Die Sonne strahlte heiß auf die grünen Felder herab. Überall hingen kleine und große Tomaten an den Pflanzen, manche noch grün, die meisten jedoch schon in einem frischen Rot. Sie warteten auf ihre Ernte.

Antonio hob eine sonnengebräunte Hand an seinen Hut und rückten diesen zurecht. Er strahlte über das ganze Gesicht. Unter dem einen Arm trug er einen Korb, der bereits zur Hälfte mit den leuchtenden Früchten gefüllt war. Dieses Jahr würde es wieder eine reiche Ernte geben.

So viel zu tun.

Bereits seit einigen Stunden war er dabei, sein Feld zu pflegen. In den frühen Morgenstunden hatte er es gegossen, vorsichtig, natürlich, damit kein Wasser auf die Blätter kam und diese dann nicht in der Sonne verbrannten.

Dann hatte er gefrühstückt, allein, sehr zu seinem Leidwesen. Nicht einmal mit frischen Tomaten hatte sein kleiner Lovino sich locken lassen. Antonio wusste nicht genau, warum er nun wieder schmollte, doch er nahm an, dass es darum ging, dass er am Vorabend Francis und Gilbert eingeladen hatte. So spät es auch für die Freunde geworden war, Lovino hatte sich schon viel früher zurückgezogen.

Schweren Herzens hatte Antonio ihm am Morgen einige frische Tomaten auf dem Tisch stehen lassen und war wieder auf sein Feld gegangen.

So klein sein eigener Garten heute auch im Vergleich zu früheren Zeiten war, bedeutete er doch noch immer viel Arbeit. Unkraut musste gejätet, reife Früchte mussten geerntet werden, alle Pflanzen brauchten viel Wasser, abgestorbene Blätter und Triebe mussten entfernt werden, auch Dünger war immer wieder nötig …

Tausend Dinge gab es immer zu tun.

Für diesen Tag war er jedoch fast fertig. Nur noch die reifen Früchte ernten, dann war alles erledigt. Doch das tat Antonio ohnehin am liebsten. Es gab so viele verschiedene, wenn er auch selbst in diesem Jahr nur drei Sorten verschiedener Größe anbaute. Und alle Sorten sahen immer so verlockend aus.

Antonio hob die Frucht, die er eben noch in den Korb hatte legen wollen, hoch, betrachtete sie einen Augenblick im Sonnenlicht, bevor er genüsslich hineinbiss. Frisch von der Pflanze schmeckte es doch am besten. Ein bisschen Saft rann ihm über die Finger, den er genüsslich ableckte. Beinahe perfekt. Alles, was noch fehlte war sein Lovino. Doch man konnte nicht alles haben.

Noch eine weitere Stunde arbeitete er konzentriert. Der Korb war voll und er wollte zum Haus zurückgehen. Antonio war auch recht sicher, dass er alle reifen Tomaten entweder gegessen oder gesammelt hatte. Fröhlich pfeifend drehte er sich um – und blieb wie angewurzelt stehen.

„Seit wann stehst du da?" wunderte er sich. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er beobachtet worden war.

„Schon eine ganze Weile", raunzte Lovino. „Ich kann doch nicht zulassen, dass du Bastard alle Tomaten alleine futterst." Er hatte seine Arme verschränkt und lehnte gegen einen Baum. Wie sonst auch machte er einen recht schlecht gelaunten Eindruck. Er streckte Antonio eine Hand entgegen. „Gib mir gefälligst auch was davon ab, Mistkerl!", verlangte er.

Antonio lachte. So kannte er seinen Lovino. Er gab ihm eine besonders schöne, tiefrote Frucht, bevor er sich ins Gras unter dem Baum setzte. Er streckte sich ausgiebig.

„Erwarte nur keinen Dank", brummte Lovino, als er sich zu seinem ehemaligen Herrn setzte, natürlich von ihm weggedreht, denn der Spanier sollte nur nicht denken, dass er auf dessen Gesellschaft etwas gab.

Antonio kannte dieses Spiel nun schon und dank Francis Hilfe hatte er auch verstanden, was es bedeutete. Lachend wuschelte er Lovino durchs Haar, wobei er darauf achtete, der Locke nicht zu nahe zu kommen. „Freut mich, dass es dir so gut schmeckt", schmunzelte er. „Du isst doch nur meine Tomaten, stimmt's?", fügte er noch neckend an.

Lovino erwiderte etwas unverständliches, drehte sich jedoch nicht um. Antonio sah jedoch, dass seine Ohren leicht rot geworden waren, wie von einem Sonnenbrand. Er nahm seinen Hut und setzte ihn dem Italiener auf. „Du solltest aufpassen wegen der Sonne", meinte er. „Ich will nicht, dass dir etwas passiert, mi cariño."

Ein Glück konnte Antonio dank des Hutes nicht sehen, wie dunkel Lovinos Ohren nun waren. Er hätte es ja doch nur wieder falsch verstanden.