Mittlerweile war es ganz dunkel geworden und sie ging mit ihrem Partner eine menschenleere Straße hinab. Die Leute hatten Angst im Dunkeln dieser Tage und blieben lieber zu Hause. Jirou gähnte.
„Hast du nicht gut geschlafen?" fragte Mimiko.
„Doch schon." Antwortete er. „Aber das ständige Aufbleiben am Tag schlaucht mich ein wenig. Ich wünschte, ich hätte mal wieder ein bisschen Zeit um mich richtig auszuruhen. Die Companie nimmt leider keine Rücksicht auf meinen Schlafrhythmus."
„Es ist doch nicht so schlimm, dass es dich beeinträchtigt?" sorgte sich Mimiko.
„Etwas Blut wäre schon hilfreich." Gab Jirou schlicht zurück.
„Du weißt, dass du keine Konserven nehmen solltest, so lange wir nicht wissen, was genau mit den Black Bloods los ist." Warnte sie den Vampir.
„Wer sagt etwas von Konserven?" witzelte Jirou.
Trotz seiner lockern Haltung hatte er seine dunklen Augen auf eine fast obszöne Art auf Mimikos Hals gerichtet. Ihr stieg die Schamesröte ins Gesicht, als sie an seine Bisse vor fünf Jahren erinnerte. Das erste mal um Kotarou zu retten war fast zärtlich gewesen, das zweite mal um Jirous eigenes Leben wild und verzweifelt. Das Gefühl war wirklich so unbeschreiblich, wie Kelly Wong es einige Tage vorher beschrieben hatte. Besser als Sex, obwohl das konnte sie immer noch nicht vergleichen, denn ihre Männerbekanntschaften hatten sich doch sehr in grenzen gehalten die letzten Jahre. Sie war noch immer Jungfrau, was dem Vampir in Jirou natürlich nur zupass kommen würde, denn Jungfrauenblut war für seinesgleichen besonders delikat. Sofern er überhaupt noch ein mal von ihr trinken würde. Das brachte sie wieder auf den Gedanken an das Hochgefühl bei seinem Biss zurück, wie sich seine Lippen um die Wunde geschlossen hatte, das Saugen, ihrer beider Verbindung in diesem Moment und schließlich der Höhepunkt, als die Welt zerbrach und nur noch sie und Jirou existierten. Schon allein der Gedanke daran erregte sie immer noch.
Ohne nachzudenken schnellte ihre Hand nach vorne und verpasste Jirou eine Ohrfeige.
„Hör auf mich so lüstern anzustarren!"
Der Vampir wich zurück und sein Blick wurde ängstlich.
„Ich hab doch gar nichts gemacht!" verteidigte er sich.
„Du hast daran gedacht, ich sehe dir das genau an. Du bist wirklich ein unglaublicher Perversling!" schimpfte Mimiko.
Jirou hob abwehrend die Hände.
„Aber Mimi, ich habe nun mal Hunger und in solchen Momenten bist du nun einmal sehr verlockend, aber ich würde nie..."
Weiter kam er nicht, denn weiter Schläge Mimikos hagelten auf ihn hernieder.
„ICH BIN NICHT DEINE BLUTKONSERVE!!!"
„Aber das habe ich doch nie behauptet...Mimiko...nicht...."
„Ihr seid ganz schön auffällig." Erklang eine Stimme hinter ihnen. „Nicht sehr professionell."
Mimiko ließ von Jirou ab und drehte sich um. Im Schatten eines Vordaches stand Kelly Wong.
„Ich habe etwas für die Conpanie. Ihr solltet das mal genauer untersuchen." Sagte sie und warf Jirou eine Blutkonserve zu.
Dieser fing das Päckchen mit einer geschmeidigen Bewegung.
„Woher hast du die?" fragte Mimiko.
„Schwarzmarkt." Erklärte Wong. „Irgendwer bringt die in Umlauf und irgend etwas stimmt damit nicht. Was konnten wir noch nicht feststellen."
„Du meinst das hat mit der Raserei zu tun?" fragte Jirou.
Kelly nickte.
„Dann müssen wir sofort die Vampirhäuser warnen." Beschloss Mimiko. „Keiner darf mehr irgendwelche Konserven trinken, bis wir alle aus dem Verkehr gezogen haben."
Sie ging ein paar Schritte zur Seite und begann zu telefonieren.
„Schön dich zu sehen, Silverblade." Lächelte Wong.
Jirou nickte ihr schlicht zu.
„Wie gehen deine Ermittlungen voran?" fragte er.
Die Vampirin seufzte.
„Zäh." Antwortete sie. „Ich bin froh wenigstens eine kleine Spur gefunden zu haben. Hast du die Gerüchte über die Kowloon Childs gehört?"
Jirou bejahte die Frage.
„Es besteht der Verdacht, dass sie mit der Ganzen Sache zu tun haben. Ihrem Stil würde es auf jeden Fall entsprechen." Erklärte Wong.
„Das habe ich schon befürchtet." Seufzte Jirou. „Sei vorsichtig bei deinen Ermittlungen, ja."
Wong grinste raubtierhaft.
„Ich habe nichts zu verlieren. Ich bin allein, ohne eine Blutlinie. Diese Stadt zu schützen ist also das einzige, was mir bleibt. Zumal ich unbekannt genug bin um mich in den Schwarzmarkt einschleusen zu können. Es hat doch etwas Gutes einmal Rebell gewesen zu sein."
„Deine Freunde würden dich vermissen, wenn dir etwas zustößt."
Wongs Blick verdunkelte sich. In diesem Moment trat Mimiko wieder zu ihnen.
„Der Chef kümmert sich darum die Häuser zu informieren." Erklärte sie. „Er ist der Meinung, wir sollten die ganze Angelegenheit noch nicht an die große Glocke hängen, bis wir sicher sind. Er will eine Panik vermeiden."
„Ich muss wieder los, nicht dass mich jemand mit euch sieht." Sagte Wong.
Mimiko nickte.
„Du weißt, wie du uns kontaktieren kannst." Sagte sie. „Mach's gut, Kelly."
Die Vamprin verabschiedete sich und verschwand um eine Ecke. Jirou und Mimiko blieben alleine auf der Straße zurück.
„Wir bringen das Blut erst mal zum Untersuchen." Sagte Mimiko und ging los.
