
„Verdammt.", murmelte sie leise und ging mit hängenden Schultern hinüber zu dem Dilemma, um es sich von nahem ansehen zu können. Die ursprüngliche Form ihrer Nudeln war vollkommen verloren gegangen und es stank bestialisch nach verbrannter Tomatensoße und irgendwas anderem, unappetitlichem, was sie nicht näher beschreiben konnte und wollte. Während sie so mit den Aufräumarbeiten begann, kam Susan eine Idee.
Da es jetzt scheinbar neue Nachbarn geben würde, wäre vielleicht eine kleine Willkommensfeier keine schlechte Idee. Das wäre ein guter Anlass, die Neuankömmlinge zu begrüßen und bereits eventuelle, geheimnistuerische Tendenzen aufzudecken.
Also griff sie sofort nach dem Telefon und wählte die Nummern aller, die ihr einfielen. Das darunter der Name Edie Britt nicht war, verwunderte sie –wenn sie zu sich selbst ehrlich war- nicht sonderlich.
Dennoch wusste sie, dass Edie davon sicher Wind bekommen würde. Ja, so ein Mensch war Edie Britt. Sie würde auch noch uneingeladen auf eine Party kommen.
„Mike, hi.", grüßte Susan die Person am anderen Ende des Apparats. Mike Delfino war Klempner und wohnte seit knapp drei Jahren in der Wisteria Lane. Zwischen ihr und ihm gab es eine unvollendete Geschichte, die Susan sich selbst nicht gerne eingestand.
Aber solange Ian, ihr aktueller Freund, auf Geschäftsreise war, würde er auch kein Problem damit haben, wenn sie Mike traf. Auch wenn sie es ihm eigentlich versprochen hatte, dass sie es nicht tun würde.
„Susan.", Mike erkannte sofort ihre Stimme. Nach einem Autounfall vor einem halben Jahr hatte er sein Gedächtnis verloren und es kam nur mit der Zeit wieder zu Tage. Das Susan und er eine gemeinsame Geschichte teilten, kannte er nur aus Erzählungen. Dennoch war sie ihm sehr sympathisch: „Was gibt's!"
„Hast du es schon gesehen?", wollte Susan von ihrem Exfreund wissen.
„Die neuen Nachbarn?", konterte Mike mit einer Gegenfrage: „Ja."
„Ich habe mir gedacht man könnte ja eine Party geben und die Leute einladen.", erklärte Susan ihren Plan.
„Und warum rufst du mich an? Willst du meine Erlaubnis?", Mike klang amüsiert, genoss Susans Unsicherheit in diesem Moment. Er wusste, dass Ian ihr eigentlich verboten hatte sich wieder mit ihm zu treffen, dennoch war er nicht sonderlich verwundert, dass sie jetzt angerufen hatte.
„Nein. Ich wollte dich einladen.", wehrte Susan schnell ab, bevor die Situation peinlich wurde.
„Was sagt denn..."
„...er ist in England.", fiel ihm Susan ins Wort, noch bevor er den Namen aussprechen konnte und sich in ihr das ungute Gefühl ausbreiten würde, was sie immer empfand, wenn sie sich selbst wie ein Kleinkind aufführte.
„Gut.", war Mikes Reaktion darauf: „Wann hast du denn vor die Party zu geben?"
„Ich dachte an morgen. Oder wann es den Nachbarn eben passt.", erklärte die braunhaarige Frau.
„Hast du sie überhaupt schon gesehen?", wollte Mike wissen.
„Nein, wieso?", gab Susan zurück.
„Weil du jetzt wohl die Gelegenheit dazu bekommst.", sofort wand sich Susan ans Fenster und blickte auf die Straße, wo gerade ein schwarzer Land Rover mit getönten Scheiben vor fuhr. Der Lieferwagen war mittlerweile verschwunden.
Als das Fahrzeug am Straßenrand geöffnet wurde, stieg nur eine einzige Person aus. Eine blonde Frau. Ihre Augen waren hinter einer schwarzen Sonnenbrille versteckt, ihr Schulterlanges, glatt gekämmtes Haar war mit Haarspray so fixiert, dass sie keinerlei Bewegungen machten. Das Gesicht der Frau war von einer unmerklichen Strenge durchzogen. Sie hatte deutlich erkennbare Wangenknochen, wirkte aber dennoch nicht mager. Ihr Körper steckte in einer gelben Bluse und einer grauen Hose mit Bügelfalte. Während sie langsam den Weg zur Eingangstür zurücklegte, blickte sie sich um.
„Siehst du sie?", wollte Mike wissen.
„Ja.", Susan wusste nicht wieso, aber sie flüsterte plötzlich, als würde die Nachbarin sie hören können und noch während Susan der Gedanke kommen wollte, wie unwahrscheinlich die Situation war, drehte sich die neue Nachbarin in diesem Augenblick um und blickte durch die getönten Gläser direkt in Susans Richtung.
Der braunhaarigen Frau blieb nichts anderes übrig, als einen dicken Kloß zu schlucken. Hatte sie tatsächlich bemerkt, dass Susan sie beobachtet hatte? Unheimlich...
Fortsetzung folgt:
