Kapitel 2
Da Lisbon zu einer Konferenz des CBI musste, wurden Rigsby und Jane losgeschickt, sich mit Manuel Tiger zu unterhalten. Sie parkten gegenüber der Bar, die erst in vier Stunden öffnen würde. Trotzdem war das Personal bereits da, um noch von der letzten Nacht aufzuräumen oder die nächste vorzubereiten.
„Wir haben noch nicht offen", bemerkte eine der Kellnerinnen, als die beiden Männer eintraten.
„Wir sind vom CBI, Agent Rigsby und Berater Jane. Wir würden gerne mit Manuel Tiger sprechen, ist er hier?", erklärte Rigsby und kam näher.
„Ja, er ist im Hinterzimmer die leeren Flaschen stapeln", antwortete sie und Jane dankte und die beiden gingen nach hinten durch.
Sie entdeckten Manuel am Hinterausgang und sobald dieser aufblickte und die Cops erkannte, rannte er davon so schnell er konnte. „Wieso rennen die immer weg?", fluchte Rigsby und war schon auf dem Weg hinter ihm her.
„Ich, ähm, überlass ihn dann mal ihnen", murmelte Jane, als der CBI Agent schon auf und davon war. Nur einige Minuten später kehrte er zurück, diesmal mit Manuel in Handschellen dabei.
„Na schön, Manuel. Sie hatten ein Verhältnis mit Lindsey Graham?", fing Rigsby an. Er nickte und eine leise Träne floss über seine Wange. „Gut…wir wollten uns eigentlich nur mit Ihnen unterhalten. Wieso sind sie weggerannt?"
„Er wird mich umbringen, wenn ich mit ihnen rede! Oh mein Gott, er wird mich umbringen, nur weil ich hier mit ihnen stehe!", schluchzte der Mann in einem untypischen Anfall. Er war sonst groß, stattlich gebaut und hatte kurze, braune Haare.
„Wer? Wer wird sie umbringen?", fragte Rigsby neugierig.
„Red John!", antwortete Manuel und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

„Er hat geheult?", fragte Lisbon unglaubwürdig, als sie Manuel Tiger durch den Ein-Weg-Spiegel betrachtete.
„Das ist, was Red John macht. Er manipuliert die Menschen…er macht aus den stärksten Überlebenskünstlern weinende Kinder", erklärte Jane ohne seinen Blick von ihm abzuwenden.
„Meinen sie, dass Red John ihn umbringen wird?"
„Eventuell. Das kommt drauf an, wie viel er weiß. Aber er war vermutlich nur ein Handlanger, der ihm sein nächstes Opfer ausgewählt hat…kann ich als erstes mit ihm sprechen?"
Lisbon nickte, folgte Jane aber in den Verhörraum. Der Berater setzte sich vor dem Mann hin und beobachtete ihn eine Zeit lang. „Wie geht es ihnen?", fragte er ruhig.
„Bitte was?", erwiderte Manuel erstaunt und schaute ihm in die Augen. Jane lächelte kurz, find dann aber direkt an: „Wie sind sie mit Red John in Kontakt gekommen?"
„Ich war mal eine Zeit im Knast…für Rauschmittelbesitz. Als ich raus war, hatte ich keinen Job und keine Kohle. Ich hab in der Disko angefangen, aber hatte halt Probleme, mich wieder ins Leben einzufinden. Mein Sozialberater war auch ein Arsch. Da labert mich irgendwann einer an und schlägt mir einen Job vor. Ich brauchte das Geld einfach!"
„Und was war der ‚Job'?", fragte Jane interessiert.
„Er meinte, ich soll ein paar hübsche Ladies anmachen und mit ihnen ausgehen, damit Fotos von uns gemacht werden konnten. Der Typ wollte einfach nur die Fotos."
„Und wann haben sie gemerkt, dass die Frauen, mit denen sie ausgingen, umgebracht wurden?"
„Ich dachte erst, das hätte gar nichts miteinander zu tun! Aber dann hatte ich nachgefragt, aber so, wie der Typ reagiert hat, wollte ich lieber nicht noch mehr Ärger machen."
„Ist das ihre letzte Freundin?", fragte Lisbon und legte ihm ein Bild von Lindsey in der Autopsie hin.
„Ja, oh mein Gott…was ist mit ihr passiert?", sagte er erstaunt und schaute verzweifelt die Agentin und den Berater an.
„Sie wurde vergewaltigt und dann mit dem Messer ermordet."
„Das wusste ich nicht! Dann hätte ich doch nie im Leben mitgemacht!"
„Wie sah der Mann aus, mit dem sie geredet haben?"
„Soweit ich weiß, war das nur ein Mittelmann. Er hat für irgendjemanden gearbeitet, hat er gesagt."
„Wie sah er aus?", fragte Jane in der Hoffnung, vielleicht einen weiteren Komplizen Red Johns zu verhaften.
„Keine Ahnung, durchschnittlich. Vielleicht ein bisschen gay…gegelte Haare, aber letztens sah er aus, als hätte er in eine Steckdose gepackt. Dunkle Haare, schleimige Stimme…keine Ahnung", antwortete Manuel und zuckte mit den Schultern. „Werde ich wegen Beihilfe zum Mord angeklagt?", fragte er und verfiel wieder in ein Schluchzen.
Jane seufzte nur und wusste, dass er nicht viel mehr aus ihm herausbekommen würde. „Ich bringen ihnen ein Glas Wasser, dann wird Agent Cho sie weiter verhören", erklärte er und verließ mit Lisbon wieder den Verhörraum.
Während er am Automaten eine Flasche Wasser zog, fragte Lisbon: „Glauben sie ihm?" „Er hat keinen Anhaltspunkt zu lügen", antwortete Jane und Lisbon ging wieder ins Büro zurück, während Jane in den Verhörraum zurückkehrte.

Jane war ungefähr seit zehn Minuten wieder auf seiner Couch, als plötzlich alles hektisch um ihn herum wurde. „Was ist denn los?", fragte er mit einem offenen Auge.
„Keine Ahnung", antwortete Van Pelt und rannte auch in Richtung des Verhörraums, wo sich die Polizisten versammelten.
Schließlich stand Jane auch auf und gesellte sich dazu. Nach ein paar Sekunden kam ein Rettungssanitäter heraus und schüttelte den Kopf. Lisbon folgte aus dem Raum und erblickte Jane. „Was ist denn passiert?"
„Manuel Tiger. Er wurde anscheinend vergiftet. Er ist soeben zusammengebrochen und gestorben."
„Red John", murmelte Jane und kehrte wieder ins Großraumbüro zurück. „Aber wie?", fragte er und setzte sich an den Tisch.
„Keine Ahnung. Es werden bereits Blutproben an die Forensik geschickt, mal sehen, was die herausbekommen", antwortete Lisbon und fügte hinzu, „ich muss jetzt mit dem Boss sprechen. Schließlich ist das unser Fall und irgendwer hat einen Zeugen in unserem Gebäude vergiften können."
Jane nickte und ließ sie ziehen, während er sich wieder mit dem Mord an Lindsey Graham auseinandersetzte.

„Ich schau mal in der Forensik vorbei, ob die schon etwas haben", meinte Rigsby irgendwann und verschwand aus dem Raum. Seit er und Van Pelt wieder zusammen waren, hatte er irgendwie Probleme, mit ihr für längere Zeit im selben Büro zu sitzen und zu arbeiten. Sie schien das überhaupt nicht zu interessieren und er fragt sich, was sie denn wirklich für ihn empfand, wenn sie doch so ruhig bleiben konnte.
Er nahm den Aufzug ins Erdgeschoss, wo die Forensikabteilung ihre Räume hatte. Er war schon ewig nicht mehr hier unten gewesen, da sie meistens ihre Analysen nach oben schickten. Aber er nutzte diese Ausrede gerne, um sich die Beine vertreten zu können.
Er betrat das vorderste Büro und fragte eine Labormitarbeiterin, wer sich denn um den Manuel Tiger Fall kümmere. Sie verwies ihn weiter nach hinten. Er ging in das etwas kleinere Labor am Ende des Ganges und musste sich verkneifen, nicht laut loszuschreien, als er Partridge erkannte.
„Hallo…schon irgendwas herausgefunden?", fragte er möglichst neutral, um seinen Hass vor diesem Menschen zu verbergen.
Dieser lächelte kurz und wies dann auf den Computerbildschirm vor ihm. „Bisher noch nichts…es scheint eine Vergiftung zu sein, doch wie sie in den Körper gelangt ist, noch wie das Gift gewirkt hat, wissen wir noch nicht, geschweige denn, um welche Substanz es sich handelt."
„Ah…okay." „Irgendwie spannend, oder? Ein Mann, umringt von Polizisten, stirbt plötzlich in deren Mitte."
„Ja…ich bin dann mal wieder weg", ergriff Rigsby die Flucht, bevor sich Partridge noch weiter an dem Fall aufgeilen konnte.
Partridge hingegen wandte sich wieder den Untersuchungsergebnissen zu, bis er sicher war, dass der CBI Agent weg war. Dann ging er hinüber zum Massenspektrometer, wo sein Handy lag.
Schnell tippte er eine SMS, „habe Spuren auf Giftanalyse beseitigt" und verschickte sie, dann ging er zurück zum Hauptcomputer.