Kapitel 2 - Frachtraum
Professor Setok war ein ungewöhnlicher Mann - zumindest nach vulkanischen Maßstäben. Spock hatte noch nie einen Vulkanier kennen gelernt, der mit solch einer fast leidenschaftlichen Art seine Wissenschaft ausübte. Setok forschte und lehrte bereits seit zwanzig Jahren auf Orion und seit der Zerstörung Vulkans hatte er sich diese so andere Welt zu seiner Heimat gemacht. Und er hoffte für seine neue Heimat in Kürze einen unschätzbaren Beitrag leisten zu können.
"Wenn sich die Ruinen tatsächlich dort unten befinden, dürfte das die gesamte orionische Gesellschaft verändern", erklärte der Professor Spock während sie im Frachtraum die Ausrüstung begutachteten.
"Ihren Berichten zu Folge gelten die Ruinen von Hara-Saradan lediglich als ein Mythos."
"Sogar noch weniger als das, Spock. Sie tauchen nur in zwei Kindergeschichten auf." Professor Setok legte nachdenklich eine Hand auf den großen Laserbohrer, der den Großteil des Frachtraums der Enterprise füllte. "Es ist erstaunlich, wie wenig Informationen über diese antike Stadt zu finden sind."
"Wenn Sie mir die Frage erlauben, Professor: Wie haben Sie von der Stadt erfahren?"
"Ein älterer orionischer Kollege an der Universität berichtete mir, wie er einmal bei einer Höhlenwanderung auf antikes Gemäuer stieß und dass es ihn an die alten Geschichten über Hara-Saradan erinnerte." Setok strich über die glatte Duranium-Haut des Bohrers. "Sie müssen wissen, Spock, dass die Mehrheit der Orioner nicht daran glaubt, dass es auf diesem Planeten eine antike Hochkultur gegeben hat. Die Wissenschaft lehrt, dass sich die orionische Gesellschaft erst vor 4000 Jahren herausbildete und dann rasant entwickelte. Die Orioner sind sehr stolz auf ihre Geschichte." Nun wandte er sich wieder Spock zu. "Eine Woche, nachdem mir mein Kollege von seiner Entdeckung berichtet hatte, war er spurlos verschwunden. Die offiziellen Nachrichten besagten, dass er auf einer weiteren Höhlenwanderung ums Leben gekommen sei. Ich kannte meinen Kollegen sehr gut und wusste um seine Erfahrung beim Höhlenklettern. Noch merkwürdiger war, dass kein Krankenhaus seinen Tod registriert hatte."
"Sie vermuten, dass Ihr Kollege beseitigt wurde um seine Entdeckung geheim zu halten", schloss Spock.
"Exakt! Daraufhin habe ich begonnen meine eigenen Nachforschungen anzustellen. Und ich denke, dass ich die Ruinen von Hara-Saradan gefunden habe. Mit der Hilfe Ihres Laserbohrers werden wir beweisen, dass sie wirklich existieren."
"Darauf können Sie sich verlassen, Sir", schaltete sich Mr Scott in die Unterhaltung ein, nachdem er während der letzten halben Stunde damit beschäftigt gewesen war, alle Systeme des Bohrers mehrmals zu überprüfen. "Dieses Baby wird sich durch den Felsen brennen wie eine Kerze durch ein Stück Butter."
"Ist alles bereit für den Transport, Mr Scott?", fragte Spock den Ingenieur.
"Aye, aye, Sir! Bereit wie ein schottisches Wiesel vor dem Sprung."
"Wo ist Dr. McCoy? Hat er schon die medizinische Ausrüstung überprüft?"
"Keine Ahnung, Sir. Er ist vor ein paar Stunden zur Brücke gerufen worden und ..."
In diesem Moment öffneten sich die Türen des Frachtraums. Dr. McCoy kam in Begleitung einer jungen Frau herein.
"Und dies ist der Grund für unsere derzeitige Mission, Miss Rand", sagte der Arzt zu der jungen Frau, die dem Laserbohrer einen ehrfürchtigen Blick zuwarf. "Wir transportieren spezielle Ausrüstung nach Orion um sie unseren vulkanischen Freunden zu übergeben." Bei letzterer Bemerkung nickte McCoy kurz Spock und Setok zu.
"Und was werden die Vulkanier damit machen?", fragte Rand.
"Oh, sie werden damit nach irgendwelchen Ruinen suchen, habe ich gehört."
"Wir haben bereits auf Sie gewartet, Doktor", mischte sich Spock in die Konversation ein, "und ich glaube nicht, dass irgendetwas die Ausrüstung betreffend für Miss Rand relevant ist."
"Erstens wurde ich nicht darüber informiert, dass meine Anwesenheit bereits erforderlich ist, Mr. Spock, und zweitens: Warum soll sich der Yeoman des Captains nicht für die Mission des Schiffes interessieren?"
"Erstens, Doktor, sind alle Führungsoffiziere über die Ankunft Professor Setoks informiert worden und zweitens geht es hier nicht um Interesse, sondern um Sicherheitsbestimmungen."
McCoy rollte mit den Augen.
"Jetzt hören Sie schon auf die Vorschriften zu zitieren, Spock. Die junge Dame hier wird schon kein Sicherheitsrisiko darstellen. Im Übrigen bin ich nicht informiert worden."
"Dann waren Sie entweder zu sehr damit beschäftigt Miss Rand in alle Details der Enterprise einzuweihen oder es befindet sich jemand an Bord, der den ungestörten Ablauf dieser Mission behindern will", sagte Spock mit einem musternden Blick auf Yeoman Rand.
"Jetzt hören Sie aber auf, Sie paranoider, grünblütiger ..."
Mr Scott war derweil um das Wohlergehen von Yeoman Rand besorgt.
"Kommen Sie, Mädchen, Sie müssen sich nicht den Streit der beiden Dickköpfe anhören", sagte er zu ihr und bot ihr galant seinen Arm an. "Wie wär's, wenn Scotty Ihnen jetzt dieses Schmuckstück von einem Raumschiff zeigt?"
