Disclaimer: Mir gehört nichts, alles JK Rowling und Warner Broth. Ich verdiene kein Geld oder beabsichtige, irgendwelche Copyrights zu verletzen.

a/n:Danke für eure lieben, tollen Reviews! WOW,hab mich echt gefreut!


IRLAND ÜBER ALLES

2. Kapitel

Die Quidditchhütte


Harry stapfte am nächsten Tag über die Wiesen, um den Schnatz zurück zu bringen, den er sich vor kurzem ausgeliehen hatte. Seine Schritte waren schnell, weil er seit der gestrigen Niederlage von einem unsäglichen Zorn erfüllt war. Das Gespräch mit Dumbledore hatte es nicht besser gemacht. Im Gegenteil.

Er sollte drei Stunden am Tag mit Malfoy aushalten! Auch wenn dieser ihm einige Gefallen erweisen musste, so hatte Harry keine Lust, Zeit mit diesem frechen Slytherin zu verbringen! Dumbledore war unfair! Seine Strafe, die Malfoy galt, betraf auf diese Weise auch ihn, Harry. Auch er wurde bestraft, obwohl er nichts getan hatte.

Die Welt war mal wieder so ungerecht und trotz Hermiones vernünftiger Worte am gestrigen Abend und während des heutigen Tages dachte Harry nicht im Traum daran, sich zu beruhigen. Sein Zorn schwelte innerlich und ließ sich nicht verdrängen. Seit dem fünften Schuljahr war er ohnehin leicht zu reizen.

Harry hatte die Quidditchhütte fast erreicht, als die Tür von innen schwungvoll geöffnet wurde. Jemand trat mit abgeschirmter Hand vor den Augen hinaus, um von der Frühlingssonne nicht geblendet zu werden. Blondes Haar schimmerte im Tageslicht.

Harrys freie Hand ballte sich automatisch zur Faust und er blieb ruckartig stehen. Nur wenige Meter trennten ihn von Malfoy.

„Was hast du gemacht?!", forderte er wutentbrannt von dem Slytherin zu wissen. „Die Quidditchbälle sabotiert?!" Nebenbei erkannte er, dass Draco ausnahmsweise alleine unterwegs war.

Draco nahm seine Hand herunter und blinzelte. Eine leichte Röte zierte seine sonst so blassen Wangen. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Potthead", schnarrte er gedehnt.

„Es geht mich sehr wohl etwas an, du Spinner!", gab Harry barsch zurück.

Draco schürzte die Lippen. Seine Hand wanderte zu seinem Zauberstab. „Tut es nicht. Und jetzt verpiss dich."

Harry schnaubte. „Ist die Quidditchhütte etwa in Slytherinbesitz übergegangen, oder was?"

Malfoy verengte die Augen. Sein Blick ruhte auf Harry. Die Feindseligkeit war nahezu greifbar und ließ die Atmosphäre gefährlich knistern.

„Noch nicht", antwortete der ungekrönte Eisprinz von Slytherin, „aber Reinblütler haben nun einmal mehr Rechte, als Halbblütler." Er sprach diese Worte in einem Tonfall aus, als sei diese Überzeugung die Selbstverständlichste der Welt. Da, wo er stand, versperrte er den Eingang der Quidditchhütte. „Und ich als Reinblut kann also mit gutem Recht verlangen, dass du dich von hier verpissen sollst."

Auch Harrys Hand legte sich auf seinen Zauberstab. In seinem Blick glomm es erzürnt auf. „Du hast sie ja nicht mehr alle, Malfoy!", zischte er. „Heb' dir deine hohlen Phrasen für deine angeblichen Freunde auf! Oder für den nächstbesten Nachfolger Voldemorts, dem du dann wieder hinterher laufen kannst! Und jetzt geh mir aus dem Weg!"

„Ich laufe niemandem hinterher", presste Malfoy gereizt hervor.

„Natürlich nicht", gab Harry spottbeißend zurück. „Du und deine Familie... ihr habt so was ja noch nie getan. Genauso wenig war dein Vater in Askaban, weil er Voldemort gedient hatte."

„Das konnte nie bewiesen werden."

Harry lachte auf. „Ich weiß, was ich gesehen habe, Frettchen!"

Malfoy trat einen Schritt auf Harry zu. „Niemand braucht einem verrückten Geisteskranken, wie dir, zu glauben, Potter", spie er aus.

Harry biss die Zähne zusammen. In seinem Blick loderte es auf. Obwohl er sich den ganzen Tag lang über Dumbledores Forderung, die unter anderem besagt hatte, dass sie sich weder prügeln noch duellieren sollten, geärgert hatte, dachte er keinen Augenblick mehr daran. Auch Malfoy schien sie verdrängt haben.

„Und davon abgesehen ist sowieso alles besser, als eine Mutter zu haben, die ein Schlammblut ist", fuhr Draco hämisch fort.

„HALT'S MAUL!", schrie Harry, der sich jedes Mal von Malfoy auf diese Weise provozieren ließ. Trotz aller guten Vorsätze.

„Deswegen konnte der Dunkle Lord sie auch so leicht erledigen", fuhr der Slytherin erbarmungslos fort. „Weil sie ein dreckiges Schlammblut war."

„ER WAR DOCH SELBST EINER!", brüllte Harry, nicht ganz korrekt, aber das war ihm zur Zeit völlig egal. Er zückte seinen Zauberstab.

Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Auch Malfoy zog seine Waffe, Harry sprach bereits einen Fluch, der Blonde tat es ebenfalls, und aus den Zauberstäben zuckten grelle Blitze hervor. Statt den jeweilig anderen zu treffen, kollidierten sie, blockten sich gegenseitig und wurden schräg durch die Luft weitergeleitet. Wie ein Blitz schlugen sie ineinander verworren in die Quidditchhütte ein.

Harry beobachtete es wie in Zeitlupe. Im selben Augenblick hörte er ein Aufkeuchen.

„WEG HIER!" Es war Draco, der brüllte und der sogleich auf Harry hechtete. Oder zumindest in seine Richtung, fort von der Quidditchhütte. Nur einen Moment später gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Eine Druckwelle erfasste Harry, riss ihm den Boden unter den Füßen weg und schleuderte ihn durch die Luft. Er landete hart auf den Boden, spürte Hitze und hustete vor lauter Rauch.

Er blinzelte, sah tanzende Sterne vor seinen Augen. Als es besser wurde, rappelte er sich umständlich auf. Er war unverletzt, bis auf ein paar wenige Schrammen und Prellungen. Er sah sich hastig nach Malfoy um, der sich soeben benommen aufrichtete, nur wenige Meter entfernt von ihm. Das Gesicht war leicht schwarz vor Ruß und eine blutige Schramme zierte seine Stirn. Harry würde kaum besser aussehen.

Erst dann starrte Harry zur Quidditchhütte. Oder auf das, was von ihr übrig war, denn ihre Überreste standen lichterloh in Flammen. Harry war entsetzt. Er rührte sich nicht. Sie hatten die Quidditchhütte in die Luft hochgehen lassen. Sie hatten...

Oh, verdammt.

Der Zorn, der nicht von Harry gewichen war, wurde zur Zeit von Schock und Frustration eingedämmt.

Das durfte doch alles nicht wahr sein.

„Spitze, Potter", drang Malfoys schleppende Stimme zu ihm. Er war nun aufgestanden. „Das ist alles deine Schuld."

Und da war er wieder. Der Zorn. So schnell konnte das gehen. Verärgert funkelte Harry seinen Erzrivalen an. „Meine Schuld? Das glaubst du ja wohl selber nicht!"

„Du hast mich angegriffen", sagte Malfoy. „Ich habe mich wehren müssen." Er schnalzte mit der Zunge, während er Harry mit einem hämischen Blick betrachtete. „Ich hoffe, Dumbledore wird endlich klar, dass du ein gewalttätiger Freak bist, und dich von der Schule schmeißen."

Harry glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. „Du hast doch mit den ganzen Beleidigungen angefangen! Glaub ja nicht, dass ich mir das gefallen lasse, Malfoy!" Drohenden Schrittes ging er auf den Slytherin zu, der sogleich seinen Zauberstab hob.

Harry blieb stehen.

Für einen kurzen Moment veränderte sich etwas an Malfoy. Harry konnte nur nicht erkennen, was es war.

„Wir könnten schnell abhauen", hörte er dann den Slytherin plötzlich sagen, die Stimme dieses Mal frei von Hohn. Sie klang beinahe schalkhaft. Aber wahrscheinlich bildete Harry sich das nur ein.

„Und das alles den Hufflepuffs in die Schuhe schieben", setzte Malfoy hinzu.

Harry starrte ihn an. Malfoy grinste verwegen und blickte zur Quidditchhütte.

„Das können wir nicht machen!", protestierte Harry dann. „Dumbledore würde uns mit einfachen Tricks auf die Schliche kommen."

Draco atmete aus. Der Hohn war wieder da, als er wieder zum Gryffindor schaute. „Dir, Potter", korrigierte er. „Dir würde er auf die Schliche kommen."

„DU MEINE GÜTE!", kreischte plötzlich jemand entsetzt.

Harry fuhr leicht zusammen. Dann fluchte er in Gedanken.

Madam Hooch kam angerauscht und war völlig außer sich. „DU MEINE GÜTE!"

„Das war Potter", klärte Malfoy die Hexe auf und wollte sich abwenden. Die Versuchung, es Harry und nicht den Hufflepuffs in die Schuhe zu schieben, war offensichtlich zu groß.

Harry riss ihn zurück, grob an der Schulter gepackt. „Das ist nicht wahr!", rief er. Sein Blick flackerte zu Hooch, die fassungslos vor der Quidditchhütte stand.

Dann wirbelte sie zu den beiden Jungen herum. „WAS IST PASSIERT? BEI MERLIN, SAGT SCHON!"

„Potter hat sich auf mich gestürzt", erklärte Malfoy anmaßend, der sich aus Harrys Griff losgerissen hatte, „und ich musste mich wehren. Potter hat gezaubert und der Fluch, der mich in der Luft hätte zerfetzen sollen, hat die Hütte getroffen."

Harry bebte vor Groll. „Niemand wird dir das glauben, Frettchen!"

Malfoy sah ihn hasserfüllt an. „Weil du Dumbledores strahlender Held bist, hm?"

„Nein! Weil du eine verlogene, hinterhältige Ratte bist!"

„RUHE!", mischte sich Hooch mit gellender Stimme ein. Sie hatte das Feuer inzwischen gelöscht. „ICH KANN MIR SCHON DENKEN, WAS PASSIERT IST! DAS WIRD EIN NACHSPIEL HABEN!" Sie stapfte auf Harry und Malfoy zu, packte beide an den Armen und zerrte sie mit. „Wir gehen zu Dumbledore."

--

Draco hätte durchdrehen können. Wieso, wieso nur verlief alles aus dem Ruder, wenn es mit Potter zu tun hatte?

Er war ein Slytherin, listig und tückisch, intelligent und gutaussehend noch dazu. Er besaß alle qualitativen Eigenschaften, die ein Slytherin haben musste, und doch... und doch geriet alles außer Kontrolle, wenn es auch nur ansatzweise mit Potter zusammenhing. Es war unglaublich. Es war erschütternd und frustrierend. Es war...

Draco unterbrach seine Gedanken. Sie standen mittlerweile in Dumbledores Büro. Hooch zeterte immer noch und der Schulleiter bedachte beide Schüler ruhigen, aufmerksamen Blickes.

Potter hatte dem Schulleiter die Wahrheit erzählt. Er hatte exakt das wiedergegeben, was sich zugetragen hatte. Draco hingegen weigerte sich schlichtweg, an dieser Anhörung aktiv teilzunehmen. Er zeigte reines Desinteresse, innerlich war er jedoch äußerst angespannt.

Dumbledore war gestern sehr deutlich gewesen, und der Vorfall war eine ebenso deutliche Missachtung seiner Forderung. Draco wusste, dass er schuldig war. Im Gegensatz zu gestern, wo er noch versucht hatte, alle Beschuldigungen von sich abzuwenden, versuchte er es heute mit würdevoller Ausdruckslosigkeit und stiller Rebellion.

Nur durfte er nicht von der Schule fliegen. Und an dieser Stelle fing das Dilemma an. Draco konnte es sich nicht leisten, Hogwarts verlassen zu müssen. Also war er angreifbar. Erpressbar. Letzten Endes würde er tun müssen, was Dumbledore verlangt hatte... und dieser Gedanke war so schrecklich, dass Draco ihn nicht weit genug ins Bewusstsein vordringen ließ. Verdrängung war schon immer einer seiner Stärken gewesen.

„Offensichtlich habe ich mich gestern nicht klar genug ausgedrückt", brach Dumbledore schließlich sein Schweigen. Hooch verstummte.

„Obwohl ich dachte, das ich das getan habe. Keine Prügeleien, keine Duelle, keine hasserfüllten Streitereien. Aber... ich werde Ihnen noch eine Chance geben. Eine einzige. Mr Malfoy, Sie werden, wie abgemacht, Harry helfen, wenn er Ihre Hilfe benötigt. Gefallen erweisen und so weiter. Natürlich darf er Sie nach wie vor nicht dabei öffentlich bloßstellen. Außerdem verbringen Sie beide von heute nach dem Unterricht zusätzliche vier Stunden zusammen. Vier Stunden Ihrer Freizeit natürlich. Da Sie denselben Stundenplan haben, werden Sie darüber hinaus alle Gemeinschaftsaufgaben, welche die Professoren als Hausaufgaben erteilen, zusammen lösen. Und Sie erinnern sich sicherlich noch an den Quidditchwettstreit, der im Sommer gegen Durmstrang und Beauxbatons

ausgetragen wird. Eigentlich sollte ja das Gewinnerteam aus unserer Schule antreten. Aber ich fordere nun, dass Sie zusammen ein ganz neues Quidditchteam aufstellen und dieses zusammen trainieren. Nicht nur Gryffindors und Slytherins sollen als Spieler aufgenommen werden, sondern auch Ravenclaws und Hufflepuffs."

Draco war vor Fassungslosigkeit nahezu gelähmt. Auch Potter schwieg, schien erstarrt.

Dumbledore erhob sich, freundlich lächelnd. Er hob seinen Zauberstab an und tippte nacheinander Draco und Potter auf die Brust. Dann murmelte er einen Zauberspruch und aus der Spitze formte sich ein grauer, kleiner Drache, der auf den Schreibtisch purzelte.

„Und dieser Drache hier wird mir verraten, ob Sie beide sich an meine Regeln haltet." „Wenn Sie sich prügeln, duellieren oder Ihr Streit vor Feindseligkeit durchtränkt ist, wenn Sie nicht mindestens vier Stunden eurer Zeit miteinander verbringen, wird er sich verfärben. Nur dann. Und verfärbt er sich auch nur ein einziges Mal... dann fliegen Sie alle beide. Ein Abbild davon wird bei Ihnen sein, so dass Sie sich selbst daran orientieren können, wann Sie zu weit gehen."

Dumbledore nickte beiden zu. „Das war's dann soweit. Meine Forderungen haben ab morgen Wirkung. Madam Hooch wird die Quidditchhütte wieder in Ordnung zaubern. Mit der Aufstellung eines neuen Qudditchteams rate ich überdies, sofort anzufangen. Ich und jeder anderer an dieser Schule erwarten natürlich, das Quidditchwettbewerb zu gewinnen. Sie können dann gehen. Schauen Sie bitte noch auf der Krankenstation vorbei."

Draco rührte sich nicht vom Fleck. Entsetzen lähmte ihn noch immer.

„Das können Sie nicht verlangen, Professor!", presste Potter ungläubig hervor. Er hatte seine Sprache wiedergefunden. „Das ist... das..."

„Möchtest du lieber von der Schule fliegen, Harry?", erkundigte sich Dumbledore freundlich.

Sie waren also auf du. Das war ja so was von klar, dachte Draco verächtlich. Die Fähigkeit, höhnisch zu denken, verlor er nie. Selbst in so schrecklichen Situationen, wie diese nicht.

Potter schüttelte den Kopf, doch in seinem Blick lag purer Trotz. „Ich finde nur, das es zu viel verlangt ist! Es war nur ein Unfall!"

„Ich kann diese gewalttätigen Streitereien nicht weiter verantworten, Harry, ich hoffe, du verstehst das. Und ich habe nicht die Absicht, weiter mit dir darüber zu diskutieren."

„Mein Vater wird eine Beschwerde einreichen", brach Draco nun sein Schweigen. Trotz seiner Fassungslosigkeit war seine Stimme von eisiger Kälte beherrscht.

„Das soll er ruhig tun", entgegnete Dumbledore amüsiert. „Es wird nicht helfen. Sie und Harry haben eine Explosion zu verantworten. Nicht nur Sie, sondern auch andere hätten in Gefahr sein können."

Draco presste die Lippen zusammen. Er loderte innerlich vor Hass und Wut. Für einen Moment erwog er, einen Zerstörungsfluch auf diesen dämlichen Drachen abzufeuern. Er unterließ es.

Sein Vater würde bestimmt einen Weg finden! Erpressung und Korruption waren die Tricks, um alles zu bekommen, was man wollte! Oder um etwas zu verhindern! „Fein", schnarrte sie, „wenn Sie sich dessen so sicher sind."

Er drehte sich um. Es machte keinen Sinn, Dumbledore davon zu überzeugen, dass seine Strafe zu weit gingen, einer Folter gleichkamen, also würde er sogleich seinem Vater einen Brief schreiben, um all das, was ihm bevorzustehen drohte, abwehren. Niemals würde er seine Freizeit mit Potter verbringen, ohne ihn fertig zu machen. Niemals würde er mit ihm auch noch die Hausaufgaben zusammen machen. Und – und das war das Schlimmste – niemals würde er mit ihm zusammen ein Quidditchteam aufstellen und trainieren, das Hogwarts vertreten sollte!

All diese Forderungen widersprachen darüber hinaus dem Ehrenkodex, den Salazar Slytherin für sein Haus aufgestellt hatte. All diese Forderungen widersprachen Dracos Prinzipien. Er hatte zwar nicht viele, aber die wenigen, die er hatte, hingen allesamt mit Gryffindor zusammen. All diese Forderungen gingen gegen seine Ehre und gegen seine Würde. Als Slytherin, als Reinblut, als Malfoy.

Draco verließ das Büro und stürmte die Treppen hinunter. Potter folgte ihm kurze Zeit später. Im Korridor angekommen warf Draco Potter einen erzürnten Blick zu.

Dieser sah ebenso aufgebracht zurück. „Ich hoffe, dass das nur ein beschissener Albtraum ist und ich gleich wieder aufwache!"

Das Abbild des kleinen, grauen Drachen schwebte in der Nähe in der Luft.

Draco schnalze mit der Zunge. „Das wird leider nicht geschehen. Aber ich habe eine bessere Idee. Stürz dich vom Astronomieturm herunter. Dann sind wir alle unsere Probleme los."

Der Drache sah Draco äußerst missfällig an, verfärbte sich aber nicht. Und Potter sah so aus, als ob er sich jeden Augenblick auf Draco stürzen würde. Die Wangen waren erhitzt, die Hände zu Fäuste geballt, die smaragdgrünen Augen funkelten vor Wut. „Und wieso stürzt du dich nicht in die Tiefe?!"

Draco lachte. „Das ist doch klar. Die Welt würde meinen Verlust niemals verkraften. Deinen aber schon."

„Sehr witzig", knurrte Potter. Er bebte nahezu vor Groll.

Und doch würde der Gryffindor keine Prügelei anzetteln, das wusste Draco. Genauso wenig würde er selbst es tun können. Dracos Miene verdüsterte sich. Sein Hohn verlor sich irgendwo in dieser dunklen Frustration, die in ihm aufkam. Es war wirklich zum Verzweifeln. Er musste sofort seinem Vater schreiben.

„Das war mein voller Ernst", sagte er noch zu Potter, nur um das letzte Wort zu haben und wandte sich ab. Er eilte zu den Slytherinkerkern. Er durfte keine Zeit verlieren. Ab morgen würde die Strafe nun beginnen. Und er konnte sie nicht antreten. Das ging einfach nicht. Deswegen musste sein Vater so schnell wie möglich handeln.

Im Gemeinschaftsraum der Slytherins angekommen, stob Draco sofort in sein Schlafgemach, das er mit Blaise teilte. Blaise lag auf seinem Bett und blätterte in einer Quidditchzeitschrift.

„Hahahaha, wie siehst du denn aus?", prustete er los, als er Draco sah.

Dieser blieb abrupt stehen. Er hatte völlig vergessen, wie er nach der Explosion aussehen musste. Und das war wirklich ein starkes Stück, wo er doch immer darauf achtete, perfekt auszusehen. Er fluchte und verschwand im Bad. Kurze Zeit später kam er wieder raus, der Normalzustand war wiederhergestellt. Zumindest in punkto Aussehen. Bei Pomfrey war er noch nicht gewesen, das würde er nachholen, sobald er den Brief abgeschickt hatte.

„Die Quidditchhütte ist explodiert", informierte Draco Blaise, setzte sich an den Schreibtisch und fing an, den Brief zu schreiben.

„Was?! Wie das?" Blaise richtete sich auf. „Hattest du Stress mit Potter? Scheiße, Alter, fliegst du jetzt von der Schule?"

„Wie kommst du darauf, dass ich Stress mit Potter hatte?", fragte Draco gereizt.

„Weil du immer Stress mit ihm hast", grinste Blaise.

Draco schnaubte. In kurzen Sätzen erklärte er seinem Vater, was passiert war. Blaise schlenderte herbei und las über seiner Schulter den Brief und brach in schallendes Gelächter aus.

„Hahahahaha... das ist zu heavy!"

„Halt die Klappe, Blaise", knurrte Draco. Zum Schluss fragte er seinen Vater, ob er das nicht irgendwie verhindern könnte. Er musste es verhindern! Dann band er den zusammen gerollten Brief an dem Fuß seines pechschwarzen Raben, verließ die Slytherinräume und ging hinauf, um den Raben loszuschicken. „Beeil dich", sagte er.

Blaise war ihm gefolgt. „Dein Vater wird nichts tun können. Das ist aussichtslos. Freunde dich besser damit an."

„Es ist nicht aussichtslos!", zischte Draco. „Ich werde nie im Leben Zeit mit Potter zu verbringen, ohne ihn dabei fertig machen zu können!"

„Tja, aber du solltest dich an den Gedanken gewöhnen. Und an das Aufstellen und Trainieren eines Quidditchteams. Und Potter Gefallen zu erweisen." Blaise lachte wieder und Draco boxte ihm unsanft in die Rippen.

„Halt deine Klappe, Blaise. Halt einfach deine Klappe!" Sonst drehte er wirklich noch durch.

Blaise hielt zwar seine Klappe, aber Draco glaubte am nächsten Morgen dennoch den Verstand zu verlieren. Die Antwort seines Vaters war eindeutig. Draco sei nun alt genug, um sich selbst aus gewissen, scheinbar auswegslosen Situationen hinauszumanövrieren. Er solle die Strafe Dumbledores als einen Test ansehen, mithilfe von List und Tücke, die jedem Malfoy von Geburt an zu eigen war, zu umgehen oder abzumildern. Außerdem stünde im Ehrenkodex für Slytherins, dassein jedes Mitglied des Hauses in der Lage sein muss, mit Durchtriebenheit und Betrug aus Unmöglichem Mögliches zu machen. Es sei an der Zeit, dass Draco dies endlich lerne.

Wenn du allerdings rausfliegst, enterbe ich dich, stand als Abschluss, und Draco war entsetzt.

Kurzum: Lucius Malfoy lehnte es ab, seinem Sohn zu helfen. Draco war auf sich allein gestellt und musste von allein zusehen, wie er aus diesem Schlamassel wieder herauskam. Scheiterte er, war er enterbt.

Draco, zunächst fassungslos, als er den Brief gelesen hatte, brodelte schließlich vor Wut.

Blaise lachte und lachte und konnte sich gar nicht mehr einkriegen. Er kündigte an, mit anderen Wetten darüber abzuschließen, wer eher ausrasten würde – Draco oder Harry.

Draco schmiss ihn aus dem Schlafraum, nachdem er einen Fluch auf Blaise gehetzt hatte, der diesem aber flink ausgewichen und aus dem Zimmer geflohen war – mit schallendem Gelächter.

Draco sah finster auf die geschlossene Tür und war drauf und dran, den ganzen Slytherinkerker in die Luft hochgehen zu lassen. Aber natürlich ermahnte er sich zur Ruhe. Zu eisiger Ruhe. Er war ein Slytherin. Ein Malfoy. Er wurde mit dieser Situation fertig.

Umgehend ließ er sich krank melden, um den Vormittag damit zu verbringen, sämtliche Strategien auf den Plan zu bringen und taktische Überlegungen anzustellen. Er machte Brainstorming, schrieb seine Ideen sogar auf und versuchte mit entsprechenden Skizzen einen Art Schlachtplan aufzustellen, mit dem er Dumbledores Strafe entgehen konnte.

Aber jedes Mal landete er in einer Sackgasse. Was auch immer er sich ausdachte, es führte zu dem angedrohten Schulrauswurf. Und das führte wiederum zur Enterbung.

Draco saß auf seinem Bett, die Hände zu Fäuste geballt. Frustriert sah er auf seinen aufgestellten Schlachtplan, der ihm nicht weiterhalf. Das Haar klebte ihm schweißnass auf der Stirn.

Möge doch jemand diese Welt verdammen...