Disclaimer: Ich erhebe keinerlei Ansprüche auf die hier verwendeten Charaktere, außer natürlich auf die, die ich mir selbst ausgedacht habe.

Summary: Jahre sind vergangen, seit Jack und seine Hüterfreunde Pitch Black besiegten. Der König der Alpträume hat zu alter Stärke zurückgefunden, doch anstatt sich an den Hütern des Lichts zu rächen, pflegt er eine sonderbare Beziehung zu dem rebellischsten unter ihnen. *Slash*

Vorsicht: beinhaltet explizite Sexszene.

Viel Spaß beim Lesen!


Jack saß in Jamies Zimmer und wartete auf ihn. Das Zimmer seines Freundes hatte sich in den letzten Jahren sehr verändert. Roboter und Kuscheltiere waren verschwunden. Nun standen auf den Regalen Modellflugzeuge, an den Wänden hingen Plakate von Bands – Jack kannte keine einzige – und auf dem Boden lagen CD-Hüllen verstreut. In einer Ecke, genau neben dem Kleiderschrank, befand sich ein Aquarium mit Goldfischen. Jamie hatte es zu seinen 15. Geburtstag bekommen.

Die Türe ging auf und Jamie betrat das Zimmer. Er blieb überrascht stehen, als er Jack sah. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Jack stand mit dem Rücken zu ihm und hielt eine Dose Fischfutter in der Hand. Mehrere Flocken vielen auf die Wasseroberfläche.

»Hey Jack!«, grüßte er ihn. Er lief zu seinem Schreibtisch, ließ seinen Rucksack unter den Tisch fallen, setzte sich verkehrt herum auf den Schreibtischstuhl und drehte sich Jack zu. »Was machst du hier?«

Jack, den es immer wieder faszinierte wie begierig die Fische nach dem Futter schnappten, wandte sich, mit einem letzten Blick, von ihnen ab und lief zu Jamie hinüber. »Dich besuchen.« Er setzte sich mit einem verschmitzten Grinsen auf das Bett. »Du weißt, wir haben schon viel zu lange kein gemeinsames Abenteuer mehr erlebt. Es wird also höchste Zeit, mein Freund. Ich glaub, ich muss dich aus deinem muffigen Zimmer entführen.«

Jamie blinzelte mehrmals hintereinander, schließlich schnupperte er versuchsweise die Luft. »Mein Zimmer riecht muffig?«, fragte er verwirrt.

Jack lachte und klopfte dabei auf das Bett. »Natürlich nicht. Das sag ich doch nur so.«

Jamie öffnete seinen Rucksack und legte seine Bücher sowie Hefte auf den Tisch ab. »Tut mir Leid, Jack, aber die Lehrer haben uns heute einen gewaltigen Berg an Hausaufgaben aufgegeben. Was wolltest du überhaupt machen?«

Jack war vom Bett aufgestanden und stand nun direkt neben Jamies Schreibtisch. »Ich habe im Wald eine Höhle entdeckt. Ich dachte, wir könnten sie erkundigen. Du weißt schon, du und ich, wie in alten Zeiten. Das wird bestimmt lustig.«

Jamie seufzte niedergeschlagen. »Ich würde echt gerne mitkommen, aber wenn ich den Aufsatz heute nicht schreibe, dann flippt die alte Heuschrecke von Englischlehrerin morgen völlig aus. Sie hat mich heute schon angeschrien, weil ich's vergessen habe.«

Jack war enttäuscht. Er hatte sich schon darauf gefreut. Seit Jamie älter war, sahen sie sich nicht mehr allzu oft. Es mangelte seinem Freund an Zeit und auch interessierten ihn nicht mehr alle Vorschläge, die Jack machte. »Vielleicht sollte ich dich morgen zur Schule begleiten«, schlug Jack vor. »Deine Lehrerin hört sich wirklich langweilig an. Sie könnte ein bisschen meiner Magie vertragen.« Und schon wirbelten blaue Schneeflocken um Jacks Hand.

Jamies Mundwinkel zogen sich für einen Moment nach oben, dann wurde er jedoch wieder ernst. »Besser nicht. Wer weiß, vielleicht ist sie danach noch schlechter drauf als davor. Und wegen der Höhle, wenn du willst können wir am Wochenende dort hingehen. Da sollte ich Zeit haben.«

Jack, der derweil in Jamies Mathematikbuch blätterte, legte es unbeeindruckt auf den Tisch zurück. Er nickte zufrieden, als er Jamies Vorschlag hörte. Er konnte also doch noch mit seinem Freund ein Abenteuer erleben. Ein weiteres Buch fand seinen Weg in Jacks Hand. Wirtschaft stand auf dem Buchdeckel. Nachdem er es geöffnet und den Inhalt überflogen hatte, musste er auch dieses aus Desinteresse zurücklegen.

Wie langweilig doch die Schule war. Er war schon immer der Meinung, dass dieser Ort nichts anderes als ein Gefängnis für Kinder war. Je länger sie dort hingingen, desto weniger Fantasie besaßen sie und desto weniger wussten sie was Spaß zu haben eigentlich bedeutete. Wenn es nach ihm ginge, dann hätte er die Schule schon längst in einen Eisklotz verwandelt. Und dann würde er als nächstes diese neuartigen elektronischen Unterhaltungsmedien verbannen. Wegen ihnen sah er kaum noch Kinder im Freien spielen. Stattdessen saßen sie nun im Haus, vor dem Fernseher, und bewegten sich stundenlang nicht von der Stelle. Das einzige was sich dann doch bewegte waren ihre Arme und Hände. Mit ihren Fingern hämmerten sie wild auf verschiedene Knöpfe ein. Dieser neue Trend gefiel Jack überhaupt nicht. Er verstand nicht, wie die Kinder es vorzogen in dieser virtuellen Welt zu leben, anstatt draußen in der freien Natur zu spielen. Dort machte es doch tausendmal mehr Spaß.

»Klar«, sagte Jack. »Am Wochenende können wir auch gehen.«

Jamie hatte sein Wirtschaftsbuch aufgeschlagen und fing darin an zu blättern. Während Jamie den Text im Buch las, bemerkte Jack, dass ein neues Modellflugzeuge zu Jamies Sammlung hinzugekommen war. Es war eine Propellermaschine. Insgesamt besaß sie vier Propeller, zwei auf jeder Seite. Jamie hatte sich große Mühe beim Anmalen gegeben. Sie sah genauso aus wie auf dem Bild auf der Schachtel, die dahinter stand. Jack näherte sich dem Flugzeug. Er streckte gerade seine Hand danach aus, als Jamies Türe plötzlich aufgerissen wurde und hart gegen die Kommode prallte.

Jacks Augen wurden groß. Seine Augenbrauen verschwanden hinter seinen weißen Haaren. Ihm entglitten regelrecht die Gesichtszüge »Was zur ...!« Blitzschnell stand er vor Jamie und schützte ihn mit seinem Körper. Seinen Hirtenstab hielt er fest umklammert in beiden Händen. Die Knöchel traten weiß hervor.

»RRRAAARRR!« Der chinesische Spirit kam ins Zimmer gestürzt. Er hatte die Arme vor sich ausgestreckt und zu Klauen gekrümmt.

Aber wie konnte das sein? Wie hatte er ihn gefunden? War er ihm gefolgt?

Der chinesische Spirit kam auf sie zugerannt. Jacks Muskeln spannten sich an und sein Stab vibrierte vor angestauter Magie. Er wollte gerade eine Eisattacke abzufeuern, doch Jamie kam ihm in die Quere. Er griff nach Jacks Hirtenstab und drückte ihn nach unten.

»Was machst du da?«, fragte Jamie in einem alarmierten Ton. »Das ist doch nur Sophie!«

Sophie blieb vor ihnen stehen und krümmte sich vor Lachen. Sie zog die Drachenmaske vom Kopf. Tränen standen ihr in den Augenwinkeln. »Haha! Jack, du hättest dein Gesicht sehen müssen. Haha! Als hättest du einen Geist gesehen.«

Jack starrte sie entgeistert an, dann fasste er sich langsam wieder. »Woher hast du die Maske?«, fragte er schließlich.

Doch Sophie konnte ihm nicht antworten, denn sie lachte immer noch. So war es Jamie, der sagte: »Sie hat sie am Stadtrand gefunden. Sie lag in einer Wiese neben der Straße. Vermutlich hat sie jemand fortgeschmissen. Du kannst ja sehen, sie ist nicht mehr die Neuste und schön ist sie auch nicht gerade.«

Jack konnte es in der Tat sehen. Von einem der Hörner blätterte die blaue Farbe ab und zeigte das darunterliegende weiß. Beide Hörner wiesen tiefe Schrammen auf. Das linke Barthaar fehlte sowie zwei spitze Zähne. Von den anderen Zähnen waren einzelne Stücke herausgebrochen. Es sprach alles dafür, dass Pitchs Nightmares den chinesischen Spirit gefunden hatten und sie nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen waren.

Sophie, die sich mittlerweile wieder beruhigt hatte, reichte die Drachenmaske an Jack weiter, damit er sie anschauen konnte. »Wir glauben, dass sie zu einem Kostüm gehört, aber leider habe ich nur die Maske gefunden. Ich denke, es ist ein Drachenkostüm für das Chinesische Neujahrsfest.«

»Chinesisches Neujahrsfest?« Jack blickte auf. »Aber natürlich«, flüsterte er. Warum war ihm das nicht selbst eingefallen? Schließlich war er einmal in China gewesen, während die Menschen dort das neue Jahr gefeiert hatten. Lange war es her, und trotzdem hätte er von selbst daraufkommen können. Nun egal, jetzt hatte ihm Sophie geholfen. Der chinesische Spirit war also der Spirit für das chinesische Neujahrsfest. Ein Neujahr Spirit. Das musste er seinen Freunden erzählen. Ob es Pitch gewusst hatte? Womöglich.

Jack gab die Drachenmaske an Sophie zurück. Er hatte nichts außergewöhnliches feststellen können. Die Maske schien kein Geheimnis zu verbergen. »Kannst du mir nochmal genau erklären, wo du sie gefunden hast?«

»Klar«, sagte sie. Sie war etwas von Jacks Bitte überrascht, ließ sich jedoch nichts anmerken. Bereitwillig gab sie ihm Auskunft über die Stelle, an der sie die Maske gefunden hatte. Jamies Stirn legte sich mehr und mehr in Falten. Nachdem Sophie geendet hatte, konnte er seine Frage nicht länger zurückhalten. »Wieso bist du so daran interessiert zu wissen, wo Sophie die Maske gefunden hat? Ist etwas nicht in Ordnung, Jack?«

»Alles bestens«, sagte Jack, während er sich verlegen am Kopf kratzte. »Ähm... ich muss jetzt auch schon wieder los. Wir sehen uns am Wochenende, Jamie. Ich werd dich Samstagnachmittag abholen kommen. Also bis dann.« Jack lief rückwärts zum Fenster, öffnete es und sprang hinaus. Der Wind packte ihn, bevor er auf den Boden aufprallte und trieb ihn hoch hinauf.

Jamie und Sophie tauschten verdutzte Blicke aus, schließlich zuckte Jamie mit den Schultern und begann an seinem Aufsatz zu schreiben. Sophie trat in den Flur hinaus und nahm die Drachenmaske mit in ihr Zimmer zurück.

Der Wind trug Jack zu der Stelle am Stadtrand, die ihm Sophie genauestens beschrieben hatte. Er suchte die Wiese nach Indizien ab. Irgendetwas was ihm Auskunft darüber gab, was hier geschehen war. Jack könnte natürlich auch einfach zu Pitch gehen und ihn fragen. Er war sich sicher, dass der König der Alpträume durch seine Nightmares bestens informiert war. Und dennoch hielt ihn etwas davon ab. Es war schon viel zu lange her, dass Jack, ohne die Hilfe von Pitch oder seinen Hüterfreunden gehandelt hatte.

Bevor der Mann im Mond ihn zum Hüter erwählt hatte, gab es niemanden in seinem Leben. Er war ein Einzelgänger gewesen. Damals musste er seine Probleme alleine regeln und er hatte dies auch hinbekommen, wenn auch nicht immer zu seiner vollsten Zufriedenheit. Dennoch hatte es ihm gezeigt, dass er durchaus fähig war alleine zu überleben. Es war an der Zeit seine Selbstständigkeit wiederzuerlangen und das Problem mit dem chinesischen Spirit, ohne Hilfe von Pitch und seinen Freunden zu lösen.

Jack suchte die Wiese ab. Als er vom Boden aus nichts ungewöhnliches entdecken konnte, stieß er sich in die Luft und überflog das Areal mehrmals. Aber auch hierbei fand er nichts was ihm weiterhalf. Enttäuscht setzte er sich auf einen Strommast. Seinen Kopf legte er in die Handfläche und fing an nachzudenken. Wieso wollte er überhaupt den chinesischen Spirit finden? Er war gefährlich. Er hatte ihn verletzt und mehrmals angegriffen. Er sollte doch froh darüber sein, dass alles dafür sprach, dass er ihn höchstwahrscheinlich los war.

Doch auch wenn Jack Frost – wie sein Name schon andeutete – die Kälte beherrschte, er es liebte Eis und Schnee heraufzubeschwören, seine Körpertemperatur weit entfernt von warm war, sprühte sein Herz doch vor Mitgefühl. Von Anfang an gab es einen Teil in ihm, der dem chinesischen Spirit helfen wollte. Doch sein Verstand sagte ihm, dass jegliches Bemühen sinnlos sein würde.

Jack seufzte erschlagen und richtete sich zur voller große auf. Als er sich schon damit abfand, dass er kein Glück zu haben schien, sah er plötzlich etwas im Gras glitzern. Er sprang aufgeregt vom Strommast und flog zu der Stelle hinüber.

Kaum war er gelandet, machte er hastig einen Schritt zurück, denn an der Stelle, an der er es glitzern gesehen hatte, stand ein kleines Männchen, das ihn bösartig anfunkelte. Es ging ihm bis zu den Knien und trug eine grüne Hose mit passendem grünem Jackett sowie einen grünen glitzernden Hut mit einem Kleeblatt darauf.

»Jack Frost«, murmelte es und spie abfällig auf den Boden. »Du hast mir gerade noch gefehlt. Weswegen bist du hier? Um Unfug zu treiben?«

»Freut mich auch dich zu sehen, Kobold«, entgegnete Jack sarkastisch.

»Ja, ja.« Der Kobold winkte ab, doch dann hielt er mit einem Mal inne. »Du hast nicht zufällig meinen Goldtaler gefunden?« Seine Augen verschmälerten sich und er sah drohend zu Jack auf. »Du weißt, wenn ich dahinter komme, dass du mich anlügst, dann habe ich einen netten Fluch für dich parat. Wir Kobolde haben da einige zur Auswahl.«

Jack hob abwehrend die Hände samt Hirtenstab an. »Wieso sollte ich deinen Goldtaler haben? Es ist ja nicht gerade so, als könnte ich damit in den nächsten Supermarkt laufen und mir was kaufen.«

»Haha, sehr witzig, aber was wundert es mich. Immerhin rede ich mit Jack Frost. Jack Frost, immer guter Laune, immer für einen Spaß zu haben.« Der Kobold spie erneut auf den Boden.

Jack presste seine Lippen verärgert zu einer schmalen Linie. »Wieso hast du deinen Goldtaler überhaupt verloren? Ich dachte immer, schottische Kobolde hüten ihren Topf voll Gold verbissener als ein Pitbull.«

Der Kobold stampfte empört auf den Boden auf und stemmte seine kleinen Arme in die Hüfte. »Erstens«, sagte er in einer schrillen Stimme. »Bin ich ein irischer Kobold, ein IRISCHER! Vergleich mich ja nicht mit diesen schrumpeligen Kobolden in Schottland. Die können nicht einmal mit dem Regenbogen reisen. Und zweitens verliere ich mein Gold normalerweise auch nicht, aber man hat mir übel mitgespielt. Es war ein ausgeklügeltes Ablenkungsmanöver. Geschickt haben sie es gemacht. Genau hier saß ich.« Er zeigt auf besagte Stelle. »Hier habe ich mich ausgeruht von einer langen Reise. Genussvoll habe ich meine Pfeife geraucht, während meine andere Hand auf meinem Gold ruhte. Ich genoss die Ruhe, doch dann ...« Die Stimme des Kobolds wurde lauter. »Haben sie mich überfallen. Hinterhältig kamen sie aus dem Wald heraus, schlugen mich beiseite und schmissen meinen Goldtopf um.«

»Wer?«, fragte Jack. »Wer kam aus dem Wald?« Gespannt beugte er sich zu dem Kobold herab.

»Nightmares!«, brüllte dieser. Jack lehnte sich hastig zurück. In seinen Ohren klingelte es »Nightmares und dieser chinesische Spirit«, wiederholte der Kobold. »Überall flogen meine Taler herum. Verzweifelt habe ich versucht sie wieder einzusammeln, aber diese Diebe! Niedergetrampelt haben sie mich.« Er zeigte zum Beweis Jack einen großen blauen Fleck an der Schulter. »Meine Pfeife haben sie zerbrochen. Ja, wirklich geschickt haben sie es gemacht. So getan als würden sie gegeneinander kämpfen. Sie haben mich jedoch unterschätzt. Sie haben nicht mit der Flinkheit eines irischen Kobolds gerechnet. Ha!« Der Kobold presste stolz seine Brust hervor. »Alle Goldtaler habe ich wieder eingesammelt bekommen, alle bis auf einen, den haben sie mir gestohlen.« Er presste seine Hände zu Fäusten.

Jack überlegte, ob er dem Kobold darauf hinweisen sollte, dass die Nightmares und der chinesische Spirit ihn womöglich nicht einmal bemerkt hatten. Dass sie alles andere, als an ihm und seinem Topf voll Gold interessiert waren. Der Kobold war in ihren Kampf unglücklicherweise mit hineingezogen worden. Sie hatten es gewiss nicht auf sein Gold abgesehen gehabt. Und was den letzten Goldtaler anging. Sophie hatte die Drachenmaske gefunden. Es konnte also sehr gut sein, dass der Goldtaler von jemand anderem gefunden worden war. Einem Kind vielleicht oder einem Erwachsenen.

Jack entschied sich, seine Vermutungen für sich zu behalten und dem Kobold nichts zu sagen. Dieser war zu sehr seiner zusammengereimten Wahrheit verfallen. Er würde niemals zu ihm durchdringen können. Außerdem bekam er das Gefühl, dass der Kobold gar nichts anderes glauben wollte.

Jack bohrte den Hirtenstab in die Erde und lehnte sein Gesicht gegen das Holz. »Weißt du wo der chinesische Spirit hin verschwunden ist?«

»Natürlich weiß ich das!«, kreischte der Kobold in seiner schrillen, aufgebrachten Stimme. »Nachdem er diese potthässliche Maske verloren hat, ist der Junge in den Wald davongerannt und die zwei übriggebliebenen Nightmares sind mit ihm geflohen. Ich dachte ja, vielleicht fände ich meinen letzten Goldtaler in der Wiese, aber meine schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Diese Diebe haben es geschafft einen zu stehlen.« Der Kobold schnaubte und Jack rechnete schon damit, dass er erneut auf den Boden speien würde, doch stattdessen sagte er: »Ich muss den König der Alpträume finden. Er steckt dahinter. Wer sonst, außer Pitch Black, könnte zu so einer abscheulichen Tat in der Lage sein.«

Zu Jacks erstaunen, erschien ein Regenbogenstrahl neben dem Kobold. Der Kobold berührte ihn mit seiner Hand und wandte sich Jack zu. »Also, wenn du mich bitte entschuldigst.« Und damit war der Kobold auch schon verschwunden.

Nun bekam Jack doch ein schlechtes Gewissen. Er hätte etwas zu ihm sagen sollen, schließlich befand er sich in einer Beziehung mit Pitch. Jack wusste, dass Pitch hinter ihm stand. Doch wie stand es um ihn? Würde er hinter Pitch stehen, wenn es darauf ankäme? Es war nicht das erste Mal, dass er sich darüber den Kopf zerbrach. Tatsache war, dass niemand, außer Sandy, von der Beziehung zwischen ihm und Pitch wusste. Er hatte es dem Sandmann nicht erzählt, doch Sandy – vielleicht lag es daran, dass er nicht sprechen konnte – war schon immer sehr aufmerksam gewesen. Er hatte Jack schnell durchschaut, wohingegen die anderen Hüter zu sehr mit sich selbst und ihrer Arbeit beschäftigt waren.

Jack schob die Gedanken beiseite. Momentan wollte er den chinesischen Spirit finden und genau das würde er jetzt machen. Er eilte in den Wald, der hinter der Wiese anfing. Er durchstöberte das Unterholz, sprang auf Äste, um eine besseren Überblick zu gewinnen und ließ sich langsam vom Wind durch das Labyrinth aus Bäumen treiben. Seine Suche blieb jedoch ohne Erfolg. Als die Dunkelheit hereinbrach, wurde er gezwungen seine Bemühungen einzustellen. Niedergeschlagen und frustriert flog er zurück in die Stadt und hüpfte ziellos von einer Stromleitung zur anderen. Sein Hirtenstab berührte dabei die Kabel und überzog sie mit Raureif.

Ein dunkler Schatten folgte unbemerkt dem Winterspirit. Unbehelligt davon lief Jack weiter über die Stromleitungen. Er beschwörte mehrere Pinguine herauf. Die blauen Eistiere watschelten über die Stromleitung und schlugen mit ihren Flügeln, um das Gleichgewicht zu halten. Währenddessen wanderte der Schatten die Häuserfassaden entlang und wuchs schließlich empor. Der König der Alpträume, Pitch Black, trat aus ihm heraus. Pitchs Mundwinkel waren nach unten zu einer schmalen Linie gezogen. Er schien schlechter Laune zu sein.

»Hast du dem irischen Kobold gesagt, wo er mich finden kann?«

Jack zuckte erschrocken zusammen. Die Pinguine, die Jacks Überraschung spürten, liefen, wild mit den Flügeln rudernd, ineinander. Zwei von ihnen stürzten ab. Jack rief die Magie von allen zurück. Blaue Schneeflocken schossen zurück in seinen Stab und ließen ihn kurz aufleuchten.

Jack sprang von der Stromleitung hinüber zu Pitch, der auf dem Flachdach eines Hauses stand. Dort landete er auf einem großen Schornstein. »Nein, habe ich nicht. Sag bloß, der Miesepeter hat dich gefunden.« Nun bekam Jack erst recht ein schlechtes Gewissen. Sein Blick wanderte an Pitch auf und ab. Er schien in Ordnung zu sein. Jack atmete leise aus.

»Zu meinem Bedauern«, antwortete Pitch.

»Was ist passiert?« Jack wusste, dass es um den Goldtaler gegangen war.

Pitch trat neben den Schornstein und sah zu dem darauf kauernden Winterspirit auf. »Es scheint, als ob der irische Kobold einem Irrglauben hinterherjagt.«

Jack bemerkte sofort Pitchs schlechte Laune.

Der König der Alpträume stieg auf den Schornstein und drängte damit Jack an das andere Ende zurück. Seine Stimme nahm einen rauen Ton an. »Bezeichnet mich als einen Dieb. Meine Nightmares sollen ihn zusammen mit dem chinesischen Spirit überfallen haben, um sein Gold zu stehlen. Was für lächerliche Anschuldigungen. Als wäre ich an dem Gold eines Kobolds interessiert.« Pitch stieß ein langes Zischen aus. Seine silbernen Augen bekamen einen merkwürdigen Schimmer.

Jack versuchte Pitch zu beruhigen. »Ich weiß, er hat es mir erzählt. Dabei war er einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Den letzten Goldtaler muss ein Mensch gefunden haben. Vielleicht eines der Kinder. Ich kann Sophie fragen, ob –«

Jacks Stimme brach ab und seine Augen wurden kugelrund. Pitchs Hand hatte ohne Vorwarnung seinen Hinterkopf umfasst und ihn zu sich herangezogen. Lippen pressten gegen seine. Jacks unverständliche Laute erstarben. Seine Augen fielen zu und er erwiderte den Kuss.

Selbstzufrieden ließ Pitch von seinem Winterspirit ab. »Mir würde es ein Vergnügen bereiten, wenn der Kobold seinen Goldtaler bis in die Ewigkeit sucht«, sagte er nach einer kurzen Pause.

»Denkst du, der chinesische Spirit hat den letzten Goldtaler an sich genommen?« Der Gedanke war Jack schon früher gekommen, jedoch hatte er ihn verworfen, da er ihm als unwahrscheinlich erschien.

Pitch packte Jacks Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. »Hast du mir gerade nicht zugehört?« Unerwartet stieß er Jack vom Schornstein. Alptraumsand wartete schon auf den Winterspirit und verhinderte, dass er auf das Hausdach stürzte.

Der Sand setzte einen verdutzten Jack auf dem Dach ab. Irgendetwas stimmte nicht mit Pitch. Er konnte verstehen, dass der Besuch und die Anschuldigungen des Kobolds Pitch verärgert hatten. Dennoch bekam er das Gefühl, dass mehr zwischen Pitch und dem scho – irischen Kobold vorgefallen war.

Jack wollte sich aufrappeln, doch der Sand ließ ihn nicht gehen. Er seufzte laut. Wie sehr er es doch liebte, wenn Pitch ihn mit seinem Sand festhielt!

Jack bot Pitch ein köstliches Bild. Umschlungen von seinem schwarzen Sand, sah er ihn verärgert an. Die Augen waren leicht verschmälert. Schneestürme tobten hinter seinen Eisblauen Pupillen. Die Lippen waren vor Trotz fest zusammengepresst. Oh, er mochte es, wenn sein Winterspirit ihn mit diesem Blick strafte. Leichtfüßig sprang Pitch vom Schornstein und kam gemächlichen Schrittes auf Jack zugelaufen. Jack hielt seinen Hirtenstab in der Hand. Er konnte zwar seinen Arm nicht bewegen, aber immer noch sein Handgelenk. »Bleib wo du bist!« Er drehte das Ende des Hirtenstabs in Pitchs Richtung.

»Mach ich dir Angst, Jack?« Pitch legte seine Hand auf das Stabende. »Nein, du hast keine Angst vor mir. Im Gegenteil, ich kann deine Neugierde sehen. Ja, was habe ich wohl mit dir vor?« Pitch drehte sein Gesicht zum Nachthimmel. Der Mond leuchtete in voller Größe über ihnen. Abertausende von Sternen funkelten in einer wolkenlosen Nacht. Zum ersten Mal wanderten Pitchs Mundwinkel nach oben und Jack bekam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Der Vollmond schien auf sie beide hinab und plötzlich begriff Jack. Er fing sich an wie wild zu winden.

»Wir können das nicht machen. Der Mann im Mond wird es sehen. Das... das geht nicht.« Jack wollte den Apltraumsand gefrieren, doch Pitch riss ihm den Stab aus der Hand, bevor er die Möglichkeit dazu hatte.

»Und genau das soll er. Er soll sehen wie sich Jack Frost unter mir stöhnend windet. Wie der Hüter, der auserwählt worden war um mich zu besiegen, schamlos nach mehr schreit, während ich in ihn stoße und ihn zum Höhepunkt treibe.«

Jack erstarrte. Blut schoss ihn in den Kopf und färbte seine Backen rot. »Ähm ...«, räusperte er sich. »Irgendwie finde ich es erst recht jetzt keine gute Idee mehr.«

»Gut.« Pitch schenkte ihm ein unheimliches Lächeln. »Umso mehr Vergnügen für mich.«

»Woah! Pitch warte!« Der Sand zappelte an Jacks Kleidung und zog sie ihm aus. »Warum nicht bei dir? Von mir aus können auch die Nightmares anwesend sein. Sie können dich ja sowieso nicht alleine lassen. Wo sind sie eigentlich?« Jack sah sich um, doch er konnte die eifersüchtigen Pferde nirgendwo entdecken.

»Das ist momentan nicht möglich und ich bin ohne sie gekommen.«

»Wieso nicht möglich? Natürlich ist das möglich. Hey!« Der Kapuzenpullover wurde Jack über den Kopf gezogen und zu seiner Hose geworfen, die man ihm als erstes ausgezogen hatte.

Jacks empörter Schrei hatte keine Wirkung auf Pitch. Er blieb davon unbeeindruckt. »Weil mein Alptraumsand arbeiten in der Höhle vornimmt. Wir wären ihm nur im Weg.«

Nun war sich Jack sehr sicher, dass die Konfrontation mit dem irischen Kobold alles andere als gut verlaufen war.

»Nun, Jack.« Pitch strich mit den Fingerspitzen über Jacks blasse Haut. »Mir ist gerade aufgefallen, dass der Mann im Mond ja gar nichts sieht, wenn du unter mir liegst. Ich denke, wir müssen das ändern.«

Pitch zog seinen schwarzen Mantel aus, ließ seine restliche Kleidung aber an. Er setzte sich auf den Boden und nahm Jack in die Arme, sodass der Winterspirit mit den Rücken gegen seine Brust lehnte. Pitch fing an Jack am Hals zu küssen. Sein Sand hielt ihn dabei weiterhin fest, denn er wusste, dass Jack aufspringen würde, sollte er ihn loslassen.

»Der Mann im Mond wird nichts unternehmen«, flüsterte Pitch in Jacks Ohr, dann nahm er die Ohrmuschel zwischen seine Zähne und knabberte daran.

»Aber er wird es sehen«, sagte Jack, der schon lange aufgehört hatte zu strampeln. »Er wird es sehen«, wiederholte er. Ein leises Stöhnen trat ihm über die Lippen, als Pitch anfing seine Zunge zu benutzen.

»Das wird er in der Tat«, antwortete ihm Pitch. Er drehte Jacks Kopf nach hinten und küsste die Lippen des Winterspirits.

Jack konnte sich nicht entspannen. Er war total verkrampft. Nicht wegen Pitch, sondern wegen dem Mann im Mond. Was würde er über Jack fortan denken? Würde er enttäuscht von ihm sein? Würde er vielleicht sogar Jack seinen Hütertitel fortnehmen?

Pitch knurrte und biss Jack in die Unterlippe.

»Au!« Jack zog seinen Kopf zurück und funkelte ihn wütend an.

»Ängste, Ängste Jack«, sagte Pitch tadelnd und eroberte seinen Mund von neuem.

Jack versuchte die Gedanken über den Mann im Mond zu verbannen. Irgendwohin in die hinterste Ecke seines Verstandes. Er wollte die Nähe von Pitch genießen können. Vermutlich würde der Mann im Mond wirklich nichts sagen. Er sprach ja sonst auch nie mit ihm.

Jack gab sich dem Kuss hin und erwiderte ihn mit gleicher Leidenschaft. Pitch Hände wanderten über seine nackte Brust. Sie nahmen seine Brustwarzen zwischen die Finger und – Jack riss die Augen auf. Erschrocken japste er nach Luft. Sein Atem war ihm im Hals stecken geblieben. Pitch hatte Magie durch seine Brustwarzen geleitet. Er hatte noch nie zuvor die Magie von Pitch gespürt. Der König der Alpträume bevorzugte es normalerweise seinen Alptraumsand zu benutzen.

»Ah!« Und wieder durchzuckte ihn kühle, prickelnde Magie. Zu seiner Verlegenheit bemerkte er wie sich sein Glied in Erwartung aufrichtete.

Pitchs Mund tauchte neben seinem Ohr auf. »Jack, Jack«, spöttelte er »Ich hätte nicht gedacht, dass dein Körper so gut darauf reagiert. Er scheint zu wissen was er will.«

Der Sand hob Jack leicht an. Pitch umgriff Jacks Pobacken und spreizte sie. Zwei Finger durchstießen den Muskelring und wanderten die Öffnung hinauf. Jack wimmerte.

»Soll ich es hier auch? Es wäre bestimmt interessant zu sehen wie du darauf reagierst.«

»Warte, ich weiß nicht, ob– «

»Zu spät«, flüsterte Pitch.

Jack bäumte sich mit einem Schrei auf. Sein Körper zuckte unkontrolliert. Ein Kribbeln breitete sich rasant in seinem Körper aus. Die Magie von Pitch hatte seine Prostata getroffen. Er wäre gekommen, wenn Pitchs Hand sich nicht blitzschnell um sein Glied gelegt und es unangenehm festgehalten hätte. Sein Brustkorb hob und senkte sich in schnellen Atemzügen. Nur langsam, als das Kribbeln nachließ, beruhigte er sich wieder und bekam seine Atmung unter Kontrolle.

Pitch wischte ihm mit dem Daumen den Speichel vom Kinn, dann lachte er zutiefst amüsiert. Seine Augen glühten vor Erregung. »Mein lieber Jack, wer hätte gedacht, dass meine Magie solche Auswirkungen auf dich hat. Dein Körper scheint sie regelrecht in sich aufzusaugen.«

Jack wollte eine beißende Bemerkung von sich geben, doch er war noch zu wirr im Kopf, um Worte formen zu können.

Pitch zog seine Finger aus Jacks Öffnung und öffnete den Reißverschluss seiner Hose. Dann positionierte er sein aufgerichtetes Glied. Sein Gesicht war dabei dem Mond zugewandt. »Schau genau her, Mann im Mond. Schau zu wie ich deinen Hüter nehme.«

Damit ließ der Sand Jack langsam nach unten gleiten. Jack stöhnte, als Pitch in ihn eindrang. Pitch selbst, schloss die Augen und genoss das Gefühl der Enge. Nachdem er bis zum Anschlag in Jack war, griff er nach dessen Beine und spreizte sie weit, um den Mann im Mond einen guten Blick auf seinen Hüter zu ermöglichen. Dann packten seine Hände Jacks Pobacken erneut und hoben den Winterspirit an, um ihn wieder zu senken.

Jack hatte die Augen halb geschlossen. Kleine Eiskristalle bildeten sich auf seiner Haut. Pitch wusste genau in welchem Winkel er in ihn eindringen musste, um seine Prostata zu treffen. Schon bald kam das Kribbeln von vorhin zurück. Es steigerte sich schnell. Jacks Stöhnen wurde immer intensiver. Gegen Ende, als er es fast nicht mehr aushalten konnte, verwandelte sich sein Stöhnen in ein flehentliches Wimmern. Der Höhepunkt folgte kurz darauf. Und während er kam und sein Körper von einer Welle der Lust gepackt wurde, umgriff Pitch sein Kinn und zwang ihn in den Mond zu starren, der hoch über ihnen thronte und Zeuge ihrer Vereinigung wurde.

Pitch stand abseits von Jack. Sein Miezekätzchen lag eingewickelt in seinem Mantel und schlief auf dem Dach des Hauses. Pitch knöpfte sein schwarzes Hemd auf und betrachtete seine Haut. Blasen waren zu sehen. Große sowie wie kleinere. Sie überzogen seine Brust und wanderten seinen Bauch hinab. Vorsichtig strich er mit seinen Fingern darüber. Er zischte, als eine aufplatzte und ein dunkles Sekret herauslief. Zwar spürte er keinen Schmerz, aber das bedeutete nicht, dass ihm gefiel was er sah. Seine Wut kehrte zurück und er bleckte die Zähne. Er war dazu verdammt den verlorengegangen Goldtaler ausfindig zu machen und ihn anschließend dem Kobold zu übergeben.

In Pitchs Hand materialisierte sich eine Waffe, die er schon lange nicht mehr benutzt hatte. Seine Alptraumsense. Furchteinflößend ragte sie in die Höhe. »Du und ich«, sagte er in einem lieblichen Ton. »Wir werden jede Menge Spaß haben, sobald dieser Fluch von uns genommen ist. Dann gehen wir auf Koboldjagd.«

Der Sand löste sich auf und mit ihm die Sense. Pitch knöpfte sein Hemd wieder zu und lief zu dem schlafenden Jack. Er kniete sich neben ihm nieder und strich ihm über das weiße Haar. War er zu grob mit ihm umgegangen? Er richtete sich wieder auf und trat zum Rand des Hausdaches. Zwei Nightmares lösten sich aus dem Schatten und kamen auf ihn zu.

»Passt auf ihn auf. Beschützt ihn mit eurem Leben.« Pitch verschmolz mit der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen wachte ein schlaftrunkener Jack mit einem lauten Gähnen auf und stellte fest, dass Pitch verschwunden war. Aber nicht nur Pitch war verschwunden, sondern auch dessen Mantel, den er ihm überlassen hatte. Er sah sich suchend um und entdeckte die zwei Nightmares, die Pitch zurückgelassen hatte.

»Natürlich, wo kann der Mantel auch sonst sein«, murrte Jack.

Zwischen den Zähnen eines der Nightmares hing Pitchs Mantel. Als ihre Blicke sich trafen, legte das Pferd die Ohren an und schnaubte herablassend durch die Nüstern. Das andere Pferd wieherte laut und Jack beschlich der Verdacht, dass man ihn gerade auslachte.


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