Name der Story: The Way of a Deatheater

Art der Story: Darkfiction

Autor: Josephine

Kapitel: 2

Titel: Erste Vermutungen


Heute war Samstag und daher würde Severus Snape nicht einmal im Traum daran denken, zum Frühstück zu erscheinen. Schon schlimm genug, dass es in der Woche Pflicht war, sich zu den noch im Halbschlaf anwesenden Lehrern zu setzten, sich ihre nicht gerade von Intelligenz zeugenden, extrem unlogischen Witze anzuhören und dann auch noch von den Schülern dämlich angeglotzt zu werden. Super. Das hätte ihm an diesem Morgen gerade noch gefehlt…!

Außerdem war der Meister der Zaubertränke in der letzten Woche nie zum Frühstück erschienen und zum Mittagessen nur selten. Malfoys besorgte Stimme hallte in seinem Kopf wider.

Was glaubst du eigentlich, was das bringt?"

Snape wusste selbst nicht so genau, was er darauf hätte antworten sollen. Es war nun mal so. Er spürte in letzter Zeit sogar den Hunger nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr denselben Hunger, wie es die anderen aus Hogwarts taten...

Er hatte gerade die letzte Schülerarbeit der gestrigen Nacht korrigiert, als er langsam den Kopf hob, da er die ganze Zeit über das Gefühl hatte, beobachtet zu werden.

Albus Dumbledore stand in der Tür und musterte Snape mit einem traurigen Blick.

"Du warst heute nicht beim Frühstück!" Seine Stimme klang leise und bedrückt.

„Nein. Ich hatte keinen Hunger und außerdem musste ich noch die Schülerarbeiten der siebten Klasse der Gryffindors korrigieren."

Dumbledore lächelte müde und kam herein, wobei sein Zauberstab direkt auf den nun kalten Kamin zeigte und im nächsten Moment brannte dort ein großes, loderndes Feuer, welches den Raum schnell mit Wärme und Licht füllte. Snape hatte sich nicht die Mühe gemacht und das im Laufe der Nacht herab gebrannte Feuer neu zu schüren. Der Direktor setzte sich auf einen der beiden Sessel, die vor dem Kamin standen und sah einigen Minuten lang schweigend in das Feuer.

Dann begann er mit leiser, flüsternder Stimme zu sprechen.

„Warum, Severus?"

Snape seufzte leise und erhob sich aus seinem Stuhl. Er ging hinüber zum Kamin, setzte sich auf den zweiten Sessel und sah Albus Dumbledore tief in die Augen. Was sollte er darauf antworten? Was wollte der Direktor hören? Dessen sonst so freundlichen Augen glitzerten nun vor Trauer und Besorgnis. Der Meister der Zaubertränke mochte diesen Ausdruck in den Augen des Direktors nicht. Schon deshalb nicht, weil er wegen ihm war.

„Warum tust du dir das an, Severus? Seit Tagen schläfst und isst du so gut wie nichts mehr. Warum? Erkläre mir bitte den Grund, damit ich es vielleicht verstehe. Damit ich…Dir helfen kann!"

Snape lenkte seinen Blick ins Feuer und erwiderte schließlich ebenso leise: „Es tut mir Leid, Albus. Aber ich kann es dir nicht sagen. Noch nicht. Ich weiss es selbst nicht genau..."

Der Direktor nickte traurig und wandte seinen Blick von dem Meister der Zaubertränke ab. Langsam erhob er sich und ging zur Tür. Dort angekommen drehte er sich noch einmal zu Snape um.

„Ich verstehe. Wenn du mir jedoch irgendetwas sagen möchtest, Severus, dann weißt Du hoffentlich, dass ich immer für Dich da bin...!" Er nickte noch einmal stumm und ging ohne ein weiteres Wort hinaus.

Nachdem die Tür hinter ihm mit einem leisen Klack ins Schloss gefallen war schloss Snape müde die Augen, ließ sich in seinem Sessel nach hinten sinken und spürte, wie sein Körper ganz leicht zitterte. Mit einem Mal schien es im Raum so viel kälter geworden zu sein… Er musste über so vieles nachdenken und der beste Ort dafür war immer noch der Astronomieturm.

oOo

Erzählt von Remus Lupin:

Seit geschlagenen drei Stunden suchte ich jetzt schon nach Severus und hatte ihn bis jetzt noch nicht gefunden. Zum Frühstück heute Morgen war er, mal wieder, nicht erschienen und beim Mittag- und Abendessen genauso wenig.

Das letzte Mal hatte ich Severus vor zwei Tagen gesehen. Er war auf dem Weg in die Kerker, doch was ich in der kurzen Zeit von ihm sah war entsetzlich. Seine Augen waren leer und sein Blick müde und erschöpft. Seine sonst so bleiche Haut war schneeweiß und sein Körper fürchterlich dünn. Ich vermutete, dass er seit Tagen kaum etwas gegessen oder gar geschlafen hatte.

Was wollte er eigentlich damit bewirken?

Ich wusste es nicht, doch mir war klar, dass selbst er früher oder später daran zugrunde gehen musste. Dabei merkte er gar nicht, dass Albus mehr darunter litt, als er selbst. Jedes Mal, wenn er Severus in der letzten Zeit begegnet war, glitzerten seine sonst so fröhlichen Augen vor Besorgnis. So konnte es einfach nicht weitergehen! Es ging mich eigentlich nichts an, das war mir klar, aber wenn jemand es nicht verdient hatte, von Severus derart vor den Kopf gestoßen zu werden, dann Albus! Ich hatte schon Schüler gesehen, die ihn besorgt musterten und das waren, anders als ich es erwartet hätte, nicht nur Slytherins. Die verfolgten ihren Hauslehrer sogar auf Schritt und Tritt, wie mir Minerva heute Morgen erzählt hatte, weil sie fürchteten, dass ihr geliebter Professor auf einmal zusammenbrechen könnte.

Einige Gryffindors hatten mich sogar gestern nach dem Unterricht darauf angesprochen und gesagt, ich sollte mit Professor Snape darüber reden und genau das wollte ich jetzt auch, doch das stellte sich leider als deutlich schwieriger heraus, als ich erwartet hatte.

Im ganzen Schloss und auf dem ganzen Gelände von Hogwarts hatte ich schon nach ihm gesucht. Jeden Schüler und jeden Lehrer, die mir begegnet war, hatte ich gefragt, ob sie den Meister der Zaubertränke gesehen hatten. Niemand konnte mir sagen, wo er war und die meisten der Schüler hatten ihn seit dem gestrigen Unterricht nicht mehr gesehen. Fieberhaft überlegte ich, wo ich noch nicht war und wo Severus nur sein konnte...

Ich schreckte hoch. Natürlich. Wieso hatte ich nicht direkt daran gedacht? Der einzige Ort, an dem ich noch nicht gesucht hatte, ergab den größten Sinn.

„Der Astronomieturm!" schrie ich ungewollt und ziemlich laut. Mein Schrei hallte durch den Gang und Schüler, die sich in meiner Nähe befanden, schauten mich irritiert an. Ich störte mich jedoch nicht weiter an ihnen und lief so schnell mich meine Beine tragen konnten in Richtung Astronomieturm, wobei ich mehr als einmal die mehr oder weniger im Weg stehenden Schüler fast umgerannt hätte. Ich hetzte die Stufen hinauf zum Turm und als ich die schwere Tür öffnete, stürzte ich fast sie steinernen Stufen wieder hinunter.

Das war mal wieder typisch Slytherin. Draußen herrschte ein verdammter Sturm und es war eisig kalt, aber er stand höchst wahrscheinlich mitten drin in dem Unwetter…!

Ich schloss mühsam die schwere Holztür und sah mich um.

Mittlerweile war es draußen stockdunkel. Den ganzen Tag über hatten dunkle Wolken am Himmel gehangen und die Nacht war schnell hereingebrochen.

Es dauerte ein paar Minuten, bis meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Langsam ging ich um den Turm herum und suchte nach Severus. Anfangs hatte ich gar nicht bemerkt, wie kalt es hier oben war, doch nun stieg die Kälte rapide an und als ob das noch nicht genug war, bemerkte ich erst jetzt die sanften Nebelschwaden, die sich um die Zinnen des Schlosses schlangen wie unheimliche Schlangen um ihre Opfer. War es tatsächlich schon so spät? Hatte ich die Zeit auf der Suche nach Severus so vergessen?

Als ich den Turm schon fast um rundet hatte und nicht mehr damit rechnete, Severus hier oben zu finden, sah ich ihn...

Er lehnte an einer der steinernen Figuren, die auf der Mauer des Turms standen, und sah mit leeren, emotionslosen Augen in die Dunkelheit. Seine schwarzen Haare flogen im Wind und einzelne Haarsträhnen fielen ihm immer wieder ins Gesicht. Sein langer, schwarzer Umhang war vorne offen und wirkte wie ein Paar riesiger, schwarzer Schwingen, die mit dem Dunkel der Nacht förmlich verschmolzen.

Ich schluckte. Dieser Anblick gefiel mir gar nicht! Severus wirkte auf einmal so bedrohlich auf mich wie noch nie zuvor…er wirkte so…verändert…fremd…

Wie er dort stand ähnelte er einem...nein, das konnte nicht sein!

Langsam ging ich näher an ihn heran. Als ich nur noch wenige Meter von Severus entfernt war, blieb ich erneut stehen. Jetzt war es unverkennbar. Wie Severus da stand, regungslos und doch ein wenig majestätisch, seine magere Gestalt, die schneeweiße Haut, die leeren Augen und sein Verhalten in letzter Zeit... Alles passte genau zusammen. Aber das konnte doch nicht sein! Severus konnte keiner von ihnen sein, er dürfte einfach keiner sein!

Oder hatten wir uns all die Jahre täuschen lassen und nicht bemerkt, was der Meister der Zaubertränke in Wirklichkeit war?

„Wenn Du fertig bist, mich die ganze Zeit lang anzustarren, könntest Du mir bitte verraten, was Du hier oben zu suchen hast?"

Ich erschrak vor seiner Stimme fast mehr, als vor seinem Erscheinen. Ich war es gewöhnt, dass sie kalt und emotionslos war, aber das hier? Sie klang so eisig, so...verändert. Schnell versuchte ich, mein Entsetzen zu verbergen und meine bebende Stimme fest klingen zu lassen.

„Die Frage könnte ich ähnlich zurückgeben Was machst DU hier? Du warst heute nicht einmal bei einem der Essen!"

Severus drehte mir den Rücken zu und ich konnte sein Gesicht nicht mehr erkennen. Als er mir nicht antwortete fuhr ich unbeirrt fort.

„Du hast seit Tagen nichts mehr gegessen und geschlafen auch nicht. Wir alle machen uns Sorgen um Dich und Du blockst ab! Was soll das alles? Ich muss mit dir reden!"

Severus lachte leise und als er erneut sprach machte ich unbewusst einen Schritt zurück.

„Danke, dass Du mich darauf hinweist, es wäre mir womöglich sonst glatt noch entfallen! Jetzt hast Du mit mir geredet - du kannst wieder gehen!"

Totale Bauchlandung. Schon beinahe unterirdisch tief. Konnte er denn nicht einmal wie ein normaler Mensch mit einem reden? Ich bezweifelte es stark, aber so leicht wollte ich es ihm nicht machen.

"Severus, ich muss mit Dir reden!", wiederholte ich meinen Satz von eben und konnte nicht verhindern, dass meine Stimme ein wenig trotzig klang.

„Das sagtest Du bereits…!", antwortete er trocken und machte keine Anstalten, sich zu mir umzudrehen.

„Und ich werde nicht vorher gehen!", spielte ich meinen letzten Trumpf aus und hatte immerhin in diesem Punkt gewonnen, da er sich endlich mit einem tiefen Seufzen zu mir umdrehte…

Ich war auf viele Dinge gefasst, aber auf das hier ganz sicher nicht. Da er seine Robe vorne offen trug sah man, wie dünn er geworden war. Seine Augen waren leer und sein Blick erschöpft. Unter den Augen hatte er tiefe, schwarze Ringe. Ich hatte noch nie gesehen, was er unter der weiten, schwarzen Robe trug, doch es gefiel mir überhaupt nicht.

Über seine ebenfalls schwarze Kleidung trug er einen schwarzen Gürtel, der vorne eine Art silberne Brosche hatte, auf der zwei wunderschöne aber bedrohlich wirkende Schlangen waren, die ineinander verschlungen zwei große „S" bildeten.

An dem Gürtel hingen viele Dinge, die man als Meister der Zaubertränke sicherlich benötigte: Phiolen, einen Büschel getrocknete Kräuter und ein paar schwarze Samtbeutel, von denen ich nicht wusste (und auch lieber nicht wissen wollte), was sie beinhalteten.

Doch als der eisige Wind seinen Umhang noch ein Stück weiter nach hinten wehen ließ, bemerkte ich zum ersten Mal einen silbernen Dolch, den er an der Seiet trug. Natürlich brauchte man so etwas gerade für die Lehre der Zaubertränke, aber irgendetwas an diesem Dolch wirkte tödlich...unheimlich. Severus bemerkte, dass ich ihn schon wieder anstarrte und zog die Augenbraue hoch.

„Stimmt etwas nicht, Lupin, oder bist Du hier oben fest gewachsen?"

Er folgte meinem Blick und merkte, dass ich den Dolch an seinem Gürtel anstarrte. Ein Lächeln verzog seinen starren Blick.

„Er ist schön, nicht wahr!?" Er hob seine dürren Hände und zog den Dolch aus der silbernen, mit tief grünen Smaragden verzierten Scheide. Schnell wich ich vor dem Dolch zurück, hatten meine Sinne doch direkt erfasst, dass er nicht aus irgendeinem Metall gefertigt war, sondern aus reinem Silber.

„Severus, könntest du bitte den Dolch...?"

Erneut zog er die Augenbraue hoch.

„Eure Schwäche gegen Silber ist...eigenartig!"

Er steckte den Dolch zurück in die Scheide. Ohne ein weiteres Wort ging er an mir vorbei, öffnete die Tür und hielt einen Moment inne. Er drehte sich um und sagte mit spöttischer Stimme:

„Das war ja eine wirklich spannende Unterhaltung, Lupin."

Ich konnte ein lautes Schnauben nicht unterdrücken und gab bissig zurück: „Du willst dir ja nicht helfen lassen. Wir alle sind um dich besorgt, besonders Albus! Sieh´ dich doch nur an! Was ist bloß los mit Dir?"

Meine Stimme war wutverzerrt, doch Severus erwiderte nicht weniger wütend: „Ich habe nie um eure so genannte 'Hilfe' gebeten und außerdem, was hat es Dich zu interessieren, was mit mir los ist!?"

Er drehte sich um und ging wortlos die steinernen Stufen hinab. Ich blieb alleine in der Kälte der Nacht zurück und zog frierend meinen Umhang noch etwas enger um meinen Körper.


Reditus Mortis: Ich verstehe Deine Enttäuschung und kann mir vorstellen, dass es für die wenigen von verbliebenen Leser schwer sein wird, sich so lange zu gedulden. Aber ich bemühe mich, dass es nicht zu lange dauert (jedenfalls nicht mehr so lange, wie bisher!)! Ich war mit den Kapiteln jedoch hinten und vorne nicht mehr zufrieden und wie ich Dir schon geschrieben habe, entsprach die Geschichte nicht mehr dem, was ich von ihr erwartete. Daher diese extreme Maßnahme und ich hoffe, Du kannst irgendwann darüber hinwegsehen...