Hi there!

Wie der Titel schon sagt, handelt meine Geschichte von Peter Pettigrew, dem wohl unbeliebtesten Rumtreiber aller Zeiten. Eigentlich schreibe ich gerade an einer anderen Geschichte, aber irgendwann kam mir die Idee zu dieser hier und ich musste sie einfach aufschreiben...

Liebe Grüße, Avarra

Titel: Das Leben des Peter Pettigrew - Eine romanhafte Abhandlung
(Mit einem Vorwort von Evander Lovegood)

Autor: Avarra

Altersbeschränkung: ab 14 Jahren
Genre: Fantasie, Drama, Biographie
Hauptcharakter: Peter Pettigrew (wer auch sonst)
Inhaltsangabe: Eine Geschichte über das Leben Peter Pettigrews

Zum Rechtlichen: Alle bekannten Figuren in der Geschichte gehören J.K.Rowling und ich möchte damit auch kein Geld verdienen.

Und nun...Vorhang auf.

Das Leben des Peter Pettigrew – Eine romanhafte Abhandlung

(mit einem Vorwort von Evander Lovegood)

Sehr verehrte Hexen und Zauberer,

zunächst einmal möchte ich Sie beglückwünschen zum Kauf dieses Buches. Sicher haben Sie lange überlegt, ob es wirklich dieser Titel sein soll. Verständlich, wenn man bedenkt, wer Peter Pettigrew war und was er getan hat.

In letzter Zeit sind wieder vermehrt Diskussionen über seine Person aufgetreten. Die meisten Stimmen verdammen ihn zu ewiger Hölle und würden ihn gern selbst verwünschen, falls er noch am Leben wäre. Es gibt so viele Beweise seiner Schuld, dass es wohl in hundert Leben nicht möglich wäre, ihn davon reinzuwaschen.

Trotzdem oder vielleicht genau deshalb sind da mittlerweile auch einige wenige, die einen genaueren Blick auf seinen Charakter werfen wollen.

War Pettigrew wirklich nur ein einfacher Mitläufer und Verräter? Was hat ihn zu dem werden lassen?

Meine verehrten Leser, als ich auf den Gedanken kam, das Leben des Peter Pettigrew in einer Biographie einzufassen, bin ich auf mannigfaltige Hindernisse gestoßen. Zum Einen die breite Öffentlichkeit, welche mit großer Abscheu darauf reagierte (ich möchte nicht aufzählen, wieviele Heuler ich seitdem bekommen habe), zum Anderen aber auch Bekannte von Peter selbst, welche mir dringend davon abrieten. Außerdem war die Frage, ob sich überhaupt eine Leserschaft finden ließe, wo es doch nach dem Ende des Letzten Krieges so viel interessantere Charaktere a la Bellatrix Lestrange oder Severus Snape zu erforschen galt.

Zu guter letzt konnte ich auch zunächst keinen passenden Autoren finden. Ich fragte bei vielen an, namhaften und weniger berühmten. Einer sagte mir direkt ins Gesicht, an diesem Wurm wolle er sich nicht die Hände schmutzig machen. Aber auch alle anderen lehnten ab.

Schließlich fand sich doch noch eine junge Autorin bereit, sich Peter Pettigrews anzunehmen.

Ihr Werk ist es, was Sie hier in den Händen halten. In monatelanger Kleinarbeit hat sie Fakten zusammen getragen; unzähligen Hinweisen ging sie nach und das Wichtigste: Sie befragte sämtliche noch lebende beziehungsweise nicht mehr lebende Zeitzeugen (ich meine natürlich Geister!).

Aus all diesen Dingen nun ist „Das Leben des Peter Pettigrew" entstanden, darstellend die wichtigsten Abschnitte und Vorkommnisse seines Lebens (zumindest die, von denen wir wissen).

Nicht als Wertung seines Charakters soll dieses Buch verstanden werden, sondern als Information darüber, wer dieser Mann wirklich war und wie er seinen Weg ging.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen

und verbleibe hochachtungsvoll,

Ihr Evander Lovegood

Chefredakteur des „Klitterer"
Herausgeber der Reihe „Persönlichkeiten des Letzten Krieges"

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1. Kapitel – Eine traurige Geburt

Es gab nicht viel, was Henry Pettigrew liebte. Geld, Einfluß. Macht, natürlich. Und seine Frau.
Sein Weib, dieses hinreißende Geschöpf. Selbst jetzt, da er ihre Schreie vernahm, die sie unter größten Schmerzen hervorstieß. Selbst jetzt liebte er sie abgöttisch.Und das kleine Wurm, dem sie gerade auf die Welt verhalf.

Henry Pettigrew trank einen weiteren Schluck Feuerwhiskey und starrte dann in die knisternden Flammen des Kamins. Dieser stellte die einzige Lichtquelle in dem dunklen Raum dar. Schwere Gobelins hingen vor den Fenstern und versperrten den Blick auf eine klare Novembernacht. Doch selbst wenn Pettigrew etwas für funkelnde Sternenhimmel übrig gehabt hätte, so wäre es ihm zu dieser Stunde vollkommen gleichgültig gewesen.

Leise Schritte näherten sich der Tür und Pettigrew setzte sich gerade auf. Vielleicht...? Die tappelnden Füße kamen immer näher, schienen einen Moment zu verharren, und liefen dann weiter. Der dickliche Mann warf einen Blick auf die Wanduhr, deren Zeiger mit funkelnden Rubinen besetzt waren. Halb zehn.
Es war sein erstes Kind, das da gerade eine Etage höher zur Welt kam. Eigentlich hatte er der Geburt beiwohnen wollen, doch nachdem seine Frau ihm während einer besonders schlimmen Wehe fast die Hand gebrochen hatte, war er von seiner Hauselfe Nebbles energisch hinausgeschoben worden, mit dem Hinweis: „Sie stören nur die Missis, Herr. Nebbles ruft sie sofort, wenn das Kleine da ist!"

Pettigrew gehörte nicht zu den Zauberern, die sich einfach befehlen ließen, ganz besonders nicht von einer Hauselfe. Aber dieses eine Mal war er absolut hilflos und gab sich geschlagen vor dem Pulk an Hexen und weisen Frauen, die das Geburtszimmer bevölkerten. Henry wusste, seine Frau war in guten Händen. In den besten; er hatte weder Kosten noch Mühen gescheut.

Sinnend blickte er wieder in das Feuer. Er wusste noch nicht über das Geschlecht seines Kindes und überlegte, worüber er sich mehr freuen würde.Ein Stammhalter, der seinen Namen weiter trug; an den er eines Tages das Familiengeschäft übergeben konnte? Oder ein kleines Mädchen, das ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit um den Finger wickeln würde?Bei dem Gedanken an eine Miniaturausgabe seiner Frau Priscilla musste Henry lächeln.
Ja, so eine kleine - „Herr! Herr!" Nebbles Stimme klang mißtönend in seine gerade erdachte Traumwelt. Noch bevor Henry sich erhoben hatte, war die Elfe bereits in das Zimmer gestürmt und zog an seinem Bein.

„Kommt, es ist da!" Henry verspürte eine plötzliche Schwäche in den Beinen. Sein Kind, sein erstes Kind!
„Was ist es denn?" „Nebbles darf nicht sagen, was es ist. Nebbles hat es der Herrin versprochen!" Mittlerweile rannten Hauselfe und Herr die breite Treppe hinauf. Oben am Fuße blieb Henry einen Moment stehen, um zu verschnaufen. Seine mittleren Jahre waren schon fast vorbei und so war auch seine Form dahin gegangen.Leise Schreie aus Richtung des Geburtszimmers ertönten auf dem Flur.
Langsam schritt Henry zu der großen Tür. Seltsam, diesen Moment hatte er sich immer so erhaben und voller Größe vorgestellt, aber jetzt war sein Hirn wie leer geblasen. Gänzlich stumm öffnete er die Tür zum Geburtszimmer.

Warme stickige Luft schlug ihm entgegen. Schlagartig verstummten die Anwesenden und starrten ihn an. Henry kam sich vor wie ein Eindringling, so geladen war die Atmosphäre.Da, ein leises Wimmern, sich langsam steigernd zu einem orkanartigen Crescendo, das von den Wänden widerhallte. So lautete denn der erste Gruß des Neugeborenen an den Vater. Eingewickelt in Tücher, die nur sein faltiges Gesicht freiließen, wurde das Baby in Henrys Arme gelegt.
„Ein Junge", flüsterte irgendwer in sein Ohr. Der Vater starrte hinab auf seinen Sohn, sein Kind, das immer noch leise wimmerte und langsam schläfrig wurde.
„Wunderbar", sagte Henry zu allen und niemandem. Ein verkümmertes Stöhnen. Seine Frau...Priscilla. Eine Hebamme nahm ihm das Kind aus den Armen und trug es fort. Henry wollte protestieren, aber ein dünner Zauberer mit einem weißen Kranz aus Haaren und klugen Augen nahm ihn beim Arm und führte ihn ein wenig abseits.

„Mister Pettigrew", hub er an, doch Henry, sich immer noch nach seinem Kinde reckend, beachtete ihn nicht. „Mister Pettigrew!" Dieses klang schon weitaus strenger und so wandte der frischgebackene Vater endlich seine Aufmerksamkeit dem Heiler zu.
„Zunächst einmal beglückwünsche ich sie zur Geburt ihres Sohnes. Er ist kräftig und gesund und wird allem Anschein nach ein großer, starker Mann werden." Henry quittierte dies mit einem Nicken.
„Er hat die Geburt sehr gut überstanden und wird jetzt noch abschließend gewogen, gemessen und in den Stammbaum eingetragen. Ihre Frau meinte, der Junge solle Peter heißen." „Was immer sie möchte", antwortete Henry ungeduldig. „Doch wie geht es ihr?"
Stille entstand zwischen den beiden Männern, derart peinlich, dass Henrys Aufmerksamkeit nun ungeteilt auf dem alten Zauberer lag. Dieser schien etwas Schweres bewältigen zu müssen, denn er schluckte mehrmals hart und wischte sich imaginären Schweiß von der Stirn. Henry wusste plötzlich, das etwas nicht in Ordnung war.
„Was ist mit Priscilla?" Die Frage klang wie ein Peitschenknall und entfaltete eine ähnliche Wirkung auf den Zauberer. Er zuckte kurz zusammen und begann dann zu sprechen.
„Mister Pettigrew, die Geburt war äußerst schwierig. Eine Zauberergeburt ist nie einfach, da immer Magie mitschwingt. Alles in unserer Welt besteht aus Magie-Strömen; großen, kleinen, leisen, lauten. Und so auch wir Zauberer und Hexen. Heiler wie ich sind bei einer Geburt vor allem dafür zuständig diese Ströme in Gleichlang zu halten, damit sie sich nicht gegenseitig behindern." „Sich – wie bitte? Wollen sie mir sagen, meine Frau und mein Sohn haben sich gegenseitig...behindert! Das ist lachhaft! Lassen sie mich sofort zu ihr!"
Henry wollte an dem Magier vorbei zum Wochenbett stürmen, aber wieder wurde er festgehalten. „Lassen sie los!", zischte er, doch der andere schüttelte nur den Kopf. „Ihre Frau ist sehr geschwächt. Wir konnten ihr nicht einmal das Kind geben; sie hätte es fallen lassen."
„Was hat sie genau?" Henry spürte Verzweiflung in sich wachsen, gemischt mit furchtbarem Zorn. Wie konnte es seiner Priscilla schlecht gehen, wo doch gerade ihr Junge zur Welt gekommen war?
„Die Magie-Ströme von Mutter und Kind liegen normalerweise auf einer Wellenlänge. Quasi bilden sie eine Einheit, bis diese dann bei der Geburt getrennt wird. Normalerweise stellt das kein Problem dar; im Falle ihrer Frau jedoch kam es zu Komplikationen." „Welcher Art?"
„Sie...der Magie-Strom ihrer Frau stieß den ihres Sohnes ab. Das gibt es nicht oft, vor allem, da ihre Frau so begabt ist, aber es kommt vor."
„Wird sie sterben?" Henry hatte Probleme schon immer direkt angesprochen. Sein Talent, die Dinge frei heraus zu benennen, hatte ihm Freunde und Feinde geschaffen. Und obwohl er eigentlich gar keine Antwort auf diese Frage wollte, hatte er sie einfach stellen müssen.
Nun blickte er in das Gesicht des alten Zauberers, der die folgenden Sätze wohl schon hunderte Male in seinem Leben gesagt hatte. „Wir wissen es nicht. Diese Art von Magie ist einfach noch zu unerforscht. Es tut mir leid."

Damit geleitete der Heiler Pettigrew an das Bett seiner Frau und ließ die beiden dann allein. Zum ersten Mal an diesem Abend sah Henry seine Frau. Ihr zerstörtes Gesicht war umrahmt von strähnigem Haar. Aufgedunsene Wangen gaben ihr ein krankes Aussehen, und ihre Lippen waren vor Schmerz zerbissen.Kaum hob sie den Kopf, als Henry sich vorsichtig neben sie setzte. Für eine lange Zeit sagte keiner der beiden etwas. Priscilla schien für ein Gespräch zu schwach und Henry hätte nicht gewußt, was er sagen sollte.
Die Geschäftigkeit um sie herum nahm langsam ab, der Raum leerte sich, bis sie schließlich ganz allein waren. Und noch immer sprachen sie kein Wort. Erst als aus dem Nebenraum erneut das Wimmern ihres Sohnes zu vernehmen war, öffnete Priscilla die Augen. Sie suchten den Blick Henrys und banden ihn schließlich fest. Lange saß er so bei ihr. Nur zweimal stand er noch auf; um Feuerholz in den Kamin zu zaubern und für seine Frau eine zusätzliche Decke herbeizurufen.

Drei Tage später verstarb Priscilla. Ihre Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof von Eternal Grave. Henry, der Witwer mit dem Neugeborenem, bekam die meiste Aufmerksamkeit und zeigte am wenigsten Trauer. Als seine Mutter ihm den Sohn in den Arm drücken wollte, schüttelte er mit starrer Miene den Kopf und würdigte den Säugling keines Blickes.

Es gab nicht mehr viel, was Henry Pettigrew liebte.