Frohe Weihnachten 1
Die dunkle Seite hatte, dank ihr, gewonnen. Der dunkle Herrscher hatte die Macht durch ihren Verrat an sich gerissen. Das empfindliche Gleichgewicht zwischen gut und böse wurde durch ihr zutun zerstört. Sie war das Züngelchen auf der Waagschale das den Ausschlag gab. Als Belohnung bekam sie ihn. Ihren persönlichen Sklaven, gebunden an sie durch ein unsichtbares Halsband.
Einzig sie konnte es entfernen. Dieses Halsband zwang ihn unter ihre Knechtschaft und mochte er auch noch so sehr mit den Zähnen knirschen, er war ihr ausgeliefert. Als besonderen Dank erhielt sie außerdem Malfoy Manor und war nun die persönliche Beraterin von seiner Lordschaft. Heute kam er hier her. Es bereitete ihm besondere Genugtuung ihn zu demütigen. Ihm zu zeigen, wie gering er ihn schätzte, wie unbedeutend er war.
Severus war ein Verräter in seinen Reihen gewesen und Hermione servierte ihn ihm auf einem silbernen Tablett. Harry und seinen Freunden gelang die Flucht. Doch für die magischen Geschöpfe und auch die Menschen lebten fortan in tiefster Dunkelheit. Die geringste Verfehlung in den Augen des dunklen Lords führte zur sofortigen Hinrichtung.
Askaban und die Dementoren unterstanden einzig seinem Befehl. Ein Ministerium gab es nicht mehr und auch Hogwarts wurde geschlossen. Bildung stand nur mehr den reinblütigen Magiern vor.
„Bring mir etwas zu trinken!", herrschte sie ihren Sklaven grob an. Sie vermied es dabei ihm in die Augen zu sehen. Er mochte ihren Befehlen gehorchen müssen, aber gebrochen hatte sie ihn deswegen nicht.
Die stille Verachtung die aus jedem Blick, aus jeder Geste sprach machte ihr mit jedem Tag der verging mehr zu schaffen. Am Anfang hatte der Hass der verschmähten Liebe alle anderen Gefühle in ihr ausgelöscht. Seit drei Monaten lebte sie nun schon in dieser unnatürlichen Situation mit ihm in diesem Haus. Ein einsames Jahr. Sie hatte all ihre Freunde verloren, sprach praktisch außer mit Voldemort mit niemanden ein Wort.
Selbst an Severus richtete sie nur das Wort, um ihm einen Befehl zu erteilen. Sie hatte vor langer Zeit versucht mit ihm normal zu reden, aber außer kalter Verachtung kam nichts von ihm. Hermione drehte ihm den Rücken zu und setzte sich an den Tisch. So zeigte sie ihm ihre Überlegenheit.
Ein kleiner, unbedeutender Sieg, der eher kindisch als erwachsen anmutete. Severus stellte ein Glas vor sie mit einer Präzision und Ruhe hin, um ihr zu zeigen, dass es nichts gab, mit dem sie ihn treffen konnte. Sie war das Spiel müde. Plötzlich drangen Geräusche aus dem Flur an ihr Ohr.
„Geh und öffne deinem Herrn und Gebieter die Tür!"
Voldemort rauschte, ohne Severus eines Blickes zu würdigen, in den Raum und blieb direkt vor Hermione, die am Boden kniete, stehen.
„Meine Liebe, erhebt euch!", befahl er ihr gönnerhaft und nahm auf einem der Stühle Platz. Er war gekommen, um endlich sein Recht einzufordern. Sie sollte sich ihm endlich hingeben. Hermione stand auf und setzte sich dicht neben Voldemort auf einen Stuhl.
„Erzähl mir wie geht es dir?", säuselte er abgedroschen in ihr Ohr, dabei wühlte er selbstvergessen in ihrem Haar. Ihm war es egal, was sie fühlte, einzig seine Triebe sollte sie befriedigen.
Ein kalter Schauer lief Hermione über den Rücken. Es war nicht das erste Mal, das Voldemort versuchte sie ins Bett zu kriegen. Angewidert blickte sie zur Seite und versuchte sich unauffällig aus seinem Griff zu winden. Ihn wollte sie ganz bestimmt nicht in ihrem Bett haben. Unwillkürlich glitt ihr Blick zu Severus.
Was hatte sie nur getan? Vier Wochen hatte es gedauert, bis der Hass aufgehört hatte, in ihr zu wüten, aber nun empfand sie nur noch Selbstekel. Voldemort verließ sie bald, da er merkte das sie noch nicht bereit war ihm zu geben, was ihm zustand. Leicht verärgert lief er zum Apparierplatz. Hermione sah ihm aus einem der Fenster hinter her. Wie hatte es nur so weit kommen können?
Unbewusst rieb sie sich mit der rechten Hand über den linken Unterarm. Manchmal brannte es wie die Hölle, manchmal sorge es nur dafür, dass sie sich schlecht fühlte, doch unentwegt erinnerte es sie daran, dass es für sie kein zurück mehr gab.
Still beobachtete sie Severus, wie er die Teller und Gläser vom Tisch entfernte. Wie immer war Voldemort zum Essen geblieben und hatte sich auch nicht das Vergnügen nehmen lassen dabei Severus unentwegt zu quälen. Sicher und gelassen ging er seiner Arbeit nach. Konnte diesen Mann nichts erschüttern?
Hermione spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Es wurde an der Zeit begangenes Unrecht wieder gut zu machen. Tief Luft holend trat sie mit erhobenem Zauberstab an ihn heran. Misstrauisch beäugte er sie. Egal was sie vorhatte, was sie ihm antun wollte, er konnte sich nicht dagegen wehren. Das Halsband verhinderte es.
„Das Halsband scheuert auf deiner Haut. Das sieht hässlich aus. Ich werde es dir abnehmen", sagte sie leise.
Das war eine Lüge. Das Halsband war magisch. Es konnte gar nicht auf der Haut scheuern. Was hatte sie nur vor? War das ein Test? Wollte sie sehen, was er tat, wenn die Freiheit zum Greifen nahe war? Severus hob das Kinn, um ihr den Zugang zum Halsband zu erleichtern.
Das war das erste Mal, dass er sich vertrauensvoll in ihre Hände gab. Diese schmerzliche Erkenntnis machte Hermione einmal mehr deutlich, dass sie im Begriff stand das Richtige zu tun. Sie würde ihm die Freiheit schenken. Nach ein paar gemurmelten Worten von ihr verschwand der stete leichte Druck an seinem Hals.
„Ich werde jetzt zu Bett gehen und möchte nicht mehr gestört werden!", sagte sie herrisch und ließ ihn, nach einem letzten Blick in seine schwarzen Augen, einfach stehen. Nahe der Tür legte sie ihren Zauberstab ab und verließ den Raum.
In ihrem Zimmer machte sie sich sorgfältig für die Nacht zurecht. Es würde vermutlich ihre Letzte auf Erden sein. Wenn alles so lief, wie sie es sich vorstellte, war sie schon bald tot. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, rollte eine Seite Pergament auseinander und begann, nach dem sie die Feder in die Tinte getaucht hatte, rasch zu schreiben. Wie von selbst flossen die Worte aus ihr heraus. Sie bat alle die sie kannte und liebte um Verzeihung. Kaum war sie damit fertig, zerriss sie es in lauter kleine Stückchen.
Nein, wenn sie heute starb, dann sollten sie alle als das herzlose Miststück, für das sie sie hielten, in Erinnerung behalten. Weit öffnete sie die Vorhänge um das Mondlicht einzulassen. Legte sich dann, nach dem sie alle Kerzen gelöscht, hatte, auf ihr Bett und wartete.
Einen Augenblick stand er starr auf einem Fleck, dann kam Leben in ihm. Egal ob es eine Falle war oder nicht. Wenn er die mögliche Chance auf Freiheit nicht nutzte, dann war er ein verdammter Narr. Fest schloss sich seine Hand um den Zauberstab. Verblüfft stellte er fest, dass es sein Eigener war.
Selbst davor war sie nicht zurückgeschreckt. Sie hat tatsächlich versucht alles an sich zu reißen. Er riss die Tür mit dem festen Entschluss auf sie zu suchen und zu töten. Nie wieder wollte er irgendjemands Sklave sein. Vor ihrer geschlossenen Tür blieb er stehen. Nachdenklich blickte er auf seinen Zauberstab, dann wusste er es plötzlich. Sie wollte, dass er kam, um sie zu töten.
Das war ihr Plan. Doch er würde sich dem widersetzten. Er diente ihr nicht. Wenn sie sterben wollte, dann musste sie sich ein anderes Werkzeug für ihren Wahnsinn suchen. Er drehte sich um und verließ Malfoy Manor, ohne noch einmal zurückzublicken.
Die Hölle musste ein Paradies sein im Vergleich zu der Qual und den Schmerzen die Voldemort ihr zufügte. Nicht eine Sekunde glaubte er ihr die Lüge, dass Severus die Flucht gelungen war. Das Halsband hätte kein anderer außer ihr abnehmen können. Die Magie, die darin verwoben war, machte das schlicht unmöglich. Er hatte an ihr all die grausamen Flüche, die er kannte, angewandt, bis auf einen Avada Kedavra, denn sparte er sich für den Schluss auf.
Es dauerte zwei Tage und zwei Nächte, bis er mit ihr fertig war. Sie war noch am Leben, gerade so, doch statt es zu Ende zu bringen, warf er sie seinen Feinden einfach vor die Füße. Vermutlich würde sie zwar nicht einmal die nächste Stunde erleben, aber die wollte er seinen und ihren Feinden schenken. Sollten sich die noch mit ihren sterblichen Überresten amüsieren.
Am Anfang war es dunkel. Sie wusste nicht, wo sie war, oder wer sie war. Alles war überzogen von einem grauen Schleier voll Schmerz. Sie hätte gern Fragen gestellt, irgendetwas gesagt, nur ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Nicht mehr. Es war ihr unmöglich festzustellen, wie lange sie in diesem Zustand verbrachte. Zeit hatte für sie ihre Bedeutung verloren. Manchmal wünschte sie sich alles möge einfach vorbei sein und dann war es das auch.
Nach schier einer Ewigkeit war sie wieder bei klarem Bewusstsein. Aufmerksam studierte sie ihre Umgebung. Sie lag auf einem ihr fremden Bett. Jemand hatte sich beinahe fürsorglich um sie gekümmert und dafür gesorgt, dass ihre Wunden verarztet wurden und heilen konnten. Jeder Versuch sich auf Zurichten, oder sich auch nur zu bewegen scheiterte. Sie war gelähmt und sie konnte es niemanden sagen, denn nach wie vor konnte sie nicht sprechen.
„Zuerst wollte ich dich einfach sterben lassen, doch dann entschied ich mich anders. Du brauchst mir nicht zu danken, denn ich habe es weder für dich noch für mich getan, sondern einzig für einen anderen Menschen, der mir vor Jahren die gleiche Gunst zuteilwerden ließ"
Hermione schloss die Augen. Sie kannte diese Stimme und in diesem Moment fürchtete sie sie wie nichts auf dieser Welt.
„Du kannst aufhören zu sprechen zu versuchen. Ich habe deine Stimmbänder blockiert. Es ist nicht notwendig, dass du sprichst. Weder ist es von Bedeutung was du zu sagen, hast, noch interessiert es mich. Ich halte dich in Starre, vorerst. Solltest du dich in irgendeiner Form mir widersetzten, werde ich dich töten"
„Ach würdest du es nur tun!", flehte sie stumm. Nun wusste sie das sie in der Hölle gelandet war. Voldemort war nichts im Vergleich zu Severus.
Die nächsten Tage verbrachte sie in diesem Zustand. Severus richtete nicht mehr das Wort an sie. Für ihn war alles, was er sagen wollte, gesagt. Er kümmerte sich um ihre Wunden und versorgte sie mit Essen, aber ohne sie dabei zu berühren. Sie war übersäht mit Blutergüssen, tiefen Wunden die ihr Voldemort mit dem Zauberstab zugefügt hat und blauen Flecken. Jeder Muskel und jede Faser in ihrem Körper verursachte ihr beinahe unerträgliche Schmerzen.
Ein paar Tage später erlaubte er ihr zum ersten Mal, dass sie aufstehen, durfte um sich an den Tisch zum Essen zu setzten. Mit zitternden Händen griff sie nach der Gabel. Sie schaffte es kaum sie zu halten, geschweige den zu essen. So vorsichtig wie möglich legte sie wieder neben ihren Teller. Sie würde das Essen eben ausfallen lassen.
Severus beobachtete sie aufmerksam. Ganz genau wusste er noch nicht, was er von ihr halten sollte, oder wie er mit ihr umgehen sollte. Der Hass in ihm war stark und es kostete ihn beinahe seine ganze Willenskraft ihr nicht wehzutun. Das hatte Voldemort schon zur Genüge besorgt. Auch er legte seine Gabel neben den Teller, dann stützte er die Ellbogen auf den Tisch ab und verschränkte seine Finger.
„Sie werden verstehen, dass ich es Ihnen nicht gestatten, kann einfach so herumzulaufen. Daher werden Sie mir ihren Eid leisten. Sie werden mir die Treue schwören"
Ängstlich schluckte sie. Er verlangte nicht wenig und sie konnte es verstehen. Wenn sie ihm den Treueschwur leistete, dann war das vergleichbar mit dem Halsband, mit dem sie ihn an sich gebunden hatte. Es gab nur einen Unterschied. Das Halsband konnte wieder entfernt und somit der Zauberbann gebrochen werden. Der Eid galt bis zu ihrem Tode.
„Nun ich warte auf Ihre Antwort. Wie haben Sie sich entschieden?"
Nervös zuckte Hermione zusammen. Langsam nickte sie mit dem Kopf, sie hatte keine Wahl.
„Gut! Sie werden tun was ich Ihnen sage und meinen Befehlen ohne Widerspruch gehorchen. Ich werde Sie unterrichten und Ihnen beibringen ihr kindisches, unreifes Verhalten hinter sich zu lassen. Erwarten Sie kein Mitleid von mir, Sie werden es nicht bekommen"
Nach seiner Ansprache erhob sie sich. Sie hatte genug, vorerst und wollte nur noch zurück in ihr Bett. Bevor sie ging, sah sie ihn fragend an.
„Sie wollen wissen, wo sie sind?" Interpretierte er ihren Gesichtsausdruck richtig. „Sie befinden sich in Harry Potters Haus. Sie sind im Grimmauldplatz Nr. 12"
Ihr blasses Gesicht wurde noch bleicher.
„Keine Angst. Er weiß nicht das Sie hier bei mir sind und auch wenn er es wüsste – so hätte er bestimmt kein Interesse daran Sie zu sehen"
Würde das ihre Zukunft sein? Sarkastische Bemerkungen und permanente Demütigungen? Letzteres konnte sie ertragen, aber seine spitze, treffsichere Zunge nur schwer.
