Toby & Victoire

Als Ted sich langsam wieder gefasst hatte, setzte er sich schweigend, möglichst weit weg von Victoire ans Fenster, sodass er die ganze Zugfahrt ununterbrochen hinaus starren konnte.

Er war völlig verwirrt. Wie konnte das eben möglich gewesen sein?

Doch er kannte die Antwort nur zu gut. Toby hatte im letzten Jahr mehr als eine Andeutung gemacht, wie toll er Victoire fand, aber Ted hatte es nie all zu ernst genommen, da Toby sich gern in Dinge hineinsteigerte und häufig übertrieb.

Schnell warf Ted einen kurzen Blick auf Victoire, doch wandte ihn ebenso schnell wieder ab.

Warum hatte er bis eben nichts gewusst?

Hatten die beiden geglaubt, es sei nicht nötig, einem guten Freund zu erzählen, dass sie sich gefunden hatten?

Der Gedanke ließ etwas in seinem Inneren aufkochen. Tolle Freunde!

Nach kurzer Zeit kamen die beiden Schulsprecher herein, die in diesem Jahr ein Slytherin und eine Gryffindor waren und Ted fragte sich ob Professor Wennell bei der Auswahl der beiden richtig bei Sinnen gewesen war, denn sie kooperierten kein bisschen miteinander.

Ted konnte ihnen kaum Aufmerksamkeit schenken und war froh, als ihr Vortrag endlich zu Ende war und die ersten die Initiative ergriffen, sich aus dem Staub zu machen.

Ted überlegte erst, einfach sitzen zu bleiben und weiter aus dem Fenster zu starren, doch er wollte schließlich nicht die beleidigte Leberwurst spielen und machte sich auf zu Toby, der zusammen mit Lorin Moore, einem anderen Jungen aus Teds Schlafsaal ein Abteil belegt hatte.

Schweigend setzte Ted sich zu ihnen und sah dann Toby erwartungsvoll an.

„Was siehst du mich so an, Ted", fragte Toby nach einer Weile und grinste breit.

„Ich dachte nur, du magst mir etwas erzählen", entgegnete Ted und hielt den Blick weiterhin starr.

Belustigt verdrehte Toby die Augen.

„Also gut", sagte er, „ich habe Victoire in den Ferien in der Winkelgasse getroffen und danach haben wir uns häufiger Briefe geschrieben. Irgendwann hat sie mich dann zu sich eingeladen. Das war eigentlich schon alles."

Ted verspürte einen Stich in seiner Brust. Es war der erste Sommer gewesen, an dem Ted und Victoire keinen einzigen Tag zusammen verbracht hatten.

Er blinzelte ungläubig.

„Dein Haar hat Farbe verloren", sagte Toby nach einigen Sekunden der Stille und Lorin lachte, während Ted ein knalliges Kanariengelb auf seinen Kopf brachte, so wie der Hintergrund des Wappens seines Hauses. In Hogwarts trug Ted seine Haare oft so.

Auch wenn Ted sich nicht so ganz wohl fühlte, wurde der Rest der Zugfahrt noch recht lustig und zu seinem Glück kam Victoire kein einziges Mal vorbei.

Er hätte sie nicht sehen wollen.

Nachdem sie nach ihrer Ankunft von den Kutschen hinauf gebracht worden waren, suchten sie sich alle ihre Plätze am Hufflepufftisch und zu Teds Missfallen, erklärte Toby ihnen, dass er versprochen habe, bei Victoire zu sitzen.

Abrupt ließ das Kanariengelb von Teds Haaren nach und wurde zu einem tristen grau-braun. Wieder einmal verriet sein Aussehen seine Stimmung und er ließ sich genervt am Ende des Tisches nieder.

Von hier aus hatte man einen guten Ausblick, einen zu guten nach Teds Geschmack, denn jedes Mal, wenn er nach vorn sah, konnte er Toby heftig mit Victoire flirten sehen und davon wurde ihm leicht übel.

Es war das schlimmste Fest, dass er in seiner ganzen Zeit in Hogwarts erlebt hatte und war froh, als es endlich zu Ende war und er nur noch mit den Gedanken bei seinem Bett im Schlafsaal sein konnte.

Doch selbst dort wollte ihm das Einschlafen nicht so ganz gelingen. Es wirbelten ihm einfach zu viele Fragen durch den Kopf.