Erklärung: Tolkien gehört alles, mir gehört nichts. Außer Fabienne. :-)

On it goes...

Hóla, nach einer viel zu langen Pause melde ich mich wieder und starte mit neuer Kraft den zweiten Teil der Trilogie! Darum eine Bitte an alle, die mit diesen Zeilen noch absolut gar nichts anfangen können: Das hier ist eine Fortsetzung! Darum lest zuvor den ersten Teil( „Fabienne" *g*), sonst macht das hier kaum einen Sinn für euch.

Für alle anderen lieben Leser und Reviewer...amüsiert euch und genießt es!!! ;-) Eure Fabienne!

FA...bienne! Der Tragödie zweiter Teil!

Kapitel 1

Rötlich flackernder Schein des Feuers warf bizarre Schatten auf das schmale, eingefallene Gesicht der Frau. Gedankenversunken stocherte sie mit einem langen Ast in den Flammen, umschlang mit einem Arm ihre Knie, stützte ihr Kinn darauf und ihre Lider wurden langsam schwer.

„Noch drei Tage, Fabienne!"

„Mmh..,was?!"blinzelte sie ihren Begleiter geistesabwesend an. „Ich sagte, wir sind nur noch drei Tage von den Grenzen Düsterwalds entfernt. Dann hast du es geschafft."wiederholte er sanft. Fabienne warf Thoralf ein schmales Lächeln zu, doch wandte ihren Blick gleich wieder in die Glut. Eine kleine Weile beobachtete er sie noch, dann stand er seufzend auf und ging ein paar Schritte vom Feuer weg. „Ich werde mir nur die Beine vertreten und noch etwas Holz sammeln, ja?"Doch ohne irgendeine Antwort zu erwarten lief er weg. Thoralf wusste, sie hatte ihn gar nicht gehört...so wie jeden Abend.

Die Waldläuferin stocherte noch etwas weiter im Feuer, doch dann sank der Stock zu Boden und sie schloss langsam die Augen. „317 Stunden! 317 Stunden ohne dich, Legolas..."wisperte sie. In solchen stillen Minuten, des Nachts, wenn sie ihre Wache absaß oder auch nur einen Augenblick für sich hatte, zählte sie die verstrichenen Stunden. Und vergaß keine einzigste davon! In solchen Momenten holte sie auch seine goldenen Haare hervor, rieb sie sacht zwischen ihren Fingern, roch daran. Viel war an Substanz nicht mehr davon übrig und längst hatten sie auch schon an Duft und Glanz verloren. Doch die Waldläuferin hütete sie weiterhin wie ihren größten Schatz.

Genau wie seinen silbernen Ring! Diesen hatte sie kurz nach dem Verlassen Edoras vom Finger abgenommen und trug ihn nun an ihrem Lederband um den Hals, sicher unter ihrem Hemd versteckt. Es war ihr einfach zu gefährlich am Finger...sie hatte panische Angst, das Zeichen ihres Bündnisses für immer zu verlieren. Denn nicht nur das raue Leben in der Wildnis könnte zum Verlust des Reifs führen. Auch Diebsgesindel und Orkbanden begeisterten sich an weltlichen Schätzen...genau wie am Fleisch ihrer Besitzer!

Thoralf schüttelte betrübt seinen Kopf und stemmte seine Hände in die Hüften. Er stand nur wenige Meter hinter ihr im Dunkeln und beobachtete ihre Gestalt schon eine ganze Weile. Wäre er der Feind, Fabienne läge schon dreimal tot am Boden. Sie war einfach nicht bei der Sache, hatte ihre Umgebung nicht im Auge, war nur gefangen in ihrer Welt voller Erinnerungen und Bilder! Als Waldläuferin viel zu naiv und absolut unbrauchbar...wie soll das nur gut gehen, wenn er sie in den, neben Fangorn, gefährlichsten Wald Mittelerdes alleine losschickte?

Sie würde es niemals bis zu den Hallen des Elbenkönigs schaffen, dessen war er sich sicher!

Tagsüber, ja, da war sie wachsam, hellhörig, immer angespannt und wortkarg. Viel hatte er nicht aus ihr herausbekommen. Nur, dass sie auf dem Weg zum See Düsterwalds war. Da, wo der König der Tawarwaith, der Waldelben residierte. Und das es ihr ungeheuer wichtig war. `Eine Audienz bei Thranduil, pah!` dachte er sarkastisch. `Warum nicht gleich noch Sauron einen Besuch abstatten?! Das ist ungefähr genauso leicht!`

Doch nachts, wenn das Feuer brannte und sie ihre müden Glieder ausruhten, da war sie dann ganz still. Fummelte an irgendwas Hellem herum, umklammerte ihre Knie und manchmal hielt sie auch einfach nur ihre Augen geschlossen. So wie jetzt! Und wenn sie schlief und er Wache hielt, da war es noch schlimmer. Als Schlaf konnte man das eh nicht bezeichnen. Eher ein Kampf gegen den Fellschlafsack, unterbrochen von leisem Gemurmel, Aufseufzen und manchmal flossen sogar Tränen, dessen war sich der Quacksalber sicher.

Er ließ absichtlich ein paar Zweige unter seinen Stiefeln knacken, so dass sie nicht erschrak, während er wieder in den hellen Kreis trat. „Ich glaube, wir müssen mal miteinander reden."begann er leise, als er sich ihr gegenüber niederließ.

Fabienne steckte verwundert Legolas Haare wieder unter ihr Hemd und sah Thoralf ausdruckslos an. „Reden wir."antwortete sie tonlos.

„Weißt du, wie lange ich schon wieder hier bin?"Fabienne zog eine Augenbraue hoch und sah kurz nach hinten. „Du bist gerade erst gekom...?" Doch als sie sein Kopfschütteln sah, verstummte sie. „Ich stehe seit geschlagenen zehn Minuten hinter dir."sprach er trocken und Fabienne runzelte die Stirn.

„Ist das irgendein Spiel, Thoralf?"flüsterte sie nach einer ganzen Weile düster. Wieder erntete sie nur Kopfschütteln von ihm. „Ich will dir damit nur etwas sagen, Fabienne. Du bist nicht bei der Sache. Du bist...in irgendeiner Welt gefangen, denkst nur daran, lässt dich blenden. Doch was um dich herum geschieht siehst du nicht."

Fabienne verengte ihre Augen zu Schlitzen und warf ihrem Gegenüber bitterböse Blicke zu. „Ich bin was?"flüsterte sie eisigst. „Du bist gar keine Waldläuferin, Fabienne!"entfuhr es ihm laut und augenblicklich bereute er es.

Die Angesprochene schnappte hörbar nach Luft und ihr Gesicht nahm eine eisenharte Miene an. „Dich beschäftigt irgendetwas, ich sehe es dir an, du denkst an irgendetwas, nachts kannst du nicht schlafen, abends starrst du ins Feuer, gedankenversunken, siehst nichts mehr um dich herum und...und du vergisst die Gefahren, Fabienne!"warf er hastig ein. Das Gespräch lief ihm aus dem Ruder und Thoralf gefiel diese Wendung gar nicht.

„Nur tagsüber, wenn wir laufen...da bist du die erfahrene Waldläuferin. Da bist du voll anwesend. Da kann man sich auf dich verlassen!"Da entspannte sich ihre Mimik wieder etwas und Fabienne nickte leicht. „Wolltest du mir nur das sagen, Thoralf?"Schon wieder Kopfschütteln und innerlich verdrehte sie die Augen. Für sie machte dieses Gespräch einfach keinen Sinn.

„Hör zu, ich weiß nicht, was dich beschäftigt...ich will es auch gar nicht wissen! Ich will nur von dir wissen, ob du weißt, wohin dich dein Weg führt, mehr nicht!"Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah die junge Frau abwartend an. Diese setzte sich aufrecht hin und ein kleines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

„Wir gehen in den Düsterwald."Eine ungeduldige Handbewegung seinerseits ließ sie ausführlicher werden. „Dort gehe ich auf dem schnellsten Wege zum See des Waldflusses. Du sagtest, die alten Elbenpfade seien sehr schwer zu finden, also muss ich mich bis zur alten Waldstraße durchschlagen. Von dort ist es dann nicht mehr weit zu Düsterwalds Bergen, welche mich dann zur verzauberten Straße führen, diese wiederum mich zum See des Waldflusses bringen wird. Dort ist mein Ziel, aber das weißt du ja!"

Die Frau verschränkte stolz die Arme vor der Brust und sah Thoralf herausfordernd an. Der solle ja nochmal behaupten, sie sei keine Waldläuferin!

„Und weißt du auch noch, was ich dir kurz nach Edoras gesagt habe, Fabienne? Im Scherz?!"„Ja, das es dort Spinnen gäbe. Ganz große, uhuuuuhuhhhu!"Die Waldläuferin machte Kulleraugen und mimte auf übertrieben ängstlich.

„Das war die Wahrheit."kam es trocken zurück.

Fabienne hörte sofort auf, angstvolle Gebärden zu machen und sah Thoralf jetzt wirklich erschrocken an. „Die Wahrheit?"

„Die Spinnen sind nur eines deiner Probleme, Fabienne! Dort lebt noch ganz anderes...großes...Ungeziefer. Welches nicht nur nachts jagt!"

Das Schlucken, was man daraufhin von der Waldläuferin hörte, übertönte sogar das leise Knacken des Feuers. „Du hast keine Ahnung, nicht wahr?" flüsterte er nach einer geraumen Weile, als sie ihren ersten Schock überstanden hatte. Ihr zaghaftes Kopfschütteln bestätigte ihn in seiner Vermutung und in ihren schreckgeweiteten Augen las er wie in einem Buch.

Er wusste es: seine Worte nahmen jetzt erst so richtig Gestalt in ihrem Kopf an, ihre Stirn war stark gerunzelt, ihre Augen hetzten hin und her, als füge sie Teile eines Bildes zusammen, welches jedoch niemals zusammenpassen kann!

„Was willst du dort, Fabienne?"Seine Stimme war jetzt sanft und leise. Er wollte sie auf keinen Fall nochmals vor den Kopf stoßen. „Was willst du nur an diesem Ort?"

Langsam hob die Waldläuferin ihren Kopf und sah Thoralf nur ruhig und prüfend an. `Wehe du machst auch nur eine falsche Bewegung! Wehe, ich kann dir nicht vertrauen...` gab sie ihm damit zu verstehen. Und er verstand!

Da griff sie an ihren Hals, holte behutsam die Kette hervor, stülpte sie über ihren Kopf und ließ das Silber des Ringes rötlich im Feuerschein glänzen. Lange wurde kein Wort gesprochen und zwei Augenpaare ruhten gebannt auf dem meisterlich gefertigten Schmuckstück, welches sich nun langsam um seine eigene Achse drehte.

„Der Sohn des Elbenfürsten?"flüsterte Thoralf äußerst vorsichtig. „Der Ring ist von ihm?"Nun war er der Überraschte, als sie nickte.

„Kurz bevor die Armeen aus Edoras abzogen, erhielt ich diesen Ring von ihm. Kurz, bevor er mich verließ...steckte er mir den Ring an den Finger." begann sie. Ihre Stimme ging schwer, während sie die Kette wieder anlegte und Thoralf schwieg. Er wusste, jetzt würde sie alles erzählen. Seine Fragerei hatte also ein Ende...

„Den...Bund...sind wir schon eingegangen, das wisst ihr ja. Er sandte einen Boten aus, um seinen Vater von der Hochzeit zu unterrichten. Nun, es kam nicht dazu, das...muss ich euch ja nicht noch einmal berichten."Fabienne holte tief Luft, suchte nach Worten. „Legolas wollte mich in Edoras nur in Sicherheit haben! Sicherheit!!" schnaubte sie durch die Nase. „Er weiß doch genau, dass ich hinter diesen Mauern auf ihn wartend, nur verrückt werden kann."schloss sie, doch gleich wieder leiser werdend.

„Er versprach mir, mich aus Edoras zu holen und mit mir in den Düsterwald zu gehen. Doch ich...kann nicht solange warten. Es...gibt ein paar Ungereimtheiten, etwas, was nur sein Vater klären kann, versteht ihr?"Doch Thoralf schüttelte den Kopf. „Nein, ich verstehe nicht. Das klang doch bis jetzt alles...ganz logisch!"

„Nein, das ist es eben nicht!"entgegnete Fabienne etwas aufgebracht. „Die Ehe ist nicht...nicht legitim, solange Thranduil nicht seinen Segen gab. In Edoras halte ich das Warten auf seine Entscheidung nicht aus! Von dem Boten habe ich nichts mehr gehört. Deshalb gehe ich in den Düsterwald. Um endlich in vollkommener Sicherheit zu sein! Ob ich Legolas Frau werde...oder nicht."

Der Mann kratzte sich nachdenklich am Bart und wiegte seinen Kopf hin und her. Ab und zu sah er auf, doch dann gleich wieder weg. Fabienne ließ ihm geraume Zeit und beobachtete ihn angespannt. Doch als dann einige schwere Seufzer von der anderen Seite des Feuers drangen, hielt sie es nicht mehr aus. „Was?!? Was ist denn nun?"

„Er hatte einen Boten losgeschickt, sagtet ihr?"Kopfnicken. „Und er ist nicht zurückgekommen?"Kopfschütteln. „Nun, dass lässt zwei Möglichkeiten offen. Entweder, er fand den Weg nicht zurück, oder er ist..."

„...niemals an seinem Ziel angekommen!"schloss sie mit finsterer Stimme. Nachdenkliches Kopfnicken nun auf beiden Seiten des Feuers.

„Wenn der Bote nicht angekommen ist, dann weiß Thranduil nicht, dass es mich gibt. Ich werde eine vollkommen Fremde für ihn sein."wisperte sie nachdenklich.

„Wollt ihr...dennoch...weitermachen? Auch auf die Gefahr hin, sich vollkommen bloß zu stellen?"kam es vorsichtig von der anderen Seite. Fabienne presste die Lippen aufeinander, atmete tief durch die Nase ein und nickte entschlossen. „Jetzt bin ich schon so weit gegangen...es wäre töricht, wieder umzukehren!"

„Bravo! Das ist die Waldläuferin, wie ich sie kenne!!"rief Thoralf und klatschte kurz in die Hände.

„Ihr kennt mich nicht, Thoralf!"antwortete sie jedoch, als sie langsam aufstand und ihren Platz zum Wachehalten einnahm. „Ihr...kennt mich nicht." flüsterte sie noch einmal in die Finsternis, auf die sie nun ihr Augenmerk legte. „Naja, zumindestens hoffe ich für euch, dass der Bote sein Ziel erreicht hat,..."murmelte Thoralf etwas beleidigt, während er sich zwischen seine Felldecken kuschelte. `...sonst könnt ihr euch jetzt schon mal auf einen äußerst...warmen und herzlichen Empfang freuen.`

***

„Was haltet ihr eigentlich davon, wenn ich euch noch ein Stückchen länger begleite, mmh?"Fabienne blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich amüsiert herum. „Wie bitte? Ich meine, es ist zwar nicht so, dass ich keinen Wert auf eure Gesellschaft lege, aber...sagtet ihr mir nicht noch vor einer Woche, eher würdet ihr einen Besen verschlingen, als auch nur einen Fuß in den Düsterwald zu setzen?"

Thoralf joggte die letzten Meter zu ihr heran und bedeckte mit einer Hand seine Augen, um nicht gegen die gleißende Mittagssonne blinzeln zu müssen. „Wer sagt denn, dass ich in den Düsterwald gehe? Ich habe mir nur letzte Nacht Gedanken gemacht. Über unseren Weg und so...also, eure Sicherheit geht vor, Fabienne! Was haltet ihr davon, wenn wir anstatt durch den Düsterwald zu gehen einfach drumherum laufen?"

Fabienne zog eine Augenbraue hoch und blickte Thoralf skeptisch an. „Drumherum? Aber da mache ich ja einen Umweg!"rief sie im Losgehen laut.

„Ja, aber hört mir doch erstmal zu. Es gibt da einen Pfad, der zwischen dem Düsterwald und dem großen Fluss von Wilderland verläuft. Ein Boot zu nehmen wäre unsinnig, die Gegenströmung würde uns zuviel Zeit und Kraft kosten. Jedoch, mit etwas Gespür und Erfahrung bringt uns eben jener Pfad zum versteckten Waldtor, also der Eingang zum Düsterwald...wo man auf den Elbenpfad gelangt! Jener wiederum kreuzt den verzauberten Weg...und ihr seid im Handumdrehen an den unterirdischen Hallen Thranduils. Wie klingt das?"

„Das klingt ziemlich logisch, Thoralf."bestätigte ihn Fabienne und ihre Miene hellte sich etwas auf. „Je weniger ich mit Spinnen und was weiß ich noch so zu tun habe, desto besser!"rief sie aus und beschleunigte ihren Schritt. „Kommt schon, sputet euch, mein Freund! Wenn wir schon einen Umweg machen, dann lasst uns wenigstens nicht soviel Zeit damit verplempern." Sprach´s und rannte ziemlich schnell einen steilen Hügel hinauf.

Thoralf zog eine Grimasse, musste aber trotz alledem gleich wieder lächeln. Er raffte seinen Umhang und folgte so schnell es ging der jungen Frau. Als die Beiden dann endlich heftig atmend auf der Hügelspitze ankamen, ließen sie sich vom Wind die erhitzten Gesichter kühlen und genossen stillschweigend den Anblick des Landstriches, der sich ihnen nun bot.

Zu ihren Füßen erstreckte sich eine saftig grüne Auenlandschaft, nur unterbrochen von kleineren Wäldchen. Zu ihrer Linken glitzerte silbrig ein mächtiger Strom. Plötzlich streckte Fabienne ihren Arm aus und wies auf den Horizont. „Ist das etwa...?"

„Ja, genau, das ist er. Der Düsterwald! Unser Ziel!"sprach Thoralf und ein feierlicher Unterton schwang mit. Fabiennes Lächeln reichte nun von einem Ohr zum Anderen, als sie ihre Augen über den entfernten dunklen Streifen wandern ließ. „Danke. Danke, Thoralf!"flüsterte sie bewegt, drückte fest seine Hand und rannte schon wieder den Hügel hinab. Der ältere Mann lächelte nun noch mehr, holte tief Luft und beeilte sich auch die Anhöhe hinab, ihren wild flatternden schwarzen Haaren folgend.

***

Weitere ungestörte fünf Tage war das Pärchen unterwegs, bevor an einem verregneten, stürmischen Nachmittag Thoralf nochmals auf den Reisegrund zu sprechen kam. Er lief hinter ihr her und beide hatten ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen und sich eng ihre Mäntel umschlungen. Trotzdem entging dem Manne nicht, dass Fabienne leise zu sich flüsterte und immer mal wieder den Kopf schüttelte.

„Was beschäftigt euch, mmh? Was bedrückt euch schon wieder, Fabienne?" sprach er sie leise an, während er nun neben ihr her lief. „Was wisst ihr über Thranduil, Thoralf?"Ohne große Umschweife platzte sie mit der Frage heraus, als läge sie ihr schon sehr lange auf der Zunge. „Und ich habe mich schon gewundert, wann ihr endlich danach fragt."Ein leiser belustigter Nasenschnauber ihrerseits unterbrach ihn kurz, dann fuhr er fort.

„Thranduils Vater hieß Oropher, ein Elbenfürst, welcher im letzten Bündnis von Elben und Menschen zusammen gegen Sauron kämpfte. Ihr wisst von der Legende mit Isildur?"Fabienne nickte leicht und murmelte: „Es ranken sich Geschichten drumherum, Mythen entstanden, einen Erben gibt es und..."

„Und in jedem Mythos steckt auch ein Fünkchen Wahrheit. Euer...Verlobter...ist ein Teil davon, aber um ihn geht es jetzt nicht." Thoralf ließ Fabienne ein paar Sekunden Zeit, darüber nachzudenken und erzählte dann leise weiter. „Oropher fiel in dieser Schlacht. Thranduil baute sich unterirdische Hallen, nachdem Sauron den zuvor grünen Wald besetzt hatte und sich allerlei Ungetier nun in diesem einstmals wunderschönen und lichten Wald ansiedelte. Die Elben zogen sich in diese letzte Zuflucht zurück und schützten sich so gut es ging gegen den dunklen Schrecken, der sie in ihrer Heimat nun bedrohte. Das ist aber auch schon alles, was ich über den Düsterwald weiß."Fabienne schüttelte wieder stumm den Kopf, als überlege sie wieder.

„Die Waldelben sind ein eigensinniges, zurückgezogenes Volk, welches sich nicht soviel aus großen Festivitäten, Bällen und Feierlichkeiten macht. Dafür sind sie meisterhafte Könner im Langbogenbau und ausgezeichnete Bogenschützen. Wahrscheinlich die besten Mittelerdes!"fuhr Thoralf weiter fort. „Oh ja, das sind sie. Das sind sie wirklich..."murmelte verträumt Fabienne leise vor sich hin und er musste schmunzeln. „Von Thranduil weiß ich leider nicht so viel. Es gab da mal eine Geschichte mit einem Hobbit und auch mit Zwergen, doch ob die stimmt, das kann ich nicht bezeugen. Er soll ein weiser, gerechter, zugleich aber auch strenger Regent sein. Und sein Faible für edle Steine ist auch noch erwähnenswert. Doch mehr kann ich euch wahrlich nicht sagen!"

„Ihr habt mir einen großen Gefallen getan, ich danke euch, Thoralf. Zumindestens habe ich einen kleinen Einblick erhalten und weiß, was so ungefähr auf mich zukommen wird." „Seit trotzdem auf alles gefasst, Fabienne! Versprecht mir, weder leichtfertig, noch zu offenherzig an die Sache heranzugehen. Alles was ich weiß, habe ich euch gesagt. Doch war ich selber noch nie am Hofe Thranduils. Ich weiß nicht im Geringsten, was euch dort erwarten wird!"gab der Mann offen zu und Fabienne hörte seine Sorge um sie heraus.

„Und auch deshalb gehe ich ja dahin. Um endlich herauszufinden, wie es dort ist. Wie es dort ist, wo er..." „Wo er herkommt, nicht wahr? Wie seine Heimat ist, wo seine Wurzeln liegen. Wie seine...Kinderstube war, nicht?"Fabienne blieb stehen und sah Thoralf lächelnd an. „Genau das. Das will ich auch wissen! Und noch viel mehr. Am besten alles! Drum lasst uns endlich das Waldtor finden."Ihre Augen glänzten verräterisch auf und sie sah auf einmal wieder wie ein kleines Mädchen aus, welches sich auf einen langersehnten Moment freut, der endlich gekommen war.

„Nun, weit dürfte es nicht mehr sein."entgegnete er ihr und ließ sofort seine Augen über die dunklen Bäume wandern, welche die Grenze zum Düsterwald darstellten. „Die Bucht von Carrock liegt schon hinter uns und die Gabelung des Wilderlandflusses passierten wir heute morgen. Irgendwo hier muss es sein. Also, ab sofort: Augen aufhalten!"

„Es wird nicht wie ein Tor aussehen, stimmts?"

„Nein! Eher wie ein etwas weiterer Abstand der Bäume zueinander, mehr nicht. Die Elben verstehen es, ihre Pfade gut zu tarnen."

„Woher wisst ihr das eigentlich alles, Thoralf?"Da musste ihr Begleiter schmunzeln und blieb stehen, weiterhin jedoch mit den Augen die Baumgrenze absuchend. „Ich lernte meine Kunst als Wunderheiler und Pulvermischer nicht im guten Stübchen zuhause, meine Liebe. Ich habe sie an den verschiedensten Orten Mittelerdes gesehen, gelernt und angewandt. Und nebenbei noch die Kunst des Spurenlesens, ein bisschen Waffenkunst hier, etwas Hokuspokus da und dazu die Angewohnheiten der verschiedenen Völker Ennoraths genau unter die Lupe genommen."Fabienne sah ihn verblüfft an und Thoralf wurde wieder etwas ernster.

„Ich bin schon viel länger als ihr in den Wäldern unterwegs, Fabienne. Ich kenne Mittelerde und seine Bewohner zur Genüge!" „Ihr habt es gut, Thoralf."seufzte sie auf. „Ihr kennt die Zusammenhänge, seit erfahren. Ich dagegen lebte Zeit meines Lebens in Rohan, nur die letzten fünf Jahre nicht. Doch gerade diese Jahre in der Wildnis brachten mir mehr an Wissen und Erfahrung, als mein vorheriges Leben. Sie waren hart und entbehrungsreich, doch möchte ich sie um nichts missen!"

Da richtete Thoralf auf einmal seine Augen auf sie und hob ihre Kapuze sogar ein Stück an, um sie direkt anzuschauen. „Rohan, sagtet ihr?" Fabienne verengte die Augenbrauen und nickte leicht. Da ließ er ihre Kapuze los und schnaubte belustigt durch die Nase. „Ihr stammt niemals aus Rohan!" „Natürlich komme ich aus Rohan!"zischte sie empört zurück. Als würde sie hier Lügenmärchen erzählen...

„So? Na, dann gebt mir doch mal bitte jemanden aus Edoras an. Irgendjemanden!"

„Eowyn!"kam es prompt zurück. „Schön, Frau Eowyn! Beschreibt sie mir! Wie ist sie so, wie sieht sie aus?"

„Reserviert und kühl, zierliche Gestalt, graue Augen, blasse Haut, langes blondes Haar, zielstrebig, hart im Nehmen, und so weiter und so fort! Wollt ihr noch mehr hören?"gab sie ihm entnervt zur Antwort. Was wollte der nur von ihr? Sie suchten hier ein äußerst wichtiges Portal und er erfragte hier das Aussehen der Schildmaid Rohans! Mittlerweile war auch der Regen abgeebbt und so konnten sie die Kapuzen wieder abnehmen.

„Sind alle Frauen Rohans so?"blinzelte Thoralf in die ersten zarten Sonnenstrahlen. Fabienne verdrehte die Augen. „Nein, natürlich nicht alle! Doch im Großen und Ganzen schon."

„Gut. Und jetzt schaut euch mal an!"Immer noch dieser ruhige, abwartende Tonfall. Verschränkte Arme, selbstsichere Miene. Fabienne wurde immer überreizter. Sie hatte jetzt echt andere Sorgen.

„Was? Was ist denn mit mir?" Da trat er einen Schritt auf sie zu und nahm eine nasse Haarsträhne von ihr in seine Hand. „Pechschwarzes Haar, feurig dunkle Glut in den Augen, groß von Statur, sonnenverwöhnte Haut und Temperament eines jungen Pferdes! Nennt mir auch nur eine Person aus Rohan, die dieser Beschreibung entspricht...und ich fresse einen zweiten Besen!"

Damit ließ er ihre Haare los und lief ein paar Schritte weiter. Nach einer Weile blieb er stehen und lächelte zu sich. Ohne sich umzudrehen konnte er ihre verblüffte Miene genauestens vor sich sehen. „Was denn? Ich höre ja gar nichts?"rief er belustigt über seine Schulter zurück. Kurze Zeit später stand sie neben ihm und sah ihn mit großen Augen an. „Ihr habt Recht. Da gibt es niemanden..."flüsterte sie. Thoralf schenkte ihr ein warmes Lächeln und nickte leicht.

„Aber das heißt noch lange nicht, dass ihr jetzt deswegen traurig sein müsst, Fabienne. Es war für mich von Anfang an klar, dass ihr keine Rohirrim sein könnt. Ihr seht eher aus, wie eine...eine Gondorianerin. Vielleicht sogar eine Harradrim, oder..."

„EINE BITTE WAS?"schrie sie wütend. „Ich bin garantiert KEINE Harradrim! Südländer sind unsere Feinde!!!"

„Nana, es war ja auch nur eine Mutmaßung!"Er trat einen schnellen Schritt zurück und hob beschwichtigend die Arme. „Am besten, ich sage jetzt gar nichts mehr. Euer momentanes Gemüt bringt euch garantiert noch dazu, etwas sehr Dummes zu tun, sollte ich auch noch einmal etwas Derartiges sagen! Das wäre sehr unangenehm für mich..."murmelte er dann noch und griff sich geistesabwesend an den Hals. Fabienne lächelte kalt und schon hatte er eine scharfe Messerspitze vor seinen Augen.

„Und was sollte mich davon abhalten, hmm? Denn ich glaube nicht, dass ich noch mehr Wert auf eure Gesellschaft lege. Zumindestens finde ich keine Nutzen mehr in ihr."flüsterte sie eisigst und Thoralf musste schlucken. Doch so plötzlich wie er das Messer vor sich hatte, so plötzlich war es auch wieder weg. Eine belustigte Waldläuferin grinste breit von einem Ohr zum anderen und Thoralf entfuhr erleichtert ein Stoßseufzer. „Und ich dachte schon, ihr wolltet..."

„...mich von euch verabschieden, ja, das wollte ich!"beendet Fabienne seinen Gedankengang. Überrascht sah er sie an, doch Fabienne wies mit einem Kopfnicken nur hinter seinen Rücken. Der Mann drehte sich langsam um und ihm blieb vor lauter Staunen der Mund offen stehen.

„Nun sieh sich das Einer an,"fand er nach geraumer Weile seine Sprache wieder. „...mich dünkt, die Wildnis war für euch wirklich ein hervorragender Lehrmeister." „Der beste überhaupt..."flüsterte Fabienne nah an seinem Ohr und schlüpfte behände an ihm vorbei.

Wabernder Bodennebel, der sich plötzlich gebildet hatte umspielte ihre grazile Gestalt, als sie zielstrebig auf die Baumgrenze zusteuerte. Fabienne hatte ihn gefunden...den unauffälligen Eingang. Zwei gewaltige Baumstämme waren oval gewachsen und ihre Kronen bildeten ein gemeinsames Dach! Für das ungeübte Auge nur ein schöner Anblick...für den erfahrenen Waldgänger eine typische Spur. Denn dazwischen war der Strauchbereich kurz unterbrochen, um einen moosbewachsenen schmalen Trampelpfad Platz zu machen.

„Das war es dann wohl, hmm?"sprach Thoralf leise. „Ja, sieht wohl so aus." seufzte Fabienne und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Danke, dass du mich bis hierher gebracht hast, Thoralf. Du bist ein guter Mensch! Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann einmal wieder."flüsterte sie bewegt und drückte kräftig zu.

„Solltest du irgendwann mal wieder in Rohan sein...du weißt ja, wo meine Hütte ist. Ich hoffe nur, du kommst das nächste Mal aus einem anderen Grund! Also...ich meine...ich war schon lange nicht mehr auf einer Hochzeit und...naja..."stammelte er etwas verlegen und wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Gesicht. Da musste Fabienne lachen und sah ihn vergnügt an. „Ganz bestimmt! Das verspreche ich dir! Wir sehen uns wieder...spätestens auf der Hochzeit!"Damit wandte sie sich um und trat langsam zwischen den großen Bäumen in die Dunkelheit hinein. Dort drehte sie sich nochmals um und zwinkerte seiner nun etwas verloren wirkenden Gestalt aufmunternd zu. Dann war sie verschwunden...

„Mögen dich die Valar sicher bis zum See geleiten...und mögest du auf deiner Mission erfolgreich sein! Komme, was wolle..."flüsterte er zu sich selbst und trat nun selbst seinen langen Heimweg an.

***

Na, ob die Fabienne noch sehr lange alleine und ungestört durch den „lauschigen"Düsterwald wandeln kann? *grins* Über eure Meinungen, Anregungen und Kritiken würde sich eine reviewausgehungerte Schreiberin wie verrückt freuen! :-)