Sicherheitshalber vergewisserte sich Sheppard ein weiteres Mal, ob seine Ausrüstung ordnungsgemäß in allen Taschen verstaut war, während er langsam den Gang hinunter ging. Reine Routine. Auch seine P90 war geladen und einsatzbereit.
Im Grunde konnte nichts mehr schief gehen. Und doch war er innerlich sehr aufgewühlt.
Die Tür vor ihm glitt automatisch zur Seite, ohne dass er dafür etwas tun brauchte. Im nächsten Augenblick blieb er abrupt stehen, als ihm jemand den Weg versperrte.
Sheppard war verblüfft über die Ähnlichkeit. Derselbe sture entschlossene Blick, den er schon so oft in den Augen ihres Bruders gesehen hatte. Jeanie mochte sich in fast allem von Rodney unterscheiden, aber sie hatten die gleichen Augen.
„Sie brechen auf?", fragte sie, ohne Anstalten zu machen beiseite zu treten. Sheppard nickte. Er wusste nicht, wie sie es erfahren hatte. Aber es wäre ihm lieber gewesen, sie hätte nichts davon mitbekommen. Ihm war sofort klar mit welchem Gedanken sie spielte.
„Ich werde mitkommen", erklärte sie schließlich.
Sheppard hatte befürchtet, dass sie das sagen würde.
„Das ist eine Rettungsmission", entgegnete er eindringlich. „Der Planet ist viel zu gefährlich. Ausschließlich Militärs sind dafür eingeteilt."
Er hoffte, dass sie ihn nun passieren ließ, aber sie wich nicht einen Millimeter von der Stelle. Im Gegenteil, sie schien bereit zu sein, ihn um jeden Preis aufzuhalten.
„Er galt nicht als gefährlich, als wir das letzte Mal dort waren. Und außerdem ist auch Dr. Beckett für diese Mission eingeteilt und er ist auch kein Militär."
Sheppard seufzte leise. Der typische McKay-Dickschädel!
Dennoch war es ungewohnt. Jeanie war im Grunde eine sehr sanftmütige Person. Im Gegensatz zu Rodney, der oft mit dem Kopf durch die Wand wollte, versuchte Jeanie für jeden Konflikt einen Kompromiss zu finden. Sie hatte nach ihrer Ankunft mit der Daedalus sehr schnell Freunde gefunden.
„Sie wissen, was Dr. Weir gesagt hat", erinnerte er sie. Ein schwacher Versuch, das wusste er.
Natürlich galt Elizabeth als höchste Autorität in dieser Stadt, aber Jeanie war ganz offensichtlich überzeugt die Meinung der Expeditionsleiterin über ihn zu ändern.
„Er ist mein Bruder", sagte sie plötzlich fast schon ein wenig verzweifelt.
Sheppard biss sich auf die Unterlippe. Er wusste, dass es hier um weit mehr ging. Es war längst kein Geheimnis mehr, wer es geschafft hatte das Herz der hübschen Tierforscherin zu erobern. Mit ihrer zurückhaltenden fast schon schüchternen Art mochte sie viele Männer in Atlantis um den kleinen Finger gewickelt haben, aber Aiden Ford hatte das glücklichste Los gezogen. Er und Jeanie wurden von vielen als das Traumpaar schlechthin gesehen, das auch nicht durch das anfängliche Misstrauen von Rodney getrennt werden konnte.
Jeanie machte einen Schritt auf Sheppard zu und sah ihm flehend in die Augen.
„Bitte", sagte sie leise.
Sheppard schaute sie lange schweigend an, während er innerlich mit sich haderte. Schließlich wandte er sich jedoch um und lief zurück in Weirs Büro.
