Ein kalter Wind erfasste sie und ließ sie schaudern.
Sie zog den Mantel enger um ihre schmalen Schultern und duckte sich ein wenig tiefer in das Gebüsch, um dem Wind nicht viel Angriffsfläche zu bieten.
Ihr war kalt und sie hatte Hunger.
Sie hob die Hände an den Mund und hauchte warme Luft gegen sie.
Aber es half nichts.
Sie brauchte unbedingt etwas zu essen.
Ihre Hände umklammerten den langen Bogen.
Mit den Augen suchte sie den Wald nach Beute ab.
Nichts.
Keine Geräusche, keine Spuren.
Das junge Mädchen stand auf und verließ ihren Posten.
Sie wollte gerade gehen, als sie ein Geräusch hörte.
Es war so leise, dass sie erst glaubte, es überhört zu haben.
Sie hockte sich hin, legte einen Pfeil in die Sehne.
Wartete.
Lauschte.
Dann sah sie eine Bewegung im Busch.
Sie zielte und schoss den Pfeil ab.
Es raschelte abermals und dann war es still.
Sie stand auf und ging zu dem Busch.
Vor ihren Füßen lag ein Kaninchen.
Das Mädchen hob es auf und drehte sich um.
Ihre Eltern würden stolz auf sie sein.
Sie stieß einen kurzen Pfiff aus und sprang auf ihr Pferd.
Dann wandten sie sich um und ritten in die Richtung, in der ihr Dorf stand…
Es war dunkel.
Der helle Vollmond wurde gelegentlich von einer vorbeiziehenden Wolke verdeckt.
In der Ferne war das Rufen einer Eule zu hören.
Der Wald erstreckte sich über einen weiten Teil des Landes und nun lag er still und bedrohlich dort.
Der Wind trug ein paar geflüsterte Worte zu der einsamen jungen Frau, die sich im Wald verborgen hatte.
Aber waren es Worte?
Der Wind flüsterte ihr oft etwas zu.
Weit war sie gewandert.
Sehr weit.
Sehr lange.
Und trotzdem hatte sie ihn nie gefunden.
Ihren Seelengefährten.
Aber sie wusste, dass sie ihn eines Tages finden würde.
Eines Tages.
Sie hoffte, dass dieser Tag bald kommen würde, denn sonst würde diese große schwarze Leere, die tief in ihr brodelte sie verschlingen…
Regungslos stand sie da.
Nichts rührte sich.
Prüfend ließ sie ihren scharfen Blick über das weite, leicht hügelige Gebiet wandern, das sich vor ihr erstreckte.
Doch sie konnte nichts Auffälliges entdecken.
Auch hören konnte sie nichts, was bedrohlich werden konnte.
Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass alles in Ordnung sein würde, erlaubte sie sich, sich einmal durchzustrecken.
Seit Tagen war sie den mysteriösen Gestalten gefolgt und hatte sie beobachtet.
Wollte herausfinden, was sie hier zu suchen hatten.
Doch sie war aus den Gesprächsfetzen nicht schlau geworden.
Zwar verstand sie deren Sprache, aber der Wind konnte trügen…
Plötzlich hörte sie das leise Schlagen von Metall auf anderes Metall.
Sofort stand sie wieder regungslos an ihrem Platz und lauschte.
Dann hörte sie schwaches Hufgetrappel, das sich ihr näherte.
Ihr Blick huschte abermals über die Landschaft.
Doch noch immer konnte sie nichts Auffälliges entdecken.
Sicherheitshalber zog sie sich ein Stück zurück und kletterte geschickt und leise einen Baum hoch.
Von hier oben hatte sie eine gute Sicht über das Gelände und dann konnte sie in der Ferne etwas erkennen.
Der Vollmond war mittlerweile wieder aus einer Wolke hervorgekommen und erhellte die Landschaft.
Der Wind wehte nun ein bisschen stärker und jetzt trug er leise gesprochene Worte zu ihr herüber.
Sie konnte drei Stimmen ausmachen.
Männer.
Auf Pferden.
In Rüstungen.
Aber waren es die Männer, denen sie gefolgt war?
