Disclaimer: Alle Inhalte, die in den Harry Potter Büchern oder Filmen vorkommen, gehören nicht mir, sondern J K Rowling und Warner Bros.
Kapitel 2: Magie!
Nun, falls Magie nicht existierte, hatte sich da aber jemand ganz schön Mühe gemacht. Falls doch, nun, das wäre brillant. Aber ich wusste es nicht. Und das war das Problem. Doch bei dem Wort Umhänge klingelte etwas. Mir kam es nur leider nicht in den Sinn. Ich beschloss, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen.
Die Zettel wurden wieder in den Umschlag gepackt und ich stand auf. Mittlerweile war es 20.20 Uhr und der Park wurde verlassener. Meine üblichen Stretch-Übungen machend überlegte ich mir eine Route für meinen Lauf. Ich hatte begonnen zu joggen, als ich sieben war. Damals, um schneller und ausdauernder zu werden, um Dudley zu entwischen. Jetzt waren es eine Gewohnheit und ein Weg abzuschalten. Außerdem sorgte es dafür, der liebevollen Behandlung der Dursleys ein wenig entgegen zu wirken. Ich war also trotz zu weniger Nahrung und einem kleinen, dunklen Raum nicht allzu klein war. Momentan hatte ich eine respektable Größe von 1,42 m mit meinen fast elf Jahren. Zu meinem Joggen kam ja auch noch das Workout hinzu, welches ich täglich durch das Erledigen meiner Aufgaben bekam. Ein weiterer Grund, warum ich diese tolerierte. Alles in allem konnte man also sagen, ich war recht fit.
Ich entschied mich für die mittellange Strecke zum Laufen und los ging es. 45 Minuten später schlenderte ich zufrieden zum Haus zurück. Angekommen machte ich mich auf den Weg ins Bad. Nach meiner zweiten Dusche heute kämmte ich meine pechschwarzen Haare. Sie reichten mir bis zu den Schulterblättern und fielen in Korkenzieherlocken um mein herzförmiges Gesicht, wobei sie es dennoch irgendwie schafften, kreuz und quer zu wachsen. An meiner rechten Schläfe verdeckten sie einen fünfzackigen, türkisen Stern. Er schien wie ein Muttermal zu sein. So lange, wie ich mich erinnern konnte, war er schon immer da gewesen. Ich mochte ihn. Er symbolisierte mich, auf eine Art und Weise. Vielleicht hatte er ja auch etwas mit dieser Magie zu tun. Das würde die überraschende Form und Farbe erklären. Smaragdgrüne Augen blickten unter dichten, gewellten Wimpern hervor. Sie waren lang und ebenso schwarz, wie meine Haare. Ich dachte mir manchmal, es sähe aus, als hätte ich permanent Mascara darauf. Meine hohen Wangenknochen hatte ich von meiner Mum, wenn ich mich recht erinnerte, was ich doch stark hoffte. Zwischen den Fenstern der Seele, wie es doch so schön hieß, lag eine schmale, leicht gekrümmte Nase, die über vollen, symmetrischen Lippen thronte. Gleichwohl meiner zahlreichen Aktivitäten im Freien zierte meine Haut ein heller Ton.
Sobald meine Haare einigermaßen trocken, und verstrubbelt, waren, legte ich das benutzte Handtuch in den Wäschekorb. Ansonsten liefe meine Familie noch Gefahr, sich an meiner Abnormalität anzustecken. Zeitweilig schlüpften meine langen Beine in die viel zu weite Hose. Ein Fakt, der niemanden schocken sollte, bedachte man, dass sie ein ehemaliges Kleidungsstück Dudleys war. Das gleiche Problem fand sich auch in dem mir zugeteilten Oberteil wieder. Beide Objekte, die fälschlicherweise Kleidung genannt wurden, befestigend, sorgte ich dafür, dass mir die Peinlichkeit plötzlich herunterrutschender Körperbedeckung erspart blieb.
Diese Hürde erfolgreich überwunden, ging ich in den Schrank unter der Treppe und glitt erschöpft in Morpheus Arme.
Am Nachmittag des nächsten Tages saß ich wieder unter dem Baum im Park. Erfreulicherweise hatte ich meine Aufgaben für den heutigen Tag bereits erledigt und derzeitig fragte ich mich zum wiederholten Mal, ob ich tatsächlich eine Hexe sein könnte. Vor Kurzem hatten die Pros auf meiner geistigen Liste überhandgenommen. Da waren einmal die bereits am vorherigen Tag erwähnten, bisher unerklärlichen Ereignisse. Zudem gab es Bruchstücke von Erinnerungen, von welchen ich bis zum jetzigen Zeitpunkt angenommen hatte, sie seinen meiner Phantasie entsprungen. Oh, genau! Gerade fiel mir etwas in Bezug auf die Umhänge ein, die auch gestern schon meine Glocken hatten klingeln lassen. Über die Jahre verteilt waren immer wieder Personen in merkwürdigen Gewändern auf mich zugekommen. Jene Outfits sahen so aus, wie Fantasy Bücher Roben und Umhänge beschrieben. Ich meinte mich auch entsinnen zu können, in Geschichtsbüchern und jenen Büchern, die in vergangenen Zeiten spielten, über diese Mode gelesen zu haben.
Die ungewöhnlich gekleideten Menschen begegneten mir dann, wenn ich mit Petunia und Dudley einkaufen war oder im Bus saß. Sie winkten mir zu oder schüttelten meine Hand. Und ich wusste nicht einmal, wieso sie dies taten! Das eine Mal hatte sich eine Frau doch tatsächlich auf offener Straße vor mir verbeugt! Der restliche Weg zur Bibliothek war von ungläubigen und verwirrten Blicken begleitet gewesen.
Wie bereits angedeutet, las ich viele Bücher. Zum einen war ich äußerst wissbegierig und fand vieles interessant und zum anderen war Wissen Macht. Und diese begehrte ich. Auf keinen Fall, um Andere zu unterdrücken oder zu schikanieren, doch um die Dursleys loszuwerden und auch ansonsten nicht in eine vergleichbare Situation zu geraten. Ich wollte von niemandem abhängig sein und mich nur mir selbst gegenüber rechtfertigen müssen. Und ganz besonders wollte ich mich nie wieder hilflos fühlen. 'Wissen ist Macht und Macht bringt Freiheit.'
Ich las anfangs Kinderbücher und Märchen, später auch Romane oder Fantasy. Ich begann Biographien und Fachbücher zu lesen, Kinderbücher wurden immer mehr durch Jugend- und schließlich Erwachsenenliteratur ersetzt. Zu meiner Überraschung und meinem Stolz verstand ich fast alles, was geschrieben stand. Obwohl ich natürlich, besonders zu Beginn, bei einigen Wörtern oder Ausdrucksweisen stockte. Und auch in neue und komplizierte Themen musste ich mich selbstverständlich erst einmal einlesen.
In der Surrey-Bibliothek stand kein von mir unberührtes Buch mehr. Ich hatte Bücher über Naturwissenschaften, Mathematik, Sprachen und Philosophie gelesen. Auch Bücher über Geistes- und Sozialwissenschaften oder Politik waren nicht vor mir verschont geblieben. Atlanten und Kulturführer hatte ich mir auch angeschaut, selbst Werke von Shakespeare oder Goethe. Aber am liebsten mochte ich Gedichte, die Gemälde der Worte.
Seit meinem sechsten Lebensjahr hatte ich die Quelle des Großteils meines Wissens besucht, wann immer ich konnte. Sie, mehr als der Park, war meine Fluchtmöglichkeit vor den Dursleys. Denn im Park war auch Dudley gelegentlich aufzufinden, am Ärgern anderer Kinder. Somit verbrachte ich fast all meine wenige Freizeit in der Bibliothek. Bis mir in der vorletzten Schulwoche der Lesestoff ausgegangen war. Aber da ich ab dem neuen Schuljahr sowieso eine neue Schule besuchen würde, war ich dem Mangel an unbekannten Büchern nur in den Ferien ausgesetzt.
Diese neue Schule war jetzt möglicherweise die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei. Nur wie sollte ich dieses Institut finden? Sofern es denn wirklich existierte. Und woher sollte ich meine Schulsachen bekommen? Und was, bitteschön, sollte mit Wir erwarten Ihre Eule spätestens am 31. Juli gemeint sein? OK. Eins nach dem Anderen. Ich hatte keine Ahnung, was mit dieser Eulen-Aussage gemeint war, noch wusste ich, wo sich Hogwarts befinden sollte. Eine Shoppingmeile für magische Dinge kannte ich zwar auch nicht, aber ich hatte eine Idee. Vielleicht, ganz vielleicht könnte sie sogar stimmen. Als wir auf dem Rückweg vom Zoo gewesen waren, hatten wir einen Umweg über London genommen, da Dudley und Piers eine Belohnung in Form von Süßigkeiten und Dudleys neuem PC-Spiel benötigt hatten, weil die beiden tapferen, jungen Männer die Gefahr der freigelassenen Schlange so gut überstanden hatten. Auf dem Weg durch die Stadt waren mir Personen in denselben, merkwürdigen Roben wie zuvor aufgefallen, nur, dass diesmal Kinder unter ihnen vorzufinden waren. Sie hatten einen alten, heruntergekommenen Pub namens „Tropfender Kessel" betreten, an dem alle anderen Leute vorbeizuschauen schienen. Die Lokation von besagtem Pub war in der Charing-Cross-Road.
Aufgrund der Roben-bekleideten Menschen schien jener Ort ein vernünftiger Anfangspunkt für meine Suche. Und, nebenbei bemerkt, welcher Laden in der Mitte Londons sah so aus, als wäre er aus dem Mittelalter in die Neuzeit geflohen?
Ich hatte mittlerweile entschieden, dass die Existenz von Magie nicht abwegig war. Immerhin hatte ich meine eigenen magischen Erlebnisse in der Vergangenheit gehabt. Zum Bestätigen der Realität eben jener musste ich nur Hogwarts oder die Shoppingmeile lokalisieren. Folglich beschloss ich, ich würde mich auf nach London machen, sobald ich einige Dursley-freie Stunden hatte.
Fünf Minuten später begab ich mich auf den Rückweg in mein Gefängnis, erfreut zu einer Lösung gekommen zu sein.
So verbrachte ich die folgenden Tage, vergeblich auf eine Chance hoffend. Endlich, nach einer frustrierenden Woche, wurde ich gegen zwei Uhr mittags in Ruhe gelassen. Also schnappte ich mir die 30 Pfund, die ich Vernon hatte stibitzen können, und machte mich auf den Weg zum Bus. Ich dachte zurück an gestern, meinen elften Geburtstag. Die Dursleys hatten ihn selbstverständlich komplett ignoriert. Obwohl, das stimmte nicht ganz. Meine Aufgabenliste schien unerklärlicherweise länger zu sein, als an sonstigen Tagen. Aber wen überraschte das schon? 'Zumindest haben sie meinen Kuchen nicht entdeckt! Das war aber wirklich eine riskante Aktion gewesen, die Zutaten dafür von Petunia zu stehlen. Sonst führt sie doch immer so genau Buch darüber, was im Hause ist. Nicht, dass ihre nichtsnutzige Nichte die schwer arbeitende Dursley Familie noch bestiehlt!'
Nach zwei Stunden stand ich in der Charing-Cross-Road und überblickte das Gewusel der Massen. Da! Dort hinten, zwischen einem Buchladen und einem Plattenladen war das alte Gebäude. Aufgeregt ging ich auf es zu. Und tatsächlich, auch heute schenkte keiner dem so aus der Reihe fallenden Haus einen Blick. Als könnten sie es nicht sehen. Aber wer weiß, vielleicht konnten sie das ja wirklich nicht? Mit klopfendem Herzen drückte ich die Tür auf, obwohl mir dies nicht äußerlich anzusehen war. Ich war gut darin geworden, meinen Körper zu kontrollieren.
Beim Betreten des altmodischen, dunklen Raumes kam ich mir vor, als würde ich durch ein Zeitportal schreiten. Die Einrichtung sah aus wie im Mittelalter, was mich nach dem Aussehen des Gemäuers dann doch nicht allzu sehr überraschte. Nicht einer der Anwesenden schaute zu der sich öffnenden Tür, was mir nur passte, mochte ich doch das Rampenlicht nicht sehr. Meine erste Handlung in der anderen Zeit bestand daraus, mir eine stille Ecke außerhalb der allgemeinen Aufmerksamkeit zu suchen, trotzdem mir diese nicht galt.
Ich schaute mich aufmerksam um und stellte fest, dass ich mit meiner Theorie wohl recht hatte. So gut wie jeder in dem Pub trug flatternde Kleidung. Ob nun Roben oder normale Kleidung mit Umhang war irrelevant. Einige wenige hatten auch nur normale Kleidungsstücke am Leib. 'Normal nach meinem Standard', erinnerte ich mich selbst. Zusätzlich sah ich hier und da spitze Hüte oder hörte mir unbekannte Worte wie „Quidditch" oder „Hippogreif" und „Spickoskop". Allerdings nahm mein Gehirn auch Dinge wie „Drachenhaut" und „Hogwarts" wahr. Und da wusste ich, dass ich sie gefunden hatte. Die Welt der Magie.
Wie zur Bestätigung meiner Gedanken nahm einer der Männer einen Stock aus Holz heraus und sagte: „Accio Tagesprophet", und zu meinem Erstaunen flog eine Zeitung aus seiner Tasche in die wartende Hand. Ich war ekstatisch. Hogwarts war Wirklichkeit, was ein Äquivalent zu deutlich weniger Dursleys war! Und ich konnte Magie lernen! Es gab eine Erklärung für all die merkwürdigen Dinge! Und meine Eltern waren garantiert auch magisch gewesen. Schließlich hatten meine Verwandten gesagt, ich wäre genau so eine Missgeburt wie meine Eltern. Sie mussten es gewusst haben! Dass es mir nie erzählt worden war, war keine Überraschung. Warum sollten sie auch? Aber jetzt musste ich sie überzeugen, mich auf diese Schule gehen zu lassen. Da es ein Internat zu sein schien, steigerten sich meine Chancen ein wenig. Aber dann gab es noch das Problem mit dem Geld. Sie würden nie für mich zahlen, egal worum es ging. Außer vielleicht, um mich loszuwerden. Obwohl, nein, selbst dann nicht.
In der Zauberwelt schien es anscheinend eine andere Währung zu geben, da eine Familie eben mit runden silber- und bronzefarbenen Münzen bezahlt hatte. Also musste es eine magische Bank geben. Vielleicht konnte ich durch den Wechselkurs noch etwas mehr Geld rausschlagen. Oder ... hatten mir meine Eltern möglicherweise etwas hinterlassen? Sollten sie tatsächlich magisch gewesen sein, so hätten sie ihr Geld wohl kaum auf einer Bank der nicht-magischen gelagert. Eine kleine Hoffnung überkam mich, während ich einer Person folgte, die in die entgegengesetzte Richtung zum Eingang ging. Es lag im Bereich des Möglichen, das ich doch nicht arm war. Ich könnte mir vernünftige Kleidung kaufen, und die Schulsachen, eventuell sogar extra Bücher!
Die Hexe, wie ich schätzte, blieb in einem kleinen Hinterhof stehen. Ich betrachtete sie zweifelnd. Was zum Teufel wollte die hier? Kaffeekränzchen halten? Sie zog auch einen Stock hervor, höchstwahrscheinlich einen Zauberstab, und klopfte auf die Mauer. 'Okaaayy ... Kaffeekränzchen mit Musik?' Die Mauer fing, zu meiner Verblüffung, an, sich zu bewegen. Die Steine klappten nach außen und schlussendlich war keine Mauer mehr vor uns, sondern ein steinernes Tor. Ich musste mich regelrecht zusammenreißen, um meinem Kiefer die Bekanntschaft mit dem Boden zu ersparen. 'Es gibt wohl doch keinen Kuchen für mich … '
Jetzt war ich in der Tat in eine andere Welt eingetreten, denn von Technik oder Verkehr war nichts mehr zu sehen. Die bunten Farben und Lichtanzeigen der nicht-magischen Welt wurden durch matte, gedämpfte Farben ersetzt. Alte Hängeschilder zeigten die Namen der Läden an und Kopfsteinpflaster zierte den Boden. Und, wie im Tropfenden Kessel, trug die Masse der Menschen wallende Gewänder.
Ich betrat die Winkelgasse, wie mir ein Schild zu meiner Linken verriet, und betrachtete die Läden und Personen. Links waren „Flourish&Blotts", ein Laden, der Eule verkaufte mit dem Namen „Eylops Eulenkaufhaus" und eine Apotheke. Auf der anderen Seite konnten „Der Tagesprophet" und ein second Hand Laden verzeichnet werden. Ersteres war eine Zeitung, nahm ich zumindest an, da der einen Zauberer diesen Accio-Spruch benutzt hat, um eine Zeitung aufzurufen. Flourish&Blotts schien sich bereits zu meinem Lieblingsladen zu entwickeln. Im Schaufenster lagen Unmengen an Büchern. Meine Beine wollten mich in die Richtung des Ladens tragen, doch ich hielt mich zurück. Als aller erstes musste ich eine Bank aufspüren.
Meine Kuriosität trieb mich tiefer ins Innere der Gasse, bis ich auf einmal vor einem großen, weißen Gebilde stand. Marmorne Stufen führten hinauf zu einer großen, bronzenen Flügeltür, die von komisch aussehenden Wesen bewacht wurde. Auf beiden Seiten stand jeweils eines der kleinen Wesen mit langen Fingern, gekleidet in einer roten Uniform. Neugierig, weshalb dieser Laden so anders aussah, als die vorherigen, stieg ich die Treppe empor.
Bevor ich die Tür aufdrückte, nickte ich den Wesen als Begrüßung zu. Verwundert wurde ich angesehen, während ich vorsichtig dieses Gebäude betrat und die Innenschrift las, welche sich über die nächste Doppeltür zog:
Fremder, komm du nur herein,
Hab Acht jedoch und bläu's dir ein,
Wer der Sünde Gier will dienen,
Und will nehmen, nicht verdienen,
Der wird voller Pein verlieren.
Wenn du suchst in diesen Hallen,
Einen Schatz, dem du verfallen,
Dieb, sei gewarnt und sage dir,
Mehr als Gold harrt deiner hier.
Nun, Gold klang doch schon mal vielversprechend. Wäre es möglich, dass ich die Bank gefunden hatte? Heute war mir das Glück anscheinend hold.
Nun auch die Schwelle der silbernen Tür übertretend, fand ich mich in einer riesigen Marmorhalle wieder, die voller Schalter, von den eigenartigen Wesen besetzt, war. Vor jenen Schaltern standen magische Personen in Reihe und warteten, ihr Anliegen vortragen zu können. Mit der Annahme, dies wäre eine Bank, hatte ich offensichtlich richtig gelegen.
Ich blickte auf meine billige Armbanduhr und erkannte, dass ich noch 90 Minuten Zeit hatte, ehe ich mich auf die Reise zurück in die nicht-magische Welt und zu den Dursleys, welche bis 20:30Uhr weg waren, machen musste. Entschlossen herauszufinden, ob ich ein Erbe auf mich warten hatte, stellte ich mich an einem Schalter an und fragte den kleinen Mann mit spitzen Ohren kurz darauf: „Entschuldigen Sie, Sir. Aber wo könnte ich erfahren, ob ich in Besitz eines Erbes bin?" Er starrte mich eine Weile nur an und ich schaute mit gleichwertigem Blick zurück. Dann sagte er plötzlich: „Kommen Sie mit", und schritt mit seinen kurzen Beinen zügig voran. Die übrigen Leute in der Schlange ignorierte er. Innerlich mit den Schultern zuckend ging ich ihm nach.
Ein paar Minuten, und viele Ecken und Windungen, später, klopfte er an einer mit Ornamenten verzierten Tür, trat ein und schlug sie mir vor der Nase zu. Empört wartete ich, was als Nächstes geschehen würde. Als die Tür wieder aufging, stieß ich mich von der Wand ab und beobachtete, wie Mr. Ich-schlag-Ihnen-die-Nase-mit-der-Tür-platt ohne ein Wort verschwand und sie offen ließ. Die Einladung als eben jene erkennend, trat ich ein und schloss sie hinter mir.
„Setzten Sie sich. Mein Name ist Pirolsk. Mir wurde gesagt, Sie wünschen über Erbschaftsangelegenheiten zu sprechen?" Ich ließ mich Pirolsk gegenüber nieder und nickte. „In der Tat. Ich würde gerne in Erfahrung bringen, ob Keyara Lilith Potter in Besitz eines Erbes ist." Bei der Nennung meines Namens weiteten sich die Augen des Wesens, ehe es zur Antwort ansetzte: „Und was gibt Ihnen das Recht dies zu erfragen?" „Lassen Sie mich überlegen … Vielleicht die Tatsache, dass ich eben jene bin?" Auf diese Aussage hin schenkte mir Pirolsk einen unbeeindruckten Blick. „Sicher doch. Wenn das so ist, werden Sie doch bestimmt nichts dagegen haben, wenn ich einen Bluttest durchführe, nicht wahr? Natürlich nur fürs Protokoll." Da ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach, blickte ich ihn nur fragend an. Diesen Ausdruck sehend, vertiefte sich seine Miene des Unglaubens und Misstrauens. Dennoch erklärte er mir, dass durch jenen Test der Stammbaum der getesteten Person ermittelt werden konnte. Ich wurde immer weiter von der Magie fasziniert.
Pirolsk hielt mir mit einem fiesen Grinsen einen Dolch hin, welchen ich annahm. Ich machte einen Schnitt an meiner Handkante und ließ sieben Tropfen der roten Flüssigkeit in eine Schüssel tropfen, welche aus Titan gefertigt zu sein schien. Die Kreatur ließ eine hellbraune Flüssigkeit hinzulaufen, bevor der Flakon wieder verkorkt wurde. Sobald er das orangene Blatt aus seiner Hand in die Schüssel hat fallen lassen, begann die Mixtur zu brodeln. Das Geschehen wurde von mir mit interessiertem Auge beobachtet. Nach einigen Minuten gab Pirolsk die Mixtur auf ein Pergamentstück; anscheinend wurden diese von der magischen Welt im Allgemeinen benutzt, da ich sie überall zu erblicken vermochte.
Langsam begannen sich Linien und Schriftzüge auf dem Blatt abzuzeichnen. Der mir Gegenübersitzende betrachtete es einige Zeit; Schock zeichnete sich in seinen Gesichtszügen ab. „Nun Miss Potter, scheint mir, als hätten Sie die Wahrheit bezüglich Ihrer Identität gesagt. Natürlich besitzen Sie ein Verlies bei uns. Mehrere an der Zahl. Jedoch erhalten Sie erst mit Ihrem 16. Lebensjahr uneingeschränkten Zugriff auf das Potterverlies. Da Sie die einzig Verbleibende einer der alten Familien sind, erhalten Sie die Volljährigkeit, wie Sie ja bereits wissen, mit 15 Jahren, anstatt mit den üblichen 17 Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt können Sie nur wenige Objekte, jedoch kein Geld, aus Ihrem Familienverlies entfernen. Ich wundere mich jedoch …
So, das war das zweite Kapitel.
Bei Fragen, Anmerkungen oder Wünschen schreibt doch bitte ein Review ...
LG Anthedora28
