So, nach über 2 Jahren Pause ist es endlich soweit und ich kann eine neue Geschichte von mir veröffentlichen. Neben der Hoffnung, dass es überhaupt noch genügend Interesse an Harry Potter Fanfictions gibt, hoffe ich natürlich, dass euch mein folgendes Geschreibsel gefallen wird. Über Kritik, positiv wie negativ, freue mich mich immer, also bitte, sofern ihr die Story wirklich lest, lasst doch ein kurzes Kommentar per Review da, ich antworte auch. ;-) Die Geschichte hat insgesamt 7 Kapitel und sie sind im Groben ungefähr so lang wie dieses hier. Ich werde sie ab sofort jeden Freitag aktualisieren. Und nun genug der Vorrede.
Ein Tag in fremden Kleidern
Disclaimer: Alle zum Harry Potter Universum gehörenden Personen und Orte sind Eigentum von J.K. Rowling, einzig Ed und eine kleine Ecke Hogwarts' gehören mir. Geld verdiene ich keines, aber ein paar Reviews wären immer fein.
Inhaltsangabe
Eine große Klappe kann einen in die ungewöhnlichsten Situationen bringen. Genau das erlebt auch der Siebtklässler Ed, der es tatsächlich schafft (zugegeben mit Ginny Weasleys Unterstützung) Hermine Granger dazu zu überreden, einen Tag lang mit ihr Kleider und Körper zu tauschen - Vielsafttrank sei Dank. Dummerweise ist Ed seit etwa 2 Jahren damit beschäftigt, Hermine heimlich anzuhimmeln, was dem Ganzen eine besondere Würze verleiht. Aber nicht nur Eds eigene Gefühle sorgen für Kniffligkeiten, denn auch Ron Weasley findet plötzlich viel Mut für Geständnisse. Nur eines von vielen kleinen Problemen, mit denen Ed konfrontiert wird. Neben einigen festgelegten Regeln findet Ed zwischendurch aber problemlos Mittel und Wege, viel Spaß zu haben, auch wenn er für einiges davon einen für ihn hohen Preis zahlen muss.
Und dann steht für Ed am Ende noch eine ganz andere Erkenntnis...
Kapitel 1. Männerhass
Ed, der eigentlich Charles heißt, von seinen Freunden aber einfach nur Ed gerufen wird, hat seit jeher ein Problem, vielleicht könnte man es auch Schwäche nennen: Ed besitzt ein vorlautes und freches Mundwerk und diese Schwäche hat ihm in seinen bisherigen sechs Jahren auf Hogwarts schon so manchen unnötigen Ärger eingebracht. Woher genau er dieses eine seiner wenigen Talente geerbt hat, konnte er bisher nicht herausfinden, seine Eltern jedenfalls bestreiten seit seinem ersten Schultag an der Schule für Hexerei und Zauberei, dass sie daran Schuld seien. Zu seinem Glück lenkten die zwei rothaarigen Zwillinge Fred und George Weasley von seinen unbedachten und meist viel zu schnell ausgesprochenen Gedanken häufig erfolgreich ab, in dem sie irgend jemanden verhexten oder Streiche spielten, sodass Professor McGonagall all ihre Wut an ihnen auslassen konnte. So kam es, dass Eds persönlich geführte Liste über abgezogene Hauspunkte erst zwei Seiten füllte. Und Eds Schrift war keineswegs groß.
Da Fred und George für Ed bisher so oft unfreiwillig in die Bresche gesprungen waren, mochte Ed die beiden sogar ein winziges bisschen mehr, als seine Katze Abby, auch wenn er sie das natürlich nie spüren ließ. Eds siebtes und damit letztes Schuljahr hatte eigentlich sehr vielversprechend begonnen. Bei ihrer Fahrt mit den Kutschen hinauf zur Schule kommentierte er weder die neue Frisur von Alicia Spinnet noch ließ er es sich anmerken, ungeniert in den Ausschnitt von Katie Bell gelinst zu haben. Eine Tat, die ihm sonst mindestens anderthalb Sätze Wert gewesen wäre. Doch Ed hatte beschlossen, dass Seite drei seiner abgezogene Hauspunkte Liste in diesem letzten Schuljahr nicht mehr beschrieben werden sollte. Kein leichtes Unterfangen bei einem Notizblock mit fünfzehn Zeilen pro Blatt, bei dem bereits alle fünzehn beschrieben waren...
Bis in die letzten Tage des Septembers hinein hatte es Ed erfolgreich geschafft, niemanden - inklusive sich selbst - bloßzustellen, was Fred und George erstaunlich schnell feststellten und ihn bereits nach den ersten beiden Schulwochen fragten, ob mit ihm alles in Ordnung sei oder ob in seinem Sommer irgendetwas passiert war, das sein Leben vollkommen verändert hatte und ihn deshalb plötzlich schüchtern werden ließ. Eine Eigenschaft die sie sich, wie sie ihm versicherten, niemals vorstellen konnten. Erst gerade eben hatte ihm Fred im Vorbeigehen mit einem Zwinkern auf die Schulter geklopft, als er an Ed vorbeikam, der noch einmal die letzten Einträge seines Notizblockes durchlas, während er gemütlich auf einem Fensterbrett im Gryffindorgemeinschaftsraum lümmelte.
"Dreizehnter Mai, mein sechstes Schuljahr, Eintrag Nummer elf: fünfzehn Punkte Abzug von Professor McGonagall für despektierliches und niveauloses Verhalten gegenüber eines Mitschülers. Meine Tat: Potter gefragt, ob die Länge und Form seiner Blitznarbe auch Merkmal einer bestimmten Körperzone sei. Sonstige Bemerkungen: Potter lachte, McGonagall fast geplatzt vor Wut."
'Die guten Niveaulosen', dachte Ed und schmunzelte noch einmal über seinen bisher letzten Eintrag. Vielleicht war genau das der Grund, wieso er es bislang nie geschafft hatte, länger als einen Monat keine Punktabzüge zu kassieren; denn nicht genug, dass er seine Bemerkungen in Kategorien einteilte oder überhaupt schriftlich festhielt, musste er über die meisten von ihnen sogar beinahe Stolz grinsen. Er klappte den Block zu und ließ seinen Blick durch den Gemeinschaftsraum schweifen. Das Abendbrot war bereits vorüber und so hatten sich die üblichen Grüppchen gebildet. Rund um das Feuer saßen die meisten seiner Klassenkameraden aus der siebten Klasse, jeder von ihnen ein Buch und eine Feder in den Händen. Eine besonders hervorzuhebene Eigenschaft von Ed war, dass er seine Hausaufgaben ausnahmslos immer sofort und ohne zu warten meist nach dem Unterricht erledigte. Doch Ed kümmerten die Witzchen der Zwillinge über diesen Charakterzug keineswegs, draufgängerisch und strebsam waren seiner Meinung nach die perfekte Mischung für einen Jungen in seinem Alter. Und irgendwann mussten das auch die weiblichen Geschöpfe dieser herrlichen Welt bemerken.
Neben den Zweit- und Drittklässlern aus dem Koboldsteinclub entdeckte Ed seine bisher einzige Schwäche, die er sich bis zum heutigen Tage nicht hatte anmerken lassen. Und sollte er nicht den größten Fehler seines Lebens machen, würde es auch dabei bleiben. Während Harry Potter sich gerade mit der Schwester von Fred und George, Ginny Weasley, unterhielt, tat Hermine Granger das, was sie immer tat - sie las irgendein Buch und versteckte ihren mittlerweile nicht mehr ganz so buschigen Haarschopf dahinter. Und wie immer tat Ron, jüngster aller Weasley-Brüder, das, was er immer tat - Hermine verstohlene Blicke von der Seite zuwerfen. Genau was auch Ed immer tat, zumindest seit etwa zwei Jahren.
Hermine Granger war für Ed, wie für alle anderen Gryffindors - wenn nicht sogar alle Hogwartsschüler - eine Streberin, wie sie kein Buch hätte besser beschreiben können. Sie war viel zu oft eine unerträgliche Besserwisserin und schien auf alles eine Antwort geben zu können. Doch Hermine Granger war für Ed, genauso wie für Ron, das Mädchen mit den wohl schönsten Rehbraunen Augen der gesamten Schule. Immerhin war es nicht so, dass Hermine noch nie von ihm gehört hatte, dank seiner Sprüche kannte ihn das ganze Schloss, doch Ed war sich nicht so ganz sicher, ob dies für sein Liebesleben bisher wirklich zuträglich gewesen war. Allerdings hatte Ed es bisher nie geschafft, über seinen Schatten zu springen und Hermine einmal nicht blödsinnig von der Seite her anzuplappern. Was war das jedes Mal für ein Kampf, wenn eines der Hogsmeade-Wochenenden vor der Tür stand.
'Frag sie, ob sie mit dir auf ein Butterbier zu Rosmerta kommen würde.'
Aber irgendwie endete es dann doch wieder nur in einem "Hi, Potter, Weasley, Hi, Bücherwurm" oder, wenn Ed einen besonders guten Tag erwischt hatte: "Hi", gepaart mit einem unachtsamen Rempler gegen Hermines Schulter, inklusive schlecht gestammelter Entschuldigung.
Eds albernes Verhalten gegenüber Hermine war schon fast zur Tradition geworden, wenn es nach Hogsmeade ging. Doch im Großen und Ganzen kam Ed mit seinem kleinen Dilemma gut zurecht.
Während Ed darauf wartete, dass Hermine ihr Buch beiseite legte, standen Harry und Ron langsam auf und verließen den Gemeinschaftsraum. Bestimmt hatte sie das Quidditchtrainig zu sehr ausgelaugt. 'Immerhin ein Vorteil, wenn man eine Niete im Quidditch ist', sagte sich Ed im Stillen und stand ebenfalls auf, nachdem Harry und Ron verschwunden waren. Mit wenigen Schritten hatte er den Gemeinschaftsraum durchquert und sich in den freigewordenen Sessel neben Ginny und Hermine plumpsen lassen. Hermine sah nicht auf, nur Ginny bemerkte ihn. Bei ihr war es einfach, Ginny war so ziemlich das unkomplizierteste Mädchen, dass er kannte, wurde selten albern und gab einem irgendwie nie das dringende Verlangen, sich beweisen zu müssen. Er lächelte sie an und riskierte einen weiteren Blick zu Hermine. Der Titel ihres Buches ließ seine rechte Augenbraue wie von Zauberhand in die Nähe seines Haaransatzes wandern.
Warum das Leben einer Hexe ein Dutzend Mal komplizierter als das eines Zauberers ist - Mindestens einhundert Beweise, wieso es Frauen schwieriger haben, von Michelle Misandrie.
"Männerhass?", empörte sich Ed. "Und ich dachte, ihr beiden wärt in Ordnung. Wo hast du denn dieses Mistbuch her?", fragte er Hermine.
"Es war ein Geschenk", sagte sie ohne vom Buch aufzublicken.
"Wer verschenkt denn so einen Tinnef?"
"Von Ginny", beendete Hermine ihren Satz.
"Ich - Ähm, ich meine natürlich... Bestimmt interessanter Ansatz..."
"Spar's dir", unterbrach Ginny sein Gemurmel mit einem vernichtenden Blick, "Es ist ein Jucksbuch, wir hassen keine Männer, zumindest nicht alle."
Ed lachte unsicher, es klang mehr nach einem traurigen "Haha-ha", doch er fing sich schnell wieder.
"Mal ernsthaft, das kann man doch nicht wirklich meinen, ich mein, hallo? Als wäre es so schwer, den Tag als Frau zu überstehen, wo habt ihr es denn so viel schwieriger? Morgens vor'm Spiegel? Ich wette, ich könnte ohne Probleme eine Frau sein und mein Leben wäre kein, wie war das noch?", er warf einen weiteren Blick auf das Buch, "Dutzend Mal komplizierter!"
Es schien, als hätte sich eine winzige, gnomartige Gestalt auf Höhe seines linken Ohres platziert und würde ihn ständig mit "Weiter, weiter, weiter" anfeuern, denn Ed setzte nach: "Wie sieht's aus, ich tausche einen Tag lang mit Hermine die Rollen und wenn mein Leben vierundzwanzig Stunden später ein Höllentrip sein wird, wie es im Körper eines Mannes nie vorgekommen wäre, gründe ich persönlich einen Verein gegen die Unterdrückung der modernen Hexe und lade euch beide obendrein nach Hogsmeade ein."
Hermine senkte langsam das Buch und starrte ihn an, Ginny fing an zu grinsen.
"Deal?", fragte sie Ed breit grinsend.
Der Gnom auf seiner Schulter, der eine seltsame Ähnlichkeit mit der eines kleinen Teufels hatte, schien fast zu brüllen: "Jawoll!"
"Deal!", antwortete Ed und sie schüttelten sich die Hände.
"Ihr spinnt wohl, wie kommt ihr auf die Idee, dass ich bei so einem Unsinn mitmache?", sagte Hermine so laut, dass es plötzlich mucksmäuschen Still im Gemeinschaftsraum wurde.
"Psssst", kam es von Ginny und Ed im Chor. Alles starrte zu ihnen herüber.
Nach einigen peinlichen Blicken hob sich der Geräuschpegel langsam wieder und die verschiedenen Grüppchen nahmen ihre Gespräche wieder auf.
"Als Gegenwetteinsatz schlage ich vor, dass ihr einen schönen Brief an diese Autorin schickt und ihr mindestens je fünfundzwanzig Gegenargumente für ihre Buchthese liefert, plus ein Butterbier in Hogsmeade."
"In Ordnung", stimmte Ginny dem zu.
"Nichts ist in Ordnung", wandte Hermine ein. "Ich mach bei sowas nicht mit!"
"Wie kannst du zu Hermine werden und sie zu Ed?", überlegte Ginny laut und ignorierte Hermines proteste.
"Vielsafttrank", sagten Ed und sie erneut wie aus einem Munde.
"Hört ihr mir jetzt mal zu? Ich habe kein Interesse an eurem Deal."
"Hermine, stell dir das mal vor, du könntest einen Tag lang im Unterricht der Siebtklässler sein", sagte Ginny und schien genau die richtige Spur eingeschlagen zu haben. "Einen Tag lang nicht die einzige, die versteht, wodurch sich Transformation, Transfiguration und transzendentale Transzensens unterscheiden."
"Trans- was für'n Ding?", fragte Ed verwirrt.
"Klappe", murmelte Ginny leise.
"Gibt's das ganze Zeug überhaupt?", fragte er sie leise, doch sie antwortete nicht.
"Und du könntest dafür sorgen, dass die moderne Hexe von heute nicht länger unterdrückt wird", fügte Ginny als weiteres Argument an Hermine gewandt hinzu.
"Daran glaube ich doch eigentlich selbst nicht", meinte Hermine und winkte ab. "Ich nehm das doch nicht ernst... Selbst wenn ich bei eurem Spielchen mitmache, woher wollt ihr denn Vielsafttrank bekommen? Es dauert wochenlang, bis der Trank soweit ist."
"Na ja, wozu hat man denn zwei durchgeknallte Brüder, für die eine Bestellung Vielsafttrank kein Problem ist?", sagte Ginny, als wäre es das Logischste auf der Welt.
"Die beiden geben ihrer kleinen Schwester keinen Vielsafttrank", sagte Ed überzeugt. "Aber wenn ich sie frage, sollte das kein Problem sein."
'Gut mitgedacht', flüsterte das gnomige Teufelchen und rieb sich die Finger. Ed war vollkommen in seinem Element: Drauf losplappern, ohne über die Folgen nachzudenken.
"Wenn Ed den Vielsafttrank besorgen kann, machst du also mit?", fragte Ginny Hermine.
"Nur einen einzigen Tag?", sagte sie nachdenklich, "Wir legen Regeln fest, was erlaubt ist und was nicht und schwören, niemandem etwas zu verraten, egal was an diesem Tag alles passiert?"
"Ja."
Eine Pause trat ein, aber nicht lang genug, damit Ed seinen Verstand wieder einschalten konnte, um darüber nachzudenken, was er sich da gerade einbrockte.
"Okay", sagte Hermine schließlich.
Ginny klatschte in die Hände. Für sie schien diese Idee ein riesiger Spaß zu sein, sie griff sich beherzt ein Blatt Pergament und kramte nach einer Feder.
"Also gut, legen wir die Regeln fest. Der Rollentausch beginnt nach dem Frühstück und endet pünktlich zur Nachtruhe im Schloss. Ihr nehmt den Trank beide zugleich zu euch, am besten machen wir das im Klo der Maulenden Myrthe, da geht eh nie jemand rein."
Ginny schrieb den ersten Satz auf das Pergament.
"Man muss den Trank zu jeder vollen Stunde neu einnehmen, sonst verwandelt man sich wieder zurück, damit niemand heimlich aussteigt, treffen wir uns nach jeder Unterrichtsstunde auf dem Gang im ersten Stock oder in diesem Klo, Ginny sollte immer als Zeugin dabei sein."
"Klingt, als hättest du das schon ewig geplant", sagte Hermine misstrauisch.
"Ich sag nur, was mir gerade einfällt, mehr nicht", gab Ed zurück.
"Wie immer", nuschelte Ginny. "Weiter im Text, ich finde wir sollten festlegen, dass keiner von euch im Körper des anderen intim wird. Kein Gefummel, Geknutsche oder sonst irgendwas."
"Gut."
"Ich knutsch doch keinen Typen", sagte Ed angeekelt.
Die zwei Mädchen übergingen ihn.
"Noch irgendwas?"
"Wir sagen niemandem, absolut niemandem, was wir tun und machen auch keinerlei Andeutungen und wir bringen uns nicht in Schwierigkeiten. Ich habe keine Lust am nächsten Tag Strafarbeiten absitzen zu müssen, nur weil du wieder mal deine Klappe nicht halten konntest", sagte Hermine. "Kein Bloßstellen der Person, in die wir uns verwandeln und vor allem kein Kontakt zu Familienmitgliedern. Wir beantworten keine Post für den jeweils anderen und vermeiden alle möglichen Arten von Peinlichkeit."
Während Hermine lossprudelte, hing Ed an ihren Lippen, doch er hörte nur dumpf etwas von dem, was Hermine da sagte.
"In Ordnung?"
Als Ed nicht reagierte, gab ihm Ginny einen unsanften Stoß gegen seinen Oberarm.
"Äh, ja klar, sehr gut."
"Dann musst du nur noch den Vielsafttrank besorgen."
Als Ed wenig später die Treppen zum Schlafsaal hinauf stieg, schwirrte ihm der Kopf von dem Gespräch mit Ginny und Hermine. Es war, soweit er sich erinnern konnte, überhaupt das erste sinnvolle Gespräch mit Hermine gewesen. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wusste er gar nicht so wirklich, was die drei da eine Stunde lang ausgehandelt hatten, Ed war viel zu sehr damit beschäftigt, Hermine anzuschauen. Mochte sie ihn eigentlich? Oder konnte sie ihn im Grunde gar nicht ausstehen und nutzte die Gelegenheit, um ihm eins auszuwischen? Konnte die sonst so auf Korrektheit und auf das Einhalten von Regeln bedachte Hermine wirklich so hinterhältig sein? Es dauerte eine ganze Weile, bis Ed endlich Schlaf fand. Um kurz vor Mitternacht erklang ein gleichmäßiges Schnarchen im Schlafsaal der Siebtklässler, während der Mond endgültig durch die sich auflösende Wolkendecke brach.
Schon am nächsten Morgen bekam Ed die Gelegenheit, Fred und George wegen des Vielsafttranks zu fragen, denn die beiden waren gerade dabei, zusammen mit Lee Jordan eine Liste mit Zutaten der Gefahrengüterklasse C auszufüllen, um weitere Effektnaschereien wie Nasblutnugat oder Kotzpastillen zu entwickeln. Es war bezeichnend, dass keiner der drei Fragen stellte, wofür Ed Vielsafttrank brauchte. Lee setzte es einfach auf die Bestellliste und Ed ging frohen Mutes hinunter zum Frühstück in die Große Halle. Am Tisch der Gryffindors saßen bereits Hermine, Ron und Harry und auch Ginny schmierte sich schon eine Scheibe Marmeladentoast. Auch wenn es auffiel, dass sich Ed neben Ginny setzte, was er sonst nie tat, hinderte es ihn nicht daran, den gesamten Tisch unter großem Trara zu begrüßen. Ed schaufelte sich ein wenig Rührei auf einen Teller und als er sich den Krug mit Orangensaft griff, kündigte ein Rascheln über ihren Köpfen die Posteulen an. Harrys Schneeeule landete auf dem Tisch und er las gemeinsam mit Ron den Brief. Ed ergriff die Chance, riss ein Stück seines morgendlichen Tagespropheten ab und zauberte aus dem Nichts eine Feder hervor. Auf den kleinen Fetzen Pergament kritzelte er hastig:
Bestellung ist raus, Lieferung heute Abend
und schob ihn unauffällig Ginny zu, die ihn weiter an Hermine gab. Auf ihrem Gesicht zeichnete sich etwas Unsicheres ab und Ed war sich sicher, dass sie bereute, worauf sie sich eingelassen hatte. Ed versuchte ein Lächeln.
"Ihr kneift doch nicht etwa?", fragte Ginny auf die gequälten Blicke der beiden, wobei sie Eds gescheitertes Lächeln missdeutete.
"Das einzige, was ich kneife-"
"Wollen wir gar nicht wissen", fiel Ginny ihm eilig ins Wort.
Es war schon ein wenig komisch, doch Ed schien Hermine an diesem Tag öfter als sonst während der Pausen zu treffen. Immer wieder liefen sie aneinander vorbei, während sie die Klassenzimmer wechselten. Doch im Großen und Ganzen war es für Ed ein ganz normaler Schultag, der nur etwas zäher verging, als es sonst der Fall war. Nach dem Mittagessen trat Ed in einem Gang im zweiten Stock auf einen rosafarbenen Kaugummi - er tippte Druhbels Bester Blaskaugummi. Er brauchte fast die gesamte Verwandlungsstunde, bis er die zähe Masse von seinem Schuh entfernt hatte, irgendwie wollte kein Haushaltszauber den er kannte ihn entfernen. So kam es, dass er am Ende der Stunde keinen blassen Schimmer hatte, worum es heute überhaupt ging. Zu seinem Leidwesen stellte das auch Professor Flitwick fest, denn der schreckte nicht davor zurück Ed als einzigen der gesamten Klasse dran zu nehmen, um zu prüfen, ob sie den Zauber wirklich schafften. Der Versuch, Professor Flitwick weiszumachen seine Religion verbiete es ihm, diesen Zauber vor der gesamten Schulklasse vorzuführen, scheiterte ebenso, wie der anschließende Zauber selbst.
Ed betrat gerade wieder den Gemeinschaftsraum der Gryffindors, als er jemanden seinen Namen rufen hörte.
"Ed, komm mal rüber"
Es war Fred.
"Was gibt's?"
"Unsere Lieferung ist da, das hier", er hielt ihm ein kleines Päckchen hin, "ist deins, viel Spaß damit."
"Was bekommst du dafür?"
"Fünf Galleonen und zehn Sickel."
Ed schluckte, das war gerade so alles, was er noch hatte, der Rest lag sicher verwahrt in einem kleinen Verließ in Gringotts. Mit einem Päckchen mehr in der Hand und fünf Galleonen und zehn Sickel weniger im Geldbeutel wartete Ed auf Ginny und Hermine. Nachdem er fast eine Stunde lang gelangweilt aus dem Fenster gestarrt hatte, hörte er ihre Stimmen vom Porträtloch herüberwehen. Als sich Harry und Ron außer Sichtweite befanden, ging er zu ihnen hinüber.
"Mädels, es kann losgehen."
Und jetzt ein Review ;-)
