Altersfreigabe: später vermutlich ab 18
Spoiler: Keine. Die Story spielt in einem Alternate Univers fünf Jahre nachdem Hermine ihren Abschluss gemacht hat. Sie arbeitet im Kampf gegen Voldemort mit Severus zusammen und ist deswegen wieder ins Schloss gezogen.
Inhalt: Bei einem spontan durchgeführten Plan Voldemorts wurde Severus so schwer verletzt, dass er zwischen Leben und Tod schwebte. Hermine hat ihm mit einem schwarzmagischen Trank das Leben gerettet, doch dafür gibt es nun eine Verbindung zwischen ihnen, die vor allem Severus so gar nicht gefällt.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine/Snape
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles ist Eigentum von J.K.Rowling.
Kommentar/Updates: Was die Updates betrifft, kann ich mich ausnahmsweise mal nicht festlegen. Die Story ist die erste, die ich veröffentliche, ohne dass sie beendet ist. Ich werde so updaten, wie ich die Kapitel schreibe. Also drückt mir die Daumen, dass meine Muse mich nicht im Stich lässt. Außerdem kann es hier und da mal ein bisschen länger dauern, weil ich nebenbei noch an anderen Storys schreibe. Diese hier ist quasi mein Ausgleich und wird vom Plot her auch weniger anspruchsvoll sein. Kurze Kapitel, eine Reise ins Ungewisse. Ursprünglich war die Story als Erotik geplant, aber inzwischen habe ich bemerkt, dass es viel mehr Spaß bringt, die beiden nicht übereinander herfallen zu lassen. :D Vielleicht schlägt die Story doch noch irgendwann den Bogen in Richtung Erotik, aber versprechen kann ich es nicht.
Grundlage der Story ist mein Drabble ‚Status Quo', das in leicht abgewandelter Form als Prolog dient.
Warnings: Hurt/Comfort, evt. NC-17


- - Ergeben deiner Macht - -

Siehst du mich?
Spürst du mich?
Wo lebst du, verstehst du?
Was suchst du?
Warum liebst du mich?

(Eisbrecher – Frage)


- Prolog -

Mit verschränkten Armen stand sie am Bett des zum Tode Verurteilten. Severus Snape... Seine Verletzungen waren schwer, nur ein wirklich mächtiger Trank konnte ihn retten.

Blut. Das ist die letzte Zutat. Blut eines Menschen, der ihn bedingungslos liebt." Diese Worte von Madam Pomfrey schienen sein Schicksal zu besiegeln.

Das war vor zwei Stunden. Seitdem stand sie hier.

Es gibt nichts, absolut nichts, was uns verbindet, Hermine!" Diese Worte von Severus hätten sein Schicksal schon sehr viel eher besiegeln sollen. Die Worte und dass er ihr keine Chance gegeben hatte, darauf zu antworten. Dass sie ihn dennoch retten wollte, war ihre Absicherung dafür, dass sie wirklich die richtige Person war.

Mit ernstem Gesicht ging sie die paar Schritte zum leise brodelnden Kessel und wog den Dolch in der Hand. Ihre Blicke flogen zu dem blassen Gesicht des Mannes, der Glück und Leid gleichermaßen bedeutete. Bis vor zwei Tagen liebte er sie noch nicht.

„Komm zurück, Severus! Komm her und sage mir noch einmal, dass uns nichts verbindet!", zischte sie, während sie die Klinge über ihre Handfläche zog und Blut träge in den Trank tropfte.

Bis vor zwei Tagen liebte er sie noch nicht. Doch vielleicht konnte sie jetzt etwas daran ändern.


- Kapitel 1 -

Er hatte die Tür zu seiner Kerkerwohnung kaum hinter sich geschlossen, als es zweimal klopfte. Mit einem missmutigen Grunzen stellte er den Stärkungstrank, den Madam Pomfrey ihm in die Hand gedrückt hatte, nachdem er beschlossen hatte, dass zwei Tage Krankenflügel für einen Ausflug ins Jenseits und zurück reichten mussten, auf seinen Schreibtisch. Er drehte sich um und riss so brutal an dem schmiedeeisernen Türgriff, dass der Klopfer laut gegen sein metallenes Gegenstück schlug.

„Was?", fragte er äußerst gereizt, als er Hermine erblickte.

„Ich wünsche dir auch einen schönen Tag." Und mit diesen Worten betrat sie so selbstgefällig seine Räume, dass die Tür wirklich laut wieder in ihrem Schloss landete.

„Was willst du?" Er hatte Kopfschmerzen, war müde und absolut schlecht gelaunt. Das waren nicht die besten Voraussetzungen für ein Gespräch mit Hermine Granger. Und ihre letzte Unterhaltung war ihm noch sehr gut im Gedächtnis. Das und die Tatsache, dass sie ihm gegen seinen Willen das Leben gerettet hatte. Mit schwarzer Magie! Am liebsten würde er seine Finger um ihren schmalen Hals legen und fest zudrücken.

Hermine drehte sich um, wobei ihre Haare halbwegs gebändigt um ihren Kopf schwangen, und sah ihn für seinen Geschmack viel zu gelassen an. „Ich wollte sehen, wie es dir geht."

Severus schnaubte. Warum hatte er noch mal zugestimmt, dass sie sich duzten? Das gab ihr sogar das Recht dazu, ihm Fragen dieser Art zu stellen. „Es geht mir bestens!" Dass er wütend war, konnte ihr eigentlich gar nicht entgehen.

Doch Hermine hatte schon immer ein Talent dafür gehabt, subtile Hinweise dieser Art zu überhören: „Freut mich zu hören."

Mit nach wie vor schwachen Beinen ließ er sich hinter seinem Schreibtisch auf den Stuhl sinken und versuchte angestrengt, ihre Anwesenheit zu ignorieren. Er konnte ihr nicht einmal mehr Punkte abziehen, denn sie war keine Schülerin mehr. Sie wohnte nur wieder im Schloss, weil das praktischer war. Weil sie für den Orden zusammenarbeiten mussten und Albus auf die wunderbare Idee gekommen war, dass noch Zimmer nahe des Gryffindorturms frei waren. Sie hatte sich gleich auf unbestimmte Zeit einquartiert.

Das lag nun schon ein halbes Jahr zurück und Severus konnte dummerweise nicht leugnen, dass es alles andere als unangenehm war, mit Hermine zu arbeiten. Sie war ruhiger, wenn sie nicht in einem vollen Klassenraum saß. Es gab keine Konkurrenz, die sie überbieten musste. Sie stellte die richtigen Fragen und gab präzise Antworten auf seine.

Möglicherweise war dies der Grund gewesen, warum er das Duzen zugelassen hatte. Nach einem wirklich anstrengenden Tag. Und drei Gläsern Wein. Seitdem hatte er es bereits mehrmals bereut – allerdings nie darum gebeten, dass sie ihn wieder siezen sollte. Das kam einer Kapitulation gleich. Einer Kapitulation und dem Eingeständnis, dass er einen Fehler gemacht hatte. Das war schlichtweg indiskutabel. Er würde schon mit ihr fertig werden.

Während er überaus interessiert in seinen Papieren blätterte – die, die er bearbeitet hatte, als der Ruf ihn ereilt hatte – wanderte Hermine in alter Gelassenheit durch seine Räume. Sie war schon öfters hier gewesen, wenn sie recherchiert hatten. Es war nicht ungewöhnlich, dass sie sich dieses Verhalten angewöhnt hatte. Dennoch, die Vertrautheit mit seinen Räumen störte ihn.

Severus konnte sich nicht von dem Gedanken lösen, dass sie der Meinung war, ihn zu lieben. Allein bei der Vorstellung schauderte er, so absurd war sie. Er hatte keinen Zweifel, dass sie sich das Ganze nur einbildete. Es würde mit der Zeit vergehen, machte die Gegenwart allerdings sehr anstrengend. Er fühlte sich regelrecht bedroht von ihrer Anwesenheit, machte sich Sorgen, dass er sie möglicherweise zu falschen Vermutungen verleiten könnte. Das war ganz und gar nicht sein Ziel.

Dass der Trank mit ihrem Blut gewirkt hatte, ignorierte er dabei.

Nach einigen Minuten legte er schließlich die Feder beiseite (seine Hand zitterte so, dass er seine eigene Schrift nicht lesen konnte) und blickte zu ihr hinüber. Hermine wanderte an seinem ausladenden Bücherregal entlang und musterte die Titel, die er dort aufgereiht hatte. Wenn sie es noch ein paar Mal tat, dessen war er sich sicher, würde sie alle auswendig aufzählen können.

„Hermine, was willst du hier?", wiederholte er seine Frage weniger gereizt, dafür aber umso nachdrücklicher.

Sie drehte sich zu ihm um. „Ich warte darauf, dass du mir einen Tee anbietest."

Er hob eine Augenbraue. „Und warum sollte ich das tun?"

„Weil es höflich ist und weil du es immer getan hast."

In ihrem Blick stand etwas Bittendes, das ihn irgendwie verlegen machte. War er als erwachsener Mann wirklich unfähig, die beinahe freundschaftliche Basis von früher aufrecht zu erhalten, nur weil sie ihm gestanden hatte, dass sie meinte ihn zu lieben? Er hatte ihr gesagt, dass er diese Gefühle nicht erwiderte und auch nicht plante, dies jemals zu tun. Wenn sie weiterhin zu ihm kam, war das ihr Problem.

Also stand er auf und ging in die Küche hinüber. Nun gab es nur noch eine Sache, wegen der er ihr den Hals umdrehen sollte: Dass sie ihm das Leben gerettet hatte.

Sah er aus wie jemand, dem man das Leben rettete?

Dieser Zwischenfall war die perfekte Gelegenheit für ihn gewesen, aus diesem ganzen Irrsinn rauszukommen! Er hatte sich nicht vor diesen Fluch geworfen, das nicht. Er wusste durchaus, dass er eine Pflicht zu erfüllen hatte. Aber es war ja nicht so, dass er etwas dagegen hätte tun können, wenn er doch erwischt wurde.

Und sie hatte es verbockt. Sie hatte ihn zurückgeholt in dieses Leben, das nichts als Pflichten zu bieten hatte.

Mit diesen äußerst kontraproduktiven Gedanken kehrte er ins Arbeitszimmer zurück und stellte das Tablett mit dem Tee etwas zu hart auf dem Tisch ab. Hermine erschrak und wirbelte zu ihm herum. Mit einem Buch in der Hand und großen Augen sah sie ihn an.

„Der Tee", knurrte er und deutete auf das Tablett.

Sie legte das Buch beiseite und kam zum Tisch hinüber. „Danke." Ohne ihn aus den Augen zu lassen, nahm sie sich eine Tasse und nippte daran. Dann schien sie wieder an Sicherheit zu gewinnen – vermutlich weil sie nach wie vor aufrecht stand – und reckte ihr Kinn ein Stück nach vorne. „Du siehst gereizt aus."

„Tue ich das?" Sein Tonfall ließ deutlich werden, dass ‚gereizt' noch untertrieben war.

„Oh ja. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich der Grund dafür bin." Und bei dieser Feststellung sah sie nicht im Mindesten verlegen aus.

„Das muss die Musterschülerin in dir sein." Er griff ebenfalls nach seiner Tasse und schien Hermine damit so sehr zu erschrecken, dass sie zusammenzuckte und zwischen dem Sessel und dem Tisch stehend leicht ins Schwanken geriet. Um nicht zu fallen, fasste sie nach seiner Schulter und Severus' Blicke glitten entsetzt hoch in ihr Gesicht.

Einige Sekunden lang schien sie gefesselt von diesem Blick, dann zog sie ihre Hand zurück, als hätte sie sich an ihm verbrannt. „Tut mir leid", murmelte sie.

Severus trat ein paar Schritte zurück und stellte sich mit möglichst großem Abstand auf die andere Seite des Tisches. Hermine sah sich resignierend um und setzte sich, allerdings auf der anderen Seite.

„Was ist eigentlich los?", fragte sie dann sehr müde.

Severus antwortete nicht, sondern starrte verbissen in seine Tasse.

„Hör zu, wenn du mir nicht sagst, was dir so entsetzlich auf die Nerven geht, kann ich nichts daran ändern! Du bist doch immer so wortgewandt!"

Für einen Moment fragte er sich, was in der Vergangenheit falsch gelaufen war, dass sie sich jetzt traute, so mit ihm zu reden. Die fünf Jahre fernab von Hogwarts hatten ihr gar nicht gut getan. Zu viel Selbstbewusstsein, zu wenig Respekt vor den Älteren (bei sich hatte er das als Erwachsenwerden bezeichnet, aber das war auch zu einer vollkommen anderen Zeit gewesen). Dann stellte er klappernd die Tasse weg und tat zwei große Schritte zu ihrem Sessel. Hermine wich quietschend zurück und fand sich den Bruchteil einer Sekunde später gefangen, denn er stützte sich mit den Händen auf den Lehnen ab und kam ihrem Gesicht bedrohlich nahe. „Erstens nervt es mich, dass du es dir heraus nimmst, so mit mir zu reden", sagte er in dem Ton, der schon im Klassenraum immer Schlimmes versprochen hatte.

„Ich dachte, darüber wären wir hinaus", wandte Hermine mit unsicherer Stimme ein.

Severus ignorierte sie: „Zweitens nervt es mich, dass du noch immer herkommst und so tust, als wäre nichts geschehen."

„Was soll ich sonst tun? Mich heulend verstecken, weil du mir eine Abfuhr erteilt hast?"

„Es wäre ein Anfang", erwiderte er zynisch.

Hermine lachte kurz auf und setzte sich dann grade hin, so dass ihre Gesichter sich noch ein bisschen näher kamen. Beinahe berührte sie seine große Nase mit ihrer eigenen, viel kleineren. „Dafür haben wir keine Zeit. Falls du es in deinem zweitägigen Urlaub vergessen haben solltest, wir befinden uns im Krieg und dummerweise liegt ein Großteil von Professor Dumbledores Hoffnungen auf uns. Ich würde liebend gerne einen großen Bogen um dich machen, aber es geht nicht."

Severus sah sie argwöhnisch an und spürte ihren schnellen Atem auf seiner Haut. Ihr Blick war unbeugsam, sie war mutiger geworden. Früher hätte er sie mit Leichtigkeit einschüchtern können. Heute war dafür ein bisschen mehr nötig.

„Warum hast du mir dann das Leben gerettet? Wenn du wirklich von mir weg willst, wäre das eine einmalige Chance für dich gewesen." Er verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein, blieb aber in seiner jetzigen Position, nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt.

Ihre Züge wurden bitter. „Du bist so unglaublich ignorant, Severus Snape!" Wütend ballte sie ihre Hände zu Fäusten und begann auf seine Brust einzuschlagen. Überrascht richtete er sich auf und griff nach ihren Handgelenken, zog sie dabei ebenfalls auf die Füße. „Glaubst du wirklich, ich könnte damit leben, dich sterben zu lassen?", schrie sie und einige Tränen liefen über ihre Wangen. „Ich hatte die Möglichkeit für deine Rettung, das Blut in meinen Adern. Das konnte ich nicht einfach ignorieren." Sie wehrte sich gegen seinen Griff, doch er ließ sie nicht los.

„Weil du es noch immer nicht schaffst, über deinen Horizont hinaus zu denken!" Auch seine Atmung beschleunigte sich nun. „Du verstehst es einfach nicht, dass es Entscheidungen gibt, die dich nicht das Geringste angehen. Du handelst nach Impulsen und lernst nicht aus den Konsequenzen!"

Mit einem starken Ruck befreite sie ihre Hände nun doch. „Heißt das, du hättest den Tod vorgezogen?"

„Allerdings!"

„Fein, nächstes Mal werde ich dich krepieren lassen!"

„Ich bitte darum!"

Sie waren inzwischen dazu übergegangen, sich nur noch anzuschreien. Hermines Gesicht hatte hektische Flecken bekommen und ihre Stimme überschlug sich jedes Mal aufs Neue. Ihre Wangen waren feucht, ihre Haare lockten sich zunehmend und ihr ganzer Körper war ein einziges wütendes Zittern.

„Wie konnte ich jemals glauben, dass du auch nur einen Funken Anstand in dir hast?"

Severus schnaubte. „Sag du es mir! Mir ist es auch vollkommen unbegreiflich, wie du auf die verdrehte Idee kommen konntest, mich zu lieben." Er warf seine Arme in einer ausladenden Geste in die Luft und ignorierte die Schmerzen, die dabei noch immer durch seinen Rücken fegten.

Hermine schüttelte derweil ihren Kopf und quetschte sich an ihm vorbei zur Tür. „Mal ganz abgesehen davon, dass die Wirkung des Trankes bewiesen hat, dass das keine Einbildung ist, wäre es eine Möglichkeit, wenn du mal auf den Innerstes hören würdest!", spie sie ihm entgegen und hatte die Tür auf den Gang bereits ein Stück geöffnet, als er sie an der Schulter herum wirbelte und den Ausgang wieder verschloss.

Erneut nur ein kleines Stück von ihrem Gesicht entfernt, fragte er mit drohender Stimme: „Du sagst mir, was ich tun soll? Du?"

„Sieht so aus." Ihre Augenbrauen zuckten kurz nach oben.

„Und was sollte es mir bringen, wenn ich… auf mein Innerstes höre?" Er wiederholte ihre Worte so sarkastisch, dass es wirkte, als würden sie wie zäher Bubotubler-Eiter auf den Boden tropfen. Severus rümpfte die Nase.

Dann senkte sie allerdings ihren Blick dorthin, wo er widerwillig seinen Herzschlag spürte. Allein das war ihm schon unangenehm. Dass sie aber auch noch ihre Hand hob und sie auf genau diese Stelle seiner Brust legte, war eindeutig zu viel. Aufgebracht wollte er sie von sich stoßen, doch Hermine hielt ihn mit ihrer freien Hand zurück und presste die anderen nun fest auf sein Hemd. Erstaunt musste Severus feststellen, dass er ihrem Tun nichts entgegenzusetzen hatte.

„Sei still und spüre!", bat sie ihn mit ruhiger Stimme. Dabei hielt sie seinem bohrenden Blick stand, erwiderte ihn sogar sehr eindringlich.

Severus hatte gar keine andere Wahl, als ihrer Bitte Folge zu leisten. Er hörte auf sich zu wehren und konzentrierte sich auf das, was von ihrer Berührung ausging. Ein Gefühl von Wärme und ein seichtes Prickeln. Es breitete sich in ihm aus und erinnerte ihn an etwas, das er vor langer Zeit einmal empfunden hatte: Zuneigung, Verlangen, Sympathie.

Doch das waren nicht seine Gefühle. Sie waren vor wenigen Minuten noch nicht dagewesen und hatten eine fremde Note an sich. Es brauchte nur den Blick in Hermines Augen, um zu verstehen, dass sie ihm einen Einblick in ihre Gefühlswelt gab.

„Was soll das?", fragte er und versuchte die Schwäche aus seiner Stimme zu verbannen. Die Nachwirkungen des letzten Kampfes rotierten in seinem Körper und schienen jede einzelne Zelle in Brand zu setzen. Hier ging sehr mächtige, schwarze Magie ans Werk. Sie war in ihm. „Warum tust du das?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Ich tue es nicht freiwillig. Es liegt an dem Trank. Er hat eine Verbindung zwischen uns geschaffen."

Es gibt nichts, absolut nichts, was uns verbindet, Hermine! – Oh geliebte Ironie!

„Nein, das kann nicht sein." Seine Stimme war nicht mehr als ein Hauch und als sie ihn losließ, blieb er auf der Stelle stehen. Die Gefühle in ihm wurden schwächer, aber nun, da er sie bewusst empfunden hatte, spürte er, dass sie nach wie vor da waren.

„Wenn du dich nicht die ganze Zeit über daran festgehalten hättest, dass du es hasst, noch am Leben zu sein, hättest du es schon eher bemerkt", stellte sie nüchtern fest und wischte sich über das Gesicht. Ihre Finger zitterten unmerklich.

„Spürst du auch, was ich…"

Erneut schüttelte sie den Kopf. „Es ist eine Einbahnstraße. Du bist mir so unverständlich wie immer." Sie lächelte traurig.

Severus verzog das Gesicht, war aber erleichtert über diese Tatsache.

„Es tut mir leid, dass der Trank auch diese Wirkung hat. Ich wusste nichts davon. Aber ich habe gespürt, dass etwas anders war, von dem Moment an, wo der erste Tropfen in deinen Mund fiel. Wenn du nicht mehr mit mir zusammen arbeiten willst, musst du es sagen. Wir werden sicherlich einen Weg finden."

Über ihre plötzlich vorherrschende Sachlichkeit hinweg fühlte er sich absolut unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. Seine ganze Wut war verflogen, allein nur durch die Erkenntnis, dass sie sich nicht einbildete, was sie ihm gesagt hatte.

„Ich sollte jetzt besser gehen." Mit diesen Worten wandte sie sich um, Severus trat einen Schritt zurück und beobachtete schweigend, wie Hermine auf den Gang schlüpfte und verschwand.


TBC...