Prolog

»Das wird sie eine Weile aufhalten«, keuchte Elsa, nachdem sie die Tür mit mehreren Schichten Eis bedeckt hatte. Sie drehte sich um und sah zu Jack, der nachzudenken schien. Seine Augen waren geschlossen und sein Gesicht angestrengt verzogen. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, als im Untergeschoss etwas krachte. Jack machte ein missbilligendes Geräusch.

»Sie sind schneller als gedacht.« Er öffnete seine Augen und sah sie ernst an. »Und wir sitzen hier in der Falle und können nicht weg.«

Elsa fluchte innerlich. Wenn sie unten durch die Tür gebrochen waren, bedeutete das, dass es ihnen gelungen war, Marshmallow auszuschalten. Dabei hatte sie alles in diesen Eisklotz gesteckt, was sie zu geben hatte! Was waren das nur für Leute, die einen Eiswächter einfach so beseitigen konnten? Irgendetwas stimmte nicht, das konnte Elsa deutlich spüren. Waffen konnten gegen Marshmallow nichts ausrichten, zumindest nicht die Waffen, die diese Männer bei sich trugen. Ob Magie im Spiel war? Eine Gänsehaut zog sich über ihre Arme.

Elsa begann auf- und abzulaufen, beobachtet von Jack. Sie hörte ihn lachen. »Wenn die Situation nicht so gefährlich wäre, würde ich mich glatt über dich amüsieren. Dass ich dich einmal so unkontrolliert erlebe ...« Er seufzte theatralisch. »Ausgerechnet jetzt.«

»Jack«, grummelte Elsa, der die Ausweglosigkeit ihrer Situation immer mehr bewusst wurde, »wir sitzen fest und sie kommen, wer weiß, wie schnell sie die Tür geschmolzen haben! Immerhin haben sie meinen Wächter ausgeschaltet, da wird ihnen so eine vereiste Tür keine Schwierigkeiten bereiten! Ja, wir können sie mit unseren Kräften zurückhalten, aber wie lange? Und wenn sie uns kriegen, dann ...« Sie beendete den Satz nicht, doch Jack wusste auch so, was dann passierte. Sein Grinsen wich einem aufmunternden Lächeln, als er auf Elsa zuging und seine Hände auf ihre Schultern legte.

»Hey. Uns wird schon etwas einfallen, ganz bestimmt! Du weißt doch, mich aus hoffnungslosen Situationen zu retten ist meine Spezialität!«

»Jack ...« Ihre Stimme war so leise, dass er fast meinte, sich das eingebildet zu haben. »Ich habe Angst ...«

Er seufzte. »Ich weiß. Aber du musst keine Angst haben, ich werde dich beschützen!«

Elsa hob ihren Kopf und starrte Jack an. Dann schüttelte sie den Kopf. »Nein! Ich habe keine Angst vor denen. Ich habe Angst ... dich zu verlieren. Jack, du musst mir versprechen, dass du nichts Törichtes tust! Versprich es mir!«

Vor der Tür konnten sie gedämpfte Stimmen hören. Sie waren da, hämmerten gegen die Tür, doch diese gab nicht nach. Ein wenig Zeit blieb ihnen noch, um einen Ausweg zu finden - oder sich mit dem Tod abzufinden.

Elsa drehte sich zur Tür und stellte sich vor Jack. Sie hob schon die Hände, um jederzeit angreifen zu können. »Du musst mir versprechen, dass du das tust, was ich dir sage! Wenn ich sage »Feuer«, dann feuerst du, wenn ich sage »Raus hier«, dann verschwinde von hier! Und wenn ich sage »Flieh«, dann lässt du mich zurück und bringst dich in Sicherheit! Hast du mich verstanden?« Sie drehte ihren Kopf und funkelte Jack an. Der war jedoch völlig unbeeindruckt.

Mit einer lässigen Bewegung warf er sich seinen Stab über die Schulter und schlenderte ganz gemütlich um Elsa herum, um sich dann neben sie zu stellen, sein Gesicht der Tür zugewandt. Als er sie ansah, grinste er spitzbübisch.

»Aber Ms. Winters! Sie wissen doch, dass ich mich nicht an Regeln halte! Ich habe meine eigenen, und die besagen, dass ich die Frau meines Herzens beschütze, egal, wie böse sie mich deswegen anstarrt.«

Elsa war wütend. Der Raum um sie herum färbte sich rot. »Jackson Overland! Ich sagte dir-« Sie wurde unterbrochen, als Jack ihr einen Finger auf die Lippen legte.

»Wenn du glaubst, dass ich dich hier alleine lasse mit diesen Monstern, dann hast du dich aber massiv in mir geirrt! Ich werde dich nicht noch einmal im Stich lassen!«

»Jack ...«, begann Elsa, doch sie gab es auf. Sie kannte Jack und wusste, dass der Sturkopf bei seiner Meinung bleiben würde. Stattdessen sagte sie: »Es tut mir leid, dass ich dich da mit hineingezogen habe.«

Jack sagte nichts, sondern griff nach ihrer Hand und drückte sie. Das Hämmern an der Tür wurde immer lauter, Elsa meinte sogar zu sehen, wie das Eis brüchig wurde. War die Schicht dünner geworden? Am Boden bildete sich eine Pfütze aus Schmelzwasser. Irgendetwas oder irgendjemand brachte das Eis zum Schmelzen. Das alles nahm schneller seinen Lauf, als sie befürchtet hatte. Gleich würden sie im Raum stehen und dann entschied sich alles. Das letzte Bisschen Eis sprang von der Tür ab und Elsa ging in Angriffsstellung, als die Tür aufschwang.

»Wenn das hier vorbei ist«, flüsterte Jack, während er seinen Stab vor sich hielt, »dann wird mich nichts und niemand mehr davon abhalten, mit dir zusammen zu sein, das schwöre ich.«

Für einen kurzen Moment vergaß Elsa ihre Angst und errötete. »Wenn wir das hier überstehen«, fügte sie hinzu und Jack grinste.

»Dafür werde ich sorgen.«

Männer stürmten in den Raum und umzingelten die beiden schnell. Jack und Elsa drehten sich und standen Rücken an Rücken, umgeben von Feinden. In der Tür erschien noch jemand, ein großer Mann mit braunen Haaren, die zu einem ordentlichen Seitenscheitel gekämmt waren. Der Hass wallte so schnell in Elsa auf, dass sie keine Kontrolle darüber hatte und der Raum reagierte sofort. Eiszapfen wuchsen aus der Tür, doch sie schmolzen, noch bevor sie den Mann berührten. Sie wusste es. Auch Hans war einer von ihnen, einer dieser Mutanten, wie er sie liebevoll nannte, die er auslöschen wollte.

»Hallo, Elsa. Endlich hat diese elende Jagd ein Ende ...«