Schwarze Dame, Herz-Ass –
Kapitel 1 – Immer
Er nimmt die Umgebung nur verschwommen und trüb wahr, was Erstens daran liegt, dass er einen ziemlich großen Ziegel an den Kopf bekommen hat und Zweitens daran, dass der Schutt hervorragend brennt. Sein Kopf dröhnt, und er ist kaum zu einem klaren Gedanken fähig.
Ein schwaches Stöhnen kommt über seine spröden Lippen, und mit schmerzverzerrtem Gesicht stemmt er sich hoch. Eine dicke Schicht Dreck bedeckt alles. Seine hellen Haare, sein zerkratztes Gesicht und die Überreste seines Mantels. Nichts scheint mehr heil zu sein, alle Körperteile sind übersäht mit Schnitten und Schürfwunden, und es ist ein Wunder, dass er noch lebt.
Müde versuchte er sich aufzusetzen, obwohl er sich in diesem Moment viel lieber wieder zurücksinken lassen würde, und weiterschlafen. Es ist eine verlockende Aussicht, und doch tut er es nicht.
Erbarmungslos mit seinem Körper richtet er sich auf. Zuerst in eine sitzende, dann in eine stehende Position. Er taumelt und schwankt, und bleibt doch stehen. Ein Baum im Sturm.
Der Wind nimmt zu, gibt es doch nichts, was ihm mehr Einhalt gebieten könnte. Die Wände sind niedergerissen, nichts erinnert mehr an die einst so stolze Villa. Hier und da lecken Flammen in die Höhe.
Wieder entkommt ein Stöhnen seinen Spröden Lippen, und er schlingt den zerrissenen Mantel fester um sich. Sein Blick schweift suchend über den Schutt. Doch gibt es nichts, was er zwischen den Trümmern und einzelnen Flammensäulen entdecken könnte. Nur Schutt und Asche, Trümmer und Geröll. Es ist ein trostloser Anblick, und doch kann er sich nicht von ihm trennen. Wieder steigt die quälende Müdigkeit in ihm auf, droht, ihn zu übermannen. Wind und Hitze schlagen gleichermaßen auf ihn ein, und seine Stimme geht darin fast unter.
„Berserker? Prodigy? Oracle?"
Nichts.
Keine andere Stimme.
Nur das Knacken und Knistern des Feuers, das Rascheln des Winds. „Berserker? Prodigy! Brad!"
Es kostet Kraft zu Sprechen, kostet Kraft zu Stehen. Er stolpert über die Trümmer, verbrennt sich immer wieder die Hände, als er Ziegel beiseite schiebt, und darunter Glut zum Vorschein kommt.
Da.
Endlich!
Seine Schritte werden hastiger, die Bewegungen fahrig. Nichts zeugt mehr von der einstigen Eleganz. Der Unterleib der zum Vorschein kommenden Person ist fast komplett mit Geröll bedeckt, die blasse Haut mit Dreck geschwärzt. Zitternd tastet er nach einer blassen Hand.
Nichts.
Kein Puls.
Kein Lebenszeichen.
Der Brustkorb ist zerquetscht, überall klebt Blut. Die Augen sind weit aufgerissen und man kann das Weiße sehen. Mehrere Knochen scheinen gebrochen zu sein, das Schlüsselbein ist zertrümmert.
„Prodigy? Nagi? Kleiner!", die Stimme klingt schrill und unnatürlich hoch. Immer noch nichts.
/Nagi! -/
Keine Verbindung.
Tot.
Tot.
Endgültig weg.
Mit einem Mal sind seine Gedanken völlig klar. Die Müdigkeit ist beim Anblick des Toten wie weggewischt, die Eleganz ist in den zerkratzten Körper zurückgekehrt.
Mit einem letzten Blick auf den toten Körper des Jungen dreht er sich um und verschwindet in den dämmernden Morgen. Direkt durch die Stadt. Niemand wird ihn bemerken.
Es bleibt wenig Zeit, sie muss gut genutzt werden. Der Weg ist weit.
Immer noch klebt der Geruch nach Feuer, Rauch und Asche an seinen Kleidern.
An seinen Händen klebt Blut, das nicht von ihm ist.
Der Weg war weit, und es ist schon hell, als ich endlich die Landstraße verlassen habe und mich durch den Wald schlage. Ich merke, dass ich dem Gebäude näher komme, ohne dass ich es dafür sehen muss. Krankenhäuser und Laboratorien haben eine unglaublich starke Präsenz.
Ich komme bis zur Tür, bevor der erste Wächter mich bemerkt, und Alarm schlägt. Wie dumm von ihnen, dass sie keine Waffen bei sich tragen…
Langsam ziehe ich meine Hand aus der zerrissenen Manteltasche und hebe sie. Einen Augenblick lang zögere ich, bevor ich klopfe. Und mit diesem kurzen Geräusch wird mir klar, was vorher nur undeutlich bewusst war.
Ab jetzt nehme ich einen ganz besonderen Platz in diesem Spiel ein.
Schwarze Dame, Herz-Ass.
Ich kann nicht mehr verlieren. Die Stellung, die ich nun innehabe, macht mich unantastbar.
Das Ass schlägt jede Karte.
Ich bekomme meine Rache.
Von jedem.
Immer.
Immer.
Ende Kapitel 1. - 29.09.07.
Ich hoffe es hat euch gefallen, wenn ja, hinterlasst doch ein Review, dass über "Super ggg" oder "Toll!!!111!! lol" hinausgeht.
Nicht das mich diese Aussage nicht freuen würde, allerdings könntet ihr sie mit etwas konstruktiver Kritik aufpepen.
Wcules.
