Ladykiller

Staffel 9, Folge 20

Geschrieben von Meg Moore

Übersetzt von crazysecondname, kbrc87 und Copop83

Gegengelesen von AnChager

Der nachfolgende Text ist eine fiktive Geschichte von Autoren ohne jegliche Beziehung zur ABC-Sendung „Castle". Erkennbare Charaktere sind Eigentum von Andrew Marlowe und ABC. Namen, Orte und Geschehnisse sind Produkt der Kreativität des Autors oder werden fiktiv genutzt. Jegliche Ähnlichkeit zu tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Unternehmen, Firmen, Ereignissen oder Örtlichkeiten ist rein zufällig.


Kapitel 1

Claudia nahm sich Zeit, während sie langsam die Treppe zur Penthouse-Etage hinunter ging, hastete davon, um ein paar Momente ungestört zu sein. Die Party auf dem Dach neigte sich dem Ende, aber es war fast drei Uhr morgens und sie brauchte eine Pause. Ihre Chefin, Mrs. Danica, hatte sich bereits verabschiedet, also würde es keinem auffallen oder interessieren, wenn sie für ein paar Minuten nicht zu ihren Aufgaben zurückkam. Vielleicht konnte sie in den Vorratsraum schleichen und ein oder zwei Zigaretten rauchen, während sie die Zeit totschlug. Alles, um den übrigen Partygästen aus dem Weg zu gehen, einer Gruppe von jungen, betrunkenen und verzogenen Bälgern, alles Freunde von Mrs. Danicas Sohn Niles.

Aber Claudia beschwerte sich nicht. Sie hatte angefangen für Mrs. Danica zu arbeiten, gerade als ihr milliardenschwerer Vater gestorben war und sie ihr Erbe erhalten hatte, und war seitdem bei ihr geblieben, denn gute Behandlung und hohes Gehalt taten viel für Loyalität. Sie würde Mrs. Danicas unerträglichen Sohn und die Reihe an Ehemännern (und Liebhabern) tolerieren, denn ihre Chefin war gut zu ihr und stellte sicher, dass gut für sie gesorgt war. Im Gegenzug führte Claudia den Haushalt mit Effizienz und Diskretion.

Als sie lange genug getrödelt und endlich den Absatz erreicht hatte, schritt Claudia durch die Glastür, die zur Küche führte um sich etwas zu trinken zu holen, bevor sie in den Vorratsraum schlich und eine Zigarette genoss.

Die Lichter in der Küche waren gedimmt, die Caterer hatten schon lange aufgeräumt, nur die Barkeeper waren oben noch anwesend. Sie nahm sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und drehte sich um, um zum Vorratsraum zu gehen, als sie im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Sie drehte sich um, dachte es wäre Mrs. Danicas Katze, Mimi, und auf einmal fragte sie sich, ob jemand daran gedacht hatte sie heute zu füttern, aber… es war nicht Mimi. Es war definitiv nicht die Katze.

Mrs. Danica lag auf dem Boden neben der massiven Kücheninsel, eine Blutlache breitete sich um ihren Körper aus je länger Claudia dastand und sie anstarrte. Zweifellos das Produkt des Küchenmessers, das aus ihrem Rücken ragte. Und neben Mrs. Danica war ihr momentaner Ehemann, Mr. Peter, der sich über sie beugte und nach ihrem Puls suchte. Aber selbst im gedämpften Licht der Küche konnte Claudia Mrs. Danicas offene, aber leer blickende Augen sehen, glasig und für immer in dieser Position erstarrt. Sie hatte keine Zweifel, dass die Frau tot war.

Sie hob ihre Hände um ihr Keuchen zu verdecken, das sie nicht unterdrücken konnte, und ließ die Flasche zu Boden fallen. Das Plastik hüpfte geräuschvoll und rutschte in die Ecke des Raums. Mr. Peters Kopf fuhr in die Höhe und drehte sich zu ihr, als wäre er aus einer Trance erwacht, und seine Augen weiteten sich zu der Größe von Untertassen, huschten zwischen dem Körper auf dem Boden und der Haushälterin hin und her.

„Oh Gott, Claudia! Nein, Sie müssen verstehen, das ist nicht, wonach es aussieht! Ich schwöre! Ich habe sie so gefunden!"

Claudia hörte den letzten Satz durch die geschlossene Tür des Vorratsraums. Sie wählte bereits die Nummer der Polizei, als sie sie hinter sich verschloss.


Das Schlafzimmer war bereits hell erleuchtet, als Kate ihre Augen aufschlug. Sie schaute über ihre Schulter auf die Uhr auf dem Nachttisch und warf ihre Arme wie eine Katze über ihren Kopf, streckte ihre Wirbelsäule und schob ihren dicken Bauch nach vorn. 9:43 Uhr am Morgen? Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so lange geschlafen hatte. Ihre Kleine war erstaunlich ruhig diesen Morgen, so wie ihr Vater, und ernsthaft, wo war er überhaupt? Er hatte sie erst letzte Nacht damit aufgezogen auszuschlafen und den ganzen Tag mit ihr im Bett zu gammeln, jetzt wo sie offiziell im Mutterschaftsurlaub war. Sie hatte erwartet, dass er noch neben ihr liegen würde, leise schnarchend, oder vielleicht schon wach und etwas auf seinem iPad lesend, seine Hand auf ihrem Bauch, die leichten Bewegungen ihrer Tochter unter der Oberfläche fühlend.

Stattdessen war er nirgends zu sehen und das Loft war still, aber da kam ein deutlicher Geruch nach Kaffee aus der Richtung der Küche und es dauerte nicht lange, bis sie aus dem Bett und in ihren Morgenmantel schlüpfte. Nachdem sie sich erleichtert und erfrischt hatte, traf sie die bewusste Entscheidung ihr Spiegelbild nicht zu betrachten und stattdessen nach ihrem Ehemann zu suchen. Sie schlurfte ins Wohnzimmer und sah ihn sofort, wie er mit der Zeitung vor sich an der Bar saß, ein dampfender Becher in seinen Händen. Sein Kopf wandte sich in dem Moment zu ihr, in dem er sie wahrnahm, ein schläfriges, ehrfurchtsvolles Lächeln erhellte sein Gesicht, während er sie betrachtete.

„Mmmm-mmm-mmm, guten Morgen meine unglaublich sexy Frau." Seine letzten Worte wurden zu seinem Summen, als er sie zwischen seine Beine zog und sein Lächeln auf ihres drückte, eine Hand an ihrer Hüfte, die andere auf ihrem Oberkörper. In der 39. Schwangerschaftswoche und gerade aufgestanden, war sie ziemlich sicher, dass sie aussah wie ein großer Wal, aber Castle hatte nur Augen für sie. Eine Tatsache, an die er sie regelmäßig mit seinen Worten und seiner Berührung und der Art, wie er sie ansah, als wäre sie Alles, erinnerte.

Sie konnte nicht anders, als sich an einen Moment in Dr. Kowalewskis Wartezimmer zu erinnern, als sie neben einer Frau saß, die ihren Kopf mit Horrorgeschichten darüber gefüllt hatte, wie ihr Ehemann aufgehört hatte sie anzufassen, sobald man die Schwangerschaft sehen konnte. Sie hatten seit Monaten keinen Sex und Kate (die einen oder zwei Monate weiter war) konnte es der Frau nicht antun ihr zu sagen, dass ihr Ehemann an diesem Morgen eine ganze Reihe obszöner Dinge mit ihr getan hatte. Sie hatte ihren Mund geöffnet, aber kein Ton kam hervor, ihr Verstand war wie leergefegt und ihre Wangen erröteten bei dem Gedanken daran, was sie nur Stunden vorher in der gemeinsamen heißen Dusche getan hatten. Schwester Susan hatte den Tag gerettet, als sie Kate zu ihrem Termin aufrief und sie davor bewahrte zuzugeben, dass sie diese Erfahrung nicht nachvollziehen konnte, dass ihr Ehemann seine Hände nicht von ihr lassen konnte.

Wenn sie sich je fragte, ob Castle je ihres sich ewig verändernden schwangeren Körpers müde wurde, war die Antwort ein ziemlich lautes Nein.

Er behielt seine Hände locker um sie, als sie einen Schritt zurücktrat, hielt sie nah. „Hey Schlafmütze. Wie fühlst du dich heute Morgen?", murmelte er und hob eine Hand um ein paar Strähnen aus ihren Augen zu wischen.

„Mmm, gut. Ich habe wie ein Stein geschlafen und bin nur zweimal aufgestanden um auf die Toilette zu gehen, statt meiner gewöhnlichen fünfmal." Sie lächelte und verdrehte ihre Augen über die Absurdität von Schwangerschaft. Sie hatte sich mittlerweile an die ständigen Trips ins Bad gewöhnt.

„Nicht mehr lange, Schatz. Lily muss nur noch eine Woche oder so backen und dann hast du deine Blase zurück. Bis zum nächsten Baby, natürlich…", trällerte er, sein neckender Ton verwandelte sich in ein unmännliches Quieken, als sie ihn scharf in die Rippen kniff.

„Pass auf, was du sagst, Richard Castle. Ein Baby nach dem anderen." Sie fuhr mit einer Hand liebevoll über ihren Bauch und er lachte los, konnte nicht widerstehen sich vorzubeugen und einen Kuss auf ihre Lippen zu drücken. Dann ließ er sie los, hüpfte vom Hocker und schlenderte in die Küche um ihren einmal-am-Tag Latte zuzubereiten, während sie sich auf den warmen Platz setzte, der gerade noch seiner war.

„Also Beckett", warf er über seine Schulter, „Du bist offiziell im Mutterschaftsurlaub. Du hast genau Null captainsche Aufgaben für heute zu erfüllen."

„Captainsche?"

„So wie die Aufgaben, die von einem Captain erfüllt werden, also ja, captainsche." Jetzt war er an der Reihe seine Augen zu verdrehen. „Alle Details für die Veröffentlichung des Buchs sind fertig. Bis morgen Abend besteht unsere einzige Aufgabe darin uns zu entspannen. Bitte gewöhn' dich an die Vorstellung von mir verhätschelt zu werden."

„Und was beinhaltet von dir verhätschelt zu werden?", schmunzelte sie.

„Was immer du willst", rief er, während er die Milch aufschäumte. „Ooooh, wie wäre es mit einer Höhle? Oder einen Filmmarathon? Warte, nein… ein Filmmarathon in einer Höhle. Mit Snacks!" Seine Augen glänzten mit unverhohlener Freude.

Auf einmal konnte sie es so messerscharf sehen, eine Vision, was die Zukunft für ihr kleines Mädchen bereithielt. Lily war jetzt schon mit dem besten Dad der Welt gesegnet; sie wusste es nur noch nicht. Er war derjenige, der das Feuer ihrer Vorstellungskraft schürte, derjenige, der Feenteeparty mit ihr spielen würde, komplett mit glitzernden Schmetterlingsflügeln und Diademen. Er würde sie auf Marsmissionen mitnehmen ohne überhaupt das Wohnzimmer zu verlassen. Oder vielleicht würde er sich nur die Zeit nehmen Chocolate-Chips-Kekse mit ihr zu backen. Seine väterliche Seite war eines der ersten Dinge, von denen sie sich angezogen gefühlt hatte und wenn diese Qualitäten durchkamen? Nun, er war nicht der einzige, der Probleme hatte seine Hände bei sich zu behalten.

„Und vielleicht… können wir in der Höhle ein bisschen rummachen?"

Castle drehte sich mit ihrem dampfenden Latte um, grinste wie ein kleines Kind. „Wirklich? Willst du?"

„Ja. Ich meine, das Kinderzimmer ist so gut wie fertig. Und du hast selbst gesagt, die Buchparty ist geplant. Ich weiß sogar, was ich anziehe. Es gibt nichts zu tun, also… ja! Warum nicht?", lächelte sie und zuckte mit den Schultern, als er ihr die Tasse reichte. Sie nahm einen langen, dankbaren Schluck und mmm, okay… seine Kaffeekochkünste waren vielleicht der wirkliche Grund, warum sie sich in ihn verliebt hatte.

Aber wenn sie ganz ehrlich war, es fühlte sich gut an sich ein bisschen gehen zu lassen und wie sie sagte, warum nicht? Ihr Baby konnte jetzt jederzeit sicher geboren werden, also war es nur eine Frage der Zeit. Sie wusste am Horizont standen Veränderungen. Dinge würden sich ändern. Sie würden sich ändern. Es war nicht, dass sie fürchtete, was auf sie zukam und ihr Ehemann, der tatsächlich Erfahrung darin hatte ein Kind großzuziehen (und dazu noch ein ziemlich großartiges Kind), hatte nichts außer das allergrößte Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Nichts davon änderte die Tatsache, dass es alles neu für sie war. Egal, wie viel Recherche sie betrieb, egal, wie viele Elternratgeber sie las, es gab einfach so viel… Unbekanntes. Über die Jahre hatte Castle etwas von seiner Vorliebe für Mysterien an sie übertragen, aber es war immer noch (und würde es immer sein) in ihrer Natur sich gut vorzubereiten, und es gab nichts, worauf man sich bei der Unberechenbarkeit des Elternseins vorbereiten konnte. Nicht wirklich.

Er streckte sich über die Kücheninsel und verschränkte seine Finger mit ihren, drückte ermutigend zu und lächelte sie ruhig an. „Hey. Denk nicht zu sehr an die ‚Was, wenn's', Beckett. Du wirst eine wunderbare Mom sein. Lass uns einfach die Zeit vor Lilys Geburt genießen."

Sie erwiderte sein Lächeln. Süßer Mann… er wusste es einfach immer, oder? Sie zog an seiner Hand und wollte gerade vorschlagen mit dem Frühstück anzufangen und sich für ein Thema ihres Filmmarathons zu entscheiden, als sie sich beide zum Geräusch von Schlüsseln in der Tür wandten.

„Erwarten wir jemanden? Haben wir eine Benachrichtigung bekommen?", fragte sie sich laut.

Castle schaute auf das iPad, das auf der Anrichte stand und tippte auf den Bildschirm um ihre neue Sicherheits-App für das Loft zu öffnen. „Haben wir. Ich muss gerade die Milch aufgeschäumt haben, als sie reinkam und wir haben sie nicht gehört. Alexis ruft normalerweise an oder schreibt eine Nachricht, bevor sie herkommt, also ist es wahrscheinlich Mutter, uuuund… yep! Bingo!"

Er drehte das Tablet mit einem Seufzen und einem resignierten Kopfschütteln in ihre Richtung, damit sie die Überwachungsaufnahmen von Martha im Flur sehen konnte und sie reagierte mit seinem Lächeln und einem Schulterzucken. Kate wusste so gut wie er, dass Martha ihren eigenen Kopf hatte, wenn es um solche Dinge ging und sie kam zu Besuch, wann immer es ihr passte. Wundersamerweise hatte sie über die Jahre nur eine Handvoll intimer Momente unterbrochen.

Einen Moment später kam Martha durch die Tür, ein Wirbel roter Haare und eine Wolke teuren Parfüms und wogender, farbiger Seide. Ihre Arme waren überladen: eine riesige Handtasche hing von einem Arm und mehrere Einkaufstüten vom anderen. Martha wusste noch immer, wie man einen Auftritt hinlegte, egal, wie klein die Bühne war.

„Hallo und guten Morgen, meine Lieben!" Die Armbänder um ihre Handgelenke klackerten und sie beförderte die Taschen von ihren Armen auf den Esstisch, ging zu Kate um sie zu umarmen und dann um die Kücheninsel um ihren Sohn zu begrüßen. „Wie geht es meinem Lieblingssohn und meiner Lieblingsschwiegertochter diesen Morgen? Und wie geht es meiner neuen Enkelin, jetzt wo du im Mutterschaftsurlaub bist, Katherine?"

„Uns geht es gut, Martha, danke. Beim letzten Termin sah alles gut aus. Wir wollen nur die letzten ruhigen Tage genießen, bevor Lily da ist."

„Ausgezeichneter Plan, ihr zwei!", rief sie aus und klatschte in die Hände. „Hört zu, ich muss heute Morgen zu einer Probe. Streetcar eröffnet nächsten Monat und wie ihr wisst, gibt es vorher noch so viele Entscheidungen zu treffen. Ich war nur gerade in der Gegend und ich wollte diese unwiderstehliche kleine Kombination für Lily vorbeibringen. Ich wusste, sie muss das unbedingt haben, sobald ich es gesehen habe. Aber merkt euch Kiddos, nichts ist so wichtig, dass ich nicht auf Abruf bereit bin, wenn die Kleine kommt…"

Marthas Worte wurden leiser, während sie wieder um den Tisch ging und anfing durch ihre Taschen zu wühlen, auf der Suche nach dem zigsten niedlichen Outfit, das sie für Lily gekauft hatte. Als wäre es nicht genug, dass sie und Alexis eine großzügige Babyparty geplant hatten und ihnen Berge von Geschenken gegeben hatten. Sie kaufte jeden Tag weitere stylische Babyklamotten (zu ihrer Verteidigung: Alexis konnte sich nur etwas besser zurückhalten für ihre kleine Schwester Geld auszugeben). Ihre Tochter würde immer was zum Anziehen haben.

Ein schriller Klingelton kam aus Marthas übergroßer Handtasche und sie stoppte ihre Suche um ihr Handy herauszufischen. Ein merkwürdiges, verwirrtes Stirnrunzeln breitete sich aus, als sie auf den Bildschirm schaute.

„Wer ist es, Mutter?" Castle musste es auch bemerkt haben.

Martha hob nur einen Finger als Antwort und ging ans Handy. „Hallo? Ja, hier ist Martha. Oh, du bist es, meine Liebe. Ja, okay… warte, was ist passiert? Oh. Oh du meine Güte. Oh, alles klar, sind sie? Oh, nun, ja, das ist korrekt…"

Die einseitige Unterhaltung hielt für eine weitere Minute an. Kate und Rick warteten mit angehaltenem Atem darauf zu erfahren, wer der mysteriöse Anrufer war.

„Ja, natürlich. Natürlich werde ich das. Ich schicke ihn vorbei, meine Liebe. Natürlich. Ja, ich treffe dich auf dem Revier, Marnie. Gib mir eine halbe Stunde. Ja, meine Liebe. Ja, natürlich. Wir sehen uns da." Martha legte auf, blieb still und starrte nur auf das Handy in ihrer Hand.

Kate fand als erste ihre Stimme wieder. „Martha?"

Als Martha sie nicht beachtete, meldete Castle sich zu Wort. „Mutter? Geht es dir gut? Habe ich dich richtig gehört? Hast du Marnie gesagt, so wie…" Er verstummte, als Martha sich endlich bewegte und mit einem grimmigen Ausdruck auf ihrem Gesicht zu ihm aufschaute.

„Ja, so wie Marnie Jacobs."

Kate schaute von Castles Gesicht, seine Züge mit Überraschung durchzogen, zu Marthas, ihre blauen Augen stürmisch und aufgewühlt.

„Leute, tut mir leid mich so einzumischen, aber wer ist Marnie Jacobs?"

Martha schluckte, bevor sie sprach, ihre Stimme etwas unsicher. „Marnie ist Peter Jacobs Tochter."

Castle fuhr für sie fort, sein Gesichtsausdruck verwandelte sich von geschockt zu finster. „Und Peter Jacobs ist der Exmann meiner Mutter. Er ist der, der ihr Geld gestohlen hat und sie mittellos zurückgelassen hat. Deswegen ist sie zu Alexis und mir gezogen." Dann wandte er sich an Martha. „Nicht, dass es nicht wunderbar war, dich hier zu haben, Mutter. Das war es."

Martha schaute ihn aus ihrem Augenwinkel an, ein kleines Lachen entkam ihren Lippen. „Natürlich war es das. Jedenfalls…" Sie holte erneut tief Luft, wurde wieder ernst. „Das war Marnie, offensichtlich. Sie hat angerufen um mir zu sagen, dass… dass Peter wegen Mordes verhaftet wurde."

Wie von einem Magnet angezogen, wanderte Kates Blick zu ihrem Ehemann, zur gleichen Zeit schaute er sie an, bevor sie sich beide wieder an seine Mutter wandten.

„Martha, warum hat sie dich angerufen?"

„Offenbar ermittelt das 12. Revier. Ryan und Esposito sind gerade da. Marnie hat gesagt, dass sie deine Arbeit mit Katherine immer verfolgt hat, Richard und sie erinnert sich, dass ihr beide vom 12. Revier aus gearbeitet habt und naja… sie dachte, sie ruft an und fragt, ob wir helfen können. Sie hat darauf bestanden, dass ihr Vater unschuldig ist."

Kate musste Castle nicht ansehen, um zu wissen, dass er ihr das nicht abkaufte und die Art von Unglauben, die er ausstieß, zementierte das nur. „Oh, ich bin sicher, dass er das ist."

Sie war kurz davor einzuschreiten und vielleicht vorzuschlagen, dass Castle etwas voreingenommen war, aber Martha warf ihm einen Blick zu und er zog sich sichtlich zurück.

„Richard. Hör auf damit. Peter Jacobs ist Vieles, aber er ist kein gewaltsamer Mensch. Und wenn er schuldig ist, sind deine Detectives clever genug, die Beweise dafür zu finden. So", sie holte noch einmal Luft um sich zu beruhigen, „Marnie hat sich gefragt, ob du sie am Tatort triffst. Sie hat gebettelt, Richard. Peter hatte viele Fehler, aber Marnie war immer eine Freude, selbst du musst da zustimmen. Sie verdient unsere Hilfe. Es war nicht ihre Schuld, dass ihr Vater ein Gauner war."

Castle schaute zu seiner Frau, ehrliche Qual auf seinem Gesicht. „Aber… aber… unsere Höhle! Und unser Marathon! Und Snacks. Und rummachen! Kaaaaate…", jammerte er, schüttelte seinen Kopf bei der Vorstellung ihre Pläne für den Tag aufzugeben. Andererseits, wer waren sie, Martha Hilfe zu verweigern, wenn sie sie brauchte? Sie würde alles für sie stehen und liegen lassen und das wussten sie.

Kate streckte sich um seine Hand zu drücken. „Es ist okay, Babe, wirklich. Wir verschieben es, versprochen. Geh helfen, wenn du kannst."

Er seufzte resigniert. „Versprich mir, dass du dich entspannst? Ich halte dich auf dem Laufenden?"

„Ja, ich werde es ruhig angehen lassen. Und ja, bitte lass mich wissen, wenn es etwas gibt, was ich tun kann. Martha? Kann ich dir irgendwie helfen?"

Marthas Lächeln war wässrig, und sie wirkte auf einmal sehr müde, wenn man bedachte, dass es erst zehn Uhr morgens war. „Nein, meine Liebe. Ich habe Marnie versprochen, ich treffe sie am Revier, also werde ich mir ein Taxi nehmen. Du musst dich ausruhen, zu Hause."

Kate schürzte frustriert ihre Lippen. Ihr Mutterschaftsurlaub sollte eine willkommene Pause sein, aber jetzt fragte sie sich, was das Polizeipräsidium sagen würde, wenn sie nur diesen einen Fall bearbeitete?

„Kate." Sie drehte sich um und sah Castle seinen Kopf schütteln. Verdammt. Natürlich wusste er, was sie dachte. „Bleib. Bitte. Ich verspreche, ich halte dich auf dem Laufenden und ich werde nicht länger als notwendig bleiben."

„Ich weiß, es ist nur… ich weiß." Und das tat sie wirklich. Sie verstand. Sie war offiziell vom NYPD beurlaubt. Sie würde die Ermittlung nicht gefährden, indem sie sich unerlaubt einmischte. „Beeil dich nach Hause zu kommen, Babe."

Er drückte einen Kuss auf ihren Mund, während er in ihr Schlafzimmer ging um sich anzuziehen. Martha kam einen Moment später und drückte einen Kuss auf ihre Wange, als sie mit einer Hast ging, wie auch schon bei ihrer Ankunft. Dann war Kate allein; ihr Zuhause, das noch vor wenigen Augenblicken vor Leben gesprüht hatte, war jetzt eine Geisterstadt und sie legte ihre Hände um ihre noch dampfende Tasse und stellte sie mit einem Seufzen auf ihrem Bauch ab. Zu Hause zu bleiben würde nicht annähernd so viel Spaß machen, wenn sie allein war.


Nachdem sein Fahrer ihn an der Adresse abgesetzt hatte, die seine Mutter ihm aufgeschrieben hatte, schaute Castle die beeindruckende Fassade des Gebäudes hinauf, in dem sich Danica Fentons nobles Penthouse befand. Er hatte mehr von Danica gehört, als dass er sie tatsächlich kannte. Ihre Wege hatten sich in den letzten Jahren ein paar Mal oberflächlich auf Wohltätigkeitsveranstaltungen und ähnlichem gekreuzt. Sie neigten dazu in unterschiedlichen Personenkreisen zu wandeln, also war es recht einfach Danica aus dem Weg zu gehen, als sie mit dem Ekel von Ex-Mann seiner Mutter zusammenkam.

Glaubte er, dass Peter einen Mord begehen konnte? Naja, eigentlich… nein, nicht wirklich. Peter war eher glatt als krank, aber wenn er aus der jahrelangen Arbeit mit Beckett eines gelernt hatte, dann, dass Mörder die meiste Zeit keine Neonleuchttafeln trugen, auf denen ihre Vorhaben standen. Er musste nur warten und sehen, was die Ermittlung brachte.

Marnie hatte dem Portier seinen Namen gegeben und er konnte hoch zum Penthouse. Er bahnte sich einen Weg durch den Kader von NYPD-Personal als er den Lift verließ und weiter zum Apartment ging. Espo und Ryan standen bei der Eingangstür, redeten leise und konsultierten ihre Notizen. Sie schauten erst auf, als Castle direkt vor ihnen stand.

„Ähhhh, was tust du hier, Castle?", fragte Ryan als erster.

„Beckett ist beurlaubt, solltest du nicht zu Hause bleiben?", meldete Espo sich als nächstes zu Wort.

Er hob seine Hände in die Luft. „Leute, ich wurde herbeordert."

„Von wem?", spöttelte Ryan. „Wir waren es nicht."

„Nein, ich war es," sagte Marnie Jacobs, als sie den Flur betrat und zur Gruppe trat. Abgesehen von ein paar mehr Falten um ihre Augen war sie in dem Jahrzehnt, seit Castle sie das letzte Mal gesehen hatte, nicht gealtert. „Rick und ich kennen uns schon lange. Ich wusste von seiner Arbeit mit Ihrem Revier und habe ihn gebeten herzukommen."

Espo bewegte einen Finger zwischen Marnie und Castle hin und her. „Ihr zwei kennt euch?"

„Eigentlich waren wir mal Stiefgeschwister, vor langer Zeit", erklärte Marnie.

„Ja, meine Mutter war mal mit Marnies Vater verheiratet", vertiefte Castle die Erklärung.

„Warte, damit ich das richtig verstehe", unterbrach Ryan. „Martha war mit Peter Jacobs verheiratet? Der Mann, den wir gerade wegen des Mordes an Danica Fenton verhaftet haben, dieser Peter Jacobs?"

Castle wusste, wie verrückt das klingen musste. Selbst für seine eigenen Ohren war dieses Szenario etwas weit hergeholt, aber die Wahrheit war die Wahrheit. „Äh, ja. Ja, war sie."

Eine unangenehme Stille senkte sich, die Anspannung wurde größer, als die uniformierten Beamten begannen Peter aus dem Apartment zum Streifenwagen nach unten zu bringen. Peter sah hoch, als er durch die Tür ging, blieb kurz stehen, als er Castle da stehen sah.

Sein Mund öffnete und schloss sich ein paar Mal, bevor er einen Ton rausbrachte. „Richard", war alles, was rauskam.

„Peter", antwortete Castle mit fester Stimme, verriet nichts von seinen Gefühlen. Er war aus Respekt gegenüber Marnie und seiner Mutter hier, nicht wegen Peter.

„Kommt Jungs, bewegt euch. Bringt ihn aufs Revier. Wir kommen gleich nach", spornte Espo die Beamten an, die sich wieder in Bewegung setzten, Peter mit sich ziehend und Marnie ihnen folgend.

„Also, das war die unangenehmste Familienzusammenkunft überhaupt", flüsterte Ryan aus seinem Mundwinkel. Espo schlug ihm gegen den Oberarm und murmelte: „Klappe, Mann."

Castle beachtete Ryan aber gar nicht, sondern schaute den Beamten hinterher, die Peter in den Fahrstuhl bugsierten.

„Oh, das war gar nichts. Wenn ihr glaubt das war unangenehm, dann wartet, bis ihr erst aufs Revier kommt. Meine Mutter wird da sein."