Hier endlich Teil zwei. Mit ein wenig Urlaub, klapts auch mit dem Hochladen.

Kleine Warnung am Rande. Aus purer Lust und Laune, gibt es ab hier ein bischen Yugi + Bakura. Schließlich sollen die zwei auch ein wenig spaß haben. Ich konnte mich noch nie beherschen, wenn es darum ging am Rande noch jemanden einzubauen. Wer ist also als nächstes dran?

Noch Viel spaß.


Teil 02

xxooxoxooxx

"Kannst du irgendetwas erkennen Tristan?"

"Nicht viel Thea. Dieses blöde Gestrüpp ist im Weg." Beide hockten vor einer riesigen Scheibe und versuchten etwas hinter ihr zu erkennen.

"Hey Leute. Vielleicht sollten wir das lassen." Nicht sehr begeistert hockte er mit Ryo hinter den beiden. Mit dessen Hilfe hatte er versucht seine Freunde von dieser Idee abzuhalten. Sie hatten sich jedoch nicht davon abbringen lassen, Joeys treffen mit Marik nur zur Sicherheit zu beschatten.

Leider war die Art wie sie sich gegen die Scheiben des Restaurants drückten, um einen Blick auf die beiden zu erhaschen, nicht gerade unauffällig. Als wieder ein Passant ihnen im vorübergehen merkwürdige Blicke zuwarf, brach Ryo endgültig sein schweigen. "Jetzt lasst uns doch endlich verschwinden. Joey geht es gut. Gleich wird noch jemand die Polizei wegen uns rufen."

"Jetzt stellt euch nicht so an ihr Angsthasen. Mehr als uns zu sagen, dass wir verschwinden sollen, können die sowieso nicht tun."

"Da muss ich Miss Gardner zustimmen." Der tiefe Tenor der Stimme ließ alle innehalten. Das konnte keiner von ihnen sein. In banger Erwartung doch von einem Polizisten erwischt worden zu sein, drehten die vier sich um. Yugi war der erste der sich von seinem Erstaunen wieder erholte. "Odeon was für ein Zufall. Was machst du denn hier?"

"Ich habe mir Sorgen um Marik gemacht und wollte nur schauen ob bei seinem Treffen alles in Ordnung ist."

"Oh. Das ist aber nett von dir." Voller Verständnis lächelte er den größeren Mann an.

"Mensch Yugi krieg dich wieder ein. Er hat nur gerade nett beschrieben, dass er die beiden bespitzeln will. Genau wie wir." Tristans genervte Stimme ließ Yugi zweifeln und er schaute erstaunt zu Odeon auf. "Ist das wahr?"

Dieser fühlte sich ertappt und wusste nicht so recht was er antworten sollte. Glücklicherweise blieb es ihm erspart. Das Personal im Restaurant hatte die Jugendlichen mittlerweile bemerkt und war nicht sehr erfreut. Die Tür des Haupteingangs ging auf und ein wütender Angestellter trat heraus. "Hey ihr. Hört gefälligst auf vor unserem Lokal rumzulungern oder ich hole die Polizei!"

In der gleichen Sekunde waren sich alle darüber einig, dass es besser war die Observation abzubrechen und sich aus dem Staub zu machen.

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Zufrieden seufzend lehnte Joey sich in seinem Stuhl zurück. Es war lange her, das er so viele leckere Sachen auf einmal verputzt hatte. Ganz nebenbei hatte er mit Marik noch die Einzelheiten für ihr weiteres Vorgehen besprochen. Jedenfalls soweit er es zwischen jedem Bissen schaffen konnte.

Wehmütig schaute er auf seine Armbanduhr. "Hey Marik es ist schon kurz nach acht. Ich muss langsam wieder los."

"Natürlich. Soll ich dir ein Taxi rufen?"

"Nein danke. Solange ich Füße hab, die funktionieren, benutz ich lieber die." Mit einem leisen Ächzen stand Joey auf um zum Ausgang zu gehen. Marik begleitete ihn noch hinaus. Joey drehte sich kurz bevor er hinausging noch ein letztes mal um, damit er ihm Instruktionen geben konnte.

"Also vergiss nicht Samstagnacht pünktlich zu sein. Der Spielplatz ist gleich neben dem Burgerladen. Weißt du noch, wo er war?" Er wartete bis Marik nickte, bevor er weitermachte.

"Das schwierigste wird wohl unser Alibi. Hab noch keine besonders gute Idee für meins. Wie stets bei dir?" Bei dem Gedanken musste Marik lächeln. "Ich werde mich einfach rausschleichen. Das letzte Mal hat es Odeon auch nicht gemerkt."

"Du Glückspils. Jeden Samstag übernachte ich bei Yugi, wenn ich da ne Pause einschiebe, wird er sicher gleich neugierig. Zu dumm, dass ich an allen anderen Tagen arbeiten muss. Aber irgendwie wird es schon gehen. Also bis Morgen in der Schule."

"Ja bis Morgen." Joey war schon aus der Tür raus, als Marik zurück zum Tisch ging. Das erste Mal seit seiner Ankunft wusste er, dass alles gut werden würde. Joey war sehr nett und hilfsbereit. Obwohl er in der Vergangenheit so schrecklich zu ihm gewesen war. Vielleicht hatte er ja tatsächlich einen ersten richtigen Freund gefunden.

Hinter einer der bepflanzten Wände am Eingang saß Seto Kaiba. Eigentlich wartete er auf einen Geschäftspartner, als er Zeuge der Unterhaltung wurde. Es gefiel ihm überhaupt nicht, dass die beiden irgendeine geheime nächtliche Aktion vorhatten. Marik war nicht zu trauen. Wahrscheinlich hatte er Wheeler wieder unter seiner Kontrolle. Es war auf jeden Fall besser ein Auge auf die beiden zu haben.

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Freitagmittag

Wie schon Tags zuvor saßen die Freunde zusammen unter dem Baum um Mittag zu essen. Marik hatte sich kurz entschuldigt, da er etwas in der Klasse vergessen hatte. Eine Gelegenheit die sich Joeys Freunde nicht entgehen lassen konnten, um ihn auszufragen.

"Hey wie war's denn gestern, Kumpel?" Tristan versuchte seine Frage so beiläufig wie möglich klingen zu lassen. "Ganz gut. Das Essen war jedenfalls toll. Es gab nur kurz etwas Terz vorm Restaurant als die so ein paar Gaffer weggejagt haben."

Für einige Sekunden herrschte absolute Stille. Bis Yugi bemerkt hatte, dass er vor Schreck sein Essen verschluckt hatte und begann loszuhusten. Da Ryo neben ihm saß, begann er ihm gleich auf dem Rücken zu klopfen. Joey dem dieses Verhalten etwas Merkwürdig vorkam, starrte sie nur fragend an.

Um ihn von irgendwelchen Fragen abzulenken, stellte Thea ihm schnell eine eigene. "Worüber habt ihr den so gesprochen?"

Nun war es Joey dem die Luft wegblieb. Er Trottel hatte sich noch gar nicht überlegt was er ihnen erzählen wollte. "Ähm ... über alles mögliche. Ich glaub er wollte nur Frieden mit sich und seiner Vergangenheit schließen. Eben so ne Art Entschuldigung." Ob die ihm das abkauften?

"Das ist ja toll. Seht ihr Freunde. Ich hab euch ja gesagt das Marik nicht hmpfh ..." Bevor Yugi es schaffte irgendetwas auszuplaudern, hatte Thea ihm die Hand über den Mund geschoben.

"Sicher Yugi das wissen wir." Ihr nervöses Kichern lies Joey aufhorchen.

"Was zum Teufel ist ..."

"Marik kommt wieder." Durch Ryos Unterbrechung waren sie zum zweiten Mal von Joeys Fragen verschont geblieben.

Als Marik sich setzte und einen Blick in die Runde warf, wunderte er sich ein bisschen.

"Habt ihr denn noch gar nicht mit dem Essen angefangen?"

"Zusammen anzufangen ist doch viel schöner." Mit falschem Lächeln schaute Thea ihn an und hoffte das er die kleine Lüge nicht bemerkte.

Völlig ahnungslos holte er wieder ein viel zu großes Lunchpaket hervor. Odeon hatte es sehr gefreut das er nichts mit nach Hause gebrachte und hatte ihm wieder viel zu viel eingepackt. Da er wusste wie er das ganze Essen loswerden konnte, wollte er ihm diese Freude auch nicht in Zukunft nehmen und hielt Joey lächelnd eine der Boxen hin. "Möchtest du vielleicht etwas abhaben?"

"Aber klar Alter." In Sekundenbruchteilen war die Box aus seinen Händen verschwunden und Joey fiel wie ein verhungerter Wolf über das Essen her. Schon am Vortag hatte er sich gewundert wie eine Person dermaßen viel in sich hineinstopfen konnte.

Erst Yugis fröhliche Stimme riss ihn aus seinen Gedanken über dieses Mysterium. "Hey Marik. Möchtest du vielleicht Morgen bei mir übernachten? Joey kommt auch. Wir können ja eine kleine Willkommensparty feiern."

"Ich hoffe, dass du es mir nicht übel nimmst, wenn ich ablehne Yugi. Aber ich bin noch ein wenig im Umzugsstress und habe leider keine Zeit." Er hoffte dass diese Entschuldigung überzeugend genug war.

"Aber sicher doch. Wir können ja noch ein anderes Wochenende feiern."

"Hey Yugi. Ich hoffe es macht dir nichts aus, wenn ich auch nicht mitkomme. Im Burgerladen ist einer krank und ich muss die Schicht übernehmen." Wenn Joey ehrlich war mochte er es überhaupt nicht seinen besten Freund zu belügen.

"Oh. Das ist schade. Dabei hab ich mich schon so auf Samstagabend gefreut." Dank Yugis trauriger Stimme kam er sich vor wie der letzte Mistkerl. Irgendetwas musste es geben das ihn Aufheitern konnte. Aber klar: "Hey wieso lädst du nicht Ryo ein."

"Was!?"

"Was!?"

Wie aus einem Mund kam die geschockte Antwort von Yugi und Ryo, was Joey in keinster Weise abhielt weiterzumachen. "Na Ryo hat uns doch erzählt, dass er alleine Zuhause ist weil sein Vater eine Geschäftsreise macht. Da wäre es doch viel besser, wenn ihr die Zeit zusammen verbringt und Spaß habt. Also am besten tauchst du bei Yugi gegen sechs Uhr auf. Aber ich wette er hat nichts dagegen, wenn du früher kommst."

Mehr als ein kleinlautes O.K. kam von Ryo nicht. Von Yugi der einen leichten Rotschimmer im Gesicht bekam, erhielt er sogar nur ein nicken. Ihm war schon vor einer Weile aufgefallen das die beiden sich mochten und das war die perfekte Gelegenheit das Ganze mal ins rollen zu bringen.

So schüchtern wie die beiden waren, war das auch nötig. Außerdem war Thea gerade damit beschäftigt den armen Ryo mit ihren Blicken zu töten. Mit anderen Worten sie würde sich Samstag damit beschäftigen was die beiden wohl taten. Somit hatte er hoffentlich Ruhe vor seinen Freunden. Mit einem zufriedenem Lächeln griff er wieder nach dem Essen, das er von Marik hatte und genoss den Rest der Pause.

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Samstagnacht

Der Spielplatz sah im Dunkeln geradezu gespenstisch aus. Die meisten Lampen waren ausgeschaltet. Schließlich konnte jeder davon ausgehen, dass sich um Mitternacht keine Kinder mehr hier herumtrieben.

Deshalb saß Joey in der Dunkelheit auf einer Schaukel und wartete auf Marik. Er überlegte immer noch ob er das Richtige tat. In den letzten beiden Tagen hatte Marik sich ganz normal benommen und schien keine finsteren Pläne zu schmieden. Eigentlich mochte er ihn sogar.

Nur diese Bitte war ein bisschen merkwürdig. Entweder er meinte es ernst oder es war nur ein Vorwand. Ein ziemlich aufwendiger, wenn er das essen bedachte. Selbst wenn er wieder seine Gedanken-Kontrollier-Nummer abzog würde es ihm nichts nutzen. Beim letzten Mal hatte er sich davon befreit, das bekam er auch noch mal hin. Trotzdem hoffte er, dass es Marik ernst war.

Schritte holten ihn aus seinen Gedanken. Als er sich umdrehte sah er Marik den Weg zum Spielplatz heraufkommen. An seinem unschlüssig suchenden Blick erkannte Joey, dass er ihn zwischen den Schatten nicht erkannte. Also stand er auf und ging von Spielplatz auf den beleuchteten Weg. Um ihm nicht zu sehr den Schrecken in die Glieder zu jagen, rief er ihm fröhlich eine Begrüßung entgegen. "Hey Marik. Hier bin ich."

Zuerst war er etwas erstaunt da Joey nirgends zu sehen war, dann erkannte er wie jemand aus den Schatten kam. Mit einem Lächeln erkannte er Joey underwiderte den Gruß. "Hallo Joey. Ich hoffe ich bin nicht zu spät."

Als er ihn erreichte, begann Joey ihn plötzlich mit kritischem Blick zu umrunden. Mit spöttischem Grinsen blieb er vor ihm stehen. "Ich kann echt nicht glauben, dass das deine Vorstellung von unauffälligen Klamotten sein soll. Wenn du unbemerkt durch die Gegend laufen willst, solltest du nichts anziehen, was teuer genug ist, um in der Gegend die Miete zu bezahlen."

Über seine eigene Ignoranz konnte Marik sich nur wundern. War er den wirklich so dumm zu glauben, dass jemand in dieser Gegend teure Markenklamotten trug? "Keine Panik ich hab mir so was schon gedacht und dir was zum Umziehen mitgebracht. Geh einfach auf den Spielplatz da sieht dich keiner."

Joey nahm seinen Rucksack von der Schulter und hielt ihn Marik grinsend entgegen. Dieser schnappte sich ihn ohne einen weiteren Ton und verschwand in den Schatten. Einige Minuten war nur Kleiderrascheln zu hören bevor er wieder zum Vorschein kam. "Ich weiß nicht so recht." Marik hörte sich so unsicher an wie er aussah. Das Kapuzenshirt und die Jeans waren ihm zu weit. Da Joey etwas größer war als er kaum verwunderlich.

"Nein es ist gut. So hält dich keiner für nen reichen Schnösel und wir bekommen keinen Ärger. Du solltest nur noch die Kapuze über den Kopf ziehen, deine Haare sind sonst zu auffällig." Seine Stimme hatte einen weichen Tonfall angenommen. Spielerisch zog er Marik die Kapuze über den Kopf um ihn zu Ärgern. In den Klamotten sah er einfach zu niedlich aus. "Jetzt komm. Wir müssen noch ein Stück laufen. Du kannst mir in der Zwischenzeit erzählen was du über das Versteck noch weißt."

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Joey und er waren jetzt schon eine halbe Ewigkeit unterwegs. Das alte Versteck lag, so weit er sich erinnerte, in einem maroden Wohnhaus. Nachdem er Joey beschrieben hatte, wie es aussah, war er zuversichtlich es zu finden. Besonders ein Graffiti schien ihm weiterzuhelfen. Trotzdem wurde er unruhig. Die Gegend wurde immer schäbiger und sie liefen für alle sichtbar auf dem Weg.

"Hey Joey. Wäre es nicht unauffälliger wenn wir uns ein bisschen mehr an die Schatten halten würden?" Überrascht hörte er ein leises Lachen an seiner Seite. "Das ist ein ziemlicher Anfängerfehler Marik. Leute die sich in den Schatten verstecken, haben entweder Angst oder etwas zu verbergen. Genau auf solche Typen achtet man doch am meisten. Deshalb haben die dich in der Nacht auch abgefangen." Nach dieser Erklärung begann Marik sich etwas mehr in der Gegend umzusehen und stellte fest, dass niemand ihnen viel Aufmerksamkeit schenkte.

"Schau bitte weiter nach vorne, wenn ich dir das sage. Wir werden verfolgt." Trotz der völlig ruhigen Art von Joey kam er ins Stocken. Sofort fing er sich wieder und versuchte ganz normal weiterzugehen. "Warum sollte jemand so was tun und vor allem wer?"

"Keine Ahnung. Für unsere Freunde stellt er sich zu geschickt an und für Odeon ist er zu klein. Vielleicht ist es ja nur irgendein Dieb der Interesse an unseren Rucksäcken hat. Aber ich hab schon ne Idee wie wir ihn loswerden. Wir laufen gleich mit voller Absicht an einem Ganggebiet vorbei, dann wird bestimmt das passieren was ich dir eben erklärt habe."

"Und was ist wenn sie stattdessen auf uns losgehen?" Mittlerweile hatte sich doch etwas Angst in Marik und seiner Stimme breitgemacht. Da sie genau das nicht gebrauchen konnten, versuchte Joey ihn zu beruhigen. "Das werden sie nicht. Du musst nur daran denken ruhig weiterzugehen und sie zu ignorieren. Werd aber auf gar keinen Fall schneller. Um diese Ecke herum sind sie also reiß dich zusammen."

Ihm sprang das Herz vor Aufregung fast aus der Brust. Sehnlichste wünschte er sich seinen Millenniumsstab dabei zu haben. Um sicher zu gehen das er ihn nicht missbrauchte, trug er ihn so gut wie nie. Heute hätte er eine Ausnahme machen sollen.

Im ersten Moment war Marik verblüfft, als sie um die Ecke bogen. Für ihn waren da nur ein paar Jugendliche, die in einem Hauseingang rumlungerten. Als sie an ihnen vorbeigingen, bemerkte er Bier und sogar einen Baseballschläger. Der Schein konnte wirklich trügen. Alleine wäre er denen in die Arme gelaufen. Er erschrak leicht, als sie anfingen hinter ihnen jemanden anzupöbeln. Joey hatte recht gehabt.

Seine Erleichterung war riesig als sie um die nächste Ecke bogen und so den Sichtkreis dieser Typen Verliesen. Plötzlich griff Joey nach seiner Hand und lief im Laufschritt mit ihm weiter. Erst einige Straßen weiter hielt er an. Noch etwas außer Atem erklärte er sein merkwürdiges Verhalten. "Sorry. Das war nur für den Fall das die uns doch noch interessanter finden."

"Verstehe. Ist hier wohl ganz schön gefährlich."

"Eigentlich nicht. Mann muss ihnen einfach nur aus dem Weg gehen."

"Sind wir deswegen schon so lang unterwegs?"

"Du hast es erfasst. Wir müssten aber jeden Augenblick da sein. Halt die Augen offen ob du das Gebäude wieder erkennst."

"In Ordnung." Pflichtschuldig begann Marik sich umzuschauen. Verwundert bemerkte er, dass ihm die Gegend wirklich bekannt vorkam. Langsam erinnerte er sich wieder, die kleine Gasse da vorne, da mussten sie rein.

Froh, dass er es endlich gefunden hatte, lief Marik los. Am Ende der Gasse blieb er vor einer kleinen morschen Tür stehen. Suchend tastete er sich an der linken Wand entlang, bis er eine leichte Erhebung spürte. Kurzer Druck auf die Stelle brachte ein Panel mit Zahlen zum Vorschein. Schnell tippte er eine fünfstellige Nummer ein. Quietschen ertönte, als sich ein Stück der Wand zurückschob und einen kleinen beleuchteten Raum freigab.

"Echt krass." Joey konnte sein Staunen nicht unterdrücken. In so einer heruntergekommenen Gegend vermutete wohl keiner solch ein Hightechversteck. Der Raum war zwar winzig, mit Technik dafür aber gerade zu voll gestopft. Sie schafften es gerade, sich zu zweit hinein zu quetschen. Marik setzte sich sofort vor die riesige Computeranlage um alle Daten darauf zu löschen.

Da es Joey dabei zu langweilig wurde, begann er in einer der Kisten zu stöbern, die zum Teil den Eingang verstellten. Er staunte über die Unterlagen darin nicht schlecht. Eine Sammlung von Spielern und ihren besten Karten kam zum Vorschein. Mit diesen Listen konnte jeder die Decks genau analysieren und so den Spielern leicht den Gar ausmachen. Auf einigen war genau das sogar schon vermerkt.

Dann stieß er auf einen merkwürdigen Ordner in dem nur Bilder waren. Ishizu und Odeon erkannte er sofort wieder. Die beiden älteren Personen kannte er nicht. Ob das seine Eltern waren?

"So geschafft. Jetzt müssen wir nur noch die Akten vernichten." Voller Tatendrang drehte Marik sich mit dem Stuhl zu Joey um. Dieser schaute zweifelnd zu den Kisten. "Die kriegen wir aber nicht alle auf einmal mit. Da werden wir noch mal kommen müssen."

Etwas verwirrt darüber hakte Marik nach. "Aber wir beide müssten das doch tragen können."

"Ich weiß. Das Problem dabei ist mehr das wir ein bisschen auffällig wären. Die denken bestimmt wir haben einen Bruch gemacht und versuchen uns dann die Beute abzuknöpfen. Um die Zeit laufen hier ein paar echte Galgenvögel durch die Gegend. Wenn wir die Rucksäcke voll packen fällts weniger auf."

Marik hätte sich nach dieser Erklärung am liebsten einen Tritt gegeben. Mit Kartons beladen durch die Nacht laufen, wäre wohl überall auffällig. Ohne seine dunkle Seite war er wirklich nicht besonders für diese Art von nächtlicher Aktion geeignet.

"Hey Marik. Was ist mit den Bildern von deiner Familie, die willst du doch nicht wegwerfen oder?" Bei Joeys Frage horchte er auf. Er hatte ganz vergessen die Bilder hier gelagert zu haben.

"Nein natürlich nicht. Gibst du sie mir?" Joey gab ihn den Ordner und ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Bilder von seinen Geschwistern und ihm als sie noch klein waren. Die wenigen von seiner Mutter und ... die von seinem Vater. Sein Lächeln gefror.

Entschlossen nahm er sie heraus und reichte sie Joey. "Hier. In tausend Jahren will ich keine Bilder von ihm haben."

"Kann ich verstehn. Ich würde auch lieber krepieren als Bilder von meinem Alten aufzuhängen." Erstaunt schaute Marik hoch. Er hatte die Stimme des anderen noch nie so kalt gehört. Joey der den Blick bemerkt hatte, begann den anderen aufzuklären. "Mein Alter ist ein ziemlicher Säufer und Spieler. Deswegen geh ich arbeiten. Es ist schon ein Glück, dass das Sozialamt das Geld für die Wohnung direkt überweist. Sonst müsste ich das wohl auch noch berappen. Was stimmt mit deinem Alten nicht?"

Joey sprach darüber, als wäre ein solch mieser Vater das Normalste der Welt. Das gab Marik den Mut auch etwas über seinen eigenen zu sagen. "Meiner war ein religiöser Fanatiker, der uns nicht mal die Sonne sehen lassen wollte."

"Tja da haben wir ziemliche Loser abgegriffen was? Komm wir packen weiter die Sachen zusammen." Immer noch etwas erstaunt darüber, dass Joey so etwas nicht merkwürdig fand, begann er seinem Beispiel zu folgen. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie eine der beiden Kisten leer geräumt. Mit vollgepackten Rucksäcken traten sie zurück in die Gasse wo die Tür automatisch hinter ihnen zu glitt.

Diesmal war Joey noch vorsichtiger da ihr Verfolger wieder auftauchen konnte. Außerdem schlug er eine andere Route ein, um der aufgeschreckten Gang aus dem Weg zu gehen. In Gedanken war Marik immer noch bei Joeys Worten. Es hörte sich an, als wäre seine Kindheit ebenfalls nicht sehr schön gewesen.

Ob er nie Mittagessen mitnahm weil er nicht genug Geld hatte, um es sich zu kaufen? Manchmal vergaß er, dass es ihm in dieser Hinsicht sehr gut ging. Vorher hatte er überlegt Odeon zu bitten ihm weniger zum Lunch zu machen. Jetzt nicht mehr. Joey war bestimmt zu stolz sich direkt helfen zu lassen, aber indirekt könnte es klappen.


Runde zwei ist also gelaufen. Aber was solls wir haben ja glücklicherweise noch zwei weitere vor uns.