Inter Spem Et Metum: Missing Scenes
So, angekündigt hatte ich es ja schon vor einiger Zeit. Nun sind sie endlich da… zumindest der Anfang. °gg° Ein Großteil der geplanten Szenen ist noch nicht geschrieben, dementsprechend sind die Updates hier sehr unregelmäßig. Aber da die Szenen nur Ergänzungen zu ISEM sind, sollte das eigentlich nicht weiter schlimm sein.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sind die Szenen meistens aus Severus' Sicht geschrieben und erzählen Details, die seine Veränderung hoffentlich etwas verständlicher machen. Ich habe mich vor allem darauf konzentriert, die Hintergründe mit Dumbledore und den Todessertreffen aufzugreifen, da das die beiden Dinge sind, die ihn am meisten beeinflussen.
Szenen mit Hermine direkt wird es hier voraussichtlich nicht geben, da diese – sofern sie von Bedeutung sind – im Rahmen von ISEM selbst abgehandelt wurden. Möglicherweise kommt hier sehr viel später mal die eine oder andere Erotikszene, aber das ist noch weit entfernt. ;)
Und damit es hier keine Missverständnisse gibt: Das hier ist keine vollständige, eigenständige Story, sondern nur Ergänzungen zu ‚Inter Spem et Metum: Zwischen Hoffnung und Furcht'! Es vielleicht sogar sinnvoll, die betreffenden Stellen, wo die Szenen eingeflochten sind, noch einmal nachzulesen.
Jetzt hab ich aber genug geredet. Viel Spaß!
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zu dieser Szene: Ich wurde oft gefragt, wie Severus reagiert hat, als er erfuhr, dass Hermine ihm das Leben gerettet hat. Hier ist nun die eindeutige Antwort. ;)
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- am Tag nachdem Hermine Severus gerettet hat (Kapitel 1)
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Severus war gerade dabei, sich seinen Gehrock zuzuknöpfen, als der Direktor den Krankenflügel betrat. Madam Pomfrey beäugte beide von ihrem Büro aus und der Tränkemeister warf ihr ein paar besonders giftige Blicke zu, so dass sie letztendlich doch die Tür hinter sich schloss – so schwungvoll, dass ein paar Staubflocken zu Boden segelten.
Albus drehte sich mit hochgezogenen Augenbrauen zum Büro der Medihexe um und schüttelte dann schmunzelnd den Kopf. „Du solltest nicht so harsch zu ihr sein, Severus. Sie hat immerhin dafür gesorgt, dass du schon heute den Krankenflügel wieder verlassen kannst", mahnte der alte Mann und setzte sich auf das Bett neben dem, das Severus in der letzten Nacht belegt hatte.
Er schnaubte. „Das ist ihr Job."
„Den sie außerordentlich gut macht."
„Was kein Grund ist, ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken."
„Sie ist Mitglied des Ordens. Sie hat ein Recht darauf, diese Dinge zu erfahren."
Severus warf seinem Vorgesetzten missmutige Blicke zu und setzte sich mit nun einwandfrei sitzender Kleidung auf das Bett. Es hatte sicherlich nicht viel Sinn, sich bei ihm über die Auswahl der Ordensmitglieder zu beschweren. „Bist du nur hergekommen, um mir diese Dinge zu sagen, Albus?", fragte er deswegen spitz.
Der weißhaarige Mann lächelte und schüttelte dann den Kopf. „Nein, das bin ich nicht. Aber lass uns ein paar Schritte gehen. In Hogwarts haben selbst die Wände Ohren und die des Krankenflügels scheinen besonders aufmerksam zu sein."
Severus nickte zustimmend und verließ vor dem Älteren den Krankenflügel. Seine Erinnerungen an die letzte Nacht waren sehr vage, vor allem wenn er an die Zeitspanne zwischen seiner Rückkehr und dem Erwachen an diesem Morgen dachte. Er glaubte sich an eine ihm bekannte Stimme zu erinnern, konnte sie aber nicht zuordnen. Er wusste nicht einmal, wie er überhaupt in den Krankenflügel gelangt war, geschweige denn, was er dem Direktor schon alles erzählt hatte. Es gab gewisse Details, die er gerne verschweigen würde. Die neuerliche Bekanntschaft mit dem Cruciatus war eines davon.
Albus legte einen Illusionszauber über sie, so dass sie ungestört durch die Gänge gehen und sich unterhalten konnte. Severus steuerte automatisch den Weg in die Kerker an. Albus folgte ihm, ohne etwas dazu zu sagen.
„Was ist letzte Nacht passiert?", fragte er stattdessen gezielt und mit nun ernster Stimme.
Aufgrund dieser offenen Frage begann Severus zu hoffen, dass er dem alten Mann noch nicht viel erzählt hatte. „Das erste Treffen nach dem Trimagischen Turnier, das ist passiert. Der Dunkle Lord war wenig begeistert von den Geschehnissen, vor allem der Verbleib von Barty Crouch Junior ist ihm ziemlich bitter aufgestoßen."
Er sah Peeves um die Ecke biegen und beäugte den Geist skeptisch. Selbst mit dem Illusionszauber schien das stets der bessere Weg zu sein, wenn man überraschenden Angriffen aus dem Weg gehen wollte. Und da die Narbe auf seinem Bauch noch immer unangenehm ziepte, hatte er es nicht darauf angelegt, sich allzu bald wieder dem Kreuzfeuer auszuliefern – welchem auch immer.
„Damit hatte ich gerechnet", erwiderte Albus und spielte mit seinem Zauberstab. Eine plötzliche Windböe wehte Severus die Haare über die Schultern und Peeves in einen anderen Gang. Der Poltergeist gab ein lautes Jaulen von sich und zischte zurück um die Ecke, nur um zwei Slytherins ins Visier zu nehmen, die das Pech hatten, gerade auf dem Weg zum Frühstück zu sein. Severus beobachtete, wie die Augen des Störenfrieds sich verengten. Seine Schüler schluckten.
„War das wirklich nötig?", wandte Severus sich missmutig an seinen Vorgesetzten.
Dieser beobachtete mit wackelnder Brille, was weiter passierte. „Oh Severus, du solltest aufhören, alles als persönlichen Angriff auf dich und dein Haus anzusehen. Erzähl mir lieber, was weiter passiert ist."
Der Tränkemeister hatte seine liebe Mühe, sich über das Klappern mehrerer Rüstungen, die Peeves wie übergroße Marionetten tanzen ließ und damit die beiden Schüler in eine Ecke drängte, verständlich zu machen. Mit beginnendem Pochen zwischen seinen Schläfen und gerunzelter Stirn fuhr er fort: „Nun, der Dunkle Lord hat sich zur Aufmunterung eine Art groteskes Theater inszeniert. Wir durften uns duellieren, vergnügen und Muggel foltern. Bitte, Albus, setz' diesem Schindluder endlich ein Ende!" Inzwischen rieselte der Putz von der Decke, direkt auf seine schwarzen Haare.
Albus tat, worum Severus ihn gebeten hatte, woraufhin die Rüstungen wieder auf ihre Plätze flogen. Dann fixierte er den Tränkemeister mit tief gerunzelter Stirn. „Er vergreift sich also wieder an Muggeln", stellte er fest, während die Schüler rasch das Weite suchten und Peeves sich lautstark darüber beschwerte, dass das Schloss sich heute gegen ihn verschworen hatte.
„Hattest du etwas anderes erwartet?" Der Tränkemeister hasste es, so alltäglich über die Methoden des Dunklen Lords reden zu müssen. Aber es war tatsächlich abzusehen gewesen, dass Muggel und muggelstämmige Zauberer und Hexen erneut die Leidtragenden sein würden. So war es damals und so würde es auch heute sein.
„Ich hatte gehofft, dass zwölf Jahre im Exil seinem Verstand geholfen haben, die Ziele auf das Wesentliche zu reduzieren", gestand der Schulleiter nachdenklich. „Wer verletzte dich so schwer?", wechselte er dann abrupt das Thema.
Severus grunzte leise. „Avery. Hat einen zufälligen Treffer gelandet, der verdammte Mistkerl."
„Verdächtigt er dich?"
„Sicher. Der Lord hat mich zwar anfänglich wieder in die Gruppe aufgenommen und allen verboten, sich zu viele Gedanken über Dinge zu machen, die sie nichts angehen. Doch selbst in dem Haufen der Todesser gibt es ein paar zum Denken fähige Menschen und Avery gehört dummerweise dazu. Er bekam einen Auftrag vom Lord. Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, worum es geht." Er verzog das Gesicht, denn diesen Teil des Treffens hatte er unter einem Cruciatus verbracht. Aufmerksam musterte er das Gesicht des Zauberers neben ihm, doch Albus ließ ihn durch seine Mimik nicht wissen, ob er die genaueren Umstände bereits wusste. Severus ärgerte sich maßlos darüber, dass er nicht mehr wusste, was er dem alten Mann letzte Nacht alles erzählt hatte.
„Wie kam es, dass er dich im Duell besiegte?", überging Albus nach kurzem Schweigen die letzte Information und schmunzelte neuerlich.
„Das tat er nicht. Er landete lediglich einen Treffer." Severus konnte sich ein feines Lächeln der Genugtuung nicht verkneifen.
„Nun gut", ließ Albus das Thema fallen, als sie an der Tür zu Severus' privaten Räumen angelangt waren. „Wir sollten also möglichst bald einen Weg finden, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Und ich wäre dir sehr verbunden, wenn du irgendwie an die Details über diesen Auftrag kommen könntest."
„Natürlich, Direktor. Ich werde sehen, dass ich einen Weg finde, an detaillierte Informationen zu gelangen. Allerdings ist Avery mir gegenüber wie gesagt nicht sehr zutraulich und der Lord hat sich darauf verlegt, Wurmschwanz mehr als mir zu vertrauen. Diese Ratte hat es geschafft, sich im richtigen Moment einzuhaken."
„Es ist ein unglücklicher Zufall, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war", gab der Direktor zu. „Aber es hätte schlimmer kommen können."
Severus schnaubte. Er hasste diesen Spruch wirklich. Doch irgendwelche höheren Mächte, die sich einen Jux daraus machten, ihm das Leben zu erschweren, hatten beschlossen, dass Albus Dumbledore ihn liebte.
„Ich sehe dich beim Abendessen", verabschiedete Albus sich und Severus nickte.
Als der Schulleiter bereits einige Schritte in Richtung der Eingangshalle zurückgelegt hatte, hielt er ihn allerdings noch einmal zurück. Die blauen Augen musterten ihn neugierig. „Wie kam ich in den Krankenflügel?", fragte Severus dann und legte den Kopf schief.
Bereits als er das diebische Lächeln auf dem Gesicht des Schulleiters sah, wusste er, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde. „Miss Granger hatte das zweifelhafte Vergnügen, auf den Ländereien über dich zu stolpern. Du solltest ihr danken, sie hat dir das Leben gerettet." Damit wandte er sich um und ging weiter.
Severus' Kiefer mahlten. „Ich hoffe, du hast ihr viele Punkt für das Verlassen des Turms nach Einbruch der Dunkelheit abgezogen!", rief er dem alten Mann hinterher.
Dieser hob jedoch nur die Hand und winkte ihm damit, ohne sich umzudrehen.
