1. September 1997

Die Tochter zweier Legenden

Die große Halle erstrahlte im Licht hunderter Kerzen, die lange Schatten an die Wände warfen. Die Stimmung war trotz der schweren Zeiten fröhlich und ausgelassen. Harry Potter, Ron Weasley und Hermine Granger saßen schon am Gryffindortisch und warteten auf die Aufteilung der Erstklässler. Dieses Jahr war es nur eine kleine Anzahl von Neuankömmlingen und die Zeremonie neigte sich dem Ende zu, als Professor McGonagall vortrat und damit die restlichen Schüler zum Schweigen brachte.

„Schön, da jetzt alle Erstklässler auf ihre Häuser verteilt wurden, habe ich eine Neuigkeit zu machen. Dieses Jahr darf ich noch eine weitere Schülerin begrüßen, die die siebte Klasse besuchen wird. Sie ist von Beauxbatons zu uns gewechselt und ich bin erfreut euch Anne MacDonald vorstellen zu dürfen."

Ein Raunen ging durch die Menge, es kam nur sehr selten vor, dass Schüler aus höheren Klassen nach Hogwarts kamen.

Harry erkannte unterdessen wie sich eine Person ganz vorn an ihrem Tisch erhob und auf den Sprechenden Hut zu ging. Anne MacDonald war groß gewachsen und hatte langes kastanienbraunes Haar.

Als sie bei Professor McGonagall angekommen und sich auf dem Schemel niedergelassen hatte, setzte diese ihr den Hut auf und dieser begann zu sprechen:

Ah, eine weitere MacDonald. Und du hast viel Ähnlichkeit mit ihr, aber auch einen nicht zu übersehenden Teil von deinem Vater."

Harry sah, wie Anne das Gesicht verzog.

Ich sehe in dir die perfekte Mischung der Beiden. Denn, wie sie bist du mutig und stark, aber dein Gemüt ist Zwiespältig. Keiner der sich in deiner Gegenwart aufhält, ist vor deinem Temperament gefeit. Du kommst einer wahren Löwin gleich wenn du auch auf eine gewisse Weise listig und tückisch bist, wie es Schlangen an sich haben. Aber wo stecke ich dich hin?"

„Stecke mich dorthin wo meine Mutter zu Hause war!"

In ihrem Kopf lachte der Sprechende Hut amüsiert auf.

Meine liebe Anne, wo war deine Mutter denn zu Hause?"

„In Gryffindor...das war ihr zu Hause!"

Nun gut, so soll es sein. Wenn du es so meinst! Ich stecke dich nach…GRYFFINDOR!"

Die Halle wurde von Jubel überrollt und die hübsche Brünette erhob sich von dem kleinen Schemel. Professor McGonagall winkte Hermine zu sich, die sogleich von ihrem Platz aufsprang und die Neue begrüßte. Sie beide kehrten zu Harry und Ron zurück, welche Anne MacDonald freundlich anlächelten.

Als die Halle wieder ruhiger wurde, begann Professor McGonagall zu sprechen:

„Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts! Schön, zunächst einmal möchte ich noch zwei Ankündigungen machen. Die erste wäre, dass Professor Snape von seinem Amt als Verteidigung gegen die dunklen Künste-Lehrer zurück getreten ist und wieder Zaubertränke unterrichten wird."

Ein lautes Stöhnen ging durch die Schülermenge. McGonagall fuhr fort:

„Die zweite Neuerung ist, dass den nun frei gewordene Posten Professor MacDonald von der Zaubererakademie Beauxbatons übernehmen wird."

Ein Raunen ging durch die Menge, doch schließlich brandete Applaus auf. Harry schaute überrascht zu Anne hinüber, die von allen Seiten angesehen wurde. Diese erwiderte seinen Blick und nickte kaum merklich auf seine unausgesprochene Frage.

Direktorin McGonagall gab ein Zeichen und das Festmahl begann und während sich alle an dem Essen bedienten, redeten und plauschten, sah Hermine zu Anne und lächelte. Sie reichte ihr die Hand.

„Hallo, ich bin Hermine Granger. Bist du mit Professor MacDonald verwandt?" Anne sah zunächst in die Runde, dann zu Hermine.

„Sie ist meine Mutter."

„Und warum seid ihr hierhergekommen?", fragte Ron mit vollem Mund.

„Nun, weil meine Mutter diese Stelle angeboten bekommen hat und sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren wollte. Außerdem ist sie auch hier zur Schule gegangen und hat hier gelernt." Sie grinste.

„Obwohl sie vielleicht mehr Mist gebaut hat, als alles andere." Auch Hermine begann zu grinsen.

„Nun, ich glaube sie hätte sich mit Harrys Vater zusammen tun können. Er und seine Freunde haben auch ziemlich viel angestellt!" Harry nickte lächelnd.

„Wie hieß dein Vater denn?", fragte Anne an ihn gewandt.

„James, James Potter!" Anne schien zu stutzen.

„Der James Potter? Der Freund von Sirius Black und Lily Evans?" Hermine, Ron und Harry hörten simultan auf zu essen und starrten ihre Gegenüber an. Nach einiger Zeit nickte Harry.

„Woher weißt du…? Und Wieso?" Anne lachte auf.

„Nun, ich glaube, dass sie sich wirklich zusammen getan haben!" Hermine schaute sie mit offenem Mund an.

„Wie meinst du das?", fragte Harry.

„Na ja, meine Mum erzählte mir von ihnen. Sie hat viel mit James und Sirius gemacht und war Lily Evans beste Freundin. Deine Mum, wie ich annehme?"

Harry nickte geschockt. Er hatte nicht gewusst, dass seine Mutter eine beste Freundin gehabt hatte, geschweige denn, das eine weitere Person in der alten Rumtreibergruppe gewesen war. Warum hatten ihm Lupin und Sirius nie etwas davon erzählt?

Etwas später am Abend…

Der Verschluss der bauchigen Flasche ploppte und das unvergleichliche Aroma des Feuerwiskeys benebelte seine Sinne. Er schenkte sich großzügig in ein Kristallglas ein und trank dies in einem Schluck auf. Der hochprozentige Alkohol reizte seinen Rachen auf das Äußerste, sodass er hustete und sich träge in einen schwarzen Ledersessel fielen ließ.

Der wievielte war es nun gewesen? Der vierte?

Komischerweise konnte er noch recht klar denken. Ein Wunder, bei dieser penetranten weiblichen Dominanz, welche die Gänge von Hogwarts zu überfluten drohten.

Eine von ihrer Sorte war schon schlimm genug, aber gleich noch eine Tochter? Er blickte in die Flammen des Kamins. Als er vor zwei Tagen Mary MacDonald zum ersten Mal wieder gesehen hatte, dachte er, wieder siebzehn Jahre zurück katapultiert zu werden.

Sie hatte sich kaum verändert. Ihr kastanienbraunes Haar, ihre blaustechenden Augen, ihr vor Selbstsicherheit strotzendes Gesicht. Oh, wie er dieses Gesicht doch wünschte, vergessen zu haben. Und nun, hatte sie eine Tochter.

Und von wem? Damals war Mary MacDonald mit Sirius Black ausgegangen, war sogar mit ihm verlobt gewesen.

War diese Anne seine Tochter?

Bei dem Gedanken lief es ihm kalt den Rücken hinunter. Wie konnte nur die penetrante, vor Dominanz triefende Frau mit dem gröbsten und unfähigsten aller Blacks ein Kind gezeugt haben?

Ihn grauste es schon vor der nächsten Zaubertrankstunde der 7. Klassen am nächsten Morgen!


Okay, es ist mal wieder so weit!!!! Würdet ihr weiter lesen? LG, Gondolia :)