Disclaimer: Die TV Serie CSI NY und Detective Mac Taylor gehören den Produzenten Bruckheimer / Zuiker und den Studios!

AN: Und direkt geht es weiter mit Stephen und Alex, der ja unbedingt auf die Fete möchte ;)


Eine Stunde später stellte Stephen sein Fahrrad neben das von Mac in die große Garage, nahm die Taschen ab, warf sie sich über die Schulter und betrat anschließend, nachdem auch die Jungs ihre Bikes sicher untergebracht und das Gepäck abgenommen hatte, sein Haus durch die Vordertür. Er drückte die Tür wieder ins Schloß, ging dann an Alex vorbei, der sich in der Lobby die Schuhe auszog und in die Küche. Dort legte er die Taschen auf dem Tisch ab, die Mac dann begann auszupacken und alles wieder an seinen angestammten Platz zu räumen.

Jason schob in der Lobby seine Schuhe vor die Gederobe und joggte dann nach oben, um duschen zu gehen, während David auf der untersten Treppenstufe neben seinem Bruder hockte und sich die Socken auszog. Als Alex seinen Vater sah, der auf ihn zu kam, stand er auf und trat auf Stephen zu, um ihn aufzuhalten.

"Dad? Kann ich mit dir reden?"

Der Arzt seufzte. "Wenn ich gepinkelt habe schon, ja ..."

"Okay," erwiderte sein Sohn nickend und sah Stephen hinter her, der das Gäste-WC betrat und dann die Tür hinter sich schloss.

Alex ging einmal durch die Lobby und zog die Schiebetür des Wohnzimmers auf. Er ging hinein und die Stufen hinunter und überlegte, wie er sein Anliegen noch mal so vorbringen konnte, dass sein Dad nicht Nein sagen konnte. Während er etwas sauer im Zimmer auf und ab lief, kam David zu ihm.

"Was hast du vor," fragte sein kleiner Bruder neugierig und grinste dämlich.

"Ihn davon überzeugen, dass er mich doch noch auf die Fete heute Abend lässt."

"Wieso musst du denn da unbedingt hin, Alex," fragte David verständnislos und zuckte die Schultern, während Alex wieder langsam umher lief.

Der ältere Connors seufzte. "Weil ich Julia eingeladen habe, mich zu begleiten, okay? Das ist doch die Gelegenheit, sie näher kennen zu lernen! Das kann Dad mir nicht verbauen, Dave!"

"Aber ... er hat schon Nein gesagt, oder?"

Alex nickte scharf. "Ja!"

"Tu das nicht, Alex," meinte David Kopf schüttelnd, als sie die Klospülung hörten. "Sei froh, dass er dir nur die Fete verboten hat! Das hätte noch viel schlimmer kommen können, schließlich ist er durch den halben Park geradelt und hat dich gesucht wie ein Irrer ..."

Der Wasserhahn! Alex sah kurz in die Lobby und drehte seinen Bruder dann an den Schultern einmal herum, so dass er mit der Nasenspitze in die Lobby zeigte. Dann gab er ihm einen leichten, aber auffordernden Schubbs.

"Geh einfach und halt dich raus," befahl Alex ihm so leise wie möglich. "Ich mach das schon! Und wenn er wirklich stur bleibt, dann werd ich trotzdem irgendwie hingehen und Julia treffen!"

Jetzt drehte David verblüfft und erschrocken seinen Kopf herum. "N-nein, das machst du nicht! Alex? Tu das nicht! Den Ärger, wenn Dad dich erwischt, ist die Kleine garantiert nicht wert!"

Die Tür des Gäste-WCs öffnete sich und Stephen trat heraus.

Alex seufzte leise und flüsterte. "Sie heisst Julia und ist älter als ich und jetzt geh und sag ja kein Wort!"

Doch anstatt zu seinem Sohn zu eilen, ging Stephen wieder in seine Küche zurück. David grinste seinen Bruder an und Alex schüttelte den Kopf.

"Er hat vielleicht keine Lust mit dir darüber zu reden," überlegte der blonde Connors und machte dann einen Schritt von Alex weg, der sich mit der Hand durch das schwarze Haar fuhr.

Sie hörten den Kühlschrank und ein Glas was abgestellt wurde. Eine Flasche und dann kam Stephen mit einem vollen Glas Mineralwasser endlich ins Wohnzimmer. Als der Arzt Alex und David dort stehen sah, nahm er einen Schluck Wasser und legte den Kopf schief, während er seinen Ältesten aufmerksam musterte.

"Ich dachte, es geht nur um uns beide, oder haben wir plötzlich zu dritt etwas zu besprechen?"

"Ehm, nein, ich bin schon weg," meinte David sofort.

Schnell verließ er das Wohnzimmer, wünschte Alex innerlich Glück, dass Stephen vielleicht doch noch diese Fete erlaubte, doch eigentlich wusste er, dass ihr Vater bei seiner ersten Entscheidung bleiben würde. Das tat er immer! Nur sehr selten kam es vor, dass Stephen sich doch noch umentschied oder eine Vorfall anders handhabte, als geplant. Ja, so war Dr. Stephen Connors eigentlich nicht! Stephen stand zu seinem Wort - immer!

Nachdem die Tür zugezogen war, ließ Stephen sich auf dem Sofa nieder und sah zu seinem Sohn hinauf. "Was ist, hm?"

Der Angesprochene öffnete den Mund und setzte sich dann neben seinen Vater. Alex zog ein Bein auf das weiche Polster und Stephen drehte sich zu ihm um und stützte sich mit dem linken Arm auf der Lehne ab, damit er ihn besser sehen konnte.

Alex leckte sich vorsichtig über die Lippen. "Kann ich mit dir noch mal über die Fete heute Abend reden?"

Zu seiner Verwunderung nickte sein Vater leicht. "Ja?"

Okay, eine Chance hab ich vielleicht ... Hoffentlich versau ich das jetzt nicht!

Nervös und nachdenklich fummelte sein Sohn an seinen Fingern herum, ehe er Stephen wieder ins Gesicht sah. "Dad? Ich muss heute Abend da hin! Chris hat mich eingeladen und der feiert auch nicht bis morgens, weil ja Schule ist, okay? Ich- ... Ich will Julia näher kennen lernen, verstehst du? Und auf so einer kleinen Party funktioniert das eben am Besten! Bitte, Dad!"

"Du weisst aber schon, warum ich dir die Party verboten habe oder," fragte der Arzt ihn mit ruhiger Stimme und trommelte leicht mit den Fingern auf dem beigen Sofapolster herum.

Alex seufzte niedergeschlagen. "Ja ..."

"Also warum?"

"Weil ich die Zeit vergessen habe und zu spät zu der verabredeten Zeit wieder da war?"

Stephen nickte scharf. "Ja! Und warum noch?!"

Scheisse ... "W-weil ich nicht auf mein Handy geachtet habe ..."

"Weiter!"

Jetzt seufzte der Teenager und fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare, bis er seinen Vater wieder an sah und antwortete. "Weil du mich die ganze Zeit gesucht hast?"

"War das eine Frage, Alex?"

"Nein, Sir," entgegnete der Junge frustriert und wiederholte dann seine Antwort noch mal. "Weil du mich im Park gesucht hast und nicht wusstet, wo ich stecke!"

Jetzt nickte der Unfallchirurg und Chefarzt einmal. "Sehr richtig! Mac und ich möchten wissen, wo ihr seid! Und es ist mir egal, ob ihr alleine unterwegs seid, oder ob wir gemeinsam irgendwo hin gehen, okay? Ich möchte, dass ihr erreichbar seid und genau deshalb, Alex, habe ich euch die Handys geschenkt! Aber wenn du eh nicht darauf achtest, oder es wie heute, auf lautlos stellst, kannst du es mir auch zurück geben und du bekommst es erst wieder, wenn ich mir sicher bin, dass du damit umgehen kannst!"

Um seine Meinung zu untermauern, hob Stephen seine Hand hoch und öffnete sie.

Sein 16-Jähriger starrte entsetzt auf die geöffnete Hand und schüttelte dann den Kopf. "Ehm, nein! Ich achte drauf, wirklich, Dad! Es tut mir leid und es kommt nicht wieder vor, ehrlich!"

Sofort schloss der Mann seine Handfläche wieder und legte sie auf seinen Oberschenkel. "Das will ich schwer hoffen! Jeder Regelbruch und sei er noch so minimal, zieht eine Strafe nach sich, das weisst auch du, Alex! Hm? Und da dir diese Fete mit Chris heute Abend, so wichtig ist ..." Er hob einen Finger und beugte sich ein Stückchen zu Alex hinüber. "Und zwar noch bevor du diese Julia überhaupt gesehen hast ... streiche ich die Party von deinem Veranstaltungskalender! In Ordnung?"

Alex seufzte. "Nein, nicht in Ordnung. Ich hab ihr doch schon Bescheid gesagt, Dad!"

"Das ist nicht mein Problem," gab der Arzt Schulter zuckend zurück und stand dann vom Sofa auf, da er das Gespräch als beendet an sah. "Ihr habt doch bestimmt Nummern ausgetauscht oder nicht? Du kannst sie anrufen und absagen! Ganz einfach! Oder ... Du gehst nachher einfach kurz rüber zu Julia und sagst es ihr persönlich! Okay, Alex?"

Nein! ... Alex spürte, dass er wütend wurde.

"Okay, Alex," fragte Stephen noch mal, als er keine Antwort hörte.

"Hab ich jetzt Hausarrest," fragte sein Sohn entsetzt und erhob sich dann ebenfalls vom Sofa. Er machte einen Schritt auf Stephen zu und versuchte nicht ausfallend oder laut zu werden, denn eine Ohrfeige war mit das Letzte, was er jetzt brauchte.

"Nein, du hast keinen Hausarrest," teilte der Mann ihm mit. "Aber Julia Walker wird warten müssen! Ist das jetzt klar, mein Sohn? Oder müssen wir die Regel noch mal etwas ... festigen?"

Die Antwort kam schnell. "Nein, Dad!"

Stephen nickte zu frieden, strich Alex kurz über das Haar und lächelte. "Gut, danke. Ich bin jetzt mit Mac draußen im Garten, wenn was ist!"

"Ja ..."

Schließlich drehte Stephen sich ganz um, ging durch sein Wohnzimmer und öffnete wieder die Schiebetür. Schnell betrat er die Lobby und suchte dann seinen Ehemann, um noch ein bißchen Freizeit mit ihm zu verbringen, bevor er Mogen wieder eine anstrengende Woche im Krankenhaus und der Notaufnahme vor sich hatte.


Wenig später hockte Alex an seinem Schreibtisch. Ein aufgeschlagenes Mathebuch lag vor ihm und sein Collegeblock rechts daneben. Er spielte mit dem Kugelschreiber ins einen Fingern herum, während er der Musik aus seiner Stereoanlage lauschte, die leise vor sich hin dudelte. Seufzend kritzelte er eine Zahl nach der anderen auf das karierte Papier, ohne richtig über die Aufgabe nachzudenken oder zu wissen, ob die Antwort richtig war oder nicht. Als er die nächsten beiden Aufgaben einfach aus Trotz überflog und sich der Vierten widmen wollte, klopfte es an der Tür. Alex seufzte, drehte sich im Stuhl nach hinten um und bat den Besucher herein.

Dann stand David im Zimmer. Er lehnte die Tür nur an, trat auf seinen älteren Bruder zu und lehnte sich mit dem Hintern an die Schreibtischkante, um einen Blick auf sein Buch zu werfen.

Er grinste. "Du machst Mathe? Jetzt noch?"

"Na und," sagte Alex mürrisch, zuckte die Schultern und lehnte sich dann in seinen Stuhl zurück, um David besser ansehen zu können. "Solltest du auch mal versuchen!"

"Hab ich gestern schon gemacht!"

"Was willst du?"

David seufzte leise. "Wie ist es mit Dad gelaufen? Du darfst nicht hingehen oder?"

"Musst du mich daran erinnern, Besserwisser? Ja, er hat Nein gesagt und ich soll Julia absagen - telefonisch oder persönlich, indem ich rüber gehe!"

"Ha-hast du ihr schon abgesagt?"

Alex warf den Kugelschreiber auf den Tisch. Es klapperte leise. "Was geht dich das denn an?! ... Nein, ich hab ihr noch nicht abgesagt und werde das auch nicht tun, okay David? Und jetzt lass mich in Ruhe Hausaufgaben machen, sonst hat Dad Morgen noch eine Möglichkeit sich aufzuregen."

Erstaunt sah David ihn an und schluckte. Kurz sah er zu der Tür, die nur angelehnt war und beugte sich dann zu Alex hinunter. Seine Stimme war fast ein Flüstern. "Mach das nicht, Alex! Sag ihr ab und fertig! Das ist doch nur ne Party?! Du kannst sie doch irgendwann anders sehen! Das muss doch nicht unbedingt heute Abend noch sein?"

"Geh mir nicht auf den Keks," fauchte Alex jetzt sichtlich wütend. "Das geht dich doch überhaupt nichts an!"

"Wenn Dad dich deswegen umbringt, geht mich das schon was an ..."

Sein großer Bruder seufzte genervt. "Lass mich einfach machen! Ich werde ihr gleich absagen, okay? Bist du dann zu frieden, Bruder?"

Nicken. "Ja! Und wenn du mir Bio gibst!"

"Ich kann das doch auch nicht, David!"

Schulterzucken. "Egal, Hauptsache ich hab irgendwas geschrieben!"

Nachdem Alex ihm seine fertige Biologiehausaufgabe zugesteckt hatte und David wieder aus seinem Zimmer verschwunden war, begab sich Alexander wieder an Mathematik und rechnete. Und rechnete und rechnete. Als sein Handy klingelte war er fast fertig und musste nur noch die beiden Aufgaben erledigen, die er zuvor übersprungen hatte. Interessiert nahm er sein Handy hoch, sah auf die Caller-ID und grinste dann, als er sah, wer der Anrufer war.

Er drückte die grüne Taste und meldete sich. "Hey, Julia!"

"Hi, Alex," sagte sie. "Was machst du gerade?"

"Hausaufgaben ... Ich bin aber gleich fertig und du?"

Sie seufzte. "Ich räume mein Zimmer ein, aber das macht nicht wirklich Spass!"

"Kann ich mir denken," entgegnete der Junge und legte seine Füße auf den Schreibtisch, während er sich in dem Stuhl zurücklehnte. "Waren deine Eltern sauer, weil du nicht beim Umzug geholfen hast?"

"Ja, schon. Aber das ist mir egal! ... Sag mal, wir gehen doch heute Abend auf die Fete, o-oder?"

Alex rollte mit den Augen. Was sollte er jetzt tun? Den Abend mit ihr wirklich sausen lassen, nur weil sein Vater es ihm verboten hatte? Oder hingehen und Spass haben und hoffen, dass Stephen nichts merken würde?

"Ich, es gibt ein Problem. Ich bin ja heute zu spät gekommen und mein Vater hat mich schon gesucht und deshalb-"

Julia unterbrach ihn sofort. "Ja und? Heisst das jetzt etwa, dass du mir absagst, nur weil du Stress mit deinem Vater hast?"

"Na, ja ..."

Sie lachte leise. "Da wo ich herkomme, gab es Jungs, die auch nicht immer das getan haben, was ihr Daddy von ihnen wollte und die haben einiges riskiert, Alex! Allerdings hatten die auch nicht so viel im Hirn und waren mehr mit Kühen und Rindern beschäftigt und hatten kein wirkliches Interesse an Frauen! Ich habe irgendwie gehofft, dass die Männer hier anders wären ... Aber vielleicht hab ich mich auch getäuscht! Vergiss es, wenn du deinem Daddy nicht widersprechen darfst, dann gehen wir eben nicht!"

Alexander verdrehte die Augen.

Ah ... Jetzt denkt sie, ich bin irgend so ein blödes Weichei! Verdammt ... Einen Moment war es still und dann hatte Alex eine Entscheidung getroffen, die ihn hoffentlich nicht in Bedrängnis bringen würde!

"Ehm, okay, wir gehen hin, Julia," sagte er in das Telefon und lächelte gequält. "Aber k-können wir die Uhrzeit etwas nach hinten verlegen?"

"Ja, klar!"

"Gut, dann lass uns neun Uhr sagen und wir treffen uns an der Ecke vorne," teilte er ihr mit. "Wo die Jefferson in die ..."

Alex erklärte ihr kurz den Weg, da sie ja neu in dieser Stadt war und sie legten auf. Der Teenager seufzte und warf sein Handy auf das gemachte Bett. Müde stützte er sich mit den Ellbogen auf der Tischplatte und dem Mathebuch ab und legte sein Kinn zwischen die Hände. Hatte er das Richtige getan? Wollte er seinen Vater wirklich hintergehen? Ein direktes Verbot? Und das Alles nur wegen ihr? War das so eine gute Idee? Alex wusste es nicht. Und er wusste nicht, wie er später unbemerkt das Haus verlassen sollte, ohne dass Mac oder sein Dad etwas davon mitbekamen. Sollte er Jason einweihen? Nein, besser nicht! Je weniger seine Geschwister von dieser Aktion wussten, desto geringer war die Chance, dass Stephen sie der Mitwisserschaft anklagen konnte.


Als es Abend wurde, hatten sich die Wogen etwas geglättet! Alex hatte seinen Dad in Frieden gelassen und nicht weiter mit seiner schlechten Laune oder den Partyplänen genervt. Das musste er auch nicht, denn er hatte einen anderen Plan, der hoffentlich aufgehen würde. Jetzt stand er zusammen mit Stephen und Jason in der kleinen Küche und wartete bis das Essen fertig war. Mac sass an dem nicht gedeckten Tisch und versuchte zum wiederholten Mal Stella Bonasera zu erreichen, um ihr Bescheid zu geben, dass er Morgen eine Stunde später im Büro sein würde. Doch Stella nahm nicht ab.

Sein Ehemann kochte unterdessen weiter, warf die Pilze in die Bratpfanne und rührte kurz mit einem Holzlöffel darin herum, um sie anzuschwitzen. In dem großen Topf danaben kochten die Kartoffeln vor sich hin und der Salat war schon gewaschen. Gleich musste nur noch das Dressing dazu und die Pilzsoße gemacht werden. Mac nahm das Handy vom Ohr und legte auf. Er würde es später noch mal versuchen.

Jason starrte unterdessen hungrig in den Topf und auf die kochenden Kartoffeln, die im Wasser herumschwammen. "Ist das nicht ein bißchen wenig für uns alle, Stephen?"

"Nein, das ist nur für euch," teilte Stephen ihm mit und lächelte. "Ich führe meinen Ehemann heute zum Dinner aus!"

Jetzt wurde auch Alex hellhörig und griff nach der New York Times, die auf dem Tisch vor Mac lag. Schnell blätterte er in ihr herum, fand dann die Seite mit dem Kinoprogramm und reichte sie aufgeschlagen an seinen Vater weiter. Stephen trat auf Mac zu, legte eine Hand an die Stuhllehne und nahm seinem Sohn die Zeitung aus der Hand, um einen Blick darauf zu werfen.

"Geht doch danach ins Kino," schlug der Teenager Schulter zuckend vor. "Heute laufen ein paar gute Filme an! Auch in der Spätvorstellung!"

Mac grinste und Stephen legte die Zeitung auf den Tisch, so dass sein Mann auch etwas sehen konnte.

"Willst du uns los werden, Alex," fragte der Cop Augen zwinkernd, während er las. Nach ein paar Sekunden tippte er mit dem Zeigefinger auf einem Filmtitel herum und sah hinauf zu Stephen, der sich über ihn gebeugt hatte. Mac räusperte sich. "Aber das ist gar keine blöde Idee, Stephen! Wie wär es denn mit dem hier?"

Stephen lächelte. "Klar, wenn du willst?"

Alex seufzte kaum hörbar auf. Genau so hatte er es geplant ...

Taylor schlang eine Hand hinter Stephen's Kopf und zog ihn sanft näher zu sich. Seine grünen Augen funkelten liebevoll und verführerisch. "Ist denn in dem Dinner auch ein Kinobesuch mit drin, Schatz? Oder darf ich den zahlen?"

"Nein," erwiderte der Arzt leise, setzte sich dann neben Mac auf den anderen Stuhl und rutschte ein Stückchen näher an ihn heran, bevor er eine Hand auf seine Schulter legte und ihn sanft streichelte. "Wenn du noch ins Kino willst, ist der Besuch mit drin, okay?"

Mac grinste und küsste Stephen auf den Mund. "Auch die letzte Reihe?"

Jetzt lachte der Arzt leise, während er Mac in die Augen starrte. "Ja, auch die letzte Reihe, wo sich die Pärchen immer hin verziehen und wild rumknutschen, Baby."

"Wild rumknutschen hört sich doch nicht schlecht an, oder," meinte Taylor Schulter zuckend. Dann sah er hinter sich und auf Jason, der mit der Gabel vorsichtig in einer der Kartoffeln herumstocherte. "Jason? Sind die Hausaufgaben fertig?"

Sein 17-jähriger Sohn legte die Gabel wieder weg und drehte sich um. "Für Morgen? Ja, klar!"

Mac nickte einmal. "Gut!"

Nachdem das Programm für wenigstens zwei Familienmitglieder für heute geregelt war, kümmerte sich Stephen um die Soße für die Kartoffeln und Alex machte den Salat. Jason holte David von oben und gemeinsam deckten sie den Tisch auf der Terrasse im Garten, bevor sich die Kinder dem Essen widmeten. Mac und Stephen duschten unterdessen und zogen sich um.

Die Kinder sassen draußen auf der Terrasse. Aßen und quatschten. Während David sich noch einmal von der Soße nahm, stocherte Jason in dem Salat herum und zog die wenigen Zwiebeln, die Stephen mit hineingeschnitten hatte, vorsichtig und angewidert an den Tellerrand um sie nicht versehentlich mit zu essen. Alex kaute und horchte auf die Geräusche im Haus, als plötzlich Mac frisch geduscht und in einem schwarzen Anzug mit hellblauem Hemd und ohne Krawatte in der Hintertür stand.

Er grinste, als er seine Kinder so andächtig beisammen sah. "Zufriedene Gesichter beim Essen, genau so wollen wir das sehen!"

Alex schluckte die Kartoffel hinunter und hob sein volles Pepsiglas vom Tisch. "Heisst das, dass wir uns nicht benehmen können, Mac?"

"Manchmal schon, ja," erwiderte der Cop lächelnd und klopfte dann leicht mit den Fingern auf den Türrahmen. "So, wir sind weg! Essen, danach was trinken und dann ins Kino! Wir kommen spät zurück, das heisst für euch, Jungs, ihr geht rechtzeitig ins Bett, denn Morgen ist Schule, okay? Es wird kein Alkohol getrunken!" Hier sah er David genau an und hob eine Augenbraue. "Hm? ... Also um elf Uhr ist hier Ende! Ich verlass mich auf euch!"

David sah seinen Stiefvater an. "Und wieso hast du mich jetzt so penetrant angeguckt? Ich bin doch nicht der einzige hier, der mal Alkohol trinkt oder?"

Jason und Alex grinsten leicht. Mac trat zu David hinüber, legte ihm eine Hand auf den Kopf und streichelte ihn liebevoll. Seine Stimme war leise. "Nein, Dave! Damit meinte ich auch alle und nicht nur dich, okay? Entschuldige!"

Der Connors Sohn zuckte die Schultern. "Schon gut!"

Plötzlich war Stephen's laute Stimme im Haus zu hören. "MAC?"

"JA, KOMME SCHON," rief Taylor zurück und trat wieder an die Hintertür zurück. Prüfend sah er noch mal die drei Jungs an und hob einen Finger. "Also, wenn wir zurück kommen, liegt ihr alle im Bett, verstanden?"

"Ja, Dad," seufzte Jason etwas genervt. "Wir sind keine Acht mehr, oder? ... Viel Spass und tschüß!"

Die anderen beiden Brüder grinsten breit und winkten dann Mac einmal zu, der sich schließlich umdrehte und ins Haus zurück ging. Wenig später hörten sie die Haustür, die geschlossen wurde und dann erstmal nichts mehr. Alex sah von seinem Teller auf, sah zur Küche hinüber und horchte. Doch auch nach wenigen Sekunden hörte er nichts. Keine Garage, die geöffnet wurde, kein Motorengeräusch! Seine Geschwister sahen ihn etwas verwirrt an und Alex spielte an seiner Gabel herum, bis er sich absolut sicher war. Dann aß er weiter.

Jason musterte ihn. "Eh und auf was hast du jetzt gewartet bitte?"

"Sie gehen zu Fuß," klärte Alex ihn grinsend auf.

"Ja und," fragte David und trank einen Schluck von seinem Wasser. "Die wollen noch mehr frische Luft, als sie heute eh schon gekriegt haben! Was ist daran so ungewöhnlich, Alex?"

Der Angesprochene seufzte niedergeschlagen. "Zu Fuß brauchen sie für die Strecke doppelt so lang, darum geht es mir! Das La Vampa ist ja nicht gerade um die Ecke, oder?!"

"Kapier ich trotzdem nicht, Mann," gab jetzt auch Jason Schulter zuckend zu. "Was ist denn dabei, wenn Dad und Stephen zu Fuß gehen? Die wollen doch auch bestimmt was trinken und dann kann eh keiner von beiden mehr Auto fahren ..."

Alexander seufzte. "Mann, Jay!? Ich bin Dad sicher vier Stunden los, wenn es hoch kommt! Darum geht es mir! Das heisst, ich kann nachher in aller Ruhe mit Julia zu Chris gehen und da ein bißchen mit ihr feiern und bin bestimmt rechtzeitig wieder hier! Und falls nicht, werde ich gleich mein Bett so präparieren, dass Dad, wenn er ins Zimmer guckt, nichts merken wird! Ein perfekter Plan oder?"

"Du bist irre, Alter," kommentierte Jason den Plan als Erster und schüttelte den Kopf. "Das klappt im Leben nicht!"

David grinste seinen großen Bruder an und legte sein Besteck auf den leeren Teller.

"Der ist nicht irre, der ist echt verliebt in die Braut! Ich gebe dir jetzt trotzdem den guten Rat und sage dir ... Tu es nicht! Okay?" David's Stimme wurde leiser ... "Julia ist die Prügel, die du dafür bekommen wirst, ganz sicher nicht wert! Außerdem ... Sie ist viel älter als du, Alex! Was reizt dich denn so an der?!"

Jetzt flüsterte Alex und erhob sich vom Stuhl. Seine Augen leuchteten. "Genau das! Sie ist älter und wunderschön! Ihr zwei habt echt keine Ahnung, was Liebe ist!"

Jason lachte laut los. "Du doch auch nicht!"

"Wahrscheinlich hab ich mehr Ahnung als du, Jason!"

"Wow, entschuldige," sagte Jason und hob beschwichtigend die Hände. "War nicht so gemeint, Alter! Wenn du meinst, dass du da hin und Ärger mit eurem Dad riskieren musst, dann geh ruhig! Ich halt dich nicht auf!"

Jetzt sagte Alex nichts mehr. Er nahm seinen Teller und das Glas vom Tisch und schlenderte ins Haus und die Küche, um die Spülmaschine zu befüllen. Seine beiden Brüder sahen ihm etwas verzweifelt hinter her und räumten dann ebenfalls ihr Geschirr weg.


Anderthalb Stunden später zog der älteste Connors Sohn die Haustür hinter sich zu! Er hatte sich für ein graues T-Shirt und seine schwarze Lederjacke entschieden. Die Turnschuhe, die noch etwas schmutzig von dem heutigen Ausflug in den Park waren, hatte er zu Hause gelassen und stattdessen seine Lederschuhe angezogen. Die Haare hatte er frisch gegeelt und schließlich sein Bett mit Kissen so weit ausgestopft, dass sein Vater hoffentlich keinen Verdacht schöpfte, wenn er später mal in sein Zimmer sehen würde.

Ziemlich gelassen schlenderte Alex über den Bürgersteig der Jefferson-Street und bog etwas später an der Kreuzung ab. Und da stand sie! Julia Walker! Er bekam große Augen, als er sie so aus der Ferne betrachtete und hatte das Gefühl, dass sie noch viel hübscher war, als heute Mittag im Park! Zwar hatte sie sich aufgetakelt, aber doch nicht so viel, dass es unnatürlich wirkte. Alex ging einen Schritt schneller, lächelte und blieb dann dicht vor ihr stehen.

"Hi," grüßte er sie strahlend.

"Hey, Alex," entgegnete Julia und zupfte sich eine der langen Strähnen aus dem Gesicht.

Sie trug ebenfalls eine schwarze Lederjacke, die ihr aber nur bis zur Hüfte ging und kurz über ihrem runden Po endete, wie Alex bemerkte. Darunter eine Bluse und blaue Jeans. Die Schuhe waren die selben, die sie schon heute Mittag getragen hatte.

Er grinste sie an. "Du siehst toll aus!"

"Danke, du aber auch!"

"Können wir gehen," fragte Alex und machte eine Bewegung mit dem Kopf in die Richtung, in die sie mussten.

"Ja, wir können," gab sie zurück.

Langsam schlenderten sie über den Bürgersteig die Strasse hinunter. Sie kamen an die nächste Ecke, bogen da ab und erreichten nach zehn Minuten das Haus von Chris! Er hatte Alex gesagt, dass die Fete nichts Riesiges werden würde und ganz so sah es auch aus. Zwei Autos standen vor der Garage - mehr nicht! Musik drang aus dem beige-farbenen Haus. Alex warf seiner Begleitung einen Blick zu und spazierte mit ihr an seiner Seite über den hellen mit großen, flachen Steinen ausgelegten Gehweg und zu der Haustür hinüber, wo er stehen blieb und klingelte.

Ein paar Sekunden später öffnete sich die Tür und Chris stand im Türrahmen.

"Hey, Kumpel," begrüßte er seinen besten Freund lässig.

Alex nickte. "Hey, Chris! Danke für die Einladung!"

"Kein Problem," gab der andere Junge zurück und sah Julia interessiert an. "Und wer bist du, Schönheit?"

"Julia Walker," stellte Alex sie sich gegenseitig vor. "Chris Hobbs!"

Chris nickte lächelnd und trat dann von der Tür weg ins Haus. "Kommt rein! Die anderen Jungs und Mädels sind auch schon hier ..."

Sie traten über die Türschwelle und in das kleine Haus. Chris schloss die Tür hinter ihnen und ging voraus bis in die Küche. Zwei Jungs und ein Mädchen standen an der Anrichte und tranken Bier und Weinbowle. Ein halbvoller Kasten Bier stand unter der Spüle und ein kleines Buffet mit Brot, Salat und anderen Kleinigkeiten war aufgebaut. Der junge Gastgeber stellte schnell Julia dem Rest vor und reichte den beiden Neuankömmlingen eine kalte Flasche Fosters vom Kasten.

"Ein Bier," fragte er und nahm sofort den Öffner zur Hand.

Alex sah auf die Flasche, doch schüttelte den Kopf. "Nein, Chris! Ich nicht, danke!"

"Wieso," fragte sein Freund überrascht. "Bist du unter die Antialkoholiker gegangen oder was?"

Julia nahm mit spitzen Fingern eine der Flaschen und Chris öffnete sie ihr. Die Musik aus dem Wohnzimmer wurde plötzlich lauter. Scheinbar hatte Jemand einen Song gefunden, den er nur in voller Lautstärke hören konnte und so dröhnte der Bass fast quälend zu ihnen hinüber.

Connors öffnete den Mund. "Ich darf nichts trinken, Chrissy, okay? Ich darf eigentlich gar nicht hier sein!"

Das Lied wurde noch lauter ... Chris stieß strahlend mit Julia an und beugte sich zu Alex hinüber. "WAS?"

"ICH SAGTE, ICH DARF NICHTS TRINKEN, OKAY? ICH MUSS MORGEN FRÜHER RAUS ALS DU! ... ICH NEHM EINE PEPSI!"

Die anderen Partygäste in der Küche grinsten und tranken dann seelenruhig weiter. Chris setzte die Flasche auf der Anrichte ab und der Song aus dem Wohnzimmer wurde wieder leiser. Der Junge schüttelte den Kopf und holte dann doch eine Flasche Pepsi aus dem Kühlschrank. Er öffnete sie und gab sie seinem besten Freund.

"Du bist ein Weichei, weisst du das, Connors!"

Alex seufzte. "Ich darf eigentlich gar nicht hier sein ..."

Hobbs stieß mit ihm an. "Stress mit Dad?"

"Kann man so sagen!"

Beide Jungen tranken, Julia bediente sich hungrig an dem kleinen Buffet und die Fete nahm unaufhaltsam ihren Lauf! Chris und Alex verdrückten sich ins Wohnzimmer und ließen sich auf dem Sofa nieder, während Julia mit den anderen Mädchen in der Küche quatschte und noch ein zweites Bier trank. Chris setzte seine Flasche auf dem Sofatisch ab, grinste seinen Freund breit an und gab ihm einen aufmunternden Klapps auf den Oberschenkel.

"Jetzt spuck es schon aus, Alex!"

"Was denn," fragte Connors überrascht und warf einen kritischen Blick auf die Armbanduhr. Es war fast halb zwölf ... Bald würde er aufbrechen müssen, damit er sich noch ungesehen ins Haus zurück schleichen konnte.

"Na," rief sein Kumpel und seufzte. "Wo hast du sie getroffen? Woher kennt ihr euch? Hat sie noch eine Schwester?"

Alex schniefte. "Ich hab sie erst heute kennengelernt, Chris! Dad wollte einen Familienausflug in den Park machen und da hab ich Julia dann gesehen und mich ihr vorgestellt. Und zu deiner zweiten Frage! Nein, sie hat keine Schwestern mehr, aber einen kleineren Bruder."

"Na, toll! ... Wie alt ist sie denn?"

"20!"

Grinsend gab Chris ihm noch einen Klapps, diesmal auf die Schulter. "Gut gemacht, Alter! ... Romeo und Julia! Das perfekte Pärchen!"

"Halt die Klappe, Chris," befahl Alex ihm und nahm noch einen Schluck von seiner Pepsi.

Sie quatschten munter weiter und die Zeit verging. Julia kam mit zwei anderen Mädchen ins Wohnzimmer, die dritte Flasche Bier in Händen und setzte sich Alex gegenüber, der sie sofort verschmitzt ansah. Die Mädchen kicherten. Die Musik wurde gewechselt und die neue Scheibe von The Script gespielt.

Irgendwann, nachdem Alex sehr erfolgreich auch das vierte Bier seines Freundes dankend abgelehnt hatte, blickte er wieder beiläufig auf seine Uhr und erstarrte.

Scheisse, Mann ... Alex sprang vom Sofa, sah zu Julia hinüber und entdeckte dann Chris an der Wohnzimmerwand, wie er mit einem der Mädchen plauderte, die schon ziemlich betrunken wirkte. So schnell er konnte ging er auf Chris zu und blieb neben ihm stehen.

"C-Chris? Ich muss jetzt los, okay?"

Sein Kumpel warf ihm einen überraschten Blick zu. "Wie? Jetzt schon? Alex, mach keinen Scheiss, Mann!"

"Es ist ein Uhr durch," rief der andere Teenager aufgebracht und seine Stimme krächzte fast vor Aufregung. "Mein Vater bringt mich um, wenn er das rauskriegt! ... Falls er das nicht schon längst hat."

Hobbs drehte sich jetzt ganz zu ihm und hob beschwichtigend die Hände. "Okay, bleib mal locker, Alex! Du kannst gehen, wann immer du willst! Amerika ist ein freies Land oder nicht?"

"Du bist nicht böse?"

Schulterzucken. "Nein, warum? Ich bin froh, dass du noch vorbei gekommen bist!"

Alex seufzte und ging dann zu dem anderen Sofa hinüber, wo Julia hockte und sich weiter unterhielt. Sie schien die Gesellschaft und die Fete sehr genossen zu haben und auch Alex war froh darüber, dass sie mitgekommen war. Vielleicht konnte man das irgendwann mal wiederholen? In absehbarer Zukunft? Falls Stephen ihm nicht bis ans Rest seines Lebens Hausarrest gab!

"Julia? Sollen wir mal langsam los? Ich-ich hab Morgen Schule, weisst du?"

"Ich nicht?"

Jetzt seufzte er verunsichert. Vorsichtig hockte er sich auf den Sofatisch vor ihre langen Beine und sah ihr in die schönen Augen. "Ja, ich weiss, Julia! Aber ich muss jetzt wirklich gehen! Bestimmt macht Chris noch mal eine Party und dann Freitag oder Samstag zu der wir dann wieder eingeladen werden, okay?"

Sie war enttäuscht ... "Na, schön, wenn du ins Bett musst?"

Die anderen Mädchen kicherten leise vor sich hin. Walker stand auf, ließ ihr halbvolles Bier einfach auf dem Tisch stehen und Alex folgte ihr bis an die Haustür, wo sie sich dann von Chris verabschiedeten und hinaus gingen.

Sie tigerten den Bürgersteig entlang und Julia hakte sich dann bei ihm ein, damit sie halbwegs nach Hause laufen konnte. Das Mädchen war ziemlich betrunken und Alex hatte einige Mühe sie oben zu halten. Gott sei Dank war ihr nicht übel! Nach einigen Metern kamen sie an die Ecke. Sie liefen weiter und überquerten dann die Strasse, um zu Julia's Haus zu gelangen.

Dort zog die Brünette ihre Schlüssel aus der Hosentasche und drehte sich dann zu Alex um. "Danke für den tollen Abend, Alex! Sehen wir uns vielleicht diese Woche?"

Wenn Dad mich gleich nicht irgendwie erwischt, dann schon ja ...

Er nickte. "Ja, bestimmt! Ich ruf dich an, okay?"

Julia lächelte und ihre weißen Zähne blitzten im Mondlicht. "Super! Schlaf gut, bis dann!"

"Ja, bis dann," gab er leise zurück, drehte sich dann um und verschwand wieder auf dem Bürgersteig.

Zügig ging er über die Jefferson und starrte dann auf das Haus seines Vaters, was ruhig und still im Dunkeln da lag. Licht konnte er nicht erkennen. Alex sprintete über den Bürgersteig und ein paar Hundert Meter voraus, bis er dann langsamer wurde und vorsichtig die drei Stufen der Veranda hinauf stieg.


So leise wie möglich öffnete er die Haustür und betrat die dunkele Lobby. Die Tür drückte er zu, sah sich kurz um und schlüpfte aus seinen Schuhen, die er unter die Gaderobe stellte. Noch einmal sah er sich um und entdeckte dann die Schlüssel von Mac und die Geldbörse auf dem Sekretär. Er schluckte nervös. Okay ... so wie es aussieht, haben er und Dad noch nichts bemerkt, denn sonst wäre Mac jetzt ganz sicher unterwegs und würde mich suchen ...

Er lauschte kurz, doch hören konnte er nichts. Müde stieg er dann leise die Treppe hinauf und in den dunkelen Flur des ersten Obergeschosses. Dort wandte er sich nach rechts und ... erschrak zu Tode!

Stephen stand in T-Shirt, Boxershorts und Bademantel mit dem Rücken an die Schlafzimmertür gelehnt und sah wütend zu ihm hinüber.

Oh, fuck!

Der auf frischer Tat ertappte Teenager blieb wo er war.

Stephen schloss kurz seine Augen, nur um sie dann wieder zu öffnen und seinen Sohn scharf an zu sehen. "Es ist doch kein Traum! Du bist es wirklich! ... Hast du mir irgendwas zu sagen, Alex?"

Alex konnte sein Herz schlagen hören. Ziemlich laut sogar! Was sollte er jetzt sagen? Dass er höchstwahrscheinlich bei Chris auf der Party gewesen war, wusste Stephen doch bereits! Alex schwieg, obwohl er ganz genau wusste, dass sein Dad das ebenfalls nicht akzeptieren würde.

"Alex," fragte Stephen ihn leise. "Sprichst du mal mit mir oder gab es auf Chris' Party so viel Alkohol, dass du nicht mehr ohne zu Lallen reden kannst?"

Oh nein, jetzt denkt er auch noch, dass ich gesoffen hab!

"Dad, ich hab nichts getrunken!"

"Und das soll ich dir jetzt glauben?"

"Dad, wirklich," beteuerte der Teenager jetzt fast weinerlich und machte ein paar Schritte auf seinen Vater zu. "Chris hat mir ein Bier angeboten und zwar fünf Mal, aber ich hab abgelehnt!"

Jetzt lachte Stephen bitter und schüttelte den Kopf. "Willst du jetzt einen Orden von mir, mein Großer? Hm? Den kriegst du nicht! Du hättest auch gar keine Möglichkeit ihn herum zu zeigen, weil du nämlich die nächste Woche plus das Wochenende hier in diesem Haus bleiben wirst."

Seine Stimme blieb die ganze Zeit unglaublich ruhig, doch Alex wusste, dass sein Vater innerlich vor Wut kochte! Stephen sah kurz auf den Teppich, dann trat er schnell auf seinen Sohn zu und begann seine Lederjacke und Hose abzuklopfen.

"Was, eh," machte Alex verwirrt, doch blieb stehen.

Als sein Vater scheinbar nicht fündig wurde, sah er seinen Sohn an, packte ihn am Kragen und öffnete seine Zimmertür. Dort ließ er ihn los und sah sich suchend um.

"Ich will dein Handy, Alex!"

Alex Augen wurden riesig. "W-wozu denn, i-"

"Hey," fauchte sein Dad jetzt laut und hielt einen Finger hoch. "Du hast es heute zwei Mal gewagt, dich einfach so zu verkrümeln und beim zweiten Mal sogar, obwohl ich dir verboten hatte, auf diese Party zu gehen! Und jetzt gib mir das verdammte Handy, Alex, bevor du diese letzten paar Stunden, die du noch zur Verfügung hast, auf dem Bauch schlafen musst, okay?"

Sein Sohn sah ihn an, schluckte und ging dann zum Bett hinüber. Dort blieb er stehen. Das Bett war zerwühlt worden. Die vielen Kissen, die er so sorgfältig unter die Bettdecke gelegt hatte, um einen schlafenden Menschen zu miemen, lagen kreuz und quer auf der Matratze und auf dem Boden seines Zimmers. Schnell riss er sich von dem Anblick los, griff dann nach dem Mobiltelefon auf dem Nachttisch und ging zurück zu seinem wartenden Vater.

Er übergab es Stephen, der es kurz in der Hand einmal herumdrehte und es dann durch Knopfdruck komplett aus machte. Zügig ging er zu dem Schreibtisch hinüber und Alex folgte ihm. Der Arzt öffnete das Gerät, fummelte die SIM-Karte und den Akku heraus, nahm die SIM-Karte zwischen die Finger und ließ den Rest auf dem Schreibtisch achtlos liegen. Der Arzt drehte sich zu seinem Sohn um und hielt ihm die kleine Karte vor die Augen.

"Die hier ziehe ich hiermit ein!"

Ah, nein! W-wie soll ich denn dann Julia erreichen, wenn ich ab Morgen Hausarrest habe?! ...

"Dad," jammerte sein Sohn laut und schüttelte den Kopf. "Bitte nicht! Ich- ... Ich hab doch mit ihr Nummern ausgetauscht und die da drauf gespeichert! Wie soll ich sie denn erreichen, wenn ich nicht raus darf?"

Stephen atmete tief durch und machte dann eine Faust um die Karte. "Beschwerst du dich gerade bei mir, Alex? Ich denke schon, oder? ... Ich sag dir jetzt was! Ich bin todmüde und will ins Bett, okay? Du kannst dir diese Karte zurückverdienen und zwar ab Morgen Abend! Das Wie erfährst du von mir noch, aber erstmal bleibt die Karte bei mir! Und wir zwei werden Morgen Abend, wenn ich nach Hause komme, deinen kleinen Ausflug und die Befehlsverweigerung im Wohnzimmer besprechen! Hast du verstanden?"

"Ja, Sir, hab ich ..."

"Na hoffentlich, Alex," meinte der Arzt sauer. "Und wehe, du kommst nachher nicht aus dem Bett! Du kannst jetzt noch etwas mehr als vier Stunden schlafen und das ist nicht viel!"

Stephen drehte sich um und ging auf die offen stehende Tür zu, dann seufzte er. "Gute Nacht."

"Nacht, Dad," sagte sein Sohn leise und sah Stephen hinterher, der auf den Flur verschwand und die Tür hinter sich zu zog.

Kurz sah Alex sich noch mal in seinem Zimmer um, dann warf er die paar Kissen aus seinem Bett und zog sich langsam um. Als er anschließend das blaue Rollo an seinem Fenster zugezogen hatte, setzte er sich auf die Bettkante und seufzte niedergeschlagen in seine Handflächen, während er mit Magenschmerzen bereits an Morgen dachte. Der Termin mit seinem Vater nach der Arbeit würde ganz sicher nicht zu den tollsten Verabredungen zählen, die er diese Woche hatte. Aber die schmerzhafteste bestimmt! In Gedanken versunken, löschte er das Licht, sah noch mal nach, ob der Wecker auch gestellt war und sank schließlich in sein warmes Bett, wo ihm nur nach wenigen Minuten die Augen zu fielen.

Tbc ...


AN: Ups! Erwischt :D Ob es Julia wirklich wert ist, Ärger zu bekommen? Wir werden sehen ... Danke für euer Interesse und viel Spass weiterhin! Eure Vanessa