Unruhig
wälzte sie sich mit zugekniffenen Augen in den geborgten Bettlaken.
Schon seit Stunden versuchte sie verzweifelt eine Position zu finden,
in der sie nicht ganz so viel Schmerz in ihren Gliedern
empfand.
Schließlich gab sie auf und ruhte auf dem Rücken, ohne
wirklich von dem grausamen Ziehen ihrer Muskeln befreit zu sein. Sie
fühlte sich, als würde sie noch immer dem Cruciatus-Fluch
unterliegen, obwohl es schon viele Stunden her war, seit diese
grausame Kreatur von Hexe ihr solche Qualen zugefügt hatte.
Langsam, ganz langsam, richtete Hermine sich auf; allein die
Anstrengung ließ ihre Augen feucht brennen. Auf den Beinen tastete
sie mit ihrer Hand nach dem Zauberstab auf dem kleinen Nachttisch, ja
darauf bedacht Luna nicht aufzuwecken. Leise verließ sie den Raum,
kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, flüsterte sie:
"Lumos",
und Licht erhellte ihr den Weg die Treppen hinab, jeder Schritt ihren
Beinen einen Stich versetzend. Unten angekommen hielt sie den
Zauberstab in die entgegengesetzte Richtung der Sitzgarnitur; wegen
ihr sollten Ron, Harry und Dean nicht aufwachen. Sie stockte
kurz.
... Ron. Der Junge, oder eher Mann, der gestern all seinen
Mut und seine Tapferkeit bewiesen hatte, nur um sie zu retten, um
sicher zu gehen, dass es ihr gut ging. Der Mann, der lieber sich
selbst geopfert hätte, lieber sich unter Todesqualen leiden hätte
lassen, nur um sie,
Hermine, zu verschonen.
Ein leises Lächeln umspielte ihre
Lippen, denn sie wusste, niemand sonst, außer möglicherweise Harry,
hätte dies getan, eine solche Loyalität bewiesen ... oder ... oder
Liebe.
Hermine öffnete die Tür hinaus in den Garten, eine kühle
Meeresbrise strich durch ihr braunes, buschiges Haar, und selbst
unter ihrem Nachthemd bildete sich eine Gänsehaut, was jedoch, im
Gegensatz zu den einengenden Laken, wie ein Heiltrank wirkte. Sie sah
sich um, der Sichelmond beschien mit seinem üppigen Licht die gesame
Szenerie der Nacht: das aufbrausende Meer, das, sich im Takt des
Windes bewegende, Gras, einen niedrigen Hügel, mitsamt eines Steines
auf der Spitze, welcher Dobbys Grab darstellen solte.
Dobby, der
so hilfsbereit gewesen war, so treu, wie eh und je und sie alle
gerettet hatte. Und gerade er hatte sterben müssen. Das war einfach
nicht gerecht. Doch konnte man in einem Krieg Gerechtigkeit erwarten?
Sie seufzte und zu ihrer Überraschung erblickte sie auch einen
großen, jungen Mann, welcher mit den Unterarmen nach vorne gebeugt
am Zaun lehnte, sein rotes Haar durch den Luftzug etwas zerzaust,
seine wenige Haut, die durch seine Position zu sehen war, durch das
weiße Mondlicht, ungewöhnlich blass und von Sommersprossen
übersäht. Offenbar hatte er sie nicht bemerkt, durch das nächtliche
Schaubild wahrscheinlich zu überwältigt.
"Ron?", sagte
Hermine. Es war kaum ein Flüstern; nicht, dass sie nicht im Stande
gewesen wäre zu sprechen, sie wollte ihn nur nicht erschrecken.
Der
Angesprochene drehte sich um, und blickte mit seinen leuchtenden
blauen Augen in ihre klare Dunkelbraunen. Er lächelte ein
wenig.
"Na, konntest du auch nicht schlafen?", fragte er
und streckte die Hand nach ihr aus.
Sie schüttelte leicht den
Kopf, ebenfalls schmunzelnd und reichte Ron ihre Hand, welche er so
gleich nahm und sie langsam zu sich an den Zaun führte, bis er nun
hinter ihr stand, und seine wärmenden Hand sanft auf ihre Oberarme
legte.
Aus seiner Vorsicht heraus erkannte sie, dass er wohl sehr
darauf bedacht war, ihr nicht weh zutun.
Eine Zeit lang herrschte
Stille, nur das Rauschen der Wellen war jetzt zu vernehmen. Bis er
sie brach.
"Ich bin so froh, dass du noch - dass es dir gut
geht, Hermine.", flüsterte Ron in ihr Ohr, und ein kleiner,
angenehmer Schauer lief ihr über den Rücken, als sie ihn
so nah
bei sich spürte.
Der Rothaarige schien auf eine Erwiderung zu
warten, doch als diese nicht kam, fuhr er fort.
"Ich hätte
es mir nie verziehen, wenn dir etwas noch Schlimmeres passiert
wäre.", hörte sie ihn hinter ihr sagen. Sie lehnte sich
behutsam gegen seine Brust, spürte sofort die Wärme und
Geborgenheit, die von seinem Körper ausging, und drehte den Kopf ein
wenig, um sein Gesicht zu sehen, welches in Richtung Wasser gedreht
war.
"Als ich dich habe schreien hören ..." Seine
Stimme versagte, er kniff die Augen zusammen, jedoch waren seine
Absichten vergebens, denn nun kullerten ihm Tränen über die Wangen.
So rasch, wie es ihr ihr geschwächte Körper erlaubte, drehte sie
sich um und wischte sie langsam weg.
"Ist schon gut ...",
sagte sie mit beruhigender Stimme, doch unterbrach sie.
"Nein,
ist es nicht.", antwortete er halb lachend, halb schluchzend.
"Ich heul dir hier was vor, und dabei warst es doch du,
diese Höllenqualen hat durchstehen müssen, und dann warst du auch
noch so mutig ihr das
zu erzählen ... du bist einfach ... umwerfend!"
Hermine nahm
seine Hand, lächelte und senkte ihren Blick, auch ihr standen die
Tränen in die Augen und fielen rasch herab.
"Du hast nach
mir gerufen, nicht wahr?"
Kurze Stille, dann sagte er :
"Ja."
"Ich hab dich gehört. Allein das hat mich
unheimlich ermutigt ..." Sie brach ab und ließ den Kopf
gesenkt, absolut sicher, dass er ihre Röte, duch das helle
Mondlicht, im Gesicht sehen würde.
Zögernd nahm er sie in seine
Arme, sie lehnte ihren Kopf gegen seine Brust und lauschte dem
beruhigendem Klopfen seines Herzens.
Lang noch standen sie so da,
begleitet vom Rauschen des Meeres und des Rascheln des Grases, der
Bäume.
Bis er sprach:" Du solltest jetzt besser -"
"-
schlafen gehen?", beendete sie den Satz lächelnd und erinnerte
sich an die ähnliche Situation am Grimmauldplatz.
"Ja.",
stimmte er ihr zu, auch seine Lippen zeigten ein Lächeln.
"Schlaf
gut.", sagte sie leise und hauchte ihm einen Kuss auf die
Wange.
"Du auch.", flüsterte er zurück und sah ihr
noch ein letztes Mal in die wunderschönen Augen, bevor sie wieder
das Haus betrat und er sich wieder dem besonders mysteriösen Mond
zuwandte, der heute Nacht, zusammen mit den Sternen, den Himmel
zierte.
seufz
...
kommi?
