In den ersten vier Jahren ihrer jeweiligen Ehen gab es nur wenige Treffen zwischen den Cousins. Henry Crawford hatte Wort gehalten und ein kleines Anwesen in Northamptonshire in der Nähe von Thornton Lacey bezogen; nachdem aber die ersten Freuden der Flitterwochen und das Vergnügen an ausgedehnten Lesestunden, an der Jagd und an sonstigem ländlichen Zeitvertreib verklungen waren, kam er zu der Überzeugung, dass seine Gemahlin allmählich blass und lustlos wirkte, und dass sie einer Kostprobe der Vergnügungen Londons bedürfe, um sie wiederherzustellen. Und schließlich, sagte er lächelnd zu seiner Schwester, bei allem Charme Fannys kleiner ländlichen Eigenheiten und ihrer unverbildeten Art könne ein wenig Politur nicht schaden.
Für Mary bestand daran kein Zweifel. Was sie selbst betreffe, hatte sie gesagt und dabei Edmund einen Blick zugeworfen, in dem sich Süßes und Boshaftes mischten, habe sie alle Politur der Welt und würde auch alles davon brauchen, um dieser ländlichen Gesellschaft einen leichten Anstrich städtischer Farbe zu verleihen und vielleicht sogar diesem ländlichen Gentleman da. London, fuhr sie mit kurzzeitiger Ernsthaftigkeit fort, die Edmund vor Freude strahlen ließ – sie waren noch keine sechs Wochen verheiratet – habe ihr nichts Neues bieten, nichts, was sie verlocken könne. Oh, aber für Fanny sei es das bezauberndste Vorhaben der Welt. Es sei eine kluge Entscheidung von Henry gewesen, ein eigenes Haus in der Stadt kaufen, als er heiratete, das habe sie immer gesagt. Fanny hatte nichts gesagt, weder damals noch später, als Crawford sie dazu drängte, und so fuhren sie also nach London, ein unbefristeter Besuch, der schließlich auf ganze vier Jahre verlängert wurde.
Henry Crawford fand heraus, dass gerade diejenigen unter den ländlichen Eigenheiten seiner Frau, die er am wenigsten schätzte – und die ihm im Lauf der Zeit am beklagenswertesten erschienen – am widerstandsfähigsten gegen alles waren, was städtischer Umgang und städtische Vergnügungen bewirken konnten. Sie lernte schließlich, sich zurechtzumachen und sich über das Wetter und das Theaterstück zu unterhalten, aber nichts konnte sie von ihrem lang anhaltenden Schweigen und ihrer stillen Art kurieren, von ihrer Resistenz gegenüber der leisesten Spur von hintergründigem Humor und von ihrer Tendenz zu predigen. Und während es anfangs ein köstlicher Spaß war, ihren unwilligen Lippen ein Lachen abzuringen oder sie bei ihrer Predigt errötend ins Stocken zu bringen, die ständige Erfahrung dessen nutzte sich bald ab. Fanny konnte nie einen Scherz erwidern oder ihm seine Neckereien heimzahlen; sie wäre in ihren wildesten Träumen nicht auf die Idee gekommen, ihn zum Besten zu halten. Es nutzte sich ab, und wenn er nun mehr Zeit in der Gesellschaft anderer verbrachte, wenn Mrs. Rushworths Augen, im Kerzenlicht glitzernd, gelegentlich über einen überfüllten Esstisch hinweg die seinen erhaschten, richtete das keinen großen Schaden an. Eingedenk der Möglichkeit eines Skandals, so verwoben, wie ihre Familien waren, ging er keine echten Risiken ein, und Fanny schien nichts zu sehen, nichts zu fühlen; jedenfalls sagte sie nichts.
So war der Stand der Dinge, als die Bertrams unerwartet in der Stadt ankamen. Henry war ein wenig überrascht gewesen, Marys Mitteilung zu erhalten, die – ganz in ihrer Art – ihre Flucht aus Bertrams ländlicher Idylle ankündigte; und wirklich erstaunt bei ihrer Ankunft am nächsten Morgen. Es hatte ihn kurz amüsiert, sich ein Bild von Mary, ausgerechnet Mary, als zweifacher Mutter zurechtzupuzzeln, als er ihre Briefe erhalten hatte, aber sie war stärker verändert, als er sich hätte vorstellen können.
Sie betrat den Raum – vor Bertram – mit schwerem entschiedenen Schritt; ihr Kleid war trist und ländlich, matronenhaft im Schnitt, obwohl ihre Gestalt anmutig wie eh und je war; und sie hatte einen harten Zug um ihren Mund, den er noch nie zuvor gesehen hatte.
„Mary", sagte er, ohne zu wissen, was er sagen sollte; die leichten Komplimente blieben ihm im Halse stecken, als er ihre Hände nahm und ihr ins Gesicht sah, und sie lachte ihn aus, in einem kälteren Ton, als dem perlenden Rieseln, das er kannte.
„Komm, Henry, das ist ungalant", sagte sie. „Schließlich bin ich nicht so sehr verändert; das ist nichts, was ein bisschen städtische Politur nicht kurieren wird. So wie es Fanny gut getan hat, ich sehe schon: meine Liebe, du siehst entzückend aus."
Fanny bedankte sich mit einen Lächeln, schwach, süß und perfekt höflich – sie würde natürlich nicht lügen, nicht mal um ein Kompliment zu erwidern – aber ihre Augen richteten sich auf Bertram, zu dem sie bereits ihre Hand ausgestreckt hatte, und dieser Ausdruck in den Augen ... Henry spürte plötzlich ein heftiges, seltsam nostalgisches Vergnügen, eine Erinnerung tauchte auf, verschwommen zunächst, doch dann, als Bertram ihre Finger küsste und sie strahlend zu ihm hoch lächelte, fiel es ihm wieder ein. William Price als junger Mann und Fanny Price – Fanny Price, mit achtzehn Jahren, ganz und gar freudestrahlend, und er hatte damals gedacht, sie hat Gefühle, echte Gefühle.
„Liebste Fanny", sagte Mary ein wenig vage, während ihre Augen umherschweiften, um die ganze Ausstattung und das Mobiliar des Zimmers aufzunehmen, und Edmund sie über Fannys Kopf hinweg beobachtete. Es war ein seltsames Bild, das sie in diesem Augenblick boten – Edmund starrte zu Mary, während er immer noch Fannys Hand festhielt, Fannys Augen waren nach oben auf Edmunds abgewandtes Profil gerichtet und Henry beobachtete Fanny – und dachte einen Moment lang an den Morgen seines Hochzeittags, an dem er mit Mary über die absurde, märchenhafte Symmetrie ihrer Partnerwahl gelacht hatte. Mansfield natürlich, hatte er damals gesagt. Mansfield hatte alles bewirkt.
„Mansfield!" rief Fanny mit diesem erneuten Leuchten in ihren Augen. „Oh, wunderbar!"
„Ja, es ist schon fest abgemacht. Doktor Grant hat die Pfarrstelle einer anderen Pfarrei akzeptiert", sagte Mary und zupfte ihre Röcke zurecht. „Also werden es meine Moor Park Aprikosen sein, lieber Henry, die vor Mrs. Norris verteidigt werden müssen, und meine jungen Gänse, die alle Predigten in der Pfarrgemeinde in Gang halten."
„Entzückend", sagte Henry, unfähig, sich einen hämischen Ton zu verkneifen, obwohl Bertram dabei leicht zusammenzuckte und etwas von Fannys frischer Gesichtsfarbe verblasste, als sie von einem zum anderen blickte.
„Zumindest komfortabler", sagte Bertram leise in Richtung Teppich und hob dann die Augen, um Mary direkt anzusehen. „Das Einkommen aus der Pfarrstelle ist erheblich höher."
Eine kleine Falte tauchte zwischen Fannys Brauen auf; für Henry hinreichend vertraut, er konnte sich aber nicht erinnern, sie früher auf Bertram gerichtet gesehen zu haben, und er musste sich auf die Lippe beißen, um nicht zu lächeln. Das war seine Frau.
„Sicherlich wird Sir Thomas froh sein, euch in der Nähe zu haben", sagte sie leicht tadelnd, „und ihr könnt nicht daran zweifeln, dass ihr dort nützlich seid."
„Oh", sagte Mary, „was das betrifft, ein Geistlicher kann überall nützlich sein, auch in London; ich wage zu behaupten, insbesondere in London."
„Ja", sagte Bertram mit leiser Stimme, wobei er Fanny nicht direkt in die Augen blickte; er räusperte sich und sagte es mit Blick auf Henry nochmals. „Crawford, ich hatte daran gedacht, während ich in der Stadt bin, mich darum zu bemühen, eine Chorherrnstelle in London zu suchen."
„Ich stehe dir ganz zu Diensten", sagte Henry, „obwohl ich nicht viele Bekannte in klerikalen Kreisen habe. Ich glaube, dass dir dein Schwager Rushworth vielleicht mehr behilflich sein könnte."
„Oh ja!" mischte sich Mary ein, „wie geht es den Rushworths? Wie geht's der lieben Maria?"
„Es geht ihr gut, glaube ich", antwortete Fanny mit der gedämpften, gefassten Stimme, derer sie sich für Unterhaltungen als Londoner Gastgeberin bediente, wobei sie ihr Augenmerk schließlich von Bertram abwandte; und Crawford lächelte und stimmte zu: „Oh, ja, einigermaßen gut."
