Commentarius

Autor: Beedaily

Übersetzt von: frecklemary

Betaleser: ElectrifyingChemistry

Rating: frei ab 13

Disclaimer: Diese Geschichte basiert auf Charakteren und Situationen, die von J. K. Rowling kreiert wurden und ihr, verschiedenen Verlegern unter Einschluss, aber nicht begrenzt auf Bloomsbury Books, Scholastic Books und Raincoast Books, und Warner Bros. Inc. gehören. Dieser Schreibstil gehört Meg Cabot und allen Verlegern und Editoren der ,Plötzlich Prinzessin`- Serie. Es wird kein Geld damit gemacht und sowohl Urheberrechts- als auch Markenverletzungen sind nicht beabsichtigt.

Die Geschichte ist von Beedaily geschrieben worden.

Kapitel 2.

2. September: Das Huhn

„Wenn du innerhalb einer Woche deine Arbeit, deine Ehe und deinen Verstand verlierst, versuche zuerst deinen Verstand zu verlieren, denn dann wird dir der Rest nicht mehr so viel ausmachen."

Jack Handey

Dienstag, 2. September, in der Großen Halle

Es gibt Frühaufsteher .... und dann gibt es noch den Rest von uns. Ich würde mich selbst in die zweite Gruppe stecken. Der Morgen und ich, wir passen nicht wirklich gut zusammen. Wir kommen einfach nicht gut miteinander aus. Das sind wir noch nie, und das werden wir wahrscheinlich auch nie. Daran ist niemand schuld, wirklich, es ist einfach so.

Ich wünschte mir allerdings, jemand würde Emma darüber informieren, denn - großartige Freundin, die sie ist - ist sie sich offensichtlich nicht über die gegenseitige Abneigung im Klaren, die ich und die Stunden vor zehn Uhr morgens miteinander teilen. Andererseits weiß sie vielleicht davon, und mein Gefühle und/oder meine Vorlieben sind ihr einfach egal. Sie quasselte den ganzen Morgen davon, „den Morgen mit einem lächelnden Gesicht zu begrüßen", während sie mir zu völlig unchristlicher Zeit die Decken von meinem heftig frierenden Körper wegzog, obwohl ich wirklich noch hätte schlafen sollen. Zu solch unerhörter Zeit aufzustehen führt offensichtlich dazu, den Morgen mit einem Lächeln anzutreffen, und nicht, wie ich bisher angenommen habe, mit einem Gähnen. Aber wie auch immer, ich bin ziemlich sicher, dass es ein schweres Verbrechen ist jemanden, der wie ich kein Morgenmensch ist, um sieben Uhr morgens zu wecken, egal WIE gut die Absichten des anderen sind.

Während ich also hier sitze, in meinen Waffeln herumstochere und müde an meinen Kürbissaft nippe, informiere ich Emma über das von ihr begangene Verbrechen.

„Red keinen Unsinn, Lily", sagte sie. „Es ist nicht so früh."

Klar, sie hat leicht reden. Sie mag so etwas.

„Wir müssen sowieso noch unsere Bücher zusammensuchen", hat mich Grace gerade informiert, obwohl ich WEIß, dass sie genauso müde ist wie ich, weil ihr immer die Augen zufallen, wenn Emma gerade nicht hinsieht. Außerdem hat sie eben in ihre Haferflocken gegähnt.

Es wird ihnen allen noch Leid tun, wenn ich einschlafe und in meine Waffeln falle, dann müssen sie mich zu Zaubertränke in die Kerker tragen, voll mit Sirup und total klebrig. Genau das sag ich ihnen.

Emma lässt einen ihrer großen, langen, nie endenden Seufzer hören. "Ehrlich, Lily! Wenn du genügend Energie hast in dein Tagebuch zu schreiben, nehme ich an, dass du auch genügend Energie hast, wach zu bleiben!"

Oh, Mist.


Später, Zaubertränke

Warum würde irgendjemand je einen FRÖSTELTRANK erlernen wollen?

Ernsthaft. Wer würde wohl je den Wunsch haben, Frösteln zu wollen? Hat das überhaupt einen Zweck? Wann werde ich je in meinem ganzen Leben einen Frösteltrank benötigen?Wann wird das irgendjemand? Professor Abbott sollte sich wirklich Klarheit über ihre Prioritäten verschaffen. INTERESSIERT sie sich auch nur im Geringsten dafür, dass ich schon seit heute Morgen um sieben Uhr wach bin? Ich habe keine Zeit, mich mit diesem Unsinn zu beschäftigen!

Frösteltrank

1) Verursacht Kälteschauer im Körper des Einnehmenden.

2) Verursacht bei dem Einnehmenden ... bla bla bla

NICHT VERGESSEN: Notitzen über Frösteltrank von Emma abschreiben.


Später, Wahrsagen

Warum plagen wir uns überhaupt mit diesem Fach ab? - LE

Ich weiß nicht. - EV

Sie ist furchtbar lustig, findet ihr nicht? - GR

Lustig? Ich dachte eher an total übergeschnappt.

Jedenfalls mag ich ihren Rock

Jetzt geht das schon wieder los. Schnell! Lenk sie ab! Lasst uns eine Liste machen, was sagt ihr?

Gute Idee.

Emmeline Vance, Grace Reynolds,

und Lily Evans Liste der bestaussehensten - Singlekerlen in Hogwarts

(mit beigefügten Kommentaren)

1) Amos Diggory - ein sexy Siebtklässler aus Hufflepuff, der nicht nur unglaublich gut aussieht - mit diesem sexy hell-braunen Haar und seinen hinreißenden Grübchen- er ist außerdem auch noch ein fantastischer Quidditchspieler, wofür sein Körper Beweis genug ist. Muss ich noch mehr sagen?

EV: Diese Meinung ist total voreingenommen. Lily! Er ist lange nicht so vollkommen wie du behauptest.

GR: Unglaublich sexy, hat jedoch seine Nachteile.

LE: Ihr seid beide verrückt. Er ist perfekt.

2) Thomas Dunn - Ein Drittklässler, ja na und, was ist schon dabei? Der Junge besitzt enorme Pluspunkte im Bereich Schönheit. Habt ihr seine Augen gesehen? Ein Bild der Vollkommenheit unter den Männern (oder Jungs).

LE: Er ist anbetungswürdig, und dabei nicht mal eingebildet!

Die perfekte Partie für die Zuneigung eines Mädchens aus der DRITTEN KLASSE.

GR: Vergiss die Drittklässler. Ich würde liebend gerne einen Besenschrank mit ihm zusammen finden.

EV: Ungeachtet Grace´ Methoden Kinder zu belästigen, muss ich zugeben, dass Thomas in den Bereichen Aussehen und Persönlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Eine gute Wahl. Gracie.

3) Remus Lupin - Obwohl er ein Viertel des berühmt-berüchtigten Herumtreiber Clans ist, ist er ein unglaublich sympathischer Kerl. Sein fleißiges Verhalten und sein Hang, gelegentlicher Unfug auszuhecken, machen aus ihm die perfekte Mischung von allem. Ein guter Fang für jedes Mädchen, dass dies zu schätzen weiß.

EV: Remus ist für mich eine herausragende Wahl, da er eine Mischung all dessen ist, was ein Mädchen sich wünschen kann. Abgesehen von seiner kränklichen Konstitution und der geschmacklosen Wahl seiner Freunde, glaube ich, kann man Mr. Wunderbar in Mr. Lupin finden.

GR: Oh, verstehe, da hat jemand offensichtlich ganz schön Gefallen an unserem Freund Mr. Lupin gefunden, he? Davon abgesehen keine schlechte Wahl. Remus ist ziemlich cool.

LE: Das ist absolut anbetungswürdig, Em! Remus ist keine schlechte Wahl. Warum trefft ihr euch zwei nicht mal um ein wenig zu "lernen", hm?

MITTEILUNG DER ZU UNRECHT VERDÄCHTIGTEN (EV): ICH BIN NCHT IN REMUS LUPIN VERKNALLT.

4) Sirius Black - Ein weiteres Mitglied der Unheil anrichtenden Herumtreiber, man kommt nicht umhin Sirius´ gutes Aussehen zu bemerken. Wir wissen alle, dass er kindisch ist und nicht richtig tickt, aber es mangelt ihm an nichts, was das Aussehen angeht.

EV: Da stimme ich zu. Sirius ist verrückt, aber nicht hässlich.

GR: Ich glaube nicht, dass ich darauf antworten kann, in Anbetracht der Tatsache, dass Familie (egal wie weit entfernt und distanziert) so etwas nicht über ein anderes Familienmitglied sagen sollte

LE: Auf dieser Liste geht es ausschließlich um das Aussehen, darum habe ich Sirius hinzugenommen.

Du kannst nicht bestreiten, dass er attraktiv ist (oder, wo wir gerade dabei sind, dass er irrsinnig ist.)

5) James Potter - James gehört auch zum Clan der Herumtreiber (was sind das doch für gut aussehende Männer!) und ist ein unglaublich gut aussehendes Mannsbild. Ganz zu Schweigen von seinem außergewöhnlichen Können beim Quidditch und seiner übernatürlichen Klugheit (die der von unserer Ms. Evans gleichkommt), der Junge hat alles.

EV: Wie wahr. Obwohl gelegentlich ein Trottel, kannst du James sein attraktives Äußeres und seinen Sinn für rowdyhaften Humor nicht abstreiten. Daumen hoch!

GR: Ich liebe James. Ich würde ihn tatsächlich zu meinem Liebhaber machen, wenn er nicht ein SO guter Freund von mir wäre.

LE: Ich bitte dich! POTTER? Er ist solch ein Depp! Und nebenbei weiß doch jeder, dass er und Saunders praktisch verheiratet sind. Seit dem dritten Jahr gehen sie miteinander, wenn sie nicht gerade mal wieder Schluss gemacht haben. Leute ihr macht mich krank.

MITTEILUNG AN DAS MÄDCHEN, DASS ES IMMER NOCH NICHT WAHRHABEN WILL:

Diese Liste ist ausschließlich für gut aussehende Singles, und du kannst James Potter von einer solchen Liste nicht ausschließen. Abgesehen davon haben James und Elisabeth schon vor einer Ewigkeit Schluss gemacht. Jeder weiß das.

MITTEILUNG AN DIE GEISTESKRANKEN: Verzieht euch.


Später, Abendessen in der Großen Halle

Ich liebe das Abendessen in Hogwarts. Ehrlich, ich liebe es.

Ich meine, wenn du einen harten Tag hattest und alles schief zu gehen scheint (also praktisch jeder Tag für mich), hast du doch immer die nette Aussicht auf ein Abendessen vor dir. Du kannst dich einfach zurücklehnen, entspannen und alles loslassen.

Natürlich könnte meine Liebe zu den Abendessen von Hogwarts möglicherweise etwas mit meiner großen und abnormalen Vernarrtheit nach Reis zu tun haben.

Ja, Reis.

Ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern, wann meine Versessenheit nach Reis angefangen hat, aber seit ich klein war, war Reis das Einzige, was ich gegessen habe. Ich erinnere mich, dass meine Großmutter immer den köstlichsten Reis gemacht hat, den ich je gegessen habe. Sie tat immer all diese verschiedenen Kräuter und Soßen dazu, die ich zwar alle einzeln kannte, wo mir aber nie in den Sinn gekommen wäre sie alle zusammenzumixen. Gewöhnlich sah ich ihr zu, wie sie alles zusammen mischte, und dann alles zu köcheln und zu blubbern anfing, ich konnte es aber nie selbst machen. Nachdem sie gestorben war, versuchten Mum und ich mehrmals ihren Reis nach zu kochen, aber es schmeckte jedes Mal grässlich.

Vielleicht fing alles mit dem Reis meiner Großmutter an, ich bin nicht wirklich sicher.

Und wisst ihr was? In Hogwarts gibt es jeden Abend mindestens drei Sorten Reis. Ja drei! Wie kann man das nicht lieben?

UND während du am Ende des Gryffindortisches sitzt, deine verschiedenen Reissorten isst und mit deinen Freunden plauderst, ergibt es sich, dass du dabei die perfekte Sicht auf den Hufflepufftisch hast. Das wiederum bedeutet, dass du auch eine perfekte Sicht auf einen gewissen Vertrauensschüler der siebten Klasse aus Huffelpuff hast (und nein, ich rede nicht von Julie Little).

Während ich also hier sitze, meinen Reis esse und zum Hufflepufftisch rüberschaue, muss ich mir keine Sorgen machen über lügende Schulsprecher und verfeindete Zimmergenossinnen, oder darüber, dass ich die Notizen über den Frösteltrank nicht habe, weil ich vergessen habe, Emma um ihre Abschrift zu bitten. Nope. Ich kann mich einfach zurücklehnen, entspannen und meinen beiden Lieblingsbeschäftigungen nachgehen.

Essen und von Amos Diggory schwärmen.

Kann das Leben noch besser WERDEN?


Mittwoch, 3. September Zauberkunst Klasse

Ich hasse mein Leben.

Ich hasse mein Leben, und ich hasse meinen blöden, eigenwilligen Mund.

Könnte ich in ein Mundgeschäft und ihn gegen einen anderen eintauschen, würde ich es tun.

Und ich müsste darauf hoffen, dass mein neuer Mund nicht so verdammt unabhängig ist wie mein alter, denn das gäbe ziemlichen Ärger. (Außerdem müsste ich wahrscheinlich wieder ins Mundgeschäft gehen, und der Gedanke an einen solchen Ort ist nicht gerade angenehm).

Ich versteh es einfach nicht. Was habe ich meinem Mund je getan, dass er so rebellisch ist?

ICH HABE DIESE SCHLECHTE BEHANDLUNG NICHT VERDIENT! WIRKLICH NICHT!

Ich meine, jemand so perfektes wie Elisabeth Saunders hat einen Mund wie meinen verdient.

Nicht jemand wie ich, die ohnehin schon in ihrem Leben scheitert.

Würde sich Elisabeth Saunders restlos blamieren, beinahe in einem sehr wichtigen Fach durchfallen, und DANN anfangen sich vor ihrem (früheren?) Feind/ Mitschulsprecher/ neu-ernanten-Verwandlungszauber-Tutor die Augen auszuweinen, hätte ich wahrscheinlich nicht mal über sie gelacht! Ich hätte vermutlich ziemliches Mitleid mit dem Mädchen, auch wenn sie eine absolute Kuh ist. Aber nein, solche Sachen PASSIEREN Elisabeth Saunders einfach nicht. Sie passieren Leuten wie mir. Immer muss mir so was passieren. Immer Lily.

Dieser Morgen fing wirklich gut an. Er fing sogar mehr als gut an. Ausnahmsweise verstand ich einen Zaubertrank wirklich. Einen Zaubertrank , dessen Zubereitungsweise ich am Vortag sogar vergessen hatte abzuschreiben! Habt ihr eine Vorstellung, was das eurem Selbstbestbewusstsein für einen Schub gibt? Ich habe für meine praktische Arbeit wirklich BESTNOTEN bekommen! Das ist total aufregend, wenn man bedenkt, dass Professor Abbott mich, wie ich weiß, hasst, und sich nur durch einen wirklich, wirklich brillanten Zaubertrank dazu gezwungen sieht, mir Bestnoten zu geben. Wer hätte danach keine gute Laune?

Also ging ich in bester, sprühender Laune (etwas, dass nicht oft vorkommt) zu Verwandlung, ich machte mir nicht einmal Sorgen darüber, dass ich in Verwandlung absolut MIES bin, oder über die Tatsache, dass ein gewisser Schulsprecher, dieser lügnerische Trottel - mit welchem ich im Übrigen nie wieder reden werde - direkt hinter mir saß und mit meinen Freunden plauderte.

„Geht auf eure Plätze! Setzt euch!" sagte Professor McGonagall zu Beginn der Stunde. Jeder hörte sofort auf zu reden, während sich die Augen nach vorne auf Professor McGonagall richteten. „Danke", sagte McGonagall, während sie sich zur Tafel umdrehte und zu schreiben anfing.

MÜNDLICH AUSGEFÜHRTE VERWANDLUNG VON TIEREN

Ugh. Es selbst jetzt zu schreiben lässt mich wünschen, vor lauter Peinlichkeit zu sterben. Aber der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass ich nie das geringste Talent in Verwandlung hatte. Ich bin brillant in Zaubersprüche und bin um Einiges besser als der Durchschnitt in Verteidigung, aber Verwandlung?

Niemals. In Wirklichkeit sollte ich nicht mal in dieser Klasse sein. McGonagall nimmt nie jemanden, der nicht zu mindest ein Erwartungen Übertroffen bei den O.W.L.´s erreicht, in ihre NEWT´s Klasse, und ich bin nicht im Mindesten in die Nähe dieser Note gekommen. Ich konnte McGonagall jedoch wie durch ein Wunder dazu überreden, mich in ihre Klasse zu nehmen, indem ich versprach, den Sommer über wie verrückt zu lernen, und ihr garantierte, mich zu verbessern. Ich glaube, sie war nur deshalb damit einverstanden, weil sie eine Vorliebe für mich hat (ich habe absolut keine Ahnung, warum sie mich so mag. Ich finde, wenn man jemanden bevorzugen will, dann geht man hin und sucht sich ein besonderes außergewöhnliches Kind aus, mit endlosen Talenten. Es geht über mein Verständnis hinaus, warum um alles in der Welt McGonagall für so ein gewöhnliches, langweiliges Exemplar von einem Menschen wie mich eine Vorliebe entwickelt hat). Ich sollte den ganzen Sommer über lernen (was ich gemacht habe ... manchmal) und wenn ich dieses Schuljahr zurück wäre, würde McGonagall prüfen, ob ich mich genug verbessert hätte, um in ihrer Klasse bleiben zu können. Ich war - und bin es immer noch - entschlossen in der Klasse zu bleiben, aber die Dinge scheinen in meinem Leben immer einen Weg zu finden, um in Unordnung zu geraten.

Ich weiß, dass Auroren Verwandlung beherrschen müssen, aber mal ehrlich, wenn man was nicht versteht, dann versteht man es einfach nicht. Können sie für mich nicht einfach mal eine Ausnahme machen? Ich bin mir sicher, dass EIN einziger Auror ohne Talent in Verwandlung in Ordnung wäre. Ich kann mich an Zauberkunst halten. Das kann ich.

„In Ordnung." McGonagall wandte sich mit dem Gesicht wieder der Klasse zu, und schaute dabei jeden von uns mit ihren beurteilenden Augen an. Ich hasse es , wenn sie das macht. „ Ihr habt gestern alle eure den Sommer über verblasste Erinnerung der Theorie über Verwandlung von Tieren aufgefrischt und werdet heute den Zauberspruch mündlich ausführen. Vergesst nicht, eure Zauberstäbe in der korrekten kreisförmigen Bewegung zu schnipsen und deutlich an die Verwandlung der vor euch befindlichen gefleckten Eidechsen in Hühner zu denken. Hat das jeder verstanden?"

Im Raum ware leises, zustimmendes Murmeln zu hören. Ich fing innerlich an, in Panik zu geraten.

„Gut", McGonagall nickte kurz. Ihre Augen flackerten zum anderen Ende des Klassenzimmers. „Und ich wünsche keinerlei zweifelhaften Spaß - Black, Potter, haben sie mich verstanden?"

Viele der Mädchen fingen an zu kichern, als sowohl Potter als auch Black unschuldig nickten. Was für blöde Trottel.

„Gut", sagte McGonagall noch ein Mal, während sie die beiden weiterhin misstrauisch beäugte. „Sie können anfangen."

Genau.

Anfangen.

Sicher.

Schön wär`s.

Ich saß einen Augenblick da, und sah zu, wie Emma mit Leichtigkeit ihre Eidechse in ein Huhn verwandelte und wieder zurück. Dann, auf der Suche nach etwas Beistand, drehte ich mich zu Grace um und hoffte, bei ihr ein wenig von den Schwierigkeiten zu entdecken, mit denen ich zu kämpfen hatte, meine Suche endete aber mit einer Enttäuschung, als Grace genauso einfach ein Huhn hervorbrachte.

Ein kurzer Blick hinter mich zeigte mir, dass auch die beiden Herumtreiber erfolgreich ihre Eidechse verwandelt hatten und dazu übergegangen waren, sich anderweitig zu unterhalten. Sirius versuchte, sein Huhn dazu zu bringen, das von Potter anzugreifen, der im Gegenzug sein Huhn in die entgegen gesetzte Richtung anspornte. Ich drehte mich zögernd meiner Eidechse zu und sah sie kritisch an. Es SCHIEN nicht allzu schwer zu sein. Alle anderen konnten es, warum sollte ich es nicht schaffen? Ich könnte. Ich könnte es wirklich.

Merlin, warum bin ich so dumm?

Ich nahm meinen Zauberstab vom Pult auf, fest entschlossen, diese verdammte Eidechse - koste es, was es wolle -in ein Huhn zu verwandeln. Ich überprüfte ein letztes Mal meine Notizen, bevor ich das Unmögliche versuchte.

„Animus Nero", sagte ich leise und schwang meinen Zauberstab auf die vorgegebene Weise. Es war jedoch offensichtlich nicht genau die vorgegebene Weise, denn anstelle eine Huhnes stand eine Kreatur mit Hühnerkopf, federbesetztem Eidechsenkörper und schleimigem Schwanz vor mir. Ein Eidechsen- Huhn.

Natürlich wäre diese fehlerhafte Verwandlung möglicherweise nicht allzu schlimm gewesen, hätte ich nicht, selbstverständlich ein besessenes Eidechsenhuhn erschaffen, dass beschloss, es sei angebracht eine riesigen Tumult zu veranstalten.

„KKIIIIIIIICCCCCKKKKKKKKKK!" schrie das halb-Eidechse/halb-Huhn Wesen los (übrigens in einer enormen Lautstärke für ein so kleines Tier). Alle drehten ihre Köpfe sofort in meine Richtung, während das Huhn von meinem Pult sprang, um mit seinem gewünschten Kriegspfad zu beginnen.

Das Chaos brach aus, als das verrückte Tier geradewegs in Jervis Rennets Stuhl rannte, was dazu führte, dass der armen Jervis direkt auf Penny O`Jene fiel, die daraufhin Jervis ziemlich laut ins Ohr schrie. Das Huhn setzte daraufhin seinen Weg fort und sprang direkt auf Tammy Turners Pult, und schob sein Pergament und seine Schreibfedern in alle unmöglichen Richtungen, woraufhinTammy anfing, in irgendeiner Sprache, die sich, glaube ich, ein bisschen wie Mermish angehört hat, Beschimpfungen auszurufen. Als es damit fertig war, beschloss es, seine Tinten verschmierten Krallen in Carrie Lloyds zarten Schultern zu versenken.

„NIMM ES WEG! EWWW! NIMM ES WEG VON MIR!" schrie sie ihren Partner, Timmy Ricks an, der die Situation äußerst komisch zu finden schien, und nicht in der Lage war ihr zu helfen, da er so heftig lachen musste.

An dem Punkt war die ganze Klasse im Chaos versunken, während meine Kreation von einem Pult zum nächsten sprang, Aufsätze ruinierte und einen Sturm der Verwüstung anrichtete, wo immer es hinkam.

Der Einzige, der dieses ganze Fiasko wirklich zu genießen schien, war Sirius, der seinem Huhn lauthals verkündete, es solle dem Beispiel meiner Kreation folgen. Ich wünschte mir ganz ehrlich, die Erde würde sich auftun und mich in einem verschlingen. Ich konnte mir nur vorstellen, wie rot mein Gesicht an dem Punkt bereits geworden war. Die ganze Zeit folgte ich dem verrückten Tier mit meinen Augen, und versuchte mich davon abzuhalten, noch an Ort und Stelle in Tränen auszubrechen.

Der Wahnsinn nahm schließlich ein Ende, als McGonagall eine ziemlich große Ausgabe von `Tipps und Tricks in Verwandlung` auf das chaotische Biest fallen ließ. Zuerst ging ein kollektives Aufatmen durch den Raum, bevor die Spannung wieder anstieg, und ich fühlte, wie sich die Augen aller weg von dem bewusstlosen Tier und hin zu seiner Schöpferin wendeten.

Zu mir.

„Ms Evans", sagte McGonagall leise, während sie langsam ihre Augen von dem Geschöpf auf mich richtete. „Kommen sie nach dem Unterricht bitte zu mir."

Schon allein der Ausdruck in ihren Augen - Enttäuschung, Bedauern - reichte mir, um zusammenzubrechen. Mein ganzer Körper zitterte vor Angst und Nervosität. Ich konnte gerade noch nicken.

Ich zitterte bei Weitem viel zu heftig, um zu mehr in der Lage zu sein. Vermutlich war es der schlimmste Moment meines ganzen Lebens.

Danach beruhigte sich die Klasse. Carrie Lloyd wurde zur Mädchentoilette geschickt, nachdem sie aufgehört hatte zu schreien, und McGonagall brachte Jervis Rennets Stuhl, wie auch Kiki Molters Pult wieder in Ordnung. Alle fingen an, ihre Sachen zusammenzusuchen, die als Ergebnis des Amoklaufs meines Huhns in allen Richtungen im Klassenzimmer verstreut herum lagen.

Ich saß einfach nur da, vor Sorge und Scham wie erstarrt, und beobachtete die Anderen, wie sie zu mir her sahen. Sie warfen mir mitleidiges Lächeln und besorgte Blicke zu, aber ich ignorierte sie. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mich in Selbstmitleid zu suhlen. Ich WUSSTE, dass ich mehr hätte lernen sollen. ICH WUSSTE ES! Aber nein, ich musste ja einfach die Show im Fernsehen anschauen, oder ich musste ja einfach weggehen und den Film sehen, oder ich musste ja einfach einen Mittagsschlaf ihr was passiert, wenn man sich so hängen lässt? MEIN LEBEN IST ZWEIFELLOS EIN MISSERFOLG!

Die Stunde ging zu Ende, und ich war extrem erleichtert, dass keine weiteren Probleme auftauchten.

„Potter", sagte McGonagall, wenige Minuten bevor die Stunde zu Ende ging. „Kommen Sie nach der Stunde zu mir."

Überrascht sah Potter hoch.

„Aber ich hab doch noch gar nichts getan, Professor!" rief er aus und sah McGonagall an, in der Hoffnung auf eine Antwort. Der Trottel dachte tatsächlich, er würde eine bekommen.

„Die Tatsache, dass Sie `noch nicht` sagten, kann nichts Gutes bedeuten, nicht wahr, Potter?" Sie beobachtete ihn misstrauisch, ihr Blick vermittelte ihre Abneigung für sein `noch nicht`. Potter zuckte nur mit den Schultern, war aber offensichtlich immer noch verwirrt.

Nach diesem kleinen Dialog geriet ich sofort in Panik. Hatte sie mich vergessen? Würde sie mich aus ihrer Klasse werfen, während Potter GENAU DANEBEN stand? Konnte sie wirklich so grausam sein? McGonagall ist streng, aber ich hatte noch nie erlebt, dass sie grausam gewesen wäre. Und was hatte Potter überhaupt getan? Konnte sie mit ihm nicht ein andermal darüber reden? Irgendwann, wenn ich, ich weiß nicht, NICHT in der Nähe bin? Hatte sie eine Vorstellung davon, was sie mir antat?

Zur Erleichterung aller endete die Stunde wenige Minuten später. Innerlich in Panik, sah ich schweigend zu, wie alle außer Potter und mir langsam den Klassenraum verließen, dabei über die ereignisreiche Stunde flüsternd und tratschend. Die Gerüchteküche wird eine ganze Weile brodeln.

„Wir warten auf dich, wenn du willst", bot mir Emma mit einem tröstenden Lächeln an, während sie mit einer Geste aus dem Klassenzimmer deutete, wo sie und Grace bereitwillig auf mich warten wollten. Ich schüttelte den Kopf, immer noch nicht in völliger Kontrolle von meinen Stimmbändern.

„Mach dir keine Sorgen, Lily", sagte Grace freundlich, offensichtlich versuchte auch sie mich zu trösten. „Jeder macht Fehler."

Ja, aber keine verrückten - Hühner - Fehler.

„Bist du sicher, dass du nicht willst, dass wir auf dich warten?" bot Emma noch einmal an. „Wir müssen sowieso nur zum Mittagessen gehen, es ist in Ordnung, wenn wir ein bisschen zu spät kommen."

Ich schüttelte noch mal meinen Kopf.

„Okay." Emma seufzte leicht, während sie mir tröstend ihre Hand auf die Schulter legte. „Ich nehme an, wir sehen dich dann beim Mittagessen."

Dann gingen sie und Grace, und ließen Potter, McGonagall und mich als einzig Verbleibende in dem zuvor vollen Klassenzimmer zurück. Ich versuchte, Potter nicht zu beachten und sah McGonagall abwartend an. Sie saß an ihrem Pult und schrieb etwas.

„Warten Sie draußen Potter", ordnete sie ruhig an, ohne sich die Mühe zu machen, vom Schreiben aufzublicken. Ich lies einen kleinen Seufzer der Erleichterung los, als mir klar wurde, dass McGonagall nicht so grausam war mich vor ihm raus zuwerfen. Ich sah still zu, wie Potter seine Sachen auf ebenso ruhige Weise zusammenpackte. Als er seine letzten Bücher aufsammelte, richtete er seine Augen abwechselnd auf McGonagall und mich. Ich sah weg, ich wollte den Spott, den ich ohne Zweifel in seinen Augen finden würde, nicht sehen. Wenige Sekunden später verließ er das Klassenzimmer. Er schloss die Tür hinter sich.

„Kommen Sie her, Ms. Evans."

Mein Kopf drehte sich zu McGonagall zurück, mein Magen schien sofort wie verknotet. Mit einigen Schwierigkeiten ging ich langsam vor zu ihrem Pult, während ich zu allem und jedem, was ich kannte, betete.

„Professor-" begann ich.

„Wir hatten eine Vereinbarung, Ms Evans", unterbrach sie mich ruhig, während sie dabei das erste Mal vom Schreiben aufsah. Ich zuckte zusammen und blinzelte mir die Tränen aus den Augen.

Sie sah so enttäuscht aus. Ich wollte sterben.

„Ich weiß, Professor", flüsterte ich traurig, und schaute nach unten auf meine Schuhe. Ich konnte es nicht länger ertragen, ihr ins Gesicht zu sehen.

„Ich würde Ihnen erlauben, dieses Jahr meine Klasse weiter zu besuchen, und sie hatten versprochen, zu lernen und sich zu verbessern. Ich sehe keine Verbesserung, Lily." In dem Moment, als sie mich ´Lily`nannte, wusste ich, dass es vorbei war. Ihr Ton war ruhig, aber streng. Ich schloss meine Augen und versuchte, meine Aufmerksamkeit sowohl darauf zu richten, was sie sagte, als auch darauf , verzweifelt die Tränen zurückzuhalten. Ich hatte mich noch nie so geschämt wie in diesem Augenblick.

„Ich-ich weiß." Ich schluckte und versuchte damit, die angestauten Gefühle, die mir die Kehle zuschnürten, loszuwerden. „ Und ich habe gelernt, Professor! Ehrlich, das hab ich!"

„Ich habe nicht gesagt, dass Sie nicht gelernt haben, Ms. Evans, aber ich kann wirklich nicht sehen, wie ich sie in der Klasse lassen kann, wenn Sie sich nicht verbessern können."

„Aber es ist doch erst der zweite Schultag, Professor! Ich bin einfach etwas aus der Übung." Meine Stimme zitterte bei jedem Wort. Sie würde mich rauswerfen, ich wusste einfach, dass sie mich rauswerfen würde. Es gab nichts mehr, was ich dagegen tun konnte. Warum kämpfte ich überhaupt noch dagegen an?

„Es wird von jetzt an nur noch schwerer werden, Lily", erklärte sie mir sanft. „All das ist nur Wiederholung der absoluten Grundlagen. Wollen sie wirklich so eine Vorführung noch einmal durchmachen?"

Ich schüttelte mit dem Kopf, und wartete auf das Schlimmste.

„Es tut mir Leid, Professor, es tut mir wirklich Leid, aber ich schwöre Ihnen, dass ich mich stärker anstrengen werde! Ich werde die ganze Zeit lernen! Nur lassen Sie mich bitte in Ihrer Klasse bleiben! Ich muss in dieser Klasse bleiben." Ich wusste, dass es ein aussichtsloser Fall war, aber ich war verzweifelt. McGonagall seufzte tief, und mein Inneres fiel in Stücke. „Bitte", flehte ich, ein letzter Versuch meinen hoffnungslosen Fall zu vertreten. Ich stand still da, und wartete auf ihre endgültigen Worte ... fürchtete diese Worte...

„Ich werde Sie nicht aus der Klasse nehmen, Ms. Evans."

Ich erstarrte, die hysterischen Worte meiner bereits frisch zurecht gelegten Widerrede auf den Lippen, als mein Herz wie wild in meiner Brust anfing zu klopfen. Hatte sie wirklich das gesagt,was ich dachte, das sie gesagt hat? „Ich- ich - was?"

McGonagalls kühler Blick flackerte zu mir. „ Ich werde Sie nicht aus meiner Klasse nehmen", wiederholte sie.

Sie ... sie wird nicht...

JA!!!!!!!!!!!!!!!!!

„Oh, vielen Dank, Professor!" rief ich glücklich aus, und hätte mich im Eifer des Gefechts beinahe vergessen und der älteren Frau die Arme um den Hals geworfen. „ Vielen, vielen Dank! Ich werde besser werden, das werde ich wirklich! Ich werde ständig lernen und ich werde mich verbessern und ich werde... oh, danke!" Ich war so erleichtert, mir verschlug es fast den Atem. Ich schwor mir noch in diesem Moment, dass ich härter lernen würde, komme was wolle. Immerhin, wer möchte schon einen Auror, der in Verwandlung durchgefallen ist, richtig? Ich hatte jedoch immer noch dieses nagende Gefühl im Magen. Was ist, wenn ich es nicht kann? Was ist, wenn ich es nicht verstehe, egal wie viel ich lerne? Was würde ich dann machen? Ich versuchte, diese beunruhigenden Gedanken aus meinem Kopf zu verdrängen. Ich war noch immer in der Klasse, das war das Einzige, was zählte.

„Dafür werde ich sorgen, Ms. Evans", erklärte mir McGonagall streng, mich aus meinen Gedanken reißend.

Ich blickte sie verwirrt an. „Was meinen Sie?" fragte ich.

McGonagall begann, Dinge auf ihrem Pult herum zu schieben, wärend sie ruhig erklärte: „Ich werde einen Tutor für Sie bestimmen, Ms. Evans. Sie werden sich einmal pro Woche für mindestens eine Stunde mit diesem Tutor treffen. Sie können zudem, so lange wie Sie es für nötig befinden, für sich lernen, aber wenn ich keine Verbesserung erkennen kann, werde ich Sie aus der Klasse nehmen. Ist das klar?"

Ich nickte.

Ein Tutor.

Hm.

Ich hatte bisher noch nie einen Tutor gehabt. Wer würde es sein? Wie würde es sein? Würde er mir wirklich helfen können?

„Potter!"

McGonagalls Ruf riss mich aus meinen Tagträumen. Meine Augen flogen zur Tür, die sich hinter mir öffnete.

Ich blickte unsicher zu McGonagall. War sie fertig mit mir? Sollte ich jetzt gehen? Aber wer war mein Tutor? Wann würde ich mich mit ihm treffen? Es machte nicht den Anschein, als würde sie irgendeine Antwort darauf geben. Ich drehte mich zu James um, der zu McGonagalls Pult gekommen war und jetzt neben mir stand.

„Was immer es ist, Professor, ich hab es nicht gemacht", behaarte James augenblicklich und sah McGonagall ernst an. „Ich schwöre, ich war`s nicht."

Ich musste ein Lachen zurückhalten, als McGonagall ihn mit ihrem Blick niederzwang. Er sah so unschuldig aus. Was hatte er überhaupt getan? Meinem Wissen nach ist in letzter Zeit nichts in die Luft geflogen und niemand hatte eine andere Haarfarbe.

„Es geht um nichts dergleichen, Potter", sie sah ihn streng an, „ausnahmsweise." Sie begann wieder, ihre Papiere umher zu schieben. „Erinnern Sie sich an das, über was ich gestern mit Ihnen gesprochen habe?"

Sie wandte sich wieder ihrer Schreibarbeit von vorhin zu. Wieder stellte sich mir die Frage, ob meine Anwesenheit erforderlich war. Wenn Potter nicht ausgeschimpft würde, gab es für mich keine Unterhaltung mehr. Was machte er eigentlich? Über was hatten sie gestern gesprochen?

„Die Tutorsache?"

Oh, Tutorsache.

Warte, TUTORSACHE?

Und dann war mir alles klar.

„Ja, die Tutorsache",sagte McGonagall mit einem Nicken. Sie drehte sich zu mir. „Hier ist Ihr neuer Schüler, Potter."

Hier ist Ihr neuer Schüler, Potter.

Ich wollte schreien.

Ich wollte weinen.

Ich wollte die Worte nehmen und sie zurückdrängen. Ich wollte alles tun, nur nicht James Potter ansehen.

Aber ich war inzwischen ein solches emotionales Wrack, dass ich natürlich nichts anderes tat, als dumm vor mich hin zu starren.

Warum er? Es hätte irgendjemand sonst sein können! WARUM MUSSTE SIE GERADE IHN WÄHLEN?

„Lily?" fragte er, ich war mir jedoch nicht sicher, ob er mit mir oder McGonagall redete. Er hatte mich wieder bei meinem Vornamen genannt. Warum machte er das immer?

„Ja," antwortete McGonagall, ohne von ihrem Geschriebenen aufzublicken. „Sie werden Ms. Evans von jetzt an Nachhilfe geben."

Mein starrer Blick viel wieder auf Potter, der mir für meinen Geschmack ein bisschen zu erfreut schien.

Das würde er mir ewig unter die Nase reiben. Ich kann mir schon all die Dinge vorstellen, die er darüber zu sagen weiß ... was er anderen darüber erzählen würde...

Verdammter Mist. Ich hasse ihn.

„Aber Professor", wandte ich ein, und sprach damit das erste Mal, seitdem Potter den Raum betreten hatte. „Wird Potter nicht schon zu beschäftigt sein, um mit Nachhilfestunden für mich belasted zu werden? Ich meine er hat Quidditch u - und seinen Aufgaben als Schulsprecher. Ich bin sicher jemand anderer kann es tun ... „

Das hört sich verzweifelt an, sagt ihr?

Mit Sicherheit.

„Nachhilfe zu geben ist Teil seiner Pflichten als Schulsprecher, so wie es Teil Ihrer ist." Bei ihren Worten sank mir das Herz in der Brust. „Wenn Sie es nicht wären, dann wäre es jemand anderer. Ich danke Ihnen jedoch für Ihre Besorgnis."

Plan A vereitelt. Verflucht noch mal.

„Ich denke, dass ich sie beide jetzt alleine lassen werde, damit Sie den Zeitpunkt Ihrer Treffen besprechen können." McGonagall erhob sich von ihrem Stuhl und schaute uns dabei bedeutungsvoll an. Das Pergament, auf dem sie zuvor geschrieben hatte, hielt sie fest in ihrer Hand. „Ich muss dem Schulleiter eine Nachricht zukommen lassen. Ich wünsche Ihnen beiden noch einen guten Tag." Und ohne ein weiteres Wort verließ sie uns.

Allein.

Ich glaube, an dem Punkt fing mein Verstand an, die Situation vollständig zu begreifen.

Potter.

James Potter war mein Tutor.

Ein Tutor ist jemand, der seinem Schüler hilft.

Potter und mir helfen? Höchst unwahrscheinlich.

Ich muss in diesem Fach aber bestehen. Ich habe keine Wahl. Wenn ich mich nicht verbessere, wird mich McGonagall nicht in der Klasse behalten, und dann werde ich nie Auror werden können. Aber wie soll ich mich verbessern können, wenn mein Tutor der größte Idiot ist, den ich kenne? Wie soll ich mich verbessern können, wenn ich mir selbst einen Schwur auferlegt habe, nie wieder mit meinen sogenannten ,Tutor`zu sprechen? Wie soll ich mich verbessern, wenn mein Tutor mich ganz sicher verabscheut?

Hat McGonagall überhaupt eine Ahnung, was sie getan hat? Ist sie sich darüber im Klaren, dass mein ganzes Leben vermutlich gerade den Bach runter läuft, weil sie mir einen nutzlosen Tutor zugeteilt hat? Ist ihr bewusst, dass man kein Auror sein kann, ohne ein NEWT in Verwandlung? Ist ihr das klar?!

Ich kann das nicht glauben, ich werde durchfallen. Potter wird mich vermutlich mit falschen Informationen füttern und mir erzählen, dass ich es gut mache, während er in Wirklichkeit nur über mich und meine Unfähigkeit in Verwandlung lacht. MERLIN, er ist solch ein Trottel!

Ich glaube, wärhend sich innerlich meine Gedanken weiter überschlugen, versuchte Potter, mit mir zu reden, da er ziemlich erschrocken war, als ich mich zu Boden plumpsen ließ und anfing, mir wie verrückt die Augen auszuweinen (Hey, ich war gefühlsmäßig ein Wrack, erinnerst ihr euch? Ich hatte keine Kontrolle über meine plötzlichen, impulsiven Reaktionen).

„Lily!" Er ließ sich sofort neben mir auf die Knie fallen. „Ist mit dir alles in Ordnung? Was tut dir weh?"

Du meine Güte. Der blöde Idiot dachte tatsächlich, ich wäre verletzt oder so was.

„Mir geht`s gut!" schluchzte ich wütend. „Lass mich einfach in Ruhe!" Ich vergrub mein Gesicht in meinen Knien, während ich noch heftiger zu weinen begann.

Ich glaube, da fing Potter an zu begreifen, dass es keine inneren Verletzungen waren, die meinen Weinkrampf verursachten. Ich konnte sehen, dass er offensichtlich von meine Tränen überrascht war und ein bisschen unsicher darüber, was er mit mir anfangen sollte, als ich fühlte, wie er sich leicht von meiner bebenden Gestalt weglehnte. Ich wusste, dass er verwirrt darüber war, was er von dem albernen, weinenden Mädchen das neben ihm saß halten sollte - verdammt, ich wäre genauso verwirrt! - aber die Verwirrung schien langsam nachzulassen, als ich wenige Sekunden später fühlte, wie er zögerlich seinen Arm um mich legte.

Vielleicht versuchte er mich zu trösten (ha!), aber es regte mich nur noch mehr auf. Konnte er nicht einfach diesen blöden Streich oder was auch immer es war vergessen und wieder wie früher gemein zu mir sein? Er ruinierte doch schon mein Leben, warum musste er es noch schlimmer machen?

„Geh weg!" weinte ich in sein Hemd, während ich gegen seinen Griff ankämpfte. Immerhin fühlte sich sein Hemd gut an. Ich nehme an, wenn ich schon in jemandes Hemd weinte, war es doch nett zu wissen, dass es ein angenehmes Hemd war.

„Was ist los?" fragte er mich ruhig, seinen festen Griff nicht im Mindesten lockernd. Er war offensichtlich überhaupt nicht mehr unsicher darüber, was er mit mir anfangen sollte. Er schien es auch nicht allzu unbehaglich zu finden, seine Langzeitfeindin auf eine recht vertrauliche Art im Arm zu halten. Ich war natürlich so verwirrt, dass ich nicht wusste, was ich davon halten sollte.

„Ich sagte, geh weg!" schrie ich noch lauter, während ich weiterhin versuchte, gegen ihn anzukämpfen.

„Nicht, bevor du mir nicht gesagt hast, was los ist!" schrie er geradewegs zurück.

Oh ja. Eindeutig nicht mehr nervös.

Wenn er jedoch gedacht hat, das ich ihm so einfach von all meinen Probleme erzählen würde, hatte er sich getäuscht. Er war nett, na und? Sein Hemd war bequem, na und? ER IST EIN GEMEINER, DUMMER LÜGNER!

Alles!" rief ich und versuchte noch heftiger, mich von ihm loszureißen. Die Antwort schien mir angemessen. Er hielt mich noch stärker fest. Es tat weh, also hörte ich auf gegen ihn anzukämpfen. Blöder Idiot.

„Alles?" fragte er sanft und lockerte seinen Todesgriff.

„Ja! Bist du jetzt zufrieden?"

Er schüttelte seinen Kopf. „Nein."

Ich starrte ihn ungläubig an. „Nein?"

„Nope," wiederholte er. Ich hätte vor Verzweiflung am liebsten geschrieen, oder ihm wirklich hart genau in sein hübsches Gesicht geboxt. Stattdessen fing ich nur noch heftiger an zu weinen.

„Ugh! Geh einfach weg!"

Er bestand weiterhin darauf. „Nicht, bevor du mir nicht gesagt hast, was los ist." Ich fühlte seinen Finger unter meinem Kinn, als er mein tränenüberstromtes Gesicht zu sich hoch hob. „Sag mir, was ist los?" sagte er erneut.

Mein Verstand schrie auf, dass das nicht normal war - dass hier mit Sicherheit etwas gespielt wurde. Warum war er immer noch so nett zu mir, obwohl ich nicht nur unglaublich unhöflich zu ihm war (was er total verdient hatte), sondern mich zudem auch noch praktisch aus seinem Griff losrieß? Anstatt ihm ins Gesicht zu spucken, wie ich ursprünglich vorhatte, suchte ich in seinem Gesicht nach irgendeinem Zeichen, das verriet, was hier wirklich vorging, aber es gab nichts preis. Sein Gesicht war ausdruckslos, während er ruhig darauf wartete, dass ich ihm antwortete, und in seinen Augen lag ein merkwürdiges Gefühl, das ich einfach nicht zuordnen konnte. Ich muss wirklich sagen, sie sind sehr nett. Seine Augen, meine ich. Auch wenn er sie nicht verdient hat, da er eine so nicht-nette (oder jedenfalls gewöhnlich nicht-nette) Person ist. Ich hoffe er spendet sie Hope-Haus oder so.

„Warum kümmert es dich überhaupt?" fragte ich ihn so kühl, wie es mir trotz all der Tränen möglich war. „Du verachtest mich."

Ich sagte das Letzte recht würdevoll, so als wäre es eine allgemein bekannte Tatsache, für was ich es auch gehalten hatte, aber Potter sah verwirrt aus.

„Ich verachte dich nicht", sagte Potter. „Das weißt du doch Lily, nicht wahr?"

Uh, nein, tu ich nicht.

„Wovon redest du?" fragte ich verärgert darüber, dass er etwas Anderes auch nur nahe legte.

Das war alles nur Teil des Plans, den er ausgeheckt hatte, ich wusste es einfach. Tröste das weinende Mädchen, versichere ihr, dass du sie nicht hasst, sei weiter Mr. Nett und Nobel, und dann spiel ihr so einen Streich, dass sie überschnappt. „Du hasst mich seit der ersten Klasse. Du hast deine Absichten ziemlich deutlich gemacht."

Er seufzte laut und schüttelte bedauernd seinen Kopf. „Ich hab dich nie gehasst, Lily."

Was ist der Junge bloß für ein Lügner!

„Lüg nicht!" schrie ich und warf ihm finstere Blicke zu. „Was bist du, irgendein pathologischer Lügner oder so was?"

„Ob ich was bin?" fragte er verständnislos.

„Du hast zuvor gelogen und du lügst jetzt!" erklärte ich ihm sachlich, und versuchte nicht einmal, dabei den Ärger aus meiner Stimme zurückzuhalten. „Genießt du es zu lügen, oder bist du einfach nur krank und kannst nicht anders?"

Potter seufzte wieder und schob sich mit einer Hand, die er zuvor um mich gelegt hatte seine Haare zur Seite. „Ich hatte nicht die Absicht, dich anzulügen", sagte er. „Es tut mir leid."

Ich musste mein ungläubiges Schnauben zurückhalten. Wovon redete er? Wie kann man NICHT die Absicht haben, wenn man jemanden anlügt? Wenn man lügt, WEIß man, dass man lügt. Er hat es total gewußt! Ich meine er hat gelächelt! Er hat nicht nur gewusst, dass er es tut, er hat sogar auch noch eine gewisse Befriedigung daraus gewonnen, dass er es getan hat!

„Man kann nicht unabsichtlich lügen", blaffte ich ihn wütend an. „Du hast es mit Absicht getan."

Einen Moment lang rang Potter um seine Worte. „Ich weiß", sagte er, „aber ... es war ... ich hatte nie vor ... ach, es ist egal! Du würdest es nicht verstehen."

„Versuch es," gab ich zurück, neugierig geworden, was er damit meinte, als er dagegen hielt, ,nicht die Absicht gelogen zu haben`, zurück, während ich dabei auch versuchte, die Unterhaltung auf etwas anderes als den Grund meiner Tränen zu lenken. Wenn er hartnäckig sein konnte, konnte ich das auch.

„Nicht, bevor du mir nicht sagst, warum du weinst", entgegnete er mit einem viel sagenden Blick.

Ich hätte es kommen sehen sollen.

Natürlich hatte ich nie vor, ihm zu erzählen, warum ich hysterisch war. Auch wenn er nett war und alles. Tatsächlich hatte ich die Absicht, ihn anzuschreien und ihn zu beschimpfen, und eine große Szene daraus zu machen, dass er sich in meine privaten Angelegenheiten mischen wollte. Aber, natürlich, wählte mein berüchtigter Mund genau diesen Moment, um erneut zu streiken. Ich glaube, es könnten seine blöden Augen gewesen sein, die irgendwie meinen idiotischen Mund zum Reden gebracht haben(!), aber auf welche Art auch immer, bald fand ich mich wieder, wie ich die ganze Verwandlungsgeschichte - meine miesen OWLS Punkte, meine Abmachung mit McGonagall, mein Aurorproblem, sogar meine Zweifel darüber, dass er mein Tutor war - vor James Potter ausplauderte, genau dort, auf dem Fußboden im Klassenzimmers für Verwandlung.

Ja, ich weiß, ich bin ein Idiot.

Er hörte eindringlich zu, als würde das, was ich sagte, ihn wirklich interessieren, was, wie ich vermute, der Grund dafür ist, dass mein Mund einfach weitermachte, sogar noch dann, als ich dachte, dass nichts mehr zu erzählen übrig wäre. Dann, endlich, als mein verräterischer Mund mit dieser ausführlichen Erklärung fertig war, beendete ich meine Geschichte mit einem erfreulichen, „Mein Leben ist die Hölle auf Erden" und machte dann schnell meinen Mund zu, während ich mir geistig in den Hintern trat. Potter schien abzuwarten, ob ich fertig war, bevor er etwas sagte oder tat. Er schien tatsächlich etwas erstaunt darüber zu sein, dass ich so einfach nachgegeben hatte. Ein paar Sekunden der Stille vergingen, bevor er anfing zu lachen.

„Ist das alles?" fragte er schmunzelnd. Ich blickte ihn finster an. „Ich hatte wirklich geglaubt, es ginge um etwas Wichtiges."

„Das ist wichtig!" blaffte ich.

Er lachte wieder, ohne meiner ärgerlichen Stimmung Beachtung zu schenken. „Hör zu", fing er an, und lächelte mich dabei leicht an. „Also erstens, jeder hat seinen gerechten Anteil an Problemen. Jeder glaubt zu gewissen Zeiten, dass sein Leben die Hölle auf Erden ist - ich meine, verdammt! Ich hasse mein Leben genauso! Und zweitens, du wirst in Verwandlung nicht durchfallen. Dafür bin ich da."

Als er den letzten Teil sagte, hörte er sich so aufrichtig an, dass ich ihm fast geglaubt hätte. Fast. Ich meine, ich wollte ihm glauben, ich wollte wirklich, aber es ist James Potter, über den wir hier reden.

Der gleiche James Potter, der mich angelogen hat. Der gleiche James Potter, der mich seit der ersten Klasse gehasst hat (selbst wenn er darauf besteht, dass er das nicht hat. Das war auch eine Lüge.) Ich meine, nach all dem, warum sollte ich ihm jetzt glauben?

Du wirst mir helfen?" fragte ich, ohne mir die Mühe zu machen, den offensichtlichen Sarkasmus in meiner Stimme zu verbergen. „Genau. Sicher."

„Das werde ich!" beharrte er, und sah weiterhin aufrichtig aus, ich weiß jedoch, dass er es nicht war.

Ich verdrehte die Augen. „Wirst du das?", fragte ich rundweg.

„Natürlich werde ich das!" antwortete er. Ich warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Er nahm seine Arme von meinem Körper weg und brachte sie in ,Schwur`-Haltung. „Heiliges Rumtreiber Versprechen."`

Wieder verdrehte ich meine Augen. „Als wenn ich einem Versprechen trauen würde, dass ihr vier euch ausgedacht habt!" Ich lachte. Na ja, es war zumindest ein Versuch zu lachen. Ich fing auf halbem Weg an zu husten, und es war eher ein Hustenanfall als ein heiteres Lachen.

„Geht es dir gut?" fragte mich Potter, nachdem sich mein Hustenanfall etwas beruhigt hatte. Ich konnte sehen, dass er versuchte, einen eigenen Lachanfall zurückzuhalten.

„Mir geht`s gut", würgte ich hervor.

„Gut." Er lächelte und nickte. Ich sah zu, wie er sich vom Boden erhob und aufstand. Dann streckte er mir seine Hand entgegen, um mir auch vom Boden hoch zu helfen.

„Danke", krächzte ich, immer noch nicht ganz über meinen Hustenanfall hinweg.

„Kein Problem", antwortete er mit einem weiteren Lächeln. Ich schaute weg von ihm und beschäftigte mich damit, mir unsichtbaren Schmutz vom Rock zu wischen. Ich stellte mir vor, dass, wenn ich nicht zu ihm hinsah, ich vielleicht einfach vergessen könnte, dass diese ganze Sache passiert ist.

„Also." Potter sah erwartungsvoll zu mir hin, offensichtlich nicht sicher, was er an diesem Punkt sonst sagen könnte. Wenn er mich in der Hoffnung, ich würde die Unterhaltung wieder aufnehmen, ansah, war er verrückt. Ich denke, ich habe genug geredet für einen Tag, vielen Dank.

Ich wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, aber es musste eine ganze Weile sein, nachdem ich vor dem armen Kerl meine ganze Lebensgeschichte ausgeplaudert hatte. Es schien verrückt, dass ich die ganze Zeit wirklich mit James Potter gesprochen hatte. Ist das überhaupt möglich? Das hätte ich nie gedacht.

„Ich werde ... jetzt besser gehen," sagte Potter endlich und brach das Schweigen. „Mittagessen und all das."

„Ja." Ich nickte, wischte mir die Augen und hoffte, dass ich nicht zu schrecklich aussah. „Mittagessen. Richtig."

Es gab eine weitere, stille Pause, bevor Potter fortfuhr. „Aber wegen den Nachhilfestunden ... Ich hab Montags und Freitags Quidditch, also wie wäre es mit morgen? Sagen wir um 8?"

Ich nickte wieder, obwohl ich immer noch nicht sicher war, dass es diese Tutorsache überhaupt wert sein würde. Was, wenn der der Trottel mich wirklich mit falschen Informationen FÜTTERT? Was wenn er mir NICHT helfen kann? Was werde ich dann tun?

„Gut." Er sah erleichtert aus, das ich tatsächlich einverstanden war. „Ich treffe dich dann also im Gemeinschaftsraum?"

Ich nickte wieder dümmlich. Er lächelte mich an und fing an, seine Sachen von einem der Pulte aufzunehmen. Ich sah ihm zu, wie er sich zur Tür wandte, aber aus irgendeinem Grund hatte ich das sichere Gefühl, dass die Unterhaltung genau jetzt noch nicht zu Ende war.

Natürlich hätte ich wissen sollen, dass sich mein Verräter-Mund ganz leicht um so etwas kümmern konnte.

„Potter!"

Er drehte sich um und sah mich an. Er sah aus, als hätte er einen solchen Ausbruch erwartet. Wenigstens einer von uns hatte das.

„Eh ... na ja ... er ...danke. Dass ich, ähm, ... dich anschreien dürfte."

Oh, Merlin.

War das wirklich aus meinem Mund gekommen?

Ich bin so ein Trottel.

Was er in dem Moment von mir gedacht haben muss, kann ich nur vermuten. Es war vermutlich etwas in der Art `blöde Idiotin`.

„Gerne geschehen", lachte er.

Ja, die Riesenidiotin Lily.

Er lächelte mir ein letztes Mal zu, bevor er sich wieder der Tür zudrehte. Ich versuchte, so gut ich konnte, sein Lächeln zu erwiedern, doch ich war so rot an dem Punkt, dass ich nicht glaube, dass es wirklich eine Rolle spielte.

Ich drehte mich schnell zu meinen Büchern um, die auf meinem Schreibtisch verstreut waren, und versuchte, nicht an die stattgefundene Unterhaltung zu denken. Es gab nur einen Weg, um herauszufinden, ob Potter wirklich der Lügner war, für den ich ihn hielt, und das würde sein diese ganze Sache mit der Nachhilfe durchzuziehen. Wer weiß, vielleicht sagte er ja die Wahrheit. Vielleicht könnte er mir helfen.

„Lily!"

Mein Kopf schnappte hoch, als ich meinen Namen hörte. Potter stand angelehnt im Türrahmen und blickte mich erwartungsvoll an. Was wollte er jetzt?

„Hm?"

Ich versuchte, so ungezwungen wie möglich zu klingen. Natürlich gab es keinen Grund, warum ich nicht ungezwungen hätte klingen sollen. Ich meine, es war nur Potter. Auch wenn ich gerade meine ganze Lebensgeschichte vor ihm ausgeplaudert hatte.

„James." sagte er leicht.

Ich sah ihn verwirrt an und wartete darauf, dass er genauer würde. „Was?" fragte ich.

„Mein Name", sagte er im gleichen leichten Ton, „ist James."

Ich sah ihn befremdet an. „Ich weiß, dass er das ist", sagte ich mit einer Art nervösen Kichern. Wie sollte ich wissen, wovon er redete?

„Ich schätze, dann solltest du mich auch so nennen, nicht wahr?"

Mein Körper erstarrte. Ich starrte ihn mit völligem, äußerstm Unglauben an.

Hatte er das gesagt, was ich dachte, dass er gerade gesagt hatte? Hatte er mir gerade ehrlich gesagt, ich solle ihn James nennen? Nach sechs Jahren ununterbrochenem Nennen beim Nachnamen sagt er mir das jetzt?

„Ähm - ja," würgte ich hervor. "Ich- ich glaub schon."

Er grinste. „In Ordnung." Dann verschwand er vollständig.

Jetzt frage ich euch, was sollte das alles? Was macht er? Was musste er von mir denken?

Warte, warum kümmerte es mich überhaupt, was er denkt? Potters Meinung hat bisher nie eine Rolle gespielt! Was; zwei Tage unübliche Nettigkeiten, und plötzlich ist er mein verdammtes Idol oder sowas? Ich sollte wirklich damit aufhören. Immerhin ist er nur Potter. Der blöde, eingebildete Depp, den ich seit der ersten Klasse gehasst habe ... richtig?

RICHTIG?


Später, Mädchenschlafsaal der Siebten Klasse

Man könnte meinen, die Leute hätten andere Dinge, über die sie reden können.

Ehrlich. Es ist, als hätten alle seit Ewigkeiten keinen ordentlichen Klatsch mehr gehabt.

Ich meine, ich weiß, dass es eine sehr ereignisreiche Stunde war, aber man könnte hoffen, dass die Leute ihre Unterhaltung in etwas anderem suchen würden, als darin, die Schulsprecherin dazu zu bringen, sich wie einen Dummkopf zu fühlen.

Die Tatsache, dass ich wegen all dem Starren und Gestikulieren nicht mal mein Abendessen beenden konnte (welches übrigens VIER verschiedene Reissorten beinhaltete), muss schon etwas über meine Mitschüler aussagen. Ich hatte gehofft, sie würden verstehen, dass niemand perfekt ist, am allerwenigsten ich, und die Sache einfach auf sich beruhen lassen, aber das war natürlich nicht der Fall. Es ist einfach wirklich nicht angemessen. Ich weiß, dass ich ein Versager in Verwandlung bin, aber sie müssen es mir nicht auch noch unter die Nase reiben.

Ich erzählte Grace und Emma von dem „Potter/James" Vorfall, nachdem wir zum Schlafsaal zurückgekehrt waren. Sie schienen das für völlig normal zu halten. Ich schien die Situation anscheinend überzubewerten. Wie dumm von mir.

„Es ist gut, dass er versucht Frieden zu schließen", sagte Grace. „ Eure blöden Streitereien dauern schon viel zu lange."

Das ist vermutlich wahr. Die ganze Streitsache ist irgendwie wirklich albern. Aber er war es immer, der anfing, mit mir zu streiten. Ich griff ihn nie an, ohne dass ich zuvor von ihm provoziert worden war.

„James ist sehr gut in Verwandlung", sagte Emma in Hinblick auf die ganze Tutorsituation zu mir. „Er wird ein guter Tutor sein. Du musst einfach nur intensiver lernen. Lass James seinen Teil tun, aber geh sicher, dass du auch deinen Teil tust."

Ich hatte ihnen auch von dem Tag am Kings Cross Bahnhof erzählt und von meiner Vermutung es handle sich um einen Streich. Grace fand das absurd.

„Er ist nett zu dir und du denkst automatisch, es wäre ein Streich?" fragte sie mich mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck.

„Das hat er auch gesagt," murmelte ich leise und fühlte mich jetzt etwas schuldig dafür. Es erschien mir zu dem Zeitpunkt eine gerechtfertigte Erklärung zu sein. Was hätte es sonst sein sollen?

„Na ja, vielleicht ist es einfach nicht das, was du denkst", sagte sie. „Vielleicht gibt es noch einen anderen Grund, und du erkennst ihn nur nicht."

Da wusste ich, dass sie etwas wusste, das ich nicht wusste. Ich hasse es, wenn sie so geheimnisvoll tut. Man bekommt nie irgendetwas aus ihr heraus, wenn sie so ist. Sie erwartet dann von einem, dass man genau weiß, wovon sie redet. Ich verstehe allerdings nie, was sie mir zu sagen versucht, warum macht sie sich also die Mühe und sagt überhaupt etwas? Ist es so unterhaltsam, mich durcheinander zu bringen?

„Oder vielleicht ist es ganz genau das, was ich denke", entgegnete ich störrisch. Es konnte nichts anderes sein. Es GAB keinen anderen Grund dafür.

Grace schüttelte nur ihren Kopf und die Unterhaltung war beendet.

Wirklich, ich hasse es, wenn sie das macht.