Disclaimer: Mir gehört ‚The Pretender' nicht, ich habe mir die Charaktere nur ausgeliehen, um meiner abwegigen Fantasie freien Lauf zu lassen. Ich verdien mit der Story kein Geld und eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt.
A/N: Ich widme diese Story Susa, Elke, Daniela und Zsazsa. Thanks Ladies. :)
Konstruktives Feedback würde ich sehr schätzen! Aber auch jede andere Art von Feedback! ;)
Aller Laster Anfang
Kapitel 2
Die Eiswürfel in ihrem Glas bewegten sich leicht. Sie schmolzen rasch. Draußen war es warm, schon fast heiß, was ungewöhnlich war, da der Frühling erst vor ein paar Wochen begonnen hatte.
Sie
saß auf dem bequemen Sofa, die Ellbogen auf die nackten Knie gestützt.
Sie hatte noch keinen Tropfen von dem Alkohol angerührt, der vor ihr stand.
Das Begräbnis war schnell und schmerzlos über die Bühne gegangen. Ein Pfarrer hatte ein paar typische, formelle Worte gesprochen, aber niemand sonst hatte etwas gesagt, geschweige denn etwas Persönliches.
Man hatte einfach einen leeren Sarg begraben. Neben dem anderen leeren Sarg der schon in dem Grab lag.
‚Keiner meiner Elternteile liegt in seinem Sarg, keiner liegt dort unten. Nur ihre Namen stehen auf dem Grabstein.' Dachte sie in einem Anflug von Bitterkeit. ‚Blanke Ironie.'
Zwei Monate war es jetzt her, seit ihr Vater aus dem Flugzeug gesprungen war. Man hatte etwa 4 Wochen lang nach ihm gesucht und dabei den halben Nordatlantik durchkämmt und die Küsten Europas abgesucht. Erfolglos.
Raines hatte natürlich keine Zeit verloren und erklärte Mister Parker für tot bevor die Suche überhaupt richtig beendet gewesen war.
Und mit diesem Pseudobegräbnis war es nun besiegelt. Ihr Vater war offiziell tot.
Der Friedhof war überfüllt gewesen mit Menschen. Alle arbeiteten sie im Centre. Miss Parker war sich sicher, dass keiner von ihnen gekommen war, um Anteilnahme zu bekunden, geschweige denn um Respekt zu bezeugen. Die meisten waren sowieso nur gekommen, um sicher zu gehen, dass die leere Kiste auch ordentlich verscharrt wurde.
Irgendwo in ihrem Hinterkopf überlegte sie, ob sie nun doch etwas von dem Wodka trinken sollte, den sie sich vor einer halben Stunde in ein Glas geschüttet hatte. Die Hälfte der Eiswürfel darin hatte sich schon verabschiedet.
Desinteressiert sah sie zu, wie ein weiterer Eiswürfel schmolz.
Während des Begräbnisses hatte sie viele Blicke auf sich gespürt. Teils schienen sie besorgter Natur zu sein, teils erwartungsvoller. Vielleicht sogar spöttischer.
Die Blicke stammten von Sydney, Broots, Lyle, Raines und einigen Sweepern, die in ihrer näheren Umgebung standen und anscheinend nichts Besseres zu tun hatten als sie anzustarren.
Alle schienen sie ihr darauf zu warten, dass sie einen Nervenzusammenbruch oder einen Heulkrampf oder sonst einen Anfall kriegen würde.
Aber diese Genugtuung gönnte sie ihnen nicht. Niemanden.
Mit steinerner Miene hatte sie das Geschehen verfolgt. Man hätte ihren Gesichtsausdruck auch als leicht gelangweilt interpretieren können.
Das Witzige daran war, dass sie sich auch tatsächlich so fühlte: leicht gelangweilt.
Diese ganze Sache war zu einem Sammelbecken für Heuchler ausgeartet, die sich zusammengefunden hatten, um symbolisch für den Tod ihres Chefs gemeinsam eine Truhe zu verbuddeln. Lang lebe der amerikanische Traum!
Genervt schüttelte sie den Kopf und ging ans Fenster, das Glas mit dem durchsichtigen Alkohol hielt sie sich gegen die Wange um sich so etwas Kühlung zu verschaffen.
Man hätte meinen können, sie blicke hinaus in den Garten, aber in Wahrheit betrachtete sie ihr eigenes Spiegelbild im Fenster.
Wegen der Hitze trug sie ein schwarzes Kleid, das ihr knapp bis über die Knie reichte und unten etwas auseinander fiel. Den Mantel, den sie überflüssiger Weise bei sich gehabt hatte, lag neben ihrer Handtasche auf der Couch.
Sie blickte gen Himmel und stellte fest, dass sich langsam dunkle Wolkentürme zusammenbrauten.
Sie drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Fensterglas und ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Lange war sie schon nicht mehr hier gewesen.
Sydney hatte ihr schon vor Tagen geraten, ins Haus ihres Vaters zu gehen, um sich besser mit seinem Tod auseinandersetzen zu können und damit Frieden zu schließen. Sie hatte dem Psychiater damals nur mit einem Ohr zugehört, und um ehrlich zu sein konnte sie gar nicht so recht begreifen, warum sie jetzt eigentlich hier war.
Das Haus erschien ihr leer und still. Und fremd. Sie fühlte sich hier nicht zu Hause. Das hatte sie vielleicht noch nie getan, obwohl sie einen Großteil ihrer Kindheit hier verbracht hatte.
Was machte sie hier eigentlich? Auf ein Zeichen warten? Wohl kaum. Antworten finden? Noch weniger.
Sie ging zurück zum Sofa und ließ sich in die weichen Kissen fallen. Das Glas mit dem Alkohol stellte sie auf den Tisch zurück.
Wahrscheinlich hatte Sydney recht gehabt, sie war hierher gekommen, um einen Schlussstrich zu ziehen. Wenigstens dachte sie das…
Nach einigen Minuten rappelte sie sich wieder hoch und griff leise fluchend nach ihrer Handtasche und dem Mantel. Sie hatte keine Ahnung, was in ihrem Fall ein Schlussstrich war und ob sie überhaupt einen ziehen wollte. „So ein ausgemachter Blödsinn!" schimpfte sie vor sich hin. Sie hatte es satt, hier herumzusitzen und auf etwas zu warten, von dem sie nicht wusste, was es war.
Bevor sie das Haus verließ, blieb sie noch einmal kurz vor dem Spiegel stehen, der im Flur kurz vor der Tür hing. Sie strich ihre Kleidung glatt und ordnete ihre Haare mit den Fingern. Das Make-up saß noch perfekt. Nachdem sie mit ihrer äußeren Erscheinung zufrieden war, warf sie einen letzten Blick zurück. In irgend so einem schmalzigen Film hätte sie jetzt wohl ‚Adieu' oder ‚Leb wohl' geflüstert, aber allein der Gedanke daran ließ sie über sich selbst lächeln.
Also stieß sie ein kurzes Lachen aus und schüttelte den Kopf. Eine Geste des Abschieds so zu sagen. Vielleicht galt sie dem Haus, vielleicht ihrem Vater. Vielleicht etwas ganz anderem. Sie wusste es selber nicht, aber eines wusste sie bestimmt: es war sicher nicht das letzte Mal gewesen, dass sie hier gewesen war.
Das Glas mit dem Wodka stand immer noch unberührt auf dem Tisch. Die Eiswürfel darin waren mittlerweile alle verschwunden.
