Hallo ihr Lieben, ich habe wieder etwas für euch fertig :) Bitte, geht nicht zu hart mit mir ins Gericht: Ich habe ja gar keine Ahnung von Medizin :P Und bei Zauberern ist eh alles anders, nicht wahr...
Viel Spass, xoxo
„...er ist so hübsch!", schwärmte Andromeda gerade als ich den Gemeinschaftsraum betrat.
„Er ist ein Heiler, Andromeda, demnach tabu, egal ob du ihn hübsch findest oder nicht.", erwiderte die rothaarige Schwester nüchtern.
„Dass ich ihn nicht anfassen darf hindert mich nicht daran, ihn an zu sehen.", gab die erste wieder zurück.
„Er ist ein 'Mann'.", sagte Schwester Evans nun ein bisschen biestig. „Und wie wir alle wissen sind Männer alle gleich. Nutzlose, eingebildete und hinterlistige Lackaffen, von zweijährigen Buben, die alles sagen, um zu bekommen was sie wollen, bis hin zu dreißigjährigen Heilern, die dir alles versprechen, um dich auf den Rücken zu legen.", schnaubte sie verächtlich, dabei wühlte sie in den Akten. „Es gibt sie haufenweise und einer ist schlimmer als der andere..."
„Du übertreibst maßlos.", maulte Andromeda jetzt.
„Wenn du nur die Hälfte der Zeit, die du damit verbringst, den Heilern hinterher zu gaffen, damit verbringen würdest, die Akten richtig zu sortieren, dann müsste 'ich' deine Arbeit nicht immer kontrollieren!", schnappte das rote Gift jetzt geradezu.
„Entschuldige Mal, ich glaube 'ich' soll 'dich' einarbeiten!", begehrte Andromeda auf.
„Dann mach es auch und lass dir nicht von jedem Heiler auf der Notfallstation den Kopf verdrehen!", jetzt fand ich, sollte ich einschreiten, ehe die beiden sich noch die Köpfe einschlugen. Also räusperte ich mich.
„Meine Damen-", die beiden fuhren überrascht herum, Andromeda lief feuerrot an. „-das ist genug der Nettigkeiten.", ermahnte ich sie.
„Heiler Potter!", sagte sie verlegen, Schwester Evans jedoch verdrehte die Augen.
„Und los geht es.", maulte sie ein bisschen, währenddessen sortierte sie einen ganzen Haufen Akten neu. Ich konnte kaum folgen, so schnell arbeitete sie.
„Schwester Evans, ich muss Schwester Black zustimmen. Sie sind noch am Anfang Ihrer Karriere im Mungos. Sie sollten lernen, Ihre Zunge zu hüten.", die Schwester drehte sich nicht einmal zu mir um.
„Heiler Potter, ich 'würde' meine Zunge hüten, wenn sie nicht jedem Heiler hinterher sabbern würde, der unter vierzig ist.", sagte sie. Ihre Stimme war ganz neutral, kein bisschen aufgebracht oder schrill. Bemerkenswert. Dabei flogen immer noch die Akten durch die Luft. „Das einzige, was ich bisher von ihr gelernt habe ist, dass Sie nachmittags zwischen vier und halb sechs auf dem Bett dort hinten liegen und sich kaum rühren und die Nächte durcharbeiten, um Ihren eigenen Anforderungen gerecht zu werden.", ich zog meine Augenbrauen herauf.
„Ach so?", hakte ich nach.
Urplötzlich drehte sie sich zu mir, hielt mir einen gewaltigen Stapel Akten hin und wartete geduldig, bis ich ihn ihr abnehmen würde. „Wenn Sie mich fragen, Heiler Potter, sollte ihr jemand ans Herz legen, Mikrobiologie zu studieren."
„Was wäre das?", fragte ich überrascht.
„Mikrobiologie bedeutet, kleine Lebewesen zu erforschen, sie hat eine Begabung darin, Beobachtungen an zu stellen.", sagte sie. Etwas perplex und sprachlos nahm ich ihr jetzt die ganzen Akten ab. Ihr Ton und ihr Gesicht waren jetzt weder verächtlich, noch unfreundlich. Sie war betont höflich, ansonsten völlig neutral.
„Wann haben Sie heute angefangen?", fragte ich die beiden.
„Wir hatten Frühschicht.", sagte Andromeda. Sie sah aus, als würde sie im Erdboden versinken wollen, aber urplötzlich wurde auch Schwester Evans rot.
„Zauberstab her, Schwester Evans.", sie wagte wohl nicht, zu widersprechen, denn sie gehorchte und reichte mir ihren Zauberstab. Ich kontrollierte ihre Arbeitszeit. „Sie sind gegen halb drei gekommen.", sagte ich. „Das sind fast fünfzehn Stunden."
„Nun, kein Wunder, dass ich länger bleiben muss, wenn ich ihren Dreck auch noch weg machen soll.", sagte sie nur schulterzuckend.
„Schwester Black, Schwester Evans, verschwinden Sie nach Hause.", wies ich die beiden an. „Evans, ab morgen arbeiten Sie selbstständig. Ich denke, Sie sind so weit.", Andromeda wurde noch röter, nickte aber und griff nur noch nach ihrer Handtasche, dann war sie verschwunden. „Wie alt sind Sie, Schwester Evans?", hakte ich nach, während sie sich bereits aus ihrer Uniform pellte. Überrascht musste ich feststellen, dass sie wohl keinerlei Problem darin sah, sich vor ihrem Chefheiler aus zu ziehen.
„Neunzehn.", sagte sie. Ich starrte ihren beinahe nackten Rücken an. Mann, die hätte ich nicht von der Bettkante geschubst, verdammt... „Ich werde in ein paar Wochen zwanzig.", fügte sie hinzu und verbarg ihren entzückenden Rücken unter einem Top, über das sie einen beinahe durchsichtigen, gelben Überwurf zog.
„Noch so jung?", hakte ich nach. „Was würden Sie für Erfahrungen mit dreißigjährigen Männern gemacht haben?", sie drehte sich überrascht um. „Verzeihung. Das war unangebracht. Nun, einen schönen Feierabend.", wünschte ich, dann ließ ich sie alleine.
Ich hatte sowieso schon viel zu lange dort gestanden, ich hätte sofort gehen und gar nicht erst auf ihre Rückseite sehen sollen. „Hey, Krone!", Sirius schlitterte beinahe in meine Seite, er war über und über mit Blut bedeckt.
„Irgh.", machte ich darauf nur.
„Rate, was ich gerade eben im Arsch von einem Typ gefunden habe!", grinste er.
„Was?", fragte ich gelangweilt.
„Hier, schau!", er hielt ein kleines – verdammt! „Ja, Mann, das ist eins dieser Muggelspielzeuge! Ich musste den Kerl aufschneiden, um es da raus zu kriegen!", lachte er.
„Sirius, das ist nicht lustig.", sagte ich. „Diese Leute kommen hier her, um Hilfe zu suchen und nicht, damit du etwas hast, woran du dich amüsieren kannst.", er verdrehte seine Augen. „Was? Ich dachte, dafür sind wir hier? Ich dachte, das ist es, was du willst? Menschen helfen!", er seufzte jetzt.
„Jamie, du nimmst das alles viel zu ernst.", meinte er ruhig. „Komm schon, wann warst du das letzte Mal zu Hause?", fragte er dann.
„Keine Ahnung.", erwiderte ich knapp, da seufzte er wieder. „Lass das.", knurrte ich.
„Was denn? James, ich mache mir nur Sorgen um dich, als dein bester Freund wird das doch erlaubt sein, oder nicht?", hakte er nach. „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?"
„Ich schlafe regelmäßig, ich esse und trinke genug und mir geht es im Großen und Ganzen super, okay? Ich muss nicht in diese blöde Wohnung, um mich zu erholen.", schnaubte ich. „Ich kann das auch ganz einfach so machen, wie bisher auch, lege mich ein paar Stunden in den Gemeinschaftsraum und schließe meine Augen. Danach bin ich wie neugeboren.", er schwieg daraufhin eine ganze Weile, bis Remus zu uns stieß.
„Hey ihr.", grüßte er.
„Hey.", machte ich unzufrieden zurück.
„Was ist los, Boss?", fragte er.
„Ich habe gerade eben eine merkwürdige Begegnung mit Schwester Evans gehabt und wundere mich.", erwiderte ich zögerlich. Beide sahen mich erstaunt an, Sirius jedoch verengte seine Augen, während er analysierte, was ich gesagt hatte. „Sie ist ganz schön fix, nicht wahr?"
„Absolut.", stimmte Remus sofort zu. „Sie kann alles, weiß alles und tut alles. Mega-geschickt, mega-schnell, mega-genau.", sagte er.
„Es war ein Fehler, Sie mit Andromeda zusammen zu packen, die beiden kommen nicht gut aus.", meinte ich stirnrunzelnd.
„Hast du Kopfschmerzen?", fragte Sirius.
„Nicht mehr, als sonst.", erwiderte ich knapper als eben.
„Lässt du sie wirklich mitten in der Probezeit die Ansprechperson wechseln?", hakte Remus schockiert nach.
„Nein.", sagte ich schlicht. „Ich habe ihre Probezeit gerade eben beendet. Es hat doch keinen Sinn, sie weiterhin als dummen Auszubildenden zu behandeln, der sich vor Krankenschwestern rechtfertigen muss, wenn sie sich besser vor mir verteidigen kann, als einer von euch beiden, wenn ihr Mist baut.", erklärte ich dann.
„Was soll das denn heißen? Hat sie einen Fehler gemacht?", fragte Sirius.
„Nein, hat sie nicht. Andromeda hat ein paar Fehler gemacht heute, Schwester Evans hat ihr eben die Leviten gelesen und dabei wie im Akkord gearbeitet. Verrückt, sage ich euch, ich bin kaum hinter all dem her gekommen, was sie gesagt und gleichzeitig gemacht hat.", sagte ich beeindruckt.
„Sie ist-", in diesem Moment ging Remus' Uhr los. „Mist.", maulte er und ließ uns einfach stehen. Ich sah ihm nachdenklich hinterher, dann drehte ich mich zu Sirius.
„Was?", fragte ich. Er drehte sich ebenfalls zu mir.
„Ich glaube, dass Schwester Evans potentiell Ärger für dich bedeutet. Ihre Zunge ist ganz schön spitz. Gestern Abend hat sie den ganzen Abend an allem, was Alice gemacht hat herum genörgelt, wirklich allem!", sagte er nachdenklich.
„Gestern Abend?", hakte ich nach. „Aber sie hatte heute die Frühschicht."
„Sie ist beinahe so schlimm wie du, James, ständig taucht sie hier auf, sagt, sie will alles sehen und alles lernen, läuft uns hinterher, beobachtet, schreibt mit, versucht an sich selber, wie eng sie welchen Verband anlegen muss. Evans, ich sage dir James, diese Tussi ist nicht ganz dicht.", sagte er.
Wir drehten uns beinahe synchron zur anderen Seite, um den Gang entlang in mein Büro zu gehen, da stand sie urplötzlich vor uns. Ich errötete für das, was Sirius gesagt hatte, während der nur gespannt auf ihre Reaktion wartete. Sie war knallrot im Gesicht und ihre Augen wurden feucht.
„'Die Tussi ist nicht ganz dicht'.", wiederholte sie schnaubend. „Und das von einem erwachsenen Mann, der mit einem Dildo in der Hand herum spaziert und sich abends im Gemeinschaftsraum die Augen ausheult.", sagte sie nur, dann stürmte sie an uns vorbei. Ich stöhnte.
„Oh Mann, Sirius...", maulte ich.
„Was? Ich habe sie nicht gesehen.", er war jetzt feuerrot. „Und – und ich habe mir nicht die Augen ausgeheult, ich habe nur... Uh...", er schnaubte, da ging auch seine Uhr plötzlich los. „Scheiße.", auch er verabschiedete sich nicht mehr, sondern ließ mich einfach stehen.
Schwester Evans streifte aus Verstehen meinen Arm, als sie (dieses mal mit ihrer Handtasche) wieder an mir vorbei stürmen wollte, da griff ich rasch nach ihrem Handgelenk. Sie weinte. „Er hat das nicht so gemeint.", log ich. „Er... Er ist ein bisschen misstrauisch, wenn er Sie erst ein bisschen besser kennt, dann wird er so etwas nicht mehr sagen.", erklärte ich hinterher, weil das logischer klang. Sie sah mich nur völlig gleichgültig an.
„Ich habe kein Interesse daran, dass er so etwas nicht mehr sagt, mir ist egal, was man hier über mich denkt. Ich bin hier, um anderen Menschen zu helfen – nicht, um die nächste 'Miss Mungos' zu werden.", erklärte sie mir todernst.
„Dafür, dass Ihnen das so gleichgültig sein will, weinen Sie ziemlich überzeugend.", erwiderte ich jetzt stirnrunzelnd.
„Denken Sie, ich würde mich von einer Klippe stürzen, weil ich offensichtlich nicht Heiler Blacks Typ bin?", fragte sie nur. „Er ist mein 'Chef', so lange er professionell bleibt, werde auch ich professionell bleiben, nicht wahr? Für alles, was darüber hinausgeht, sind 'Sie' verantwortlich, Heiler Potter.", immer noch sprach sie nicht unfreundlich, aber nun auch nicht mehr höflich. „Lassen Sie mich bitte los? Ich würde gerne heim und duschen gehen.", ich gehorchte und ließ sie gehen, da nickte sie mir zum Abschied zu und verschwand.
Ich konnte nicht anders und starrte ihr hinterher, bis ihre Haare aus meinem Blickfeld waren.
Sirius war gerade auf seiner Visite, sodass ich mich traute, aus meinem Büro heraus zu kommen. Er hielt sehr wenig davon, wenn ich Frühdienst hatte und er mich gegen halb elf noch immer im Büro sitzen sah. Seufzend schlich ich mich in den Gemeinschaftsraum, um mich dort etwas hin zu legen. Wenigstens war ich mit meinem Papierkram etwas nachgekommen... Ich machte nicht einmal das Licht an, sondern schlürfte nur zu dem Bett und ließ mich etwas erledigt darauf fallen. Da ging die Tür auf. „...sie ist so eine Besserwisserin!", maulte eine der Schwestern, sodass ich trübe ein Auge öffnete. Das war Schwester McKinnon, die Schwester von Marlene.
„Mary, ich will nicht zicken, aber sie hatte Recht, du hast ihm fast-"
„Ich 'weiß', dass sie Recht hatte!", ärgerte Mary sich. „Trotzdem, sie hat ja nicht einmal mehr Dienst, was hat sie also hier zu suchen?", schnarrte sie dann.
„Keine Ahnung, es ist nicht so, als würde sie mit mir über irgendetwas reden, wenn es nicht um Medizin geht.", das war Alice, die zukünftige Mrs Longbottom. Die beiden hatten mich immer noch nicht bemerkt, sodass ich nur schweigend auf dem Bett liegen blieb, um weiter zu lauschen. „Du solltest froh sein, dass sie da war..."
„Braucht man als Krankenschwester nicht auch 'soziale Kompetenzen'?", fragte Mary wütend, während sie sich aus zog. Ich schloss müde meine Augen. „Davon ist bei ihr nämlich keine Spur! Und Heiler Potter belohnt das auch noch, indem er ihre Probezeit kappt!", maulte sie.
„Also, sie ist ziemlich lieb zu den Patienten.", erwiderte Alice daraufhin. „Es ist nicht so, als sei sie unfreundlich oder nicht umgänglich, Mary, du ärgerst dich nur, weil sie-", die beiden verstummten betreten, da öffnete ich wieder eines meiner Augen. Jetzt hatten Sie mich gesehen und starrten mich betreten an.
„Reden Sie beide von Schwester Evans?", fragte ich also leise, dabei drehte ich mich endlich auf den Rücken.
„Uh – ja.", antwortete Alice.
„Sie ist doch weg gegangen, ich habe sie persönlich nach Hause geschickt.", daraufhin seufzte Alice.
„Sie kommt meistens wieder. Wir haben versucht, heraus zu finden weshalb, aber... Uh – tja, sie wollte nicht mit uns über irgendetwas reden. Sie redet nie mit uns über irgendetwas anderes, als die Arbeit.", erklärte sie mir langsam, dabei knöpfte sie ihre Bluse zu.
„Und was macht sie, wenn sie hier ist?", fragte ich interessiert.
„Meistens läuft sie dem Heiler hinterher, schreibt Notizen, fragt ihn aus, wie was funktioniert...", erwiderte Alice. „Und gestern Abend wurde eine Frau eingeliefert. Sie durfte natürlich nicht mit hinein, es war ja schon nach Schichtende für sie, aber sie hat sich ganz lieb um die Kinder der Frau gekümmert. Sie ist ziemlich gut mit Kindern.", erklärte sie dann noch dazu.
Mary räusperte sich. „Einen schönen Abend noch.", wollte sie sich verabschieden, aber ich richtete mich auf.
„Ich habe die Probezeit von Schwester Evans gekappt, weil sie nichts mehr von Schwester Black lernen kann. Die beiden kamen nicht so gut miteinander aus, weil Schwester Black sie nicht mehr gefordert hat, ich finde, es liegt in meiner Autorität, zu entscheiden, wann eine Schwester so weit ist, nicht wahr, Schwester McKinnon?", sie errötete zutiefst beschämt und nickte.
„Selbstverständlich, Heiler Potter, ich wollte unter keinen Umständen Ihre Entscheidung in Frage stellen.", entschuldigte sie sich. Ich nickte, da verließ sie den Gemeinschaftsraum. Ich ließ mich stöhnend wieder auf das Bett fallen.
„Sie sind immer hier, nicht wahr, Doktor Potter?", fragte Alice mich jetzt.
„Wenn es irgendwie geht.", meinte ich nur.
„Wieso?", fragte sie.
Ich stöhnte beherzt. „Weil ich Chefheiler bin und irgendwie das Gefühl habe, immer auf Abruf sein zu müssen. Außerdem gibt es nichts, was zu Hause auf mich wartet.", sie seufzte leise. „Ich liebe meinen Job."
„Aber Sie werden trotzdem zur Hochzeit kommen, oder? Frank hat gesagt, er würde sich sehr wünschen, dass Sie sich blicken lassen.", meinte sie. Ich fuhr über mein Gesicht.
„Aber irgendjemand muss doch hier bleiben? Sie haben schon zwei Schwestern und drei Heiler eingeladen, das hier ist die 'Notfallstation', ich kann nicht einen Heiler alleine eintragen.", sagte ich bedauernd.
„Dann soll einer der beiden anderen übernehmen, wieso müssten 'Sie' wieder verzichten?", fragte sie mich.
„Alice-", sie wurde rot. „Ich wünsche euch beiden alles Glück der Welt, ob ich nun komme oder nicht. Frank und seine Familie sind die einzigen Verwandten die ich noch habe, aber ich bin sozial völlig unbedarft. Was soll ich auf einer Hochzeit? Dort stehen und blöd gucken?", sie seufzte.
„Du wirst nie eine Frau finden, wenn du immer nur-"
„Ich brauche keine Frau! Mein Job ist meine Frau, ich habe keine Zeit für eine aus Fleisch und Blut.", sagte ich schlicht.
„A – aber James, willst du denn keine Kinder? Willst du nicht den Namen 'Potter' erhalten? Willst du alt und einsam sein, wenn du zu alt wirst, um zu arbeiten?", darauf musste ich tief durch atmen. „Du bist glaube ich der begehrteste Junggeselle deiner Generation, wieso-"
„Sehen Sie, Schwester Prewett, ich bin wirklich müde, okay. Können wir dieses Thema ein anderes Mal besprechen?", sie verstummte augenblicklich, während ich angestrengt über mein Gesicht rieb. „Was wissen Sie von Schwester Evans?", hakte ich noch nach. Überrascht stellte ich fest, dass Alice weinte, als ich sie ansah.
Nur ganz leicht, da liefen zwei Tränen über ihre Wangen, während sie ihre Tasche packte. Sie musste sich räuspern, ehe sie sprechen konnte. „Nichts, was ich nicht in den Akten finden könnte oder beobachtet hätte. Neunzehn, ledig, ziemlich geschickt und hat ein umfangreiches Fachwissen. Arbeitssüchtig.", ich stöhnte ein bisschen.
„Mehr wissen Sie nicht? Aber-"
„Sie ist sehr umsichtig, was sie von sich preisgibt, schweigt, wenn wir anderen uns über privates unterhalten, legt kaum Pausen ein und wenn, dann nie mit jemandem zusammen.", erklärte sie. „Ich habe ihren Namen Gideon gegenüber erwähnt, er meinte, ich soll ihr liebste Grüße ausrichten. Die beiden waren wohl zusammen in Hogwarts und ' Freunde', aber vor etwa einem halben Jahr ist der Kontakt urplötzlich abgebrochen.", wieder räusperte sie sich. „Bis morgen, Heiler Potter.", verabschiedete sie sich.
„Grüßen Sie Frank von mir.", bat ich sie etwas kleinlaut, weil ich sie zum Weinen gebracht hatte, aber darauf antwortete sie nicht einmal mehr. Die Tür fiel hinter ihr zu, da stöhnte ich. Noch ehe ich es begriffen hatte, hatte eine meiner Hände nach meinem Zauberstab gegriffen, um die Tür zu verriegeln, damit keine Schwester in mich hinein laufen würde.
Die andere war schon an meinen Hosen.
Ich wusste ja, dass sie Recht hatte. Der Druck, der sich schon seit Tagen in mir aufbaute und immer schlimmer wurde, der wäre nicht, wenn ich hier und da heimgegangen wäre. Oder wenn ich eine Frau hätte, so wie all meine Freunde. Oder wenn ich wenigstens hier und da raus ginge, um mir eine auf zu reißen. In meiner Studienzeit hatte ich das manchmal mit Sirius gemacht, aber der war ja vor etwa sechs Jahren mit Marlene zusammen gekommen und geblieben, daraufhin hatte das aufgehört.
Ich war kein guter Aufreißer, ich hatte immer die Freundinnen von Sirius' Bekanntschaften mit heim genommen, darum hatte es sich nicht für mich gelohnt, alleine los zu ziehen. Wann hatte ich überhaupt das letzte Mal Sex gehabt? Meine Gedanken wurden unterbrochen, als ich von draußen Sirius' Stimme hörte. Seufzend schloss ich meine Hosen wieder, obwohl sie jetzt erst recht eng waren und drehte mich auf den Bauch.
Tatsächlich konnten die Heiler die Tür immer öffnen, egal, was für ein Zauber dort drauf war. Er trat also ein. „Du bist immer noch hier?", meinte er.
„Ich bin seit über sieben Tagen nicht mehr in meiner Wohnung gewesen, warum sollte ich 'heute' gehen?", fragte ich dumpf.
„Wieso gehst du nicht heim?", fragte er mich.
„Weil ich dort wie hier schlafen kann, also warum dort?", erwiderte ich nur. „Alice schickt dich, nicht wahr?"
„Ich bin ihr über den Weg gelaufen, sie war völlig in Tränen aufgelöst, hat deinen Namen gestottert und mich dann einfach stehen lassen.", meinte er. „Was hast du wieder angestellt? Sag mir bitte nicht, du hast ihr gesagt, dass du nicht zu dieser Hochzeit gehst...", ich stöhnte aufgebracht.
„Sirius, was 'soll' ich dort?", fragte ich ihn ungeduldig.
„Vielleicht endlich mal eine Frau finden?", maulte er zurück. „Deine einzigen Verwandten sehen? Mal wieder einen Nachmittag außerhalb dieses Krankenhauses verbringen?", ich drehte mich zurück auf den Rücken.
„Ich will nicht mit dir über diese Hochzeit diskutieren.", sagte ich streng.
„Aber-"
„Sirius, du hast mich gerade schon beim wichsen gestört, mach mich nicht wütend!", warnte ich ihn jetzt. Er fuhr über sein Gesicht, dann stand er auf. „Und vergiss nicht, die Tür zu schließen.", da drehte ich mich auf die Seite und wandte ihm damit den Rücken zu.
„Sorry, Mann, ich wollte dich nicht verärgern.", flüsterte er nur noch, dann zog er die Tür hinter sich zu. Einen Moment überlegte ich, ob ich vielleicht weiter machen sollte, aber dann verließ mich die Lust darauf. Ich würde einfach ein bisschen schlafen. Schlafen war gut. Wann hatte ich das letzte Mal geschlafen?
Schon wieder neunzehn Stunden her? Nein, zwanzig...
„Oh, hey.", ich sah auf, weil die Tür zu meinem Büro geöffnet worden war und Marlene in meinem Zimmer stand.
„Hi. Komm mit.", befahl sie mir.
„Was?"
„Du kommst jetzt mit.", sagte sie streng. „Du 'wirst' mit uns zusammen essen, heute Abend, komm mit.", nicht schon wieder. Sie machte das ständig, das letzte Mal war sicher erst zwei Wochen her.
„Mar, ich esse anständig, es gibt keinen Grund-", wollte ich protestieren, aber sie zog ihren Zauberstab. Ich verdrehte meine Augen über sie. „Okay, okay, schon gut. Ich komme gleich.", maulte ich.
„Nein, du kommst 'jetzt' mit.", erwiderte sie.
„Aber-"
„Entschuldigung, habe ich irgendwo ein 'Wenn es Euch beliebt, Euer Majestät' gesagt? Bewege dich!", den Spruch hatte sie schon an die hunderttausend Mal gebracht. Ich stöhnte und stand auf.
„Ich bringe Sirius um, weil er ausgerechnet 'dich' haben musste.", ärgerte ich mich ein bisschen. Mein Blick fiel auf die Uhr. „Oh, es ist ja schon nach sieben!", stellte ich überrascht fest.
„Ja, es ist schon nach sieben.", erwiderte sie schnippisch, dabei packte sie meinen Arm und zerrte mich weiter bis zu meinem Kamin.
„Darf ich wenigstens noch duschen?", fragte ich jetzt aufgebracht, da verdrehte sie ihre Augen. „Was? Ich – was ist denn? Marlene, ich 'arbeite' hier, wieso sollte ich also duschen gehen, bevor ich für heute Schluss mache?", darauf bekam ich keine Antwort, sie schubste mich nur in den Kamin hinein. „Au!", beschwerte ich mich, weil ich mir am Rost den Kopf stieß.
„Sirius kann das heilen. Du flohst jetzt in unsere Wohnung.", maulte sie nur wütend. Ich gehorchte brav.
Tatsächlich stand Sirius am Herd und rührte in einem Topf. „Ah – sie hat dich gezwungen, was?", fragte er nur. Ich verdrehte meine Augen.
„Tja – uh – ja.", stotterte ich ein bisschen. Wir hatten seit unserer Unterhaltung vor zwei Tagen nicht mehr wirklich viel geredet, hauptsächlich über die Arbeit. „Kann ich bei euch schnell duschen gehen?", fragte ich.
„Ja, sie hat deine alten Sachen vom letzten Mal gewaschen und schon ins Badezimmer gelegt.", ich verdrehte meine Augen, aber glücklicherweise sagte er nichts. Nach einer schnellen Dusche zog ich mir also die Sachen vom letzten Mal an und ging wieder ins Wohnzimmer, wo Marlene gerade den Tisch deckte.
„Setzen.", befahl sie mir.
„Ich bin 'kein' Hund, bei Sirius funktioniert das vielleicht, aber bei mir nicht.", maulte ich, da warf sie mir einen bitterbösen Blick zu. Seufzend setzte ich mich Sirius gegenüber, der ebenfalls schon saß. Sie füllte unsere Teller und einen für sich. Dann setzte auch sie sich.
„Ihr beide, ihr klärt das jetzt.", sagte sie todernst. „Ich sehe dich schon kaum, James Potter, man hört nie etwas von dir, du schreibst nicht, du kommst mich nie besuchen. Die einzige Quelle, die ich habe, um zu hören, ob es dir gut geht und bei dir soweit alles in Ordnung ist, ist Sirius und darum klärt ihr das jetzt, damit ich wieder ruhig schlafen kann.", ich stöhnte.
„Ich hätte es wissen sollen. Marlene, wir haben keinen Streit. Es gab nur nichts anderes als die Arbeit zu reden.", verteidigte ich mich.
„Das habe ich ihr auch gesagt, aber sie wollte ja nicht auf mich hören...", murmelte Sirius, woraufhin ihn ein noch böserer Blick traf. „W – was? Mann, Baby, wir sind Kerle, wir ticken anders als Mädchen!", erklärte er ihr.
„Du hast zu mir gesagt, ihr habt gestritten und seitdem nicht darüber geredet.", erwiderte sie knapp.
„Es sind Psycho-Attacken wie diese, die mich Jahrelang davon abgehalten haben, eine Beziehung ein zu gehen.", gab Sirius jetzt wütend zurück. „James, haben wir Streit?", ich schüttelte meinen Kopf, während ich meinen Mund mit Sahnekartoffeln vollstopfte. „Würdest du mir vorenthalten, wenn sich bei dir 'irgendetwas' neues ergibt?", wieder schüttelte ich den Kopf – Mann, das Fleisch zerfiel fast auf der Gabel, so zart war es.
„Trotzdem müsst ihr darüber reden, wenn ihr euch streitet!", protestierte Marlene.
„Du willst also die ganze Wahrheit, warum wir gestritten haben? Ich habe ihn beim Wichsen unterbrochen, darum ist er biestig geworden, okay?", sie wurde rot, da nickte ich zur Bestätigung.
„So war's.", brachte ich mit zum Bersten gefülltem Mund hervor. Sie verzog angewidert von meinen mangelnden Tischmanieren ihr Gesicht.
„Kauen und Schlucken, Krone.", meinte jetzt auch Sirius. Tatsächlich hatte keiner der beiden auch nur angefangen zu essen. War ich so hungrig gewesen? Wann hatte ich denn das letzte Mal gegessen? Das war doch sicherlich... Mh, waren das fast zwei Tage? Nein, höchstens anderthalb Tage...
Betreten schwiegen wir alle, bis ich gekaut und geschluckt hatte, dann fuhr ich durch meine Haare. „Sorry.", murmelte ich. „Der Kantinenfraß ist eher nicht so toll, stelle ich gerade fest."
„Jamie, ich bitte dich inständig, weniger zu arbeiten.", flüsterte Marlene bedrückt. „Mary hat gesagt-"
„Mary hat zu schweigen.", unterbrach ich sie stirnrunzelnd. „Sie hat sich schon genug heraus genommen, meine Entscheidung was Evans angeht zu kritisieren.", schnaubte ich. Sirius seufzte.
„Ich finde aber auch, dass du überstürzt gehandelt hast. Evans ist noch nicht einmal zwanzig, hat gerade erst ihre Ausbildung gemacht, die Probezeit müsste noch über ein halbes Jahr gehen.", erklärte er mir.
„Aber sie ist doch viel klüger als Andromeda!", erwiderte ich. „Ich habe mir ihre Akte angesehen, sie hatte in all ihren ZAGs und in all ihren UTZs ein 'Ohnegleichen', sie war Schulsprecherin, hat das zweite Jahr Hogwarts übersprungen, in all ihren Prüfungen Bestnoten erzielt, was soll sie von ihr noch lernen?", fragte ich ihn.
„Soziale Kompetenzen!"
„Sie ist nie unfreundlich, oder?"
„Die anderen Schwestern mögen sie nicht. Sie ist besserwisserisch, unerträglich, fragt ständig alles Mögliche und ist vor allem Andromeda gegenüber recht biestig.", gab er sofort zurück.
„Weil Andromeda und sie zu viel Zeit miteinander verbracht haben! Sirius, ich mache meine Entscheidung nicht rückgängig, weil sie kein Sonnenschein ist, okay, 'du' hast gesagt, 'die Tussi ist nicht ganz dicht' und obwohl sie das gehört hat, ist sie dir gegenüber weiterhin perfekt professionell, nicht wahr?", Marlene zog ihre Augenbrauen herauf.
„Die Tussi ist nicht ganz dicht?", hakte sie nach.
„Die Tussi 'ist' nicht ganz dicht!", verteidigte er sich.
„Und Alice hat gesagt, sie hat sehr wohl soziale Kompetenzen und wäre den Patienten gegenüber-", argumentierte ich weiter, aber Sirius hob beide Hände in die Luft.
„Schon gut, schon gut!", unterbrach er mich. „Tut mir ja Leid, James, ich habe es nicht so gemeint...", sagte er rasch.
„Dein Urteilsvermögen ist getrübt, weil Mary deine zukünftige Schwägerin ist und Andromeda deine Cousine.", erklärte ich. „Und obwohl Mary für mich wie eine kleine Schwester ist und ich Andromeda sehr gerne habe: Die beiden irren sich, was Schwester Evans angeht, weil sie nicht so ist, wie alle anderen.", Marlene räusperte sich.
„Trotzdem wäre es deine Aufgabe als Chefheiler, mit dieser Schwester ein Gespräch zu suchen und sie zu ermahnen, ein wenig freundlicher zu ihren Kolleginnen zu sein. Sonst kommt es zu einem Boykott.", warf sie zaghaft ein.
Einen Moment hielt ich inne. Ich war gerade dabei, Schwester Evans zu verteidigen, aber trotzdem wollte ich noch einmal darüber nachdenken, ob ein Gespräch angebracht wäre. „Das werde ich bei nächster Gelegenheit tun.", sagte ich also schließlich. „Es ist übrigens sehr lecker, kann ich noch mehr haben?", wechselte ich dann das Thema.
