Titel: Entgegen ihrer Bestimmung Teil: 1 Autor: Mara Email: kargmin@yahoo.de Spoiler: Pilot Rating: PG -13 Zusammenfassung: Ihre Gene machten sie zur X5. Aber im Gegensatz zu ihren Geschwistern sind bei ihr nur die nachteiligen Gensequenzen der X- Serie ausgeprägt. Ein (fast ) normales Mädchen auf der Flucht vor Manticore. Pairing: ? Kategorie: AU Disclaimer: Die Story gehört mir, der Rest von DA nicht. A/N: Versuch mich mal an einer neuen Art von AU. Hoffe, sie gefällt euch. Gebt bitte Feedback

Entgegen ihrer Bestimmung

Also wie war das noch? Ein X-5 ist stark, übermenschlich schnell und besitzt überaus scharfe Sinne. Was aber ist, wenn eines der Babys, welche unsere Leihmütter zur Welt brachten, nicht die Vorteile, sondern nur die Nachteile der X- Serie genießt? Wenn dieses Baby sich als ein absoluter Fehlschlag erweist? Das zwar Schüttelanfälle bekommt und dreimal im Jahr unter den alles bezwingenden Drang, sich fortzupflanzen leidet, aber ansonsten vollkommen normal ist? Bei meiner Geburt müssen die Gentechniker in Manticore regelrecht entsetzt gewesen sein. Im Gegensatz zu meinen Geschwistern bestand ich nämlich keinen ihrer Tests. Sie hätten mich wohl sofort getötet -wozu viel Geld in das Training eines Soldaten stecken, der nicht die Erfolge der X- Serie bringt? - wenn nicht mein Vater gewesen wäre. Oh, natürlich nicht mein richtiger Vater. Keine Ahnung, wie viele Menschen und Tiere Manticore die DNA lieferte, aus der ich entstand. Nein, jener Mann war Dr. Christian Kasrimar, ein Sohn deutscher und indischer Einwanderer. Er überzeugte die Verantwortlichen von Manticore, dass es ein Fehler wäre, mich zu töten. Immerhin wäre ich ja auf meine Art einzigartig. Schließlich willigten sie ein, mich seiner Verantwortung auszuhändigen. Wer weiß, vielleicht würden sich meine Gene ja noch irgendwie entwickeln? Und so wuchs ich denn bis zu meinen 6.Lebensjahr in seinen Haus auf. Obwohl es auf den Grundstück von Manticore stand - nichtsdestotrotz war ich ja eine X5, die man nicht einfach frei herumlaufen lassen konnte - war ich für 6 Jahre im Gegensatz zu meinen Geschwistern regelrecht frei. Bis zu dem Tag, an dem mein Vater aus irgendeinen Grund das Missfallen seiner Bosse auf sich zog. Und sie ihn töteten. Ich weiß nicht, was genau geschah. Ich erinnere mich nur noch daran, wie eines morgens anstelle meines Vaters Soldaten in mein Zimmer kamen. Und so endete meine Freiheit.

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"Au." , vor Schmerz schreiend zuckte ich zurück. "Das kann doch nicht wahr sein." Frustriert stand 382 vor mir. "Was für ein Soldat bist du denn? Das war ja noch nicht mal ein richtiger Schlag!" "Der mir den Arm gebrochen hat" heulte ich. Wir standen auf dem Übungsplatz beim morgendlichen Kampftraining. Was vor dem Ausdauerübungen am Vormittag kam. Vor den nachmittaglichen Feldübungen und den abendlichen Schulstunden. D.h. was Manticore unter Schule verstand. "Ausserdem will ich nach Hause." Ich war damals wirklich noch ein Kind. Der Tod meines Vaters und die darauffolgende Zuteilung zur Einheit im Block 11 hatte ich immer noch nicht verkraftet. Manticore wollte wohl unbedingt niemanden verschwenden, den sie immer noch als Kanonenfutter benutzen konnten. Es war ein himmelhoher Unterschied zwischen den Spielen in der warmen Atmosphäre von Vaters Haus und diesen schmerzhaften Kampfübungen mit meinen Geschwistern. Ich hatte immer noch nicht wie diese gelernt, zu schweigen und ein disziplinierter Soldat zu sein. Mittlerweile heulend saß ich also auf den Hallenboden. "638, 382, Meldung machen!" Oh je, die Wache nahte. "Sir!" 382 stand hab acht. "Das befohlene Trainingsprogramm ist aufgrund der mangelnden Kooperation X5- 638 nicht durchführbar." "638, deine Leistungen sind außerordentlich minderwertig, wie überhaupt deine ganze Konstruktion. Man hat aber trotz allem beschlossen, dir eine Chance zu geben. Wie soll ich deine Weigerung verstehen?" Ich saß immer noch auf den Boden. Das Habachtstehen hatte ich noch nicht gelernt. Deshalb trat der Wächter mich brutal in die Seite. Der Schmerz verriet mir, dass mindestens eine Rippe dabei brach. "Aufstehen!" Er zerrte mich hoch. Schluchzend stand ich vor ihm und versuchte ungeschickt 382s Haltung nachzuahmen. Als ihm klar wurde, dass ich nicht antworten würde, winkte die Wache zwei seiner Kollegen herbei. "Bringt sie weg. Vielleicht verändert sich ihr starres Verhalten, wenn sie in Ruhe nachdenken kann." Was nichts anderes hieß, als dass sie mich in eine Einzelzelle steckten Habt ihr schon mal ein 6-jähriges Kind, was sein Zuhause verloren hatte und von oben bis unten durchgeprügelt worden war, für zwei Wochen in Einzelhaft gesteckt? Es heißt, sogar Erwachsene würden dabei wahnsinnig werden. Die Zelle hatte keine Ecken. Sie waren abgerundet worden und die Tür fügte sich nahtlos in den Wänden ein. Es gibt kein Licht, keine Fenster, ausser einer kleinen Luke, durch der sie das Essen geben. Und selbst dann fällt dadurch kein Lichtschein, weil der Raum vor der Zelle dunkel ist. Du kannst stundenlang dort im Kreis gehen und findest doch keinen Ausweg. Diese Zeit verändert dich. Meine X5-Gene, so schwach sie auch ausgeprägt waren, retteten mich vor den Wahnsinn. Auch später halfen sie mir noch, als sie bei anderen Bestrafungen die Zelle unter Wasser setzten, um meine Willen zu brechen. Dabei war er schon längst gebrochen. Als ich 14 Tage später die Zelle verließ, war mir alles egal. Ich wollte nur noch überleben. Und das versuchte ich, so gut es eben ging. Schläge waren mir egal, die Verachtung meiner Geschwister war egal, die aus Frust über meine mangelnde Leistungen anberaumte Bestrafungen waren mir egal. Nur noch eine Schritt nach dem anderen gehen. Die nächste Minute überstehen. Einen Tag weiter leben. Denn auch das war ein Fluch der X5, der bei mir stark ausgeprägt war: Der Wille zum Überleben. Denn wer will Soldaten, die sich kampflos in ihr Schicksal ergeben? Ich setzte meine ganze Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels. Im Winter 2009 fand ich es.

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Nach zwei langen Jahren unter dem Drill Manticores hatten sie mich wieder in eine andere Gruppe gesteckt. Ein letzter Versuch, meine Leistungen zu verbessern. Ein weiteres Versagen, nun ja, man wußte, was das in Manticore bedeutet. Die neue Gruppe war eine der besten. Irgendwie hatten sie es geschafft, selbst den schwächsten Gruppenmitgliedern zu einer Leistungssteigerung zu verhelfen.

In jener Nacht lag ich wie immer wach. Ich konnte selten schlafen. Noch ein Fluch des Katzengens. Deshalb hörte ich auch, wie die Schüttelanfälle 452 befielen. Die Anderen versammelten sich besorgt um sie. Wir wußten, diesmal würden die Wächter sie nicht verschonen. Als 599 beschloß auszubrechen, lag ich immer noch in meinen Bett. Ich gehörte ebensowenig dieser Gruppe an wie den Anderen zuvor, in die sie mich gesteckt hatten. Nur 599 unterhielt sich manchmal mit mir über das, was wir alle ehrfürchtig "Draußen" nannten. Aber leider konnte ich ihm nicht viel erzählen. Ich hatte ebensowenig die Grenzen Manticores überschritten wie er. Nur vom Leben bei meinem Vater konnte ich ihm berichten, was sich trotz allem so sehr von dem unseren unterschied. Anscheinend reichte ihm das aber, um den Entschluß zu fassen, draußen sei alles besser. Ich war die letzte, die den Schlafsaal verließ. Als die Anderen nach Eves Tod aus dem Fenster sprangen, mußte mich 569 auffangen. Andernfalls hätte ich den Sturz nicht überlebt. Der Schnee war kalt unter meinen Füßen. Die Anstrengung, hinter den Anderen herzurennen, verhinderte mein Erfrieren. So verlor ich sie nur aus den Augen, was mein Glück war. Unsere Verfolger rechneten nicht damit, dass ein X5 soweit hinter den Anderen zurückbleiben könnte. Sie übersahen mich, als sie in ihrer Hast die Anderen einzuholen an den Schneehaufen vorbeifuhren, hinter dem ich mich verbarg. Dann rappelte ich mich auf und stürmte keuchend in die entgegengesetzte Richtung. Zurück nach Manticore. Ich umrundete die Gebäude in einem weiten Bogen und drang auf ihrer Rückseite in den Wald ein. Die Angst verlieh mir dabei Kräfte, die meine Geschwister von Geburt an besitzen. Irgendwann erreichte ich durchgefroren und halbtot eine leerstehende Holzfällerhütte. Die zurückliegenden Stunden waren mir nur noch als eine endlose Odyssee durch die Kälte im Gedächtnis zurückgeblieben. Da Überlebendstraining, was Manticore unter so grossen Anstrengungen versucht hatte, mir einzubleuen, war letztendlich doch zum Vorschein gekommen. Ich traute mich in der alten, muffig riechenden Hütte kein Feuer anzufachen, obwohl meine Hände und Füße schon die weißen Stellen des Gefrierbrandes zeigten. Stattdessen wickelte ich mich zitternd in alte, löchrige Decken, die ich fand und schlief übermüdet in einer Ecke ein. Anscheinend war ich doch kein so kompletter Fehlschlag, denn als mich Stunden später die Morgendämmerung weckte, war ich zwar hungrig aber immer noch am Leben. Sogar die Erfrierungen waren verschwunden.
FORTSETZUNG FOLGT

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