[style type"bold"Vor dem Restaurant Trade[/style

„Und was machen wir jetzt?"

„Ich weiß es nicht."

„Gehen wir was trinken? Wäre ja blöd, wenn der Abend jetzt einfach so abbricht."

„Ganz meine Meinung."

„Gar nicht weit weg von hier ist ne nette Bar."

„Dann los…"

Sie liefen nebeneinander her. Als es anfing zu regnen, liefen sie erst weiter, bis es so schlimm wurde, dass sie sich unterstellen mussten, aber sie waren schon ziemlich durchnässt.

„Verdammt, dabei hab ich heute schon geduscht."

„Tara, am besten nimmst du dir ein Taxi und fährst nach Hause."

„Ich wohne keine drei Blocks von hier entfernt, ich laufe, weil nass bin ich eh schon."

„Dann begleite ich dich."

„Spencer, ich bin ein großes Mädchen, ich kann…."

„Ich bringe dich nach Hause."

„Okay, Prince Charming."

Nach 15 Minuten waren sie bei Taras Wohnung.

„Danke fürs Herbringen."

„Keine Ursache."

„Wie lange brauchst du jetzt nach Hause?"

„Mit dem Taxi knapp 20 Minuten."

„Dann komm mit hoch. Ich werf deine Sachen schnell in den Trockner, nicht dass das FBI bei mir anrückt, weil ich den krankheitsbedingten Ausfall eines Kollegen verschuldet habe."

„Das geht schon, ich…"

„Keine Widerrede."

„Also gut."

Spencer folgte Tara in ihre Wohnung. Es war eine geräumige 2 ½ Zimmer Wohnung, die sie ihm OpArt Stil der 60er Jahre eingerichtet hatte, Möbel, die sich an geometrischen Formen orientierte, viel Verwendung von schwarz und weiß, es passte sehr gut zu ihr.

„So, raus aus den nassen Sachen, bevor du mir noch den ganzen Teppich volltropfst."

„Und was trage ich in der Zwischenzeit?"

„Du hast Glück, mein letzter Ex hat ein paar seiner Sachen hier vergessen, unter anderem auch ein paar Klamotten. Ich hab sie dir rausgelegt, liegen im Bad. Wirf deine Sachen einfach in den Trockner, ich will mich auch eben kurz umziehen."

Spencer sah Tara nach, wie sie ins Schlafzimmer ging, bevor er ins Bad ging, um sich umzuziehen und seine Sachen in den Trockner zu packen. Als er wieder ins Wohnzimmer kam, stand Tara mitten im Raum. Sie trug eine schlichte blaue Jeans und ein grünes Top, das mit schwarzen Sternen bedruckt war. Sie trocknete gerade ihre Haare mit einem Handtuch. Sie sah auf, grinste und fing schließlich an zu lachen.

„Oh, mein Gott, das übertrifft all meine Erwartungen. Mein Ex sah darin schon komisch genug aus, aber du….,"

Tara ließ sich vor Lachen auf ihr Sofa fallen.

„War das Absicht von dir, damit du was zu lachen hast?"

„Nein, entschuldige bitte…., aber…., oh mein Gott, ich …."

Spencer sah Tara verunsichert an, die sich vor Lachen auf ihrem Sofa kringelte.

„Setz dich einfach," kicherte sie, „willst du auch einen Chai Tee?"

„Ja, gerne…"

„Okay, ich bin gleich wieder da."

Tara warf noch einen Blick auf Spencer, was einen weiteren Kicheranfall bei ihr verursachte. Er trug eine mittelblaue Baggypants und ein schwarzes Kapuzensweatshirt, welches das Logo des Plattenlabels Def Jam zierte. Wenn er in seinen normalen Sachen schon einen verlorenen Eindruck vermittelte, sah es jetzt so aus, als wenn er in der Wäsche eingelaufen wäre.

„Spence, du siehst aus, als wenn du deinem großen Bruder die Sachen geklaut hättest."

In dem Moment hörte er ein leises Miauen. Eine kleine schwarze Katze mit nur 3 Beinen kam aus dem Schlafzimmer getapst. Sie sprang aufs Sofa und nahm Spencer in Augenschein. Er streckte ihr langsam seine rechte Hand hin, an der sie schnupperte und sich ihm weiter näherte. Spencer begann, sie vorsichtig hinter den Ohren zu kraulen, was sie dazu veranlasste, sich auf seinem Schoß niederzulassen. Kurz darauf kam Tara mit 2 Bechern wieder.

„Wie sich sehe, hast du Trinity schon kennengelernt."

„Ja,…."

„Sie mag dich, dabei bist du der erste Mann, den sie hier kennenlernt, und sie scheint hin und weg sein," sagte Tara, nachdem sie sah, dass Trinity sich räkelte und zu schnurren angefangen hatte.

„Du hast sie also noch nicht lange?"

„Nein, erst seit knapp 3 Wochen, ich hab sie in einer der Mülltonnen gefunden, sie ist wohl ausgesetzt worden, weil ihr ein Bein fehlt, aber sie tobt rum und springt wie eine ganz normale Katze auch."

„Sie ist sehr süß."

Tara beobachte ihn eine Weile, während sie ihren Tee umrührte. Schon vorhin im Restaurant waren ihr seine langen, feingliedrigen Hände aufgefallen. Sie spürte, dass ihr heiß wurde, als ihr nur sehr eindeutig zweideutige Gedanken durch den Kopf gingen.

„Ein sehr umfangreiches Bücherregal."

„Was?" Tara sah Spencer überrascht an.

„Dein Bücherregal…"

„Ach so, ja, …, wie gesagt, ich lese doch sehr viel."

„Aber wo hast du….?"

„Tja, eine Informatikstudentin ohne Equipment wäre unmöglich…., komm mit."

Spencer legte Trinity, die eingeschlafen war, auf dem Sofa ab, bevor er Tara folgte, die gerade eine Tür aufschloss.

„Ich schließe es immer ab, da ich Trinity für so clever halte, dass sie schnell rauskriegt, wie eine Türklinke funktioniert."

Sie öffnete die Tür und sie bemerkte, dass Spencer sie erstaunt ansah.

„Damit machst du Garcia fast Konkurrenz."

In dem kleinen Arbeitszimmer von Tara standen 4 TFT Monitore in 21 Zoll Größe, zwei feststehende Rechner und 1 Notebook, 2 Scanner und 2 Drucker.

„Nimm mir die Frage nicht übel, aber wie hast du das finanziert?"

„Kein Problem. Die 2 feststehenden Rechner hab ich gebraucht übernommen, neu aufgesetzt und hardwareseitig upgegradet, das Notebook und 2 der TFT Monitore waren ein Geschenk meiner Eltern und den Rest hab ich mir erarbeitet. Bevor du fragst, das Notebook verwende ich für private Sachen und Hausarbeiten, das linke Baby und diese beiden TFT Monitore nutze ich zum Programmieren, während der andere Rechner und die beiden Monitore zum Designen und Hosten von diversen Homepages, Blogs und anderen Webapplications genutzt werden."

„Das ist wirklich…"

„Beeindruckend?"

„Allerdings."

„Willst du sehen, woran ich gerade arbeite?"

„Sehr gern."

„Setz dich."

Tara fuhr den Rechner hoch, den sie zum Programmieren nutzte.

„Das hier ist es, ich hab einen normalen Messenger so programmiert, dass er über die Spracheingabe gesteuert wird. Du sprichst anstatt zu schreiben und aufgrund der Stimmodulation wird aus mehreren 1000 Parametern die beabsichtigte Stimmung sichtbar gemacht, das heißt, wenn man etwas sarkastisch meint, wird es auf eine bestimmte Art und Weise dargestellt und so weiter und sofort. Nach der Installation erstellt jeder Nutzer ein eigenes Modulationsprofil anhand sprachlicher Eingabe."

„Das ist eine wirklich gute Idee."

„ich zeig dir, wie es funktioniert."

„Und wenn es nicht geht, liegt es am Vorführeffekt?"

„Spence, und genau deswegen hast du keine Freunde."

„Was meinst du damit?"

„Wegen solcher Äußerungen wie der von eben. Nie mal dran gedacht, dass nicht alle Menschen das so harmlos auffassen? Ich will dich jetzt nicht angreifen, aber …"

„Schon okay, ich hab verstanden…"

Tara hatte sich umgedreht, und sie hatte richtig vermutet, was den gekränkten Gesichtsausdruck anging.

„Hey, es tut mir leid, ich wollte nicht…, ich sollte nicht immer so mit der Tür ins Haus fallen."

„Vergessen wir es einfach, zeig mir lieber, wie der sprachgesteuerte Messenger funktioniert."

„Okay."

Anhand diverser Beispiele konnte Tara beweisen, dass ihr Messenger funktionierte.

„Arbeitest du alleine daran?"

„Ja…"

„Du solltest es unbedingt auf den Markt bringen."

„Und wie? Mir fehlen dafür die finanziellen Mittel."

„Und deine Eltern?"

„Ich will es ohne sie schaffen. Ich war jahrelang nur das Kind meiner Eltern, das immer behütet wurde und alles bekommen hat.."

„Und bei euch in der Community?"

„Vergiss es, die meisten würden die Idee klauen und als eigene verkaufen."

„Und wenn du Garcia fragst, sie kennt sich wirklich gut aus."

„Ich hab bisher nie so darüber nachgedacht, es zu veröffentlichen."

Tara fuhr den Rechner wieder runter.

„Lass uns wieder ins Wohnzimmer."

Als die beiden wieder auf dem Sofa saßen, wurde Tara von Trinity belagert.

„Süße, dich hab ich fast völlig vergessen, du hast Hunger, oder?"

Das war anscheinend das richtige Stichwort gewesen, denn sie sprang von ihrem Arm herunter und lief in die Küche.

„Manchmal glaube ich, es geht ihr um nichts anderes. Du entschuldigst mich kurz."

„Klar."

Als Tara nach ein paar Minuten wieder kam, grinste sie wieder.

„Entschuldige bitte, aber dich in diesen Klamotten zu sehen, ist einfach zu komisch."

„Das lässt dich wohl nicht mehr los, oder?"

„Nicht wirklich. Sag mal, was ich dich schon vorhin fragen wollte. Was meintest du damit, dass Pen dich zu dem Date gezwungen hat?"

„Sie hat es dir nicht erzählt?"

„Nein, ich hätte auch abgesagt, wenn ich es gewusst hätte…."

„Okay….,, also, was weißt du genau?"

„Ich hab erlebt, dass Pen ziemlich durch den Wind war, als dieser Typ, mir ist der Name entfallen…."

„Derek Morgan."

„Stimmt, okay, als er sie abgeholt hat. Wir haben relativ wenig darüber gesprochen, ich meine, du kennst sie, sonst quasselt sie ohne Unterbrechung, aber was das Thema anging, war sie sehr schweigsam."

„Dafür haben sowohl Garcia als auch Morgan mich ständig genervt, was sie nun machen sollen und was der andere denkt…"

„Was? Sie haben dich gefragt?"

Tara konnte sich eines weiteren Lachkrampfes nicht erwehren.

„Siehst du, das wäre eine normale Reaktion darauf. Jedenfalls kam Garcia bei mir zuerst an und hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich Morgan nichts sage, aber mir ist vor ein paar Tagen der Kragen geplatzt und hab ihm gesagt, dass ich es leid bin, dass beide sich bei mir ausheulen. Und er hat es Garcia gesteckt, woraufhin ihr einfiel, dass ich mich bisher geweigert hatte, dich kennenzulernen. Und so kam das Date zustande."

„Und ist es so schlimm?"

„Nein, überhaupt nicht."

„Du misstraust sehr vielen, oder?"

„Ich hatte bisher nicht viel Grund, anderen zu vertrauen."

„Schon immer gewesen oder liegt das eher am Job?"

„Eher schon immer so gewesen, ich weiß nicht, was Garcia dir alles erzählt hat."

„Sie hat nichts Vertrauliches erzählt, das würde sie nie tun, aber nachdem, was sie mir über dich erzählt hat, …, ich weiß, dass es nicht einfach ist, wenn man anders ist. Ich kenne das von mir selbst. Auf jeden Fall mag ich dich, obwohl du es mir heute abend anfangs nicht leicht gemacht hast."

„Ich hab mich idiotisch verhalten."

„Hey, wenn man mich zu einem Date gezwungen hätte, hätte ich mich noch viel bescheuerter verhalten."

„Das traue ich dir auch ohne weiteres zu."

„Mist, du hast mich durchschaut."

In dem Augenblick kam Trinity aus der Küche zurück, sie sprang aufs Sofa, legte sich umgehend auf Spencers Schoß und sah ihn an, bevor sie mit ihrem Kopf seine Hand anstupste.

„Sie scheint Gefallen an dir gefunden zu haben. Klasse, meine Katze spannt mir die Typen aus."

Tara hätte sich selbst ohrfeigen können, als sie sah, dass Spencer wieder rot wurde.

„Spence, so war das nicht gemeint, hab ich so ein loses Mundwerk oder bist du so empfindlich?"

„Ist wohl ne Kombination aus beidem."

In der Zwischenzeit hatte Spencer angefangen, Trinity zu kraulen, was diese mit einem zufriedenen Schnurren quittierte.

„Also, ich fürchte, entweder musst du sie mitnehmen oder du musst regelmäßig vorbeikommen."

„Mitnehmen kann ich sie nicht, aber ich denke, ich könnte vorbeikommen."

„Das heißt aber auch, dass wir uns wiedersehen würden."

„Ach, verdammt, nein, also wenn wir das ausklammern könnten…"

„Okay, ich hoffe für dich, dass das nicht ernst gemeint war."

„Nein, du darfst natürlich gerne anwesend sein, wenn ich die Katze besuche."

„Das ist ja unglaublich nett von dir. Aber sag mal, was ist jetzt eigentlich zwischen Pen und diesem Derek?"

„Hör bloß auf, die hängen ständig aufeinander, Morgan findet immer fadenscheinige Ausreden, warum er was in ihrem Büro zu erledigen hat und es hat sich auch rausgestellt, dass es die beiden waren, die vor 2 Tagen einen der Fahrstühle für über ne halbe Stunde belagert hatten."

„So schlimm am Rumturteln?"

„Sehr viel schlimmer. Es brauchen keine Gerüchte mehr rumzugehen, da es völlig offensichtlich ist."

„Ich hab mir schon gedacht, dass es sie schlimm erwischt hat, aber so…."

„Es ist für uns alle doch etwas ungewöhnlich."

„Und ich hab mich schon gewundert, warum sie sich gar nicht mehr meldet, sonst ist sie quasi daueronline. Aber im Moment hat sie wohl Wichtigeres zu tun."

„Sieht ganz danach aus, und so wie die beiden sich benehmen, wird das wohl eine ganze Weile so bleiben."

„Da spricht der Datingprofi aus dir, oder wie?"

Die beiden fingen an zu lachen.

„Warum hast du dich dafür entschieden, Informatik zu studieren?"

„Hmm, mein erster Freund, den ich in der High School hatte, hat sich sehr viel damit beschäftigt, und da hat es mich irgendwie gepackt. Und ich habe mich informiert, welchen Bildungsweg ich einschlagen muss, um damit arbeiten zu können, er hat mir das Programmieren beigebracht, in den Grundzügen, daher machte mir das Studium keine Probleme. Wir haben mit 180 Leuten angefangen, nach ein paar Monaten waren wir nur noch 80."

„Und deine Familie?"

„Eigentlich hätten sie es lieber gesehen, wenn ich Medizin studiert hätte, mein Vater ist Neurochirurg, meine Ma war Krankenschwester, hat aber nach meiner Geburt aufgehört zu arbeiten und ist Hausfrau geblieben, aber sie haben mich immer unterstützt. Anfangs wollten sie, dass ich während des Studiums noch zu Hause wohne, aber da haben sie die Rechnung ohne mich gemacht, ich wollte die ganze Zeit auf dem Campus sein, anfangs hat meine Ma ständig angerufen, weil sie sich Sorgen gemacht hat, aber das hat schnell aufgehört."

„Hast du Geschwister?"

„Nein, ich denke, wenn ich welche gehabt hätte, wäre es nicht so schlimm gewesen."

„Außer du wärst die Jüngste gewesen…."

„Totales worst case szenario, aber ich bin ihnen dankbar, dass sie viel für mich getan haben."

„Aber ich schätze mal, du hast immer auf deine Unabhängigkeit bestanden."

„Ja, ich möchte später sagen können, dass ich es aus eigenem Antrieb heraus geschafft habe."

„Du bist ein ziemlicher Dickkopf, oder?"

„Wie kommst du bloß darauf?"

„Rein subjektives Empfinden."

„So, so, dabei hatte ich dir doch davon abgeraten, mich analysieren zu wollen."

„Wer behauptet denn, dass ich dich analysiere?"

„Versuchst du gerade, mich irgendwie auszutricksen?"

„Das würde ich nie wagen."

Tara bemerkte das schelmische Aufblitzen in seinen Augen. In dem Augenblick piepte ihr Handy.

„Etwas Wichtiges?"

„Nur mein täglicher Reminder für das Daten Backup, was aber eh automatisch durchläuft. Ich mache jedes Mal um 00.30 Uhr ein Backup."

„Ist es schon so spät?"

„Ja, warum?"

„Ich sollte…."

„Musst du morgen arbeiten?"

„Nein, also…"

„Wenn es dich beruhigt, das Sofa lässt sich zum Bett ausziehen, Bettwäsche gibt es auch, Gästezahnbürsten kann ich auch anbieten, und ich kann mit Fug und Recht behaupten, den besten Kaffee hier in der Gegend zu kochen. Und Trinity wäre sehr glücklich, wenn du am Morgen noch da wärst."

„Da kann ich wohl kaum mehr nein sagen."

„Ein nein würde ich nicht akzeptieren."

„Dann habe ich wohl keine Wahl. Ich bleibe…"

„Eine sehr kluge Entscheidung, warum habe ich von dir nichts anderes erwartet?"

„Weil du mir keine andere Wahl lässt?"

„Das klingt so, als ob ich dich zwinge, hierzubleiben."

„Ist ja auch so…."

„Womit jetzt bewiesen ist, dass meine Katze einen echt bescheidenen Männergeschmack hat…"

„Deine Katze hat einen exzellenten Geschmack, nur was ihre Besitzerin angeht, ich weiß nicht so recht…."

„Was soll das denn bitte heißen? Da bin ich so freundlich und bitte dich zu bleiben, und du wirst aufmüpfig. Das kann ja wohl nicht wahr sein!"

Es war ihrem Grinsen anzusehen, dass sie ihre Empörung nicht ernst meinte, und es war auch Spencer anzusehen, dass er es auch nicht unbedingt ernst meinte.

„Hilfst du mir, das Sofa auseinander zu ziehen?"

„Klar…"

„Wegen der Bettwäsche? Irgendwelche speziellen Vorlieben?"

„Was?"

„Na ja, es soll Menschen geben, die partout nicht in grüner Bettwäsche schlafen können."

„Mir ist das völlig egal."

„Okay, …."

„Keine kapriziösen Eigenheiten?"

„Warum sollte ich welche haben?"

„Na ja, Pen hat mir von deinen Kaffeegewohnheiten erzählt, und das fand ich mehr als spooky."

„Wenn du meinst."

„Nun sei nicht gleich eingeschnappt."

„Bin ich nicht."

„Okay…."

Nach knapp einer Stunde wollte Tara sich zurückziehen.

„Stört es dich, wenn Trinity hier im Wohnzimmer bleibt?"

„Nein, lass sie ruhig hier."

„Eigentlich ist sie viel zu jung dafür, mit einem Mann die Nacht zu verbringen."

„Da mach dir mal keine Sorgen…."

„Okay, …, gute Nacht, Spencer."

„Gute Nacht, Tara."

„Fühl dich einfach wie zu Hause. Wenn du was lesen willst oder ins Internet willst, nehm einfach den Laptop."

„Okay, danke…."

Tara drehte sich um und verschwand in ihr Schlafzimmer.

Spencer wurde mitten in der Nacht wach. Er wusste nicht warum. Trinity lag neben dem Kopfkissen und schlief. Er sah auf die Digitaluhr, die neben dem Fernseher stand, kurz nach halb drei. Er stand auf, um in der Küche ein Glas Wasser zu trinken. Er hatte kein Licht angeschaltet, um Tara nicht unnötigerweise zu wecken. Da es durch die heruntergelassen Jalousien sehr dunkel in der Wohnung war, war er sich auf dem Rückweg nicht mehr sicher, wo er langgehen musste. Aufs Geratewohl hin öffnete er eine Tür und legte sich wieder schlafen. Ihm war am Rande aufgefallen, dass das Bett breiter war, aber es war ihm egal. Nach ein paar Minuten spürte er eine hektische Bewegung neben sich, bevor das Licht angemacht wurde.

„Was ist hier los? Was machst du denn hier? Bist du verrückt geworden, einfach hier….?"

Spencer fuhr erschrocken hoch und sah mitten in Taras Gesicht.

„Ich äh, es…, ähm, es tut mir leid, ich muss mich wohl…. In der Tür geirrt haben."

Tara grinste ihn an.

„Spencer, also ehrlich, wenn du die Nacht mit mir verbringen willst, hätte es gereicht, wenn du vorhin einfach was gesagt hättest…"

Tara lachte laut los, als sie sah, wie sein Gesicht innerhalb einer Hundertstel Sekunde knallrot anlief und er sich bemühte, schleunigst den Rückzug aus ihrem Schlafzimmer anzutreten, wobei er so unglücklich die Tür aufzog, dass er selbst dagegen prallte. Tara konnte nicht mehr vor Lachen, sie ließ sich in die Kissen fallen, während ihr Tränen übers Gesicht liefen.

„Ich frag mich so langsam ernsthaft, was Penelope sich dabei gedacht hat, dieses Date zu organisieren. Warte mal."

Spencer saß auf dem Fußboden und sah Tara verwirrt an.

„Was hast du vor?"

Doch noch bevor er eine Antwort bekam, hatte Tara ihr Handy am Ohr.

„Hallo?"

Tara wunderte sich, eine Männerstimme zu hören.

„Pen? Hast du 5 Liter Whisky getrunken oder hast du Besuch?"

„Was? Wer ist überhaupt dran?"

„Das könnte ich Sie genauso gut fragen, ich muss dringend mit Penelope sprechen. Morgan?"

„Ja, warum?"

„Jetzt ist mir einiges klar….., aber ich muss wirklich dringend…."

„Cupcake, Telefon für dich."

„Ja, hallo?"

„Stör ich?"

„Tara, es ist viertel vor drei in der Nacht, eigentlich…"

„Warum seid ihr noch wach?"

„Das ist nichts für kleine Mädchen, was kann ich für dich tun?"

„Hab ich irgendwas verbrochen, dass du mir dieses Date mit Spencer aufgedrückt hast?"

„Wieso, was ist passiert?"

„Momentan sitzt er auf dem Boden meines Schlafzimmers und sieht so aus, als wenn er lieber gestern als heute im Erdboden versinken wollte."

„Warte mal, Reid ist bei dir in deinem Schlafzimmer?"

„Süße, mach den Lautsprecher an…," war Derek aus dem Hintergrund zu hören.

„Warte, so…., also jetzt erklär mal."

„Na ja, meine Katze Trinity, ach, ist ja auch egal, also entweder hat er sich tatsächlich nur in der Tür geirrt oder er will was von mir, was ihm jetzt furchtbar peinlich ist."

Spencers Gesichtsfarbe intensivierte sich noch um einige Nuancen.

„Tara, Liebes, sieh es ihm nach. So ist er halt, aber es ist nicht nett von dir, ihn auszulachen, wenn er neben dir liegt. Und hol ihn mal ins Bett zurück, gib mir aber ne Rückmeldung, wie er war, obwohl allein dieses Gerücht schon total schön ist."

Das war das letzte, was Tara hörte, bevor Penelope das Gespräch beendete.

Nachdem Penelope das Gespräch beendet hatte, legte Tara ihr Handy beiseite und sah Spencer an, der immer noch auf dem Boden saß. Erst jetzt fiel er auf, dass er eine kleine blutende Platzwunde über seiner linken Augenbraue hatte.

„Du hast wohl ganz schön heftig meinen Türpfosten erwischt. Warte mal."

Tara flitzte aus dem Schlafzimmer und kam mit einer Flasche desinfizierender Lösung, Watte und einem Pflaster zurück.

„Sag mal, willst du noch länger da sitzen bleiben?"

„Äh, nein, also eigentlich…."

Tara reichte ihm eine Hand, um ihm hoch zu helfen. Es war Spencer anzusehen, dass es ihm unangenehm war, nur in Boxershorts vor ihr zu stehen, doch Tara überging seine Unsicherheit einfach.

„Da du immerhin schon in diesem Bett gelegen hast, kannst du dich auch ruhig hinsetzen."

Tara tränkte die Watte mit etwas Desinfektionsmittel und strich damit vorsichtig über die Wunde.

„Tut es sehr weh?"

„Nein, geht schon."

„Das war wirklich das mit Abstand merkwürdigste Date, das ich je hatte."

„Ist das nun gut oder schlecht?"

„Eher gut, weil ich dich auf jeden Fall nur schwerlich vergessen werde."

Tara nahm das Pflaster, das neben ihr lag und klebte es über die Wunde. Während der letzten paar Minuten war es ihr kaum gelungen, ihren Blick von seinen haselnussbraunen Augen abzuwenden, sie hatte das Gefühl, als wenn sich die Luft im Raum elektrisch aufgeladen hätte, bis sie unvermittelt aufstand und das Desinfektionsmittel zurück ins Badezimmer brachte. Spencer sah ihr verwirrt nach, er hatte auch die Spannung zwischen ihnen bemerkt. Er stand auf, und durch die geöffnete Badezimmertür konnte er erkennen, dass Tara am Waschbecken stand.

„Ist alles okay mit dir?"

Tara hob den Kopf, bevor sie sich umdrehte und schließlich ins Schlafzimmer zurückging. Sie blieb vor Spencer stehen und sah ihn einen Moment lang stillschweigend an, bevor sie seinen Kopf in seine Hände nahm.

„Was hast du vor?" fragte Spencer leise.

Tara lächelte nur, bevor sie den Kopf schüttelte und einen Finger auf seine Lippen legte, bis sie ihm ihren Kopf zuneigte und ihn zärtlich küsste. Sie hatte ein wenig Angst, dass Spencer zurückweichen würde, doch er öffnete leicht die Lippen und erwiderte ihren Kuss, auch als ihre Zunge sich ihren Weg suchte und seine sanft anstupste, woraufhin er sich auf ihr Spiel einließ. Als Tara seine Hände an ihrem Gesicht spürte, schlang sie ihre Arme um seinen Hals. Als sie sich voneinander lösten, lehnten sie sich mit den Köpfen aneinander.

„Warum tust du das, Tara?"

„Frag nicht nach dem warum, Spence. Du kannst nicht alles analysieren oder klein reden, manche Dinge sind einfach so wie sie sind, und deswegen sind sie auch gut so. Hey, sieh mich jetzt nicht so an wie ein Hund, den man ausgesetzt hat. Es ist nun mal so, man muss nicht immer alles erklären können, auch wenn du meinst, dich damit sicherer zu fühlen."

Noch bevor Tara etwas Weiteres sagen konnte, küsste Spencer sie wieder, und sie war überrascht, dass er die Initiative ergriffen hatte.

„Und bleibst du die Nacht über hier?"

„Ich bin doch sowieso schon da…."

Tara fing wieder an zu lachen.

„Spence, du bist wirklich einmalig…, ich meinte, dass du hier direkt bei mir bleibst, weil mein Schlafzimmer scheinst du im Dunkeln ja leichter zu finden als das Wohnzimmer."

„Wie gesagt, es war ein Versehen."

„Schon gut, also bleibst du?"

„Ich weiß nicht…, wir,…, also…."

„Hey, nun mal keine Panik, ich kette dich nicht ans Bett oder fange plötzlich an zu beißen, ich würde mich nur freuen, wenn ich morgen früh dein Gesicht nach dem Aufwachen sehe."

„Ist gut, ich bleibe."

„Wo ist Trinity eigentlich?"

„Wohl noch im Wohnzimmer."

„Holst du sie? Sie ist es gewöhnt, dass nachts jemand bei ihr ist."

„Klar."

Spencer ging aus dem Schlafzimmer und kam mit Trinity auf dem Arm wieder, bevor er sich zu Tara legte, die sich wieder in ihre Bettdecke eingerollt hatte.

„Wo schläft sie normalerweise?"

„Eigentlich immer neben meinem Kopfkissen, keine Sorge, sie wird wach und haut ab, wenn man Anstalten macht, sich auf sie zu legen. Ich denke, sie wird fürchterlichen Liebeskummer haben, wenn du weg bist."

„Sie wird mich ja wieder sehen."

Tara und Spencer lagen in ihrem Bett, Trinity zwischen sich, die abwechselnd von beiden gekrault wurde und redeten, bis sie irgendwann einschliefen.