Disclaimer: Die Personen, Handlungsorte, Gegenstände etc. gehören J.K. Rowling und ich verdiene kein Geld damit.
Diese Geschichte ist meiner besten Freundin, Lissi, gewidmet.
Gedanken sind kursiv geschrieben.
Prolog
Sie weinte. Dicke Tränen liefen ihre schönen Wangen herunter. Er hätte sich dafür schlagen können.
„Seit wann weißt du es?", fragte er leise.
„S-S-Seit z-zwei Monaten, a-aber ich dachte… ich dachte… es wäre vielleicht nur eine Grippe…", schluchzte sie. „U-Und jetzt… Was soll ich bloß tun?"
Sie blickte ihn verzweifelt aus ihren grünen Augen an.
„Ich… Ich weiß es doch auch nicht! Verdammt!", fluchte er und ließ sich auf einem Stuhl nieder.
Verzweifelt fuhr er sich mit seinen Händen durch die Haare. Warum musste das Ganze ausgerechnet ihm passieren? Die Nacht damals vor drei Monaten war schon schlimm genug gewesen!
„Es tut mir Leid…", hauchte sie und sah ihm in die Augen. „I-Ich hätte nicht… so viel… Warum hatte er bloß so viel Feuerwhisky mit zum Ball geschmuggelt?!"
„Das frag deinen perfekten Freund doch selbst!", sagte er wütend und verkniff es sich sie anzusehen.
„Er ist nicht mein Freund…"
„Na und? Du hättest es aber gerne so! Mach mir nichts vor. Ich weiß doch, wie du ihm immer hinterher rennst, verlegen wirst wenn jemand seinen Namen sagt und wie du ihn immer ansiehst. Dieser arrogante Mistkerl!"
„Sag das bitte nicht", flehte sie ihn an und wischte sich mit dem Ärmel die Tränen vom Gesicht, was schwarze Make-up Spuren hinterließ.
Es entstand eine unangenehme Pause in der jeder der beiden einen anderen Gegenstand musterte.
„Und was sollen wir jetzt tun?", brach sie schließlich das Schweigen.
„Wir? Das ist ja wohl deine eigene Angelegenheit", bemerkte er.
„Und auch deine! Schließlich ist es nicht nur mein Kind!", sagte sie wütend und stand auf. „Du bist genauso viel daran schuld wie ich."
„Jetzt mach aber mal einen Punkt! Wer hat sich denn hemmungslos mit Feuerwhisky voll laufen lassen? Ich oder du? Und wer hat sich dann an mich ran gemacht?"
Sie wurde rot und senkte den Kopf.
„Denkst du, dass ich das nicht schon genug bereut hätte? Alle Mädchen haben mir das noch Wochenlang unter die Nase gerieben. Dass ich mich von dir habe verführen lassen. Auf dem Abschlussball…"
„Du hast wohl eher mich verführt", sagte er bitter und blickte ihr in die Augen.
„Ich war betrunken! Denk doch mal nach! Da würdest du auch Dinge tun, die du später noch lange bereuen würdest."
„Es ist schön zu wissen, was du wirklich von mir hältst", sagte er nüchtern und sie wurde blass. „Es ist sowieso eine dumme Idee gewesen einen Abschlussball zu feiern, obwohl man noch ein halbes Jahr zur Schule geht. Hätten sich gewisse Leute das anders überlegt würden wir jetzt nicht vor diesem Problem stehen!"
Sie ignorierte einfach die Letzten beiden Sätze. Was hätte sie auch jetzt im Nachhinein dagegen tun können?
„So habe ich das doch nicht gemeint…", begann sie ausweichend. „Ich meine, hättest du dir vorgestellt schon mit achtzehn Vater zu werden?"
„Ich wollte noch nie Vater werden", sagte er kühl.
„Und denkst du, ich hätte vorgehabt in der Abschlussklasse schwanger zu werden? Du weißt wie viel mir die Schule und ein guter Abschluss bedeutet! Du wusstest von meinen Plänen. Ich wollte studieren… einen guten Job bekommen… heiraten und eine Familie gründen…"
„Tja, einen Punkt auf deiner Liste kannst du dann schon mal abhaken", sagte er und wandte sich zum gehen.
„Warte!", sagte sie und stellte sich ihm in den Weg.
„Warum?"
„Du darfst niemandem - Hörst du? - Niemandem jemals davon erzählen! Niemandem!"
„Ist ja schon okay", sagte er und hob beschwichtigend die Hände. „Ich gebe dir mein Ehrenwort."
Sie nickte und er wollte jetzt endlich gehen, doch sie hielt ihn noch einmal zurück.
„Ich werde es nicht abtreiben", sagte sie ruhig. „Ich werde es nach der Geburt zur Adoption freigeben."
„Mach das, was du für richtig hältst, aber lass mich bitte damit in Ruhe. Ich will nichts von diesem Kind wissen. Auch nicht, wem du es gegeben hast, okay?"
Sie nickte traurig und ließ ihn gehen.
8 Monate später…
Sie stand unschlüssig vor dem kleinen Haus. Mehrmals hatte sie die Adresse überprüft, doch sie brachte es einfach nicht über sich das kleine Bündel vor die Haustür zu legen, sich unsichtbar zu zaubern und zu klingeln. Nervös spielte sie an ihrem Verlobungsring. Wenn ihr Ehemann jemals etwas davon erfahren würde…
Der Gedanke an ihren Verlobten gab ihr Kraft und sie lief leise die Auffahrt zur Tür hin. Das Haus war wirklich wunderschön, obwohl sie es für eine etwas ältere Frau, doch ein wenig zu groß fand. Es hatte zwei Etagen und eine Veranda. Was dem Haus auch noch seinen besonderen Stil verlieh war der Turm, der an der Seite des Hauses angebaut war. Allem in allem war es ein sehr schönes Haus und sie wusste, dass sie ihr Kind dort in guten Händen lassen würde und doch fühlte sich ihr Herz schwer an.
Wie konnte sie ihre Tochter bloß hier lassen? Sie war eine schlechte Mutter und außerdem würde ihr Verlobter es nicht verstehen, wenn sie versuchen würde es ihm zu erklären. Er würde sie wegjagen… sie nie wieder sehen wollen… Nein, dieses Kind stellte für sie bloß eine Belastung dar. Es wäre gut, wenn es endlich weg wäre. Der Leibliche Vater wollte eh nichts mit dem Kind zu tun haben, also war es das Beste, wenn sie es dieser alten und freundlichen Frau gab, die sich schon ein Leben lang eine kleine Tochter gewünscht hatte. Es war das Richtige.
Behutsam legte sie das Baby vor die Tür und legte den Brief neben es auf das Kissen. Sie starrte noch einige Sekunden auf es hinab und legte dann ihre Lieblingskette mit dazu. Es war eine wirklich schöne Kette. Sie war lang und silbern und hatte einen silbernen Anhänger in Form einer Lilie, der mit kleinen Diamanten besetzt war. Langsam und leise lief sie wieder zur Straße und warf einen Tarnzauber über sich. Ihre Tochter würde es hier schön haben. Sie würde einen großen, gepflegten Garten haben, eine nette Adoptivmutter und einen wundervollen Blick aufs Meer. Was konnte es sich mehr wünschen?
Plötzlich kam ein kühler Wind auf und das kleine Bündel auf der Veranda fing herzzerreißend an zu weinen und zu schreien. Kurz darauf öffnete eine Frau, die knappe fünfzig Jahre alt war die Tür und sah auf das kleine Bündel vor ihrer Tür herunter.
„Na wer bist du denn?", hörte sie die Stimme der Frau, die ihr vom Wind entgegen getragen wurde.
Sie hob den Brief auf und las ihn sich schnell durch. Als sie ihn fertig gelesen hatte schlug sie sich eine Hand vor den Mund und sah das Kleine seltsam bewegt an.
„Komm meine Kleine", sagte sie. „Ich bringe dich ins Warme. Bei mir wirst du es gut haben, das verspreche ich dir."
