[„Khameir?..."
Der 10 jährige und angesprochene Zabrak auch bekannt unter den Namen 'Maul' drehte sich vorerst mit ernstem, beinahe finsterem Gesichtsausdruck zu dem ein Jahr jüngeren Mädchen, namens Daiyun um. Ihre Stimme war leicht heiser und auf irgendeine seltsame Art und Weise niedergeschlagen, wie er es noch nie zu vor bei irgendjemandem gehört hatte. Trotzdessen klang ihre Stimme gleichfalls so sanft und weiblich. Er hörte sie gerne reden, selbst wenn er es von sich aus niemals zugeben würde. Er empfand es als wohltuend. Doch passte das ganze mit ihrem äußerlichen ehrlich gesagt kaum zusammen, stellte er mal wieder stillschweigend und unauffällig fest. Daiyun sah in Khameirs Augen fast gänzlich aus wie ein kleiner Junge. Ihr Haar pechschwarz und bloß bis zu ihren Ohren reichend. Ihr Gesicht schmal und wie aus porzellan. Sie war keine Schönheit was aber nicht bedeute, dass sie unansehnlich war. Ihre großen Augen Mandelförmig und trugen ein merkwürdiges, verblasstes blau was schon fast wie grau wirkte und sie war kleiner und dünner als er. Aber an ihrer außerordentlichen Geschwindigkeit und Technik mangelte es ihr dafür an rein gar nichts. Im Gegenteil. Ein Grund mehr, was es ihm schwer machte zu glauben, dass er gerade ein Mädchen vor sich stehen hatte.
Khameir war insgeheim froh endlich jemanden seines Alters getroffen zu haben die ihm halbwegs ebenbürtig war im Trainieren von Teräs Käsi. Er hatte schon angefangen sich zu langweilen bevor Daiyun vor 6 Monaten mit ihrem Jedi Meister auf Dathomir erschien um diese spizielle Kampftechnik zu lernen. Warum das so war, konnte er sich nicht vorstellen. Er hatte noch nie zuvor davon gehört, dass Jedi Teräs Käsi erlenten oder gar mit Zabraks, beziehungsweise mit den Nachtschwestern oder Nachtbrüdern zu tun hatten oder verhandelten. Denn normalerweise hielt seinesgleichen sich aus den Angelegenheiten der Jedi raus.
Ihr Meister mit dem Namen Mace Windu dennoch schien als einziger seiner Art überhaupt einen guten Drat zu einer der Nachtschwestern zu haben. Das war gleichwohl der Grund dafür weshalb er ebenfalls als einziger Jedi selbst Teräs Käsi perfekt beherrschte. Doch just war ihm das vollkommen egal sich darüber weiterhin den Kopf auch nur ansatzweise zu zerbrechen.
Daiyun, Mace Windus neunjähriger Padawan, wollte es sich nicht nehmen lassen sich von ihrem neugewonnenen und inprinzip einzigen Freund zu verabschieden. Auch wenn Khameir es scheinbar nicht wollte und mochte wenn sie ihn als ihren Freund bezeichnete, war ihr das gleichgültig. Sie sah ihn nun mal als solchen an. Er wurde ihr damals zugeteilt als Trainingsgenosse. Sollte ihr dabei helfen besser zu werden und sie mit dieser Technik vertraut machen. Und das tat er ohne Rücksicht oder irgendwelchen Begnadigungen nur weil sie ein Mädchen war und körperlich unterlegen. Dies war trotzdem ein Befehl der Nachtschwestern den er zu Beginn nur wiederwillig ausführte. Er wollte nichts mit Jedi zu tun haben da sein Meister ihn lehrte, dass alle Jedi erbärmlicher Abschaum waren. Doch wiedersprechen konnte er den Nachtschwestern auf keinen Fall solange er hier lebte und bis sein Meister ihn irgendwann wieder zu sich nehmen würde, der ihn vorrübergehend aus welchen Gründen auch immer zurück nach Dathomir schickte.
Es war ein sehr hartes, halbes Jahr und doch so lehrreich und diente Daiyun einer guten Erfahrung. Am Anfang fiel es dem Mädchen mehr als nur schwer mit dem Zabrak klar zu kommen und sah ihn zuerst bloß als kaltherzig, unheimlich und gemein. Aber mit der Zeit lernte sie ihn besser kennen. Er fing langsam aber sicher an sich ihr gegenüber zu öffnen, je mehr der junge Zabrak merkte was für eine gute und lernfähige Kämpferin sie war. Er fing sogar an ab und zu mit ihr über erstmals kleinere Dinge zu sprechen was Daiyun niemals geglaubt hätte je bei ihm zu erleben, da er ein sehr schweigsames und außerordentlich sonderbares Exemplar seiner Spezies war. Das merkte sie früh und ließ sich von daher niemals unterkriegen wenn er sie schroff und unfreundlich behandelte. Letztenendes erreichte sie ihn irgendwie. Sie verdiente sich seinen Respekt auch wenn er es ihr nicht sagte. Doch sie fühlte es und es erfreute sie.
Und dennoch machte es sie nun traurig ihn verlassen zu müssen, gerade wo sie anfingen sich inzwischen so nahe zu stehen wie nie zuvor. Sie würde ihn sehr vermissen und dass war der Grund weshalb sie in diesem Moment betrübt vor ihm stand.
„Ich...ich werde gleich zurück fliegen und...ich weiß, dass ich eigentlich nicht hier sein darf, aber ich musste einfach nochmal herkommen, weil ich mich von dir verabschieden wollte, weißt du..."
Kam es teils schwermütig, teils schüchtern aus der sonst so aufgeweckten, gefassten und heiteren Daiyun mit dezentem Stocken. Sie war selbst erschrocken über das ihr befremdliche Verhalten und doch konnte sie wiederum nichts dagegen tun. Denn dies würde ein Abschied wohlmöglich für immer sein und wenn sie mehr und mehr daran dachte ihn nie mehr wieder sehen zu können, nie wieder mit ihm zu Trainieren oder mit ihm über verschiedene Dinge eine interessante und teils lustige Unterhaltung zu führen in der sie sich sogar gegenseitig und spielerisch neckten, dann musste nicht mehr viel fehlen bis es sie zu den Tränen bringen würde. Es waren nicht all zu viele Worte die sie miteinander wechselten, aber wenn es passierte, dann sehr tiefgreifend und gravierend.
Doch alles was Daiyun vorerst als Erwiderung von dem gegenüberstehenden Jungen bekam, war ein beinahe spottendes und kurzes Schnauben mit einem Hauch von Wut den das schwarzhaarige Mädchen außerdem noch glaubte raus zu hören. Und irgendwie hatte sie eine solche Reaktion von ihm bereits erwartet. Trotzdessen schmerzte es sie zurzeit so sehr, dass es ihr nur zu Hälfte gelang die heißen Tränen der Agonie zurück zu halten.
„Mach es nicht noch Schwieriger, Jedi-Schüler! Du solltest einfach jetzt gehen und nicht zurückschauen!"
Vernahm die angesprochene die seltsam ruhige und finstere Stimme von dem Zabrak und es bereitete dem Mädchen Unbehagen, dass er dem Anschein nach diese zynisch und boshaft klingenden Worte eben tatsächlich so meinte.
Khameir drehte sich wieder um und zeigte ihr die kalte Schulter.
„Hau einfach ab!"
Und nun konnte Daiyun seine Gehässigkeit nicht mehr länger ertragen. Erst recht nicht hier und jetzt. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten um ihre Wut im Zaun zu halten, was ihr nur spärlich gelang.
„Hör auf damit! Wieso wehrst du dich so sehr dagegen mir wenigstens jetzt an unserem Abschied zu zeigen, dass dir unsere gemeinsame Zeit genauso gefallen hat wie mir? Wieso verachtest du mich jetzt so?"
Ihre Lippen bebten jetzt. Ihre Stimme wurde mit jedem Satz lauter vor Ärger und Frustration und zu guter letzt kümmerte sie es nicht mehr, dass eine Träne bereits an ihrer Wange herunter lief. Bisher nahm Daiyun sein niederträchtiges Verhalten mehr oder weniger mit Humor und Gelassenheit wenn er diese mal wieder an den Tag legte. Doch nun machte es sie nur noch traurig, ärgerlich und dazu ebenso konfus, da sie sich ihren letzten Moment zusammen bei weitem nicht so vorgestellt hatte. Khameir dagegen gab keine Antwort und blieb vorerst schweigsam.
„Wieso willst du nicht, dass wir Freunde sind, Khameir?"
Der Zabrak ballte nun ebenfalls angespannt seine Hände zu Fäusten, sodass man sie nur noch laut knacken hören konnte und er drehte sich schnell und zornig zu ihr um, bevor er Daiyun direkt nachdem sie sprach anschrie.
„Was würde dieser ganze Schwachsinn denn noch bringen?! Du wirst heute sowieso gehen und NIE wieder zurück kehren! Du wirst ein Jedi werden und mich schon bald vollkommen vergessen haben...und all das hier hat dann niemals stattgefunden, so wie es sich auch gehört!"
Khameirs Stimme war so markerschütternd und schallend so wie angsteinflößend, dass es Daiyun nur noch Gänsehaut bereitete. So aufgebracht und rasend hatte sie den sonst so ruhigen und auf eher stoischer Weise finsteren Jungen noch nie erlebt. Erst als der gröbste Schock vorüber war, wurde Daiyun plötzlich klar, dass Khameir praktisch mit diesem ernormen Wutausbruch endlich zeigte, dass es ihm keineswegs egal war das sich ihre Wege nun trennen mussten. Sie begann sich aufgrund dessen wieder halbwegs zu beruhigen. Trotzdem konnte die Neunjährige vorerst nichts anderes tun als erstmal trübselig und schweigend weiterhin vor ihm zu stehen.
Der junge Zabrak dagegen atmete einmal schwer und verdrossen aus bevor er jetzt diesmal mit wieder gefasster und leicht besiegter Stimme weiter sprach.
„Eine 'Freundschaft' zwischen uns hätte deswegen weder Sinn noch Zweck!"
Daiyun stellte bitterlich fest, dass er eigentlich im großen und ganzen Recht besaß. Beide schlugen ganz verschiedene Wege ein die es nicht erlauben oder zulassen, dass beide sich in Zukunft weiterhin anfreunden oder gar wiedersehen. Doch der junge Padawan konnte etwas in dem Zabrak sehen. Sie konnte in ihm trotz allem einen guten Freund und Trainingspartner sehen den sie bisher niemals hatte. Jemand mit dem sie zum ersten mal über tiefgründige Sachen reden konnte. Jemand der sie nicht vermied oder verachtete bloß weil sie anders war als die meisten anderen Jünglinge in ihrem Alter, da er selbst jemand solches war. Jemand der sie auf besondere Art und Weise respektierte wie kein anderer und ihr keine Heuchelei vorspielte. Sie wollte allein aus diesen Gründen einfach nicht, dass sie einander vegessen.
Daiyun wagte jetzt näher zu dem Jungen ran zu treten und schaute tief in seine noch bräunlich grünen und zurzeit leicht verwirrten Augen.
„Ich aber werde dich niemals vergessen Khameir! Das verspreche ich dir!"
Khameir hielt für einen Moment inne. Er wollte zuerst wiederholt nur einen spöttischen Laut von sich geben, doch als er zum ersten mal für längere Sekunden in ihre Augen schaute, erkannte er mit Verblüffung in ihnen nichts anderes als Aufrichtigkeit. Tief im inneren musste er einfach zugeben, dass er dieses Mädchen ebenfalls mochte und sehr vermissen würde. Der eigentliche, wahre Grund weshalb er so wütend wurde war der, das er letztendlich nichts gegen dieses Gefühl ausrichten konnte. Ihm wurde von seinem Meister unter anderem beigebracht, keinerlei Gefühle für irgendjemanden oder irgendwas zu empfinden außer puren Hass und Zorn. Das Liebe und Mitgefühl einen Schwach und erbärmlich machen und das wollte er nicht sein. Was er aber andererseits niemals zuvor erlebte, waren aufrichtige Güte, Augelassenheit und Fröhlichkeit. All das was er von Daiyun zu spüren bekommen hatte zum ersten mal in seinem ganzen Leben. Er kannte bisher nichts von all dem außer Missachtung, Demütigung und körperlichen Schmerz auf höchstem Level. Daher war Daiyuns Verhalten ihm gegenüber gänzlich ungewohnt, dennoch angenehm und auch wenn der junge Zabrak es sich nicht eingestehen wollte, schön. Ja. Er würde sie unglaublich vermissen und das wurde ihm jetzt in diesem Moment erst richtig klar. Eine Feststellung die ihm hinzukommend Angst machte und die er niemals seinen Meister erahnen lassen durfte wenn ihm sein Leben in sonst einer Hinsicht wichtig war. Denn jedes kleinste Zeichen von Liebe oder Mitgefühl wurde auf der Stelle und besonders hart bestraft.
Und bevor er sich irgendwie noch zu Daiyuns Versprechen äußern konnte, spürte er auf einmal ihren Körper eng an seinen eigenen gepresst. Ihre Arme fest um seine Hüften geschlungen und ihren Kopf auf seine Brust gebettet in eine innige Umarmung von ihrer Seite aus. Khameir weitete seine Augen und wurde starr vor Schreck. Er konnte sich zunächst nicht bewegen und hatte keine Ahnung was er tun sollte, da er sich nicht im Traum je vorstellen konnte von jemandem umarmt zu werden. Geschweige das er selbst jemals vorhatte irgendjemanden in den Arm zu nehmen. Solch eine Geste galt für Khameir bisher als völlig absurd und indiskutabel. Im Normalfall hätte der Sith Schüler namens 'Maul', der er mittlerweile geworden war, sie auf der Stelle und harsch von sich weggestoßen und sogar zusätzlich windelweich geprügelt. Das hätte er tun sollen. Das war das, was Khamir eigentlich die ganze Zeit über hätte tun sollen wenn Daiyun es gewagt hätte ihm in der Vergangenheit näher als nötig zu kommen.
Doch hier stand er nun inmitten der tristen Natur Dathomirs und allein mit dem Knabenhaften Mädchen, das ihn umklammerte. Niemand der ihnen zuschaute. Das was noch von einem kleinen, normalen Jungen in Khamir übrig war ließ es schlicht und einfach nicht zu, dass er diese unbeschreibliche Idylle zerstörte.
Stück für Stück konnte er sich nun entspannen und schloss seine Augen nachdem er zu Daiyuns Erstaunen ihre Umarmung erwiderte. Er tat es ihr gleich und schlang seine starken Arme um ihren Nacken und drückte sie noch fester an sich. Zum ersten Mal fühlte er so etwas wie Glück und Zufriedenheit und der Gedanke, dass er dies niemals mehr haben wird nachdem Daiyun aus seinem Leben verschwunden ist, ließ ihn bei nahe in einer monströse Welle der Leere und Traurigkeit ertrinken.
Eine einzige Träne die er nun nicht mehr zurückhalten konnte, egal wie sehr er auch dagegen ankämpfte. Die erste Träne die er vergoss, dem Verlust einer ihm nahestehenden Person wegen. Dieser innerliche Schmerz war ein völlig neues und anderes Kaliber. Noch bitterer und quahlvoller als jeder körperliche Schmerz der ihm in der Vergangenheit angetan wurde.
„Wir werden uns wiedersehen!"
Hörte er sie hinzukommend in seiner immer noch währenden und bittersüßen Trance halb flüstern. Wie sehr er sich wünschte, dass er darauf vertrauen könnte. Dass er sie wiedersehen und diese Umarmung wiederholen könnte. Doch er wusste, dass es niemals wieder so sein wird wie jetzt. Er wusste es einfach.
Daiyun genoss dieses Moment so gut es ging. Denn endlich hatte sie mit Khamirs erwiderten Umarmung endlich die volle Bestätigung, dass sie doch nicht falsch lag mit ihrer Einschätzung des Jungen Zabraks in ihren Armen. Sie hätte niemals auch nur im entferntesten daran gedachte, dass sie sich eines Tages so nahe sein würden. Sowohl geistig als auch körperlich, als sie ihm zum ersten mal hier auf Dathomir gegenüber stand zu Beginn des gemeinsamen Trainings. Es bedeutete ihr unbeschreiblich viel. Sie sog alles wie ein Schwamm in sich hinein und würde es für den Rest ihres Lebens bei sich behalten in einer innerlich tief vergrabenen, geheimen Schatulle dessen Schlüssel nur einzig und allein Khamir bei sich tragen würde von diesem Augenblick an. Dieser Moment gehörte nur ihnen und würde immer ihr gemeinsames Geheimnis bleiben.
Nach einigen Sekunden der Zweisamen Harmonie löste sich der Zabrak sanft von Daiyun und hob einen Mundwinkel zu einem liebevollen Lächeln. Das erste und letzte derartige Lächeln, das sie bei ihm je zu Gesicht bekam. Doch sollte dies noch nicht alles gewesen sein. Zur Daiyuns vollends, absoluten Verwunderung löste Khamir urplötzlich und ohne großartig vorher zu überlegen mit einem etwas lauterem Klick einen von seinen silbernen Armreifen, die er seit je her jeweils um seine Handgelenke trug.
Unmittelbar hielt er es Daiyun hin. Diese dagegen entgenete ihm zuerst bloß einen fragenden, ungeordneten Blick. Bevor sie sich jedoch neugierig dazu äußern konnte, kam ihr der junge Zabrak scherzend und mit verdrehten Augen zuvor.
„Das ist für dich, du Narr! Damit du nie vergisst wer dich am besten Trainiert hat!"
Mit diesen Worten legte er ihr den silber Armreifen um ihr dünnes Handgelenk, sodass es fest saß.
Und bevor er wieder schwach werden und erneut den Tränen nah sein würde, drehte er sich hastig um und machte sich auf den Weg zurück in sein Dorf.
„Leb Wohl, Daiyun!"
Waren seine letzten, in Melancholie getränkten Worte an das Mädchen ohne sie an zu sehen bevor er sie dort stehen ließ und endgültig, sowohl aus ihrem Blickwinkel als auch aus ihrem Leben verschwand. Daiyun blieb noch immer fassungslos zurück und wischte sich mit ihrem Ärmel die Tränen fort bevor sie gleichfalls bei ihr erneut aus den Augen kullern konnten. Noch einmal strich sie sanft über den schweren Armreifen, den sie soeben von Khamir geschenkt bekommen hatte. Sie schwor ihn immer bei sich zu tragen. Als Talisman und als einziger Beweis dafür, dass ihre Zeit zusammen wirklich passiert ist. Das es sie gegeben hat und das würde ihr niemand jemals nehmen können.]
