Ein Hauch Lavendel umschmeichelte seine Nase und lockte Vegeta langsam aber

sicher ins Land der wachen Geister. Sie war wieder da ... dort stand sie ... am

Nachtkästchen. Langsam drehte sie sich um, sah ihn an. Die Spur eines Lächelns

umspielte ihre Lippen. Der Stift, den sie noch in der Hand hielt und mit dem sie

gerade etwas auf ein Blatt Papier geschrieben hatte, glitt aus ihren sich

öffnenden Fingern. Doch er kam nicht am Boden auf, da er sich noch im Fallen

dematerialisierte. Jetzt weitete sich ihr Mund ein wenig und folgende Worte

flossen heraus ...

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Schweißgebadet erwachte Vegeta. In letzter Zeit quälten ihn immer öfter dieser

und ähnliche Albträume. Der Inhalt war immer derselbe: Bulma wies ihn an, das

Buch noch einmal anzusehen. Bisher hatte er diese Träume stets ignoriert, da es

ihn noch immer zu sehr schmerzte an sie zu denken. Volle drei Wochen war sie

jetzt tot ... Trunks (wie natürlich auch dessen Großeltern) nahmen sich das

Ganze sehr zu Herzen, er hatte auch die Dragonballs zusammengetragen und

Shenlong seinen Wunsch vorgetragen. Doch seine Hoffnung war zerschlagen worden.

Der Heilige Drache war nicht allmächtig. Nicht einmal er konnte Bulma aus Dabras

Reich zurückholen. Verflucht sollte der Herr der Unterwelt sein, dass er sich

dieses Buch ausgedacht hatte. Vielleicht waren ihm einfach zu viele seiner Toten

abhanden gekommen, von den Dragonballs wiedererweckt worden. Vielleicht machte

es ihm auch einfach nur Spaß die Menschen in falschem Irrglauben zu lassen und

so zu quälen. Auf jeden Fall war Dabra ein unangenehmer Zeitgenosse, und

schwieriger auszutricksen als Enma Daioh ... Woher war dieser Gedanke gerade

gekommen? Es war keiner von Vegetas ... Aber er wusste nur von einer Person, die

je Enma Daioh ausgetrickst hatte, und das war ...

"Bulma!"

Wie schaffte sie das nur immer? Erst sandte sie ihm Träume - wer sollte es

anderes schaffen, als sie? - und jetzt sogar Gedanken, die er als seine

auffasste!

"Wenn du es so willst ...", murmelte Vegeta und holte die Todesanalen. Er schlug

die erste Seite auf und sah die Einträge durch. Bevor er aber umblätterte, blieb

er an etwas hängen. Die Buchdeckelinnenseite war nicht wie beim letzten Mal

leer. Vielmehr befand sich dort nun eine Art Anweisung ... eine Anleitung, wie

man das Unwiderrufliche umkehren konnte?! Angespannt überflog Vegeta den Text

und kam zu dem Schluss, dass er es wagen musste. Wenn er seine Chance

verspielte, würde er mit ihr in Dabras Reich bleiben müssen.

Aber bevor er die Worte sprach, die ihn in die Höhle des Löwen führen würden,

wollte er sich noch Bulmas zweiten Hinweis nachgehen.

Auf dem Nachtkästchen lag kein Zettel, davor auch nicht ... Zwischen Nachttisch

und Wand fand er schließlich das gesuchte Objekt. Es musste wohl noch zu Bulmas

Abschiedsbrief gehört haben.

"Verzeih' mir, Vegeta. Ich konnte nicht zulassen, dass der Tod dich mir

entreißt. Durch diese Bürgschaft kann ich dein Leben retten. Ich vertraue dir,

denn:", las Vegeta vor und erinnerte sich an den Wortlaut der Fortsetzung: ,Ich

vertraue dir, denn: Du darfst nie vergessen, ich liebe dich!'

Na fantastisch! Da gab es also eine Möglichkeit Bulma zu retten und er hatte

davon nichts gewusst?! ... Okay, besser als niemals. Er würde sie also

zurückholen, so wie sie ihn ... hoffentlich. Besser war es wohl, wenn er

niemandem etwas davon sagte, falsche Hoffnungen waren einfach nur grausam. Eine

kurze Nachricht, gut versteckt, für den Fall, dass er es nicht schaffte,

hinterlassend, ergriff Vegeta wieder das Buch und zitierte den Einbandtext:

"Dabura-sama, Jigoku no Kunshu! Michi no Kaeri ni annai shita! [MS: Dabra-sama,

Herrscher der Hölle! Führe mich auf den Weg der Wiederkehr! - bin mir nicht

sicher, ob es korrekte Grammatik ist, aber ich überprüfe es!]

Ein tiefes, unheilverkündendes Brummen schwängerte die Luft und dröhnte laut in

Vegetas Ohren wider. Die Umrisse seiner Umgebung verschwammen allmählich und

wichen einer dunklen, düsteren Gegend, einer Ebene, die keine Begrenzung zu

haben schien. Vegeta sah sich um. In was für einer Wüste war er denn da

gelandet? Nirgends war ein Hinweis zu finden, wie er zu Dabra kam. Sollte er

nach ihm rufen? Doch das brauchte er nicht mehr zu tun, als er mitten drin in

der Einöde eine Tür entdeckte, die im Boden eingelassen war.

,Bürgschaftsauflösung' stand darauf zu lesen. Organisiert war die Unterwelt, das

musste Vegeta zugeben, während er mit Ach und Krach die Tür hochziehen konnte.

Schien so, als hätte er seine Kräfte verloren. Wenn das kein passender Auftakt

war! Vorsichtig tappte Vegeta die ins Erdreich führenden Stufen hinunter. Mit

einemmal schlug die Tür über ihm zu und tauchte den Abgang in tiefe Schwärze.

Erst nach ungefähr 50 Metern konnte er wieder eine Lichtquelle ausmachen, die

von ein paar Fackeln herrührte. Vegeta befand sich jetzt, am Ende der Treppe

angekommen, in einem kreisrunden Raum, der weitere drei Ausgänge in Form von

verschiedenen Türen hatte.

,Otoko no [von Mann]', ,Onna no [von Frau]' und ,Shuzoku nashi ni no [von

Geschlechtslos]' Hoshou [Bürgschaft]. Nach kurzem Überlegen (Bulma hatte für ihn

gebürgt, also war es seine Bürgschaft) wählte er die erste Tür ,Otoko no

Hoshou'. Dahinter lag ein weiteres rundes Zimmer, welches spärlich beleuchtet

war. Am Ende war der Raum durch eine Trennwand in zwei Bereiche gegliedert, die

beide exakt gleich ausgestattet waren: Ein Fenster mit fliederfarbenen Vorhängen

(die Aussicht auf einen gepflegten Rosengarten war gewiss eine Illusion), ein

überdimensionaler Kleiderschrank, ein Schreibtisch aus Mahagoni, ein

Kingsize-Bett. Wenn Vegeta es nicht besser wüsste, hätte er geschworen, dass das

(oder die) Bulmas altes Zimmer war. Die selben bunten, zerwühlten ... sich

bewegenden Laken ... Automobile Bettwäsche? Wohl kaum ... Nicht zum ersten Mal

beeindruckt beobachtete Vegeta Bulma und ... tja, die zweite sah auch so aus wie

sie ... wie sie sich aufsetzten, aber im Bett blieben. Sie schienen ihn gar

nicht sehen zu können, noch zu wissen, wo sie überhaupt waren, denn sie standen

jetzt auf und verließen ihr Zimmer kurz nacheinander durch eine Tür, die in der

C.C. ins angrenzende Bad geführt hätte. Nur, dass sie auf der linken Seite

verschwanden und, sobald sie sozusagen in der Wand waren, erschien die Tür auf

der anderen Seite und das Zimmer wurde zum Bad.

"Was soll ich nur hier?", fragte Vegeta sich.

Im nächsten Augenblick tat sich etwas rechts von ihm der Boden auf und ein

gigantischer Marmorstuhl fuhr herauf, auf dem Dabra thronte. Seine eckigen

Pupillen verengten sich, als er Vegeta sah.

"Ach, der nächste Bewerber?", meinte der Herr der Unterwelt amüsiert und

musterte den Saiyajin genauestens. "Du bist also hier, deine Bürgschaft

einzulösen?", Vegeta nickte misstrauisch, "Nun gut. Da drüben", er deutete zur

Trennwand, "siehst du wie deine ... ach ja, Bulma, ihren Tag verbringt. Daneben

ist nur ein Duplikat, eine Kopie ... Sie können dich weder hören noch sehen ...

Du musst sagen, wer ..."

"Ich soll bloß vom Zusehen herausfinden, welche die Echte ist?", wagte Vegeta zu

unterbrechen.

"Du hast solange Zeit, wie du willst,", fuhr Dabra ungerührt fort, "aber dir

steht nur ein Versuch zur Verfügung, deine Wahl bekannt zu geben, das ist ja

wohl klar. Die Chancen stehen 50:50 ... Und, übrigens: Niemand hat es bisher

geschafft, seinen Bürger auszulösen, aber ... Trotzdem, viel Glück!"

Dabra lachte, verschränkte die Arme hinter dem Nacken und ließ sich zurück

sinken, um der Szene einen besseren Überblick abgewinnen zu können.

Vegeta hatte also nur einen Versuch, andernfalls wäre sein Leben wie ihres

verwirkt. Natürlich durfte er das nie zulassen und so begann er seine

Observation. Stunden, Tage ... drei Wochen lang studierte er die beiden Bulmas,

filterte Unterschiede heraus, verglich alte Verhaltensmuster und wurde sich nach

und nach immer sicherer, wer die echte war. Am 29. Tag hatte Vegeta sich

endgültig entschieden und teilte sich Dabra, der dann und wann eingenickt war -

keiner seiner Kandidaten hatte ganze 29 Tage durchgehalten! - mit.

"Du bist dir also sicher, wer die Richtige ist?", fragte der Herr der Unterwelt

und grinste hinterhältig, dass Vegeta kurz der Gedanke durch den Kopf schoss,

dass er noch ein Ass im Ärmel haben könnte. "Nun? Sag, welche du mitzunehmen

gedenkst?!"

"Sie ist es", sprach Vegeta bestimmt und wies auf die linke, die gerade im Labor

ihres Vaters eine neue Erfindung zusammenbaute.

"Sicher?", wollte Dabra Vegetas Wahl noch einmal bestätigt wissen.

"100%ig", ließ dieser sich nicht verunsichern.

Ohne ein weiteres Wort erhob Dabra sich von seinem Thron und schnippte zwei Mal

mit den Fingern.

Vegeta sah zu den beiden identisch aussehenden Bulmas hinüber. Die rechte wirkte

etwas verwirrt und sie schien Vegeta mit einem Mal sehen zu können. Die linke

stand noch mit dem Rücken zu ihm, dann wandte sie sich um und lächelte sanft ...

bevor sie sich mit einem -Puff- in Luft auflöste. Geschockt riss Vegeta den Kopf

herum und suchte der rechten Bulmas Blick. Auch aus der doch einige Meter

betragenden Entfernung konnte er die Tränen sehen, die sich in ihren Augen

angesammelt hatten. Er war doch wirklich zu nichts zu gebrauchen! Sie setzte

ihre einzige, ihre allerletzte Hoffnung in ihn, und was tat er? Er brauchte 29

Tage, um sich dann für die Falsche zu entscheiden! Dabei hatte er es sich ja gar

nicht leisten können, die Sache zu verbocken ... Vielleicht hatte Dabra ja

Mitleid und erlaubte es, dass er mit Bulma zusammenbleiben durfte. Wohl eher

nicht, aber einen Versuch war es immerhin wert. Vegeta sah wieder zu ihr

hinüber, sie hatte einen Arm nach ihm ausgestreckt und ihre Lippen formten

unausgesprochene Worte. Dabei wollte sie doch nicht mehr um ihn weinen.

"Was machst du noch hier?", grollte Dabra ungehalten. Das Ass hatte sich doch

tatsächlich als Schwarzer Peter entpuppt. Wer hatte das auch ahnen können?

"Jetzt nimm sie schon mit und verschwinde!"

Vegeta stand wie versteinert am Fleck. Hatte er gerade richtig gehört?

"Spreche ich vielleicht Suaheli?", setzte Dabra noch eins nach und wies ihn an,

Bulma endlich zu holen.

Langsam, noch immer nicht wissend, was gerade vor sich gegangen war, lief Vegeta

auf sie zu. Bulma kam ihm auf halbem Weg entgegen. Als sie sich endlich erreicht

hatten, fiel sie ihm sofort um den Hals und drückte ihn fest an sich, als wollte

sie ihn nie wieder gehen lassen ... Was bestimmt auch der Grund war.

"Ich hab' gewusst, dass du es schaffst", murmelte sie gedämpft. "Dabra hat dich

in dem Glauben gelassen, du müsstest mich erkennen, nicht? Dabei ging es darum,

dass wir noch nicht lange genug zusammen waren, sodass wir eine zweite Chance

verdienten. Du kanntest mich noch nicht gut genug, um mich von ihr unterscheiden

zu können."

Vegeta erwiderte ihre Umarmung, ließ sie dann aber los und fasste stattdessen

ihre Hand. Zusammen gingen sie zu dem bereits ungeduldig wartenden Herrn der

Unterwelt.

"Das werden wir noch ändern, meinst du nicht auch?", zischte er ihr noch zu,

dann sah er zu Dabra auf.

Dieser murmelte grimmig etwas vor sich hin, was die beiden besser nicht

verstanden, und schnippte dann wieder zwei Mal mit den Fingern, was zur Folge

hatte, dass Vegeta und Bulma sich einen Herzschlag später in ihrem Schlafzimmer

wiederfanden.

"Über drei Wochen war ich nicht hier ... Wir sollten Trunks und deinen Eltern

besser Bescheid sagen ... Kommst du?"

Bulma rührte sich nicht von der Stelle, ergriff lediglich Vegetas Hände und zog

ihn mit sich aufs Bett. "Das kann doch ... wohl noch ... etwas warten ... hm?",

flüsterte sie heiser zwischen einem Regen Küsse.

Vegeta konnte nur hilflos nicken. Er gab sich geschlagen, schon wieder ... Auch

wenn es in diesem Spiel keine Verlierer gab, nur Gewinner.

Owari (Diesmal wirklich!)

Servus, Majin Sakuko

YasaiNoVampaia no