Verzeih´ mir
Sora las neugierig den Brief, den er vor kurzem vor der Haustür seines Elternhauses vorgefunden hatte, in dem Folgendes stand:
Sora,
es tut mir leid, dass ich dir nicht schon früher sagte, was ich wirklich über dein „Verschwinden" wusste. Ich durfte es nicht, denn ich hatte es dem König und DiZ (Ansem der Weise) versprochen.
Seit wir wieder zu Hause sind, hatte ich genug Zeit – viel zu viel wohlgemerkt -, um darüber nachzudenken, was ich falsch gemacht habe.
Spätestens als ich dich im Schloss der Erinnerungen „schlafend" vorgefunden habe, hätte ich dafür sorgen müssen, dass du erwachst und gemeinsam mit mir nach Hause zurückkehrst. Doch dann wärst du nur die Hälfte dessen gewesen, was dich ausmacht. Verstehst du nun in welcher Klemme ich steckte? Hätte ich dich damals „befreit", wäre Roxas ein Teil der Organisation geblieben und Naminé (Kairi) wäre gestorben. Schlimmer noch, du wärst ebenfalls gestorben, denn dein Herz war in Roxas „gefangen". Deshalb musstest du „schlafen", nicht nur um deine Erinnerungen zurückzuerhalten, sondern auch, damit Roxas dich finden und zusammen mit deinem Herz wieder in deinen Körper zurückkehren konnte. Ich weiß, ich habe vieles falsch gemacht, aber ich bekam die Chance meine Fehler wieder gut zu machen und ich habe diese Chance genutzt. Ich habe mit der Hilfe des Königs und DiZ, Roxas und Naminé aus der Organisation befreit und dich mit Roxas wieder vereint. Auch Naminé fand ihr wahres Ich wieder. Obwohl nun wieder alles beim Alten und alles wieder gut zu sein scheint, liegt mir eine Frage besonders am Herzen: Verzeihst du mir?
Riku
Sora holte ein leeres Blatt und schrieb einen einzigen Satz darauf nieder:
Ich kann dir nicht verzeihen.
Danach legte er das Blatt zusammen und lief nach nebenan, zu Rikus Elternhaus und schob das gefaltete Blatt unter die Tür. Sora wusste, dass Riku hinter der Tür stand, denn es dauerte keine zwei Sekunden bis die Tür aufging und Riku tränenüberströmt und blasser als sonst vor ihm stand. „Warum?", schluchzte er und sah Sora mit herzzerreißendem Blick an. Sora erschrak, denn mit so einem Gefühlsausbruch seines besten Freundes hatte er nicht gerechnet. Ihm stiegen ebenfalls die Tränen in die Augen als er stotterte: „Weil – weil … ich dir doch schon längst verziehen habe". Tröstend nahm er Riku in die Arme und schluchzte ebenfalls: „Tut mir leid". Sora ließ Riku los und fügte lächelnd hinzu: „Mit der Formulierung wollte ich dich nur ein wenig ärgern". Riku zog Sora zu sich heran, drückte ihn kurz an sich, ließ ihn wieder los, wischte die letzten Tränen mit dem Handrücken fort, grinste Sora an und rief: „Na warte! Diesen Satz wirst du bereuen!" Ein paar Sekunden später lieferten sich beide gemeinsam einen Wettlauf hinunter zum Strand. Ganz wie in alten Zeiten.
