Mein zweites Kapitel, ich hoffe es gefällt euch. :-)

Amortentia

Ein hämisches Grinsen umspielte die Lippen des Zaubertränkelehrers. Ein Grinsen, das alles Blut in ihren Adern gefrieren ließ. Dann wandte er sich von ihr ab und schritt zu seinem Schreibtisch. Dort öffnete er eine Schublade und nahm einen Stapel Pergamente hervor. Nach einigem Suchen fand er wonach er zu suchen schien. Dann kam er wieder auf Luna zu, die inzwischen wieder Platz genommen hatte und in ihrer Tasche nach einer Feder kramte.

Sie wollte es tunlichst vermeiden, ihren Lehrer anzusehen. Nicht weil sie irgendwie Angst vor ihm hatte, wie viele andere ihrer Mitschüler, sondern weil die Blicke die er ihr zuwarf sie so stark durchdrangen, dass sie glaubte, dass er jeden Millimeter ihres Körpers durchbohrte.

Es war ihr bereits öfters aufgefallen, dass er das tat, und nicht nur bei ihr sondern auch bei anderen, aber bisher hatte es sie nicht so sehr gestört, da sie nie mit ihm alleine gewesen war, aber nun war es ihr mehr als nur unangenehm.

„Bitte sehr Miss Lovegood.", sagte Snape und knallte ihr ein paar Pergamentblätter hin. Luna erschreckte so sehr, dass sie sich umdrehte und ihr Gegenüber mit schreckgeweiteten Augen anblickte.

Sie kam sich vor wie ein Reh das zum Abschuss frei gegeben wurde und nun ihrem Jäger gegenüberstand.

„Sind sie immer so schreckhaft?", fragte er mehr beiläufig als wirklich interessiert.

Darauf konnte sie nichts antworten. Stattdessen nahm sie die Blätter in die Hand und begann sie zu studieren.

„Können sie das übersetzen?", fragte Snape und sah sie scharf an.

„Sicher...a- aber i- ich bräuchte...ähm...ein Lexikon.", antwortete sie, wobei sie immer kleinlauter wurde.

Anstatt ihr eine Antwort zu geben drehte er sich abrupt um und stolzierte zu einer Tür die sich neben seinem Schreibtisch befand. Er verschwand durch sie hindurch, kam aber schon nach wenigen Minuten wieder und trug mit seinem Zauberstab einen Stapel Bücher vor sich her.

„Genügen ihnen die?", fragte er barsch und ließ die Bücher neben Luna zu Boden fallen, sodass sie auseinander stoben.

Luna nickte nur stumm, kniete sich auf den kalten und harten Steinboden und begann die Bücher aufzusammeln. Sie konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass Snape ihr dabei behilflich gewesen wäre. Ihren Zauberstab beim aufheben der Bücher zu verwenden, kam ihr nicht in den Sinn, dafür war sie viel zu nervös und ängstlich.

Eigentlich lag es ihr fern, Angst vor einem ihrer Lehrer zu haben, auch bei Snape, aber bisher war sie ja auch noch nie alleine mit ihm gewesen.

Diese Erkenntnis ließ ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen.

„D- danke...i- i- ich denke...i- i- ich komme jetzt klar.", stammelte sie, wobei sie spürte dass sie knallrot anlief.

Schnell verbarg sie wieder ihr Gesicht, indem sie es in eines der Bücher vergrub und begann sich Notizen zu machen.

Die ersten beiden Rezepte zu übersetzen fiel ihr sehr leicht. Die passenden Zeichen dazu fand sie in der Aufgabe ihres alten Schulbuches.

Doch an dem dritten, das wusste sie noch bevor sie es überhaupt angesehen hatte, würde sie sich wohl die Zähne ausbeißen.

Aus den zwei Stunden Nachsitzen würden also auch gut und gerne drei oder vier werden.

Nahe an der Verzweiflung starrte sie wieder aus dem Fenster. Von draußen konnte sie viele Schüler lachen hören.

Wie gerne wäre sie jetzt auch dort oben. Wie gerne würde sie über die Ländereien spazieren. Doch das Tageslicht würde sie heute wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen, denn es war bereits 4 Uhr. Und bereits um 5 begann es draußen dunkel zu werden.

Eine einzelne, winzige, silberne Träne lief ihre Wange hinunter, doch sie registrierte sie erst gar nicht sondern senkte erneut den Kopf und betrachtete ihre anderen Übersetzungen welche sie bereits fertig gestellt hatte.

Das erste Rezept behandelte einen Schrumpftrank und das zweite ein simples Haarpflegemittel.

Beim Gedanken an das zweite Rezept musste sie ein wenig schmunzeln. Die Vorstellung, das Snape sich mit Haarpflegemitteln beschäftigte, amüsierte sie doch sehr.

„Was gibt es denn so witziges?", drang Snapes hohe, kalte Stimme an ihr Ohr.

„Ähm...gar nichts Sir. Überhaupt nichts. I- ich bin mit den ersten beiden Rezepten fertig. D- d- das ist all- alles.", hauchte sie, wobei sie wieder knallrot anlief. Und dieses Mal registrierte Snape dies auch.

„Dann zeigen sie mal her.", ermahnte der Lehrer sie.

Mit zitternden Fingern übergab sie ihm ihre Übersetzungen. Nachdenklich studierte Snape die Blätter. Er nickte vereinzelt und marschierte dann ohne ein Wort zu seinem Schreibtisch zurück. Luna jedoch starrte ihn neugierig, beinahe schon erwartungsvoll an.

Es war das erste Mal seit langem an diesem Tag, dass sie ihren Lehrer bewusst ansah. Doch noch nie zuvor hatte sie sich die Zeit dazu genommen, ihn genauestens zu mustern.

Seine dunklen Augen waren fast schwarz. Sein Gesicht zierten zarte Linien, offenbar ganz feine Narben, welche er offensichtlich sehr gut zu verstecken wusste. Ein paar Strähnen seiner tiefschwarzen Haare fielen ihm vollkommen willkürlich ins Gesicht, doch er schien sie nicht im Geringsten zu bemerken. Sein Blick war kalt und unnahbar. Er hatte eine sehr ruhige Atmung und wirkte auf Grund dessen fast schon entspannt.

Genoss er es, sie hier leiden zu lassen?

Selbstverständlich tat er es. Er war ein Mann mit einem außerordentlich sadistischen Charakter. Er hatte bereits viel in seinem Leben gesehen.

Unzählige Male den Tod, den Krieg, den Hass mit dem man ihm auch heute noch begegnete. Es spiegelte sich in seinen Augen wieder und niemand konnte auch nur ansatzweise erahnen wie sehr dieser Mann bisher gelitten hatte. Unter was für abscheulichen Qualen er noch immer litt.

Während sie ihren Lehrer intensiv musterte bemerkte sie nicht, dass dieser sie ebenfalls anschaute.

„Miss Lovegood? Warten sie auf etwas?", riss er sie aus ihren Gedanken.

Doch anstatt wie bisher zuvor erschrocken zusammenzufahren, blickte sie ihn nur neugierig an.

„Leben sie noch?", kam die etwas unbeholfene Frage.

„Ähm...ja. Natürlich...Entschuldigung.", kehrte Luna wieder ins Diesseits zurück.

Sie schüttelte kurz ihren Kopf und wandte sich dann dem dritten Rezept zu. Dazu schlug sie eines der Lexika auf und versuchte sich nur auf die verschiedensten Runen zu konzentrieren, welche dort abgebildet waren. Es verging eine halbe Ewigkeit, bis sie es geschafft hatte alleine den Namen des Trankes herauszufinden. Es war ein Anagramm.

T - I - T - A - N - R - O - M - E - A

Es dauerte nicht mal eine Minute, bis sie das Anagramm entschlüsselt hatte. Doch das Ergebnis erschreckte und überraschte sie zugleich.

A - M - O - R - T - E - N - T - I - A

Völlig perplex starrte sie auf die eben geschriebenen Worte. Doch nach wenigen Augenblicken schalt sie sich wieder, sich auf ihre Strafarbeit zu konzentrieren. Die Bücher würde sie wohl nicht mehr brauchen, schließlich kannte sie das Rezept für 'Amortentia' in- und auswendig.

Sie klappte das Lexikon, welches sie eben noch aufgeschlagen hatte wieder zu und legte es auf den Stapel neben sich auf den Fußboden. Dann begann sie, das Rezept zu übersetzen.

Dass sie ohne Lexikon arbeitete bemerkte Snape schon nach wenigen Sekunden.

„Sind sie fertig mit ihrer Arbeit, oder halten sie sich bereits für so wahnsinnig intelligent, dass sie glauben sie könnten dieses doch recht komplizierte Rezept ohne Lexikon übersetzen.", fragte er und lächelte grimmig zu ihr hinüber.

„Ähm...also...eigentlich...weder noch. I- ich k- kenne das Rezept für diesen Trank bereits auswendig.", antwortete sie, wobei es mehr ein Flüstern als richtiges Sprechen war.

„Ein simpler Zaubertrank dürfte wohl nicht in die Runensprache übersetzt und somit verschlüsselt werden, also bezweifle ich es doch sehr, dass sie diesen Trank kennen.", entgegnete er widerwillig.

„D- doch. Und sie kennen es auch. Das ist das Rezept für 'Amortentia'.", antwortete Luna knapp, wobei sie selbst überrascht war, wie locker sie das gesagt hatte.

„Und sie kennen das Rezept auswendig? Das bezweifle ich doch sehr. 'Amortentia' ist der stärkste Liebestrank den es auf dieser Welt gibt und ich kann mir nicht vorstellen dass sie davon auch nur den geringsten Hauch einer Ahnung haben wie das Rezept lautet, noch wie man ihn zubereitet.", blaffte Snape sie an.

Wieder spürte Luna, wie sie rot anlief, doch sie versuchte nicht sich wieder umzudrehen, sondern blickte ihrem Lehrer geradewegs ins Gesicht. Ihre Blicke trafen einander. Vier Augenpaare schienen für ein paar Sekunden ineinander zu versinken.

Blau-Grau in Dunkelbraun. Erst nach einer Minute wagte Luna zu sprechen.

„M- meine Mum hat mir das Rezept verraten als ich noch klein war. U- und sie hat mir gezeigt wie man es zubereitet. D- d- da war ich sieben.", versuchte sie sich weiter zu erklären.

„Das überzeugt mich in keinster Weise.", war Snapes kurze aber doch sehr eindeutige Reaktion.

„I- ich kann es beweisen.", schlug Luna leicht trotzig vor, wofür sie sich innerlich eine weitere schallende Ohrfeige verpasste.

„Nun denn.", war die fordernde Antwort.

Es lag etwas Lauerndes in Snapes Stimme. Wieder hatte Luna das Gefühl sie wäre ein unschuldiges, scheues Reh, welches nun ihrem Mörder gegenüberstand und es keinerlei Hoffnung auf Überleben gab. Dennoch drehte sie sich tapfer um und setzte ihre Arbeit an dem Rezept fort, wobei sie dabei nun von Snape beobachtet wurde.

Jede ihrer Bewegungen, und wenn sie noch so winzig war, alles beobachtete er.

Sie spürte seine lauernden, gierigen Blicke in ihrem Nacken, welches ein unangenehmes Prickeln bei ihr auslöste. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt, bis sie nur noch eine kochende Hitze spüren konnte. Alles in ihr brannte. Schweißperlen tropften ihre Stirn herunter und die Hitze welche sich unaufhaltsam in ihr breitmachte ließ sie beinahe verglühen. Ihre Atmung wurde schwerfälliger, schneller und unkontrollierter. Sie hatte das Gefühl beinahe zu ersticken.

Und doch wagte sie es nicht, sich auch nur einmal umzudrehen und ihrem Lehrer ins Gesicht zu blicken. Stattdessen übersetzte sie brav das Rezept weiter, trotz des Feuers das mittlerweile in ihr aufloderte und ihre Haut noch weiter zum Kochen brachte. Als sie es schon fast nicht mehr auszuhalten schien, streifte sie, als sei es in dieser Situation das normalste der Welt, ihren Umhang ab, welcher achtlos von ihren Schultern hinunter zur Bank glitt, auf der sie saß.

Doch weder sie noch Snape nahmen wirklich Notiz davon. Ihr langes Blondhaar fiel ihr ins Gesicht und konnte so die Erregung verdecken, der sie offensichtlich ausgesetzt war. Und diese schien ganz offensichtlich nicht nur etwas mit den Blicken ihres Lehrers zu tun zu haben, welche sie förmlich auszogen, sondern auch mit der Situation an sich.

Sie und ihr verhasster Zaubertränke-Lehrer alleine in einem fast dunklen Kerker. Niemand wusste dass sie noch dort waren. Wieder kam sie sich so ausgeliefert vor. Und, ob es ihr nun gefiel oder nicht, irgendwie schien sie die ganze Sache sogar irgendwie zu erregen.

Woran lag das?

An den verbotenen Dingen, die sie jetzt anstellen könnte?

An der Situation an sich?

Oder an der Absurdität, dass sie Severus Snape tatsächlich zutraute etwas mit einer Schülerin anzufangen, selbst wenn es 'nur' SIE, Luna Lovegood war?

Ohne es zu wollen, vollkommen unwillkürlich knöpfte sie die obersten zwei Knöpfe ihrer Bluse auf, denn noch immer strömte diese wahnsinnige Hitze durch ihren Körper. Und noch den dritten. Sie wollte dass es aufhörte. Dass die Hitze ihren Körper wieder verließ. Die Erregung, die ihr ganz zweifelsohne schon im Gesicht zu stehen schien, verschwinden lassen. Ihre Haut brannte wie ein Vulkan. Sie glaubte, dass wenn sie jetzt ihren Hals, ihre Wangen oder ihren Nacken berühren würde, dass sie sich aufs Übelste verbrennen würde!

Um wieder klar zu werden zog sie scharf die Luft ein und spürte, wie sich ihr Atem dadurch um ein Vielfaches wieder entspannte. Trotzdem wagte sie es nicht, sich umzudrehen und Snape anzublicken. Sie wollte nicht wissen was er nun von ihr hielt.

Fand er sie nun widerlich?

Ekel erregend?

Abscheulich?

Oder erregte sie ihn etwa auch?

Sie konnte es nicht sagen, aber sie wollte es nicht riskieren ihn anzublicken.

Sie fürchtete sich mehr vor seinem Blick, als vor dem, was er über sie dachte. Wieder rann eine kleine Träne an ihrer Wange hinab, aber unter dem ganzen Schweiß der mittlerweile auf ihrem Gesicht war, hätte man sie so oder so nicht erkennen können.

Endlich!

Nach einer scheinbaren Ewigkeit war sie mit ihrer Übersetzung fertig. Erst jetzt wagte sie sich umzudrehen und ihren Lehrer anzublicken.

Sie brauchte sich auch nun nicht mehr zu fragen, was er wohl von ihr hielt, denn er weidete sich an ihrem Anblick, und es schien ihn ebenfalls zu erregen, denn etwas Hungriges lag in seinen Augen. Mit seiner spitzen Zunge fuhr er sich kurz über seine schmalen Lippen dann richtete er seinen Blick auf sein Gegenüber.

Erst jetzt schien ihm aufzufallen, dass Luna ihre Bluse aufgeknöpft hatte. Ein mit Spitze besetzter BH in den Ravenclaw-Farben blitze heraus. Und der Inhalt dieses BHs schien ihm sowohl zu gefallen, als auch zu überraschen.

Severus Snape hatte sich zwar bereits die ein oder andere Schülerin nur in Unterwäsche vorgestellt, oder auch mit noch weniger bekleidet, aber die Gelegenheit wirklich eine Schülerin darin zu bewundern hatte er noch nicht gehabt. Überhaupt schien ihn der Anblick Luna Lovegood's eher zu erregen, als abzuschrecken, und allein das ließ ihn wiederum vor sich selbst erschrecken. Die letzte Vorstellung die er jemals hätte haben können wäre Sex mit Luna Lovegood. Und doch zog er diese Option zum ersten Mal seit er dieses Mädchen kannte ernsthaft in Betracht.

Er stellte sich vor, wie er sie an sich zog, ihr die Kleider vom Leib riss, sie leidenschaftlich küsste und sie so lieben würde, wie es wohl nie wieder ein Mann tun würde.

NEIN!!"

Das konnte er nicht. Er wusste, sie würde sich wehren! Er atmete zwei Mal tief ein und aus und machte dann ein paar Schritte auf sie zu. Etwas grob riss er ihr die Übersetzung aus den Händen und studierte was sie geschrieben hatte. Das Rezept stimmte zu einhundert Prozent. Wieder eine Überraschung!

„Nun denn Miss Lovegood. Da sie offensichtlich wissen worüber sie geschrieben haben, dürfte es ihnen auch leicht fallen, diesen Trank zuzubereiten.", setzte er an.

„Natürlich. I- i- ich brauche nur die Zutaten.", erwiderte sie und klang diesmal um einiges gefasster als noch zuvor.

„Selbstverständlich.", kam die knappe Antwort und Severus Snape machte auf der Stelle kehrt und verschwand abermals in dem Raum neben seinem Schreibtisch.

Dort mussten sich wohl seine Privaträume befinden.

Dieses Mal dauerte es um einiges länger bis Snape erneut betrat, doch als er wieder kam, schien er offensichtlich den halben Vorratschrank leer geräumt zu haben. Allerdings konnte Luna verstehen weshalb nicht eine der Zutaten sich in dem Schrank für die Schüler befanden. Alleine mit den getrockneten Drachenklauen und den gehärteten Wermutstropfen konnte man einen besonders starken Schlaftrunk herstellen. Mittlerweile hatte sie die Hitze in ihrem Körper verlassen und sie zitterte am ganzen Körper. Flink hob sie ihren Umhang wieder auf und warf ihn sich unwirsch über. Dann trat sie näher an das Lehrerpult und begutachtete die Zutaten.

„Fehlen da nicht noch die Blätter der Blutrosen?", wollte sie wissen, da sie die Blätter nirgends erblicken konnte.

„Sie vergessen, dass das Originalrezept nicht mit besagten Blütenblättern erstellt wurde, sondern dass man damals echtes Blut genommen hatte. Dadurch wurde die Wirkung um ein vielfaches verstärkt.", versuchte Snape sie zu belehren.

„Oh...nun ja...okay.", gab sie kleinlaut zurück.

Erneut atmete sie einige Male tief durch und begann dann den Trank zu brauen. Eine ganze Weile arbeitete sie stumm vor sich hin, wohl wissend dass Snapes Blicke in ihrem Nacken saß. Trotz ihrer Angespanntheit versuchte sie gelassen zu bleiben, und sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen.

Die Kälte die sie noch wenige Minuten zuvor verspürt hatte, war verschwunden. Stattdessen war die Hitze zurückgekehrt und sie kochte innerlich. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Kalte Schweißperlen traten auf ihre Stirn, welche aber durch die Hitze die von ihr ausging zu verdunsten schienen. Trotzdem versuchte sie, sich diesen erneut auferstandenen Zustand nicht anmerken zu lassen.

Die Zeit verging, und ehe sie sich versah wurde ihr klar, dass es weit nach 7 Uhr war. Eigentlich war ihr Nachsitzen schon seit zwei Stunden beendet. Doch sie hatte nicht auf die Zeit geachtet, nachdem sie begonnen hatte den Trank zu brauen. Wenn es um 'Amortentia' ging, ließ sie sich besonders viel Zeit.

Innerlich musste Luna ein wenig grinsen. Sie bereitete einen Liebestrank mit 'echter' Liebe zu. Sie steckte all ihre Energien, ihre Hingabe, ihre Leidenschaft, ihre Empfindungen, ihre eigene Liebe, aber auch ihre Erregungen in einen Trank hinein, welcher künstliche Liebe in einem anderen Menschen hervorrufen sollte.

Als der Trank fast fertig war, drehte sich Luna wieder um und starrte ihrem Lehrer mitten ins Gesicht.

„Haben sie ein Messer, oder einen anderen spitzen Gegenstand für mich, Sir? Für den Tropfen Blut.", fragte sie und versuchte dabei möglichst höflich zu klingen.

„Sie können doch das Messer benutzen, welches sie genommen haben um die getrockneten Erdbeeren zu zerkleinern.", erwiderte er desinteressiert.

„Das geht nicht. Es muss doch ein spitzer Gegenstand sein, der zu 100 Prozent aus reinem Silber besteht. Dieses Messer ist aus Platin mit einer Versilberung.", konterte sie, fast schon ein wenig gelassen, während sei das kleine Messer an ihren Fingern hinunterbaumeln ließ.

„Sie kennen sich wirklich außerordentlich gut mit diesem Trank aus. Ich frage mich, ob sie nicht heimlich ein paar Fläschchen dieses Trankes in ihrem Schlafsaal verstecken?"

„Wozu sollte ich? Es ist ja nicht echt. Es ist nicht real. Und wirken tut es auch nie besonders lange wenn man erst mal begonnen hat es einzusetzen. Man müsste nur noch Zeit damit verbringen diesen Trank zu brauen, das wäre auf die Dauer einfach zu mühselig. Echte, wahre Liebe ist schöner und wirklicher als alles andere was man auf dieser Welt finden kann. Zumindest glaube ich das.", sprach sie. Ihre Stimme hatte plötzlich wieder den alten, verträumt-melodischen Klang.

„Sie glauben es, aber sie wissen es nicht mit Bestimmtheit?", hakte Snape spitz nach.

"Wissen sie es denn?"

Die Frage war so schnell über ihre Lippen gekommen, dass sie gar nicht erst darüber nachdenken konnte. Sie biss sich auf die Zunge. Sie erwartete, dass im nächsten Augenblick ein riesiges Donnerwetter über sie hereinbrach, weil sie die Unverfrorenheit besessen hatte, ihrem Lehrer eine derart persönliche Frage zu stellen!

Doch anstelle der erwarteten Katastrophe kam lediglich eine kurze, aber überaus deutliche Antwort zurück.

DAS geht sie absolut nichts an Miss Lovegood!"

„Ja...ähm...entschuldigen sie Sir. D- das ist mir nur so rausgerutscht. Wird nie wieder vorkommen!", versuchte sie sich zu entschuldigen, auch wenn sie das Gefühl hatte, dass sie es damit eher noch schlimmer als besser machte.

Die Bestätigung dieser Annahme folgte in Form eines strafenden Blickes seitens des Tränkemeisters und sie glaubte innerlich gerade gestorben zu sein.

„So fühlt sich also ein qualvoller Tod an.", dachte sie bei sich.

Doch diesen Gedanken schüttelte sie schleunigst wieder ab und wand ihren Blick wieder ihrem Lehrer zu.

Erwartungsvoll ruhten ihre Augen auf den seinen.

Die Schwärze faszinierte sie. Sie hätte sich jederzeit darin verlieren können, aber sie zog es vor im Diesseits zu bleiben, bevor sie erneut etwas sehr unüberlegtes tat, wofür sie sich noch mehr Ärger einhandeln konnte als sie ohnehin schon am Hals hatte.

„Was sehen sie mich so an wie ein hypnotisiertes Kaninchen?", wollte ihr Lehrer wissen.

„Ähm...das Messer, Sir.", versuchte sie ihm vorsichtig auf die Sprünge zu helfen.

„Oh...natürlich.", schalt dieser sich. „Einen Augenblick."

Wieder verschwand er in dem Raum neben seinem Schreibtisch.

„Ob es dort wohl zu seinen Privaträumen geht?", fragte sie sich im Stillen.

Wenige Augenblicke später schritt Snape mit einem langen silbernen Dolch in der Hand auf Luna zu und drückte ihr diesen ziemlich harsch und unwirsch in die kleinen Hände, wobei ihm nicht entging wie weich und zart diese waren.

„Danke.", versuchte sich Luna ebenfalls mal an einer kurzen und knappen Aussage.

Kaum dass der Dolch in ihren Händen gelandet war und sie sich flüchtig bedankt hatte richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Trank zu.

Einen kurzen Moment besah sie sich die silberne Waffe, welche sie sehr elegant zwischen ihren Fingern hin und her gleiten ließ.

Dass sie aus purem Silber war, konnte sie alleine schon an der Verarbeitung sehen. Der Dolch war ungefähr 40 cm lang, und verlief nach unten hin nicht vollkommen spitz zu, wie es bei den meisten Dolchen üblich war, sondern verlief gezackt und war somit schärfer als gewöhnliche Dolche.

Der Griff war ebenfalls aus Silber und um hin herum war eine Schlange abgebildet. Ihre Augen wurden durch grüne Smaragde hervorgehoben und schienen Luna zu durchbohren.

Ohne weiter darauf zu achten beugte sie sich leicht über den Kessel. Mit dem Dolch in ihrer rechten Hand stach sie unvermittelt in ihren linken Zeigefinger.

Nach wenigen Sekunden quoll dunkles Blut aus der selbst zugefügten Wunde. Etwas ungelenk legte sie den Dolch neben den Kessel und begann vorsichtig ihr Blut aus dem aufgeschnittenen Zeigefinger zu pressen.

1 - 2 - 3 - 4 - 5

5 Tropfen Blut. Sie konnte sehen, wie der Trank sich von rosa zu Perlmutt verfärbte.

Der Trank dampfte, doch sie konnte keinen wirklichen Geruch wahrnehmen.

Lag es nun daran, dass sie zurzeit nicht verliebt war?

Noch immer blickte sie wie paralysiert auf den Trank hinab und beobachtete wie dieser vor sich hin köchelte.

„Sind sie fertig, Miss Lovegood?", riss die Stimme Snapes sie aus ihrer Paralyse.

Langsam, wie in Zeitlupe, drehte sie sich um. Sie wollte ihrem Lehrer nicht in die Augen sehen. Nicht aus Angst, das auf keinen Fall, sondern weil sie diesen stechenden und durchbohrenden Blick einfach nicht ertragen konnte. Es verursachte ein Prickeln auf ihrer Haut, deren Natur sie sich nicht bewusst war. Und sie konnte dieses Prickeln auch nirgendwo unterordnen.

Nach einer scheinbaren Ewigkeit hatte sie ihren Körper ihrem Lehrer vollkommen zugewandt und zwang sich ihm in die Augen zu sehen.

„Ja. Ich bin fertig. K- kann ich dann gehen?", fragte sie unsicher.

Doch der Blick, den Snape ihr zuwarf, ließ sie erkennen, dass dieses Nachsitzen definitiv nicht vorbei war.

„Einen Moment noch Miss Lovegood. Ich möchte erst noch sicher gehen, dass es sich bei diesem Trank auch wirklich um Amortentia handelt."

„Natürlich.", antwortete sie, mit fast zugeschnürter Kehle. "Wäre ja auch zu schön, wenn sie einmal mit etwas zufrieden wären!", fügte sie im Stillen hinzu.

Neugierig beobachtete sie, wie der Tränkemeister eine Schublade seines Pultes öffnete und einen glänzenden, silbernen Schöpflöffel herausnahm. Er tauchte diesen in den Kessel, und schöpfte etwas von dem geruchlosen Gebräu heraus. Er trat einen Schritt zurück und wandte sich dann seiner Schülerin zu.

Snape atmete einmal scharf ein und besah sich die junge Ravenclaw.

Das mittellange Blondhaar fiel ziemlich lasch über ihren Rücken. Die blau-grauen Augen waren leicht dem Boden zugewandt und trotzdem verrieten sie eine unbändige Neugier. Sie erinnerte ihn ein wenig an sich selbst, als er noch jünger war. Das machte sie für ihn sogar beinahe interessant. Aber nicht so interessant um ihr Nachsitzen noch etwas qualvoller zu gestalten, als es ohnehin schon war.

„Kosten sie!", bellte er und riss die Ravenclaw somit aus ihrer Apathie.

"Was?", fragte sie, halb überrascht halb entsetzt.

„Sie sollen den Trank probieren! Oder glauben sie, ich setze mich einem Trank aus, dessen Wirkung ich nicht kenne?", erwiderte er und sah sie scharf an.

„Die Wirkung ist...", wollte sie ansetzen, um sich aus dieser Situation heraus zu manövrieren, woran sie, was vorauszusehen war, kläglich scheiterte.

„Ich kenne die Wirkung von Amortentia, danke Miss Lovegood! Ich bin mir nur nicht so sicher ob ihr Gebräu dieselbe Wirkung zeigt. Und ich werde mich, wie gesagt, den Folgen nicht aussetzen!", erwiderte er.

„A- aber es würde bei mir sicher keine Wirkung zeigen! Wirklich, Sir. Ich bin schließlich Blutgeberin.", versuchte sie weiter sich zu weigern.

„Heutzutage werden die Blüten der Blutrose verwendet. Folglich ist es egal, wer den Trank braut. Und mal davon abgesehen, interessiert mich ihr Liebesleben nicht im Geringsten. Ich besitze außerdem ein wirksames Gegenmittel. Es beendet die Wirkung von Amortentia zwar nicht, aber sie wird zumindest heruntergesetzt! Für wie leichtsinnig halten sie mich, Miss Lovegood, eine Schülerin dauerhaft der Wirkung dieses Trankes auszusetzen?", fuhr er Luna an woraufhin diese innerlich zusammensackte.

„O- o- okay.", ergab sie sich in ihr Schicksal.

Unwirsch und ziemlich grob kippte er ihr den Trank in ihren geöffneten Mund. Somit zwang er sie den gesamten Schluck, welcher sich im Schöpflöffel befand, hinunter zu schlucken!

Mit eiskalten Blick starrte er auf Luna herab. Ein paar Tropfen Amortentia rannen ihre schmalen Lippen herab.

Da diese für einige Augenblicke jeglichen Bezug zur Realität verloren zu haben schien, strich er ihr grob über ihr Gesicht und drang mit seinem Finger in ihren Mund.

Für einen kurzen Moment berührte sein Finger ihre weiche Zunge und unweigerlich streichelte er ihre Spitze.

Fast schon entsetz über das was er tat, wollte er seinen Finger wieder herausziehen, doch ein plötzliches Ziehen seitens Luna hinderte ihn daran.

Luna öffnete ihre Augen. Ihr Blick war glasig und verschwommen. Alles was sie spüren konnte, war das Gefühl, dass sich etwas in ihrem Mund befand. Aus einer Kurzschlussreaktion begann sie daran zu saugen, um herauszufinden, worum es sich bei diesem Gegenstand handelte.

Erst als ihr Blick sich wieder verschärft hatte, wurde ihr bewusst, was sie so krampfhaft in ihrer Mundhöhle festhielt.

Panisch öffnete sie ihre Lippen einen Spalt weit und der Finger ihres Lehrers wich langsam aus ihr heraus.

Beschämt über sich selbst drehte sie sich von ihm weg.

„Es- es tut mir Leid Professor. I- ich wollte nicht...ich wollte nicht dass...", stammelte sie.

Sie sackte noch mehr in sich zusammen als noch vor wenigen Augenblicken.

Schleichend breitete sich eine Wärme in Luna aus.

Doch sie war anders als jene, welche sie empfunden hatte, als sie noch seelenruhig über den Rezepten gebrütet hatte.

Sie war angenehm und ließ sie sich entspannt zurücklehnen. Ihre Gesichtszüge glätteten sich und alles in ihr wurde ruhiger.

Anscheinend schien der Trank allmählich seine Wirkung zu zeigen, was sie doch mehr als überraschte. Sie hatte eher angenommen, dass sich bei ihr rein gar keine Wirkung einstellen würde, aufgrund dessen, dass sie zurzeit keine Gefühle für eine bestimmte Person hegte.

Oder tat sie es doch und wusste es bloß nicht?

Oder gab es jemand anderes, der Gefühle für sie hegte, es aber nicht fertig brachte, sich ihr zu offenbaren?

Jemand, von dem sie es nie angenommen hatte, dass er Interesse an ihr haben könnte?

Das konnte nicht sein. Sie sah weder ein Bild von einer ihr unbekannten, sowie bekannten Person vor sich. Niemanden, der auch nur im Ansatz Gefühle für sie hegte.

Was passierte dann mit ihrem Körper?

Sie fühlte sich so schwach wie noch nie zuvor.

Sie stolperte ein paar Schritte nach vorne und sackte schwer atmend immer weiter in sich zusammen, bis sie schließlich vor ihrem Lehrer auf die Knie ging und sich zwingen musste den Kopf zu heben, um ihm überhaupt noch ansehen zu können. Oder besser gesagt, um überhaupt noch irgendetwas sehen zu können.

Dann wurde ihr schwarz vor Augen und sie brach wimmernd vor den Füßen des Tränkemeisters zusammen...