Erster Todesstern der Republik, Tag der hinterhältigen Flucht Leia Organas
- Brücke -

Die unendliche Schwärze des Weltalls erstreckte sich unberührbar und fern, und doch scheinbar zum Greifen nah, hinter den Scheiben des ausladenden Panoramafensters. Nur durchbrochen vom Glitzern der Myriaden Sterne bot das All ein Bild von beeindruckender Majestät und ergreifender Schönheit.

Und von gewaltiger Eintönigkeit.

Tief in Gedanken versunken stand Officer Jayna Karr vor eben diesem Panoramafenster, und studierte hingebungsvoll das vertraute, und doch je nach Stimmungslage ernüchternde oder aufbauende Bild.

Ihr Spiegelbild, wohlgemerkt. Nicht das Weltall.

Mit einem Seufzer zupfte sie an ihrer Uniform und erfreute sich an ihrer angenehmen Bräune. Es war nicht zu übersehen dass sie gerade erst von ihrem Urlaub auf Tatooine zurückgekehrt war. Doch die Tatsache dass sich diese Bräune innerhalb der nächsten zwei Wochen Dienst auf dem Todesstern ins Gegenteil verkehren würde war höchst unbefriedigend.

Was auch für den Großteil des restlichen Lebens auf dieser Kampfstation, die doch den Stolz des Imperiums darstellte, galt.

Überhaupt gab es für junge, attraktive und ehrgeizige Imperiale – oder besser gesagt, machthungrige Yuppies, die trotz allem zum größten Teil unfähig waren – nur wenige Gründe das Martyrium Dienst auf dem Todesstern auf sich zu nehmen.

Genauer gesagt, es gab drei Gründe.

Der erste war die Tatsache, dass der Todesstern nicht von der Hand zu weisende Aufstiegschancen bot. Bei dem Verschleiß an Führungskräften.

Der zweite war der großzügige Freiraum für unfähige Mitarbeiter, die allein aus Quotengründen aufgenommen wurden, und der nicht unerhebliche Freizeitwert des Todessterns – bis auf ein anständiges Solarium und Sporthallen war tatsächlich alles geboten. Sogar eine Einkaufspassage.

Und der dritte Grund, im Fall von Officer Jayna Karr, näherte sich gerade zielsicher und gewandt, und weckte in dieser eine Art euphorischen Jagdinstinkt.

Jayna Karr atmete tief durch, straffte die Schultern und überlegte sich eine Strategie. Eine Taktik. … Ein Frontalangriff?

Mit Lichtgeschwindigkeit und mit der Präzision für die Imperiale in der gesamten Galaxis verehrt und gefürchtet werden, spielte Jayna Karr alle möglichen Szenarien in ihrem Kopf durch. Alle. Jedes Einzelne. Und nur um auch wirklich jedes einzelne zu verwerfen.

Ein letzter Blick in das Fenster, oder besser gesagt, die Scheibe, oder noch genauer, die spiegelnde Scheibe, versicherte ihr, dass Zielobjekt immer noch zielgenau auf sie zusteuerte.

Und mit dem Objekt dieses Jagdinstinkts war nicht etwa der leichte Frachter aus der Reihe YT-1300, mit dem Spitznamen „Millenium Falcon" (oder Fliegender Schrotthaufen), gemeint, der soeben mit rasanter Geschwindigkeit und unter Blaster-Feuer die eintönige Aussicht durchbrach.

Auch nicht die Schwadron TIE-Fighter, die diesen verfolgten. Deren Piloten waren zum größten Teil psychotisch, selbstmordgefährdet und unattraktiv.

Nein.

Der Dritte Grund, und das eigentliche Hauptmotiv Jayna Karrs, näherte sich in Form des uniformierten, durchtrainierten und definitiv attraktiven Kommandanten Jared Blisster.

Blisster, nicht „Blaster", wie er immer wieder Betonte.

Nicht umsonst war der Todesstern für hoffnungslos Romantische oder Romantisch-hoffnungslose ein Paradies. Wobei Jayna eher in die Kategorie „hoffnungslos in allen Lebenslagen" fiel. Was nicht weiter störte, da Frauen im Todesstern Mangelware und somit heiß-begehrt waren.

„Hey, Karr!"

Mit der ihm eigenen Graziösität blieb Blaster-Blisster mit einem perfekten Strahlen auf dem trotz ununterbrochenem Todesstern Dienst immer noch gebräunten Gesicht neben Jayna stehen. „Deine Bräune steht dir echt ausgezeichnet! Wie war der Urlaub?"

„Echt heiß!", entgegnete Jayna automatisch, die sich betont gelassen und uninteressiert zu ihm umdrehte, während ihr Gehirn mit Lichtgeschwindigkeit weiterraste, ohne dabei nennenswerte oder irgendwie verwertbare Ergebnisse zu erziehlen.

Blaster-Blisster hob eine Augenbraue, was seine blauen Augen aufs Erfreulichste betonte.

„Dann hat TK-1001 also nicht übertrieben als er von… euren… Erlebnissen… geprahlt hat?" Er schenkte ihr ein weiteres strahlendes Lächeln.

Jayna schluckte.

Es gab Dinge und Angewohnheiten, die unerlässlich für Imperiale waren und die diese mit einem nahezu obsessiven Eifer betrieben. Effektivität gehörte nicht dazu. Dafür standen das Erfinden einer nicht-existenten Rebellion, das Verfolgen ebensolcher Rebellen, das erfolgreiche Leugnen einer tatsächlich existierenden Rebellion und das Sich-Blamieren an erster Stelle.

„Ich… Also eigentlich hatte ich mehr das Wetter gemeint", erklärte Jayna unsicher, während sie automatisch und mit einer gewissen Ineffektivität zu ergründen versuchte was genau zwischen ihr und TK-1001 vorgefallen war. Es hatte etwas mit einer Bar zu tun, und mit Drinks. Weiter kam sie nicht, und im Grunde hoffte sie auch von weiteren Details verschont zu werden.

Ihre Mission Jared Blisster eifersüchtig zu machen war offensichtlich genauso wenig von Erfolg gekrönt gewesen wie Admiral Tarkins Unterfangen gewisse Senatorinnen unter Kontrolle zu bringen.

Blisster musterte sie teilnahmsvoll, und eine peinlich Stille entstand, nur unterbrochen vom immer noch andauernden Geräusch der TIE-Blaster und Triebwerke. Und dem nervösen Piepen seines Com-Links.

„Schöne Aussicht…"

Vage deutete Jayna in Richtung Fenster, ohne dabei die Augen von Blisster abzuwenden (und mit dem gleichzeitigen Versuch sich möglichst unauffällig von ihrer besten Seite zu zeigen).

„Jaaa…", murmelte Blisster, wobei er mit einer gewissen Faszination Jaynas Beine bewunderte.

Die Blaster Schüsse wurden leiser, das Piepen des Com-Links lauter, worauf es kurzerhand abgestellt wurde. "Immer diese Übungen..."

Blisster ging einen Schritt auf Officer Jayna Karr zu. Ein kleiner Schritt, zugegeben, aber genug um Jayna Karr instinktiv erst einen Schritt nach vorne um dann sofort zwei in die Entgegengesetzte Richtung machen zu lassen.

„Eigentlich wollte ich…", setzte Blisster an und fuhr sich nervös durch das braune Haar. Jayna hing hingerissen und erwartungsvoll an seinen Lippen.

„Ja?"

„Eigentlich wollte ich… dich fragen ob…"

„Ja?"

Irgendwo ertönten Schritte, und die Lautsprecher ließen ein erzürntes Geräusch ertönen.

„Gehst du heute noch in die Kantine?"

Jaynas Mund klappte zu und sie runzelte die Stirn, während sie sich wieder ihrem Spiegelbild zuwandte. Ihr von blondem Haar eingerahmtes Gesicht funkelte enttäuscht. Irgendwo, weit weg, konnte sie die Triebwerke eines fliehenden Raumschiffs erkennen. Halt, nicht fliehenden. Einfach nur eines Raumschiffs.

„Ich… ich meine…"

„Ja?" Sie hoffte, dass sie desinteressiert, distanziert und förmlich klang. Sie hoffte - erfolglos.

Blisster macht einen weiteren Schritt auf sie zu und stand nun direkt neben ihr. Er drehte sie zu sich um, so dass sie sich beinahe berührten. Beinahe automatisch schloss Jayna Karr die Augen und atmete tief ein.

„Commander Blisster, Commander Blisster!"

Die ätzende Stimme aus dem Lautsprecher zerriss die Stille. Sie klang weder erfreut noch viel versprechend, und konnte somit nur eines bedeuten: Eine weitere Imperiale Mission war zu einem Ende von zweifelhaften Erfolg geführt worden. Und das, wiederum, konnte nur eines bedeuten.

„Commander Blisster!" Das leise Keuchen, das durch die Lautsprecher drang, wurde mühelos durch die ätzende Stimme im Befehlston übertüncht.

„Commander Blisster! Sie sind befördert!"

To be continued. Über erneute Reviews würde ich mich freuen! D
Disclaimer: George Lukas, selbstverständlich, bis auf meine zwei Hauptakteure.