Kapitel 1: Mein Blut an deinen Händen
Das hier war totaler Irrsinn!
Wie konnte er nur davon ausgehen, dass er es schon irgendwie schaffen würde, die erste Woche zu überstehen, ohne von diesen durchgeknallten Robotern umgebracht zu werden...?! Es war erst Donnerstag und wie es schien, würde er nicht einmal die Übergabe seines ersten Lohnscheins erleben...
Er hätte nach der ersten Nacht seine Kündigung vorlegen sollen, dann wäre ihm dieser ganze Stress erspart geblieben, aber sein Optimismus hatte ihn dazu getrieben, dass er es schon irgendwie schaffen würde, schließlich war es nur eine Woche, danach hätte er einfach gehen können...
„Da hast du dich ganz schön in die Scheiße geritten, Jeremy..." sprach er mit sich selbst und klickte sich wie ein Besessener durch die verschiedenen Kameras. Bis auf Toy Freddy, der auf der Bühne seit Beginn seiner Schicht, sein Camp aufgeschlagen hatte, waren alle Animatronics auf den Beinen und ließen ihn kaum einen Moment zum Durchatmen.
Und was noch schlimmer war...die Batterien seiner Taschenlampe waren so gut wie leer und dann hätte er keine Möglichkeit mehr, sich vor Foxy zu schützen...Geschweige denn die anderen auf Abstand zu halten...
Von wegen „Willkommen in der Familie". Ihm kam es im Moment eher so vor, dass es regelrecht darauf angelegt wurde, dass man die Zeit in diesem Unternehmen nicht überlebte.
Vielleicht wäre es doch nicht verkehrt gewesen, sich nach seinen Vorgängern zu erkundigen...damit er wusste, wo später auch sein Grabstein stehen würde...
Ein Geräusch ließ ihn seine Aufmerksamkeit wieder auf den Mittelgang richten. Die Taschenlampe flackterte noch ein letztes Mal auf, bevor sie endgültig den Geist aufgab. Doch was sie noch ein letztes Mal erhellte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Foxy, Mangle und der alte Bonny drängten sich in den Gang und würden binnen weniger Sekunden bei ihm sein...
„Scheiße...Scheiße...Scheiße...!"
Das war´s dann wohl. Egal wer ihn zuerst erreichte, sein Schicksal würde das Selbe sein.
„Ich will nicht sterben...!"
Und dann tat er etwas, was man ihm bereits am ersten Tag abgeraten hatte. Er verließ seinen Arbeitsplatz.
Gerade noch rechtzeitig, wie er kurz darauf feststellen musste. Denn in dem Moment, in dem er in den Lüftungsschacht hasstete, krachte etwas in seinen Arbeitsplatz.
Foxy...der nicht sonderlich glücklich darüber war, dass seine Beute ihm entkommen war.
Jeremy wusste nicht, ob er ihn hierdurch folgen konnte, aber er wollte deffinitv nicht bleiben, um es herauszufinden...
Es war bereits vier Uhr morgens. Vielleicht hatte er die Möglichkeit sich irgendwo zu verstecken, bis seine Schicht rum war...Er konnte nur hoffen, dass keiner der anderen Roboter sich dazu entschied, jetzt auch diesen Lüftungsschacht zu benutzen, denn dann würde er ihm direkt in die Arme laufen...
So schnell er konnte, robbte er hindurch und rollte sich am Ausgang instinktiv zur Seite. Er hatte die Anwesenheit des Roboters gespürt bevor er ihn überhaupt gesehen hatte. Toy Bonny, der ihm wohl gerade wieder einen Besuch abstatten wollte.
„Sorry Kumpel, aber heute nicht."
Er kam auf die Beine und rannte los, bevor sein Gegenüber die Chance hatte, überhaupt zu reagieren. Und es gab ihm Hoffnung, dass er ihnen lange genug aus dem Weg gehen konnte, bis das hier vorbei war.
Er musste nur in Bewegung bleiben!
Mit etwas hatte er jedoch nicht gerechnet und zwar das der schlechte Zustand des Restaurants schlimmer war, als er geahnt hatte.
Scheinbar hatte einer seiner Verfolger Öl verloren und er trat natürlich mitten rein. Als er es merkte, war es jedoch zu spät. Seine Füße verloren den Halten und er stürzte nach vorn, überschlug sich und schlitterte über den Fußboden. Er wusste, noch bevor er überhaupt richtig begreifen konnte, was passiert war, das etwas nicht stimmte.
Das Adrenalin mochte den Schmerz unterdrücken, aber das war nur ein kleiner Trost zu dem, was er sah. Ein loses Metallstück hatte sich in seine rechte Seite gebohrt und sein rechter Oberarm, der einen Großteil des Sturzes abgefangen hatte, war aufgeschürft. Eine lange Blutspur zeichnete den kompletten Weg ab, den er genommen hatte.
Soviel zu seinen Plan, sich unbemerkt irgendwo zu verstecken...So wie das Blut immer noch aus seiner Seite quoll, brauchten diese Monster sich nicht mal mehr anzustrengen, um ihn zu finden...
Und wenn er diesen verfluchten Fremdkörper nicht bald herausholte, brauchte er sich keine Sorgen mehr zu machen, dass er durch die Hände dieser Roboter starb, denn dann hätte er es auch gut alleine geschafft...
Verzweifelt versuchte er mit den Händen den Blutfluss zu unterbrechen, während er durch die dunklen Gänge stolperte, doch es war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Hinter sich zeichnete sich eine mehr als deutliche Blutspur ab und wie es schien hatte sich bereits der erste Animatronic an seine Fersen geheftet. Er konnte seine Schritte in der Dunkelheit hören, auch wenn er noch nicht erkennen konnte, mit wem er es zu tun hatte. Nicht das es einen Unterschied machte...
Er bog in einen weiteren Gang und kam gerade noch rechtzeitig zum Stehen, bevor er mit vollter Wucht in die Wand vor ihm lief. Er hatte sich geradewegs in eine Sackgasse navigiert...
„Das kann doch nicht wahr sein..." stöhnte er verzweifelt auf. Keine Chance, dass er jetzt noch umdrehen und einen anderen Weg ausprobieren konnte...
Neben sich erkannte er eine zugenagelte Tür.
Seltsam, er konnte sich nicht erinnern diesen Ort auf den Kameras gesehen zu haben...
Gehörte das hier zu dem alten Restaurant bevor sie es umgebaut hatten? Nicht das es einen Unterschied gemacht hatte, in wenigen Minuten würde er sowieso tot sein...
Er ging ein Stück zurück. Er wollte seinem Angreifer wenigstens in die Augen sehen.
Toy Bonny stand nur ein paar Meter von ihm entfernt. Seine Glasaugen waren auf ihn fixiert, aber etwas stimmte nicht. Es war, als würde er gegen eine unsichtbare Wand laufen. Er wich ein Stück zurück und blickte Jeremy verwirrt an. Die Tatsache, dass er sein Ziel so klar vor sich sah und es trotzdem nicht erreichen konnte, schien in seinem Programm für einige Probleme zu sorgen.
Jeremy konnte sein Glück gar nicht fassen. War es ihm wirklich gelungen einen blinden Punkt zu finden, den die Roboter nicht erreichen konnten? Er ging noch ein Stück näher heran, auch wenn die Schmerzen ihn inzwischen fast umbrachten.
Toy Bonny startete einen weiteren Versuch, aber auch dieser schlug fehlt. Es war seltsam, aber er wirkte fast ein wenig enttäuscht.
Er legte eine Hand auf die Barriere und blickte ihn an, als könnte Jeremy etwas dagegen tun.
Versuchte er etwa, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen?
Trotzdem startete er einen Versuch und solange er auf seiner Seite blieb, sollte ihm auch nichts passieren.
„Ich hoffe ich bereue das nachher nicht..."
Er legte seine Hand auf die von Bonny.
Er hatte befürchtet, dass dieser ihn packen und auf die andere Seite ziehen würde, doch nichts dergleichen geschah. Der Hase hob nur die Augenlieder und blickte ihn an. Fast schon verwundert, auch wenn eine Maschine wohl kaum zu solch einer Gefühlsregung imstande war.
Es war seltsam. Jeremy hatte immer gedacht, dass die Roboter sich eiskalt anfühlen würden, aber Bonny´s Hand war angenehm warm. Auch musste er feststellen, dass dieser gar nicht so groß war, wie er immer befürchtet hatte. Sie standen sich auf Augenhöhen gegenüber. Natürlich konnte er dies nicht von allen behaupten, aber es war schon ein wenig beruhigend.
Der Hase zog seine Hand zurück und blickte sie an. Jeremy´s Blut klebte an ihr und färbte seine weißen Ballen in einem dunklen rot.
„Sorry, vielleicht hätte ich vorher meine Hand abwischen sollen..." Er musste lachen, als ob der andere sich darum kümmern wü würde dieser jetzt wie ein Bluthund auf ihn reageren...
„Ugh...!"
Ein stechender Schmerz zog durch seinen ganzen Körper und zwang ihn in die Knie. Sein Blickfeld verschwamm kurzzeitig, ein deutliches Zeichen, dass er zu viel Blut verloren hatte und wahrscheinlich hatte sich die Wunde inzwischen entzündet.
„Scheiße...scheint als hättet ihr am Ende doch gewonnen."
Alle Kraft schien aus seinem Körper gewichen zu sein und der Fußboden wirkte momentan wie der bequemste Ort, um ein kleines Nickerchen zu machen.
„Jeremy?"
Die Stimme klang kratzig, als ob sie schon lange nicht benutzt wurden war und sie wirkte besorgt, aber für den Moment wollte er einfach nur schlafen...
