Deep Abyss – Anxieties
Gelangweilt ließ Hermine ihren Blick über das Schwarze Brett der Londoner Zauberuniversität schweifen und verglich den dranhängenden Stundenplan mit ihrem.
Wieder hatte ein neues Semester begonnen, mit viel Lernerei für die, in ein paar Jahren, anstehende Abschlussprüfung. So sehr sich Hermine auch darauf freute, war ihre Laune doch im Keller. Denn seit ein paar Monaten wollte ihr einfach überhaupt nichts mehr gelingen. Wie sollte es dann mit der Lernerei klappen? Plötzlich erklang eine fröhliche Stimme, die ihren Namen rief, und Hermine erschrocken zusammenzucken ließ. Langsam drehte sie sich um und sofort wurde sie von ihrer besten Freundin Ann Smith stürmisch umarmt.
„Hermine!", kicherte Ann glücklich und ließ diese dann wieder los. „Du wirst nicht erraten was mir passiert ist!"
Hermine wollte schon „Was denn?" fragen, doch Ann war wieder mal voller Eifer bei der Sache und ließ ihr keine Zeit auch nur ihre Frage zu beginnen.
Während die beiden durch die Gänge der Zauberuniversität – zu ihrer nächsten Vorlesung im Saal 5 – schritten, erzählte sie lebhaft von ihrer Begegnung mit einem der süßesten Typen der Welt, zumindest war er das in Anns Augen.
„... und dann... weißt du ich war hin und weg! Diese braunen Augen. Dieses Lächeln... und erst sein Körper! Mensch, du hättest ihn sehen müssen..." Anns Grinsen wurde mit einem Wort zum anderen breiter. Zu Hermines größten Überraschung aber, blieb sie auf einmal wie vom Donner gerührt stehen und sah sie mit geweiteten Augen an, ganz so als wäre ihr gerade ein Geistesblitz gekommen – dem auch so war. „Mensch bin ich blöd! Ich stell dich ihm vor! Er studiert ja auch hier!"
Sofort war Ann Feuer und Flamme, packte Hermine am Ärmel und zerrte sie in eine ganz andere Richtung, die definitiv nicht zum Saal 5 führte. Hermine protestierte nicht groß dagegen. Ann schaffte es immer sie durch ihre lebhafte Art auf andere Gedanken zu bringen. Sie war eigentlich einer der ersten Menschen, dem sie sich wirklich öffnen konnte und entdeckte durch ihre Freundschaft zu ihr, auch Seiten an sich, von denen sie selbst nicht geglaubt hatte, dass es sie überhaupt gab. Trotzdem, obwohl sich Hermine für Ann freute, wurde ein kleiner Teil in ihr ziemlich wehmütig, über das Glück ihrer Freundin. Gerne hätte sie es auch besessen.
„Anthony!", rief Ann plötzlich und winkte einem großen Jungen mit braunem kurzem Haar zu, der sich verwundert in die Richtung aus der er gerufen wurde, umgedreht hatte. Der Junge wechselte kurz ein paar Worte mit seinen Freunden und kam dann auf die beiden zu. Als Hermine sein Gedicht von nahem sah, erstarrte sie jedoch. Am liebsten wäre sie jetzt an irgendeinem anderem Ort gewesen, nur nicht hier. Aber zum Fliehen war es bereits zu spät, denn er hatte sie bereits gesehen und lächelte ihnen fröhlich entgegen. Innerlich war Hermine etwas verärgert über sich selbst, wie hatte sie dies nur vergessen können! Immerhin war es schon schlimm genug, dass er sie unter einem ganz anderen Namen kannte!
Anthony Miller, der Sohn von Marcus und Dorothea Miller, dem sie in Malfoy Manor begegnet war, kam auf die Beiden zu. Ausgerechnet er ist Anns neue Entdeckung!
„Ann!", freute er sich. Sofort darauf, trafen seine Augen den Blick von Hermine. Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde noch größer. „Helene!"
Prompt sah Ann Anthony mit einem verdutzen Blick an. „Wie hast du sie eben genannt?", fragte sie verwirrt, „Sie heißt nicht Helene, sondern Hermine."
Misstrauisch und ebenfalls verwundert zog er seine Braune nach oben.
„Ich... ich glaube ich muss jetzt gehen. Die Vorlesung. Ann, schon vergessen?", fiel Hermine ihm ins Wort – noch ehe er etwas erwidern konnte – und drehte sich um, doch Ann schaffte es, sie am Ärmel ihrer Bluse festzuhalten. „Die Vorlesung ist jetzt egal."
Hermine schluckte und wandte sich mit einem komischen Gefühl in der Magengegend, wieder zu den beiden um. Der Ausdruck vollkommener Ratlosigkeit lag auf ihren Gesichter, jeder von ihnen starrte Hermine an – sie warteten auf eine Antwort, die die Situation aufklären würde. Von Hermines Seite aber kam nichts, denn sie war viel zu sehr damit beschäftigt zu überlegen, ob sie den beiden die Wahrheit sagen konnte.
Ann vielleicht... doch (Hermines Magen drehte sich plötzlich um), Anthony war doch ein Todesser?
„Also", meinte Ann, nachdem ihr die Stille zuviel wurde, „was ist hier los? Wieso kennt ihr euch... und wieso..." Sie sah Anthony an. „nennst du Hermine Helene?"
Panik stieg in Hermine auf. Anns Frage interessierte sie im Augenblick überhaupt nicht, viel mehr beschäftigte Anthony sie. Todesser? Ist er wirklich einer? War er vor drei Monaten bei dem großen Kampf dabei? Wenn ja, wieso ist er dann nicht in Askaban? Immerhin hatten sie Voldemort ja besiegt! Erst jetzt fiel Hermine wieder ein, dass die meisten Todesser ja noch auf freiem Fuß waren und das das Ministerium und die Auroren sich auf der Jagd nach ihnen befanden.
Doch... wenn er wirklich ein Todesser war, dann musste er jetzt ziemlich wütend auf Hermine sein. Gleich nach Voldemorts Sturz, war das, was in dieser Nacht geschehen war, durch alle Zeitungen gegangen und nun wusste jeder, wer wirklich dafür verantwortlich gewesen war, dass Du-weißt-schon-wer besiegt worden war. Der Rummel um Hermine war zwar nicht so groß gewesen, wie der um Harry (Zitat des Tagespropheten: Der Junge der überlebte schaffte es endlich den Dunklen Lord zu besiegen!), trotzdem aber wussten nun die meisten Zauberer und Hexen wer ihnen gegenüber stand.
„Aber sie heißt doch Helene!"
„Nein, ganz bestimmt nicht." Erwiderte Ann verärgert und sah erwartungsvoll zu Hermine, die anscheinend überhaupt nicht mehr anwesend zu sein schien. „Hermine?", fragte sie und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht auf und ab. Erschrocken zuckte Hermine zusammen und kam wieder in die Wirklichkeit zurück, indem sie überrascht ihren Blick von Ann zu Anthony und wieder zurück schweifen ließ.
„Mensch, ich habe dich eben gefragt woher ihr euch kennt und wieso er dich Helene nennt!"
„Na ja", begann sie zögerlich, „wir haben uns bei den Malfoys kennen gelernt."
„Die Malfoys? Hermine ich dachte du hasst diese Familie!"
„Hassen?", wiederholte Anthony nun, „Aber sie ist doch mit Draco zusammen! Also, irgendwie... was ist denn jetzt hier los?"
Der Name „Draco" traf Hermine wie ein Schlag ins Gesicht. Es schmerzte ziemlich daran erinnert zu werden... denn plötzlich keimten die Bilder in ihrem Inneren wieder auf, als wäre es erst gestern gewesen.
Zögernd stand Hermine vor der Tür. Ihre Hände waren feucht vor Nervosität und Aufregung. Schnell wischte sie diese an ihrem schwarzen Rock ab. Obwohl sie schon so oft mit ihm gesprochen hatte, kam es ihr vor, als wäre dies das aller erste Mal. Irgendwie war sie unglaublich ängstlich. Seit dem sie wieder zurückwaren hatte er sich die ganze Zeit so komisch benommen und ging ihr ständig aus dem Weg. Es tat ihr mehr weh, als sie es zugeben würde. Schon die ganze Zeit stellte sie sich die Frage was wohl mit ihm los sei. Wenn sie jetzt da reingehen würde, würde er sie dann etwa anschreien? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Oder war es einfach wieder mal so eine Laune von ihm?
Hermine, cool sein!, ermutigte sie sich und schließlich schaffte sie es wirklich mit der Hand sachte gegen die Tür zu klopfen.
Keine Antwort von drinnen und auch sonst keine Reaktion. Vielleicht ist er gerade nicht da..., dachte sich Hermine.
Auf einmal fiel ihr aber auf, dass sich die Tür einen kleinen Spalt breit geöffnet hatte. Ein komisches Gefühl breitete sich in ihr aus, das sie jedoch nicht richtig deuten konnte. Dann aber, fasste sie sich ein Herz und öffnete die Tür.
Fassungslos stand Hermine an der Schwelle und starrte auf die kahlen Wände, das abgezogene Bett und das vollkommen ausgestorbene Zimmer. Es kam ihr vor wie ein Traum. Ein Alptraum. Von einer Sekunde auf die andere, beschleunigte sich ihr Herzschlag auf das Doppelte. Sie schaffte es sich aus ihrer Erstarrung zu lösen und rannte. Rannte die Treppen hinab, durch die Zimmer und Gänge als sie plötzlich mit Harry zusammenstieß, der sie noch rechtzeitig am Handgelenk festhalten konnte – bevor sie schmerzvoll auf den Boden gelandet wäre.
„Hey, was ist denn mit dir los?", fragte er mit einem kleinen, verwundertem Lächeln auf dem Gesicht.
Dieses Lächeln erstarb jedoch sofort, als er ihren verstörten Gesichtsaudruck bemerkte. In diesem Augenblick begriff Hermine auch, das Harry davon wusste und das ihre Ahnung sich bestätigte.
„Nein...", wimmerte Hermine. Tränen bildeten sich in ihren Augen.
„Ich konnte ihn nicht aufhalten.", erklärte Harry bedauernd, „Er... er wollte nicht bleiben und hat gesagt, das ihn hier nichts... nichts mehr hält."
Hermine schaffte es nicht die Tränen zurückzuhalten, all ihre Mühen waren vergebens. Sie ließ sich in Harrys Arm fallen, der langsam seine Arme um sie schloss. Tränen rannten ihre Wangen hinab, perlten ab und bedeckten schließlich sein schwarzes T-Shirt. Vollkommene Mutlosigkeit und Leere hatte sie überkommen.
Schnell verbannte Hermine diesen Augenblick wieder aus ihren Gedanken. Alleine daran zu denken, tat weh.
„Jetzt haltet mal die Luft an, ich kann alles erklären.", fiel sie in den Fragefluss der beiden ein.
Ob sie das wirklich konnte, dessen war sie sich nicht ganz sicher. Sie hatte gewusst, dass es schwer werden würde, sobald sie Anthony Miller irgendwann begegnen sollte, doch anscheinend hatte sie die Lage etwas unterschätzt. Wenn man es aber besser ausdrücken wollte, hatte Hermine Anthony schon fast vergessen gehabt.
Erwartung und Neugierde lagen nun in Anns und Anthonys Blicken.
„Also... die Kurzfassung. Anthony, mein wirklicher Name ist Hermine Granger, ich hasse die Malfoys wirklich... zumindest war das noch bis vor kurzem so. Na ja, eigentlich hass' ich ja nur Dracos Vater, ihn natürlich nicht... und seine Mutter, die kenne ich ja überhaupt nicht richtig, sie scheint aber ziemlich nett zu sein. Allerdings irgendwie, ich weiß nicht genau ob ich Draco jetzt auch hasse oder doch nicht. Es heißt ja immer Liebe und Hass liegen nahe bei..."
„Hermine!", mahnte Ann und fiel ihrer Freundin damit ins Wort. „Geht's mal weiter?
„Oh... ja natürlich. Also, wo waren wir? Ach ja richtig. Am besten erkläre ich euch, wieso ich mich als Helene Tough ausgegeben habe." Hermine seufzte, überlegte fieberhaft ob es wirklich klug von ihr war jetzt die Wahrheit zu erzählen. Vielleicht sollte sie doch lügen? Immerhin bestand ja wirklich noch die Möglichkeit das Anthony zu den Todessern gehörte, denn obwohl Voldemort schon längst besiegt worden war, jagten die Auroren noch immer welche, die sich auf der Flucht befanden, oder Anschläge im Namen Voldemorts verübten.
Wahrheit oder Lüge? Beides hatte seine Reize, denn eigentlich konnte Hermine ziemlich schlecht lügen und die beste Freundin zu belügen, war immer so eine Sache für sich. Allerdings, was würde es denn für Folgen für sie haben, wenn sie die Wahrheit erzählte? Anthony wusste doch bestimmt schon längst, was sich damals ereignet hatte, sicherlich war er auch in dieser Nacht dabei gewesen und es war ihm gerade noch die Flucht gelungen bevor das Ministerium auftauchte. Eigentlich war es auch totaler Quatsch, dass man sich darüber den Kopf zerbrechen sollte. Also: Wahrheit!
„Es war ein Auftrag für den Orden.", antwortete Hermine schnell. „Ich sollte mich bei den Malfoys unter einem falschen Namen einschleichen, um die Todesserzeremonie von Draco zu verhindern. Ich hatte aber keine Ahnung davon, dass er ein doppeltes Spiel trieb. In Wirklichkeit sollte es alles nur eine Falle für Harry sein. Ich bin seine beste Freundin, er würde jederzeit kommen, um mich zu retten, deswegen wollten die Malfoys vorgeben, sie hätten mich in ihrer Gewalt. Doch von dieser Falle habe ich erst viel später etwas mitbekommen. Zu dem Zeitpunkt war schon alles zu spät, jedenfalls für mich. Ich dumme Kuh, hatte mich nämlich schon unsterblich in Draco verliebt, auch wenn ich es eigentlich nicht wollte. Dagegen war ich machtlos. Als ich von allem erfahren habe, wurde ich von Lucius Malfoy eingesperrt. Harry ist gekommen und sie haben ihn zu Voldemort gebracht. Schließlich ist das alles passiert, was in der Zeitung überall zu lesen ist."
Ein ziemlich kurze Fassung der Geschehnisse von vor ein paar Monaten, das wusste Hermine, doch auf diese ausführliche Geschichte, hatte sie nicht im geringsten Lust.
„Wie... ", reagierte Ann mit ungläubiger Stimme auf ihre Erzählung, „Aber... davon hast du mir ja überhaupt nichts erzählt!"
„Tut mir Leid Ann", erwiderte sie schuldbewusst, „doch ich hatte nicht sonderliche Lust darüber zu reden."
„Und... Draco... er hat dich also nur benutzt?", fragte Anthony dann und Hermine meinte einen gewissen Unterton in seiner Stimme wahrzunehmen. Versuchte er etwa den Ahnungslosen zu spielen? Wenn er wirklich ein Todesser war, dann musste er eigentlich von allem wissen.
„Jaah...", antwortete sie zögernd, setzte jedoch sogleich einen grimmigen Blick auf, „Voldemort hatte ihn erpresst. Entweder er tat, was ihm aufgetragen wurde ,oder er hätte sterben müssen."
„Aber dieser Malfoy war doch auch bei der Vernichtung Voldemorts dabei."
„Ja, schließlich hat er sich doch für unsere Seite entschieden."
„Und was ist dann passiert? Du hast gesagt, du hättest dich in ihn verliebt. Wo ist er jetzt? Seit ihr etwa zusammen gekommen? Wenn ja, dann muss ich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht von dir bin, du hast nämlich kein einziges Wort davon erwähnt."
Ein mattes Lächeln legte sich über Hermines Lippen. „Keine Sorge, diese Enttäuschung kannst du vergessen. Ich weiß nicht, was das zwischen uns war. Irgendwie vielleicht ein ewiges hin und her. Auf jeden Fall ist er am Morgen nach der großen Schlacht gleich verschwunden und seit dem habe ich ihn nie wieder gesehen. Vielleicht ist das auch besser so."
„Ach... dann war das eine einseitige Liebe ohne Happy End, oder?" Mitleidig legte Ann den Arm um Hermines Schulter. „Aber inzwischen bist du doch schon über ihn weg, oder?"
Entschlossen nickte Hermine. Sie wollte nicht erzählen, was alles zwischen Draco und ihr geschehen war und auch nicht davon berichten, das – egal was sie versuchte – er wahrscheinlich nie ganz aus ihrem Herzen verschwinden würde. Die Folge dessen wäre nur, dass Ann sich lautstark über „diesen Typen Malfoy" aufregen würde und Hermine damit nur noch häufiger in Gedanken bei ihm war, was so schon oft genug der Fall war.
Stattdessen versuchte sie endlich dieses lästige Gespräch in eine andere Richtung zu lenken und zwar mit einem Blick auf die Uhr. Erschrocken musste Hermine feststellen, das schon die erste halbe Stunde ihrer Vorlesung Alte Schriftzeichen verflogen war.
Ein bisschen zu spät kommen war ja in ihren Augen okay – sie hatte es inzwischen geschafft diese Dinge nicht mehr ganz so eng zu sehen – doch eine halbe Stunde oder gleich ganz wegbleiben, war vollkommen inakzeptabel.
„Ann, wir müssen jetzt aber wirklich zur Vorlesung!", mahnte Hermine.
„Okay...", seufzte Ann, „... also, das „Vorlesungen schwänzen" muss ich dir echt noch beibringen."
Hermine lachte. „Das kannst du lange versuchen."
Schnell verabschiedeten sich Hermine und Ann noch von Anthony, der gespannt ihr Gespräch belauscht hatte, und gingen dann unter großer Hektik von Hermines Seite aus – sehr zum Missfallen von Ann, die Anthony nur noch kurz lächelnd zuzwinkerte – in die Vorlesung.
Kalt und schmutzig waren die Wände. Draco überrannten Schauer, als er die Männer und Frauen hinter den Gitterstäben sah, während er durch den langen dunklen Gang ging. Viele von ihnen sahen überhaupt nicht mehr so aus, als wären sie bei klarem Verstand. Einige führten hitzige Selbstgespräche oder schienen sich mit ihren Finger zu unterhalten, die die ungewöhnlichsten Dinge taten. Wieder andere schrieen wie am Spieß. Vor lauter Schmerz und aus Verzweiflung. Es gab nur wenige, die wirklich den Eindruck erweckten, das sie noch alle Sinne beisammen hatten. Man konnte überhaupt nicht glauben, dass er sich hier in Askaban befand. Ja, jeder hatte Angst vor Askaban und jeder wusste, dass dieses Zaubergefängnis schrecklich war. Doch eigentlich war es das immer wegen der Dementoren gewesen, die einem jegliches Glücksgefühl aussaugten. Die Riesen, die nun Askaban bewachten, waren trotz ihrer obszönen Gestalt und der unglaublichen Größe, nicht einmal annähern so angsteinflössend. Askaban machte eher den Anschein eines Irrenhauses.
Plötzlich sah er hinter den Gitterstäben die Person, die er besuchen wollte. Seinen Vater! Noch nie hatte er ihn so gesehen. Lucius Malfoys langes, blondes Haar, das er sonst immer so sorgfältig gepflegt hatte, war unglaublich schmutzig und fettig. Seine Gesichtsausdrücke wirken fahl, müde und man hätte fast meinen können, dass er innerhalb von drei Monaten um fast zehn Jahre gealtert war. Wann ihm zuletzt eine Rasur gewährt wurde – und ob überhaupt – konnte man nicht erkennen, denn durch den leichten, hellen Bart in seinem Gesicht, sah er nur noch heruntergekommener aus. Die Kleidung die er trug entsprach ganz und gar nicht der eines Malfoy. Wertvolle Zauberroben und sündhaft teure Umhänge, waren gegen dreckige und zerrissene Lumpen eingetauscht worden.
Wie ein paar der wenigen Gefangenen, war Lucius noch bei vollkommen klarem Verstand. Eisige Kälte und purer Hass stand in seinen Augen, als er Draco erkannte.
„Scheer dich zum Teufel!", ächzte er mit rauer, leiser Stimme, was wohl ein Versuch war zu schreien. Doch er hatte sie anscheinend schon lange nicht mehr gebraucht. „Was willst du hier, Verräter."
Draco sagte für ein paar Sekunden lange nichts, sondern starrte weiter die bemitleidenswerte Gestalt seines Vaters an. Er war nicht entsetzt über seinen Anblick, viel mehr spürte er eine gewisse Art von Triumph. „Gefällt es dir?", fragte Draco, „Gefällt es dir im Dreck zu liegen, während dieses Mal andere auf dich herabschauen?"
Die Kälte in Lucius Augen wurde noch kälter. Es war schon fast, als würden seine Augen zu Eis erstarren. „Was wird das? Jetzt antworte schon, wieso bist du hier? Ist es dir bei deiner Schlammblutfreundin etwa zu langweilig geworden? Also ich frage mich wirklich, wer von uns beiden im Dreck liegt, schließlich wälze ich mich nicht mit Dreck auf dem Boden rum."
Draco ballte seine Hände zu Fäusten. Es viel ihm schwer, nicht gleich auf seinen Vater loszugehen und er war wirklich dankbar, dass diese Gitterstäbe zwischen ihnen waren, sonst hätte er für nichts garantieren können.
„Sie ist kein Dreck und was ich tue geht dich überhaupt nichts an."
„Es interessiert mich auch nicht das geringste."
Stille kehrte ein. Stille in der sich die Beiden nur herausfordernd entgegenblickten.
„Sag mir wieso.", murmelte Draco dann.
Überrascht hob Lucius die Braune. „Wieso was?", herrschte er fragend.
„Wieso hast du dich Voldemort anschließen müssen? Wieso hast du einen Meister gebraucht, der über dich richtet? Wieso hast du Mutter nie wirklich gezeigt, wie sehr du sie liebst? Bestreite es nicht, ich weiß, dass sie dir alles bedeutet! Wieso... wieso hasst du mich so sehr, obwohl ich dein Sohn bin? Wieso hast du mich nie geliebt? Wieso warst du für mich immer wie ein bestimmender Vater, aber nie wie ein richtig liebevoller Dad?"
„Weil ich ein Malfoy bin.", antwortete er kalt. Dracos Worte berührten ihn nicht im geringsten. „Malfoys zeigen und haben keine Gefühle. Sie brauchen auch niemanden der ihnen Gefühle zeigt. Verstanden? Außerdem hasse ich dich deswegen, weil du es bist, der mein ganzes Leben zerstört hat. Nie hatte ich mir einen Sohn gewünscht, der so war wie du und alles anders gemacht hat, als es mein Wunsch war. Ich konnte dich einfach nicht lieben, denn dich kann keiner wirklich lieben. Niemals warst du ein Sohn für mich, sondern einfach nur der einzige Nachkomme des Namen Malfoys. Derjenige, der wahrscheinlich den ganzen Namen in den Dreck ziehen würde, was schließlich auch der Fall war."
Entsetzt und mit vollkommener Unverständnis sah Draco ihn an. Erst nach ein paar Sekunden schaffte er es, sich aus seiner Trance zu lösen.
„Verreck in diesem Drecksloch.", versuchte Draco mit ruhiger, kühler Stimme zu sagen, doch er merkte das sie zitterte.
Mit diesen Worten wandte er sich von seinem Vater ab und ging den langen Gang aus Askaban wieder zurück.
„Also... jetzt muss ich dir unbedingt erzählen, wie ich Anthony über den Weg gelaufen bin!", meinte Ann eifrig und rührte wild in ihrem Tee, den sie zuvor bestellt hatte.
Sie und Hermine saßen in dem Café „Mayo", das ganz in der Nähe der Uni lag – Hermine arbeitete selbst nebenbei dort als Kellnerin und jetzt hatte sie gerade frei. Nach ihren Vorlesungen war dies immer der richtige Ort, um sich zu entspannen. Doch leider wurde das „Mayo" von Muggeln betrieben und die meisten Gäste waren Muggel, so waren Themen wie „Zauberei" tabu.
„Stimmt, davon hast du überhaupt noch nichts erzählt.", bejahte Hermine. Sie nippte vorsichtig an ihrem Cappuccino und nahm dann einen kleinen Schluck, nachdem sie festgestellt hatte, dass keine Verbrennungsgefahr mehr bestand. „Du warst viel zu sehr damit beschäftigt von seinen Augen zu schwärmen. Wie bist du denn von der Treppe gefallen?"
Ann seufzte und machte einen schmerzhaften Gesichtsausdruck, den sie sogleich auch begründete: „Das war mal wieder was. Der erste Teil bis zu seiner Rettungsaktion war nicht so angenehm. Also, ich musste – sehr zu meinem Leidwesen – Professor Brinks helfen, diese blöden Kisten in den Biomagischen Saal zu bringen und das nur, weil ich als letztes aus der Vorlesung gegangen bin. Auf jeden Fall ist der dann verduftet und so musste ich mich alleine damit abrackern. Ich sage dir, einer so zarten jungen Frau wie ich es bin, sollte man keine staubigen schweren Kisten in die Hand drücken und sich dann einfach aus dem Staub machen. Dann bin ich Dean Thomas über den Weg gelaufen, du weißt doch dieser Typ der mit dir in Hogwarts war. Da kam es mir gerade recht, dass er sich angeblich unsterblich in mich verliebt hatte. Er hat mir nämlich nur zu gerne geholfen. Jedoch hat Dean unterwegs so viel gelabert, dass ich fast im Dreieck gesprungen bin. Schließlich bin ich plötzlich wie angewurzelt stehen geblieben und wollte ihm schon sagen, dass er endlich seine Klappe halten sollte, da hatte ich auch schon irgendwie das Gleichgewicht verloren und flog mitsamt den Kisten die Treppe hinunter. An diesen kleinen unfreiwilligen Flug kann ich mich nicht mehr genau erinnern, ich weiß nur noch, als ich die Augen geöffnet habe, dass ich direkt in Anthonys Gesicht sah. Oh... dieses Lächeln, das werde ich nie vergessen..."
„Wieso hast du nicht einfach Magie benutzt um diese Kisten zu tragen?", wollte Hermine nüchtern wissen, „Dann wärst du nie von der Treppe gefallen."
Sofort sah Ann Hermine mit gefährlich funkelnden Augen an. „Dann hätte ich Anthony ja nie kennen gelernt."
„Ach ja! Natürlich, Ann macht sich immer das Leben schwer, damit ihr vielleicht irgendwann jemand zu Hilfe eilt."
„Stimmt.", nickte Ann. „Aber ehrlich gesagt habe ich es bereut, als plötzlich Dean angetanzt kam. Gott sei Dank, hat Anthony mich erlöst."
Hermines Blick wurde nur noch nachdenklicher, angesichts der verträumten Ann. Ein ganz ungutes Gefühl machte sich in ihr breit. Eigentlich hatte sie aber nicht die geringste Lust deren Verliebtheit so ins Erschüttern zu bringen, jedoch blieb ihr keine andere Wahl.
„Ann", begann Hermine ernst (Einfach direkt Augen zu und durch, Hermine!, ermutigte sie sich selbst), „ich glaube du solltest dich von Anthony fern halten."
Das waren anscheinend die falschen Worte gewesen, denn sogleich sah Ann sie voller Entsetzten und Unglauben an. „Was soll das denn?"
„Na ja, ich weiß du magst ihn und ich will dich nicht verletzten oder so, doch ich denke das er der falsche Umgang für dich ist."
„Und wieso soll er der falsche Umgang für mich sein? Du hörst dich wirklich langsam wie meine Mutter an. Ich denke, wenn du mir schon Ratschläge erteilen willst, solltest du auch Klartext reden und nicht einfach die Begründung dazu umgehen."
„Ich habe dir doch davon erzählt, dass ich ihn bei den Malfoys kennen gelernt habe. Verstehst du es nicht? Seine Eltern sind mit Lucius Malfoy befreundet, sie sind ebenfalls Todesser. Viele Todesser sind nämlich noch immer auf freiem Fuß. Es besteht die Möglichkeit, das Anthony ebenfalls einer von ihnen ist."
Entsetzt sah Ann Hermine an. Sie brauchte ein paar Sekunden, um ihe Sprache wiederzufinden. „Das kann nicht dein Ernst sein! Ich weiß ehrlich gesagt nicht wirklich, was du von mir willst. Zwar kann ich verstehen, dass du mich beschützen willst, aber immerhin warst du ja auch mit diesem Malfoy zusammen. Und dessen Vater ist ebenfalls ein Todesser! Gerade eben wolltest du damit sagen, dass die Kinder von Todessern auch welche werden. Dabei ist dieser Malfoy, im Grunde, auch keiner gewesen."
„Ich habe dir erklärt, dass das ein Auftrag für den Orden war und sonst nichts. Auch wenn Draco schließlich doch kein Todesser war, heißt das nicht, dass das auf alle zutrifft. Begreifst du etwa den Ernst der Lage nicht? Was ist wenn er dir irgendwann etwas antut?"
Hermine tat es unendlich Leid ihrer Freundin jetzt die Tatsache erklären zu müssen. Anscheinend schien es sie aber nicht durcheinander zu bringen, dass Anthony vielleicht gefährlich sein konnte, sondern viel mehr, dass Hermine es war, die soeben ihr Glück zerstörte und sie somit auf den Boden der Tatschen zurückholte.
„Okay...", begann Ann dann langsam und weckte in Hermine die leise Hoffnung, sie möge es eingesehen haben und sich von Anthony fernhalten. Jedoch brach diese sogleich wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach, als Ann widersprach. „Ich schätze es sehr, dass du dir so große Sorgen um mich machst. Doch bitte lass mich aus meinen eigenen Fehlern lernen. Ich mag ihn und ich werde mich auf jeden Fall auf ihn einlassen, egal ob nun vielleicht Todesser oder nicht."
„Aber Ann! Hör doch mal genau zu!", fuhr Hermine sie energisch an. Von so viel Uneinsicht konnte sie nur den Kopf schütteln. „Vielleicht bringst du dich damit in große Gefahr. Was ist, wenn dir etwas passiert? Wer soll dir dann noch helfen?"
„Wenn mir was passiert, braucht mir keiner helfen, denn dann bin ich schon hinüber.", erklärte sie trotzig.
Ärgerlich stellte Hermine ihre nur noch halbvolle Tasse auf den Tisch. Allerdings so hart, dass der Inhalt leicht überschwappt. Hermine ignorierte jedoch, wie die hellbraune Flüssigkeit an ihrer Hand hinunterrannte. „Du scheinst die Sache überhaupt nicht ernst zu nehmen, was? Das ist nicht witzig. Ich habe schon so viele Menschen durch Voldemort verloren. Meine Eltern und viele gute Freunde von mir. Mit dieser Haltung ziehst du ihren Tod ins lächerliche."
„Es tut mir Leid, wenn ich dich damit gekränkt haben sollte, doch... ich mag ihn wirklich, verstehst du das nicht? Außerdem beschuldigst du Anthony einfach ein Todesser zu sein, obwohl du das nicht einmal weißt! Vielleicht machst du mit dieser Behauptung auch alles kaputt, was jemals zwischen ihm und mir hätte sein können. Weißt du überhaupt wie weh das tut, soetwas ausgerechnet von dir zu hören? Meine beste Freundin macht mein großes Gefühl zunichte und das einfach nur, weil seine Eltern vielleicht Todesser sein könnten! Du willst mich zwar nur beschützen – das weiß ich – aber so etwas tut weh!"
Kurz blickte Hermine in Anns verletztes Gesicht, nickte dann jedoch entschlossen. „Gut... wenn du meinst du könntest ihm vertrauen. Ich will dich dann nicht davon abbringen, aber... ich habe dich gewarnt. Vergiss das bitte nicht."
„Draco...", stöhnte Mariella genüsslich und biss ihm sanft ins Ohrläppchen.
Dieser saß auf der Couch und blickte missmutig aus dem Fenster, während sie neben ihm einfach nicht ihre Finger von ihm lassen konnte. Ihn störte es nicht sonderlich, denn er war so sehr in Gedanken versunken, dass er nicht mal richtig mitbekam wie Mariella die ganze Zeit versuchte seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als er jedoch ihre Hand auf dem Reißverschluss seiner Jeans spürte, riss es ihn wieder in die Realität zurück.
„Lass das.", fuhr er sie wütend an und stieß ihre Hand genervt von sich.
Mariella setzte einen verständnislosen und ärgerlichen Gesichtsausdruck auf. „Was ist denn heute los mit dir? Die ganze Zeit bist du schon so."
Vielleicht mochte es mal so gewesen sein, das er Mariella all seine Sorgen und Probleme anvertraut hatte, doch diese Zeiten waren schon lange vorbei und würden ganz bestimmt nicht wieder kommen. Niemals würde er ihr von seinem heutigen Besuch bei Lucius erzählen.
„Du gehst mir langsam auf die Nerven.", antwortete er ihr stattdessen, „Ich glaube auch du verstehst da etwas falsch."
Mariella wurde etwas bleich um die Nasenspitze und sie drückte sich langsam von ihm weg, wahrscheinlich um ihm nicht das Gefühl zu geben, sie würde sich jemandem aufdrängen. „Was meinst du damit?", fragte sie mit zitternder Stimme.
„Ich glaube du verstehst da etwas falsch. Das zwischen uns hat nichts zu bedeuten, verstanden? Du bist nur da wenn ich dich gerade brauche und genauso ist es auch umgekehrt. Unsere Beziehung basiert auf keinen tieferen Gefühlen."
Sie starrte aus dem Fenster ihr gegenüber, das zuvor Draco so fasziniert hatte. Dann schluckte sie nochmals, um die Tränen abzuwürgen, die ihr gekommen waren. Ein mattes Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. „Ich habe es schon gespürt...", begann sie bebend, „Immer wenn wir zusammen waren, warst du doch irgendwie auch ganz weit weg und von Liebe war in deinem Verhalten gegenüber mir nichts zu erkennen und ich weiß auch wieso."
Draco seufzte genervt und stand auf. „Du hast überhaupt keine Ahnung. Es gibt keinen Grund, ich liebe dich einfach nicht, das ist alles."
„Doch den gibt es!", rief Mariella und stand nun auch auf, „Sie ist es, hab ich Recht? Diese Helene, oder wie auch immer sie heißt! Weißt du, als ich dich das erste Mal mit ihr gesehen habe, da dachte ich erst das alles ist ein Witz, aber dann habe ich es verstanden. Du hast sie angesehen, wie noch nie einen Menschen zuvor. Du hast ihre Hand gehalten und als ich damals gesagt habe, dass du noch nie lange bei einer Frau geblieben bist, hat sie ihre Hand aus deiner Hand genommen und in diesem Augenblicke habe ich ein solches Bedauern in deinen Augen gesehen, wie noch nie zuvor." Mariella stockte. Die Tränen konnte sie nun nicht mehr zurückhalten. „Du hast sie beschützt, verdammt noch mal! Ich weiß, das du sie liebst. Sie bedeutet dir alles. Immer wenn du aus dem Fenster starrst, dann siehst du ihr Lächeln vor dir, hörst du ihre Stimme ganz dicht an deinem Ohr und willst ihre Nähe spüren, ihre Haut unter deiner, ihren Atem und willst ihre Lippen berühren, denn nur mit ihr hast du das Gefühl wirklich glücklich zu sein. Ich seh' das doch alles, es zerreißt dir fast das He..."
„Sei still!", brülle Draco Mariella an und sofort verstummte diese. Dracos Gesichts war wutverzerrt und einige seiner blonden Strähnen hingen ihm nun wild ins Gesicht. „Sei still und hör auf von ihr zu sprechen! Ich will nichts mehr von ihr wissen und wenn du willst das wir noch etwas länger zusammen bleiben, dann wage es nie wieder auch nur ihren Namen zu erwähnen!"
Mariella war deutlich geschockt von seinem wütenden Schreien, allerdings dachte sie nicht daran den Mund zu halten. Wieder breitet sich ein kleines kraftloses Lächeln in ihrem Gesicht aus. „Ich sagte doch du liebst sie, alleine schon deine Wut beweißt alles. Weißt du... Draco… ich liebe dich, das weißt du ganz genau und daher weiß ich, wie sehr eine unerwiderte Liebe schmerzt, du kannst mir nichts vormachen. Mich macht nichts glücklicher als in deiner Nähe zu sein, deswegen nehme ich es sogar in Kauf, dass du nur an sie denkst wenn wir zusammen sind, aber denkst du nicht, dass es vielleicht besser wäre sie zu vergessen oder dein Glück endlich selbst in die Hand zu nehmen? Ich kann dein Leiden nicht mehr ertragen und deswegen wünsche ich dir das du den Mut findest und endlich zu deinen Gefühlen für sie stehst, indem du zu ihr ehrlich bist."
„Mariella", stöhnte Draco genervt und versuchte Ruhe zu bewahren, „wie oft soll ich es dir noch sagen. Hermine ist mit egal. Es gibt kein Glück in die Hand zu nehmen. Ich liebe sie nicht, deswegen habe ich sie verlassen."
„Hermine also, hm? Ich wusste doch, dass sie nicht wirklich Helene Tough heißt." Traurig senkte Mariella ihre Augen. „Ganz wie du meinst, doch meiner Meinung nach... hast du einfach nur Angst vor dir selbst."
Nun riss Draco endgültig der Geduldsfaden. „Jetzt reicht's. Hau ab! Ich will von diesem komischen Quatsch nichts mehr hören. Du hast ja keine Ahnung."
Er zeigte mit dem Finger zur Tür und funkelte Mariella wütend entgegen. Sie dachte nicht daran zu wiedersprechen, sondern sagte einfach nur: „Denk darüber aber mal nach."
Dann ging sie unter seinem zornigen Blick zur Tür und schloss sie hinter sich.
Draco sah einfach nur starr auf die weiße Tür, die soeben von ihr zugemacht wurde. Wie hatte sie es nur wagen können? Noch nie hatte ihm jemand so aus der Seele geredet, das war wahrscheinlich das, was ihn am meisten schockte.
„... du hast einfach nur Angst vor dir selbst...", hallte ihre Stimme in seinem Kopf wieder.
Hatte sie Recht? Hatte er wirklich Angst? War er deswegen abgehauen? In einem Punkt aber, hatte sie wirklich Recht. Gerne hätte er sie in ihrem Arm gehalten, ihre Nähe gespürt, sie geküsst, ihr stundenlang in ihre großen karamellfarbnen Augen gesehen oder ihr einfach nur an den Lippen gehangen, während sie unentwegt darüber redete, dass man die Gleichberechtigung für Hauselfen einführen sollte.
Doch wieso sollte sie wissen das er Angst hatte? Wieso sollte Mariella ihn besser kenne, als er sich selbst?
„Nein!", schrie er wütend zu sich selbst und schlug mit der Hand gegen die Wand. Gekonnt ignorierte er den Schmerz, der sich sogleich stechend durch seinen ganzen Arm zog. „Ich habe keine Angst!"
TBC
