Autor: Belle239

Inhalt: Harry findet sich in einer äußerst misslichen Lage wieder und erkennt sich selbst nicht mehr, als er sich schließlich verzweifelt an Draco Malfoy wendet, der ihm wohlmöglich helfen kann. Doch bald finden sich beide Jungen in einer Situation wieder, die weit von der Wahrheit zu liegen scheint und doch mehr als eine Lüge ist.

Pairing: HP/GW, HP/DM, RW/HG

Timeline: Die Geschichte spielt zwischen Harry's fünften und sechstem Schuljahr.

Warnungen: Schöner, romantischer, dramatischer Harry Potter / Draco Malfoy Slash.

X

Kapitel 2

The pure and simple truth is rarely pure and never simple.

Dumbledore blinzelte ihn fast erwartungsvoll über seine Halbmondgläser hinweg an. Seine blauen Augen blitzten und warteten geduldig auf Harrys Reaktion.

Ginny hatte ihren hübschen Kopf schief gelegt und betrachtete Harry mit einer Mischung aus Angst und Neugierde.

„Also." , begann Harry unsicher. Er räusperte sich und setzte sich in seinem Krankenbett auf. „Das ist doch gar nicht so schlimm, oder?"

Er schaute unsicher von Dumbledore zu Ginny, dann zu Madam Pomfrey, die ihn mitleidig anschaute und sanft den Kopf schüttelte.

„Ich lebe noch." , scherzte Harry halbherzig, obwohl das schmerzliche Drücken in seiner Magengegend nichts gutes zu verheißen hatte. Rons Zauber hatte tatsächlich mehr Schaden angerichtet als gedacht, aber welche Konsequenzen Harry deswegen nun tragen musste, konnte er sich nur schwer vorstellen.

„Harry, ist sicher alles in Ordnung?" , fragte Ginny vorsichtig. Sie griff nach seiner Hand, hielt dann in der halben Bewegung inne und ließ sie schließlich leblos zur Seite fallen.

„Ja, ich meine. Es hätte schlimmer kommen können, nicht wahr Professor?" Harry warf Dumbledore einen fragenden Blick zu. „Natürlich." , nickte Dumbledore mit einem sanften Lächeln auf dem Gesicht.

„Dennoch, sollten wir die Ausmaße dieses Zaubers nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die nächste Zeit wird nicht leicht für dich werden. Vielleicht wäre es dir lieber, wenn ich dich von der Unterrichtspflicht entbinde?" , fragte Dumbledore.

Doch Harry schüttelte energisch den Kopf. „Nein, nein. Auf keinen Fall. Professor, Sie können doch sicherlich etwas gegen diesen Zauber unternehmen, oder? Sie könnten-" , begann Harry.

„Ich fürchte zur Zeit kann ich nichts für dich tun." , antwortete Dumbledore. Sein Blick war ernst, sein Ton bestimmt, doch Harry wollte und konnte nicht glauben, dass Dumbledore, der vielleicht mächtigste, noch lebende Zauberer, nichts gegen Harrys überaus missliche Lage unternehmen konnte.

„Aber Professor- aber- aber was ist mit Snape- Professor Snape! Sicher kann er-" , wagte Harry erneut einen verzweifelten Versuch.

Dumbledore hob beide Hände, um Harry zum Schweigen zu bringe. „Harry, ich fürchte das Professor Snape genauso wenig für dich tun kann. Natürlich bin ich mir nicht sicher, und um das herauszufinden verabschiede ich mich nun erst einmal von dir. Severus und Minerva warten in meinem Büro auf mich. Ich sehe du bist hier in den besten Händen. Sobald ich Neuigkeiten für dich habe, lasse ich es dich wissen."

Harry wusste, dass es keinen Sinne mehr machen würde, weiter mit Dumbledor zu diskutieren, der mit einem letzten warmen Blick schließlich den Krankenflügel verließ und Harry und Ginny alleine zurück ließ.

Für eine Weile schwiegen Beide. Harrys Herz schlug ihm jetzt bis zum Hals, je mehr er über seine verzwickte Situation nachdachte. Und egal was er jetzt sagen würde, es würde wenig überzeugend klingen.

Stattdessen starrte er stumm aus dem gegenüberliegenden Fenster.

Es hatte aufgehört zu regnen. Doch war der weite Himmel noch immer verhangen von dunklen Wolken, die die Felder und Ländereien um Hogwarts in ein düsteres Licht tauchten.

Hatte er sich nicht Minuten bevor er auf Ron und Malfoy getroffen war heimlich gewünscht, nur einmal in seinem Leben als Harry Potter einen einzigen, normalen Tag zu verbringen? Aus diesem nie enden wollendem Theaterstück auszusteigen?

Und jetzt? Jetzt war alles wieder einmal nur noch schlimmer geworden. Harry seufzte und schloss für den Bruchteil einer Sekunde seine schweren Augen.

„Harry?" , unterbrach Ginnys Stimme seine Gedanken. „Denkst du es ist besser, wenn ich dich alleine lasse? Soll ich Hermine suchen? Oder Ron? Brauchst du irgendetwas?"

Hilflosigkeit sprach aus ihr. Mitleidig strich sie Harry über das Gesicht, der lediglich den Kopf schüttelte.

„Nein, nein danke. Es ist schon- Ich wäre gerne etwas alleine." , murmelte er. Er rang sich ein schwaches Lächeln ab, als Ginny ihn nur weiter mit traurigen Augen betrachtete.

„Es ist alles okay. Madam Pomfrey wird bestimmt gut für mich sorgen." , er drückte aufmunternd ihre Hand.

„In Ordnung. Lass es uns wissen, wenn du etwas brauchst."

Harry nickte steif und schaute ihr stumm hinterher, als sie ohne einen Blick zurück die Tür des Krankenflügels hinter sich schloss.

Mit einem schweren Seufzen ließ sich Harry zurück auf sein Bett fallen. Was da gerade passiert war, was- was Dumbledore da gerade gesagt hatte, all das schien in Harrys Augen zumindest im Moment noch keinen Sinn zu machen.

Rons Zauber hatte tatsächlich seine Wirkung nicht verfehlt. Aber wieso konnte Dumbledore nichts dagegen unternehmen? Oder Snape?

Und selbst wenn niemand etwas gegen den „Fluch der Wahrheit" unternehmen konnte, vielleicht war es auch gar nicht so tragisch, wie Harry es sich ausmalte. Hatte er denn wirklich so schreckliche Wahrheiten zu verbergen? Nun ja, zumindest nicht vor seinen besten Freunden.

Harry schluckte.

Malfoy.

Malfoy durfte nie davon erfahren. Harry riss die Augen auf, bei dem Gedanken, dass Draco Malfoy von Harrys misslicher Lage erfahren könnte. Das musste er mit allen Mitteln zu verhindern wissen.

Wenn er nicht schon längst davon wusste. Denn wenn jemand einen Nutzen aus dieser Situation ziehen konnte, war das Malfoy. Er würde es lieben, Harry vor der versammelten Schule bloß zu stellen. Und Harry war dem hilflos ausgeliefert.

Er erinnerte sich an Lupins heutige Unterrichtstunde zurück. Hätte er doch bloß einmal seinen Mund gehalten und wäre einem erneuten Streit mit Malfoy aus dem Weg gegangen. Doch zum fünften Mal in dieser Woche war er mit Malfoy aneinander geraten und dieses Mal hatte er den Kampf eindeutig verloren.

„Scheiße."

„Was sagten sie, Potter?" Madam Pomfrey hatte den Krankenflügel betreten und blieb am Fuße seines Bettes stehen.

„Nichts. Ich- Ich habe mich nur gefragt, ob ich denn heute Abend schon entlassen werden könnte? Schließlich fehlt mir nichts. Mir geht es gut." Harry verzog sein Gesicht zu einem erzwungenen Lächeln.

Doch wie erwartet, ließ sich Madam Pomfrey nicht erweichen.

„Ich fürchte nicht, Potter. Die heutige Nacht werden sie wohl oder übel hier verbringen müssen."

„Aber-" , begann Harry verzweifelt.

Doch Madam Pomfrey kam ihm zuvor.

„Keine Widerrede, Potter. Sie bleiben hier. Das ist mein letztes Wort. Wenn sie etwas brauchen, geben sie mir Bescheid."

Harry blieb nichts anderes übrig, als klein beizugeben.

Und das er das heutige Quidditchtraining verpassen würde, war sein kleinstes Problem.

Was viel wichtiger war, war herauszufinden, was jetzt mit Ron passieren würde und ob Malfoy bereits von Harrys Misere Wind bekommen hatte.

„Madam Pomfrey?" , fragte Harry vorsichtig.

„Was ist denn noch, Potter?"

„Ich müsste wirklich, wirklich dringend mit Ron sprechen. Könnten Sie-" , setzte Harry an, als die Tür aufflog und ein völlig aufgelöster Ron in den Krankenflügel gestürmt kam.

„Hat sich erledigt." , murmelte Harry.

„Harry!" Ron rannte zu Harrys Seite. Sein Gesicht war kreidebleich, die roten Haare standen in alle erdenklichen Richtungen ab.

„Harry. Bei Merlin, es tut mir so leid. Wie geht es dir? Hermine- Sie-" , Ron schluckte und schien bei dem Gedanken an das Zusammentreffen mit Hermine zu schaudern, „Sie- sie hat mir erzählt was passiert ist. Harry, es tut mir wirklich leid. Das war nicht meine Absicht. Das weißt du sicher. Ich wollte Malfoy treffen. Also der Zauber, er sollte Malfoy treffen. Nicht dich. Auf keinen Fall dich! Ich-"

„Ron!" , unterbrach ihn Harry, in dem er beide Hände in die Höhe hielt und plötzlich stark an Dumbledore erinnert wurde. „Ist schon okay. Mir geht es gut. Ich weiß, dass es keine Absicht war."

„Natürlich war es keine Absicht." , antwortete Ron, der nur wenig erleichtert wirkte.

„Dieser Sohn eines Dementors!" , fluchte Ron weiter. „Das wird er büßen!"

„Ron! Vielleicht reicht das mit der Rache für heute. Du siehst ja, wohin das führt." Harry konnte sich den vorwurfsvollen Unterton in der Stimme nicht verkneifen. Auch wenn Ron sein bester Freund war, war es immerhin auch seine Schuld, dass er jetzt unter diesem dämlichen Fluch stand und die Nacht im Krankenflügel unter Madam Pomfreys Aufsicht verbringen musste.

Beschämt senkte Ron den Kopf und ließ sich dann mit einem schweren Seufzen auf den Stuhl neben Harrys Bett fallen.

„Oh man, das ist heute wirklich mächtig schief gelaufen." , murmelte er, den Kopf in die Hände gestützt.

Harrry schnaubte.

„Mächtig schief gelaufen? Das ist wohl untertrieben."

Ron hob den Kopf und sah Harry erschrocken an.

„Tut mir leid." Harry atmete geräuschvoll aus. „Es ist nur- das alles hier ist wirklich zu dämlich."

„Würde es dich aufmuntern, wenn ich dir sage, dass ich das nächste halbe Jahr bei Lupin Nachsitzen darf?" , fragte Ron mit einem schwachen Grinsen.

„Ein bisschen." , antwortete Harry und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Wenn Mom davon erfährt, bin ich ich geliefert." , seufzte Ron. „Sie wird mir mein Leben zur Hölle auf Erden machen."

„Wenn sie erfährt, dass wieder einmal Malfoy im Spiel war sicher nicht." , versuchte Harry seinen besten Freund aufzumuntern.

„Apropos Malfoy; was ist mit ihm? Weiß er denn schon Bescheid über- über die Situation?" , fragte Harry vorsichtig.

Ron räusperte sich und mied es während seiner Antwort Harry in die Augen zu sehen.

„Ja, Dumbledore und Lupin- die Zwei konnten ihren Mund nicht halten. Ich habe nichts gesagt! Ich-"

„Schon okay. Das hatte ich schon vermutet. Na wunderbar. Nicht nur du wirst in den nächsten Wochen die Hölle auf Erden haben." Harry stöhnte und rieb sich erschöpft über das Gesicht.

„Aber Dumbledore oder Snape, die können doch sicher etwas dagegen tun, oder?" , fragte Ron hoffnungsvoll.

Doch Harry schüttelte nur müde den Kopf. „So wie es aussieht nicht."

„Du musst für immer mit diesem Fluch leben?" Ron riss erschrocken die Augen auf.

„Nein, das heißt, ich habe eigentlich keine Ahnung. Dumbledore gibt mir Bescheid, sobald es etwas neues gibt." antwortete Harry, den der Gedanke daran, ein Leben lang mit diesem dämlichen Fluch belegt zu sein, schaudern ließ.

„Weasley, Potter! Die Besuchszeit ist für heute vorbei. Sehen Sie zu, dass Sie zu ihrem Gemeinschaftsraum kommen, Weasley. Potter braucht seine Ruhe!"

Madam Pomfrey war an Harrys Bett aufgetaucht. Die Hände in die Hüften gestemmt schaute sie mahnend von Ron zu Harry.

Ron seufzte.

„Na, gut. Wird er denn morgen wieder aus dem Krankenflügel entlassen werden können?" , fragte Ron.

„Ich denke schon." , antwortete Madam Pomfrey knapp.

„Und jetzt wünsche ich ihnen eine gute Nacht, Weasley."

Ungeduldig wippte sie mit ihrem linken Bein, bis Ron schließlich von seinem Platz aufstand.

„Das wird schon wieder, Harry. Und nochmal, es tut mir so unendlich leid. Schlaf gut, ja?" , aufmunternd tätschelte Ron Harrys linken Arm.

„Schon gut, Ron. Wir sehen uns morgen." , antwortete Harry und versuchte seinen Freund mit einem schwachen Lächeln zu beruhigen, bevor dieser schließlich mit einem letzten unsicheren Blick zurück, den Krankenflügel durchquerte und dann leise die Tür hinter sich schloss.

„Sie schlafen jetzt besser, Potter. Sie wollen doch morgen entlassen werden, nicht wahr?"

Madam Pomfrey zupfte sorgfältig seine Bettdecke zurecht und schloss dann die Vorhänge um Harrys Bett. „Gute Nacht, Potter."

„Gute Nacht, Madam Pomfrey."

X

Es musste noch sehr früh am Morgen sein, als Harry aus einem unruhigen Schlaf erwachte.

Durch die Vorhänge, die sein Bett umgaben, drang nur schwaches Kerzenlicht. Draußen schien es bereits zu dämmern und Harry konnte die leisen Geräusche von Regen, der gegen die hohen Fensterscheiben prasselte, ausmachen.

Stöhnend drehte er sich auf die andere Seite und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Es war definitiv zu früh, um diesen schrecklichen Tag zu beginnen. Und er hatte sich ein paar weitere Stunden Schlaf wohl redlich verdient.

Harry schloss die Augen und konzentrierte sich auf seine ruhige Atmung, als zwei leise Stimmen ihn aufschrecken ließ.

„Es ist wirklich dringend. Anordnung von Dumbledore!"

„Potter schläft noch. Er hat gestern viel durchgemacht und ist völlig erschöpft. Bei Salazar's Kindern, lassen Sie den Jungen schlafen."

„Aber das ist eine Anordnung von Dumbledore! Herr je, Potter wird das schon überleben. Er ist ja nicht aus Zucker."

Das war Malfoy, der dringlich auf Madam Pomfrey einredete.

Was zur Hölle machte Malfoy so früh hier und wieso wollte er Harry sprechen?

Mit einem Mal war Harry hell wach. Er lauschte angestrengt, bedacht nicht das leiseste Geräusch zu machen.

„Mr. Malfoy, Sie können Professor Dumbledore ausrichten-" , begann Madam Pomfrey, die alles andere als freundlich klang.

„Sie können Professor Dumbledore ausrichten, dass Sie mir verweigert haben, seine Anweisungen auszuführen!" , fiel ihr Malfoy drohend ins Wort.

Harry rollte mit den Augen. Ganz sicher hatte Dumbledore Malfoy nicht die Anweisung gegeben,in aller Früh in den Krankenflügel zu platzen. Aber den Spaß hatte sich Malfoy natürlich nicht nehmen lassen.

„Also- Ich- Sie drohen mir?" , entgegnete Madam Pomfrey entrüstet.

„Ich tue nur, was der Direktor mir aufgetragen hat." Malfoys Stimme tropfte vor Selbstzufriedenheit und Harry hatte sein feixendes Gesicht deutlich vor sich.

„Also was ist jetzt?"

„Das wird ein Nachspiel haben. Sie können sicher sein, dass ich Albus- Ich meine, Professor Dumbledore zu dieser Sache befrage." , antwortete Madam Pomfrey. Dann konnte Harry hören, wie sie sich mit festen Schritten aus dem Raum entfernte.

„Was auch immer." , murmelte Malfoy.

Harrys Herz machte einen nervösen Sprung, als Malfoys Schritte näher kamen. Für einen Augenblick spielte er mit dem Gedanken, sich wieder schlafend zu stellen. Bevor er sich jedoch entschieden hatte, wurden seine Vorhänge unsanft zurück gezogen und diffuses Licht erhellte Harrys erschrockenes Gesicht.

„Du bist ja schon wach, Potter. Dann hätte ich mir diese sinnlose Diskussion auch sparen können."

Malfoy blieb wenige Zentimeter vor Harrys Bett stehen.

Er hatte die langen Arme verschränkt und beäugte Harry skeptisch.

„Dir auch einen guten Morgen." , brummte Harry. Mit seiner linken Hand tastete er auf dem kleinen Nachttisch blind nach seiner Brille.

„Was willst du überhaupt hier, Malfoy?" , fragte er schließlich. Er schob die Brille auf seiner Nase zurecht und setzte sich in seinem Bett auf.

„Du bist doch nicht etwa gekommen, um nach mir zu sehen. Wie außerordentlich nett von dir."

„Halt die Klappe, Potter. Dumbledore hat mich quasi dazu gezwungen." , zischte Malfoy, der seine Arme jetzt noch fester verschränkte.

„Dumbledore hat dich aber sicher nicht dazu gezwungen, um fünf Uhr morgens hier rein zu platzen." , entgegnete Harry.

Auf Malfoys blassem Gesicht breitete sich ein zufriedenes Grinsen aus.

„Nein, das war meine Idee." , antwortete er.

„Also, was willst du?" Harry wurde langsam ungeduldig. Wenn man dazu verflucht war, sogar auf die intimsten Fragen mit der Wahrheit zu antworten und dann mit Draco Malfoy alleine in einem Raum eingeschlossen war, schossen einem doch die schreckenerregendsten Gedanken durch den Kopf.

„Du datest Weasles kleine Schwester zur Zeit, nicht wahr?" , fragte Malfoy.

„Ja, Ginny ist wirklich-" , antwortete Harry und biss sich gleich darauf fest auf die Lippe.

„Du bist ein Arschloch." War alles was Harry dazu einfiel und zumindest lenkte ihn das von seinen brennenden Wangen ab.

Malfoy brach in schallendes Gelächter aus.

„Hey, ich wollte nur sehen, ob das tatsächlich stimmt, mit diesem Fluch der Wahrheit." Malfoy hob abwehrend die Hände, nur um bei Harrys Gesichtsausdruck erneut laut auf zulachen.

„Du und des Weasles kleine Schwester. Wie romantisch."

Grinsen umschritt Malfoy Harrys Bett und blieb schließlich an dessen Kopfende stehen.

„Komm zur Sache, Malfoy." , zischte Harry.

„Schon erledigt." , antwortete Malfoy, der jetzt gelangweilt mit Harrys Bettvorhängen spielte.

„Was?" Harry verzog das Gesicht.

Seufzend strich sich Malfoy ein paar blonde Strähnen aus der hohen Stirn.
„Ich sollte überprüfen, ob dieser dämliche Fluch auch bei mir funktioniert." , antwortete Malfoy genervt.

„Wieso?" , fragte Harry.

Draco rollte mit den Augen. „Ist wohl nicht ganz deine Zeit was, Potter?"

Harry antwortete nicht, sondern wartete weiter ungeduldig auf Malfoys Erklärung.

„Also gut." Malfoy atmete schwer aus.

„Dumbledore hat vermutet, dass der Fluch mir gegenüber vielleicht nicht funktioniert, weil es ursprünglich ich war, der Weasleys missglückten Zauberversuch abkriegen sollte. Was ganz offensichtlich nicht der Fall ist."

Das wäre auch zu schön gewesen, dachte Harry.

„Schön." , war alles was Harry dazu einfiel. Er wollte Malfoy so schnell wie möglich loswerden. Nur seine bloße Anwesenheit verunsicherte Harry zutiefst. Malfoy so hilflos ausgeliefert zu sein, bereitete Harry tiefes Unbehagen.

„Ist noch was?" , fragte Harry, als Malfoy keine Anstalten machte zu gehen.

„Wie hat Snape deine letzten Hausaufgaben bewertet?" , fragte Malfoy und bevor Harry sich zurück halten konnte, sprudelte es erneut aus ihm heraus.

„Mit einem T! Dabei habe ich mir wirklich-"

Malfoy brach erneut in schallendes Gelächter aus, während Harrys Hand verzweifelt nach seinem Zauberstab suchte.

„Ich warne dich Malfoy! Ich bringe dich eigenhändig um, wenn du nicht sofort damit aufhörst." Harry brüllte schon fast und das Wasserglas auf seinem Nachttisch schien ihm beinahe passend, um Malfoy das dämliche Grinsen aus dem bleichen Gesicht zu werfen.

„Reg dich ab, Potter. Es weiß sowieso jeder, dass du eine Niete bei Snape bist." , entgegnete Malfoy.

Er holte tief Luft und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen.

„Herrlich. Ich könnte den ganzen Tag so weiter machen." Malfoy seufzte.

„Aber die Pflicht ruft. Ich habe jetzt Unterricht und danach Quidditchtraining. Was hast du für heute geplant, Potter?"

Harry antwortete nicht, er war zu sehr damit beschäftigt auf seiner Unterlippe herum zu kauen, um Malfoy nicht auf der Stelle in kleine Stücke zu reißen.

„Wie auch immer. Dumbledore hatte ausnahmsweise mal Unrecht. Wer hätte das gedacht." , plapperte Malfoy unbekümmert weiter. Er rückte seine Krawatte zurecht und zupfte penibel an seinem Umhang herum.

„Also, Potter. Wir sehen uns. Und lass den Kopf nicht hängen, es ist ja nicht so, als wärst du das erste Mal in eine so dämliche Situation geraten. Obwohl es dieses Mal die Schuld deines besten Freundes ist. Welch Ironie."

Und mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht, machte Malfoy kehrt und stolzierte erhobenen Hauptes davon. Harry blickte ihm stumm hinterher und ein Satz wollte ihm den restlichen Morgen einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen;

„Obwohl es dieses Mal die Schuld deines besten Freundes ist."