Danke fürs Lesen =)

Die Idee mit dem Schiffsnamen stammt übrigens von meiner besten Freundin. Und ich fand es knuffig.


Miami erwartete die beiden Männer mit dem typischen Wetter, für das dieser Staat weltweit berühmt war. Das Meer glitzerte in der Sonne und war am Horizont kaum vom strahlend blauen Himmel zu unterscheiden. Teure Yachten und kleine Boote dümpelten im ruhigen Wasser. Ein Stück entfernt sah man Menschen im Meer schwimmen oder am Strand liegen. Kinder tobten herum, Erwachsene erholten sich.

John blickte sich um, schob seine Sonnenbrille nach oben und strahlte. Das leichte Hemd, welches er offen über seinem engen T-Shirt trug, flatterte in der leichten Brise, die vom Meer her kam. In der Luft flogen Möwen und kreischten hin und wieder. John sah ihnen lächelnd nach.

„Dir gefällt es hier."

„War das eine Frage oder eine Feststellung, Meisterdetektiv Sherlock Holmes?"

„Bin ich mir selber nicht ganz sicher. Ich habe dich noch nie so strahlen sehen."

John grinste und setzte die Sonnenbrille wieder auf. Durch die dunklen Gläser sah er Sherlock an. „Liegt am Wetter. Sowas haben wir in London eher selten."

Sherlock musterte ihn eine Weile prüfend und schüttelte dann den Kopf. „Nein, das ist es nicht. Das Wetter hatten wir auch vom Flughafen bis hierher. Und da warst du wie immer. Es ist erst, seit wir hier am Hafen sind." Er zog eine Augenbraue so hoch, dass sie über den Rand der Sonnenbrille kletterte. „Es ist das Meer, nicht wahr?"

„Deduktion: Eins mit Sternchen. Ja, ich mag das Meer. Ich liebe es."

Sie liefen eine Weile den Steg entlang, auf der Suche nach ihrem Boot. „Warum warst du dann in den letzten Jahren nie mal weg aus London, außer wenn wir bei einem Fall waren?"

John senkte den Kopf und blickte auf seine Schuhe. „Ich war am Meer. Ein paar Monate sogar."

Sherlock sah ihn irritiert an. „Daran kann ich mich nicht… Oh."

„Ja."

Schweigend liefen sie weiter. Sherlock räusperte sich leise. „Wenn Mycroft mir den Namen unseres Bootes verraten hätte, wäre es leichter gewesen, es zu finden. Er meinte, wir würden es erkennen."

„Er steht auf Ratespiele. Wieso müssen wir aber immer diejenigen sein, die rätseln?"

„Wir finden es…" Sherlock starrte mit offenem Mund auf ein kleines Segelboot mit zwei Masten.

„Das kann ja nicht… Sehr witzig…" John starrte, genau wie Sherlock, auf den Namen des Bootes vor ihnen. Dass Mycroft offenbar neuerdings Humor entwickelte, war ihm bis jetzt entgangen.

Sherlock lachte leise und kletterte an Bord. Er schloss mit dem Schlüssel die Tür zu einem kleinen Aufbau auf. „Ja, das ist unser Schiff."

John deutete kopfschüttelnd auf den Namen, der am Heck des Schiffes in großen, braunen Lettern prangte. „Ganz offensichtlich… ‚Johnlock'… was ein Name… Also da habe ich mit deinem Bruder noch etwas zu besprechen, das kannst du wissen." Er sprang an Bord und stellte seinen Koffer ab. Eine Weile sah er sich die Segel an, lief herum, sah sich den kleinen Raum an Deck an, wo es keine Technik gab, sondern nur Dinge, die man zum Segeln brauchte, wie zum Beispiel Karten. „Das ist ja ein reines Segelboot. Und wo ist die Crew?" Er nahm einen Brief, der neben dem Steuerrad lag. Immer noch wütend riss er ihn auf. „Na super… wir sind die Crew."

„Was?" Sherlock wirkte jetzt sehr irritiert und nahm den Brief. Er las ihn und sah John dann unsicher an. „Ich hab vom Segeln keine Ahnung."

„Was? Sag das noch mal." John grinste. „Sag das bitte noch mal. Ich will das unbedingt noch mal hören."

„Ich habe vom Segeln und vom Meer und so weiter keine Ahnung. Zufrieden?"

„Sowas von. Wie gut, dass du mich hast." John ging wieder raus und stand auf dem Deck. „Gut, das das Steuerrad in einem überdachten Raum ist. Das macht es ein wenig gemütlicher. Mit den Segeln komme ich klar. Du wirst natürlich mit anfassen müssen. Keine Sorge, Sherlock, in ein paar Tagen kannst du das Wichtigste." Er sprang auf den Steg und löste die Leinen. Dann hüpfte er wieder an Bord.

Sherlock sah ihn irritiert an. „Du kannst Segeln?"

„Ja. Ich habe es mit sieben Jahren gelernt. Meine Eltern waren zwar ziemlich arm, aber Harry und ich durften jedes Jahr für zwei Wochen ans Meer, in ein Ferienlager. Und Harry ist sehr schnell seekrank geworden. Also hatte ich zumindest auf dem Wasser meine Ruhe vor ihr. Deshalb bin ich fast nur gesegelt. Ich hab sogar meinen Segelschein gemacht und wollte eigentlich anfangs zur Marine. Aber da war mir zu viel Technik." Er deutete nach oben zu den Masten. „Das hier ist Handarbeit, Sherlock. Das ist echt. Wind, Strömung."

Der Detektiv sah seinem Freund eine Weile dabei zu, wie er die Segel, die bis jetzt noch zusammen gefaltet waren, löste. Sie flatterten, dann fing sich der Wind darin und das Boot setzte sich in Bewegung. John forderte ihn auf, ihm zu helfen und er tat es wortlos. Sie banden die Stricke fest, so dass die Segel fest waren.

John legte die Hände um das Steuerrad und steuerte die ‚Johnlock' aus dem Hafen.


Im Kartenraum, wie John ihn nannte, lagen zwei Kompasse, einige Lineale, ein Taschenrechner und ein Satelitentelefon. Mit eben diesem Telefon sprachen die beiden Segler gerade mit Mycroft. John meckerte erst einmal über den Namen, wobei er sich inzwischen fast daran gewöhnt hatte.

„Ich wollte damit nur klar stellen, wer an Bord das Sagen hat."

John grinste. „Wie nett."

„Sie klingen begeistert, John. Gefällt Ihnen das Schiff?"

„Sehr. Ich bin fast so weit, mich für den Auftrag zu bedanken. Es ist toll, mal wieder Segeln zu können."

„Halten Sie es in Ehren, machen Sie Ihren Job und Sie können das Boot als Teil des Honorars betrachten. Wenn Sie es wollen."

John starrte auf das Telefon. „Wir können es behalten?"

Mycroft lachte leise. „Ja. Ich hab es einer Filmfirma abgekauft. Es ist hochseetauglich, natürlich. Es ist schnell und wendig. Und es lässt sich gut von zwei bis drei Menschen steuern."

„Drei… wäre besser. Einer muss nachts immer wach sein und wir sind nur zu zweit. Es wird ziemlich anstrengend."

Sherlock sah ihn erstaunt an. „Nachts wach sein? Ich brauche meinen Schlaf."

„Mein Gott, du wirst schon nicht gleich um Jahre altern, nur weil du mal ein paar Nächte unregelmäßig schlafen musst."

„Jungs, Jungs… ich wusste doch, es klappt nicht, euch allein ein paar Wochen auf einem kleinen Boot über die Meere schippern zu lassen. Gut, dass ich das voraus gesehen habe."

„Kriegen wir noch einen Passagier?", erkundigte sich John.

„Er ist schon an Bord. Sucht ihn."

John und Sherlock sahen sich fragend an. John stellte das Steuerrad fest und sie gingen unter Deck, wo es ein kleines Bad gab, zwei kleine Kabinen, eine Bordküche und einen Abstellraum. In diesem stand ein Mann, gut verschnürt und mit einem Knebel im Mund und funkelte sie wütend an.

Sherlock machte die Tür wieder zu und drehte sich ungerührt um. „Lass uns wieder hoch gehen. Ist so schönes Wetter draußen."

„Sherlock."

„Ach komm schon, John. Er ist so schön ruhig. Lassen wir ihn einfach da und tun so, als hätten wir ihn nicht gefunden."

John fand die Idee nicht mal so schlecht, aber es ging einfach nicht. Er öffnete die Tür, zog den Mann raus und befreite ihn. „Willkommen an Bord, Anderson."