Inspiriert vom Panini Star Wars Comic 120 – 5 Tage Sith
Fifty Shades of Black
Der mit dunkelgrauem Leder bezogene Pilotensessel schmiegte sich angenehm um Fähnrich Nandas Konturen. Die Sitzfläche bot eine bequeme Tiefe und die Lehne ragte noch etwas über den Kopf der Pilotin hinaus, sodass sie sich zufrieden zurücklehnen hätte können. Doch sie wagte es nicht. Konzentriert starrte die Unteroffizierin auf die Bildschirme und Anzeigen der Konsole vor ihr, deren fröhlich blinkende Lichter das sonst nur spärlich beleuchtete Cockpit in ein geheimnisvolles Halbdunkel tauchten.
Sie wusste, dass die Spezialeinheit, der sie zugeteilt worden war, sich noch immer an Bord befand. Sechs ausgewählte Elitesoldaten, deren Akten erst mit einer Sicherheitsfreigabe einzusehen waren, die die ihre soweit überragte wie ein Wookie einen Ughnaut. Es war Fähnrich Nandas Einheit. Und auch wenn die Soldaten die junge Unteroffizierin nicht ernst nahmen, wäre Fähnrich Nanda trotzdem weitaus wohler gewesen, wenn die sechs Elite-Sturmtruppler - die auf Bothawui wahrscheinlich ein mittelschweres Massaker verübt hatten - nicht tot in den Korridoren lägen. Mit zerschmetterten Köpfen in den geborstenen Helmen und abgetrennten Gliedmaßen. Wenn Nanda beim Herausgehen nicht über die verkrümmten Leiber stolpern würde, dann brächte sie spätestens das Blut zu Fall, das stetig aus ihnen hervor sickerte und den Boden des Frachtbereichs in eine unfreiwillige Rutschbahn verwandelte.
Die Bilder der Überwachungskameras die sie als Pilotin empfing waren eindeutig gewesen.
Negativ, hatte der Sergeant gesagt und den Befehl verweigert. Als es passiert war, traute sie ihren Ohren kaum.
Mein Lord, bitte. Wir dienen beide dem Imperator.
Aber Lord Vader nahm es nicht hin, dass man ihn in Frage stellte und gleichzeitig ein paar Blaster in Anschlag brachte. Törichte Männer.
Fähnrich Nanda hatte den Soldaten eine Chance von 30% gegeben. Schnell korrigierte sie auf 5. Unabhängig von dem Kampf versuchte sie sich auf ihre Pflichten als Pilotin zu konzentrieren.
„Nicht die Hülle durchlöchern... Nicht die Hülle durchlöchern...", sagte sie angespannt zu sich selbst während sie die Korvette aus dem Alderaanischen Asteroidenfeld manövrierte.
Eine Sirene fing kakophonisch an zu heulen und mehrere Anzeigen schalteten auf alarmierendes Rot, als die Schüsse eines Stormtroopers die Hülle von innen durchschlugen. Ein bedrohlicher Ruck ging durch das gesamte Schiff.
„Lord Vader!", rief Nanda besorgt aus und wusste, dass sie es sich nie verzeihen könnte, sollte dem Sith an ihrer Seite etwas zustoßen.
Doch innerhalb von 15 Sekunden hatte Vader nicht nur eine Eliteeinheit Sturmtruppen ausgelöscht, sondern auch einen Hüllenbruch versiegelt. Er war unglaublich. Beinahe musste sie lächeln. Grausam und mitleidslos im Kampf, doch erhebend für all jene die ihm in die Schlacht folgten. Soldaten die an seiner Seite fochten, sprachen alle von einer unaufhaltsamen, erhebenden, fast euphorisierenden Macht. Vader war Faszination, ein strahlendes Symbol voller Anziehungskraft welches das Blut in den Adern vor Angst gefrieren oder vor Tatendrang zum Kochen bringen konnte. Er war eine pure Manifestation von Stärke, vor der niemand zu bestehen hoffen durfte. Nanda hatte ihn studiert. Sie wusste alles, was frei über ihn verfügbar war, hatte ganze Tage im Holonetz verbracht um ihn zu sehen, zu hören und jede Information über ihn in sich aufzusaugen.
Schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie und Vader nun die einzigen Lebewesen auf dem Schiff waren. Nandas Kehle schnürte sich zu. Die zweite Realisierung barg die Erkenntnis, dass sie die einzige Zeugin zu Vaders Bluttat war. Und der Lord war niemand, der einzige Zeugen am Leben ließ. Vielleicht war dies der Preis für die Teilnahme an einer inoffiziellen, ja persönlichen Mission des Lords, die nie irgendwo Erwähnung finden würde. Ein simples 'Verschollen' beendete ihre Akte und sie ward nie mehr gesehn.
Fähnricht Nanda starrte mit gelernter Professionalität auf die Anzeigen. Doch sie konnte nur abwarten. In Ermangelung einer Aufgabe, die ihre Aufmerksamkeit erforderte, versuchte sie sich auf den Komfort des Pilotensessels zu fokussieren. Hinter ihr stand der Dunkle Lord der Sith. Die schwarz behandschuhte rechte Hand ruhte auf der Lehne, nur Zentimeter vom Kopf der jungen Frau entfernt. Es gelang der Unteroffizierin nur mit Mühe ihr Unbehagen auszublenden, doch spätestens der gleichmäßige Atem des Sith durchbrach immer wiederkehrend die Stille und erinnerte sie an die Präsenz des Oberbefehlshabers. Sie spürte die immense Kraft, die von ihm ausging.
Warum hatte er sie gewollt?
Lord Vader will Sie dabeihaben!
Warum mich?
Ich weiß es nicht. Fragen Sie ihn.
Nanda war eine Bilderbuchkadettin gewesen. Ausbildung auf Carida, Fortbildung zur Datenbeauftragten, Logistikseminar, erweitertes Nahkampf- und Waffentraining. Und als Pilotin taugte sie mehr als überdurchschnittlich viel. Bisher hatte das chauvinistische, männerdominierte Militär sie gewähren lassen. Solange sie einen niedrigen Rang bekleidete.
Bin ich trotzdem gut genug für Vader? Oder gerade deshalb?
Ihre Angst von dem Sith getötet zu werden wurde nur noch von der Angst ihn zu enttäuschen übertroffen. Ihre Begeisterung hatte keine Grenzen gekannt, als er sie für seine Mission erwählt hatte. Nanda diente ihrem Imperium von Herzen, doch Lord Vader zu dienen empfand sie als besonderes Privileg ohnegleichen, dem sie mit Demut nachkam. Er verkörperte die konsequente Durchsetzung der neuen Ordnung und die Ausmerzung von Chaos, dem er alles unterordnete. Für sie war er die treibende Kraft der Galaxis.
Ein sachtes Rascheln riss den Fähnrich aus ihren Grübeleien. Es klang als würden zwei Stück Stoff oder Leder aneinander gerieben. Dann merkte sie, dass sich Vaders Hand bewegte. Langsam wanderte sie die Lehne hinab.
Fähnrich Nanda war Lord Vader nie näher als 500 Meter gekommen. Sie diente zwar auf der Executor, doch ihr eher logistisch besetzter Aufgabenbereich hatte ein Aufeinandertreffen stets vermieden.
Und jetzt war sie nicht mal eine Armlänge von ihm entfernt. Allein mit ihm auf einer Korvette im All, abertausende Kilometer weit weg vom nächsten Lebewesen.
Als seine Hand schließlich auf Fähnrich Nandas linker Schulter ruhte, spannte sich ihr ganzer Körper an. Sie drehte langsam ihren Kopf, wagte es aber nicht den Lord direkt anzuschauen und starrte stattdessen auf den massigen, schwarzen Handschuh. Sie schluckte schwer. Ihr Mund öffnete sich leicht, ihr Atem ging schneller.
Langsam spreizte Vader seinen Zeigefinger ab und strich ruhig Nandas Hals entlang.
Die junge Frau atmete nun keuchend.
Der Dunkle Lord hakte in ihren Kragen ein, ließ seinen Finger nach vorne gleiten und übte sanften Druck nach unten aus, bis der erste Knopf ihrer Uniformjacke nachgab.
Nanda hielt den Atem an. Sie hatte nie geglaubt, dass Vader zu irgendwelchen Gefühlen in der Lage war, geschweige denn zu Begierde. Nach ihr.
Er wäre nicht der erste aufdringliche Vorgesetzte, den sie zurechtweisen musste, aber selbst der ranghöchste Offizier war kein Vergleich zum Dunklen Lord. Man konnte sich ihm nicht widersetzen und leben. Und sie wollte sich nicht widersetzen. Etwas in ihr wollte sich ihm beugen. Wollte sich hingeben, wollte die Neugierde befriedigen, nach dem was die abweisende schwarze Rüstung verbarg. Wollte teilhaben an seiner Macht, wollte die Angst und die Furcht vor ihm überwinden. Wollte alle Seiten von ihm offenbart haben. Konnte es Wirklichkeit sein? Oder spielte er nur Spielchen mit ihr? Als sie die Situation schließlich als absolut real erfasste, beschloss sie sich zu nehmen, was sie begehrte. In ihren Gedanken hatte es sich ohnehin öfter abgespielt, als die Soldatin zugeben würde. Nachts. Wenn sie alleine in ihrem kleinen Quartier lag und der Schlaf sie nicht holen kam.
„Mein Lord", sprach sie mit zitternder Stimme und stand vorsichtig auf, langsam genug um nicht das Gefühl zu vermitteln, ihm entfliehen zu wollen.
Sie wandte sich zu ihm um. Mit ruhigen Händen begann Fähnrich Nanda ihre Uniformjacke weiter zu öffnen und Vaders Werk zu vollenden.
Sie wusste nicht einmal, ob er ein Mensch war. Und es hieß, er war an seine Rüstung gebunden. Aber es gab so viele Gerüchte über den Sith, Klatsch und Tratsch, die die Truppen beschäftigen. Funktionierte sein Körper noch in ... jeglicher Hinsicht? Soldatinnen spaßten oft den schwarzen Hünen verführen zu wollen, um der Karriere einen kleinen Schub zu geben. Nanda hatte immer gelacht.
Als sie den letzten Druckknopf vom Gegenstück trennte, streifte der Fähnrich ihre Jacke ab und ließ sie auf den Sessel neben sich fallen. Ein schwarzes Unterhemd mit imperialem Emblem war das letzte was ihren Oberkörper verhüllte. Die nackten, grazilen Arme führten ihre Hände nun zum Kopf, langten nach der Offiziersmütze, die unverwandt auf ihrer Jacke landete und lösten den Zopf, sodass Nanda ihr pechschwarzes Haar mit einer leichten Kopfbewegung aus der Anordnung befreien konnte.
Vader taxierte sie und folgte ihrer Bewegung, ohne sie zu unterbrechen.
Mit einem metallischen Pling band die Soldatin ihre silberne Gürtelschnalle los. Die wuchtige Hose glitt zu Boden. Kurz darauf war sie aus Stiefeln und Hose herausgestiegen.
Fähnrich Nanda überkreuzte die Arme, zog sich das Unterhemd über den Kopf und entblößte so ihr wohl proportioniertes Dekolletee. Ihre makellose Haut schimmerte dunkel im fahlen Licht der Bedienungsanzeigen. Gemeinsam mit ihrem nachtfarbenen Haar, den im Schatten liegenden Konsolen und der schwarzen Rüstung des Dunklen Lords ergab sich eine düstere, doch vielfältig und auf ihre Art wunderschöne Aneinanderreihung unterschiedlich nuancierter schwarzer Farben.
Schweißgebadet schreckte Fähnrich Nanda aus dem Schlaf. Mit weit aufgerissenen Augen bemühte sie sich ihrer Umgebung gewahr zu werden. Sie schüttelte den Kopf, wie um einen schlechten Gedanken zu vertreiben, und warf die grauen Betttücher beiseite. Schnell stand die Soldatin auf und reckte sich. Sie schüttelte erneut den Kopf und wischte ihre feuchte Stirn ab.
Der Traum hätte ihrer Meinung nach nicht enden müssen.
Trotzdem schockierte sie die Wirklichkeitsnähe des Geträumten. Der Flug und der Kampf Vaders waren eine exakte Abbildung ihrer Erinnerung gewesen. Seufzend fiel Nanda zurück aufs Bett. Sie befand sich immer noch in dem größeren Quartier, das ihr nun zugestanden worden war. Erwartungsvoll kramte sie ihr Datapad aus dem Nachtschränkchen hervor, um ihre Akte einzusehen. Der Sith hatte Wort gehalten. Die Beförderung war durch. Jetzt war sie ihrer Altersklasse um fünf Jahre voraus. Und ihr Konto wies immer noch die beachtliche Summe auf, die ihr nach der Mission überwiesen worden war. Alles in bester Ordnung. Grübelnd versuchte Nanda die Ereignisse noch einmal zu rekapitulieren. Nach dem Kampf war der Rückflug ereignislos gewesen.
Es war nur ein Traum. Vader hat mich nie berührt... oder?
