Na dann, auf zu meinem ersten Versuch in diesem Fandom! Und auf zu meinem zweiten Versuch meine Werke nicht nur bei und einzustellen. Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte.
Bitte beachtet, dass sie nach Last Sacrifice spielt. Solltet ihr das Buch noch nicht gelesen haben, kann ich nicht versprechen, dass ihr nicht über ein paar Spoiler stolpern werdet, auch wenn das letzte Band nicht allzu wichtig für meine Geschichte ist.
Achja, die Idee ist meine, die Charaktere, Handlungsorte etc. leider nicht. Obwohl, besser so, ich hätte nie sechs Bücher geschafft. =)
Und jetzt viel Spaß beim Lesen!
Erwachen
Du glaubst, dein Leben ist perfekt. Du hast hart dafür gekämpft, doch deine Träume haben sich alle erfüllt und nun willst du dieses Glück genießen. Du glaubst an ein glückliches Happy End. Dabei müsstest du wissen, dass es so etwas nur in Märchen gibt. Aber du bist jung und glücklich und glaubst, dass du für ein Leben genug durchgestanden hast und es das Schicksal jetzt gut mit dir meint. Wenn du ein bisschen genauer darüber nachgedacht hättest, dich etwas genauer umgeschaut hättest, dann hättest du gewusst, dass das Leben, das Schicksal, Gott oder wie auch immer du es nennen willst, nicht fair ist. Das Wort Gerechtigkeit ist die Erfindung eines Menschen, Morois oder vielleicht sogar Dhampirs, aber das Schicksal kennt dieses Wort nicht. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, dass du so naiv warst. So konntest du die glückliche Zeit genießen. Was hätte es geändert zu wissen, dass sie bald wieder vorbei sein würde?
Durch die Dunkelheit in meinem Kopf huschten Erinnerungsfetzen. Ich sah verschwommene Bilder von Lissas Krönungszeremonie, hörte ihre sanfte, aber feste Stimme, als sie den Schwur einer Königin leistete, sah ihren entschlossenen Blick. Dann entdeckte ich Dimitri, wie er neben meinen Eltern stand und mich voller Stolz anlächelte, seine Liebe zu mir deutlich wie nie zuvor in seinen Augen. Ich wollte zu ihm gehen und seine Stimme hören, die mir sagte, dass alles in Ordnung war, doch kaum versuchte ich mich zu bewegen, verschwammen die Bilder zu einem bunten Strudel und ich hatte das Gefühl zu fallen. Das Nächste, was ich hörte, waren entsetzte Schreie. Ich kämpfte darum aufzuwachen, denn inzwischen war ich sicher, dass ich schlief, doch mein Körper hatte offenbar andere Pläne. Wieder Erinnerungsfetzen. Lissa und ich liefen über den Unicampus. Ich rügt gerade das für sie verantwortliche Wächterteam, denn die Sonne war fast untergegangen und sie hatten sich von Lissa überreden lassen, sie noch nicht ins Wohnheim zurückzubringen. Meine Schicht war seit einigen Stunden zu Ende und Lissa gefiel es nicht, dass ich mich trotzdem noch um sie sorgte, statt meine Uniaufgaben zu erledigen.
„Ich bin vollkommen sicher mit den Vieren." Ich sah undeutlich, wie sie mit dem Kopf auf die Wächtergruppe deutete, die ungewöhnlich eng hinter uns her lief, doch meine Augen konzentrierten sich auf etwas anderes. Schatten in den Bäumen. Ein kleiner Funken der Übelkeit, die ich in solchen Momenten empfunden hatte, als ich noch schattengeküsst war, durchlief meinen Körper.
„Sofort ins Wohnheim!" Es war meine eigene Stimme, die diese Worte schrie. Die Stimme einer Wächterin, der man die panische Freundin nicht anhörte, als die sie sich fühlte.
Ich bewegte meinen Körper nicht bewusst, doch ich beobachtete, wie ich losrannte. Die Wächter hinter mir her, einen Kreis um Lissa bildend. Die Schatten wurden länger und ich verfluchte den Wald und seine schützenden Schatten, denn die Strigoi konnten uns problemlos folgen, wenn sie auch noch nicht auf die offene Wiese treten konnten. Wir erreichten das Wohnheim, als der letzte Sonnenstrahl am Horizont verschwand und für einen kurzen Moment spürte ich Erleichterung in mir, als Lissa vor mir im schützenden Hausinneren verschwand, in dem mehr als zwei Dutzend Wächter ihren Dienst taten. Dann spürte ich die kalten Hände eines Strigoi an meinem Hals.
Die Erinnerungsfetzen verschwanden, dafür kehrte mein Körpergefühl zurück. An den Kampf mit den Strigoi konnte ich mich kaum mehr erinnern, doch ich wusste, dass es kein einfacher gewesen war. Also stellte ich mich, als ich meine Gliedmaßen langsam wieder fühlen konnte, darauf ein, Schmerzen zu haben. Doch die Schmerzen kamen nicht. Im Gegenteil, ich fühlte mich besser, je mehr ich fühlen konnte. Mein Körper schien ausgeruht und voller Energie zu sein. Ich konnte meine Augen noch nicht öffnen, doch mir gelang es, tief einzuatmen, und ich war überrascht wie viele Gerüche in der Luft lagen. Ich roch Gras, Heu, verschiedene Bäume, ja sogar Tiere, deren Duft ich aber keiner bestimmten Rasse zuordnen konnte, weil ich deren Düfte noch nie so genau wahrgenommen hatte. Ich verlagerte meine Konzentration auf mein Gehör. Vögel. Blätterrauschen. Wind, der Gras rascheln ließ. Tiere, die durch Wälder huschten. Stimmen. Kalte, emotionslose Stimmen. Strigoi.
Ein Adrenalinschub erfasste meinen Körper und ließ mich die Augen aufreißen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen war ich auf den Beinen und stand in Verteidigungsposition, während meine Augen durch die Scheune huschten, in der ich gelegen hatte. Sie war groß, aber leer. Über mir auf dem Boden konnte ich das Heu erkennen, das ich zuvor gerochen hatte. Ich selbst befand mich an der Wand, die am weitesten vom Scheunentor entfernt war. Durch die kleinen Fenster, die zu hoch angebracht waren, als dass ich hätte hindurchsehen können, sickerte fahles Mondlicht in den Raum. Ich war allein. Die Stimmen kamen von draußen.
Unwillkürlich tastete ich meinen Körper nach einer Waffe ab, während ich verzweifelt versuchte mich zu erinnern, wie ich hier her gekommen war. Natürlich hatte ich keinen Pflock mehr bei mir. Frustriert schaute ich an mir herunter, um nach Verletzungen zu suchen, und mein Blick fiel auf meine unbedeckten Arme. Im ersten Moment wusste ich nicht, was mit ihnen nicht stimme, doch dann wurde mir ihre ungewöhnliche Blässe bewusst. Dank dem Erbe meines Vaters hatte ich trotz der fehlenden Sonneneinwirkung selbst für einen Dhampir relativ dunkle Haut, doch nun wirkte sie ungewöhnlich blass. Nicht einmal nach großem Blutverlust hatte ich erlebt, dass sie so kränklich wirkte. Wahrscheinlich konnte ich gerade mit meinem Vater und seiner typischen Moroiblässe unter der braunen Haut konkurrieren. Oder sogar mit einem Strigoi.
Kaum war mir dieser Gedanke durch den Kopf gegangen, schoss meine Hand nach oben und legte sich auf meinen Mund. Meine Augen weiteten sich, als die Erkenntnis auch in meinem Gehirn ankam. Die Gerüche, die ich wahrnahm. Die Dinge, die ich hörte. Die Schärfe, mit der ich sah. Mein Körper, der sich entgegen jeder Logik kein bisschen schwach oder verletzt anfühlte. Ich unterdrückte ein Wimmern und zwang mich meinen Mund zu öffnen und mit meiner Zunge vorsichtig über meine Zähne zu fahren. Ein Schauer durchlief mich, als ich die beiden scharfen Eckzähne fühlte, die so völlig untypisch für meine Rasse sind. Nein, nicht für meine Rasse, korrigierte ich mich verbittert. Für Dhampire. Ich war keiner mehr.
Mein Körper begann zu zittern und ich ließ mich wieder auf den Boden fallen. Meine Hände gruben sich in meine Oberschenkel und nach einigen Sekunden fühlte ich meine Nägel, die durch den Hosenstoff bis zu meinem Fleisch vorgedrungen waren. Wieder schaute ich an mir hinunter. Ich wusste nicht, wohin meine schwarze Jacke verschwunden war, doch abgesehen von ihr trug ich immer noch die Kleidung einer Wächterin. Diese Nebensächlichkeit hätte mir sicher die Tränen in die Augen getrieben, wenn Strigoi wirklich dazu fähig gewesen wären, zu weinen. Ich würde nie wieder eine Wächterin sein. Das Recht, diese Kleidung zu tragen, hatte ich verwirkt. Unwillkürlich tauchte Lissas Bild vor mir auf und ich biss mir auf die Unterlippe, um ein Schluchzen zu unterdrücken. Ich konnte nur hoffen, dass sie in Sicherheit war, aber ich würde sie nie wieder sehen können, um mich davon zu überzeugen. Genauso wenig wie Dimitri. Ich zog meine Knie an meinen Oberkörper, weil ich das Gefühl hatte, innerlich auseinanderzufallen.
Dimitri.
Noch vor wenigen Monaten war er es gewesen, der diese Verwandlung durchgemacht hatte. Ich hatte ihn gejagt, weil es das gewesen war, was er gewollt hätte. Würde er jetzt mich jagen? Was würde ich ihm antun, wenn er im Kampf gegen mich unterlag?
Das Zittern meines Körpers wurde beim Gedanken daran, was ich ihm antun könnte, stärker, doch eine winzige Stimme in mir rettete mich davor die Kontrolle zu verlieren.
Diese winzige Stimme fragte mich, warum es mich noch interessierte. Ich war eine Strigoi. Das Einzige, was mich interessieren sollte, war meine nächste Mahlzeit. Stattdessen war mir der Gedanke an Blut noch gar nicht gekommen. Und Dimitri, Lissa, Christian oder überhaupt irgendeinem Moroi oder Dhampir ein Haar zu krümmen, erschien mir noch genauso falsch und unvorstellbar wie zu der Zeit, als ich noch ein Dhampir gewesen war.
Ich runzelte die Stirn und dachte unwillig an meine Zeit in Dimitris Gefangenschaft. Hätte ich dasselbe mit ihm tun können, was er als Strigoi damals mit mir getan hatte? Nein, das könnte ich nicht. Selbst jetzt nicht. Selbst der Gedanke an ihn als Strigoi war mir nach wie vor zuwider. Was hatte das zu bedeuten?
Verwundert hob ich meine Hände, starrte auf die blasse Haut, ertastete mit der Zungenspitze meine scharfen Zähne und überprüfte meine hyperempfindlichen Sinne. Irrtum ausgeschlossen, nach außen hin war ich definitiv eine Strigoi. Aber irgendetwas war bei dieser Verwandlung nicht so verlaufen, wie es üblich war. Innerlich fühlte ich mich noch immer wie ein Dhampir. Meine Mundwinkel zuckten nach oben. Es war nicht das erste Mal, das für mich etwas absolut nicht wie erwartet lief. Doch ausnahmsweise war ich froh darüber.
