Hallo und willkommen zu meiner ersten deutschen Fanfiction mit Lexa und Clarke (Clexa) in den Hauptrollen :)
Diese Story wird ein Crossover zwischen Charakteren aus the100 und Grey's Anatomy sein.
Ausgangspunkt ist eine sozusagen gescheiterte Beziehung zwischen Clarke und Lexa.
Nach 6 Jahren zieht es beide gleichzeitig durch verschiedenste Umstände wieder nach Seattle.
Zuerst scheinen es nur die Erinnerungen zu sein, die geblieben sind, doch können Erinnerungen nicht auch mal Realität werden?
In dem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und mögen wir uns wiedersehen!
Kapitel 1: Alle Wege führen nach Seattle
„Lexa."
„Ich weiß."
„Ich kann nicht."
„Wenn du jetzt nicht gehst, verpasst du deinen Flug."
„Ich kann nicht ohne dich gehen."
„Du kannst."
„Ohne dich macht das alles gar keinen Sinn."
„Das ist alles was du immer wolltest."
„Du bist alles was ich immer wollte."
Als Lexa in dieser Nacht aufwachte, fühlte sie das flaue Gefühl wieder, die Schwere, die sich wie ein Stein auf ihren Brustkorb legte und sie daran hinderte, richtig durchzuatmen. Es fühlte sich an, als sei sie kurz vor der Wasseroberfläche, aber doch hatte sie keine Möglichkeit den Kopf herauszustrecken, um den so nötigen Atemzug zu nehmen, nach dem sie sich schon so lange sehnte. Der Sauerstoff war unerreichbar. Seitdem sie…
Vorsichtig rollte sie sich an den Rand ihres Bettes und setzte sich auf. Für einen Moment nur sah sie durch die offene Schlafzimmertür in Richtung der großen Fensterfront, welche beinahe die ganze Rückwand der Wohnung einnahm. Ihr Blick ruhte auf der Skyline von Seattle. Es hatte sich kaum verändert. Im Gegensatz zu ihr selbst.
Ein Blick zurück auf das Bett zeigte ihr, dass Costia noch schlief. Erleichtert atmete Lexa aus und rückte die Decke vorsichtig wieder zurecht. Costia wirkte so friedlich und ruhig. Und so weit weg. Fast nicht erreichbar. Ihre Hand bewegte sich im Schlaf leicht in Richtung der Bettseite, auf der Lexa sonst lag. Costia suchte nach ihr. In dem Moment schnürte das Lexas Brust nur noch mehr zu. Erstmal musste sie raus hier. Weg.
Als sie aufstand und in die Küche des kleinen Lofts herüberging, welches sie und Costia seit einem Monat bewohnten, zog sie sich ihre Strickjacke über und schloss die Tür des Schlafzimmers vorsichtig hinter sich. Fast automatisch fand sie ihren Weg zur Balkontür. Manchmal klemmte die Tür ein wenig, heute ließ sie sich jedoch problemlos und leise öffnen.
Die nächtliche Luft schlug ihr wie eine kalte Umarmung entgegen. Normalerweise mochte Lexa den Winter nicht sonderlich, doch heute war es ein angenehmes Gefühl. Die Kälte auf ihrer Haut ließ sie spüren, dass sie lebte. Fast brannte die Kälte sogar ein wenig. Jeder Atemzug brannte sich regelrecht in ihre Lunge.
Lexa ließ sich auf der kleinen Bank nieder, die sie und Costia erst letzte Woche gekauft hatten. Zusammen. Ihr Atem bewegte sich in kleinen Rauchwolken vor ihr. Atme, Lexa. Mit einer langsamen Bewegung strich sie sich ihre Haare aus dem Gesicht und schloss in derselben Sekunde die Augen. Vor den Erinnerungen kannst du nicht weglaufen. Manchmal spürte sie noch immer, wie sanfte Finger vorsichtig ihre braunen Locken umspielten. Der sanfte Schmerz, wenn neckisch an ihnen gezogen wurde, gefolgt von einem frechen Lachen, welches ihre Erinnerungen nur noch wacher rief. Der Himmel über Seattle war wolkenleer, dunkel und voller heller Sterne, die sich gegenüber den blinkenden Stadtlichtern schwer abzeichneten.
„Du hasst Seattle, Lexa. Weil du hier die Sterne nicht richtig sehen kannst." Clarke verzog leicht das Gesicht und wandte es wieder Richtung Nachthimmel.
„Stimmt nicht. Ich hasse es nicht. Es ist… interessant und ziemlich… groß hier." Als Clarke eine Braue hochzog und ihr ihren Blick wieder zuwandte, presste Lexa leicht die Lippen aufeinander. „Es hat doch ziemlich viele coole Ecken. Cafés. Bibliotheken. Ein riesiges Krankenhaus neben dem anderen und ich werde mich bestimmt richtig schnell dran gewöhnen. Außerdem sind Sterne ja auch nicht alles."
„Mach mir nichts vor. Du liebst die Sterne und hier kannst du sie nicht sehen. Du hasst das." – Lexa lächelte unwillkürlich. „Stimmt. Aber ich muss Seattle nicht mögen. Ich bin hier, weil es für dich die größte Chance deines Lebens ist. Hier gibt es so viele gute Krankenhäuser, in denen du arbeiten kannst. Ich muss nur dich mögen."
„Na dann hoffe ich, dass du mich für immer magst."
„Vielleicht."
Eine Hand schnellte vor und fasste in Lexas braune Locken, während wieder das freche und so wohlklingende Lachen ertönte.
„Autsch! Claaaarke!" Sie konnte nicht anders, als trotzdem in Clarkes Lachen einzustimmen. „Na gut. Ich mag dich doch."
„Für immer?" Clarkes blaue Augen kamen näher. Ihre Lippen. Ihr Atem war beinahe auf Lexas Lippen zu spüren.
„Für immer."
Als Lexa die Augen öffnete, spürte sie, dass ihre Wangen feucht waren. Erst jetzt ging ihr auf, dass sie weinte. Lexa weinte, weil alles hier an sie erinnerte. Das hier sollte der Start in ein neues Leben sein. Ein Leben mit Costia, doch jede ihrer Erinnerungen brannte sich tiefer ein, seitdem sie zurück in Seattle war. Es war, als würden die blassen Erinnerungen wieder an Farbe gewinnen. Alles kam zurück zu ihr. Alles, was sie 6 Jahre lang in ihr Herz eingeschlossen hatte. 6 lange Jahre.
Bereits jetzt nach so kurzer Zeit erwischte Lexa sich täglich dabei, wie sie manche Orte gezielt mied oder Ausreden suchte, wann immer Costia genau zu dem einen Kaffeeshop wollte, zu dem sie und Clarke jeden Tag gemeinsam vor der Arbeit gegangen waren. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, hierher zurückzukommen.
„Lexa?" Die Balkontür hinter Lexa öffnete sich und Costia schob sich hindurch. Sie fröstelte in ihren kurzen Schlafsachen ein wenig, obwohl sie sich ebenfalls eine Strickjacke übergezogen hatte. Ihre dunkelblonden Locken waren vom Schlaf noch ganz durcheinander. Es sah unglaublich süß aus. Sie war schön, selbst so verschlafen. „Es ist doch erst viertel nach 3. Kannst du nicht schlafen?" Zum Glück hatte es begonnen, ein wenig zu schneien. Die Feuchte auf Lexas Wangen beunruhigte Costia daher keine Sekunde. Inzwischen fror Lexa selbst ein wenig, aber es war kein Vergleich zu der Kälte, die sie gegenüber Costia ganz plötzlich verspürte, als die sich neben sie auf die Bank setzte und Lexa einen fragenden Blick zuwarf. Als ob etwas an diesem Moment nicht stimmte.
„Ich wollte wohl mal die Sterne sehen", murmelte Lexa nur leise und wandte ihren Blick wieder gen Himmel. Die Wolken verdeckten die Sterne nun voll und ganz. Costia lachte leicht auf. „Bei den Wolken? Da kannst du ja lange warten. Bis dahin bist du erfroren und irgendwie muss ich doch zugeben, dass die Vorstellung nicht so schön wäre." Ihr süßes und vorsichtiges Lächeln ließ Lexas Starre ein wenig auftauen. Das hier war Costia, ihre Freundin. Sie verdiente so viel mehr als das, was Lexa ihr gerade gab. Müde breitete sie die Arme aus und Costia kuschelte sich dankbar hinein. Selbst die Beine zog sie an und lehnte sich leicht gegen ihre Freundin. „Schon viel besser. Danke", murmelte Costia zufrieden und betrachtete für einige Zeit still die Skyline von Seattle. „Du hattest Recht. Es war wirklich eine brillante Idee, hierher zu ziehen. Man kann zwar die Sterne nicht immer sehen aber dafür sind die Lichter der Stadt nachts echt toll. Und an jeder Ecke sieht man hier was Neues. Als ob alles in einem ganz anderen Rhythmus abläuft. Ich liebe Seattle", durchbrach Costia die Stille schließlich und schloss leicht die Augen. „Du liebst es doch auch, oder? Immerhin ist es doch schon mal sozusagen deine Heimat gewesen?" – „Ja. Ich liebe Seattle", antwortete Lexa halbherzig und doch hörte sie, wie Costia zufrieden und erleichtert ausatmete. Noch während Lexa die Wolken ihres Atems in der Winterluft betrachtete, war sie froh, dass Costia ihr Gesicht gerade nicht sehen konnte.
Mach dir nichts vor. Du liebst die Sterne und hier kannst du sie nicht sehen. Du hasst das.
„Also?" – „Hypoplasie des linken Lungenflügels. In Folge dessen bereits Atemnot beim Neugeborenen." – „Gut, Clarke. Lexie, wie würdest du vorgehen?" Clarke musterte ihre Assistenzarztkollegin aus dem Augenwinkel, während die sich ganz auf die Oberärztin vor ihnen konzentrierte und wie gewohnt, wusste Lexie die Antwort problemlos innerhalb weniger Sekunden. Fotografisches Gedächtnis. Wirklich manchmal unfair. Oder eben auch ziemlich cool. Zumindest konnte sie bei damit ziemlich Eindruck schinden. Als die Unterweisung vorbei war und sie sich in Richtung Cafeteria aufmachten, gesellte sich auch Raven zu den beiden. Zwischen diesen beiden Genies fühlte sich Clarke selbst als Arztanwärterin manchmal so unfassbar dämlich und zurückgeblieben.
„Wie war's bei Robbins? Ist Pädiatrie euer Ding?", fragte Raven gerade, als Clarke ihren Joghurtbecher öffnete. „Ziemlich cool ehrlich gesagt. War auf jeden Fall sehr interessant. Aber mein Ding ist's nicht unbedingt. Ich hab immer Angst, die Neugeborenen zu zerbrechen oder so. Außerdem hast du ständig die unglaublich besorgten Eltern um dich rum", meinte sie bevor sie sich ihren ersten Löffel Erdbeerjoghurt in den Mund schob. „Glaub mir, das hast du überall. Ich heute. Ein Mann, 32 Jahre alt, mit einem Hirntumor. Galt überall anders als inoperabel aber McDreamy will es tatsächlich versuchen. Jetzt sind die Eltern des Mannes natürlich unfassbar nervös und rennen ständig auf und ab um mich mit Fragen zu bombardieren. Da habt ihr beide echt noch Ruhe bei den Neugeborenen." Auch wenn Raven sich jetzt beschwerte, Clarke wusste ganz genau, dass die Neurochirurgie total ihr Ding war und sie es liebte, zu assistieren. Es gehörte aber wohl einfach dazu, sich hin und wieder mal über Patienten auszulassen, wenn sie unter sich waren.
„Wie auch immer", meinte Clarke dann einfach diplomatisch, „ich mag die Pädiatrie trotzdem gerne." Octavia – die sich gerade zu ihnen dazugesellte und Murphy im Schlepptau hatte – lachte leicht. „Liegt bestimmt nicht an Dr. Robbins, oder Clarke?" Alle stimmten in Octavias freches Lachen ein, als die beiden sich dazusetzten, doch Clarke tat gespielt beleidigt. „Weiß doch jeder, dass sie schon verheiratet ist und eine Tochter hat. Und mit Callie Torres legt sich keiner an, der nicht gerne mal gebrochene Knochen haben will", warf sie ein. „Außerdem hat Clarke ja mittlerweile was Festes mit Finn", meinte Murphy, „jedenfalls hat er das Letztens nochmal extra laut erwähnt. Dass sich ja keiner traut, Clarke auch nur anzusehen… Nicht dass ich das überhaupt vorhätte." Er zog typisch eine Braue hoch und Clarke rollte mit den Augen. – „Bitte waaaas? Hah, ich wusste es. Clarke stand schon immer eher auf die Dunkelhaarigen, hat man doch schon bei Le…", kam es von Octavia, doch sie stoppte, als Raven neben Clarke ruckartig den Kopf schüttelte. Lexa… „Haaaallo, Erde an Assistenzärzte. ich sitze auch noch hier. Wie wärs wenn ihr einfach mit mir sprecht, anstatt über mich? Und ja, Finn und ich sehen uns jetzt schon seit letzten Sommer regelmäßig. Aber bevor ich das euch Tratschtanten erzähle, kann ichs besser gleich ans schwarze Brett pinnen. Dann weiß es nämlich genauso schnell jeder." Sie stand vom Tisch auf, ließ ihr restliches Essen unangerührt stehen und verließ die Cafeteria erstmal. Allein sein. Das konnte sie gut. Clarke hatte vor allem in den ersten Monaten nach ihrer Trennung von Lexa lernen müssen, mit sich selbst „allein" zu sein. Sie hatte sich hinterfragt, sich selbst gehasst für so vieles, was passiert war. Vor allem für alles, was sie und Lexa auseinander gebracht hatte.
Und irgendwie war diese neue Beziehung mit Finn etwas, wegen dem sie sich unfassbar ungerne rechtfertigte. Als Clarke damals gemeinsam mit ihrer besten Freundin Raven ans Seattle Grace Hospital gekommen war um dort ihre Laufbahn zur Ärztin zu beginnen und in die Fußstapfen ihrer Mutter Abby zu treten, hatte niemand auch nur eine Sekunde ihre Beziehung mit Lexa in Frage gestellt. Nicht einmal.
Das mit Lexa war etwas, bei dem jeder gesehen hatte, dass es einfach so vorherbestimmt war. Sie und Lexa hatten sich gefunden und alle liebten es, dass sie zusammen waren. Sich gefunden hatten. Dass Lexa und Clarke ihr Leben gegenseitig nur noch immer besser machten, war offensichtlich. Alle standen dahinter und waren – seitdem sie die beiden kannten – der festen Überzeugung gewesen, dass es so etwas wie Seelenverwandtschaft doch gab.
Als es dann auseinander gegangen war, waren sie alle für Clarke da, doch jeder, der jetzt auch nur annähernd versuchte, in Clarkes Nähe zu kommen, wurde ohne jegliches Zögern direkt mit Lexa verglichen. Es war unfair, doch Clarke konnte ihnen das eigentlich gar nicht vorwerfen.
Sie selbst verglich doch jeden einzelnen Schritt ihres Gegenübers mit Lexa.
Fragte sich nun, was besser war… ihre ständigen Vergleiche oder die mitleidigen Blicke, die Raven ihr jedes Mal zugeworfen hatte, wenn jemand Lexa erwähnte.
„Weißt du das mit dir und Lexa ist magisch. Sie macht dich zu einem besseren Menschen. Und wenn ich sowas unfassbar abartig Schnulziges von mir gebe, dann kannst du mir das auch glauben."
Raven schenkte Clarke ein Lächeln und die bekam ihrerseits eine unfassbare Gänsehaut. Sie konnte nicht aufhören, zurück zu lächeln.
„Seitdem ich sie kenne wirkt alles so…echt", versuchte Clarke sich auszudrücken aber das Pochen in ihrer Brust, das Gefühl, was sie hatte, wenn Lexa auch nur im gleichen Raum war, war einfach unbeschreiblich. Magie.
„Ich weiß. Und weißt du wie unglaublich glücklich es mich macht, dich so zu sehen? Ich habe dein glückliches Lächeln wirklich vermisst."
„Tut mir leid, dass ich mich so hängen lassen habe. Ich bin echt so froh, dass es dich gibt."
„Du hattest jedes Recht dazu. Aber danke lieber Lexa. Die hat dich wieder auf Kurs gebracht. Oder weißt du was? Ich danke ihr selbst." Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht sprang Raven plötzlich auf und lief in Richtung Lexa, die gerade von der Toilette zurück in die Richtung ihres Tisches gelaufen kam.
Clarke verzog nur leicht entschuldigend das Gesicht und trank wieder einen Schluck von ihrem Coctail, während sie zwei ihrer liebsten Menschen im Blick behielt. Raven, die der absolut überforderten Lexa um den Hals fiel, lachend, auf die typische Raven-Art und dann Lexa. Ihre Lexa, die ihre langen lockigen Haare lässig zurückwarf, Raven in den Arm nahm und Clarke über die Schulter hinweg erst einen etwas verwirrten Blick zuwarf, der sich dann aber in eines ihrer wunderschönen Lächeln verwandelte. Clarkes Knie wurden weich und ihr wurde schlagartig warm ums Herz. Die Abendsonne im Hintergrund tauchte die Tische und Stühle des Sunset-Beachclubs in ein passendes rötlich-warmes Licht… fast als ob sie sich Clarkes Stimmung anpassen wollte.
„Wie wärs denn mit dem Sunset? Das soll abends wirklich richtig schön sein da." Costia scrollte weiter durch ihre Handyanzeigen, während Lexa sich leicht anspannte. Ihre Hände ballten sich auf ihren Oberschenkeln unwillkürlich zu Fäusten und sie versuchte krampfhaft dem Strom an Erinnerungen zu entkommen. Costia betrachtete aufgeregt ihr Handydisplay. „Man Wahnsinn, diese Aussicht!", gab sie von sich. Atme Lexa.
„Nein, nicht das Sunset." Mit diesen Worten hatte sie die Aufmerksamkeit ihrer Freundin fast im selben Moment sofort wieder. „Wieso, warst du schon mal da? Ist das so schlecht? Ich meine du bist hier die Seattle-Expertin aber die Bilder hier sehen richtig toll aus. Vielleicht haben sie das ja neu gemacht und du kennst nur das alte Sunset? Es ist immerhin 6 Jahre her, oder? Ich meine guck dir mal die Bilder an, die…" – „Costia. Ich will nicht ins Sunset", erwiderte Lexa ziemlich kalt, hart und unterbrach so den Strom von Costias begeisterten Worten über den Beachclub, den sie soeben zufällig gefunden hatte. Sofort bereute sie es auch wieder, denn Costia zuckte ziemlich erschrocken zusammen. „Tut mir leid. Es ist einfach… ich meine…" – „Hat es was mit deiner Vergangenheit zu tun? Von der du mir nie erzählst? Lexa ganz ehrlich, ich frage dich nie nach etwas, aber seitdem wir wieder hier sind, benimmst du dich immer seltsamer. Du…du isst kaum und wenn ich dich berühre, dann habe ich das Gefühl, als ob du es gar nicht willst. Als ob ich irgendjemand Fremdes wäre. Lexa…Du entgleitest mir fast. Liegt es an mir, hab ich irgendwas falsch gemacht? Weil wenn es so ist, dann bitte…bitte sag…"
Dieses Mal stoppte Lexa Costias Worte, indem sie sie zu sich heranzog und ihr mit einem langen Kuss den Atem fast raubte. Es war als versuchte Lexa mit diesen neuen Erinnerungen die alten einfach zu überschreiben. Wie konnte das sein? Die ganzen Jahre hatte sie gedacht, sie hätte wieder gelebt, mit Costia sogar wieder geliebt und jetzt brannte jede noch so kleine Berührung, jeder Kuss auf ihrer Haut, als sei das, was sie hier tat, etwas Verbotenes. „Wow, Lexa, mach mal halblang", keuchte Costia, aber sie grinste und ihre braunen Augen leuchteten wieder verspielt. Heute vor genau 3 Jahren hatte sie sich in diese leuchtenden und doch so ruhigen Augen verliebt. Zumindest hatte sie das angenommen. Auch Lexa atmete schwer, als sie Costias dunkle Haare zurückstrich. „Du hast nichts falsch gemacht", murmelte sie und vergrub ihr Gesicht am Schulterblatt ihrer Freundin. „Ich glaube Seattle ist einfach momentan noch etwas überfordernd für mich. Ich habe hier einfach so viel erlebt."
Das war nicht mal gelogen. Sie sparte nur einige Teile der ganzen Wahrheit aus. Es ging ihnen gut. Sie waren hier zusammen und es ging ihnen wirklich gut. Atme Lexa.
Clarke stand auf dem Dach und atmete die kalte Winterluft ein. Der Schnee fiel mittlerweile zwar nicht mehr, aber sie hatte lange genug hier gestanden, um ihren Mantel komplett durchnässt zu haben. Und so durfte sie jetzt noch wieder nach Hause laufen. Große Klasse. Sie biss sich auf die Unterlippe und schluckte hart. Die Skyline von Seattle wirkte ein wenig trüb… verschleiert und grau. Vor einigen Jahren war Clarke Seattle in der Weihnachtszeit immer so magisch vorgekommen. Wunderschön geschmückt, überall diese Weihnachtsmusik doch jetzt konnte sie dem Ganzen gar nichts mehr abgewinnen. Zu viele Erinnerungen belasteten das, was sie sah.
„Griffin, was machen Sie denn noch hier? Haben sie nicht schon seit 2 Stunden Feierabend?" Unwillkürlich zuckte Clarke ein wenig zusammen, als sie Stimme von Dr. Shepherd von der Tür zum Dach aus hörte und die Ärztin mit langsamen Schritten zu ihr herüberging. Amelia hatte hier im Krankenhaus und auch weit über die nationalen Grenzen hinaus einen unvergleichbar guten Ruf als Neurochirurgin. Clarke bewunderte sie ziemlich für all das, was sie schon geschafft hatte, vor allem nach dem was sie laut den Gerüchten alles schon durchgemacht hatte, aber dass Amelia sie unbedingt jetzt gerade in dieser Situation zu Gesicht bekam, war ihr ziemlich unangenehm. Clarke war jemand, der abgesehen von ihren Freunden ihr Berufsleben immer vom Privaten trennen wollte. Vor den Oberärzten wollte sie keine „Szenen schieben". Sie sollten sie schließlich für ihr Können anerkennen und nicht Mitleid mit ihr empfinden, weil sie weinend auf dem Dach des Krankenhauses stand. Außerdem fühlte sie sich ohnehin schon oft so, als würde sie jeder anders behandeln, als die anderen Assistenzärzte. Ihre Mutter – Abigail oder auch einfach Abby Griffin – war hier im Krankenhaus und überhaupt in der Welt der Ärzte eine ziemlich große Nummer. Allgemeinchirurgin. Jetzt erwarteten natürlich alle dasselbe von Clarke. Die einzige, von der sie sich in diesem Punkt manchmal ein ganz klein wenig verstanden gefühlt hatte, war Meredith Grey… oder auch Jackson Avery. Beide waren auch irgendwie in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten und jeder andere dachte immer – bis sie sich bewährt hatten – dass sie mit „Vitamin B" in die Krankenhauswelt gekommen waren.
„Dr. Shepherd...", murmelte sie und wischte sich nebenbei über die Wange. „Ich… also ja, ich wollte gerade gehen." Mit flüchtigen Schritten trat sie an Amelia vorbei, doch die Ärztin fasste ihr überraschend an die Schulter und stoppte sie so. „Clarke. Ich weiß, dass ich als Oberärztin sozusagen Ihre Vorgesetzte bin… aber zeittechnisch gesehen haben wir beide bereits Feierabend und wenn man das Dach des Krankenhauses jetzt praktisch gesehen nicht unbedingt als Teil des Krankenhauses sieht, könnten wir auch zwei Bekannte sein, die sich zufällig irgendwo getroffen haben. Also. Rücken Sie raus mit der Sprache. Was für einen Grund gibt es, an einem Wintertag in Seattle auf ein… sagen wir mal x-beliebiges Dach zu steigen und zu weinen, anstatt nach Hause zu gehen?" Amelia zog ihre Hand zurück und hatte irgendwie diesen typischen Blick aufgesetzt. Er duldete keine Ausrede. Clarke schloss kurz die Augen, atmete tief durch und entgegnete den Blick der Oberärztin mit ihrem eigenen Blick, aus dem man so viel lesen konnte, wenn man denn wollte.
„Ich schätze ich wollte wohl einfach mal die Sterne sehen."
